THX1138

Blog von THX1138

12.01.2010 | 21:51

Arbeit 2.0 (nichts ist so, wie es scheint)

„Die Vollbeschäftigung (…) wird nicht zurückkommen. Die Arbeitslosigkeit ist ein historischer Trend, weil das volkswirtschaftlich benötigte Volumen an Arbeit permanent rückläufig ist.“ Holm Friebe / Sascha Lobo, „Wir nennen es Arbeit“, Heyene, 2006

„Als Mitte der Sechzigerjahre in Deutschland die 40-Stunden-Woche eingeführt wurde, brauchte ein durchschnittlicher Beschäftigter 100 Stunden, um Güter und Dienstleistungen im (heutigen) Wert herzustellen. Dank des technologischen Fortschritts schafft er heute dasselbe in 30 Stunden.“ Werner Vontobel, Philipp Löpfe, "Arbeitswut", Campus Verlag, 2008

"Vollbeschäftigung im 21. Jahrhundert wird (...) anders aussehen, als Vollbeschäftigung vor 50 Jahren." Friedrich Merz


Arbeit ist ein knappes Gut, wie Blogger quarktasche richtig bemerkt hat. Wir leben in einer Zeit, in der vor allem ausreichende und gut bezahlte Arbeit für alle Erwerbstätigen immer knapper wird- und das obwohl die Anzahl der Beschäftigten seit Jahrzehnten fast unablässig ansteigt. Es gibt immer mehr Menschen, die immer weniger beschäftigt sind: Teilzeit, temporär, im Stundenlohn, befristet oder auf Abruf. Allen neuen Beschäftigungsformen ist eines gemeinsam: Ein Auskommen ist mit ihnen häufig kaum mehr möglich: Man muss schon mehrere Jobs haben, um überhaupt noch über die Runden zu kommen- oder staatliche Hilfe in Anspruch nehmen. 

Die Folgen der von Werner Vontobel und Philip Löpfe erwähnten Produktivitätsfortschritte liegen auf der Hand: Seit Beginn der Siebzigerjahre haben sich die Arbeitslosenzahlen in praktisch allen europäischen Industrienationen (EU-17) vervielfacht: Alleine in der Bundesrepublik Deutschland hat sich die Arbeitslosigkeit von durchschnittlich einem Prozent in den Sechzigerjahren auf zeitweise über zehn Prozent im neuen Jahrtausend fast verzwölffacht! In Frankreich, Spanien und Finnland hat sich die Arbeitslosenquote bis zur Jahrtausendwende jeweils fast versechsfacht, in Italien zwischenzeitlich nahezu verdreifacht und in Grossbrittanien praktisch verdoppelt. Auch die Beneluxstaaten zählten 2006 durchschnittlich mehr als doppelt so viele Arbeitslose wie noch in den Sechzigerjahren. Sogar die immer wieder gerne als Vorbild herbeigezogenen skandinavischen Länder wie Schweden, Norwegen oder Dänemark kämpfen heute bisweilen mit mehr als dem Doppelten an Arbeitslosen als noch vor gut vierzig Jahren.  Das Gesetz der sozialen Schwerkraft erfasst also immer mehr Menschen, auch wenn der Wohlstand in der Summe laufend zunimmt: Seit Beginn der Siebzigerjahre steigt die Anzahl der Modernisierungsverlierer in den westlichen Industrienationen unaufhörlich an, das lässt sich statistisch unzweifelhaft beweisen.

Der Trend in Richtung atypischer Beschäftigungsverhältnisse wird sich weiter ungehindert fortsetzen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen ein Weg aus dieser Misere ist. Die oben stehenden Fakten sprechen zweifellos nicht nur für eine Neudefinition- sondern auch für ein neues Verständnis der beiden Begriffe Arbeit und Entgelt. Doch solange Kreise aus Politik und Wirtschaft nicht müde werden, von Vollbeschäftigung zu sprechen, schaffen wir diesen Bewusstseins- und Einstellungswandel nie. Solange alle glauben, das Beschäftigungswunder der Wirtschaftswunderjahre komme irgendwann einmal doch noch zurück, wird sich nichts ändern. Zuerst einmal muss sich die (zweifellos manipulierte) Wahrnehmung der (arbeitenden) Bevölkerung ändern, bevor weitere Schritte wie das vieldiskutierte bedingungslose Grundeinkommen ins Auge gefasst werden können. Und davon sind wir vorerst noch meilenweit entfernt.

Hinweis zu diesem Thread: Auf sachliche und kostruktive Beiträge, die nicht nur aus Einzeilern und Einsilbigkeiten bestehen, antworte ich gerne. Die anderen lasse ich unkommentiert.

 

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.01.2010 um 22:12
"Zuerst einmal muss sich die Wahrnehmung der Bevölkerung ändern".

Stimmt schon, andererseits ist die doch schon dabei, sich zu ändern. Wenn man mal mit den Leuten spricht, die viel arbeiten und wenig verdienen, dann spüren die ganz gut, dass das übel ist.

Sie sehen nur keine Alternative oder wagen es nicht, sich eine vorzustellen.

Könnte doch sein.

LG Feli
THX1138 schrieb am 13.01.2010 um 18:51
Ich würde es mal so ausdrücken: Ein Teil der Bevölkerung hat das eigentliche Beschäftigungsproblem erkannt, das da schon seit ein paar Jahrzehnten vor sich hin schwelt. Doch ein Grossteil der Menschen betrachtet die Arbeitslosenzahlen immer noch als eine Art Wohlstandsindikator. Und hier beginnt das Problem, denn die Arbeitslosenzahlen wiederspiegeln weder das Wohlbefinden noch den Wohlstand der Nationen. Dass aus den Arbeitslosenzahlen nicht mehr klar hervorgeht, wer ein Beschäftigungsproblem hat und wer nicht, wissen nur die Wenigsten. So gelten in der Schweiz beispielsweise alle Menschen, die drei, bzw. sechs Stunden pro Woche arbeiten (je nach Definition Seco oder BfS), nicht mehr als arbeitslos und fallen somit aus der Arbeitslosenstatistik! Und so wird natürlich auch der Begriff Vollbeschäftigung immer mehr zu einer unverbindlichen Leerformel, die aber politisch beliebig ausgelegt werden kann.

Verändern wird sich das Bewusstsein um den zweifellos historischen Wandel der Arbeitswelt erst dann, wenn alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden. Doch solange noch mit Begriffen aus dem 20. Jahrhundert operiert wird, haben all jene die besseren Karten in der Hand, die bereits schon von workfare sprechen- als ob es noch genug existenzermöglichende- bzw. sichernde Arbeit für alle gäbe. Das sind übrigens dieselben Kreise, die aus Arbeitslosen gerne Menschen machen, die einfach zu faul und bequem sind, um zu arbeiten- was unter den von mir beschriebenen Umständen gaz besonders zynisch ist.
Rahab schrieb am 16.01.2010 um 00:34
für noch mehr als nur ganz besonders zynisch halte ich übrigens auch männer, die aus frauen gern menschen machen, die einfach zu faul und zu bequem sind, um zu arbeiten. wobei diese männer mit arbeiten meinen, ein für eine ganze familie ausreichendes einkommen durch erwerbstätigkeit zu erzielen.
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 00:44
Jaja, Rahab- man kann empirische Daten natürlich wieder ideologisch zupflastern.

Abgesehen davon habe ich das ja auch nie irgendwo behaupet.

Nur dass ich zu diesem Thema ganz erheblich mehr weiss, als Du.

An Inconvenient Truth ist meisten snicht so bequem.
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 01:03
Nach 40 Jahren Feminismus haben es unsere "fortschrittlichen" Gesellschaften tatsächlich vollbracht, dass bereits schon ein einziges Prozent aller gemeinsamen Haushalte eine paritätische, d. gleichberechtigte Aufgabenteilung praktizieren.

Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden wir das Ziel gleichberechtigter Partnerschaften erst in gut 4000 Jahren erreicht haben.

Doch wie üblich bedienst Du Dich wieder einmal Deines beliebtesten Schopenhauerschen Taschenspielertrickleins (Verschiebung des Gegenstandes).

Und nun zu weiteren Fakten, Rahab- wenn ich bitten darf.
Rahab schrieb am 16.01.2010 um 01:17
quak! - mich interessiert, welche schlüsse du aus der von dir weiter unten verlinkten studie ziehst. und natürlich, wie du diese (studie wie schlüsse) anderen, die vielleicht von ökononmie weniger verstehen) vermittelst. und was du vorschlägst, wie diese schlüsse in praxis umgesetzt werden könnten.

alles andere, vor allem dein anti-feministischer reflex, kannst du dir also schenken. das interessiert nun wirklich nicht.
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 02:57
der Herr lässt bitten?oho oho,
was für ein unbotmäßiger Ton im Freitags Salon, mein Herr ohne Gescherr bei der "Widerspenstigen Selbstzähnung"!?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 03:01
Hallo THX1138,
Deine Erläuterungen finde ich höchst brisant interessant und ziehe aus diesen den kurzen Schluss:
"Das land braucht nicht nur neue Männer, das Land braucht, neben Armuts- vor allem detailiert fundieerte Reichtumsberichte!, oder?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 03:06
Hallo THX1138,
Du schreibst:

"Abgesehen davon habe ich das ja auch nie irgendwo behaupet.

