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Warum kostenlose Inhalte im Sinne einer demokratischen Gesellschaft sind und wie Qualitätsjournalismus trotz neuer Spielregeln im Netzzeitalter realisierbar ist.
Warum Content kostenlos sein sollte
Als Jürgen Habermas 1962 über den Strukturwandel der Öffentlichkeit schrieb, hatte er ein Ideal im Kopf. Er sah die Öffentlichkeit als den Raum, in dem Individuen zusammenkommen um einen politischen Willen zu formen und Entscheidungen zu treffen, stets basierend auf objektiven, möglichst präzisen Informationen. Die Öffentlichkeit ist damit die Grundlage unseres demokratischen Systems, sie ist die Sphäre der Willensbildung. Die notwendigen Informationen, die laut Habermas die Grundlage jeglicher Entscheidung sein sollten, bezieht die Bevölkerung vor Allem aus einer Quelle: der Presse.
Es ist das ureigenste Ideal des Journalisten, als Beobachter über Politik und Wirtschaft zu wachen. Er schlägt die Brücke von den Mächtigen zum Volk und sorgt als unabhängige Instanz für Transparenz, indem er über politische Vorhaben berichtet, obskure Machenschaften in der Wirtschaft enthüllt oder mit fundierten Meinungen kritisch das Zeitgeschehen kommentiert. Daher ist eine funktionierende Demokratie nur in einer Gesellschaft denkbar, in der eine freie und neutrale Presse gewährleistet werden kann. Doch das Vorhandensein der notwendigen Informationen allein ist noch kein Garant für eine partizipierende, aufgeklärte Öffentlichkeit. Der eigentlich kritische Punkt ist der Zugang zu diesen Informationen. Man stelle sich vor, die Tageszeitung oder TV-Nachrichten kosteten 10€ pro Tag - der Effekt auf den allgemeinen Wissensstand wäre fatal.
Da allerdings das größtmögliche Wissen innerhalb einer Gesellschaft wünschenswert ist, zumindest aus demokratischer Perspektive, wäre die ideale Situation, dass jegliches journalistische Produkt – allen voran investigativer Journalismus – jeder Person unkompliziert und frei zur Verfügung stünde. Und tatsächlich scheint diese Situation näher und reeller als je zuvor. Ermöglicht wird dies dank des Internets: Ob auf den Websites der etablierten Medienhäuser oder auf Blogs, im Netz findet sich eine schier unglaubliche Zahl an Informationen. Nicht alle davon entsprechen höchsten Qualitätskriterien, mit ein bisschen Routine allerdings ist es kein Problem sich online ebenso gut zu informieren wie offline. Und zwar kostenlos.
Vom straucheln der Medienbranche
Doch genau hier liegt die Krux. Denn Qualitätsjournalismus ist nicht ohne Geld zu schaffen. Genau dieses Problem beschäftigt derzeit Medienanstalten auf der ganzen Welt. Am schlimmsten erwischte es die USA, wo Traditionszeitungen wie die Rocky Mountain News den Betrieb einstellten und weitere Titel nur noch online und nicht länger gedruckt erscheinen. Doch auch im Rest der Welt sind Medienunternehmen, besonders Tageszeitungen, am straucheln. Kaum eine Publikation die nicht von Sparmaßnahmen betroffen ist, weil die Auflage kontinuierlich fällt da die Leser ins Internet abwandern. Dort wird bis dato mit Werbung allerdings nur ein Bruchteil dessen verdient was im Print möglich war.
Gespart wird in den meisten Fällen auch an der Redaktion. Darunter leidet letzten Endes jedoch die Qualität des Journalismus. Denn oft müssen immer weniger Redakteure heute ein Vielfaches der Arbeit übernehmen. Als Resultat lastet auf ihnen ein immenser Druck, der weniger Raum für genaue Recherchen lässt und beispielsweise dazu verleitet auf PR-Erzeugnisse zurückzugreifen – leider häufig ohne Gegenprüfung. Aus der Perspektive des Habermas‘schen Öffentlichkeitsideals ist dies selbstverständlich ebenso gefährlich und gleichsam nicht wünschenswert wie ein limitierter Zugang zu Informationen.
