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Kürzlich habe ich in einer bekannten Computerzeitschrift folgenden Satz gelesen:
"Das Web 2.0 ist doof."
Nicht dass ich diese Ansicht gänzlich teilen wollte- doch sie trifft gewissermassen den Nagel auf den Kopf. Im Gegensatz zu den wohl eindeutig zu optimistischen Einschätzungen der beiden Web 2.0-Pioniere Sascha Lobo und Holm Friebe (Wir nennen es Arbeit) glaube ich feststellen zu müssen, dass diese benutzeraktivierende Entwicklungsstufe des World Wide Web mehr eine gekonnte (und wohl nicht zuletzt auch Umsatz- und Gewinn fördernde) Marketing-Inszenierung verschiedenster Technologiekonzerne- und Anbieter ist, als eine ernst zu nehmende Publicity- und Content-Plattform für die breiten Massen. Der Begriff Öffentlichkeit hat durch die Erweiterung der Server-Kapazitäten zwar eine neue Dimension erhalten, doch die meisten "Teilnehmer" werden von der Öffentlichkeit deshalb noch lange nicht wahrgenommen. Insofern haben wir es also mit einer Illusion der ganz besonderen Art zu tun: Für grob geschätzte 99,972 Prozent der Menschen sind die berühmten "Fifteen Minutes of Fame" trotz der Web-2.0-Revolution nach wie vor noch ein unerreichbares Ziel- vorausgesetzt natürlich, man verfolgt diese oder ahnliche Absichten mit seinen Aktivitäten als Blogger, Tweetverfasser, Facebooker, Youtube-Teilnehmer oder Power Seller bei ebay. Publizistisch betrachtet, sind BloggerInnen die Arschlöcher der Medienlandschaft im 21. Jahrhundert. Das vielbeschworene und vielgerühmte Web 2.0 hat am Charakter der Anonymität seiner "Teilnehmer" überhaupt nichts verändert, ganz im Gegenteil: Das Netz hat lediglich den Begriff Öffentlichkeit neu definiert- und zwar dahingehend, dass jetzt alle sofort Zugriff auf die Öffentlichkeit haben können. Öffentlichkeit ist zu einem jederzeit verfügbaren Allgemeingut geworden. Hier lässt sich durchaus von einer breit angelegten Demokratisierung sprechen: Waren früher noch eine Vielzahl von Kontakten (und entsprechende finanzielle Mittel) notwendig, um überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen zu können (u. a. zu Zeitungsredaktionen, Fernseh- und Radiostationen etc.), reicht heute ein Breitband-Anschluss und schon ist man vergleichsweise aktiv mit der grossen, weiten Welt verbunden- augenblicklich zwar, aber völlig anonym. Fazit: Wir sind noch genauso anonym wie im analogen Zeitalter- doch im Gegensatz zu damals sind wir dabei jetzt wenigstens halbwegs mit dem Rest der Welt verbunden. Auf welche Art und Weise, sei dahin gestellt. Wir sind sozusagen die fünfte Ohnmacht im Staate. Inwiefern Blogs, die in einen redaktionellen Kontext eingebunden sind, eine Zukunft haben, vermag ich nicht abzuschätzen. Schlussendlich sind das meiner Ansicht nach aber sowieso keine echten Blogs im herkömmlichen Sinne, sondern lediglich die redaktionelle Erweiterung eines Printproduktes, das die Leserschaft interaktiv ins Konzept miteinbindet.
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diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht, es ist immer noch so, dass für erfolgreiches Bloggen, Tweeten und online Veröffentlichen reale Kontakte, die ebenfalls bei Facebook, Twitter oder anderen Netzwerken vertreten sind, notwendig sind.
Ansonsten bleibt es bei einem : Ich blogge, und keiner liest es! Also, es hilft natürlich, es ist heute leichter, als Person in die Öffentlichkeit zu kommen, nur, welche Wirkung man errreicht, hängt immer noch massgeblich von den realen Kontakten in der wirklichen Welt ab |
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Sind Blogger Altruisten?
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Nee mit Altruismus hat das nichts zu tun, vielleicht mit unterschiedlichen Motivationen. Ich schreibe gern, deshalb blogge ich. In diesem Meer an Stimmen kann man sich immer nur schwer durchsetzen, deshalb sucht man sich ja eine Plattform, in der man erkannt wird.
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stimmt magda, sich abheben aus der masse, das eigene, unverwechselbare präsentieren, nur ist dies schwer in dem meer an blogs und online foren, die es im www gibt
ich schreibe auch gern, aber eben nicht nur online, und die illusion, online "entdeckt" zu werden, habe ich schon lange begraben :) der kontakt mit anderen im real life ist mir wichtiger, die gespräche beim kaffee oder wein |
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Keine Sorge, irgendwer liest immer mit.