Da frage ich nur eben!,
warum nimmst Du Rahabs gedankenspringende Einlassungen dann so persönlich?
tschüss
JP
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 12:11
@Joachim Petrick: Das Land braucht unter anderem

-ein neues Bewusstsein um die volkswirtschaftliche Wertschöpfung und deren Bedeutung im gesellschaftlichen Rahmen (s. die von mir unten verlinkte Studie),

-ein neues Bewusstsein um die Rollenteilung der Geschlechter (oder soll ich schreiben Geschlächter?)- das Bestehende ist gerade mal 150 Jahre alt und ein Nebenprodukt der Industrialisierung

-neue Väter und

-neue Mütter!

Irgendwie kommst Du mir mehr als nur bekannt vor, Joachim- vor allem sprachlich spüre ich da noch einen ganz anderen Nutzer durchschimmern...
kopfkompass schrieb am 13.01.2010 um 00:02
Vielleicht wäre es ein Ansatz, Arbeitskräfte nicht mehr für die Menge verkaufter Lebenszeit zu bezahlen sondern prozentual an der durch sie erwirtschafteten Wertschöpfung zu beteiligen. So würden mehr Menschen arbeiten, aber kürzer. Ich weiß schon: Passt nicht zum Kapitalismus. Dabei ist es gar nicht sozialistisch.
quarktasche schrieb am 13.01.2010 um 10:16
Das ist ein guter Ansatz.
THX1138 schrieb am 13.01.2010 um 18:54
@kopfkompass: "Vielleicht wäre es ein Ansatz, Arbeitskräfte nicht mehr für die Menge verkaufter Lebenszeit zu bezahlen sondern prozentual an der durch sie erwirtschafteten Wertschöpfung zu beteiligen."

Klingt auf den ersten Blick überzeugend und gut. Doch wie würdest Du Dir das denn konkret vorstellen?
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 00:06
wie wäre es, wenn der Begriff Arbeit, Bildung, Ausbildung, Weiterbildung, aufgrund der Bereitstellung bzw. Herstellung von beruflichen künstlerischen Kompetenzen lohnwirksam mit einbezieht?

tschüss
JP
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.01.2010 um 00:29
@kopfkompass
Die Frage ist doch, wie dann z.B. die Wertschöpfung eines Krankenpflegers berechnet werden soll. Und umgekehrt ist die Werschöfpung von Bankern oft immens - wenn auch nur auf dem Papier.
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 00:41
@der Donnerstag: Ja, das mit der Wertschöpfung ist ein weites Feld: Warum wird die Leistung eines Bankers gegenüber derjenigen einer Krankenschwester wesentlich höher eingestuft? Dazu habe ich eine ganz interessante, geradezu freakige Studie für Dich, die genau vom Umgekehrten des vorherrschenden Tenors ausgeht- nämlich dass eine Putzfrau volkswirtschaftlich eine erheblich wichtigere Tätigkeit verrichtet, als der Banker:

www.neweconomics.org/publications/bit-rich

Unbedingt lesen!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.01.2010 um 01:13
@THX
Danke für den Link. Scheint ja etwas umfänglicher zu sein, die Studie ... Na ja, ich werd's mir mal für die näxten Tage vornehmen.
Steht denn da auch drin, wie man die Betriebe dazu bringt, ihre Angestellten gerecht zu entlohnen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.01.2010 um 01:20
@Rahab
Ist Dir aufgefallen, dass ich bewusst politisch korrekt von "Krankenpflegern" gesprochen habe? :)
Männer sind in diesem Berufsfeld bekanntlich unterrepräsentiert. Und die Vertreterinnen (ich gebrauche die weibliche Form, da mir keine männlichen Vertreter bekannt sind) der feministischen Linguistik behaupten, es sei diskriminierend, Krankenschwestern als Krankenschwestern zu bezeichnen und nicht als Krankenpflegerinnen. Oder die Krankenpfleger als Krankenbrüder.
Und irgendwie stimmt das ja sogar, nicht wahr? Zumindest schwingt da so was mit. "Sprache kann verräterisch sein". Ein bisschen was habe ich also doch gelernt von unseren Vorzeige-Germanisten hier. (mir-selbst-auf-die-Schulter-klopf)
Rahab schrieb am 16.01.2010 um 01:29
ne - erst mal ist mir nur aufgefallen, dass du von "Werschöpfung" gesprochen hast. handelt es sich bei dieser neu-schöpfung um neue pc?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.01.2010 um 01:47
Ja, genau, selbstredend. Hatte mich nur vertippt. Es sollte natürlich "Wasschöpfung" heißen. Es geht dabei um die Frage, was Banker so alles schöpfen. Nicht nur Wert, auch Papier wird geschöpft. Banknoten werden auf gescöpftem Papier gedruckt. Und der Steuerzahler wird geschröpft.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.01.2010 um 01:48
"auf geschöpftem Papier" sollte es heißen
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 00:12
Hallo THX1138,
es lohnt wahrlich Kampfzonen, umgewandelt in Dialogzonen einer demokratisch aufgestellt, verfassten Wirtschaft und Zivilgesellschaft, zu erweitern, damit es endlich aufhört, die Ökonomie unter Aspekten von eingebildeten wie wirklichen Gefahrenlagen der Kriegs- , der Kommandowirtschaft zu führen, die keinen Unterschied zwischen Krieg, Krisen, Katastrophen, Entwicklung und Frieden macht?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 00:21
Hallo THX1138;
Ich teile Deine Skepsis gegenüber den gesellschaftspolitischen Wirkungen des Bedingungslosen Grundeinkommens
(BE).
Das Hartz IV ein Unterschichten Problem erster Güte sei,wie schwarzbart es nahelegt, stimmt weder mit noch mitnichten.
Es fehlt uns an der Phantasie, das regierungsamtliche "Wirtschaftsverbrechen Hartz IV an der Idee der sozialen Marktwirtschaft in seiner globalen Dimension auszuloten, das über Enteignung von Forderungseigentum(s. Paul Kirchhoff), Hartz IV Leistungsbezieher/innen in Privathaushalten, Unternehmen(Lohnsubvention von Aufstockern über die Hartz IV Gesetze nach Verbrauch des Restvermögens vor dem Schonvermögen) ungefragt zu Komplizen einer Schattenwirtchaft macht, die bisher von der WTO, Weltbank, IWF grobfahrlässig in ihrer asymmetrischen Wirkung global unbeachtet blieb.(Irrtum schützt aber bekanntlich in der Regel nicht vor Strafe!, oder?"

Ob sich das Bedingungslose Grundeinkommen (BE), über die Mehrwertsteuer finanziert, nicht nur als der noch gröbere Bruder von Hartz IV entpuppt, ist mehr als zu befürchten!, oder?.
tschüss
JP

siehe dazu auch meinen Freitag Blog Beitrag:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/bedingungsloses-grundeinkommen-be-der-groebere-bruder-von-hartz-iv

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/arbeit-rechtlich-unbestimmte-transfergesellschaft-des-paradieses
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 00:50
Man müsste einmal die negative Einkommenssteuer, wie sie einst vom von mir wenig geliebten Milton Friedman definiert worden ist, ausleuchten.

Beim BGE bin ich mir eben nie sicher, wie es sich auf die binnenwirtschaftliche Nachfrage auswirkt.

Die ganz zentrale Frage der Zukunft lautet, wie wir auf die fortlaufende Entwertung des Faktors Arbeit und dessen schwindende Bedeutung im ganzen Produktionsprozess reagieren wollen.
Rahab schrieb am 16.01.2010 um 01:31
ja, dann leuchte sie doch aus! die negative einkommenssteuer. und erklär bitte noch dazu, was du unter dem "ganzen Produktionsprozess" verstehst.
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 01:39
Ganze vier Post von Dir in diesem Thread, Rehab- ohne ein einziges Mal sinnvoll auf das Thema einzugehen.