Kurzum: Journalisten müssen mit Ihrer Arbeit Geld verdienen, sonst können sie ihrer gesellschaftlichen Aufgabe auf Grund von wirtschaftlichen Zwängen nicht gerecht werden. In Anbetracht der Bedeutung ihres Auftrags – die vierte Gewalt im demokratischen System darzustellen oder als „Watchdog“ zu fungieren, wie es in der amerikanischen Journalismusliteratur heißt – sollten sie sogar überdurchschnittlich gut verdienen. Dies jedoch scheint in Zeiten des Netzjournalismus zunehmend schwerer zu werden. Leser zahlen nicht mehr für die Inhalte und die Online-Werbeeinnahmen genügen in den allermeisten Fällen nicht um eine Redaktion zu unterhalten, geschweige denn Rendite zu erwirtschaften.
Das Internet als Sündenbock
Daher ist das Verhältnis der Medienunternehmer zum Internet derzeit deutlich angespannt. Medienmogul Rupert Murdoch etwa ging unlängst gegen Google auf die Barrikaden. Er warf dem Suchgiganten vor, Inhalte zu aggregieren und damit Profit zu machen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Dabei ließ er geflissentlich außer Acht, dass Google Millionen Besucher auf die Webseiten der Newsunternehmen manövriert und dank Adsense in vielen Fällen einen Großteil zur Monetarisierung der Portale beiträgt.
Doch das Beispiel Murdoch ist nur ein Fall unter vielen, in denen dem Internet die Schuld am befürchteten Niedergang des Journalismus zugeschrieben wird. Die Frage nach der Schuld ist allerdings reaktionär und hilft nicht das Problem zu lösen: Auf der einen Seite sind kostenfreie, stets verfügbare Inhalte gesellschaftlich wünschenswert doch andererseits steht zu befürchten, dass weniger Einnahmen gleichbedeutend mit weniger oder zumindest schlechterem Journalismus sind. Bemühungen jedoch, das „Phänomen Internet“ einzudämmen und Content hinter einer Paywall zu verschanzen sind weder im Sinne des journalistischen Auftrages noch versprechen sie Erfolg.
Mut zum Neuen
Was es also braucht sind neue Ansätze. Ähnlich wie die Musikindustrie muss auch die Medienbranche umdenken. Im Netz herrschen andere Spielregeln als zu Zeiten der Druckerpresse. Dort regierte das Gesetz der Auflage, im BWL-Deutsch die Grenzkosten. Desto öfter der gleiche Inhalt verkauft wurde, desto geringer wurden die Kosten pro Stück. Im Netz sieht es anders aus, denn das Veröffentlichen an sich ist quasi kostenlos, lässt man Kosten für Server und Datenverkehr einmal beiseite. Zum Zweiten ist das Veröffentlichen heute kein Privileg der Wenigen mehr; wer will kann publizieren. Das bedeutet, nicht mehr der Verleger ist wirtschaftlich gesehen der wichtigste Akteur, sondern der Journalist. Denn nur wer seinen Lesern, Hörern oder Zuschauern Qualitätsinhalte bietet, wird daraus Kapital schlagen können.
Doch wie kann man online journalistische Qualität gewährleisten, wenn es für Verlage nicht mehr lukrativ ist, Redaktionen zu Unterhalten? Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht, wohl aber Modelle, die richtungsweisend sein könnten. Beispielsweise kündigte das erfolgreiche amerikanische Polit-Blog Huffington Post im März die Gründung des Huffington Post Investigative Fund an, eine Stiftung, die investigativen Journalismus ohne Gewinnbestreben finanzieren soll. Finanziert wird sie aus Spenden und beschäftigt festangestellte und freie Journalisten, deren sämtliche Arbeiten allen Medien zur freien Verfügung stehen. Dass derartige, auf Spenden beruhende, Modelle funktionieren können zeigt das Beispiel Wikipedia.
