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Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat gerade seine fünfte Ehefrau geheiratet und vor einem Jahr die Tochter eines Freundes geschwängert. Daran findet er nichts Ungewöhnliches. Und seine ungebrochen zahlreiche Wählerschaft auch nicht
Vorab ein paar Fakten, die es erleichtern, die folgende Soap-Opera in Persepektive zu setzen: Südafrika ist eines der Länder mit den meisten HIV-Infizierten der Welt. Die Quote liegt bei um die 50 Prozent. Aufklärungskampagnen inklusive kostenlose Verteilung von Kondomen haben daran in den letzten Jahren wenig geändert, und auch Non-Government-Organisations (NGOs) etwa aus Europa haben trotz z.T. massiven personellen und finanziellen Aufwandes keine einschneidenden Erfolge erzielt.
Um so zynischer scheint vor dieser Folie folgende Geschichte: Jacob Zuma, ranghoher Politiker der Regierungspartei ANC (African National Congress) und mit diversen einflussreichen Ämtern versehen, vergewaltigt seine HIV-positive Haushälterin ungeschützt. Als die Justiz auf den Skandal aufmerksam wird, Zuma schließlich anklagt, rechtfertigt der sich: ,,Es ist meine Pflicht, dem Wunsch einer Frau nach Befriedigung nachzukommen.” Auf die Frage, wie es denn mit seiner Einstellung zum Thema AIDS stünde, antwortete Zuma: ,,Ich habe mich nach dem Akt unter der Dusche gründlich gewaschen.” Das Ergebnis dieses Ereignisses: Die Anklage wurde nach zahlreichen politischen Scharmützeln fallengelassen und Jacob Zuma zum Präsidenten von Südafrika gewåhlt.
Das ist freilich eine Weile her, und man könnte es als kalten Kaffee abhaken (wie man denn Affären von beliebten Politikern in Europa gerne mit der Zeit vergisst), wenn man denn alles in allem den Eindruck hätte, der Präsident wachse mit seinem Amt. Gewachsen ist seit Zumas Amtsantritt jedenfalls eines: Die Zahl seiner Ehefrauen. Erst vor wenigen Monaten heiratete er Gattin Nummer fünf, und auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nach seinem polygamen Leben befragt, erwiderte Zuma so nonchalant wie selbstbewusst: ,,Das ist eben meine Kultur!” Zu dieser Kultur gehört auch, dass natürlich alle Ehefrauen zu Staatsbesuchen und anderen politischen Reisen mitgenommen werden (und ganz nebenbei auch die Kosten für teure Suiten, Luxuslimousinen und persönliche Reiseführer, wie eine hiesige Zeitung jüngst berichtete).
Und zu dieser Kultur gehört, dass neben dem Geschlechtsakt mit den Angetrauten auch durchaus noch Sex nebenher erlaubt ist, was uns zur heutigen Schlagzeile in den südafrikanischen Medien führt. Jacob Zuma ist offenbar jüngst Vater eines unehelichen Kindes geworden. (Ob der Verkehr mit dessen Mutter – die Tochter eines Freundes der Familie – mit oder ohne Kondom stattgefunden hat, diese Frage dürfte sich aufgrund der Faktenlage erübrigen.)
Zuma selbst findet es übrigens ,,völlig unangebracht”, dass die Medien so über ihn herfielen. ,,Der Präsident hat ein Recht auf Privatsphäre, was er da tut oder lässt, hat nichts mit seiner Politik zutun”, sagte ein Sprecher den Cape Times.
Mag sein. Das scheint jedenfalls die Mehrheit des südafrikanischen Volkes zu denken. Jacob Zuma hat nie eine hörere Schule besucht, er hat als Tellerwäscher und Küchenjunge gearbeitet und kommt aus kleinen Verhältnissen. Zuma gilt als Mann des Volkes. Und das hat ihn vor noch weniger als zwei Jahren - nach dem ,,Duschskandal” - zum Präsidenten gewählt.
