TheHungryCow

Blog von TheHungryCow

10.01.2011 | 15:33

Goethe, Schiller und die Würde

Würde des Menschen

Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen,

Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.

 

Etwas in meinen Schulbüchern, das tatsächlich mein Interesse weckt. Doch wie soll man das nur verstehen?

Wie ist das mit der "Würde"? Appelliert man etwa nur an sie, wenn man ein Ziel verfolgt, etwas erreichen möchte? Wenn wir zufrieden sind, ist "Würde" nebensächlich?

 

 

 

 

Epigramm aus einer Sammlung von Schiller und Goethe, erschienen zwischen 1788 und 1805.

 
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Kommentare
Nietzsche 2011 schrieb am 12.01.2011 um 18:00
"Würde" steht m.E. im Kontext zur Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns. Heißt, ich setze mir Ziele - ungeachtet eventueller Anfeindungen und Ablehnungen -, die ich erreichen will. Das heißt zugleich, dass diese Ziele mir nicht aufoktroyiert wurden.
Oftmals wird an Würde appelliert, um ein (mögliches oder tatsächliches) Nichterreichen des Zieles zu verkraften - Motto: Das Zeil nicht errreicht, aber die Würde nicht verloren (Haltung bewiesen).
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 20:22
Sie sagen es so, als wäre Würde in solchen Situationen als Ausrede benutzt. Muss man sich verkaufen und bis zum letzten Grad verbiegen können, um das Ziel zu erreichen?

Im Übrigen hat Würde nichts damit zu tun, dass man Haltung beweist... das ist etwas ganz, ganz, ganz anderes.
TheHungryCow schrieb am 12.01.2011 um 22:56
Für mich war genau dieser Aspekt des "Würde nicht verloren" haben hier missdeutlich. Ich interpretierte es so, dass Würde als Schutzschild bzw. Ausrede verwendet wird, wie auch Krem-Browning schrieb.
Bei Misslingen von xy benötigt man man nunmal eine gute Ausrede; warum nicht an Würde appellieren (wie Sie Nietsche 2011) ? Wobei man auch stolz darauf sein könnte, seine Haltung bewahrt zu haben. Welch Vielfalt. Jeder hat die Möglichkeit, seine ganz eigene Ausrede zu finden, wobei es hier eigentlich nicht darum gehen sollte.
lg
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 20:36
@TheHungryCow

"Wenn wir zufrieden sind, ist "Würde" nebensächlich?"

Ich würde das Epigramm anders interpretieren. M.E. geht es hier genau um das Gegenteil. Der Autor meinte, dass er keine schönen Reden mehr über die Würde des Menschen anhören will ("Nichts mehr davon, ich bitt euch"). Man muss die hungrigen, verängstigten, unglücklichen Menschen nicht zu Würde aufrufen, sondern ihnen zu essen und zu wohnen geben, dann "gibt sich die Würde von selbst". Man muss den Menschen Angst um die Existenz wegnehmen, damit sie begreifen können, dass sie Menschen sind.
TheHungryCow schrieb am 12.01.2011 um 23:02
So in etwa klang auch unsere Schullösung. Wobei mir das irgendwie misfällt. Wieso sollte ich jemanden zu Würde aufrufen? Es bleibt doch jedem selbst überlassen, welchen Stellenwert er dieser "Tugend" in seinem Leben zukommen lässt.
Und für mich schwingt so ein "negativer Grundton" durch das Epigramm, was für mich das zwischen den Zeilen lesen auf etwas negatives, hinterlistiges wie die "Würde" als vorbehalt schließen lässt. Es wäre mir einfach lieber gewesen, auch wenn Ihre Deutung natürlich "korrekt" ist:)
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