![]() ![]() ![]() Unleashing the crowd in the cloud: igniting the innovation insurgency |
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Ja, irgendwer liest selbstverständlich immer mit, das stimmt ;-)
Vor allem in unserer Zeit! |
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Deine Gedanken sind sicher jedem vertraut, der selber bloggt. Allerdings stellt sich die Frage, mit welcher konkreten Absicht man seine Gedanken im Web veröffentlicht.
Für mich bildet das Bloggen zunächst einmal eine Plattform für den inneren Dialog, für die Recherche, für das Entwickeln und das Formulieren von Standpunkten. Während ich blogge entwickle ich meine Gedanken zu bestimmten Themen und trete damit gleichzeitig in eine, wenn auch sehr begrenzte, Öffentlichkeit. Das Bloggen hilft mir also dabei meine Gedanken zu ordnen und sie in Verbindung mit geprüften Fakten in haltbare Argumente zu gießen. Ich stelle bei mir selber fest: Nachdem ich zu einem bestimmten Thema geschrieben habe, findet es seinen Weg fast von selber in Gespräche und Diskussionen in meinem "real life". Das mein Blog gleichzeitig die Chance darauf hat, von einigen Menschen gelesen zu werden, verleiht meinem Schreiben mehr Ernsthaftigkeit und zwingt mich selber dazu, meine Fakten kritischer zu überprüfen. Immerhin erhalte ich postwendend eine Reaktion, wenn ich nicht gründlich gearbeitet habe. Ich träume nicht davon "im Web entdeckt zu werden". Aber ich freue mich über eine Plattform, die mir den äußeren Rahmen dafür bietet, mich regelmäßig kritisch mit politischen Themen zu beschäftigen und ich stelle fest, dass diese Beschäftigung einen großen Einfluss auf den Inhalt meiner Gespräche außerhalb des Internet hat. |
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Das ist eindeutig so, Jacob:
"Das mein Blog gleichzeitig die Chance darauf hat, von einigen Menschen gelesen zu werden, verleiht meinem Schreiben mehr Ernsthaftigkeit und zwingt mich selber dazu, meine Fakten kritischer zu überprüfen." Der (gelesene) Blog ist ein zusätzliches Rechercheinstrument. Eigene Denklücken- und Fehler entdeckt man so viel schneller. |
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schrieb am
16.04.2011 um 15:43
@Jacob Jung ad 16.04.2011 um 14:37
Ihre Ausführungen erinnern mich an Heinrich von Kleist, der einen fulminanten, allerdings überaus selten zitierten Aufsatz geschrieben hat. Der Text war ursprünglich nur als Brief angelegt, weitete sich aber bezeichnenderweise zu einer literaturtheoretischen Einlassung: H.v. Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden (im Netz unter: bit.ly/igPx9D als pdf-Datei, meine Werkausgabe habe ich leider nicht zur Hand) Nach meinem Gusto wäre zu ergänzen: ... und beim Schreiben, aber ich denke, man tut Kleist keine Gewalt an, wenn man ihn auch in diesem Sinne begreift. |
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Schreib mal über Pudding und Dr. Oetker, dann liest das diese Marketingsabteilung aus dem Hause, wenigstens.
Ich stelle mir immer im Zeitschriftenladen am Bahnhof die Frage, wer die ganzen Titel lesen soll? Im Nirvana klemmt der Freitag... Wochen später landet ein Großteil in der Papierpresse. Ansonsten sind Lesezahlen hier in der Community wohl eher ernüchternd, meistens, wie überall. Willkommen bei der Therapie. |
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Ansonsten sind Lesezahlen hier in der Community wohl eher ernüchternd, meistens, wie überall. Willkommen bei der Therapie.
Stimmt, nur trifft dies, so denke ich, auf alle Foren zu, auch in anderen Communities verliert man sich in der Masse. Was bleibt, ist, dass eigene Gedanken, vielleicht auch kreativ geschaffenes, für andere öffentlich lesbar ist. Und dass vielleicht der eine oder andere es list und darüber nachdenkt. Und das wäre ja zumindest schon etwas. |
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Schreib mal über Pudding und Dr. Oetker, dann liest das diese Marketingsabteilung aus dem Hause, wenigstens.
Nicht über Pudding...aber fast. Und gelesen wurde es auch. Konsequenzen hatte es kaum :-) www.freitag.de/community/blogs/merdeister/bald-braune-bruehe |
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@merdmeister: Da würde mich noch wunder nehmen, was genau "fast keine Konsequenzen" bedeutet. Immerhin durchforsten Konzerne ja die Websphäre ganz gezielt.
