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Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : Die Münchener Erstaufführung von Tigran Mansurians Requiem

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Das Prinzregententheater war ausverkauft und festlich gestimmt als man das Requiem des armenischen Komponisten Tigran Mansurian, wenige Tage zuvor in Berlin uraufgeführt, dem Münchener Publikum vorstellte. Und der Applaus, der nach etwa 40 Minuten auf den sympatisch bescheidenen Komponisten niederregnete war frenetisch.

Doch so sehr man dem Komponisten den Erfolg gönnte, beim Beobachter stellte sich dabei ein tiefes Unbehagen ein. Hatte man nicht gerade einer Totenmesse beigewohnt, und noch dazu einer, die dem Genozid der Armenier zwischen 1915 und 1917 gewidmet war?

Über dem ganzen Abend lag der Eindruck eines tiefen kulturellen Missverständnisses, an dem, das muss man leider sagen, der Komponist selbst nicht ganz unschuldig ist. Denn schon die Entscheidung, zu diesem Zweck den katholischen Requiem Text zu vertonen, muss man als unglücklich bezeichnen und man wundert sich warum Mansurian, der im Programmheft selbst ein gewisses Unbehagen gegenüber dem Text formuliert, diesen Weg gegangen ist.

Dieser Text mit seinen drastischen Bildern ist ein Produkt des eschatologisch geprägten Mittelalters. Es ist kein Ausdruck der Trauer. Das hiesige Leiden spielt darin im Grunde keine Rolle, alles ist auf das ewige Licht des Reichs Gottes ausgerichtet und Leben und Tod ein Prozess der Vorbereitung und Reinigung. Das bedeutet für eine politische Anklage oder Mitleid mit unschuldigen Opfern ist darin überhaupt kein Platz.

Im Gegenteil steckt darin, wie Mansurian durchaus treffend selbst beobachtet, eine "rituell-theatralische" Komponente. Ein durchaus ein wenig hedonistisches Kosten des Schreckens und der Buße mit purgatorisch entlastendem Effekt. Es ist sicher auch kein Zufall, dass die beiden populärsten Requiem Vertonungen von zwei großen Musikdramatikern stammen, Mozart und Verdi.

Mansurian schlägt einen durchaus anderen Ton an, der in seiner Reduziertheit und Würde einer Trauermusik durchaus angemessen wäre. Homophone Passagen die an östliche Kirchengesänge gemahnen und orientalisch melismatischer Gesang, in dem von Natur aus ein lamentoser Ton mitschwingt. Hier und da meint man auch Anklänge aus Wagners Parsifal oder Debussys Saint Sebastien herauszuhören. Doch zum Text kommt die Musik in kein produktives Verhältnis und durch diesem Widerspruch wird Mansurians Stück am Ende zerrieben.

Hinzu kommen weitere kulturelle Barrieren. So glänzend der RIAS Kammerchor und das Münchener Kammerorchester präpariert sind, die deutsche Akkuratesse tut der Musik Gewalt an. Ein entscheidendes Moment, ein gewissen Glühen des Tones, das osteuropäischen Chören eigen ist, fehlen empfindlich. Das Kyrie, das eigentlich den repetitiven Mustern orientalischer Gesänge nachempfunden ist, erinnert in der trockenen Exaktheit, mit der es von den deutschen Sängern geboten wird, unangenehm an seichten Kirchenpop. Den melismatischen Bögen fehlt ein gewisses "Verschmieren" der Linien, ohne das ihnen die rechte Lebendigkeit fehlt.

Wie viel mehr sie bei Mozart zuhause sind, zeigte sich nach der Pause. Die Aufführung, sängerisch exzellent und auch im Solistenquartett beglückend homogen, ließ kaum Wünsche offen. Alexander Liebreich mied mit sehr flüssigen Tempi jedes dicke Pathos und bot einen mit Naturtrompeten knackig geschärften Klang.

Der direkte Vergleich zweier Vertonungen des annährend gleichen Textes schien in dieser Konstellation jedoch für beide nicht günstig zu sein. Neben Mozart absolut wirkungssicherer Präzision erschien Mansurians Komposition unscharf und formal diffus. Doch umgekehrt mochte einem Mozarts Requiem im Vergleich zum empathisch zurückgenommenen Werk Mansurians auch ein wenig zu effektbewußt theatralisch erscheinen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.