Dabei geht es bei allem Zinober eigentlich gar nicht um Kultur, es geht noch nicht mal um Traditionen in Afrika, und es geht schon gar nicht darum, ob alternative Lebensformen zur Monogamie nicht durchaus Sinn machen können: Bei dem Verhalten von Jacob Zuma handelt es sich in erster Linie um männlichen Chauvinismus, der sich in Europa als auch in den USA, ja weltweit bei vielen Staatsoberhäuptern (Bill Clinton lässt grüßen) wiederfindet. Oder kennen Sie eine Präsidentin, die mehrere Ehemänner gleichzeitig um sich schart, gar in ihrer Amtszeit ihren Gärtner vergewaltigt? Aber das mag auch daran liegen, dass die Zahl der weiblichen Staatsoberhåupter so verschwindend gering ist.
Und vor allem geht nicht um die Menschen, von denen sich jeden Tag in Südafrika Tausende mit dem HIV-Virus infizieren, und die ein Vorbild dringend nötig hätten, das ihnen vorlebt, wie man den Schritt in die Katastrophe vermeidet. Jakob Zuma könnte so ein Vorbild sein, er genießt hohes Ansehen in seinem Volk. Aber vielleicht scheint ihm der Kampf gegen AIDS auch nicht vordringlich.
Was vom Tage übrigblieb: Davon, dass mit den jüngsten Schlagzeilen um das südafrikanische Staatsoberhaupt das Thema AIDS und der verantwortungsvolle Umgang damit wieder auf die Agenda rückt, ist wohl nicht auszugehen. Und das ist das eigentlich Tragische an der Geschichte.
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Der eigentliche zweite Skandal in der Sache Zuma ist, daß im Vorfeld der Fußball-WM nur noch gesäuberte und gefilterte Artikelchen bei uns erscheinen. Von anbiedernd bis bewundernd ist da alles dabei. Was wieder mal die unheilige Allianz zwischen Sport und Presse ebenso deutlich macht wie ein offensichtlich Direktiv aus der Politik, nur ja nicht kritisch nachzufragen. Schließlich wollen alle "nur" unbehelligt Fußball spielen...
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Die Menschen in Afrika haben eine andere Einstellung zum Leben & zum Sterben als wir Europäer. In einem Land, in dem es nicht selbstverständlich ist, dass geborene Kinder auch ihre Kindheit überleben, lebt es sich für den Augenblick.
Ein Spruch aus dem Film "Lord Of War": "Wenn ich Heute Spaß haben kann, warum sollte ich mir dann Gedanken machen, ob ich in 10 Jahren krank werden könnte?" Das der Herr die Haushälterin vergewaltigt hatte, wußte ich nicht. Dass Vielfachehen, wenn auch nicht zeitgleich, dann doch zeitnah auch unter Deutschen Politikern üblich sind, wissen wir doch auch von den Herren der Ringe z.B.: Schröder & Fischer. Arrogant finde ich, den Hinweis auf ungeschützten Sex als führender Politiker einer Nation. Horst Seehofer war Deutscher Gesundheitsminister als er mit einer Untergebenen durch ungeschützten, außerehelichen Sex eine Tochter zeugte. Was haben wir in Deutschland denn für Vorbilder? Von Italien & Berlusconi möchte ich mal schweigen. Macht nur Bill Clinton Safer-Sex? |
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Fairerweise sollte noch erwaehnt werden, dass Zuma Ende vergangenen Jahres eine Kampagne im Kampf gegen HIV/Aids losgetreten hat. Das heisst, er hat die Richtung der HIV/Aids-Politik seiner Vorgaengerregierung im positiven Sinne korrigiert. Was freilich keine so grossartige Leistung ist, bedenkt man die quacksalbernden Ratgeber der Mbeki-Administration in Sachen HIV/Aids vom Schlage eines Dr. M. Rath.
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Tina, es ist gut Deine Kap-Nachrichten zu lesen (Hermanitou hat dies schon begründet). Ob es realistisch ist Politiker als Vorbild herbei zu wünschen bezweifele ich beharrlich, in nur der Livinsky-Typ, auch der Silvio und Nico sind keine Vorbilder, In England haben Palarmentarier ihre Pornofilmaquisitionen von ihren Spesen abgerechnet. Wer sich an das Absurde gewöhnt kommt in diesen Zeiten gut zurecht. Also freuen wir uns mal über die Fussball Weltmeisterschaft, sachichma
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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