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Der irgendwie Linke fährt offenbar einen gebrauchten Volvo mit Herstellergarantie ("Garantiert. Geprüft. Sicher. Volvoselekt."), erwirtschaftet mit seinem Forstinvestment durchschnittlich 12 Prozent p. a. und mehr ("Wald schlägt Aktien und Gold"), ist ständig auf der Suche nach dem idealen Smartphone Tarif und geniesst das Privileg, sich eine private Krankenversicherung leisten zu können. Gleichzeitig kritisiert er die Billiggesellschaft und beklagt die wachsende, soziale Kluft zwischen arm und reich. Die von Joseph Ackermann anvisisierte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent löst bei ihm selbstverständlich einen Schrei der Entrüstung aus.
Als nicht nur nicht Volvo- sondern überhaupt nicht mehr Auto fahrender Schweizer komme ich ein paar Tage später in den Genuss einer Motorfahrzeugversicherung mit Crashrekorder von der AXA Winterthur ("jetzt profitieren"). Gegen die Vorratsdatenspeicherung im Auto hat der irgendwie Linke also voraussichtlich nichts einzuwenden, denn er ist ja ohnehin ein Fahrrad-Spiesser mit Solarbeule auf dem Dach, wie Michael Angele kürzlich heraus gefunden hat. Ich bin mal gespannt, welcher Zielgruppe ich als Freitagleser in den nächsten Tagen sonst noch zugeordnet werde.
BE FREI DICH blinkt es tags darauf verführerisch aus dem unteren Drittel vom Freitag. Schon wieder Werbung von einem Mobilfunkanbieter: blau.de, sei schlau, telefonier blau, natürlich mit lauter Tarifvorteilen. Weiter rechts will mir ergodirekt.de gleichentags eine Zahnzusatzversicherung andrehen ("Natürlich beraten wir sie auch gerne per Live-Chat [!]"). Meine Fresse, da muss ich mich doch gleich hinsetzen- und zwar auf einen Stuhl von stuhlhandel.de, den ich als Zielgruppenmitglied ganz unten im Inseratefriedhof gefunden habe: Kauf auf Rechnung möglich, bundesweite Referenzen, B1 Brandschutz *hier anklicken bitte*, bekannt aus TV >TV-Spot ansehen, TüV-geprüft, Sie sind hier ... haben Sie darüber hinaus noch Fragen?
Ich sitze immer noch- oder vielmehr: könnte auf einem feministisch korrekten Luxus-Klo von Geberit sitzen, comme il faut: "Gewinnen Sie das WC, bei dem sich Männer gerne hinsetzen." Ganz ohne Scheiss- und das beim Freitag! Nach dem imaginären Hochziehen meiner Hose lege ich das Buch "Konsumrebellen, der Mythos der Gegenkultur" aus der Edition Freitag zur Seite, blicke beim Hände waschen in den Spiegel und frage mich: Wer bin ich? Ach was soll's, denke ich mir und schnippe den Zigarettenstummel (Gauloises Brunes ohne Filter, was denn sonst?) in die Schüssel: Vive la gauche caviar!
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Ja, so ist das: Werbefritzen & Geschäftsführer haben eine Nase dafür, welche Produkte & Dienstleistungen die Irgendwie-Linke zu lieben scheint. Da steckt Zielgruppenforschung hinter. Die kennen deren Konsum- und Denkgewohnheiten besser als die Redakteure, die die Folie für den Umsatz bieten.
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Witzig - wäre mir nie aufgefallen. Irgendwie habe ich da wohl inzwischen einen inneren Werbeblocker ....
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Wären Sie denn dabei, wenn sich der FREITAG von Spenden ernährt? Oder von Luft und Liebe (das hält man(n) ja dem Weibe vor, dass es so träumerisch sei).
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Ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass sich der Freitag von Spenden ernähren soll.
Was ich hier notiert habe, ist lediglich eine kurze Reflexion ohne ernste Absicht. Aus Sicht eines ehemaligen Mediaplaners, muss ich vieleicht noch hinzufügen. |
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Verstehe. Ich meinte einen leichten Vorwurf gelesen zu haben. Hab mich wohl geirrt.
Diesbezüglich hat man sich gesteigert; erst war es fast ausschließlich Werbung für Jobbörsen und Partner-Agenturen (ein Wink mit dem Zaunpfahl für die User?), dann auch mal Anzeigen für hochpreisige Marken, nun nähert man sich dem an, was der Linke als Konsum noch vertreten kann, mental und ideologisch. Von daher... |
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Als Nachtrag noch: während sich diese Werbefahrt verbessert hat wie ich finde, bleibt beim anderen Bereich zur Finanzierung einer Zeitung, dem Leserfang durch eigene Präsentation, bei mir immer viele Fragen und Fragezeichen. Ich verbuche das dann für mich unbefriedigend als "irgendwie" irgendwie links.
