thinktankgirl

Blog von thinktankgirl

17.04.2010 | 08:49

Perugia II Trueffel und Jazz

Wir fahren nach Scheggino. 50 km Richtung Sueden. Assisi thront auf einem Huegel und wirkt maechtig.

Das breite Tal wird landwirtschaftlich genutzt, aber nicht so haesslich intensiv wie in der Poebene. Alles wirkt sauber und behaebig. Auf den Huegeln alte graue Staedte. Die wichtigsten Erwerbszweige in Umbrien sind Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Tourismus.


Die Berge werden hoeher, wir durchfahren einen langen Tunnel und kommen ins Valnerina - das Tal des schwarzen Flusses, der jedoch glasklar durch die Berge eilt.

 

Ziel ist eine Tartufaia. Dort werden Trueffel angebaut. Angebaut ist zuviel gesagt. Bei diesem ehemaligen Versuchsobjekt der Region Umbrien und der Universitaet Perugia, wurden Eichen und Haselstraeucher gesetzt und der Boden mit Trueffelsporen geimpft. Und dann muss man warten, ca. 10-15 Jahre bis sich erste Ergebnisse zeigen. Der Trueffel ist sehr heikel. Bodenchemie, Temperatur, Regenfaelle alles muss stimmen, damit das Myzel die kleinen Knollen reifen laesst. Speziell ausgebildete Hunde, die Welpen kosten bis zu 2000 Euro, riechen aus kilometerweiter Entfernung den Trueffel. Trueffelschweine sind aus der Mode gekommen, da sie die schlechte Gewohnheit haben, die Knollen aufzufressen. Warum sucht das Schwein die Trueffel? Er riecht wie eine hitzige Sau.
 In den ueber 1500 m hohen Gipfeln oberhalb der Anlage lebt das einzige Koenigsadlerpaar Umbriens.
Einer der weltgroessten Trueffelhaendler hat seine Fabrik im Tal. Wie beim Diamantenhandel beherrschen einige wenige Firmen fast den ganzen Trueffelmarkt. Und die Firma Urbani gehoert dazu. Sie verarbeitet nicht nur Trueffel, sondern kauft europaweit Trueffel auf, um sie direkt auf dem internationalen Markt anzubieten.
Einheimische berichten, dass sich im Keller ein Hochsicherheitstresor befindet, wo Millionenwerte an tiefgefrorenen Trueffel lagern, denn der Trueffel muss innerhalb 48 Stunden verarbeitet oder anderfalls tiefgefroren werden.


Nach der Fuehrung gehen wir essen, damit die Trueffel nicht nur theoretisch bleiben.

Zurueck in Perugia geht das Programm weiter: der Perugia Jazz Club organisiert den letzten Jazzabend der Wintersaison mit dem Perugia Orchestra (spitze!). Dann wird eine Stunde Pause gemacht, das Publikum darf ran ans Buffet. Um 21 Uhr geht es weiter mit einer hervorragenden amerikanischen Band "Joe Locke - Force of Four".

Es sind ueber 500 Besucher da. Bei den Umbrier scheint der Schnauzbart Mode zu sein.

 
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Kommentare
Magda schrieb am 17.04.2010 um 08:59
Das ist interessant und schön zu lesen. Und auch die schönen Bilder. Ist das nicht toll mit der Technik, was man alles miterleben kann. Und wie schmecken nun Trüffel?

Lied vom traurigen Trüffel

Kein Schwein fand mich
Die Hunde, sie meiden mich
Ich bin ein Trüffel und sie
verschmähen mich -huhu
thinktankgirl schrieb am 18.04.2010 um 08:15
@Magda

Wie schmecken Trueffel? Kaum zu beantwortende Frage. Gestern versuchte ich eine Beschreibung aus dem Pressecorps herauszukitzeln, aber ohne Erfolg. Er riecht durchdringend, aber nach was...Konzentrierter Humus mit etwas Animalischem....sicher nicht nach Champignon
Vielleicht gehoert er in dieselbe Kategorie wie Moschus.
luggi schrieb am 17.04.2010 um 23:05
@ttg
machst du wirklich gut. Immer am Ball, konzentriert in der Beschreibung und informativ.
Aber wieso liegen da 2 Gabeln neben dem Teller? Und Trickser sind das auch, schön buntes Dekor auf dem Teller, wirkt opulent.
thinktankgirl schrieb am 18.04.2010 um 08:09
@luggi

Das waren die Vorspeisen! Dazu braucht man nur eine Gabel. Dann kamen selbstgemachte Nudeln mit Trueffelsauce als erster Gang, gefolgt von einem Stueck Braten, zum Abschluss ein Dessert. Irgendwann ist das Besteck aufgebraucht.

Was ich gestern abend gegessen habe, werde ich spaeter bloggen, wenn ich wieder zu Hause bin.
merdeister schrieb am 17.04.2010 um 23:06
Hunger und Reiselust und bei Germanwings gibt es nix zu essen.
goedzak schrieb am 19.04.2010 um 11:20
Bei Germanwings gibt's auch nix zu fliegen. Meine Tochter sitzt deshalb derzeit auf ner Fähre...
Wolfram Heinrich schrieb am 17.04.2010 um 23:16
@thinktankgirl
Warum sucht das Schwein die Trueffel? Er riecht wie eine hitzige Sau.

Ja, heißt das, daß der Feinschmecker sich Hitzige-Sau-Aroma über sein Essen streuselt? Dem Feinschmecker graust vor nix.

Ciao
Wolfram
thinktankgirl schrieb am 18.04.2010 um 08:04
@wolfram

Diese Pheromone sind wohl universell einsetzbar....Trueffel gilt auch als Aphrodisiakum fuer Menschen
Wolfram Heinrich schrieb am 18.04.2010 um 08:19
@thinktankgirl
Diese Pheromone sind wohl universell einsetzbar....Trueffel gilt auch als Aphrodisiakum fuer Menschen

Freilich, wieso sollte auch ausgerechnet Trüffel nicht als Aphrodisiakum gelten? Teuer genug wär er ja. In der frühen Neuzeit galt die Kartoffel als Aphrodisiakum, etwas später machte die Tomate eine ähnliche, allerdings kurzfristige Karriere. Seit man Kartoffeln und Tomaten pfundweise wohlfeil erwerben kann und nicht mehr grammweise für teures Geld kaufen muß, ist es mit der Luststeigerung nicht mehr so weit her.
Geld macht sinnlich, das ist der Punkt.
Damit will ich dir aber nicht den Spaß an Trüffeln verderben und schon gar nicht den an Perugia.

Ciao
Wolfram
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.04.2010 um 23:19
Und was ess ich jetzt???
Wolfram Heinrich schrieb am 17.04.2010 um 23:33
@Rainer Kühn
Und was ess ich jetzt???

Körriwuaß, mit ohne hitzige Sau.

Ciao
Wolfram
hibou schrieb am 22.04.2010 um 07:25
schöne Berichte. Uhh und die Trüffelschweine!
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