Eine andere Lösung setzt auf die Kooperation von Amateuren und Profis, ein Ansatz den der New Yorker Journalismus-Professor Jay Rosen seit einigen Jahren verfolgt und darauf basierend das Projekt NewAssignment.net gegründet hat. Besonders für den Lokaljournalismus könnte eine solche Zusammenarbeit zwischen ausgebildeten Journalisten und engagierten Bürgern ein gangbares Modell darstellen. Denn gerade auf lokaler Ebene wird es für Medienunternehmen zunemend schwer, da sie im Vergleich zu ihren überregionalen Pendants eine ausgesprochen kleine Zielgruppe ansprechen.
Eines ist klar: Unabhängiger Journalismus ist unabdingbar für das Funktionieren einer Demokratie. Daher darf es die Gesellschaft nicht zulassen, dass er ausstirbt und durch billiges Infotainment und PR ersetzt wird. Damit dies allerdings gelingt muss in der Medienbranche und unter Journalisten ein Umdenken stattfinden – es braucht Mut zum Neuen. Denn, um es mit den Worten von Medienprofessor Clay Shirky zu sagen: „‘Ihr werdet uns vermissen wenn wir weg sind‘, war noch nie ein großartiges Geschäftsmodell“.
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Hoffen wir mal, dass auch bald mal was angepackt wird. Dieser argwöhnische Hickhack zwischen Bloggern und Journalisten ist erstens in keinster Weise produktiv und zum anderen geht derweil Zeit für konstruktive Versuche verloren.
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Argwohn ist sicherlich ärgerlich, aber auch verständlich:
Der Print-Kuchen zerbröselt gerade, der Online-Kuchen ist noch im Ofen, wenn dann noch ein paar (Läster)Mäuler wie wir Blogger dazukommen, dann knurrt eben nicht nur der Magen, sondern gleich der ganze Journalist. Doch deshalb - ich wiederhole mich gern - ist das Experiment "der Freitag" ja auch so interessant: Wie finden diese beiden Seiten (zwischen denen es ja bereits jetzt eine Schnittmenge gibt), wie finden diese beiden Sichtweisen ("Aah, alles geht unter!" vs. "Ooh, alles so neu!") am Ende zueinander, um etwas Neues zu etablieren. ...Friedland... |
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@Thearcadier: Absolut!
@Friedland: Stimmt, der Freitag ist wirklich ein interessantes Projekt. Auf der anderen Seite ist das Modell in meinen Augen nicht tragfähig um guten, investigativen Journalismus zu hervorzubringen. Einfach auf Grund der Tatsache, dass der Großteil der Autoren nicht bezahlt wird und er in Folge dessen gar nicht die Ressourcen hat um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Während also Analysen, Kommentare etc. hier in teils hervorragender Qualität existieren und geschaffen werden können, bezweifle ich, dass ein 'der Freitag'-Blogger den nächsten Wirtschaftsskandal enthüllen oder die Hintergrundberichte aus Washington liefern wird. Daher braucht es Ansätze - Beispiele benenne ich ja im Artikel - die es Journalisten trotz der erschwerten Bedingungen im Netz erlauben mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Dies ist in der jetzigen Situation extrem bedeutsam, für uns alle als Gesellschaft. |
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Aber wir Blogger können doch auch Watchdogs sein, ganz unendgeltlich. Hauptsache, wir bekommen was zu beißen...
Es muss ja nicht jeder gleich investigativ hinter den großen Themen her sein, aber als Unterstützung lokaler Berichterstattung vor Ort sind Blogger (also schreibende BÜRGER) ein Pfund, mit dem leider erst die Bild-Zeitung in Deutschland im wahrsten Sinn des Wortes wuchert. Da ist der Guardian ("Wächter!") in GB schon weiter. Gut bezahlte, hauptberufliche Journalisten möchte ich auch weiterhin haben. Dennoch wird es gerade im News-Segment eine Entwicklung ähnlich den Bäckereien geben: Die billigen Schrippen vom Aufbäcker nebenan schmecken nicht dolle, aber diese Häppchen machen schnell satt. Doch ein- oder zweimal pro Woche gönnt man sich die handwerklichen, mit Liebe gekneteten (Bio-)Premium-Brötchen vom Bäckermeister seines Vertrauens. Und die schmecken dann auch umso besser... |
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Was die lokale Ebene anbelangt hast Du denke ich Recht. Hier machen Ansätze vergleichbar zu 'der Freitag' Sinn. Auch die im Artikel angesprochenen Kooperationen von Profis und Amateuren sind vielversprechend, um auch künftig Lokalberichterstattung in ausreichendem Maße und guter Qualität zu gewährleisten.