.-/ Aber solange die FREITAG-Macher wissen was sie tun (???) ... |
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Letztendlich ist das mit der Finanzierung immer so eine Sache. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Inserenten eine grosse Macht haben (können), das weiss ich aus eigener beruflicher Erfahrung. Rudolf Augstein ist auf Teufel komm raus gezwungen, zumindest kostendeckend zu arbeiten- denn das unternehmerische Risiko trägt ja auxh nur er. Ob der sprichwörtliche Teufel gezwungen ist, in der Not fliegen zu fressen, kann ich nicht genügend beurteilen. Was ich als ehemaliger Mediamensch allerdings mit Sicherheit sagen kann: Stimmen das redaktionelle Konzept und die- in diesem Falle vom Freitag- vorgenommene Marktpositionierung nicht mit der Werbezielgruppe des Inserenten überein, dann wird auch keine Werbung geschaltet. Und wenn es nicht die Kernzielgruppe ist, die hier von Volvo angesprochen wird- eine gewisse Affinität zwischen dem Leserprofil vom Freitag und deren Werbezielgruppe existiert offensichtlich. Ausser natürlich es handelt sich um reine Goodwill-Werbung, Werbung also, die vom Inserenten lediglich aus persönlichen Gründen bei einem Titel geschaltet wird. Das gibt es auch.
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Stimmt. Ich meinte aber eher, dass es nicht nur die Anzeigen sind, sondern eine Zeitung finanziert sich durch Leser. Eine Zeitung mit kleiner Auflage, die bemüht ist diese zu vergößern, die muss durch Leistung überzeugen. Natürlich, im Hinblick auf die Zielgruppe, der FREITAG ist ein Nischenblatt, aber wenn ich beispielsweise Auftritte im TV (Presseclub) von der Ressortleiterin Politik ansehe, dann frage ich mich allern Ernstes wie man dadurch sich gut repräsentieren will.
Also meine Fragezeichen, ob die Macher immer wissen was sie tun. |
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Lieber Eidgenosse,
ein schöner Blog, musste schon ein bisschen grinsen. Wie für EnidanH, las sich dein Text auch für mich am Ende wie eine Kritik am Werbemüll (falls dem so sein sollte, empfehle ich Adblocker). Hast du dir mal das Video 'Hau den Reporter' vom Medienkongress angeschaut? Da ging es u.a. darum, was für teuren Krempel die Taz verhökert. Davon leben die Journalisten. Nicht mehr von den Gehältern durch den Verkauf oder Printanzeigen. Gekauft und bezahlt wird der teure Ökokram, von den in deinem Blog beschriebenen Gestalten. Bündnis 90 Wähler, P'berg- Bewohner, Holzspielzeugkäufer. Von vielen Berlinern verhasst bis aufs Mark, mit ihrer pseudoliberalen, sozialen, Ökotuntigkeit, welche sich ganz schnell verändert wenn es an die eigenen Pfründe geht. Ich find den Terminus Systemheuchler auch noch ganz nett. Warum? Wer ein Ipad hat, soll auch dazu stehen. Wer Ressourcen verbrauchende Technik alle zwei Jahre runderneuert, soll gefälligst nicht so tun, als ob er mit dem Kauf von Biokaffee den afrikanischen Regenwald rettet. Stimme dir also voll zu. Besten Gruß aus Berlin |
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Hallo Berliner
Ja, also, äh... ick hab n' iPad, ehrlich ;-) Und sozusagen den ganzen Text hier darauf geschrieben *räusper* War ein Weihnachtsgeschenk von meiner Frau- und die hat so richtig g'chrampfet dafür (schweizerdeutsch = abgerackert). Das mit der taz wusste ich nicht. Manchmal überkommen mich noch alte Marketingreflexe. |
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Hallo Berliner
Ja, also, äh... ick hab n' iPad, ehrlich ;-) Und sozusagen den ganzen Text hier darauf geschrieben *räusper* War ein Weihnachtsgeschenk von meiner Frau- und die hat so richtig g'chrampfet dafür (schweizerdeutsch = abgerackert). Das mit der taz wusste ich nicht. Manchmal überkommen mich noch alte Marketingreflexe. |
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Ist ja auch cool so ein Ipad, sonst wäre es ja nicht so beliebt. Aber es ist total überflüssiger, überteuerter Kram. Gehyped durch Apple's Guerilla-Marketingstrategie, ist dies ein Hersteller der es, ähnlich wie The North Face und Co, geschafft hat sich irgendwie Grün zu färben.
Wenn man sich Hightech kauft (dies gilt generell für Elektronik im Privathaushalt), dann finde ich es absolut falsch sich vor anderen aufzuführen, als wäre man der grünste Mensch der Welt und habe die Worte Umweltschutz und Nachhaltigkeit quasi selbst erfunden. Ich bin solchen Subjekten des öfteren begegnet und musste mich mit denen unterhalten, absolut borniert und inkonsequent. Reinald Grebe zeichnet in seinem Lied 'Prenzlauer Berg' ein recht gutes Bild von diesem Archetypus. |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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