Die Fußball-WM soll die südafrikanische Binnenwirtschaft ankurbeln. Aufträge ernten zurzeit die USA. Der amerikanische Bierkonzern Budweiser wird in den Stadien als Hauptsponsor den Durst der Fans löschen. Hiesige Brauer sind außen vor. Noch.
Bier und Fußball gehören zusammen wie Brot und Wein. Das weiß auch die Fifa, das wissen auch alle halbwegs cleveren Bierhersteller weltweit. Und so ist das Gerangel darum, wer bei einem Großereignis wie etwa einer Weltmeisterschaft den Zuschlag als Hauptsponsor bekommt, groß. Was am Ende den Ausschlag gibt? Offensichtlich nicht die naheliegendste und gerade für ein Land wie Südafrika nachhaltigste Lösung, sprich lokalen Labeln und Unternehmen den Vorzug zu geben.
Zur WM in Deutschland vor vier Jahren war der Hauptsponsor in Sachen Bier der amerikanische Biergigant Budweiser. Das führte zu der absurden Situation etwa im Ruhrgebiet, dass ansässige, regional typische und identitätsstiftende Brauereien ihr Bier in den Stadien nicht ausschenken durften, stattdessen die Fans das zweifelhafte Vergnügen hatten, das erste Mal in ihrem Leben in den Genuss von amerikanischem Gerstensaft zu kommen. Den Südafrikanern wird es wohl in diesem Jahr nicht besser gehen. Budweiser, drittgrößter Braukonzern der Welt und offizieller Bier-Sponsor der WM seit 1986, soll auch am Kap die Bierhoheit inne haben.
Doch das ist offenbar gar nicht so einfach: Erst kürzlich überraschten hiesige Medien mit der Nachricht, Budweiser könne möglicherweise den Bedarf an Getränken in den Stadien nicht decken. Sofort bot sich ein nationaler Bierkonzern an, einzuspringen und als Co-Sponsor ins Boot zu kommen. Auf diesen Vorschlag reagierte die Fifa freilich verschnupft (sah sie doch ihre millionenschweren Verabredungen mit dem Hauptsponsor in Gefahr). Budweiser sei zunächst gehalten, seine Verpflichtungen einzuhalten und die Versorgung zu gewährleisten. Rein statistisch gesehen trinkt jeder Stadiongast durchschnittlich mindestens einen halben Liter Gerstensaft, gleich ob mit oder ohne Alkohol.
Wie die Bierdebatte ausgehen wird, steht jedenfalls noch in den Sternen, und offensichtlich auch, ob der Durst der südafrikanischen Fans inklusive 500 000 eingeflogene Fußballjunkies gelöscht werden kann.
In Deutschland hat zur WM 2006 am Ende übrigens doch noch ein deutscher Bierbrauer einen Fuß in die Stadiontür gekriegt: Das Familienunternehmen Bitburger aus der Eifel bot dem Biergiganten aus USA Budweiser und der Fifa die Stirn: Es klagte, weil der Werbespruch des amerikanischen Konkurrenten dem eigenen zu ähnlich war. Mit Erfolg. Am Ende einigten sich beide darauf, dass Budweiser auf den Spielfeldbanden der zwölf Stadien mit seinem Spruch werden darf, dafür Bitburger 30 Prozent des Bierausschanks in den Stadien zugeschlagen bekommt.
Ausgabe 07/12
16.02.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen