Titta

Titta b(l)ockt ;-)

08.01.2011 | 01:39

War Gott in Auschwitz oder die Frage nach der Macht

 

Zur Frage, ob Gott in Auschwitz war, die in der FC schon mehrfach gestellt wurde, hat Elie Wiesel folgendes zu erzählen gewußt:

 

Im Konzentrationslager Auschwitz wurden er und eine Gruppe Gefangener gezwungen, das qualvolle, stundenlange Sterben eines Jungen am Galgen mitanzusehen. Einer hinter ihm fragt: "Wo ist Gott, wo ist er?" Und er hörte eine Stimme in sich antworten: "Dort - dort hängt er, am Galgen ..."

 

Die Frage nach Gottes An- bzw. Abwesenheit in Auschwitz ist immer auch eine Frage nach der Macht Gottes, nach der Art und Weise, wie diese Macht wirkt und wirksam wird, was für eine Art von Macht von Gott erwartet wird. Die Enttäuschung, daß Gott - vermeintlich tatenlos - dem Grauen zugesehen hat, ist geknüpft an eine bestimmte Erwartung, wie Macht sich geriert, wie und auf welche Art diese ausgeübt wird.

Kann ein Linker also von Gottes "Machterweis" in Auschwitz, so wie Elie Wiesel ihn verstanden hat, wirklich und ernsthaft enttäuscht sein? Oder anders gefragt: Welche heimlichen Machtphantasien bewegen den Linken, so enttäuscht von Gott zu sein?

 

 

 

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 02:38
Hallo Titta,
erst einmal alles Gute für das Jahr 2011.

"Die Frage nach Gottes An- bzw. Abwesenheit in Auschwitz ist immer auch eine Frage nach der Macht Gottes, nach der Art und Weise, wie diese Macht wirkt und wirksam wird, was für eine Art von Macht von Gott erwartet wird. Die Enttäuschung, daß Gott - vermeintlich tatenlos - dem Grauen zugesehen hat, ist geknüpft an eine bestimmte Erwartung, wie Macht sich geriert, wie und auf welche Art diese ausgeübt wird.

Kann ein Linker also von Gottes "Machterweis" in Auschwitz, so wie Elie Wiesel ihn verstanden hat, wirklich und ernsthaft enttäuscht sein? Oder anders gefragt: Welche heimlichen Machtphantasien bewegen den Linken, so enttäuscht von Gott zu sein?"

eine immer wieder erschütternd aufrüttelnde Fragestellung.

Hat Jesus am Kreuz von Golgatha womöglich in seiner Not gar nicht gerufen:
"Mein Gott, mein Vater, warum hast Du mich verlassen?"
sondern:

"Mein Gott, mein Vater, warum habe ich Dich verlassen?"

will sagen, Gott ist überall und doch abwesend, um uns Menschen in unserer Achtsamkeit die Freiheit der Wahl zu geben, ob wir Gott wirklich als den und das nehmen, was Gott ist, eine verlässliche Angebotsalette für ein Leben in Frieden, der Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit der Existenz auf der Grundlage der Gesetzlichkeit gewordenenen Zehn Gebote.

In Ausschwitz hat Gott nicht die Menschen verlassen, seine verlässliche Angebotspalette für ein menschenwüriges Leben aller menschen galt nachwievor und danach bis heute und in alle Ewigkeit, sondern die Menschen haben Gott verlassen, ahebn Gott sowohl an den Galgen, als auch in die Gaskammer gejagt und doch nicht auslöschen können.

tschüss
Jochen
"
Michael Jäger schrieb am 08.01.2011 um 15:14
Hallo Titta, auch von mir alles Gute für 2011. Und danke für Deinen Beitrag.

Mir ist übrigens, obwohl ich alles richtig finde, was Du schreibst, beim Thema Auschwitz nach wie vor mulmig. Ich habe mich schon manchmal gefragt, ob Auschwitz nicht darauf hinausläuft, daß Jesus Christus zum zweiten Mal gekreuzigt wurde, ein Ereignis, das es nach der christlichen Heilslehre eindeutig nicht geben dürfte und wodurch diese vielleicht widerlegt worden ist. Daß Gott in Auschwitz war, würde ich nicht bezweifeln. Aber war es der christliche Gott?
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 16:17
Hallo Michael,
Du wirfst da eine überaus aufschlussreiche Frage auf:
"........ob Auschwitz nicht darauf hinausläuft, daß Jesus Christus zum zweiten Mal gekreuzigt wurde, ein Ereignis, das es nach der christlichen Heilslehre eindeutig nicht geben dürfte und wodurch diese vielleicht widerlegt worden ist. Daß Gott in Auschwitz war, würde ich nicht bezweifeln. Aber war es der christliche Gott?"

Systemisch betrachtet antworte ich so:

Zu Zeiten des Römischen Reiches gab es nur ein historisch hegemonial domnierendes Subjekt der Geschichte, das Volk der Römer/innen und viele Köinige, Warlords ringsum als Satrapen dieses Römischen Reiches, u. a. in Syrien mit Palästina als Provinz- Gouvernement zur Zeit Jesu Christus unter dem Römischen Statthalter Pontius Pilatus .

Eigentlich gab es damals vor Gott nur Könige, daneben selbst im Römischen Reich nur unterdrückte unmündige Völker,

Da machte sich Jesus mit seinen Jüngern auf, in weltlichen wie religiösen Angelegenheiten der Demokratie der Könige unter der Herrschaft des Römischen Reiches auf Augenhöhe das Wort zu reden, wenn er zu Pontius Pilatus sprach
"Ja, ich bin ein König, mein Reich ist aber nicht von der Römischen Welt, ist noch nicht in der Römischen Welt des Rechts der Heiligen Familia angekommen!"

War Jesus also ein Messias jener unter jenen, die sich damals selber weltlich wie klerikal zu Königen ernannten?
Starb Jesus Christuns deshalb ungewollt und doch, systemisch von den Ereignissen bestimmt, am Kreuz- Galgen auf Golgatha, um als König von eigenen und Gottes Gnaden Subjekt der Geschichte im Glauben, wie Weltlichen zu sein?

Ist nun das, was Jesus auf Golgatha am Kreuz widerfuhr, am Beispiel des grausamen Versuchs der Vernichtung des jüdischen Volkes auf europäischem Boden im Zwanzigsten Jahrhundert allen Menschenstämmen, -völkern in Ausschwitz widerfahren?

Sind seit Ausschwitz alle Menschenstämme, -völker auf Erden, gleich wie bildungnah. bildungsfern sie lebten, leben zum Subjekt der Geschichte einer Demokratie der Menschenstämme und -völker untereinander, miteinander auf Augenhöhe in gegenseitiger Achtung und Respekt geworden?

Nicht nach dem Zweiten Weltkrieg an sich wurde die UNO als Völkergemeinschaft der rechtlich Gleichen Völker gegründet, sondern nach dem Ereignis, den reichsdeutschen Regierungs- Verbrechen in Ausschwitz?

tschüss
JP
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 19:26
Was kann schon ein Linker tun wenn Gott am Galgen hängt? Machtphantasien helfen bestimmt nicht.

@ Joachim Petrick, schöne Antwort die ich so von Dir wirklich nicht erwartet hatte
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 20:07
@sachima

"Es lebe die Schönheit unserer Antworten!"
Titta schrieb am 08.01.2011 um 21:32
Hallo wördmaster,

dir auch alles Gute!
Jesu Satz am Kreuz ist doch im Grunde identisch mit der Frage nach Gottes Abwesenheit in Auschwitz, oder? Zumindest jedoch vergleichbar.