Doch was das gesamte Newsbusiness anbelangt, wird es auch künftig vertrauenswürdige Institutionen brauchen. Erstens müssen sie nach journalistischen Qualitätsstandards arbeiten und dadurch Zuverlässigkeit gewährleisten und auf der anderen Seite müssen sie als Marken etabliert sein, um sich im Durcheinander des Internets überhaupt durchzusetzen. Ob dies Personen- oder Redaktionsmarken sind, ist dabei zwar zunächst Mal egal, doch der Citizen Journalist kann dies in meinen Augen nicht leisten. Man muss sich ja nur mal angucken, worauf sogar bekannte Newsblogs wie etwa die Huffington Post heute in den allermeisten Fällen ihre Berichterstattung aufbauen: auf PR und die Nachrichten aus den etablierten Redaktionen. Fallen letztere weg, sieht es übel bestellt aus um die allgemeine Information. Dem Bäcker um die Ecke fehlte dann sozusagen das Mehl und zum Frühstück gäbe es dann wohl nur noch abgepacktes PRot vom Discounter. |
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Um mal beim Beispiel der Bäckerei zu bleiben, ein Bekannter von mir hatte auch so eine kleine, nette Familienbäckerei. Die Qualität war immer die beste im Dorf, der Kundenkreis ging kaum über die Gemeindegrenzen hinaus. Doch dann wurde zunehmend die Idee des Wachstums populär. Weil einige Bäcker nicht genug kriegen konnten, entstand eine neue Konkurrenz, die auf die alten Bäckereien Druck ausübte, oder diese verstanden es zumindest so. Der Versuch der "Alten", sich anzupassen, indem man neue, größere Backöfen kaufte, und das Brotsortiment ausweitete und das Café teuer renovierte, ging auf Kosten der Qualität und der Authentizität. Es war der Versuch, sich an die Konkurrenz anzupassen, so zu werden wie sie. Die Konkurrenz war ihnen im unternehmerischen weit überlegen, aber schlechter in der Qualität. Doch auch die Qualität der Konkurrenz ist inzwischen sehr stark gewachsen, so dass es bald keinen Grund mehr geben wird, zu den Alten zu gehen, die ja nicht mehr die Alten sind. Das Klischee von der guten kleinen und der schlechten großen Bäckerei wird irgendwann nicht mehr stimmen.
Ähnlich ist es ja inzwischen mit den Bloggern. Die Qualität der großen Print-Zeitungen ist teilweise erschreckend schlecht, die von Blogs teilweise sehr gut. Eine Lösung für das Problem des Geld Verdienens weiß ich auch nicht, aber die Situation ist bezeichnend für die aktuellen Probleme unserer Gesellschaft, die jahrelang nur Gewinn und Wachstum berücksichtigt hat. Das ging einmal einher mit Qualitätssteigerung, aber inzwischen sind Qualität und Wirtschaftlichkeit zwei unterschiedliche Dinge. Genauso wie den Journalisten geht es Musikern, Wissenschaftlern und sogar Ärzten. Insofern sind kreative Lösungen gefragt, wie das Dein Artikel ja auch schon teilweise vorgestellt hat. Freitag.de kannte ich übrigens vorher noch nicht, insofern hast Du etwas bewegt. Aber Geld bezahlen werde ich dafür trotzdem nicht. Warum sollte ich auch? |
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"Dem Bäcker um die Ecke fehlte dann sozusagen das Mehl und zum Frühstück gäbe es dann wohl nur noch abgepacktes Brot vom Discounter". Bleiben wir bei eurem Bäckervergleich, um die Probleme des Qualitätsjournalismus zu beschreiben.
