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Seinerzeit, als der Teil der Stimmberechtigten, die auch wirklich abstimmen gegangen sind (also knapp die Hälfte aller Stimmberechtigten), die Minarettinitiative angenommen hat, wurde international darüber diskutiert, ob die Schweiz vieleicht nicht ein ganz zentrales politisches Problem hat- nämlich die direkte Demokratie.
Seither ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen und die Schweiz hat immer noch die direkte Demokratie. Und diese hat, wie sich jetzt ganz konkret am Beispiel Stuttgart 21 aufzeigen lässt, durchaus nicht nur Nachteile, wie damals kolportiert worden ist, sondern auch Vorteile:
Um es gleich vorweg zu nehmen: In der Schweiz wäre Stuttgart 21 gar nie möglich gewesen. Ein Projekt von dieser Grössenordnung hätte zwingend zuerst dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden müssen. Die nach der Annahme der umstrittenen Minarettinitiative viel belächelte, direkte Demokratie beinhaltet eben dieses Recht für den Bürger, mit seiner an der Urne abgegebenen Stimme direkt in die politischen Entscheidungsprozesse eingreifen zu können- und zwar per (im erwähnten Falle) ohnehin notwendiger Volksabstimmung auf kantonaler oder zumindest städtischer Ebene. Das hat mittlerweile auch der Bundestagsabgeordnete Peter Friedrich (SPD) erkannt, und empfohlen, sich die Schweiz als Vorbild für den Umgang mit Projekten wie Stuttgart 21 zu nehmen. Die Verfahren der parlamentarischen Demokratie, wie sie Deutschland kennt, würden nicht mehr allein ausreichen, um genug Akzeptanz für ein solches Projekt zu schaffen. "Wenn Sie sich Ihrer Sache sicher sind, warum fürchten Sie dann das Urteil mündiger Bürger?", fragte Friedrich kürzlich im deutschen Bundestag. Die seinerzeit vielgeschmähte, direkte Demokratie ist also plötzlich wieder im Gespräch. Das kann nur von Vorteil sein- auch für Europa.
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Vor allem weil es technisch heutzutage so einfach möglich wäre es in die Praxis umzusetzen. Es sind einfach ein paar Platzhirsche die mit ihren Testosteronausstössen die Diskussionskultur verderben.
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Absolut richtig, technisch einfach umsetzbar:
www.freitag.de/politik/1026-das-gesellschaftswerkzeug Was das mit Testosteron zu tun haben soll, ist mir ehrlich gestanden völlig schleierhaft. |
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Vollste Zustimmung. Wir hätten uns einige Probleme ersparen können, wären die BürgerInnen an den vergangenen politischen Entscheidungen beteiligt worden.
Interessant, dass die meisten anderen europäischen Länder ihren Bürgern viel mehr Entscheidungsmöglichkeiten zugestehen als Deutschland seinen Bürgern. Das Untertanentum soll hier anscheinend gehegt und gepflegt werden – so lässt es sich eben besser gegen die Interessen der Mehrheit regieren.. Aber es geht auch anders: Quelle: Mehr Demokratie |
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Die repräsentative Demokratie wirkt auf mich als Schweizer manchmal schon so, wie es Lobbycontrol einmal plakativ auf den Punkt gebracht hat:
RENT A MINISTER Nicht dass es in der direkten Demokratie keinen Lobbyismus gäbe- das gekaufte Parlament ist auch bei uns ein Thema: aber schlussendlich hat der Bürger hierzulande schon Mittel in der Hand, der Exekutive ins Handwerk zu pfuschen, z. B. auch mittels Referendumsrecht. |
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"parlamenatrische Demokratie" oder noch skurriler "repräsentative Demokratie" ist ein Euphemismus für Plutokratie, denn im Paralment bestimmen stets die Finanziers der dort niedergelassenen Parteien.
Allerdings müssten die Deutschen erst mal lernen, in überlokalen Fragen sachlich und propagandaunabhängig zu entscheiden. Das spricht nicht gegen Volksabstimmungen, denn man kann alles lernen, sogar die Volksherrschaft... |
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...und die wichtigste Frage dabei ist, ob das Volk auch immer recht hat. Ganz speziell im Zusammenhang mit der Annahme der Minarettinitiative wurde diese Frage hier in der Schweiz eingehend diskutiert. Selbstverständlich stützt die SVP ihr ganzes Gewicht auf genau dieses Argument. Doch zum Glück ist uns unser Geschichtsbewusstsein noch nicht (ganz) abhanden gekommen...
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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