LG
Titta
Titta schrieb am 08.01.2011 um 21:49
Hallo Michael,

deine guten Wünsche mögen auf dich zurückwirken!

Zum Thema Auschwitz habe ich, wenn du genau liest, auch nichts gesagt, sondern Elie Wiesel sprechen lassen, weil mir nämlich ebenso mulmig dabei ist.

Die christliche Heilslehre, in dem Zusammenhang, in dem du sie ansprichst, hat ja die Rechtfertigung zum Thema, also daß der Mensch sich sein Heil nicht verdienen kann und muß.
In dem Sinne aber, daß Gott mit den Menschen verbunden ist, ihr Leben mitgeht und teilt, kann man sagen, daß Jesus Christus immer wieder gekreuzigt wird, nämlich überall dort, wo Menschen Unrecht erleiden.

Luther hat wohl gesagt, daß die Seele keine Nation hat. Vielleicht hat Gott dann ja auch keine bestimmte Religion;-)
Titta schrieb am 08.01.2011 um 21:50
@sachichma

Liegt die Schönheit nicht eigentlich im Auge des Betrachters?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 21:57
Sag ich doch: "Zum Thema Auschwitz habe ich, (weil es mir um was gaaaaaaaanz anderes geht) wenn du genau liest (wie Neuland), auch nichts gesagt, sondern Elie Wiesel sprechen lassen, weil mir nämlich ebenso mulmig (i.e. nichtwissend)) dabei ist."
Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:29
@Neuland

----------------
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 22:41
Mir ist nun auch mulmig.
Bin ich - auch - durchgetrichen?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 22:42
Hab ich einen Fehler gemacht?
War ich Hurenkind?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 22:44
Oder gar Schusterjunge?
Joachim Petrick schrieb am 09.01.2011 um 00:05
sehr diplomatisch formuliert
Titta schrieb am 09.01.2011 um 00:09
@JP

Finde ich auch.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:20
Ist Titta wirklich eine Eselin?
wie sie in ihrem avatar vorgibt zu sein?
Joachim Petrick schrieb am 09.01.2011 um 02:13
"Neuland schrieb am 08.01.2011 um 22:41
Mir ist nun auch mulmig.
Bin ich - auch - durchgetrichen?"

Die Bärenfalle hat zugeschnippt.
Titta organisiert organisert sich gerade mit ihren Leer-Lockrufen ihr Stress Balett für die Nacht.
Michael Jäger schrieb am 09.01.2011 um 14:17
Liebe Titta, Jesus Christus wird überall gekreuzigt, wo Menschen Unrecht leiden – ja, aber es ist doch etwas Besonderes, wenn diese Menschen Juden sind, und nicht nur einzelne Juden, sondern das ganze jüdische Völk. Dieses sollte ja ganz und gar ausgerottet werden. Meine Frage ergibt sich daraus, daß Jesus Christus, so wie er im Neuen Testament dargestellt ist, mindestens drei klare Züge einer Kollektivperson aufweist, eines Repräsentanten des ganzen jüdischen Volkes. Erstens werden die Aussagen des "dritten Gottesknechtschaftsliedes" aus Jesaja, wo mit dem leidenden Gottesknecht ganz eindeutig das ganze jüdische Volk gemeint ist, auf ihn übertragen. Zweitens hat er mit der Anfangsaussage seiner Predigten, "Die Zeit ist gekommen", sich als Verfechter der jüdischen Endzeitprojekte dargestellt, wozu gehört, daß die anderen Völker sich in Jerusalem versammeln würden und dann Frieden sei. Ersichtlich kann das nicht die Tat eines Einzelnen sein, sondern das ganze jüdische Volk wäre beteiligt. Wozu ferner gehört, daß die anderen Völker sich in der jüdischen Religion wiedererkennen, sie übernehmen. Drittens, er selbst hat zwar nur ausnahmsweise Angehörige anderer Völker "geheilt". Aber das hängt eben damit zusammen, daß er Repräsentant des ganzen jüdischen Volkes sein wollte. Dieses als ganzes sollte die anderen Völker heilen. Deshalb sandte er seine Jünger zu den zwölf Stämmen Israels aus – deshalb reduzierte er schließlich die Zahl seiner Jünger auf zwölf -, von welcher Aussendung sie freilich erfolglos zurückkehrten. Nach einigem Zögern, das im Johannesevangelium eindringlich dargestellt wird, wagte er sich dann doch nach Jerusalem und wurde dort von den Römern gekreuzigt. Seine Jünger legten dann dem "Auferstandenen" das Wort "Geht hin zu allen Völkern" usw. in den Mund. Sie wollten in der Kreuzigung selber den Übergang zu den anderen Völkern (des römischen Reiches) sehen.

Die Juden, die in Auschwitz ermordet wurden, waren Repräsentanten des jüdischen Volkes, denn dieses auszurotten, war der Zweck der Ermordung. Von daher ergibt sich meine Frage. Nach der Vorstellung der Jünger würde Christus nur einmal wiederkehren, und zwar als Sieger. Aber es gab Auschwitz gab, als furchtbaren Höhepunkt der ganzen Geschichte des Antisemitismus, wo er in seiner Eigenschaft als Verkörperung der Kollektivperson "leidender Gottesknecht" schon vorher wiedergekehrt ist. Das weckt in mir den Zweifel, ob der christliche Versuch, die jüdische Religion auf die ganze Welt auszuweiten, nicht doch etwas verfrüht war. Da ich diese Religion auf der anderen Seite nicht missen möchte, frage ich mich, ob "die Wahrheit" nicht irgendwo z w i s c h e n dem jüdischen und dem christlichen Standpunkt liegen könnte. Es sind echte Fragen, d.h. da weiß ich nicht weiter.

Ich möchte noch etwas zu der Provokation anmerken, die es für Einige nachvollziehbarerweise darstellt, daß es "Theoblogs" gibt und daran sich anschließende Debatten, theologische Blogs. Mir scheint klar zu sein, daß etwa in Diskussionen mit vielen Arabern oder Türken (Muhabbetci) oder beim Thema Auschwitz die theologische D i m e n s i o n , als eine unter mehreren, nicht ausgeblendet werden sollte. Im Fall vieler Araber und Türken deshalb nicht, weil man sich sonst nicht tiefgreifend genug mit ihnen unterhalten kann, und im Fall Auschwitz nicht, weil die letztendliche Herkunft von Hitlers darwinistisch verpackten Antisemitismus aus historisch früheren t h e o l o g i s c h e n Antisemitismen auf der Hand liegen dürfte, auch wenn Hitler selbst die Juden nicht als Religionsgemeinschaft sehen wollte. Ich spreche sicher auch in Deinem Namen, Titta, wenn ich sage, daß ich weit entfernt davon bin, Auschwitz nur unter dem theologischen Gesichtspunkt zu sehen, es wurden ja auch nicht nur Juden ermordet. Aber daß diese Dimension dazugehört, daß sie, wie gesagt, nicht ausgeblendet werden sollte, darauf müßte man sich doch einigen können. Wenn ich Theologe wäre, würde ich an der skizzierten Frage arbeiten, ob oder in welcher Hinsicht das Christentum durch Auschwitz "widerlegt" worden ist. Da stattdessen Politik mein Ding ist, muß ich alles beachten, was die reale Politik mitkonstituiert, und natürlich nicht nur beachten, sondern aus sich selbst heraus zu begreifen versuchen. Reale Politik aber wird nun einmal auch von Religion mitkonstituiert, und wer eine Religion aus sich selbst heraus begreifen will, muß Theologie studieren.
Titta schrieb am 10.01.2011 um 00:51
Lieber Michael,

ich versuche dir in aller Kürze zu antworten, weil ich deine langen Überlegungen nicht gänzlich ohne Antwort lassen möchte.