Das Mehl muss als Grundnahrungsmittel aus Steuergeldern finanziert werden, so kann Demokratiehefe weiterentwickelt werden. Ein weiterer Vegleich: Die Parteien finanzieren sich zum großen Teil aus Steuermitteln (u.a. Wahlkampferstattung nach Stimmen) Kritische Medienberichterstattung brauchen ebenso eine Grundfinanzierung aus Steuermitteln (Kritierienkatalog), sonst ist gegen den Anzeigen-Kauf-PR-"Jourmelismus" kein Kraut gewachsen. |
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So könnte es wohl aussehen. Dann dürfte aber auch niemand mehr Ansprüche auf geistiges Eigentum stellen, und der Traum vom großen Geld wäre ausgeträumt, weil man sich mit einem Hit, einem Patent oder einem Buch nicht mehr lebenslang finanzieren könnte. Das ist es denn auch, was einen Jimbo Wales (Wikipedia-Gründer) von einem Rupert Murdock unterscheidet. Kein großer Tellerwäscher-Karrieren-Kapitalismus mehr. Das wäre eher erstaunlich nah an einer Art Sozialismus.
Ich hab mich da nicht so genau reingelesen bisher, aber scheinbar ist das auch ein wesentlicher Teil des Wahlprogramms der Piratenpartei (vgl. t3n.yeebase.com/piratenpartei-mehr-hort-politischer-filesharer-246157/ ) |
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@ Michael Lampertz
So sieht's mal aus. Das "Mehl" muss öffentlich finanziert werden. Ob das Volk die berechtigten Sorgen der Bäcker-Qualitätsjournalisten versteht? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss ... "..niemand mehr Ansprüche auf geistiges Eigentum stellen, und der Traum vom großen Geld wäre ausgeträumt,.." Schreib einen neuen Harry-Portier-Knaller und du schwimmst im Geld wie D.D. Ansonsten vergiss das mit dem "geistigen Eigentum". Das meiste ist eh abgeschrieben oder wurde am anderen Ende der Welt längst gedacht, nur du und andere haben es nicht mitbekommen. Das gilt für Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler, Manager, Journalisten, Politiker etc. ... (Ich könnte das reihenweise zeigen, dafür möchte ich aber bezahlt werden.) Ansonsten: schreib ab, dass die Schwarte kracht, aber nur wirklich gute Sachen, begreife dich als lebendiges Rhizom in der unüberschaubaren Community. Gruß BW |
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die zeiten als ein redakteur einen job bis zur rente hatte ( bei z.b. beim springer-verlag hatte ) sind vergangenheit. so was gibt es ja nur noch beim staatsfunk und staats-tv.
informationen werden über agenturen verkauft. das weiss doch jeder. der beruf des journalisten ist eine dienstleistung. damit hat der arbeitsmarkt für die schreibende zunft noch nicht ganz die grausamkeit der situation der bildenden künstler in deutschland erreicht. aber das sollte auch nicht zum mass genommen werden. früher gab es zeitungen, die nur wegen der werbekunden existierten. der verkauf war sekundär. das gibt es heute aber nicht mehr. oder? |
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@Thomas Euler
"Während also Analysen, Kommentare etc. hier in teils hervorragender Qualität existieren und geschaffen werden können, bezweifle ich, dass ein 'der Freitag'-Blogger den nächsten Wirtschaftsskandal enthüllen oder die Hintergrundberichte aus Washington liefern wird." Das ist ein grundlegender Irrtum. "die vierte Gewalt im demokratischen System darzustellen" Diesen Auftrag erfüllen sie nicht mehr. |
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Ich kann im regionalen Raum den Willen und die Kompetenz zum Umdenken (z.B. Bürgerjournalisten einbinden) bei älteren, sehr erfahrenen, festangestellten Journalisten und Redakteuren der Zeitungsredaktionen kaum erkennen.
