tina

Afrika anders

25.02.2010 | 16:26

Fifas Fußballimperium

Wer jetzt noch um die Ecke sein Feierabend-Bier kauft, der sollte diese letzte Bastion der Freiheit genießen – im Juni ist das alles vorbei

,,In den vier Wochen während der WM ist nichtmal der Sonnenuntergang umsonst. Alles gekauft von der Fifa”, unkte jüngst ein südafrikanischer Kolumnist in einer angesehenen hiesigen Tageszeitung und kündigte für Juni/Juli vorsorglich seine Flucht aus dem ,,komplett Fifa-Besetzten-Land” an. Tatsächlich ist das Gebahren des Fußball-Welt-Verbandes vor dem Großereignis den Riualen der einstigen Kolonialherren am Kap nicht unähnlich (nicht, dass das irgendeinen Kenner der Szene überraschen würde: Immerhin darin ist sich das Konglomerat von Feierabendfunktionären über Jahrzehnte gleich geblieben, und auch in Sachen Austragungsorte praktiziert es zumindest Gleichschlechtbehandlung). Im Folgenden ein paar Beispiele:

Sie wollen während der WM wie gewohnt ihr Feierabend-Bier beim Liquor-Store unten an der Ecke kaufen? Leider ganz böse daneben kalkuliert, jedenfalls dann, wenn Sie im Umkreis von zwei Kilometern von einem der zehn Stadien wohnen. Den Händlern ist es innerhalb dieser Bannmeile strikt verboten, Alkohol über den Ladentisch zu reichen (es könnten ja ein paar kleine Tante-Emma-Läden vom Fußball-Boom profitieren und die wertvollen Rand den Fifas damit durch die Lappen gehen).

Sie haben sich ein Ticket gekauft und wollen im Stadion traditionelles einheimisches Bier verköstigen? Völlig verschossen, das Ding, die Fifa hat einen Sponsorenvertrag mit dem amerikanischen Bierhersteller Budweiser abgeschlossen. Also Ami-Pils statt Kap-Gezapftes. Das wird übrigens auch nach dem Spiel nicht besser: Denn auch vor den Stadien ist es niemandem der hiesigen Bierbrauer erlaubt, seine Ware an den Mann zu bringen. Es sei denn, sie zahlen im Vorfeld so horrende Gebühren, dass sich die Aktion wirtschaftlich für niemandem mehr lohnt (außer für die Fifa).

Sie haben Lust auf aktuelle Nachrichten vom Kap? Dann besorgen Sie sich jetzt schonmal ein Tageszeitungsabo. Denn den Zeitungsverkauf rund um die Stadien hat die Fifa untersagt. Allerdings würde ich zur Vorsicht raten, bevor Sie sich auf eine Langzeitabmachung mit einem Medium einlassen: Akkredditierte Journalisten müssen nämlich einen Vertrag unterzeichen, dass sie auf keinen Fall kritisch über die Veranstaltung berichten – sonst werden sie gar nicht erst in die Stadien gelassen. Objektive Berichterstattung ist also nicht zu erwarten – jedenfalls nicht, wenn es nach Fifas Nasen geht.

Sie sind gar nicht damit einverstanden, dass Diktator Robert Mugabe sein Volk in Zimbabwe in eine Hungersnot nach der anderen treibt, während er in seinem Präsidentenpalast in Harare rauschende Feste feiert? Dann bleiben Sie am besten gleich Zuhause, denn die Fifa hat damit überhaupt gar kein Problem. Erst jüngst verhandelte sie mit Mugabes Neffen über den Verkauf von VIP-Packeten für die WM in Zimbabwe (der Verkauf läuft übrigens nach dessen Angaben blendend!). Der Name dieses besagten Neffen steht auf der Sanktionsliste der Europäischen Union, wie auch den Vereinigten Staaten gegen Zimbabwe.

Und wenn Ihnen noch nicht die Lust vergangenen ist (was ich nicht hoffe, denn die meisten Menschen in diesem wunderbaren Land können schließlich nichts dafür, dass sie von der Fifa nach Strich und Faden über den Tafelberg gezogen werden), dann hier noch eine gute Nachricht zum Schluss: Weil der Ticketverkauf ob übersteigerter Preisvorstellungen bisher eher schleppend verlaufen ist, senkt die Fifa jetzt die Preise. Karten werden – vor allem für Einheimische – deutlich billiger.

Jetzt wollen Sie wahrscheinlich noch wissen, ob das alles auch wahr ist, was ich hier verzapfe, oder vielleicht auf Fifas Mist gewachsen? Nun, man kann nie wissen. Big Brother is watching you. Aber eins kann ich Ihnen versichern: Ich habe mir meine Tickets für die Spiele selbst gekauft. Und unterschrieben habe ich gar nichts.

 
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tina
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