"mindestens drei klare Züge einer Kollektivperson aufweist"
solche eine Kollektivperson ist immer theologisch geformt, also gewollt. Hier gilt zu fragen, von wem zu welchem Zweck. Welche theol. und politischen Interessen wurden dabei verfolgt?

"Zweitens hat er mit der Anfangsaussage seiner Predigten, "Die Zeit ist gekommen", sich als Verfechter der jüdischen Endzeitprojekte dargestellt,"
er wurde so dargestellt. (Daraus folgt dann wieder: s.o.) Gerade eine solche sich wiederholende Anfangsaussage ist ein Hinweis auf eine literarische Konstruktion des Verfassers des jeweiligen Evangeliumstextes, und spricht gerade nicht als Indiz für narrative Rede, also einen direkten Satz von Jesu.

"Deshalb sandte er seine Jünger zu den zwölf Stämmen Israels aus – deshalb reduzierte er schließlich die Zahl seiner Jünger auf zwölf"
ob die 12 Jünger wirklich historisch sind, ist zweifelhaft. Sie stehen vermutlich, wie du schreibst, für die 12 Stämme Israels. Es ist eine gewollte Zahl, nicht unbedingt eine realistische.

"Sie wollten in der Kreuzigung selber den Übergang zu den anderen Völkern (des römischen Reiches) sehen."
Noch bevor die Evangelien geschrieben wurden, entstanden faktisch Gemeinschaften, die die Lehre Jesu tradierten, die sowohl aus Juden wie aus Nichtjuden bestanden. Der Übergang, auch der theolog., erfolgte erst real, danach brauchte/suchte man eine theol. Erklärung bzw. nach Regelungen, wie die unterschiedlichen Auffassungen von Juden und Nichtjuden im neuen christl. Glauben zusammengefaßt und in Harmonie gebracht werden konnten. Man wurde sozusagen von der Wirklichkeit überrollt, passiert ja heute auch nicht anders, die dann Lösungen erforderte.

"Da ich diese Religion auf der anderen Seite nicht missen möchte, frage ich mich, ob "die Wahrheit" nicht irgendwo z w i s c h e n dem jüdischen und dem christlichen Standpunkt liegen könnte. Es sind echte Fragen, d.h. da weiß ich nicht weiter."
Die Wahrheit gibt es nicht. Punkt. Von daher mußt du dich auch nicht entscheiden zwischen zweien oder wievielen auch immer.
Wozu dienen unsere ganzen Überlegungen, auch die, die dich grad ratlos lassen? Das ist doch entscheidender als die Antwort, oder?
Der eine findet und braucht Sinn durch festgelegte dogmatische Denkgebäude, weil ihm Halt und Sicherheit wichtig sind, weil er Gewißheit braucht. Der andere wird genau durch das eingeengt und fühlt sich unfrei durch etwas, an das er glauben soll und nicht kann. Sieht man doch auch hier im Thread.
Wenn, dann würde ich sagen: Gott will vielmehr geliebt als verstanden werden. Das Beziehungselement/die Beziehungsdimension ist für mich das Entscheidende. Und wie du die Beziehung herstellst, ob durch den Glauben an dogmatische Konstrukte oder was auch immer, kommt erst danach, ist zweitrangig.

"und wer eine Religion aus sich selbst heraus begreifen will, muß Theologie studieren."
genau im Luhmannschen Sinne. Religionen "sind selbstrefenzielle Systeme, die sich letztlich selbst definieren und deshalb definieren und deshalb auch nur im Diskurs mit denen erforscht werden können, um deren Religion bzw. Religiosität es geht." Zitat Luhmann/Ebert (Es handelt sich um performatives Wissen, das sich in face-to-face Situationen bildet und semantisch nicht eindeutig ist - siehe wieder die Diskussion im Thread als Beleg.)

Liebe Grüße und viel Spaß beim Prozeß des Sinn- und Erkenntnisgewinns
Titta
Titta schrieb am 10.01.2011 um 00:56
Zitat im letzten Absatz: - und deshalb definieren
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 09:47
@Titta

Liebe Titta,

bis auf den Luhmann am Schluss kann ich davon fast nichts voll unterschreiben. Ich komme überall - teils aus ähnlichen Ansätzen heraus, also auch historisch-kritisch - zu entgegengesetzten Konsequenzen. Soll es ja in der Theologie schon gegeben haben...

Was würdest Du jetzt als unhöflicher betrachen: Wenn ich es bei diesem persönlichen Dementi belasse? Oder sollte ich ein Koreferat zu den Einzelpunkten halten, um die Gründe für meine abweichende Einschätzung transparent zu machen?

LG Christian
X schrieb am 10.01.2011 um 17:31
@Michael, Titta & Christian

Mich würden die Argumente interessieren (vielleicht findet sich ja eine höfliche Variante dafür? :)

"Die Wahrheit gibt es nicht. Punkt. ... Wenn, dann würde ich sagen: Gott will vielmehr geliebt als verstanden werden. Das Beziehungselement/die Beziehungsdimension ist für mich das Entscheidende. Und wie du die Beziehung herstellst, ob durch den Glauben an dogmatische Konstrukte oder was auch immer, kommt erst danach, ist zweitrangig."

Dass die Beziehung das Entscheidende ist, sehe ich genauso. Aber ohne einen Ansatz des Verstehens ist das mE nicht möglich. Um Gott zu lieben und eine Beziehung zu ihm aufzubauen, muss ich bestimmte Annahmen über ihn haben, zB solche, die ihn liebenswert machen. Das eigene Gottesbild -- worauf auch immer es basiert -- ist noch kein "dogmatisches Kontrukt", aber es ist eine persönliche Wahrheit darüber, was man meint von Gott verstanden zu haben, ohne die mE keine Basis für eine Beziehung gegeben ist.

Nimmt man in Bezug auf die Gottesbeziehung und einen christlichen Standpunkt an, dass die Texte der Bibel, solange man sie nicht ausschließlich als historisches Dokument liest, einen Offenbarungscharakter haben / haben sollen (unabhängig davon, wie der interpretiert wird), kommt man mE nicht an dem Argument vorbei, dass es auch um das Verstehen geht. Liege ich damit falsch?

LGX
Titta schrieb am 10.01.2011 um 21:48
@Christian

"Was würdest Du jetzt als unhöflicher betrachen: Wenn ich es bei diesem persönlichen Dementi belasse? Oder sollte ich ein Koreferat zu den Einzelpunkten halten, um die Gründe für meine abweichende Einschätzung transparent zu machen?"

Das ist doch keine Frage der Höflichkeit. Man kann aus einem bestimmten Befund unterschiedliche Schlüsse ziehen, zu unterschiedlichen Beurteilungen kommen. Das ist doch nicht unhöflich, sondern spannend.
Titta schrieb am 10.01.2011 um 21:59
@X

Völlig richtig.