Der Grund dafür: Das Netzwerk des regionalen Qualitätsjounalismus zur Informationsbeschaffung ist fest in traditionellen Pfaden verankert, und das funktioniert ohne Internet. Die Vertraulichkeit von Gesprächen am Telefon, im Flur und beim Italiener ist online nicht ersetzbar. Diese Netzwerke sind schlicht gekapselt - was dem offenen Internet entgegensteht. Insbesondere bei Partei-Politik und Vereinsvorständen ist auch nur ein Nachdenken über Chancen und Bedeutung von "Online first" nicht angekommen. Ich sehe kaum Chancen für unabhängigen Online-Journalismus, solange dieser das Pedant eines vertraulichen Flurgesprächs zwischen dem "Qualitätsjounalisten" einerseits und dem Politiker oder Funktionär auf der anderen Seite nicht abbilden kann. Eine Widerspruch noch: Der unabhängige Qualitätsjournalismus bei den Medienverlagen ("Die vierte Macht") ist auf der regionalen Ebene kaum noch vorhanden. Wenn der Landrat zum Hörer greift, wird Qualitätsjournalismus bei der Chefredaktion sehr relativ. |
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@Chrisamar: Fast sämtliche Printpublikation finanziert sich zum größten Teil aus den Anzeigeerlösen. In den meisten Fällen decken die Einnahmen aus dem Verkauf der Zeitung noch nicht mal die Produktionskosten
@Streifzug: Darf ich Fragen wie Du zu deinen Einschätzungen kommst? Besonders würde mich interessieren, wem die Aufgabe der 'vierten Gewalt' deiner Meinung nach zukommt, wenn Journalisten sie nicht mehr erfüllen können/sollen. |
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Vierte Gewalt (Presse) und Fünfte Gewalt (Lobbyismus) verschmelzen miteinander. Presse oder Medien sind keine Vertreter des Volkes, Sprachrohre der politischen Meinungs- und Willensbildung mehr. Die Bürger als dynamisches, selbst organisierendes System beginnen für sich selber zu sprechen. Konsequent weitergedacht ergibt sich so auch das Potenzial zur Enthüllung von Skandalen.
Wer, wenn nicht der Bürger selber weiß, was los ist. Er ist soeben dabei zu lernen sich direkt, ohne Krücke in der medialen Öffentlichkeit zu bewegen. Genau das ist es, was den Medienkonzernen Angst macht. Sie werden nicht nur als Sprechrohr sondern auch als Meinungsbeeinflussung ausrangiert, und verlieren passend dazu Geld aus der Wirtschaft. Warum soll wachsende Nutzlosigkeit finanziert werden? |
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Auch wenn ich manche der Beobachtungen und Thesen durchaus nachvollziehen kann, stimme ich mit deiner Schlussfolgerung nicht überein. Aber von vorne.
1. Dass Presse und Lobbyismus sich zunehmend identisch werden ist sicherlich nicht falsch. Doch schon ihrer Funktion nach kommen ihnen innerhalb der Gesellschaft ganz unterschiedliche Aufgaben zu. Während die vierte Gewalt als Watchdog und Öffentlichkeitsaufklärer zu fungieren hat, ist die fünfte Gewalt als interessengeleitete Beeinflussung von Entscheidern etwas vollkommen anderes (allerdings auch vollkommen legitim, solange ein gesundes Gleichgewicht der Kräfte herrscht). Eine Verschmelzung der beiden mag in der Praxis stattfinden, sollte allerdings dringlich vermieden werden. 2. Das Internet gibt dem Bürger natürlich eine ganz neue Möglichkeit, da er erstmals unproblematisch veröffentlichen und potential gar die Weltöffentlichkeit erreichen kann. Somit können einzelne Personen etwa auf ihrem eigenen Blog einen Skandal ans Tageslicht befördern. Allerdings verschafft dies noch lange nicht automatisch die notwendige Öffentlichkeit für den Skandal. Die meisten Blogs haben nunmal eine relativ beschränkte Reichweite. Auf der anderen Seite haben natürlich schon Fälle stattgefunden, in denen Blogs tatsächlich politische Skandale (McBride mit seinen Schmiermails in Großbritannien) aufgedeckt oder Unternehmen in eine waschechte Krise manövriert haben. Allerdings erreichen diese erst dann die breite Öffentlichkeit, wenn sie an prominenter Stelle, also in einem großen Blog oder in den traditionellen Medien, gefeatured werden. Kurzum: Auch wenn das Internet Print verdrängt hat und die vernetzte Öffentlichkeit Informationen frei austauschen kann, wird es dennoch Medienmarken brauchen, die sich durch eine hohe Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Reichweite auszeichnen. Ob hierbei heute etablierte Medienmarke eine Rolle spielen werden, sei dahingestellt, ich bezweifle jedoch in keinster Weise dass es sie geben wird. Und das ist auch gut so. |
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Zu 1. Meine Argumente beziehen sich auf den Istzustand und nicht auf eine mögliche, dankbare Welt. Wenn es danach ging, wie es sein sollte, wäre vieles anders.
