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Wie eine öffentliche Debatte allen hilft, nur nicht denen, die sie zum Gegenstand hat, erinnert an deutsche Gepflogenheiten.
Menschen sollen in Würde ihre Notdurft verrichten können – dagegen ist nichts einzuwenden, das muss man als Humanist unterschreiben. Das weiß auch der African National Congress (ANC), Südafrikas Regierungspartei seit 16 Jahren. Und so forderten Vertreter der ANC Youth League (ANCYL) jüngst lautstark auf der ersten Seite einer nationalen Tageszeitung, die Klosituation in den Capeflats, dem größten Township vor den Toren Kapstadts, müsste sofort verbessert, alle Toiletten geschlossen, sprich mit einer Ummantelung versehen werden.
Ja klar, denkt der Leser, absolut sinnvolle Forderung, denn er weiß eines an dieser Stelle noch nicht. Die Bewohner der Capeflats haben mit den kommunalen Organen ausgehandelt, welche baulichen Maßnahmen für sie Priorität haben. Wer in Blechverschlägen z.T. ohne Strom- und Wasserversorgung wohnt, für den hat möglicherweise ein Schuppen für ein Klo nicht die höchste Priorität – so sahen es auch die Bewohner. Am Ende der Verhandlungen stand das Ergebnis: Nutzen wir die vorhandenen öffentlichen Mittel lieber dafür, mehr Toiletten im Freien zu bauen und die schlimmsten Mängel in der Strom- bzw. Wasserversorgung zu beheben. Die Schuppen bauen dann die Bewohner selbst – wenn sie Geld übrig haben. Mit dieser Lösung waren alle Beteiligten einverstanden. Bis die ANCYL auf der Bildfläche erschien.
Nun gibt es einen zweiten wesentlichen Faktor, den man kennen muss, wenn man die eigentlichen Absichten dieses ,humanistischen’ Vorstoßes verstehen will. Die Kapregion ist die einzige Provinz, in der der ANC nicht die Mehrheit der Regierung stellt. Hier regiert die politische Opposition, sprich die Demokratische Allianz (DA). Und natürlich versäumt es der ANCYL-Vertreter nicht, in seiner öffentlichen Klostellungnahme lautstark darauf hinzuweisen, dass die regierenden Kräfte in Sachen Toilettenwürde völlig versagt hätten.
Was die Menschen in den Capeflats eigentlich davon haben? Gar nichts. Denn inzwischen hatten viele Bewohner sich selbst Toilettenverschläge gezimmert. Als die DA sich dem öffentlichen Druck beugte und Mittel für Schuppen für alle zusammenkratzte, da sorgte das im Township für ein Riesentheater. Der Frieden der Community sei gefährdet, wenn jetzt einige Bewohner umsonst einen Schuppen erhielten, für den andere ihr letztes Erspartes ausgegeben hätten. Die neuen Schuppen wolle man nicht. (Das übrigens berichtete besagte Tageszeitung erst am nächsten Tag auf einer der hinteren Seiten.)
Wie sehr diese Debatte der politischen Profilierung einiger weniger dient und überhaupt nicht denen, die sie eigentlich zum Thema hat, das erinnert schon sehr an deutsche Gepflogenheiten. So weit weg von Zuhause ist man offenbar selbst am Weltende nicht, als dass man politische Unkultur hinter sich lassen könnte.
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liebe tina, irgendwas stimmt hier mit der freitagseite nicht. wiederholt erscheint beim ersten buchstaben, den ich zum kommentar eintippe, ein popup von "Reporter ohne Grenzen". wie von geisterhand entsteht dann hier ein kommentar, der mit dem blog nichts zu tun hat.
nach einiger zeit verschwindet der spuk wieder. zum thema: da ich nicht weiß, wie das normklo in dem slum aussieht, kann ich mir auch herzlich wenig unter dem superklo vorstellen. ging es um sichtschutz? von der konkreten frage abgesehen, ist der irrationale machtkampf natürlich das wichtigste im parteipolitischen gerangel, nicht nur in teutonien. dachtest du, machtkampf hätte in sa andere regeln? |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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