Dogmatiken sind ja im Grunde nichts anderes als bestimmte Verstehenszugänge und -weisen. Nur die als Wahrheiten (unumstößlich/ewig) zu bezeichnen, scheue ich mich, schließlich ist der menschliche Erkenntnisprozeß kein abgeschlossener und somit die Wahrheit wandelbar und daher nicht end-gültig, sondern immer nur vor-läufig. Sie ist schlichtweg im Entstehen.
Dazu im Gegensatz hat natürlich jeder Mensch seine eigenen (vorläufigen oder fortwährenden) Wahrheiten entwickelt im Laufe seines Lebens, die ihm Halt und Orientierung und Sinn bieten.
Und natürlich muß ich Annahmen (übrigens auch ein schönes Wort in dem Zusammenhang) über Gott entwickelt haben, weil eine Beziehung ein konkretes Gegenüber braucht.

LG
Titta
Michael Jäger schrieb am 10.01.2011 um 23:34
@ Titta, Christian, Mabli (im unteren Teil)
Danke für Eure Antworten. Auf dieser Seite geht es sehr spannend zu, und Ihr seid so gute Diskussionspartner-innen. Leider habe ich eine fiebrige Erkältung und muß mir Grenzen auferlegen. Christian hat aber ohnehin recht, wenn er schreibt (im unteren Teil), daß ich mit meiner Frage den Stab ja an die Theologen weitergegeben habe. Was ich zu der Sache beitragen konnte, habe ich im Grunde schon getan. Ich will nur auf einzelne Punkte von Euch noch Bedenken oder Rückfragen loswerden. Das kann allerdings erst nach der Gesundung geschehen, die, wenn es stimmt, daß Erkältungen eine Woche andauern, am Mittwoch früh anbrechen müßte. Alles Gute!
Titta schrieb am 10.01.2011 um 23:46
@Michael

Dir gute Besserung, und tu dir bloß Ruhe an! Genügend Hühnersuppe und Nasensalbe sollen dir dabei helfen sowie eine möglichst kuschelige Wärmflasche dein Herz dabei erwärmen.

LG
Titta
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 01:40
@Michael Jäger

Lieber Michael,

Gute Besserung! Bis bald!

LG Christian

@X

Liebe X,

Du auch wieder hier? Wie schön. Deiner Meinung wäre ich sowieso gewesen, Titta hat Dir in diesem Punkt zugestimmt, hab jetzt nur nicht mehr verstanden, was sie eigentlich hatte sagen wollen. Ist aber irrelevant, da Einigekeit besteht.

LG Christian

@Titta

Liebe Titta,

danke, dass Du mir ein Koreferat gestattest, nur zur Klarstellung, dass da mehrere theologische Meinungen möglich sind. Du weißt ja:

Fragt man einen Theologen, wird man im Glauben gestärkt, fragt man mehrere, wird man verwirrt.

Aber das müssen wir der Menschheit zumuten, jedenfalls als Evangelen, da hat jeder selbst die Lehre zu prüfen und selbst zu verantworten, was er davon glauben will und was nicht.

Nun denn, ich gehe Deine Statements zu Michael Jägers Interpretation mal der Reihe nach durch.

1)

Michael: "mindestens drei klare Züge einer Kollektivperson aufweist"

Titta: solche eine Kollektivperson ist immer theologisch geformt, also gewollt. Hier gilt zu fragen, von wem zu welchem Zweck. Welche theol. und politischen Interessen wurden dabei verfolgt?

Christian: Man muss zunächst die Sprachform der Kollektivperson deuten können, die Vorbilder des Gottesknechtes kennenlernen. Dann kann man den Zweck im Allgemeinen und im Besonderen erschließen, man muss nicht gleich beim politischen oder theologischen Anfangen, man kann auch nach dem anthropologischen fragen, was bei irdischen Personen ja naheliegt oder nach der Form oder Textsorte in denen solche Kollektivpersonen vorkommen.

Welche kennen wir denn - außer dem Gottesknecht. Nach meiner Kenntnis ist die erste "Adam", was "Erdling" bzw. Mensch bedeutet. An dieser Kollektivperson wird in Genesis typisch Menschliches und Allzumenschliches als Ursache für das teilweise harte Schicksal der ganzen Menschheit dargestellt, was Paulus im Römerbrief vertieft und um die Erlösung durch den "2. Adam" (Christus) ergänzt, der den Fluch wieder von der Menschheit nimmt.

Dann die Stammväter: Kain, der Brudermörder, gilt als Stammväter der Keniter. Später in einem Profetenspruch, wird gegen Kain geweissagt, aber die Keniter sind gemeint. Die 12 Patriarchen, die Söhne Jakobs in der zweiten Hälfte der Genesis stehen für die 12 Stämme aus Martin Noths Amphiktonie der Richter-Zeit, mit dem Schönheitsfehler, es irgendwie 13 wurden (Lösung: Ephraim und Manasse werden als Kinder eines nicht existierenden Sammelstammes "Josef" gedeutet, und schon sind es damals 12 gewesen, ohne dass einer ausgeschlossen ist. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, wer von den anderen der Nachzügler war, dürfte klar sein: Juda gehörte vor David/Salomo nicht zum 12-Stämme-Bund und hinterher auch nicht (mehr): Das politische Interesse bei der Erzählung mit diesen Kollektivpersonen, die alle früher schon Geschwister waren, ist deshalb so eindeutig wie selten.

Spannend ist auch die Geschichte von Jakob und Esau - Stammväter Israels und Edoms: Der eine ein Jäger und Sammler, behaart an den Armen, unstet, naiv, vergesslich - der andere schon Viehzüchter, feinsinnig, berechnend, planend, im Endeffekt überlegen. Ein Schlüssel zur Deutung dieser Kollektivpersonen ist folgende Weissagung an Rebekka:

Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Genesis 25,23


Der eine von Ihnen, Jakob, nennt sich später in Israel um, was ihn als Stammvater der um das Jahr 1200 erstmals in außerbiblischen Quellen benannten politischen Verbundes markiert. Dieses Kollektiv ruft Gott später in Profetensprüchen so, als würde er zu einer oder zwei Personen sprechen.

In dem Teil ab Kapitel 40 des Jesajabuches, die wir als Deuterojesaja bezeichnen, weil ab hier die spätexislische Situation in Babylon vorausgesetzt wird, geht es der Profetie darum, den Sieg des Perserkönigs Kyros über die Babylonier anzukündigen und das deportierte Volk des früheren Königreichs Juda in Jubelstimmung zu bringen, weil (oder damit) der als Befreier begrüßte Perser sie in ihre Heimat zurückführt - was dann wirklich geschehen sollte und durch außerbiblische Parallelquellen (Fund des in der Bibel zitierten Kyros-Befehls auf einem Keilschrift-Zylinder) belegt ist. Das dritte Gottesknechtslied deutet die 40 Jahre Leidenszeit im Exil, das noch nicht vergessene Weinen an den Flüssen Babylons, in Konkurrenz zu den früheren Unheilsprofeten, die die Deportation vorhersagten, nicht als Strafe Gottes für die Abtrünnigkeit Israels, sondern als Beweis für seine Erwählung. Das ist, zugegebenermaßen, so Paradox wie mein Text über die Gottesliebe und/oder Feindesliebe, war aber in der Situation genau das richtige, um die innere Auferstehung ihre sMutes zum Neuanfang bei den Überlebenden des Exils mit solchen Deutungen wachzurütteln, ihre Niedergeschlagenheit in Euphorie zu verwandeln, damit sie nicht etwa sagen: Wieso denn aufbrechen zurück nach Juda? Uns gehts doch gut, wir bleiben hier. Da kann man den politischen Zweck der Kollektivperson "Gottesknecht" (= ursprünglich Israel/Jakob, in Wahrheit Juda + ein paar Nordstämme in Galiläa) klar erkennen.

