Titta

Titta b(l)ockt ;-)

30.12.2010 | 17:31

Gedicht des Monats - Januar

 

    Blog für die LyrikFreundInnen der FC

 

Alle LiebhaberInnen des mehr oder weniger gereimten Wortes können mittels Kommentarfunktion ein oder auch mehrere Gedichte einstellen.

 

Viel Spaß!

 

(Motto Januar - ähm - genau: Jahreswechsel, Sektlaune mit Schneechaos in vollen Zügen genießen - ganz aktuell: Sex und Intellekt im Freitag und deren Unvereinbarkeit - das verlangt doch nach Erotik, die das Eis zum Schmelzen bringt. Was war noch mal der Unterschied zwischen Schmelzen und Schmilzen? - Naja, euch fällt sowieso bestimmt wieder etwas ganz anderes dazu ein.)

 

www.freitag.de/community/blogs/titta/gedicht-des-monats---dezember

 

 

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 30.12.2010 um 17:48
Es war einmal ein Schnelläufer, dem wollte es nicht glücken, sich trotz enormer Schnelligkeit, selbst in den Arsch zu ficken.
barshai schrieb am 30.12.2010 um 17:51
Zicke - Zacke - Hühnerkacke
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 22:07
Wahrlich
ich habe gelacht!
Titta schrieb am 30.12.2010 um 18:07
Inspiration ist, wie zu merken, halt göttlichen Ursprungs.
barshai schrieb am 30.12.2010 um 18:19
"Inspiration ist, wie zu merken, halt göttlichen Ursprungs"

Kann nicht sein, denn es gibt überhaupt keinen Gott.

Religionen sind von Menschen erdacht worden.
Jeder kann ein paar Verhaltensregeln und "Weisheiten" erfinden und diese einer "göttlichen" Eingebung zuschreiben.

Wenn dies vor etwa 4000 Jahren oder, wie beim Christentum, vor etwas halb so langer Zeit geschah, ist es noch zu verstehen. Evolutionslehre und die Erkenntnis, dass Krankheiten keine "Strafe Gottes" sind, sondern u.a. von Mikro-Organismen verursacht werden, gab es noch nicht.

Wer jedoch heute noch unkritisch nachplappert, was damals aufgeschrieben wurde, sollte besser entmündigt werden, weil er eine Gefahr für sich und seine Schutzbefohlenen darstellt. Und falls er Kinder hat, sollte ihm das Sorgerrecht entzogen werden, damit nicht immer weiter Dummheit nachgezüchtet wird.

Gegen Aberglauben und Dummheit!

Wir erleben derzeit einen unglaublichen Rollback im politischen und religiös-abergläubischen Bereich.
Titta schrieb am 30.12.2010 um 18:42
Hier ist nicht Mission und Demagogie, hier ist Dichtung.
Manchmal auch mit Ironiefaktor, selbst von gläubigen Atheisten/Agnostikern (s.u.).
Knüppel schrieb am 30.12.2010 um 18:49
Hören Sie auf zu missionieren!

"Inspiration ist, wie zu merken, halt göttlichen Ursprungs"

Das ist abergläubischer Unsinn, der hier erneut Widerspruch auslöst ...
Titta schrieb am 30.12.2010 um 18:52
Wer keine Ironie versteht, kriegt halt so manches in den falschen Hals.
barshai schrieb am 30.12.2010 um 18:57
@Titta

Nicht unkomisch!

Das "göttliche", als Verstärkung der eigenen Argumente einzubringen und sich dann beschweren, wenn andere sich gegen diese Manipulation verwahren. Das nenne ich verlogen.

Phineas Freek schrieb am 30.12.2010 um 02:09
"... Die Unverschämtheit der religösen Fraktion besteht doch gerade in den anmaßenden Anspruch auf ANERKENNUNG ihrer Hirngespinste! ..."
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 19:27
Liebe Titta, das ist aber auch ein gerade auch noch weihnachtliches Kreuz mit diesen Usern hier. Ich hoffe, dieser Lyrik Blog kann Dir intellektuell nichts von diesen Verweigerern ausnehmen. Gedichte helfen. Immer.
Titta schrieb am 30.12.2010 um 19:35
@barshai

Ich sitze auch lieber mit meinen schwulen Freunden und Bekannten in der Männerdisco, über schöne Anwesende fachsimpelnd, mich allenfalls in Beschwerden darüber ergehend, daß mein schöner Paillettenrock, den ich wieder einmal verliehen habe, an einer gewissen Stelle wieder einmal nicht ohne Schaden ausgebeult wird, als mich hier der Manipulation/Mission bezichtigen zu lassen für eine ironische Bemerkung, in der ich meine eigene Glaubensvorstellung sogar relativiert habe.

