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Schön zu lesen, dass der Umgang mit den Dingen auch heute kritisch reflektiert wird. Aktuell nachzulesen als Aufmacher des Feuilletons der Zeit (Nr. 22 vom 20. Mai 2009) von Adam Soboczynski (ein Name wie ausgesucht aus dem Handbuch für Nachnamen Intellektueller). Zum Artikel später noch einige Anmerkungen, zuerst das wundervolle Zitat von José Ortega y Gasset, das Soboczynski verwendet:
"Auf den ersten Blick scheint er [der Intellektuelle] ein Zerstörer, man sieht ihn, einem Metzger vergleichbar, stets die Hände voll von Eingeweiden der Dinge. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Intellektuelle kann nicht, auch wenn er es wollte, im Hinblick auf die Dinge Egoist sein. Er macht aus ihnen ein Problem. Das ist das höchste Kennzeichen der Liebe." (Der Intellektuelle und der Andere, 1940)
Was sind diese Dinge? Die Dinge sind das Erfahrbare, in denen uns der Kapitalismus fassbar entgegentritt. Oberflächlich sind es die Dinge, die man haben muss, also Konsumgüter, Dienstleistungen etc., über die Teilhabe an gesellschaftlichen Teilsystemen entschieden wird. Tieferliegend sind es manifeste soziale Konzepte: Arbeitsteilung, Entfremdung, Ausbeutung, Kapitalakkumulation etc. Aufgabe einer intellektuellen Auseinandersetzung mit den Dingen ist damit eben ihre Dekonstruktion.
Mit den Intellektuellen ist es aber nicht mehr weit her, wie Soboczynski in seinem Artikel auszuführen versucht. Vor der Egalisierung des Internet und der damit einhergehenden Verflachung müsse das Intellektuelle kapitulieren, so seine These. Eine ernsthafte intellektuelle Analyse sei eben nicht massentauglich, würde im Netz sogar wütend beschimpft und verlöre den Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser.
Soboczynski wiederholt einen Fehler, der häufig bei der Analyse von Webentwicklungen zu beobachten ist: das Internet ist nicht Auslöser, sondern nur Manifestation von eh stattfindenden sozialen Entwicklungen: wenn Intellektualität im Netz keine Chance mehr hat, dann eben deshalb, weil sie gesellschaftlich in weiten Kreisen schon längst diskreditiert ist, dazu brauchte man das Internet nicht. (Hier nun über Dialektik zu sprechen, sprenge den Rahmen, vielleicht in einem zukünftigen Beitrag.)
So sehr Soboczynskis launische Analyse auch gefallen mag: sie fußt doch auf dem Bild eines Intellektuellen, das doch längst irgendwann in den siebziger Jahren der Republik verloren gegangen ist: der Intellektuelle als Autorität, der mit seiner geschulten Analyse und seinem moralischen Urteil die Massen erreichte - das ist in der heutigen Medienlandschaft (und eben nicht nur im Netz) komplett undenkbar.
Zum Abschluss noch ein Zitat Ortegas: Der Andere [also der Nicht-Intellektuelle] "lebt in einer Welt, deren Dinge ein für alle Male sind, was sie zu sein scheinen". Klug bemerkt Soboczynski im Anschluss:
"Der Andere tritt dabei bisweilen durchaus in der Verkleidung des Intellektuellen auf - etwas als digitaler Bohemien, der sein virtuelles Sozialleben verwaltet und ordnet wie die fleißige Hausfrau Staubtücher und Putzgeräte."
Das wiederum gefällt mir gut, auch wenn der Vergleich mit der fleißigen Hausfrau nicht mehr ganz in die Zeit passt.
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Soboczynskis "launische Analyse" ist dermaßen platt, dass man ihn jedenfalls davon freisprechen kann, intellektuell zu sein.
Ein guter Artikel hier im Freitag zum Thema: Die Verklärung des Heiligen Sebastian von Joachim Losehand www.freitag.de/community/blogs/joachim-losehand/die-verklaerung-des-heiligen-sebastian |
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Wenn Intellektualität vor allem dazu dient, sich von den Nicht-Intellektuellen abzuheben, dann gehört auf Intellektualität geschissen, weil sie sich damit längst selbst diskreditiert hat.
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Ihr Lieben:
In dem Moment, in dem launig mit launisch verwechselt wird, können wir die Diskussion doch abbrechen, oder? amüsiert kk |
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schrieb am
28.05.2009 um 09:03
'Launisch' passt aber auf den debattierten Text besser als 'launig'. Noch besser wäre 'übellaunisch', was aber heutzutage, laut etymologischen Wörterbüchern dann wieder 'übellaunig' heißen muss. - Na, ja, deutsche Sprache, ich möcht' sie nicht noch mal lernen müssen...
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... und launisch war auch gemeint.
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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