Gut, das war ein bisschen unverschämt. Ich habe direkt hintereinander drei Teaser zu themashazine.com auf freitag.de gepostet. Postwendend, die sind schnell, diese digitalen Medien, habe ich ein nettes Mail bekommen. Um das ganz deutlich zu sagen: "nett" ist hier in keiner Weise sarkastisch gemeint, sondern ganz langweilig buchstäblich. Die Teaser sind auch noch online.
Insgesamt also korrektes Verhalten; es ist auch durchaus im Rahmen, mich zu bitten, nicht nur Dreizeiler mit Links zu posten Trotzdem stellt sich die Frage: Warum sollte ich das tun? Was wäre die Idee dahinter, wo ist der Businesscase? Ich bringe Content, fur die Suchmaschinenoptimierung wichtige Contendiversifizierung und damit Traffic. Und was habe ich davon? Gibt es irgendwelche Beteiligungsmodelle, Kooperationen oder wengistens Badges und Awards?
Ich weiß schon, Plattform, Awareness, Schaufenster usw. Ich habe aber meine eigene Brand, meine eigenen Leser. Klar freue ich mich über ein paar mehr, die auch mal vom Freitag bei mir vorbeischauen - aber damit nehme ich dem Freitag keine User weg.
Hier beginnt der Unterschied. Zeit die ich damit verbringe, Postings fur den Freitag zu schreiben, kann mit niemand wiedergeben. User, die vom Freitag aus mal bei mir vorbeischauen, kommen wieder. User, und das strapaziert diesen beliebten Sager gar nicht so sehr über die Maßen, sind wie Information: Sie werden nicht weniger, wenn man sie teilt. Das ist aber eine Einsicht, die sich nicht so richtig durchsetzt: Es sucht lieber jeder sein eigenes Businessmodell - und die User sind in der Zwischenzeit sowieso schon alle bei Facebook.
Damit stellt sich die schöne Geschichte von der Verteilung der Produktionsmittel und den gleichen Chancen der Medienproduzenten selbst ins Eck: Wer hat, dem wird gegeben. Ich nutze dem Freitag definitiv. Mein Content ist hier, publiziert, indiziert und er wirkt. Der Freitag nutzt mir vielleicht: Es muss erst mal jemand weiterklicken. Oder möchten mal Freitag-Redakteure bei mir posten?
Verstärkereffekte wie diese finden sich auch in Suchmaschinen wieder - Pagerank bedeutet nichts anderes, als daß Seiten, die ohnehin schon viele kennen, leichter gefunden werden, Keyworddichte bewirkt, daß Seiten umso besser gefunden werden, je weniger (diverse) Information sie enthalten, Blogs können ihre Reichweite durch intensive Verlinkung erhöhen - was ja nichts anderes bedeutet, als dass immer mehr Menschen immer öfter vom gleichen reden.
Wer mitmachen will, muss eben mitmachen. Deswegen habe ich mir immer schon damit schwer getan, die Einschätzung von Onlinemedien als Werzeuge von Gegenöffentlichkeit, Jugendlichkeit oder Kritik zu verstehen; noch schwerer fällt es mir natürlich, Medien generell als Instrument der Kritik zu verstehen. Sie sind ein Instrument der Bestätigung; sie können sich nur innerhalb bestehender Regeln und etablierter Verhältnisse bewegen. Alles andere wird schlicht nicht verstanden. Vielleicht liegt das ja auch an Reibungsverlusten in der Auseinandersetzung zwischen verkaufsorientierten Medien und kommunikationsorientierten Bloggern. Noch schöner sieht man das ja an den Werbern: Selten gibt es wo mehr Planlosigkeit, wie mit Antworten umgegangen werden soll. Die Leute sollen kauenm nicht reden. Das wird eine andere Geschichte.
Aber vielleicht fällt ja hier jemandem etwas dazu ein.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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