Aber wie gesagt, es steht Ihnen frei, soviel in den falschen Hals zu bekommen, wie Sie wollen. Nur ich bin dann für das beengende Gefühl die falsche Adresse.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 19:49
Lyrik rules!
Zum Glücke!
wahr schrieb am 31.12.2010 um 13:59
@SexPower
" Hören Sie auf zu missionieren! "

Da fällt mir ein: Wieviele Platten von Reverend Al Green hast du eigentlich im Schrank?
:-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 18:15
Kommt der Januar von links:
das bringt´s!
Kommt er von oben:
Gott loben!!!
Titta schrieb am 30.12.2010 um 18:36
Schön!!!
Titta schrieb am 30.12.2010 um 18:46
Kommt der Januar von rechts:
dann krächzt's!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 19:50
Und kömmt der Jänner gar von unnen
dann rennen die - - - Hunnen!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 22:08
Na ja ...
Rahab schrieb am 30.12.2010 um 18:50
Januar in New York

Schnee
aus Januar geschnitten
weiße Bänder
an Gassen verteilt
darüber schwarze Zimtmühlen
im Gang

Unter dem Schnee
Geleise
fixe Ideen
gehn immer den gleichen Weg

In schwarzen Kästen
die menschliche Fracht
Der Krieg liegt noch
als Ruß auf der Stirn

Die Stationen
nehmen kein Ende
überall Leute die fahren
von Schnee zu Schnee

Wenn du aussteigst
die weißen Hügel
verweht

auf der Fahne
die Sterne
erfroren

(Rose Ausländer)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 22:09
Rose Ausländer ist immer wieder schön.
Manchmal schicke ich Gedichte von ihr zu meiner Familie nach Dallas.
born2bmild schrieb am 30.12.2010 um 19:32
Es schneit

Es schneit dicke Flocken,
Nicht warm, aber frisch gebacken.
Die setzen sich in meine Dichterlocken,
In meinen Schiebernacken,
Auf meine Smoking-Socken.

Sie machen den Polizisten
Gemütlich zum Weihnachtsmann.
Da legen die Touristen
Ihre Polarausrüstung an.

Wir wollen uns alle zusammentun,
Um den Beschluß zu fassen:
Es dürfen alle Sachsen von nun
An nicht mehr ihr Land verlassen.

Sie querten mit wilder Behaglichkeit
Karlmayisch gedachte Fernen
Und blieben Sachsen. Es wird für sie Zeit,
Sich selbst erst mal kennenzulernen.
Es schneit.

Wenn hundert Leute sich einig sind,
Dann fühlen sich die als Giganten
Und schwafeln vor einem vernünftigen Kind
Wie taube verwunschene Tanten.

Es schneit. Wie in unserer Kinderzeit.
Zum Wintersport eingeladen,
Gehe ich schlafen. Es schneit. Es schneit.
Es schneit für den Landmann Kuhfladen.

Es schneit für die Zukunft Straßendreck.
Auf Gräber schneit's weiße Rosen.
Doch es schneit Erbsensuppe mit Speck
In die Taschen der Arbeitslosen.

Ringelnatz
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 22:10
"Auf Gräber schneit's weiße Rosen."
Ringelnatz war echt ein Familienmensch, wie ich.
indyjane schrieb am 30.12.2010 um 19:42
Erich Kästner

Der Januar

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren.
Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Krieg?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.
merdeister schrieb am 30.12.2010 um 20:45
Heut ging ich durch Wien,
Da lebte nie ne Queen,
Fröre sie doch bald
Ist so bitterkalt.

In Wien gab es ne Kaiserin,
Die war in vielen Filmen drin.
Denn im Scheinwerferlicht
Friert man nicht.

Achtung! Diese Dichtung ist Dichtung!
koslowski schrieb am 30.12.2010 um 20:47
Was fange ich Silvester an?