Was mir nur nicht klar ist: Was verändert dieser Befund (vorausgesetzt, er würde stimmen) an Michaels Argument? Die Christen /angeblich zuerst Philippus in Apg 8) haben diese Kollektivperson Israels als Gottesknecht, der als Erlöser der Menschheit für die Nationen unschuldig leidet (Text s.u.) auf Christus als Erlöser bezogen - mit der damals plausiblen Begründung, dass durch ihn (in Wahrheit durch seinen Apostel Paulus) der Glauben an den einen und einzigen Gott Israels tatsächlich zu Gojim kam - und das massenhaft, der geweissagte Erlösungseffekt also nun eingetreten sei, aber nicht durch das Volk Israel als ganzes, höchstens durch seine Verkörperung in der Kollektivperson seines Königs, des Messias, der sein Leib und sein Blut für den Neuen Bund gegeben hat, der die mosaische Tora ablöst und diese Völker mit einbindet (siehe in meinem Blog die Diskussion dazu). Im dritten Schritt kann man sagen: Die Erlösung hat nicht funktioniert, Anspruch und Wirklichkeit gehen auseinander, sind vielleicht alles Scheinchristen, aber schlimmere oder genauso schlimme Gottesmörder wie die, die Christus gekreuzigt haben. Deshalb musste Gottes Volk noch mal als Gottesknecht leiden, nicht zwingend in Konkurrenz, aber in Ergänzung. Seitdem hat die Moderne ihren Sündenfall, dessen Erwähnung im Unterschied zu Adam und Eva kein Schmunzeln auslöst, sondern tiefe Betroffenheit, gefolgt von Schuldbekenntnissen (nicht nur dem Stuttgarter) und/oder Abwehrreflexen.

2)

Michael: "Zweitens hat er mit der Anfangsaussage seiner Predigten, "Die Zeit ist gekommen", sich als Verfechter der jüdischen Endzeitprojekte dargestellt,"
er wurde so dargestellt. (Daraus folgt dann wieder: s.o.)

Titta: Gerade eine solche sich wiederholende Anfangsaussage ist ein Hinweis auf eine literarische Konstruktion des Verfassers des jeweiligen Evangeliumstextes, und spricht gerade nicht als Indiz für narrative Rede, also einen direkten Satz von Jesu.

Christian: Dass Jesus das Weltenende geweissagt hat, geht nicht aus synoptischem Material sicher hervor, denn alles synoptische Material ist mindestens 40 Jahre von Jesus entfernt, die Überlieferungswege sind unbekannt. Der Schluss aus der Form auf den Urheber ist in meinen Augen unsicher.

Es gibt aber - unter historisch-kritischen Kriterien eine um den Faktor unendlich bessere Quelle über Jesus: Die authentischen Paulusbriefe. Sie sind das älteste Zeugnis, das wir von ihm haben, nur halb soweit von den Ereignissen entfernt wie die Synoptiker und mit bekannter Überlieferungskette. Zudem hatte Paulus den Bruder von Jesus als persönlichen Gegenspieler im Nacken - er konnte sich deshalb nicht leisten, etwas über den Herrn als verbürgte Tatsache zu behaupten, was leicht widerleglich gewesen wäre, darauf hätte Jakobus ja nur gewartet.

Leider gibt es nur vier Stellen bei Paulus, an denen er ausdrücklich verrät, dass er das, was er jetzt sagt, von den Aposteln in Jerusalem hat. Eine davon betrifft aber die apokalyptischen Weissagungen Jesu. Sie steht im 1.Brief an die Tessalonicher.

Damit ist sicher: Jesus hat das Weltenende geweissagt und somit seine Rolle auch irgendwie eschatologisch verstanden.

3)

Michael: "Deshalb sandte er seine Jünger zu den zwölf Stämmen Israels aus – deshalb reduzierte er schließlich die Zahl seiner Jünger auf zwölf"

Titta: ob die 12 Jünger wirklich historisch sind, ist zweifelhaft. Sie stehen vermutlich, wie du schreibst, für die 12 Stämme Israels. Es ist eine gewollte Zahl, nicht unbedingt eine realistische.

Aus demselben Grund wie gerade Quellenkritisch darelegt, sind die 12 keineswegs zweifelhaft. Paulus erwähnt den Zwölferkreis in 1. Kor. 15 als eine bestehende Personenmehrheit, der Jesus als Auferstandener zuerst erschien, nachdem ihn Petrus als erster gesehen hatte. Bezweifeln kann man natürlich alles, aber es macht keinen Sinn, dass Paulus hier eine "gewollte Zahl" erfindet, das wäre ihm böse auf die Füße gefallen.

4)

Michael: "Sie wollten in der Kreuzigung selber den Übergang zu den anderen Völkern (des römischen Reiches) sehen."

Titta: Noch bevor die Evangelien geschrieben wurden, entstanden faktisch Gemeinschaften, die die Lehre Jesu tradierten, die sowohl aus Juden wie aus Nichtjuden bestanden. Der Übergang, auch der theolog., erfolgte erst real, danach brauchte/suchte man eine theol. Erklärung bzw. nach Regelungen, wie die unterschiedlichen Auffassungen von Juden und Nichtjuden im neuen christl. Glauben zusammengefaßt und in Harmonie gebracht werden konnten. Man wurde sozusagen von der Wirklichkeit überrollt, passiert ja heute auch nicht anders, die dann Lösungen erforderte.

Christian: Teilweise stimmt das wohl, so wird es ja auch geschildert - Philippus tauft in Apg 8 den Äthiopier, Petrus 2 Kapitel weiter die ersten Römer, wobei er zur Interpretation und Legitimation vor den anderen Aposteln nach dem Bericht bei Lukas auch nur sagen kann, er wurde von den Ereignissen überrollt, die Römer fingen nach seiner Predigt plötzlich an, in Verzückung zu reden, als hätte der Heilige Geist auch sie ergriffen. Und dann konnte er noch ein Traumgesicht damit in Zusammenhang bringen. So passiert oder Legende? Egal, die Schilderung bestätigt jedenfalls ein Überrolltwerden.

Das Entscheidende Überrollen, das auch in Primärquellen, also wieder bei Paulus, belegt ist, ist seine erfolgreiche Mission gewesen. Er war es, der durchsetzte, dass man Christ werden konnte, ohne gleichzeitig Jude zu werden - was bis zum Schluss seines Wirkens umstritten blieb und den späteren Rausschmiss der Christen aus der Synagoge in Jamnia-Jabne vorbereitete.

Von Paulus stammen aber schon die ersten Deutungen, denn er verteidigte und interpretierte sein Vorgehen immer aus der Botschaft heraus, dem Logos tou staurou, dem "Wort vom Kreuz". Wird er bzw. die Christen nach ihm - also die europäischen, also das biblische Christentum - als logisches Subjekt in dem Passivsatz von Michael gesehen, ist er vollkommen richtig. Was Du sagst, mit dem Überollen, muss deshalb nicht falsch sein, aber es widerspricht sich nicht. Welches Huhn oder Ei früher war, die Deutung oder die Praxis, spielt keine Rolle, wenn sich beide als gültig durchgesetzt haben.

5)

Michael: "Da ich diese Religion auf der anderen Seite nicht missen möchte, frage ich mich, ob "die Wahrheit" nicht irgendwo z w i s c h e n dem jüdischen und dem christlichen Standpunkt liegen könnte. Es sind echte Fragen, d.h. da weiß ich nicht weiter."

Titta: Die Wahrheit gibt es nicht. Punkt. Von daher mußt du dich auch nicht entscheiden zwischen zweien oder wievielen auch immer.
Wozu dienen unsere ganzen Überlegungen, auch die, die dich grad ratlos lassen? Das ist doch entscheidender als die Antwort, oder?
Der eine findet und braucht Sinn durch festgelegte dogmatische Denkgebäude, weil ihm Halt und Sicherheit wichtig sind, weil er Gewißheit braucht. Der andere wird genau durch das eingeengt und fühlt sich unfrei durch etwas, an das er glauben soll und nicht kann. Sieht man doch auch hier im Thread.
Wenn, dann würde ich sagen: Gott will vielmehr geliebt als verstanden werden. Das Beziehungselement/die Beziehungsdimension ist für mich das Entscheidende. Und wie du die Beziehung herstellst, ob durch den Glauben an dogmatische Konstrukte oder was auch immer, kommt erst danach, ist zweitrangig.

Christian: Finde ich zumindest problematisch, wenn es keine Wahrheit geben soll. Punkt. Natürlich weiß ich, was Du meinst, aber eine existenzielle Wahrheit ist auch der Wahrheitsprüfung fähig. Michael muss natürlich sagen, wie die aussehen könnte, für die Wahrheit, die ihm da vorschwebt. Deduktiv, reduktiv, induktiv oder empirisch? Irgensoein Anspruch auf Verifizierbarkeit steht ja im Hintergrund, wenn er von einer Deutung redet, die "wahrer" sein soll als die christliche oder die jüdische.

Ich würde an eine solche Prüfung versuchen, sowohl sprachlogisch (wenn ich A aussage, welches B sage ich dann mit aus?), als auch im weitesten Sinne existenzialistisch heranzugehen (wie definiere ich Mich - meinen Ort in der Welt oder jenseits von ihr durch diese Überzeugungen, wo vertraue ich begründet und wo täusche ich mich nur?). Theologische Sätze sollten beiden Prüfungen standhalten können.

LG und gute Nacht erst mal
Christian
Titta schrieb am 12.01.2011 um 00:12
@Christian

"Liebe Titta,
danke, dass Du mir ein Koreferat gestattest..."

Gerne nochmal und explizit: Ich habe hier nix zu gestatten.

Und gerne würde ich auf deinen Kommentar eingehen, hier und dort meine anders lautenden Bewertungen/Einschätzungen einbringen. Mir fehlt momentan aber einfach die Zeit dazu. Am Wochenende bin ich auch unterwegs. Es dauert halt noch. - Wenn ich es denn überhaupt schaffe.

Ansonsten sind ja hier auch alle gut ohne mich unterwegs.

LG und viel Spaß noch
Titta
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2011 um 11:22
Liebe Titta,

bei mir sieht es momentan auch schlecht aus, ich kämpfe etwas mit der Gesundheit. Gestern hatte ich wieder Drehtag und konnte nur zwischendurch und nebenher hier ein bisschen schreiben - eigentlich nur zum arbeitsteiligen Rechtsaußen-Vorstoß vom Duo "deaktivierter User" (Laserhirn) / Webboy, dessen planmäßigen Erfolg ich vereiteln wollte. Und die Frage eines anderen armen Berliners, die eigentlich an Dich ging, hab ich gleich mal für Dich beantwortet, um Deinem Zeitmangel abzuhelfen - natürlich nur im eigenen Namen und mit dem Hinweis, dass Du natürlich ganz anders antworten könntest.

Mehr war in diesem Blog erst mal nicht zu schaffen. Und meinen eigenen hab ich sowieso schon vernachlässigt, nachdem Du hier dieses Hingucker-Thema aufgemacht hast. Mal sehen, was da inzwischen los war ...

LG Christian
Michael Jäger schrieb am 12.01.2011 um 22:53
Habt vielen Dank für die guten Wünsche! Es hat geholfen, ich bin fast drüber weg.

Hier oben will ich nur was zur Wahrheitsfrage schreiben. Zunächst, die Aussagen von X (17:31) unterschreibe ich genauso, wie Titta das getan hat. Es ist wie bei jeder "Beziehung": Ich kann das Gegenüber nicht auf das Bild reduzieren, das ich mir von ihm mache. Es ist unmöglich, jemanden zu lieben, Mensch oder Gott, s t a t t ihn - so weit es geht - zu verstehen. Volle Liebe orientiert sich immer am "volo ut sis", diese Haltung muß zur verkappte Selbstliebe in der Liebe mindestens dazukommen und mir ihr im Streit liegen, und sie setzt nun einmal Verständnis dafür voraus, w a s der Andere ist, von dem ich "will, daß er sein soll".

In der Tat ist das einzige Gegenmittel, das mich für das Andere im Anderen öffnen kann, im Fall Gottes die Bibel. Die muß ich zu verstehen suchen, und das geht nicht ohne Inanspruchnahme erheblicher weiterer Auskunftsmittel. Am Ende bin ich es dann freilich wieder ganz persönlich, dem die Aufgabe zufällt, sich auf alles einen Reim zu machen.

Weiter X (17:31): In der Tat hat der Ausdruck "Offenbarung" hier seinen Platz. "Offenbarung" ist das nicht deshalb, weil es gegen die Vernunft wäre, und ich würde auch nie etwas akzeptieren oder auch nur ernst nehmen, was meiner Vernunft widerstritte, sondern das ist ganz einfach deshalb "Offenbarung", weil es mir aus dieser meiner Vernunft nicht gekommen ist und auch nie gekommen wäre. Ich wäre nie von selbst darauf gekommen. "Offenbarung" hat für mich den trivialen Sinn des Gegenteils davon, daß ich in meiner eigenen Vernunft schmore: Diese kann aufgebrochen werden durch das Sinnbedeuten Anderer, d.h. manchmal direkt durch die Vernunft Anderer. Und natürlich meine ich immer das Sinnbedeuten / die Vernunft anderer M e n s c h e n , wenn ich das schreibe. Auch die Bibel ist nichts weiter, als daß Menschen über Etwas geschrieben haben.

Wenn ich oben im dritten Absatz schrieb: "Am Ende bin ich es persönlich" usw., dann heißt das, das mir von Anderen "Offenbarte" liegt mir nun also vor, meine Vernunft kann es nun auf einmal beäugen, und i c h ("Am Ende bin ich es") sage Ja oder Nein zu ihm oder etwas dazwischen. Damit sind wir aber bei der Wahrheitsfrage. Es geht darum, ob ich das Offenbarte für wahr halte. Wenn ich es für wahr halte, daß der Messias noch kommen wird, kann ich es nicht gleichzeitig für wahr halten, daß er schon gekommen ist. Das, was ich für wahr halte, muß dann gar nicht "die" Wahrheit sein. Ich irre mich vielleicht. Aber auf den Standpunkt, daß es "die" Wahrheit (ohnehin) gar nicht gibt, daß also jeder glauben soll, was er will, kann ich mich auch nicht stellen, denn das würde dem oben über die Liebe Gesagten widersprechen, es wäre das Gegenteil des Versuchs, sich für das Andere im Anderen zu öffnen. Es handelt sich ja gerade um den Versuch, zu verstehen, was der Andere in Wahrheit ist. Der Andere weiß selbst nicht, was er in Wahrheit ist, aber er sucht danach in Gedanken und Taten (und so verhält es sich bei mir selbst), und eben diese Selbstsuche des Anderen versuche ich zu verstehen, wenn ich zu verstehen versuche, was er in Wahrheit ist.