Zu 2. Natürlich ist es in einer Übergangsphase schwer. Allerdings zeigen die aktuellen Ereignisse im Iran, was ich meine. Zu Kurzum Warum sollte es solche Medienmarken geben? Was haben die für einen Vorteil? Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit sind auch hier wieder gewünschte Eigenschaften, die mit der Realität wenig zu tun haben. Oder ist Italien das Vorbild? Hier gibt es eine starke Medienkonzentration. |
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@Gersprenz: Ich gebe Dir vollkommen Recht, der heutige Journalismus (lokal wie auch überregional) hat in vielen Fällen keine faktische Unabhängigkeit mehr. Allerdings gehe ich in meinem Essay von Habermas' Öffentlichkeitsideal aus, welches einen erstrebenswerten Zustand darstellt, in dem eben Presse unabhängig und neutral ist. Ob dies in der Realität umsetzbar ist, sei mal dahingestellt, aus einem demokratischen Blickwinkel ist es aber wünschenswert.
Womit ich bei dem Vorschlag von @Bildungwirt ankomme, Journalismus aus Steuergeldern zu finanzieren. Einerseits kann ich mir durchaus vorstellen, dass wir auf ein derartiges Modell mittelfristig zusteuern - zumindest übergangsweise. Auf der anderen Seite stehe ich der Idee allerdings extrem kritisch gegenüber. Denn heute wird ja oftmals die Abhängigkeit der Medien von den Werbekunden angemangelt, da diese die Neutralität und vor Allem Kritikfähigkeit der Presse einschränkt. Letzten Endes führt dies dazu, dass manch ein kritischer Artikel über einen Werbekunden nach einem Anruf des Mediaplaners nicht veröffentlicht wurde. Dieses Problem würde im Falle einer Steuerfinanzierung von Journalismus einfach verschoben. Die Medien wären nun von der Politik abhängig. Die Höhe der Zuschüsse wären ein willkommenes Druckmittel für Politiker, um sich den Goodwill der Journalisten durch die Hintertür zu sichern. Selbst wenn Regelungen getroffen werden um dies zu verhindern, bedeuted dies nicht, dass es nicht trotzdem vorkommen muss. Man werfe nur mal einen Blick auf die Geschichte der GEZ-Gebührenbeschlüsse. Natürlich: Solange es Medienunternehmen gibt, die einen Kapitalbedarfen haben, wird es immer jemanden geben müssen, der diesen deckt. Automatisch besteht in diesem Moment ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis vom Kapitalgeber. Meiner Meinung nach ist es daher am besten, wenn Journalismus hauptsächlich von der Öffentlichkeit und nicht Unternehmen oder Politik finanziert wird. Daher halte ich Geschäftsmodelle wie solche des Huffington Post Investigative Funds, die sich aus öffentlichen Spenden finanzieren für einen guten Ansatz. Wenn er sich in der Praxis als tauglich erwiese, wäre ich zufrieden. Natürlich kann man auch in diesem Fall argumentieren, dass in diesem Modell ebenfalls Abhängigkeiten entstehen können, etwa durch wichtige Großspender. Hieran kann man nichts verändern, außer die Spender offenzulegen und somit möglichst große Transparenz zu schaffen. Gibt es dann noch mehrere solcher Stiftungen mit jeweils unterschiedlichen Spendern, sollte in der Summe die nötige Objektivität gewährleistet werden können. |
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Ich versuchs nochmal anders:
a) Wie auch immer Finanzierungsmodelle aussehen, alle haben Haken und Ösen - die Frage ist immer - für wen? Die Print-Tagespresse wird weiter zurückgehen. Der Kampf um Meinung und Definitionsmacht wird sich immer mehr ins Internet verlagern.Dort werden auch die Anzeigen hinwandern mit den bekannten Geldsegen und Abhängigkeiten. b) Eine Grundfinanzierung aus Steuermitteln (ca. 20% der Kosten) halte ich für durchsetzbar und auch von politischen Eliten nicht so leicht kontrollierbar.Vorausetzung ist immer der ausgeschlafene wache Michel (die schreibfähigen Teile des Volkes, die auch kampagnenfähig sind). c) Der aufgewachte Michel, der engagierte Bürger, wird seine Linien ziehen, die jetzige Blogosphäre ist nur ein Anfang. Die Erbengeneration (ca. 3 Billionen Euro stehen in den nächsten Jahren zur Verfügung) wird nicht nur privatisieren und konsumieren. Kritische Stiftungen (weiter die Minderheit, aber durchaus schlagfertig) werden sich einmischen. Mit ein paar Millionen im Rücken läßt sich im Netz einiges bewegen. d) Habermas "Strukturwandel der Öffentlichkeit" ist inzwischen etwas für Historiker, das ganze Buch müßte neu im Internetzeitalter geschrieben werden bewegen.Nostalgiker pumpen den Meister der akademischen Kommunikation gar jüngst bis zur "Weltmacht" auf. vgl. u.a. meinen aktuellen Beitrag im FREITAG: www.freitag.de/community/blogs/bildungswirt/weltmacht-habermas e) Es wird in den nächsten Jahren noch weitere FREITAGE geben.Die horizontale Kommunikationsspannung wird sich ins Unermeßliche ausdehnen. Die Tiefenausdehnungen als strukturbildenden Rhizome werden wir sehen. Gruß BW |
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"Was es also braucht sind neue Ansätze […] Beispielsweise kündigte das erfolgreiche amerikanische Polit-Blog Huffington Post im März die Gründung des Huffington Post Investigative Fund an, eine Stiftung, die investigativen Journalismus ohne Gewinnbestreben finanzieren soll."
Da stimme ich Thomas Euler zu. Aber den so genannten Funding Journalism muss er nicht in Übersee suchen und auch nicht in der Zukunft ("Huffington kündigte an"). Schon seit einigen Wochen ist im deutschen Sprachraum ein Projekt aktiv, das Funding Journalism mit einem modernen Social Media Newsroom verbindet: - maiak vermittelt mit renommierten Autoren ein authentisches Bild von Osteuropa. - maiak finanziert die Recherchen dieser Autoren nach dem Prinzip des Funding Journalism. - maiak stellt den Printmedien im Social Media Newsroom alle Texte und Fotos kostenlos zur Publikation zur Verfügung (künftig auch Audio- und Video-Podcasts für die elektronischen Medien) . Wir publizieren ein- bis zweimal monatlich Dossiers zu spannenden Themen: Vergangene Woche ein Dossier über den umstrittenen ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko und nächste Woche ein Dossier über die russischsprachigen Medien in der Diaspora. In Vorbereitung sind u.a. Dossiers über den ewigen russisch-ukrainischen Streit ums Gas und über das erste Konzil der orthodoxen Ostkirchen seit 1130 Jahren. Ich erlaube mir, den Link für die Website und den Newsroom zu posten: www.maiak.info www.maiak.info/newsroom |