Was fange ich Silvester an?
Geh ich in Frack und meinen kessen
Blausanen Strümpfen zu dem Essen,
Das Herrn Generaldirektor gibt?
Wo man heut nur beim Tanzen schiebt?
Die Hausfrau dehnt sich wild im Sessel -
Der Hausherr tut das sonst bei Dressel -,
Das junge Volk verdrückt sich bald.
Der Sekt ist warm. Der Kaffee kalt -
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Wälz ich mich im Familienschoße?
Erst gibt es Hecht mit süßer Sauce,
Dann gibt's Gelee. Dann gibt es Krach.
Der greise Männe selbst wird schwach.
Aufsteigen üble Knatschgerüche.
Der Hans knutscht Minna in der Küche.
Um zwölf steht Rührung auf der Uhr.
Die Bowle -? (Leichter Moselnur - )
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?

Mach ich ins Amüsiervergnügen?
Drück ich mich in den Stadtbahnzügen?
Schrei ich in einer schwulen Bar:
"Huch, Schneeballblüte! Prost Neujahr -!"
Geh ich zur Firma Sklarz Geschwister -
Bleigießen? Ists ein Fladen klein:
Dies wird wohl Deutschlands Zukunft sein...
Prost Neujahr!
Helft mir armem Mann!
Was fang ich bloss Silvester an?

Kurt Tucholsky
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2010 um 22:12
"Der Sekt ist warm. Der Kaffee kalt -"
Dieser Tucholsky hatte vom Kochen wohl keine Ahnung, oder.
kay.kloetzer schrieb am 30.12.2010 um 23:01
Wo's schneit, hat's bald geschnitten.
Drei Zapfen fliegen tief.
Ein Schaffner kommt geritten,
der im Bordbistro schlief.

Ein paar ICE-Würfel
klappern im Köcher.
Bis einer nachgießt.

Ein Zug ist abgefahren.
Ein Kind schreit nach Gebäck.
Ein Blinder stützt 'nen Lahmen,
nur Schnee kommt hin und weg.

(Leipziger Verkehrsbetriebe featuring Deutsche Bahn)
oranier schrieb am 30.12.2010 um 23:52
@ Titta

" ... die das Eis zum Schmelzen bringt. Was war noch mal der Unterschied zwischen Schmelzen und Schmilzen?"

Liebe Titta, eine solche Frage stellst du, als rhetorische womöglich gar, einfach so in den Raum, da bin ganz offenkundig nicht ich als Adressat angesprochen. Wäre ich aber angesprochen, würde ich folgendes antworten:

Die Frage, liebe Titta, ist, wie du im folgenden sehen wirst, ganz einfach zu beantworten. Zunächst enmal: Gäbe es den Unterschied zwischen "schmelzen" und "schmilzen", dann würde ich antworten: du müsstest statt "... die das Eis zum Schmelzen bringt" entweder schreiben: "... die das Eis schmelzt" oder: "... die das Eis zum Schmilzen bringt".

Allerdings gibt es diesen Unterschied nicht wirklich, weil es den Infinitiv "schmilzen" nicht gibt. Der lautet in jedem Falle "schmelzen". Es gibt allerdings differierende Beugungsformen, je nachdem, ob das Verb transitiv (mit Akkusativ-Objekt) oder intransitiv verwendet wird. Die transitiven Formen würden, wenn es denn so einfach wäre, schwach gebeugt, die intransitiven stark.

Am klarsten und eindeutigsten bringt von den Wörterbüchern, die ich besitze und eingesehen habe, Das Werk "Die aktuelle deutsche Rechtchreibung", Verlag "Naumann & Göbel", die differenten Formen und Bedeutungen zum Ausdruck, ein Billig-Sonderangebot von Aldi:
schmelzen (du schmilzest und schmilst, er schmilst: du schmolstest, du schmölstest; geschmolzen; schmilz!) intr[ansitiv].: durch Einfluss von Wärme flüssig werden : hinschwinden.
schmelzen (du schmelzest und schmelzt, er schmelzt; du schmelzest; geschmelzt; schmelze!) tr[ansitiv].: durch Einfluss von Wärme flüssig machen : emaillieren.

