Demokratie lebt von Information. Aus Information wird Debatte. Aus Debatte wird Meinung und Meinung macht Politik. Selbst der interessierte Bürger, der am politischen Geschehen mit mehr oder minder viel Begeisterung teilnimmt, vermisst etwas. Er liest Zeitung, sieht sich die Tagesthemen an und bei Zeiten auch eine Gesprächsrunde im ZDF, obwohl letztere oft nur am späten Abend zu sehen ist. Doch irgendetwas oder besser gesagt irgendjemand scheint zu fehlen. Die Antwort um die fehlende Präsenz könnte einfacher und schwergewichtiger nicht sein: es ist Angela Merkel.
Nun, es ist ja wirklich nichts neues, dass man sich von der Kanzlerin mehr klare Stellungnahmen wünscht, aber es muss doch einen klugen und wichtigen Schritt zurück auf das Medienparkett geben, der sie dort wieder im öffentlichen Walzer mittanzen lässt. Der Bürger wünscht sich endlich den Austausch und ständigen Informationsfluss durch die Politik, denn allein dieser schmiert Kitt in die stetig größer werdende Spalte zwischen Wähler und der amtierenden politischen Klasse. Was hielte die Kanzlerin davon ab, zweiwöchentlich eine halbstündige Rede zur Lage der Nation, der wichtigen Themen wie dem Klimawandel oder der Wirtschaftskrise zu halten, die zu einer festen Zeit öffentlich im Fernsehen übertragen wird? Ist so etwas Utopie oder gar Unterstützung der Faulheit des Bürgers? Keineswegs. Solch eine Maßnahme könnte einerseits mit Vorurteilen über politische Lethargie aufräu
men und andererseits den Wähler motivieren wieder mehr von der Macht seiner Mündigkeit Gebrauch zu machen. Denn sind wir uns ehrlich: kaum ein Durchschnittsbürger wird sich die Mühe machen und sich auf den Seiten der Ministerien umsehen, um dort nach Podcasts Ausschau zu halten. Diese Podcasts und PDFs sind alle schön und gut, doch sie erreichen einfach ein zu kleines Publikum, was ihre primäre Aufgabe gekonnt verfehlt. Noch ist das Internet nicht so frequentiert genutzt wie die allabendliche Sitzung vor dem Fernseher. In diesen Kurzvideos von ein paar Minuten Länge betet Frau Merkel in monotonem Erzählstil über dies und das vor die Kamera hin, doch das rhetorische Feuerwerk bleibt aus, das den Funken in einer Lage wie der jetzigen zum überspringen verhelfen sollte.
Bleibt zu hoffen, dass wieder mit der Basis Kontakt aufgenommen wird. Ein schlafender sündigt zwar nicht, aber nur wer mit wachem Geist spricht, dem kann auch Gehör geschenkt werden.
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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