Hatte es also doch Konsequenzen? |
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nee, sag das nicht, lieber thx1138. das www ist weder so noch so doof.
ich hab mal vor jahren gelesen, was jugendliche und nicht nur jugendliche so an texten in aller stille fabrizieren. ausgewachsene dramen und romane. die masse versucht sich an gedichten und anderen kurztexten. bei den meisten menschen ist das eine art kinderkrankheit, die sich in späteren jahren verliert. das blog will ich mal lokalisieren zwischen tagebuch (denn so fing es an, als web-log) oder journal und journalismus. mir würde nie einfallen, meine wetteraufzeichnungen hier ins netz zu stellen. aber sind es nicht 2 phantastische optionen: dein gedankentagebuch zu öffnen für jemanden unbekannt auf einem anderen kontinent oder aber es hier gedruckt zu sehen? das war vor einer generation noch undenkbar. |
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@h. yuren: "das blog will ich mal lokalisieren zwischen tagebuch (denn so fing es an, als web-log) oder journal und journalismus."
Eine ganz gute Definition. Wo siehst Du den Unterschied zwischen einem fachlich qualifizierte Blog und einem journalistischen Produkt? |
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@thx1138
die position zwischen journal und journalismus lässt fließende übergänge ahnen. ein qualitätsblog trennt nichts anderes von einem journalistischen artikel als die tatsache, dass a in einem webforum steht und b in einer zeitung o.ä. die unterschiede zwischen journalistischen arbeiten untereinander sind genauso gravierend wie diejenigen zwischen blogs. ist das so einigermaßen schlüssig? |
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Der Nutzen des Bloggens besteht für mich darin, dass ich politische Gespräche nicht mehr in der Familie, mit Freunden und Kollegen führen muss. Die sind zumeist nicht so interessiert an diesen Themen und ich muss mir hier weniger Sorgen machen, dass ich jemanden nerve. Und wenn - die soziale Reputation im Blogo ist fast nichts wert.
Hier treffe ich auf andere Avatare, denen es wahrscheinlich auch so geht. Letztlich ist es für mich nutzlos und ziemlich öd. Am ödesten sind die Blogs von Leuten, die in ihren Blogs die Hälfte der Beiträge selbst verfassen um sich im Ranking zu pimpen. Das ist für mich das Symbol der Bloggerei. Bestimmte Avatare hasse ich regelrecht dafür. Hin und wieder aber finde ich einige interessante Denkansätze. Dieser Umstand hält mich. Sonst bin ich sehr ernüchtert von dieser Form der Kommunikation und empfinde sie nicht besser und nicht schlechter als das was mir bisher zur Verfügung stand. Alltag eben. Nachdem ich 10 Minuten lang das hier gedacht und geschrieben habe, würde ich es am liebsten wegen Nutzlosigkeit wieder löschen - veröffentliche es aber als Beleg für mein Empfinden in der Blogo und lasse die anderen Avatare und mich für 10 Tage in Ruhe mit meinem AVATAR RAPANUI. HALTS FINGERCHEN! Morgen geht's auf 'ne schöne Radtour durch den Fläming. Schönes Wetter ist angesagt. Aber das Frühjahr ist zu trocken, Gras und Bäume legen einfach mit dem Wachstum nicht richtig los. Der Boden riecht nicht gut und zeigt schon wieder Risse. |
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"Morgen geht's auf 'ne schöne Radtour durch den Fläming. Schönes Wetter ist angesagt. Aber das Frühjahr ist zu trocken, Gras und Bäume legen einfach mit dem Wachstum nicht richtig los. Der Boden riecht nicht gut und zeigt schon wieder Risse."
Na, sag ich doch. Is doch ne interessante Info. Und wenn man die User kennt, dann nimmt man Anteil. :-)) |
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schrieb am
17.04.2011 um 02:44
Hallo Magda,
ich verstehe zwar nicht, was du sagen willst, finde ich aber voll niedlich. Schönen Gruß von Frau zu Frau. :) |
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schrieb am
17.04.2011 um 02:44
Hallo Magda,
ich verstehe zwar nicht, was du sagen willst, finde ich aber voll niedlich. Schönen Gruß von Frau zu Frau. :) |
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FYI; angeklickt und gelesen
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Mundpropaganda und VernetzungsStärke ist noch immer das wichtigste...
Denn selbst die wirklich interessanten Blogs können ein NischenDasein fristen wenn der Leser sie nicht finden. Es gibt ja Blogs die auf einen BlogRoll verzichten in denen sie auf andere Interessannte Blogs und NetzSeiten verweisen. Ein Indiz für die Lesestärke des eigenen Blogs kann die FeedAbonnenten Rate sein, oder man hat einen Blogviewcounter mit nachvollziehbaren Parametern. (Bsp: www.bloggerei.de/blog/18838/dasnetzindir ) |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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