Theseus

Blog von Theseus

24.02.2009 | 12:21

Weltfinanzkrise: Die Entmachtung der Armen Teil 2

Teil 2: Die wirklichen Ursachen der Finanzkrise

Die Krise ist da, der Staat springt mit Milliardenhilfen ein. Branchenübergreifend wird Geld in die Wirtschaft gepumpt. Dass all diese Maßnahmen nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung führen werden, zeigt ein Blick auf die wirklichen Ursachen der Weltfinanzkrise.

In den Medien und auch in wissenschaftlichen Aufsätzen ist vielfach zu lesen, dass die amerikanischen Hausbesitzer der Auslöser der Subprime-Krise und damit auch der Weltfinanzkrise sind. Die millionenfach geplatzen Kredite nach Wertberichtigungen im US-amerikanischen Immobiliensektor führten zu einer Vertrauenskrise im Finanzsektor, die nun auch Auswirkungen auf die reale Wirtschaft hat und eine Weltwirtschaftskrise nach sich ziehen wird. Eigentliche Ursache dieser Krise sind jedoch weder amerikanische Geringverdiener, die sich den Traum eines Eigenheims verwirklichen wollten noch gierige Investmentbanker, die auf der Jagd nach Renditen für ihre betuchten Kunden und Provisionen für sich selbst jedes Risiko in Kauf nahmen.

Die eigentliche Ursache begründet sich in einer globalen Entwicklung, bei der mit zunehmendem Tempo Vermögen von Arm zu Reich transferiert werden. Dies geschieht sowohl nach klassischem Muster zwischen erster und sogenannten dritter Welt als auch innerhalb der entwickelten kapitalistischen Zentren. Diese Entwicklung lässt sich sowohl im privaten als auch im ökonomischen Bereich verorten.

Kommen wir zunächst zum ökonomischen Bereich. Die innere Funktionsweise des Kapitalismus und die im Zuge der dritten industriellen Revolution (vgl. hierzu Robert Kurz) enorm ansteigende Produktivität durch Rationalisierungen führen dazu, dass große wirtschaftliche Unternehmen eine immer höhere Rendite einfahren. Gleichzeitig ist durch eine Ausdifferenzierung der Arbeiterschaft (und letztendlich auch der gesamten Gesellschaft) eine Schwächung traditioneller, großer Gewerkschaften zu beobachten, die sich gegen die Kapitale, unterstützt durch einen seit den 1980er Jahren in den USA und England stark angebotsorientierten Staat, nicht mehr zur Wehr zu setzen vermag. Dies führt zu einer zweischneidigen Entwicklung: auf der einen Seite werden immer weniger Bürger zu immer geringeren Teilen am Volkseinkommen beteiligt und auf der anderen Seite wachsen die Gewinne großer Unternehmen und Konzerne durch die Abschmelzung des Faktors Arbeit immer stärker. Diese Gewinne können nun jedoch nicht mehr komplett reinvestiert werden, da die Nachfrage fehlt und werden auf dem Finanzmarkt geparkt.

Genau dies ist auch die Ursache dafür, dass die Weltfinanzkrise aktuell mit voller Wucht auf die Realwirtschaft durchschlägt. Über Jahre hat der kreditfinanzierte US-amerikanische Konsum die fehlende Nachfrage fast aller anderen Länder der Welt ausgeglichen. Irrationalerweise wurde diese Nachfrage sogar von den produzierenden Ländern bezahlt, in dem die Gewinne über den globalen Finanzmarkt in die USA zurückflossen. Diese Länder, allen voran Deutschland als sogenannter Exportweltmeister, haben letztendlich nicht nur diese Waren erarbeitet sondern auch bezahlt. Sollten in der aktuellen Krise die Schulden der USA darüber hinaus entwertet werden, hätten die Exportnationen den Wohlstand der USA sogar weitgehend gratis finanziert.

Im privaten Bereich führte die Umverteilung von Arm zu Reich zu immer mehr Superreichen, denen zunehmend Investitionsmöglichkeiten fehlten. Da sich nicht bei allen eine Verantwortungsethik à la Bill Gates herausgebildet hat, wurden die Vermögen dieser neuen Superreichen zunehmend ebenfalls am Finanzmarkt investiert.
Diese duale Investitionskultur am globalen Finanzmarkt ermöglichte erst die umfangreiche Entwicklung immer neuerer Finanzprodukte. Gleichzeitig begriffen immer mehr private Investoren die Jagd nach der höchsten Rendite als Sport und förderten so die Bereitschaft zu immer höheren Risiken. Die Folge ist eine enorm ausgeweitete Nachfrage nach Finanzproduktion, die eine Überhitzung des Marktes nach sich gezogen hat.

Die in den letzten Jahren dabei eingefahrenen Gewinne, die aufgrund der ansteigenden Kurse und der Raffinesse der entwickelten Finanzprodukte (die eigentlich zur Absicherung von Kreditrisiken entwickelten sogenannten Leerverkäufe wurden auch privaten Anlegern schmackhaft gemacht) erzielt werden konnten, hatten einen Multiplikatoreffekt auf den Weltfinanzmärkten zur Folge, der die eingeschlagene Überhitzungstendenz enorm verstärke. Denn die erzielten Gewinne wurden erneut angelegt, oftmals zu einem noch höheren Risiko.
Gleichzeitig beschleunigte sich natürlich die Umverteilung der Vermögen von Arm zu Reich. Wird nun über Verstaatlichung und staatliche Finanzbeihilfen diskutiert, so handelt es sich dabei ausschließlich um einen weiteren (finanziellen) Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die den Finanzmarktboom auch in den vergangenen Jahren bereits teuer bezahlt haben.

Welche Lösungsansätze gibt es nun aber für diese globale Tendenz der Umverteilung? Es gilt, einkommens- und vermögensschwache Bevölkerungsteile finanziell und sozial zu stärken und diejenigen zu besteuern, deren Vermögenshöhe sich jeder menschlichen, vernünftigen Entscheidungskompetenz entzieht. Ein großer Schritt ins diese Richtung ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.
 
Senden Bookmarken Drucken
Theseus
Student Universität Osnabrück Fachbreich Sozialwissenschaften Forschungsschwerpunkte: Sozialstaats- und Gesellschaftsreform, politische Ökonomie, Energiepolitik
Ort:
Osnabrück
Mitglied seit:
3 Jahre 15 Wochen
Zuletzt aktiv:
02.03.2011
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 5
Kommentare: 0
Logbuch
10:03
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
09:52
lothar.ackermann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
09:44
hadie hat gerade einen Kommentar geschrieben.
09:11
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
09:08
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
David Foster Wallace Das hier ist Wasser Kiepenheuer & Witsch 2012

64 Seiten. Kartoniert.

4,99
 
David Foster Wallace wurde 2005 darum gebeten, vor Absolventen des Kenyon College eine Abschlussrede zu halten. Diese berühmt gewordene Rede gilt in den USA mittlerweile als Klassiker und Pflichtlektüre für alle Abschlussklassen – eine kleine Anleitung für das Leben, die man jedem mit auf den Weg geben möchte >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Die grüne Guerilla

Ausgabe 22/2012
31.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG