Thomas Fix

Blog der Vergessenen

26.06.2011 | 19:51

Die Fliege des Horrors- Vincent Price zum 100. Geburtstag

Die Zombies kommen auf Michael Jackson zu, dieser tanzt vor seiner Partnerin und begründet das wohl bedeutendste Musikvideo der Geschichte: Thriller. Man könnte dieses Video fast als einen kleinen, eigenen Film bezeichnen. Die Stimme, die aus dem Off kommt und diesem unheimlichen Machwerk seine Stimmung verleiht, ist nicht minder prominent: Vincent Price. Der damals schon alternde Schauspieler spricht den legendären Text zu diesem Musikvideo, das Lachen lässt einem das Blut gefrieren, es ist aber typisch für Vincent Price.

Vincent Price wurde 1911 in sehr wohlhabenden Verhältnissen geboren. Er bereiste Europa, um sich in den dortigen Museen die Gemälde alter Meister anzusehen. Später studierte er Kunst und Englisch und begann an Studententheatern zu spielen. Er war, bevor er 1938 seinen ersten Spielfilm drehte, bereits ein sehr bekannter Theaterschauspieler. Obwohl er eine Reihe von Hauptrollen spielte und mit bedeutenden Regisseuren zusammenarbeitete, gelang es ihm nicht, den Durchbruch zu schaffen. Erst die 50er Jahre eröffneten mit einer Reihe von Gruselfilmen (von Horror a la Wes Craven kann noch längst keine Rede sein, die Filme waren eher psychologisch aufgebaut, nicht auf Brutalität), die Möglichkeit einer Karriere, die ihn neben Boris Karloff und Christopher Lee zum bedeutendsten Darsteller dieses Genres machten. Viele dieser Billigproduktionen entstanden in Anlehnung an die Erzählungen von Edgar Allen Poe und waren auf psychologische Gewalt ausgerichtet, ein Horror mit Monstern und ähnlichem blieb ihm bis zum Tode fremd.

Price stilisierte sich durch sein Aussehen zum perfekten Darsteller für dieses Metier: sein obligatorischer Bart, sein satanisches Lachen und die Spitzfindigkeit seines Blitzes machten Filme wie "Die Fliege" von 1958 (sein wohlmöglich bester Film) oder "Das Pendel des Todes" von 1960 zu Meisterwerken. Dabei war der Mensch Price ganz anders, als in seinen Filmen dargestellt: ein ruhiger Kunstsammler, der theoretische Abhandlungen über Kunst und Malerei schrieb und der Vorträge über Kunst hielt. Auch sein großes Hobby, das Kochen, verleitete ihn, mehrere Bücher zum Thema zu schreiben.

Was kann uns Price heute noch sagen? Das Filmkunst nicht immer in Gewalt ausarten muss, sondern dass es auch noch etwas anderes gibt, außer Blut und Monstern, Außerirdischen und sonstigem Horrorpersonal. Es bleibt die Kritik, dass Price ein gutes Leben führte und zwar schon bevor er ein berühmter Schauspieler wurde. Ihm hat es niemals an etwas gefehlt und ob er sich sozial engagierte, ist nicht bekannt. Fakt ist aber auch, dass Price in gewisser Weise weltoffen war, er hatte keine Scheu mit Michael Jackson das Video zu drehen, dass war auch damals noch nicht selbstverständlich für einen Menschen seiner Generation.

Wie die Fliege im Film, die in die Gestalt des Wissenschaftlers schlüpft, der mit ihr Experimente machen wollte, war Price ein Mann, der im Kosmos Hollywood herumflog, um das metaphorisch zu sagen. Er war niemand, der zu den ganz, ganz großen des Businness zu zählen war, aber ein unbedeutender Kleindarsteller war er auch nicht. Und so schwirrte er wie eine Fliege im Universum des Films hin und her und es scheint, dass diese Fliege niemals landen wollte, was auch die hohe Zahl der Filme zeigt, die er fast rastlos gedreht hatte (seinen letzten Auftritt hatte er in dem Film "Edward mit den Scherenhänden"). Sich zur Ruhe zu setzen, war ihm jahrzehntelang nicht in den Sinn gekommen.Dies hätte aber die Möglichkeit gegeben, sich außerhalb des Filmes zu engagieren. Übrigens besangen ZZ Top den Schauspieler in einem Song und auch Alice Cooper nutzte die markante Stimme, um sie für den Song "The black Widow" einsetzten zu können.

Ob man es wahrhaben will oder nicht: Vincent Price bleibt einer der ungewöhnlichsten Schauspieler der Filmgeschichte, als Mensch völlig unscheinbar, als Schauspieler eher dem Schwarzen zugeneigt, der aber aufgrund seiner Besonderheiten in Bereichen tätig war, in die nur wenige Schauspieler vordrangen: als Kunstheoretiker und Hintergrundstimme für Popmusiker. War sein Übertritt zum Katholizismus übrigens eines schlechten Gewissens gezollt oder aber der üblichen Angst des Alters vor dem Tode? Auch das wird man niemals erfahren.

Am 25.10.1993 starb er mit 82 Jahren in Sunset Hills, Kalifornien, an Lungenkrebs. Er hatte an zusätzlich an Parkinson gelitten. Mit ihm endete die Ära des großen, klassischen Gruselfilms in Hollywood. Am 27.Mai wäre er 100 Jahre alt geworden.

Ende.

26.06.2011

 
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Kommentare
wahr schrieb am 27.06.2011 um 08:43
Schöne Hommage an den großen Vincent Price, der eine unvergleichliche Balance zwischen vermeintlichem Over-Acting, Ironie und Ernsthaftigkeit fand. Ein Geheimnis seines beängstigenden Spiels war, dass man nie so genau wusste, mit welcher dieser drei Eigenschaften man es gerade zu tun bekam.

Ich bin ein Fan alter Gruselfilme, als der Horror noch nicht den Weg über den Magen ging. Ich mochte Vincent Price auch in seinen späteren "Phibes"-Filmen, wo er stumm und mit irrem Blick durch übertriebenes 1970er-Interieur wandeln durfte und ab und an ein paar verstörende Klänge aus einer riesigen Orgel heraushämmerte.
Thomas Fix
Bin auch Autor von Gedichtbänden, eines Erzählbandes und bei Wikipedia.Schreiben war immer schon meine Leidenschaft. Ich finde, wenn man in einem Blog was schreibt, soll man auch dazu stehen und daher mit realem Namen. Aber ohne Bild.
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