Christians beiden Wegen der "Wahrheitsprüfung" würde ich zustimmen. Betonen würde ich aber, daß "die" Wahrheit nichts ist, was man ("in der Tasche") hat, sondern etwas, wonach man auf der Suche ist. Was noch nicht da ist. Auch wenn ich nie über dieses Noch Nicht hinauskomme, orientiere ich mich gerade an ihm. Und ich sehe übrigens auch hier keinen Unterschied zwischen dem Wahrheits-Noch Nicht des anderen Menschen als meines Gegenübers, Gottes als des Anderen und jetzt sogar, sagen wir, der "wahren Struktur des Alls". In allen Fällen habe ich die Wahrheit nicht und orientiere mich an ihr.

Bei der Frage, von der dieser Teil der Debatte ausging: "ob die Wahrheit nicht irgendwo dazwischen [...] liegen könnte", ging es gerade nicht um eine von mir zu treffende Entscheidung zwischen zwei vorliegenden Wahrheitsangeboten. Sondern mir schwebte die Möglichkeit eines vielleicht noch kommenden neuen, dritten Wahrheitsangebots vor, etwa einer erneuerten christlichen Religion, die sich auch theologisch in größere Nähe zu manchen Annahmen der jüdischen Religion begibt. Die Wahrheitsprüfung würde sich als die Frage, "ob 'Nie wieder Auschwitz' sich bewahrheitet", formulieren lassen.

Im unteren Teil der Seite schreibe ich noch (ganz kurz hoffentlich) zu Christian, mabli und auch Rahab.
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 01:42
Lieber Michael,

Hochachtung! Ich finde in diesem Text keinen Satz, den ich hätte besser oder präziser formulieren können.

Allerdings hat er einen offenen Schluss, der nicht mehr zum Weiterdenken über das vorgeschlagene Wahrheitskriterium einladen kann.

Am interessantesten fand ich folgenden Gedanken:

Das, was ich für wahr halte, muß [dann] gar nicht "die" Wahrheit sein. Ich irre mich vielleicht. Aber auf den Standpunkt, daß es "die" Wahrheit (ohnehin) gar nicht gibt, daß also jeder glauben soll, was er will, kann ich mich auch nicht stellen, denn das würde dem oben über die Liebe Gesagten widersprechen, es wäre das Gegenteil des Versuchs, sich für das Andere im Anderen zu öffnen.

Auf dieser Grundlage kann ich mich fruchtbringend mit Atheisten streiten. Denen fühle ich mich oft näher, als Christen, die in dem Sinne relativistisch argumentieren, wie es nach Deinem Argument einfach nur lieblos ist - dem eigenen wie dem fremden Glauben gegenüber.

LG Christian
Michael Jäger schrieb am 13.01.2011 um 20:29
Lieber Christian, Deinen Satz, mein Text habe "einen offenen Schluss, der nicht mehr zum Weiterdenken über das vorgeschlagene Wahrheitskriterium einladen kann", habe ich nicht verstanden. Wenn Du etwas ausführlicher sagst, was Du meinst, kann ich das "nicht Einladende", das mir offenbar unterlaufen ist, vielleicht noch korrigieren.
X schrieb am 14.01.2011 um 01:27
@Michael und Christian

Lieber Michael,

Das freut mich sehr, dass Du unterschreibst was Christian unterschreibt was Titta unterschreibt was ich geschrieben habe ;)

""Offenbarung" ist das nicht deshalb, weil es gegen die Vernunft wäre, und ich würde auch nie etwas akzeptieren oder auch nur ernst nehmen, was meiner Vernunft widerstritte, sondern das ist ganz einfach deshalb "Offenbarung", weil es mir aus dieser meiner Vernunft nicht gekommen ist und auch nie gekommen wäre. ... Und natürlich meine ich immer das Sinnbedeuten / die Vernunft anderer M e n s c h e n , wenn ich das schreibe. Auch die Bibel ist nichts weiter, als daß Menschen über Etwas geschrieben haben."

Kann man kann den Offenbarungsgedanke nicht noch einen Schritt weiter denken? Nicht nur weil es mit der eigenen Vernunft kompatibel ist (viele Texte in der Bibel sind das für mich tatsächlich nicht -- aber was nicht ist kann ja noch werden...). Nicht nur Offenbarung in dem Sinne von Aufdeckung einer neuen, einem bisher unbekannten Sinnbedeutung durch andere Menschen (wenn ich Dich richtig lese?). Sondern ein Gott, der sich in den Texten der Bibel und durch Christus selbst offenbart und dem Menschen vorstellt -- natürlich vermittelt durch menschliche Autoren, die wiederum auch nur gefärbt durch "ihre" Wahrheit von dieser Offenbarung berichten.

Danach stimme ich Dir absolut zu, dass ich es bin, die das Offenbarte (von Gott via Mensch) für wahr oder nicht wahr halten muss. Es ist ein Unterschied, daran zu glauben, dass es eine Wahrheit gibt (in dem Falle: Gottes Wesen), man sich ihr aber immer nur subjektiv-konstruktivistisch nähern kann (meine Annahmen über Gottes Wesen), indem man sich der Grenzen der eigenen Erkenntnis bewusst ist -- oder "daß es "die" Wahrheit (ohnehin) gar nicht gibt". Ersteres führt dazu, dass man nicht gleichzeitig zwei sich widersprechende Annahmen für wahr halten kann, wie Du sagst. Allerdings auch, wie oft erlebt, zu einer Debatte über "Toleranz", die häufig schlicht mit der zweiten Position gleichgesetzt wird...

Was den Schluss angeht: ich würde die eigene "Wahrheitsfindung" als einen dynamischen Prozess beschreiben, der sich mit jeder weiteren Erfahrung und Offenbarung (in beiden o.g. Bedeutungen) neu konstruiert, aber dabei von bestimmten Grundannahmen ausgeht. Sonst würde ich ja nicht "glauben". Vielleicht meint Christian, dass es nicht zwei plus eine dritte Alternativmöglichkeit von Wahrheiten gibt, für die man sich entscheiden kann, sondern immer nur die eine, eigene, die sich an allen angebotenen Möglichkeiten reibt und weiter gestaltet, und das nur auf der Basis der mir zugänglichen und mir zu eigen gemachten Kriterien? (Die ich noch nicht einmal benennen können muss.) (Wenn nicht, schließe ich mich der Frage an.)

Übrigens: Für mich daher der stärkste Satz:
"In allen Fällen habe ich die Wahrheit nicht und orientiere mich an ihr." -- Super! :)

LGX
ChristianBerlin schrieb am 19.01.2011 um 01:22
@X

Vielleicht meint Christian, dass es nicht zwei plus eine dritte Alternativmöglichkeit von Wahrheiten gibt, für die man sich entscheiden kann, sondern immer nur die eine, eigene, die sich an allen angebotenen Möglichkeiten reibt und weiter gestaltet, …

Letzteres ist zwar erstens richtig, schließt sich aber ersteres logisch nicht aus (es gibt schließlich mehrere Ichs auf der Welt als Eigner einer je persönlichen Wahrheit, die sich ja je in eine von den dreien wiedererkennen könnten). Ich meinte etwas anderes.