Es ist aber tatsächlich nicht so einfach, weil die Formen schon seit dem 19. Jh. in der Literatur und in manchen Wörterbüchern nicht so streng getrennt werden. Das "Deutsche Wörterbuch" von Jakob und Wilhelm Grimm, das ausführlichste, das wir zum Wortbestand der deutschen Sprache haben, führt noch von einer ganzen Reihe von Quellen zunächst diejenigen an, die die Trennung streng beachten: ("zur veranschaulichung der einzelnen formen seien hier zuerst die angaben der wichtigsten älteren grammatiken und wörterbücher zusammengestellt, welche übrigens sämmtlich die scheidung des starken intransitivs von dem regelmäszig (schwach) flectierten transitivum strenge durchführen.")

Von den bei den Brüdern Grimm aufgezählten Wörterbüchern sei hier "Stieler 1877" herausgegriffen, und zwar wei er erstens als einziger doch einen offenbar untergegangenen intransitiven Infinitiv "schmilzen" anführt und zweitens ebenfalls verlorengegangene Varianten, wie "ich schmalz, et schmolz, du schmolzest, et schmulzest"
Stieler 1877: schmelzen, et schmilzen, ich schmelze, du schmilzest, er schmilzet, wir schmelzen, etc. ich schmalz, et schmolz, du schmolzest, et schmulzest, er schmolze, et schmalze, wir schmolzen, etc. ich schmälze, geschmolzen, et geschmelzet.

Die Wörterbuch-Einträge aus jüngerer Zeit weisen z.T. recht deutliche Unterschiede auf:

Der Mannheimer Duden von 1961 bezeichnet die schwach gebeugten transitiven Formen (ich schmelze, schmelzte, habe geschmelzt) bereits als "veraltet".
Der Leipziger Duden von 1983 charakterisiert sie jeweils als "seltener".
Der Wahrig von 1978 führt diese Formen gar nicht mehr auf.
Der "Einheitsduden" von 1091 (Leipzig/Mannheim) stellt die schwachen Formen für die transitive Bedeutung mit "auch" gleichberechtigt neben die starken.
Das aktuellere "Duden - Deutsches Universalwörterbuch A-Z", 3. Auflage, kennt die schwachen intransitiven Formen nicht mehr:
schmel|zen [1: mhd. smelzen, ahd. smelzan (st. V.), eigtl. = weich werden, zerfließen; 2: mhd., ahd. smelzen (sw. V.), urspr. Veranlassungsverb von schmelzen (1)]: 1. unter dem Einfluss von Wärme flüssig werden, zergehen : Quecksilber schmilzt schon bei ca. - 38°; der Schnee ist [in/an der Sonne] geschmolzen; Ü unsere Zweifel schmolzen (schwanden) schnell. 2. durch Wärme flüssig machen, zergehen lassen : Erz, Eisen s.; die Sonne schmolz den Schnee;

Das letzte Beispiel hätte danach geheißen: "die Sonne schmelzte den Schnee".

In Abweichung dazu das schon zitierte Wörterbuch "Die aktuelle deutsche Rechtchreibung", das auf der alten Trennung streng beharrt.

Das ist natürlich auch meine Präferenz und, wenn ich mir das erlauben darf, meine Empfehlung: nicht nur für die Architektur von Bauwerken, sondern auch für die der Sprache gilt: das Funktionale ist zugleich das Schöne. Schön ist ein Formenreichtum im Vergleich zur Eintönigkeit, und funktional ist eine Sprache, die differente und eindeutige Ausdrücke für differente Bedeutungen bereitstellt.

So, liebe Titta, meine einfache Antwort auf deine schlichte Frage.

Grüße
oranier
Cassandra schrieb am 30.12.2010 um 23:59
Das aldi-Werk scheint tatsächlich billig gewesen zu sein, dass es noch nicht einmal "Rechtschreibung" im Titel richtig schreiben kann. Unter diesen Umständen frage ich mich allerdings, oranier, warum du dieses Buch überhaupt heranziehst und uns hier unverschämterweise auch noch feilbietest? :)
Cassandra schrieb am 31.12.2010 um 00:01
PS. Den Einheitsduden von 1091 hätte ich auch gern in meinem Besitz.
oranier schrieb am 31.12.2010 um 00:17
Cheiße, verehrte Cassandra, manchmal chreibe ich eben, wie man chpricht, und zwar in Allerheiligen. Ja, einen Ort dieses Namens gibt es tatsächlich, und chprechen tut man da auch tatsächlich so. Ich weiß das, ich hatte da mal eine Freundin.
kay.kloetzer schrieb am 31.12.2010 um 00:19
sätze, die ich gern gesagt hätte:
ich hatte mal eine freundin in allerheiligen.

und was hört man stattdessen? ich hatte eine freundin an allerheiligen.
oranier schrieb am 31.12.2010 um 00:25
"Den Einheitsduden von 1091 hätte ich auch gern in meinem Besitz."

