Tintenfisch

Blog von Tintenfisch

21.03.2010 | 17:18

Die Berichterstattung der Franzosen und der Deutschen

 

Die Berichterstattung der Franzosen und der Deutschen

Es ist mir, als deutschstämmiger Student in Frankreich, mehrfach aufgefallen, dass die deutschen Medien, allen voran die Printmedien, über Frankreich negativer berichten als es umgekehrt der Fall ist.  Warum?

Neulich hörte bzw. las ich Zeitjournalist von Gero von Randow in seinem Videopodcast und wenig später in einem seiner Artikel, übrigens sehr treffend, negativ über Frankreich redend bzw. schreibend. Er prangerte die institutionelle Stagnation und vor allem politische Handlungsunfähigkeit an.  Er machte dies zu Recht, da sich tatsächlich die Institution im freien Fall nach unten befinden. Diese leiden unter starken Kostenprobleme und Personalmangel.

Andere Beispiele sind ebenfalls zu nennen, wie zum im Freitag „Sarkozys Kabinettsstückchen“, was auch treffend ist und völlig den Zustand der Franzosen trifft- ein perspektivloses Volk mit hoher Arbeitslosigkeit, latenten Rassismus und niedriger Wahlbeteiligung. Die politischen Franzosen sind sich dessen bewusst, aber ändern wollen sie es wohl nicht, oder wie soll man die geringe Wahlbeteiligung im ersten Durchgang der Regionalwahlen vom letzten Sonntag deuten, würden jetzt einige denken - zu Recht. Nur vergessen diese leider, dass es trotzdem mehr politische Franzosen gibt als man denkt, dies ist eine Aussage von mir, der seit gut zwei Jahren die Institutionen und die Parteien des Landes kennt, und zweitens ist die politische Elite um Sarkozy zwar nicht korrupt, aber nicht weit davon entfernt ( Affäre um Jean Sarkozy und la Defense) und höhst elitär, so dass man glauben muss, dass die Politik der Monarchie/Diktatur unter Napoleon Bonaparte gleicht. Sarkozy macht Politik für einen elitären Zirkel, der nicht mehr als 4 % der Franzosen repräsentiert, darunter „hohe Beamte“, „Kapitalisten“ und „reiche Erben“. Den von Sarkozy nach seinem Wahlerfolg 2007 gegen Segolene Royal angekündigten „Bruch“ mit alten tradierten Werten und Traditionen ist nach nur zweieinhalb Jahren mehr als nur misslungen. Hingegen ist das Bild der Deutschen in der französischen Presselandschaft sehr viel bunter und positiver. Neulich noch las ich einen Artikel in „Le Monde“ über die Effizienz der Deutschen im Allgemein und vor allem über ein hochaktuelles Regionalwahlkampfthema die „grüne Seele“ der Deutschen in einem Regionalblatt.... Deutschland solle ja so umweltbewusst sein. Ob das wirklich der Fall ist, bleibt einmal dahingestellt. Die deutsche Energie-und Umweltpolitik wird oft angepriesen, die gute Disziplin der Deutschen in der Eigenschaft als Arbeitnehmer, wenig zu streiken und viel zu arbeiten, und natürlich die Tatsache, dass Deutschland weniger von der Wirtschaft-und Finanzkrise betroffen ist wie Frankreich, weil es besser und stärkere Mechanismen und Kontrollen im deutschen Wirtschaft-und Finanzleben gibt als auf der anderen Seite des Rheins. Vielleicht liegt der Unterscheid  auch darin, dass die Franzosen über sich perse schlechter denken als die Deutschen, trotz Nationalstolz und Eitelkeit und mit Nicolas Sarkozy eine nahezu perfekte Projektionsfläche gefunden haben um ihren Gefühlen, Ängsten und Sorgen freien Lauf zu lassen. Dies soll natürlich keine wissenschaftliche Studie sein, da man Geld und Zeit braucht, beides nicht vorhanden in diesem Falle, dennoch soll dieser Artikel einen Einblick geben in die Welt der Berichterstattung der beiden Länder übereinander.

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.03.2010 um 20:57
Muss ja ja nicht immer gleich eine Studie sein, Hauptsache der Inhalt, woraus es ankommt, wird verstanden.
Als ich letzte Mal in Deutschland war sind mir alle auf die Nerven gegangen "Scheiss diesen Müll in diesen Eimer!" Da stehen 100 bunte Mülleimer rum in denen Verpackungen je nach Material kostenlos vorverteilt werden. In Frankreich ist immer der gleiche Eimer mit allem voll. Soviel zu Effizienz...
Joachim Petrick schrieb am 25.03.2010 um 01:47
Hallo Tintenfisch,
Die Grand Nation France lässt anderen, wie uns Deutschen Lob zuteil werden, um diesen ihre Nachrangigkeit zu demonstrieren. Das halten die bildungsnahen Eliten im Umgang mit den bildungsfernen Schichten in France ebenso, indem sie diese per Lob durchwinken, um sie sich erfolgreich vom Halse zu halten.
Franzosen/innen pflegen auch die gesellschaftlcihe Praxis, wie Unart, sich gegenseitig mit dem Lob und Tadel der Deutschen zu drohen, wie diese wir Deutschen bei Gelegenheit gegenseitig mit dem Lob und Tadel der Russen,Japaner, Chinesen untereinander, geteilt und ungeteilt, zu tun geneigt sind.

Deutsche die France lieben, wie Urich Wickert, schreiben und lesen gerne Krimis über die Untiefen, Tiefen der obskuren Begierden der französischen Seele und Befindlichkeit der französischen Grundstimmung vor und nach der Französchen Revolution.

Franzosen, die die Deutschen in ihrem Land wirklich lieben, studieren dagegen die Wald- , Wiesen- und Wetterberichte über den wilden Osten Mitteleuropas um das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig Einundleipzig herum.

tschüss
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