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Die Nachrichten aus dem Baguette-Land lassen manch deutschen Michel zum Grübeln kommen. Die Franzosen sind wieder auf die Straßen, weil sie sich von Geldschluckern, Polithaien und anderem Übel nicht weiter verarschen und ausbeuten lassen wollen. Doch während eine Demo oder ein langfristiger Streik manchen Vertreter unserer Jammergesellschaft schon überfordern würde, so sind diese Methoden bei den ausgebrachten Franzosen schon gar kein mögliches Mittel mehr. Schließlich haben diese bereits gelernt, wovon deutsche Schlafmützen noch nicht mal träumen. Streiks kann man aussitzen. Ab und an gibt’s mal ein paar Brotkrumen, dann wieder böse Worte von oben und schon funktionieren wir wieder nach bekanntem Prinzip: Zuckerbrot und Peitsche.
Wer nun denkt, die französischen Wege zur Herbeiführung einer Einigung seien kriminelle Machenschaften und die Regierung müsse härter durchgreifen, der soll sich mal den Sand aus den Augen reiben und die Machenschaften der Unternehmer, Manager und der Regierung anschauen. Die Schlagzeilen sind doch voll davon und viele moderne Sklaven erleben das hautnah mit. Man könnte daher fast sagen, die Franzosen haben mittlerweile nur die Steinschleudern gegen Schwert und Schild eingetauscht.
Man sagt uns nach, wir würden auf hohem Niveau jammern. Dem Deutschen ginge es viel zu gut. Wer solche Worte wohl unters Volk streut? Vielleicht jene, die Zwietracht zwischen jung und alt säen, wenn verlangt wird, dass die Rentner von ihrem ggf. mal für Erholung angedachten Geld eine zum Teil ohnehin übersättigte und stinkfaule Jugend finanzieren soll? Sind es jene, die die Kluften zwischen arm und reich, zwischen Arbeitstier und Sklave weiter auseinander sprengen? Ja, es müssen jene sein, die nach der Devise „divide et impera“ regieren.
Sicherlich könnte es dem kleinen Mann viel schlechter gehen, aber seit wann messen wir uns nach unten? Seit wann ist man auf eine 5 stolz, wenn es noch drei 6er gibt? Wenn wir so denken, dann ist das Handeln der derzeitigen Schulgeneration schon ein Grund um stolz zu sein: „Hab isch Dicktad 93 Feler, aber Jan fiel schlimer, hat 115 Vehler, weist du?“ 2 Wochen Schule schwänzen ist auch nicht schlimm, andere schaffen da viel mehr!
Aber genug der Exkursion, man betrachte, weswegen es unsere Landesnachbarn zu radikalen Mitteln trieb. Natürlich war die große böse Wirtschaftskrise schuld, Freifahrtschein für alle Geldfresser sich möglichst leicht und günstig von Arbeitskräften zu trennen. 15.000 € Abfindung sollten hier einige bald Ex-Mitarbeiter erwarten. Eine Beleidigung für den französischen Geist. Von brennenden Autos, Entführungen und Giftanschlägen hatte man schon aus diesem friedvollen Land gehört, nun standen Sprengdrohungen auf dem Plan. Mit Gasflaschen marschierten die Arbeiter aufs Betriebsgelände und befestigten diese an Hebebühnen und allem, was der Chef nur schmerzhaft durch die Luft fliegen sehen wollte. Hier bekommt der Satz „Es ist alles eine Frage der Druckmittel“ nochmal einen ganz neuen Sinn! Und es hat funktioniert. Die künftigen Arbeitslosen starten nun mit einer Abfindung zwischen 30.000€ und 50.000 € und einem guten Ruf in ihr neues Leben.
Ein Kameraschwenk auf Deutschland. Ca. 300.000 Zeitarbeiter, die unter den Krebsgeschwüren der deutschen Gesellschaft ohnehin täglich für einen Hungerlohn leiden müssen, sind durch die böse böse Wirtschaftskrise (warum sucht man sich hier wohl einen Feind, den man weder erschlagen, noch sprengen kann?) zu Arbeitslosen geworden. Wer weiß, dass diese Personalversklaver zur puren Ausbeute und zum Umsegeln von Tarifverträgen dienen, der kann sich denken, dass die Ex-Sklaven außer einem „Finden Sie sich damit ab!“ recht wenig von Abfindung gehört oder gesehen haben.
Blitzvergleich: Wer hat hier wohl eher die Arschkarte gezogen und wer sollte sich hier erheben und was unternehmen?
Wer die deutsche Schlafmütze abgelegt und die Nachrichten der letzten Zeit verfolgt hat, dem fallen schlagartig noch mehr Gründe ein, wieso der Deutsche anstatt zu jammern mal in die Puschen kommen und etwas ändern sollte. Den Alten geht es an die Rente, den Jungen durch das bildungsfreie Bildungssystem ans Gehirn und alle dazwischen werden ab September ohnehin durch Zwangsarbeiter und 1-Euro-Jobber ersetzt. Wem es da nicht das blanke Entsetzen ins Gesicht treibt, der hat wohl zu viel Gas geschnüffelt anstatt es wie die Franzmänner sinn- und vor allem gewinnbringender einzusetzen.
Nach der kommenden Wahl in Deutschland wird es dunkel, derzeit stellt sich nur die Frage wie dunkel. Es wäre an der Zeit die gesamte politische Riege voller Steuerschlucker und Blutsauger abzuschaffen und Platz für Volksvertreter zu schaffen, die das Volk nicht nur aus Büchern und weiter Ferne kennen. Doch da unsere Dunstpuster durch den Zucker, den sie sich von Managern und Großunternehmern in den Arsch blasen lassen, mittlerweile sicher an den Regierungsstühlen festkristallisiert sind, sollten wir vielleicht mit ein paar Gasflaschen zum Bundestag marschieren und trennen, was nicht zusammen gehört. Und dass auch ja keinem langweilig wird, könnte man das Zeitpersonal mit gasförmiger Unterstützung zur Befreiung Deutschlands von seinen aus dem Boden schießenden Pestbeulen einsetzen. Dann wären da noch die Manager. Hier könnte man die vorhandenen Mittel zur EU einsetzen: Enteignung & Umsiedlung – mit der Gasflasche ab zum Mond…
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Naja, die letzte Revolution in Frankreich ist auch schon über 200 Jahre her, die letzte in Deutschland gerade mal knapp 20. Wird schon noch was passieren.
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Erstmal danke für deinen Kommentar! Das stimmt schon, aber eine Revolution sollte im "Normalfall" ja auch nicht anstrebenswert sein. Wen man sich rechtzeitig einsetzt, Dinge verändert und bewegt, dann wird eine Revolution - ein plötzlicher Wandel bzw. gewaltsamer politischer Umsturz - nicht nötig sein. Nur wenn man zu lange zusieht, wie sich die Situation verschlechtert, muss irgendwann der Ausbruch folgen.
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Es gibt ja auch die Theorie bzgl. der "Mentalität" der Deutschen: weil eben dauernd etwas passiert im Lande, keine Genration ohne entscheidende Änderungen in Staats- und Regierungsform, ohne einschneidende Grenzänderungen bleibt, deshalb der Wunsch nach Ruhe und Ordnung, nach Stabilität.
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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