- Verstehe ich, mit dessen Hilfe kannst du Walther von der Vogelweide im Original lesen.
Titta schrieb am 04.01.2011 um 00:45
@kk

sätze, die ich gerne gehört hätte:

Ich hatte mal eine Freundin im Allerheiligsten.
(ich hoffe, daß war jetzt nicht zu ...)
Titta schrieb am 04.01.2011 um 01:01
@oranier

"Liebe Titta, eine solche Frage stellst du, als rhetorische womöglich gar, einfach so in den Raum, da bin ganz offenkundig nicht ich als Adressat angesprochen."

Für oranier zukünftig also nur noch nicht einfach so in den Raum gestellte Fragen. Reichten dir in den Raum gestellte Fragen aus oder müssten es bereits spezifische sein?

Danke für deine Ausführungen! Mir geht es so ähnlich wie Cassandra, ich werde neidisch auf deinen Bestand von Wörterbüchern. (Bei dem Aldi-Wörterbuch kam mir unwillkürlich ein mögliches Aldi-Abitur in den Sinn;-)

"So, liebe Titta, meine einfache Antwort auf deine schlichte Frage."

Danke! Nun weiß ich wenigstens: die Wirrnis in meinem Kopf bezüglich der Begriffe entspricht der sprachlichen Indifferenz.
Titta schrieb am 04.01.2011 um 01:02
Zu fix gepostet:
Grüße vergessen.
Hiermit nachgeholt.
Phineas Freek schrieb am 31.12.2010 um 15:15
"...Du willst sein wie Jesus Christus?
Nimm den Hammer, und dann bist du’s!
Vergiß die langen Nägel nicht
Denn du bist kein Leichtgewicht.
Vorbildlich für alt und jung
Ist die Eigenkreuzigung..."

(Wiglaf Droste)
Cassandra schrieb am 31.12.2010 um 16:03
Liebe Titta, erinnerst du dich?

Ich wünsch dir einen guten Rutsch.

Der Dreizehnte Monat
Erich Kästner

Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
Schaltmonat wär? Vielleicht „Elfember“ hieße?
Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?

Der Frühling müsste blühn in holden Dolden.
Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden,
im Herbstgeäst.

Die Tannen träten unter weißbeschneiten
Kroatenmützen aus dem Birkenhain
und kauften auf dem Markt der Jahreszeiten
Maiglöckchen ein.

Adam und Eva lägen in der Wiese.
Und liebten sich in ihrem Veilchenbett,
als ob sie niemand aus dem Paradiese
vertrieben hätt’.

Das Korn wär gelb. Und blau wären die Trauben.
Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
Dreizehnter Monat, lass uns an dich glauben!
Die Zeit hat Raum!

Verzeih, dass wir so kühn sind, dich zu schildern.
Der Schleier weht. Dein Antlitz bleibt verhüllt.
Man macht, wir wissen’s, aus zwölf alten Bildern
kein neues Bild.

Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen!
Aus Farben, die kein Regenbogen zeigt!
Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen!
Du schweigst? Er schweigt.

Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
Und werden kann nur, was schon immer war.
Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
Und dem Dezember folgt der Januar.
Titta schrieb am 04.01.2011 um 01:04
Danke!!
oranier schrieb am 01.01.2011 um 16:08
Hier ein damals auswendig gelerntes, heute noch fruchtbar im Gedächtnis haftendes, pädagogisch wertvolles Wintergedicht aus meinem 2. Schuljahr-Lesebuch (Die sieben Ähren):

Vom Büblein auf dem Eis

Gefroren hat es heuer
Noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher
Und spricht zu sich ganz leis:
Ich will es einmal wagen,
Das Eis, es muss doch tragen!
Wer weiß?

Das Büblein stampft und hacket,
Mit seinen Stiefelein,
Das Eis auf einmal knacket,
Und plumps, schon bricht's hinein.
Wär' nicht ein Mann gekommen,
Der sich ein Herz genommen, oh weh!