Sinnlos, bye, Rehab.
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 02:48
Hallo THX1138
Deine Fragestellung finde ich interessant
"Die ganz zentrale Frage der Zukunft lautet,
wie wir auf die fortlaufende Entwertung des Faktors Arbeit und dessen schwindende Bedeutung im ganzen Produktionsprozess reagieren wollen".
regt diese mich doch zu einer weiteren Frage an:
"Stimmt es überhaupt, dass der Faktor Arbeit entwertet wird und schwindend Bedeutung erhält in einer Welt deregulierter Finanzmärkte, wo selbst die kleinste Klitsche sich genötigt fühlt, den Geldmengenpolitiken der Zentral- und Notenbanken folgend, die letzten monetären Mittel, zu Lasten edrückter Lohnquoten, flüssig zu machen, um in den Casinos des Turbo Kapitalismus mit zu bieten, weil die Banken keine normalen Kredite in konjunkturelen Delta Tälern mehr gewähren?
Entfaltet auf diesem geldpolitischen Hintergrund nicht gerade das Bedingungslose Grundeinkomen(BE) , binnen-, wie außenwirtschaftlich eine heillose Wirkung weiter unkontrollierbar flüssig gemachten Geldes?
Für den Unterhalt zu arbeiten, mobilsiert noch manchen Kampfeswillen, anTariffronten zu kämpfen, aber, aufgrund von monatlich steigenden Verschuldungen, oder "süchtigen" Konsumwünschen zu arbeiten, oder weil das BE gepfändet ist, bricht alle Dämme des Willens, sich organisiert für Tariflöhne einzusetzen, oder?
tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 16.01.2010 um 03:13
Hallo THX1138,
was hälst Du von dem Sinn in scheinbarem wie wirklichen Unsinn?
Geht es hier in der Community, nicht zuerst darum, Beiträge anderer, am besten umkommentiert, gelten zu lassen,gerade, wenn diese einem unsinnig erscheinen? ( sind übrigens bewährte EA Regeln (Emotinous Anonymous)

tschüss
JP
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 11:05
"Stimmt es überhaupt, dass der Faktor Arbeit entwertet wird und schwindend Bedeutung erhält (...)?"

Die Lohnquote (der Anteil der Löhne am Bruttoinlandprodukt) ist in Kontinentaleuropa während der letzten gut 20 Jahre von 66 auf 55 Prozent zurückgegangen. Müssig zu erwähnen, dass dafür umgekehrt die Gewinnquote- also der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP- entsprechend angestiegen ist und in einzelnen Ländern vor der Krise z. T. neue Höchststände erreicht hat.

Vergleicht man die Entwicklung bei den ausbezahlten Dividenden börsenkotierter Unternehmen in der Schweiz von 1990 bis 2007 mit der Entwicklung bei den Arbeitnehmerentgelten, dann hat in diesem Zeitraum „eine klare Umverteilung der Entschädigung vom Faktor Arbeit zum Faktor Kapital“ stattgefunden, wie der schweizer Ökonom, Parlamentarier und ehemalige Preisüberwacher Rudolf H. Strahm schreibt.

Der Anteil des Finanzsektors an den Gewinnen amerikanischer Unternehmen hat seit 1980 praktisch verdoppelt und lag 2007 bei fast 40 Prozent.

Mir wäre sehr an einer sachlichen Diskussion gelegen- mit emotionalen und vergleichsweise hilflosen Einwürfen (mangels Fachwissen, wie ich vermuten muss), kann ich eigentlich nichts anfangen.

Damit spiele ich den Ball zurück, Joachim Petrick.
THX1138 schrieb am 16.01.2010 um 13:39
Im Übrigen, Joachim- und das ist mein grösster Einwand gegen das BGE- entwertet das bedingungslose Grundeinkommen den Wert der eigentlichen Arbeit noch zusätzlich. Das BGE zielt ja hauptsächlich darauf ab, lediglich die Grundbedürfnisse des / der Einzelnen abzudecken. Was darüber hinausgeht, wird mit Erwerbsarbeit abgedeckt. So weit so gut. Wenn Lohnarbeit nicht mehr alleine für das Bestreiten einer Existenz verrichtet werden muss, entfällt automatisch auch die Motivation auf Arbeitgebeerseite, Lohnarbeit entsprechend zu entlöhnen. Schlimmstenfalls kommt es nach Einführung eines BGE's dann soweit, dass der überwiegende Teil der erwerbstätigen Bevölkerung trotzdem 40 Stunden malochen muss, weil die Löhne dermassen tief (gefallen) sind, dass man sich nur noch durch Erwerbsarbeit über Wasser halten kann. Zudem sehe ich nicht ein, weshalb die Allgemeinheit den Unternehmen auch noch den grössten Ausgabenposten, nämlich die Lohnkosten, quersubentionieren soll. Das wäre ja das unternehmerische Paradies!
Rahab schrieb am 16.01.2010 um 05:45
thx... - ich habe dir sachliche fragen gestellt. du meinst, sie nicht beantworten zu müssen. das finde ich sehr bedauerlich. und mir drängt sich die annahme auf, dass es dir nicht um eine diskussion der sache geht, sondern darum, dich wichtig zu machen.
schade.

unterlaß bitte, mich in zukunft mit pn's zu belästigen!
THX1138
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