Er fasst es bei dem Schopfe
Und zieht es dann heraus,
Vom Fuße bis zum Kopfe:
Wie eine Wassermaus
Das Büblein hat getropfet,
Der Vater hat's geklopfet -
Zuhaus.
Lee Berthine schrieb am 03.01.2011 um 10:06
O ja, "der Vater hats geklopfet"... wir können aus der sicheren Distanz nur hoffen, dass er das Kind nur sanft mit dem Handtuch abgetrocket hat - und nicht anderes Werkzeug benutzte.

Jedenfalls ist das Gedicht - entsprechend gestenreich untermalt richtig niedlich - und wird noch h e u t e von Kindergärtnerinnen vorgetragen (ich war dabei).
oranier schrieb am 03.01.2011 um 16:28
Liebe Lee,

"... wird noch h e u t e von Kindergärtnerinnen vorgetragen (ich war dabei)."

Sieh an, und ich dachte, du seist schon groß!

Deine sichere Distanz trübt dir den Blick: Wir, zumindest die Klassenkameraden aus meinem proletarischen Milieu, haben seinerzeit den pädagogischen Wink mit Zaunpfahl nur zu gut verstanden. Er bedeutete keineswegs: wenn dir so etwas passiert, wirst du anschließend liebevoll umsorgt, sondern im Gegenteil: Sei bloß vorsichtig, denn wenn dir etwas passiert, kriegst du Zuhause noch eine kräftige Abreibung obendrauf, jedoch nicht mit dem trockenen Handtuch.
Titta schrieb am 04.01.2011 um 01:16
"sondern im Gegenteil: Sei bloß vorsichtig, denn wenn dir etwas passiert, kriegst du Zuhause noch eine kräftige Abreibung obendrauf, jedoch nicht mit dem trockenen Handtuch."

Ich kenne es aus meiner Kindheit auch nicht anders. Als wenn die erlittenen Schmerzen nicht schon Strafe genug gewesen wären, gab's noch die Tracht Prügel obendrauf für den Umstand, daß einem das Mißgeschick überhaupt passiert ist.
Man ist ja geneigt zu sagen, schön, daß die Kinder samt Erzieher das heute anders verstehen. Allerdings habe ich da so eine Ahnung, daß die Leiden der heutigen Kindheit einfach nur andere sind, anders gewandet sind.
Lee Berthine schrieb am 03.01.2011 um 10:13
Hallo Titta,

Gedicht des Monats - bei Winter fällt mir vor allem das hier ein -
und weil es als Kommentar einfach zu lang ist - ich müsste ihm eigentlich ein blog widmen - hier nur ein paar Zeilen daraus, vom geschätzten Enrienne:
...
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder -
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der höchsten Weihe -

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerfließen in Flammenbächen -
Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
Ich könnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.
...

LG Lee
Titta schrieb am 04.01.2011 um 01:17
Danke!
Schön mal wieder was von dir zu hören.
LG herzlich zurück
Lee Berthine schrieb am 03.01.2011 um 10:13
Hallo Titta,

Gedicht des Monats - bei Winter fällt mir vor allem das hier ein -
und weil es als Kommentar einfach zu lang ist - ich müsste ihm eigentlich ein blog widmen - hier nur ein paar Zeilen daraus, vom geschätzten Enrienne:
...
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder -
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der höchsten Weihe -

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerfließen in Flammenbächen -
Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
Ich könnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.
...

LG Lee
oranier schrieb am 03.01.2011 um 17:49
@ Lee

Nun, das Caput I von "Deutschland - Ein Wintermärchen" könnte ich ebenso auswendig hersagen wie "Vom Büblein auf dem Eis". Allerdings wundert es mich, dass es dir just zum Winter einfällt. Zu dieser Jahreszeit passt doch besser das Gedicht aus Heines Zyklus "Nordsee", das ich letzten Monat eingestellt habe.

Hier jedoch unterschlägst du geflissentlich den Anfang, der nach meiner Erinnerung lautet:

Im traurigen Monat November wars,
Die Tage wurden trüber.
Der Wind riss von den Bäumen das Laub ...

und nicht etwa:

Im winterlichen Monat Januar wars,
Die Tage wurden länger.
Der Wind wehte von den Bäumen den Schnee ...

Übrigens wäre der Kommentar zusammen mit den unterschlagenen sieben Anfangsstrophen eher nicht so lang geworden wie das doppelte Posten der folgenden zwölf Strophen.

Trotzdem: ein Blog über das Wintermärchen, darin möchte ich dich ausdrücklich bestärken.
Ich würde das auch durch erläuternde und interpretierende Kommentare unterstützen, etwa in der Art:

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Dieser Schluss der allgemeinen Einführung, bevor der Dichter die einzelnen Stationen seiner Reise vorstellt und jeweils auf spezifische Weise kommentiert, stellt eine Anspielung auf einen griechischen Mythos dar, der den Gebildeten Zeitgenossen Heines offenbar vertrauter war als uns.

Der schöne und sinnreiche Mythos, der die Kraft und Stärke symbolisiert, welche die Menschen aus der "Mutter Erde" ziehen, wird hier von Heine auf seine deutsche Heimat angewendet, den Zielpunkt seines Heimwehs und seiner Sehnsucht.

In der griechischen Mythologie erscheint die Erde personifiziert durch die Göttin Gaia, die mit dem Meeresgott Poseidon ein Kind zeugt, den Riesen Anthäus.

Anthäus forderte alle Reisenden, denen er begegnete, zum Kampf heraus und besiegte und tötete sie. Er selbst war unverletzlich, solange er Kontakt zu seiner Mutter, der Erde, hatte. Als jedoch Herakles auf ihn trifft und zum Kampf gefordert wird, erkennt er die Quelle von dessen Kraft und wendet eine List an, indem er ihn auf seine Schultern lädt und ihn, der der Erde enthoben seine Kraft verliert, erwürgt.

Auf solche Weise könnte ich noch ein paar Worte zur Textstruktur des Kaput I verlieren, wiewohl die eigentlich offen zutage liegt, du oder jemand anderes gibt eine Erläuterung zur widerspruchsvollen deutschen Nationalbewegung, die im Caput II anklingt, ich würde etwas beitragen können zum Kapitel über Aachen, preußisches Militär und die halbherzige Scharnhorstsche Militärreform usw.

Auf solche Weise könnte man zu mehreren die dichterische form und die politisch-historische Bedeutung des Gedichts erhellen.

Das wäre doch ein Projekt, oder?
Titta schrieb am 04.01.2011 um 01:19
"Das wäre doch ein Projekt, oder?"

O ja, bitte, bitte!!!
Lee Berthine schrieb am 04.01.2011 um 14:28
@ oranier

"Übrigens wäre der Kommentar zusammen mit den unterschlagenen sieben Anfangsstrophen eher nicht so lang geworden wie das doppelte Posten der folgenden zwölf Strophen."

Stimmt, - - und auch das mit dem "traurigen Monat November" stimmt auffallend.

Bin begeistert und verblüfft, über deine Anmerkungen zu Heines Text und werde den kompletten Text nochmal lesen und ggf. in einem eigenen blog kommentieren oder kommentieren lassen -

hier ein bescheidener und inkompetenter Beginn einer Annäherung ans DeW:
www.freitag.de/community/blogs/lee-berthine/kaputt---ein-liter-inspiration---aus-dem-liter-atur-caf-henri

Mir tut einfach die Sprache und die Direktheit in Heines Texten gut, ohne dass ich allzusehr auf die historischen Gegebenheiten und Umstände eingehen möchte.
Aus Trägheit - oder auch, weil ich finde, seine Art zu denken und zu schreiben, ist irgendwie nicht an eine bestimmte Zeit gebunden.

Da ist sicher noch mehr zu zu sagen.
Und geschätzten Dank für deine Antwort und Aufmerksamkeit!
Lee Berthine schrieb am 04.01.2011 um 14:29
---nicht aus Trotz, sondern zufällig wieder doppelt, kann bitte gern gelöscht werden, danke.
weinsztein schrieb am 04.01.2011 um 01:21
Föhn

Blinde Klage im Wind, mondäne Wintertage,
Kindheit, leise verhallen die Schritte
An schwarzer Hecke,
Langes Abendgeläut.
Leise kommt die weiße Nacht gezogen,

Verwandelt in purpurne Träume Schmerz und Plage
Des steinigen Lebens,
Dass nimmer der dornige Stachel ablasse vom verwesenden Leib.

Tief im Schlummer aufseufzt die bange Seele.

Tief der Wind in zerbrochenen Bäumen,
Und es schwankt die Klagegestalt
Der Mutter durch den einsamen Wald

Dieser schweigenden Trauer;
Nächte, erfüllt von Tränen, feurigen Engeln.
Silbern zerschellt an kahler Mauer ein kindlich Gerippe.

Georg Trakl (1887-1914)
weinsztein schrieb am 04.01.2011 um 01:24
Vorstadt im Föhn

Am Abend liegt die Statte öd und braun,
Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.
Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen -
Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.

Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,
In Gärten Durcheinander und Bewegung,
Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,
In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.

Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.
In Körben tragen Frauen Eingeweide,
Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,
Kommen sie aus der Dämmerung hervor.

Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut
Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.
Die Föhne färben karge Stauden bunter
Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.

Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.
Gebilde gaukeln auf aus Wassergraben,
Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,
Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.

Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,
Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.
Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern
Und manchmal rosenfarbene Moscheen.

Georg Trakl
Lee Berthine schrieb am 06.01.2011 um 23:02
huh, da fährt einem ein eiskalter Schauer den Rücken runter...
Lee Berthine schrieb am 06.01.2011 um 23:05
@ weinsztein

also damit meinte ich das erste Gedicht von Trakl, das du da zitierst, es ruft eine düstere Stimmung wach, die mich an eine schwere Krankheit mit hohem Fieber und Schmerzen erinnert - und an das Gegenteil von happy end.
weinsztein schrieb am 07.01.2011 um 00:34
Lee Berthine

Nein, kein happy end. Mit 18 experimentierte der Dichter mit Drogen, kam nie mehr davon los. Trakl wurde nur 27 Jahre alt. Viele seiner Gedichte schrieb Georg Trakl am Vorabend des ersten Weltkriegs. Hier liest Du mehr ueber ihn.
de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl

Der Schlaf

Verflucht ihr dunklen Gifte,
Weißer Schlaf!
Dieser höchst seltsame Garten
Dämmernder Bäume
Erfüllt von Schlangen, Nachtfaltern,
Spinnen, Fledermäusen.
Fremdling! Dein verlorner Schatten
Im Abendrot,
Ein finsterer Korsar
Im salzigen Meer der Trübsal.
Aufflattern weiße Vögel am Nachtsaum
Über stürzenden Städten
Von Stahl.
merdeister schrieb am 06.01.2011 um 15:17
Ich glaube also bin ich.
Ich glaube also spinn ich.
Ich raube also nehm ich.
Ich sauge also clean ich.
Ich schnaube also grant ich.
Ich Frau? Ne, also Mann ich.

Ein Jandlversuch.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 25.01.2011 um 19:03
Boris Pasternak (aus dem Roman "Doktor Schiwago"):

Schnee begräbt die Wege
Und überlädt das Dach.
Ich trete vor die Schwelle:
Und lauf Dir in den Arm.

Allein, in dünnem Mantel,
Ohne Hut und Überschuh,
Versuchst du, dich zu fassen
Und hast noch Schnee im Mund.

Die Bäume und die Zäune
Versinken fern im Schwarz.
Allein im Schneegestöber,
Stehst du wie erstarrt.

Wasser rinnt vom Kopftuch
Bis in den Ärmelrand,
Und Glanz getauter Flocken
Hat dein Haar entflammt.

Die blondgelockten Strähnen
Umspinnen dein Gesicht,
Das Kopftuch und den Mantel
Mit ihrem warmen Licht.

Schnee auf nassen Wimpern,
Dein wehmütiger Blick,
Und der Leib, die Glieder:
Gedreht aus einem Stück.

Als wärest du mit Eisen
-Getaucht in Antimon–
Mir tief ins Herz geschnitten
Als kleines Medaillon.

Von nun erfüllt es ewig
Die Demut dieses Gesichts
Und darum ist es nichtig,
Wie hart das Weltherz ist.

Drum haben wir die ganze
Nacht in den Schnee graviert.
Ich finde keine Grenze
Zwischen Dir und mir.

Wer wird nach diesen Zeiten
Noch wissen, wie es uns ging,
Wenn Schwätzer sich verbreiten,
Doch wir schon nicht mehr sind?
Titta
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