@Michael Jäger

Lieber Michael,

Die Wahrheitsprüfung würde sich als die Frage, "ob 'Nie wieder Auschwitz' sich bewahrheitet", formulieren lassen.

Das war der offene Schluss, den ich meine. Der benennt ein Wahrheitskriterium, das sich nicht positiv anwenden lässt, weil dieses Kriterium vor dem Ende der Zeit allenfalls eine Falsifikation (durch das nächste Auschwitz) gestattet.

Müsste ich nachdenken, käme ich ins Grübeln und Zweifeln, ob denn der darin ausgedrückte Anspruch überhaupt von irgendeiner (dritten) Wahrheit einlösbar sein kann, von der dadurch unmöglichen Überprüfung mal abgesehen.

Das Christentum bietet wesentlich kleinere Brötchen an, die Verfolgungen um Christi willen vermeiden oder die Apocalypse abwenden zu können, gehört nicht zu seinen Verheißungen. Das Unmenschliche geschah mitten unter uns und wird immer geschehen. Seine Überwindung gelingt nur partiell, nie total, nur am Ende der Zeiten. Was an Überwindung bis dahin möglich ist, ist dennoch sehr viel. Nur beinhaltet es keinen Ausschluss von allem, was dennoch möglich bleibt.
Deshalb ist das, was der Schlusssatz beschreibt, für mich eigentlich unvorstellbar, weshalb mich meine Fantasie verlässt, wenn ich versuche, mir vorzustellen, was diese dritte Wahrheit aussehen müsste, um diese Wirkung zu haben.

Das sollte Dich aber nicht davon abhalten, Deine Idee davon hier noch genauer vorzustellen. Vielleicht reicht ja wirklich nur meine Fantasie nicht aus?

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 19.01.2011 um 01:23
@X
Nicht nur Offenbarung in dem Sinne von Aufdeckung einer neuen, einem bisher unbekannten Sinnbedeutung durch andere Menschen (wenn ich Dich richtig lese?). Sondern ein Gott, der sich in den Texten der Bibel und durch Christus selbst offenbart und dem Menschen vorstellt -- …i>

Liebe X,

ich wüsste nicht, wie sich das beides trennen lässt. Offenbarer und Offenbartes müssen ggf. identisch sein.

LG Christian
X schrieb am 19.01.2011 um 20:27
Ggf? Ich hab leider den Bezug nicht ganz verstanden, das hieße ja, der Sender wäre mit seiner Botschaft identisch. Das ist problematisch, würde ich in Bezug auf Gott (im Sinne einer "transzendenten" Offenbarung) aber noch eher gelten lassen als in Bezug auf den Menschen. Wobei auch die Offenbarung durch Gott wiederum nur gefiltert durch den menschlichen Empfänger enmpfangen werden kann und dadurch niemals 1:1 aufgenommen wird. Insoweit stimme ich mit Michael überein, dass die Bibel, wie jedes Werk mit geistlichem Anspruch, von Menschen geschrieben ist. Und ihr Offenbarungscharakter dadurch einen Filter erfährt -- darum ist es der Theologie ja auch wichtig, den Kern der Botschaft aus der Gesamtheit der Texte zu begreifen, weniger die Einzelaussage zu überhöhen (aber das ist Dein Ressort :)

Ich habe Michaels Verwendung von "Offenbarung" aber in einem anderen Wortsinn verstanden, die diesen transzendenten Aspekt nicht einschließt; also Offenbarung als Erweiterung der eigenen (menschlichen) Vernunft durch die anderer Menschen (nicht durch die Gottes), s.o.:

"sondern das ist ganz einfach deshalb "Offenbarung", weil es mir aus dieser meiner Vernunft nicht gekommen ist und auch nie gekommen wäre. Ich wäre nie von selbst darauf gekommen. "Offenbarung" hat für mich den trivialen Sinn des Gegenteils davon, daß ich in meiner eigenen Vernunft schmore: Diese kann aufgebrochen werden durch das Sinnbedeuten Anderer, d.h. manchmal direkt durch die Vernunft Anderer. Und natürlich meine ich immer das Sinnbedeuten / die Vernunft anderer M e n s c h e n , wenn ich das schreibe. Auch die Bibel ist nichts weiter, als daß Menschen über Etwas geschrieben haben."

Wenn das so gemeint war, dann würde mir das zu kurz greifen. Daher der Einwand.

LGX
Michael Jäger schrieb am 23.01.2011 um 15:05
@ X
Ich verstehe das mit der "Offenbarung" schon genauso wie Du, glaube ich. Den Ausdruck "Offenbarung" so zu verwenden, daß er jede beliebige Mitteilung irgendeiner Sache meint, auf die ich nicht von selbst gekommen wäre, daran liegt mir zwar schon was. Denn ich meine, da ging schon in der Zeit der Aufklärung, wo man Vernunft und Offenbarungsglauben in Konfrontation setzte, etwas durcheinander. Was man unter Vernunft verstand, war wirklich so konzipiert, als könne der Einzelne aus sich heraus alles Vernüftige ableiten, wenn er nur mit dem Vernünftigen schon anfange, was im Prinzip allen Menschen möglich sei. Wenn man mit so einer Vorstellung an die Religion herangeht, beschränkt man sich auf die Einsicht, d a ß sogenannte Wunder offenbart worden sein sollen, kommt aber gar nicht auf die Idee zu fragen, w a s eigentlich offenbart worden ist (worin die Botschaft besteht).
Aber diese Haltung habe ich selbst natürlich gerade nicht, und deshalb habe ich ja nicht nur geschrieben, "in der Bibel haben Menschen geschrieben", sondern: Sie haben "über Etwas" geschrieben.

@ Christian
Ich glaube tatsächlich, und das hat gar nichts mit Religion zu tun, daß behauptete Wahrheiten sich allenfalls falsifizieren, niemals "verifizieren" lassen, weil eben immer noch eine Zukunft bevorsteht. Eigentlich lassen sie sich auch nicht einmal falsifizieren, wie ja die wissenschaftstheoretische Diskussion im Anschluß an die Popper-Kuhn-Debatte ergeben hat. Es ist sogar denkbar, daß etwas als falsifiziert Erscheinendes sich später noch als vielleicht doch wahr, als jedenfalls wahrheitsüberlegen den theoretischen Alternativen gegenüber herausstellt.
Was unsere spezielle Frage angeht, so würde ich Dir teilweise recht geben. Die Nichtwiederholung von Auschwitz ist zu wenig. Ich würde mich dahin korrigieren, daß positiv ein anderes Verhältnis des "Westens" und "Ostens", also der ganzen früher christlichen und jetzt postchristlichen Welt, zur jüdischen Welt sich ständig und zunehmend zeigen müßte. Ob es da Fortschritt oder Rückschritt gibt, ob es Durchbrüche gibt oder ob es sie nicht gibt, müßte immer wieder neu gefragt werden.
Kritisieren würde ich, daß Du Auschwitz als bloß irgendeinen Fall, den schwersten vielleicht, der bisher bekannt wurde, von "Unmenschlichkeit" zu werten scheinst. Das ist er vielleicht wirklich, es hat vielleicht wirklich nie einen schwereren gegeben. Aber wir diskutieren hier doch den theologischen Aspekt dieser Sache. Und da geht es nicht mehr um "Menschen" schlechthin, sondern um Juden. Da sollte man dann auch, finde ich, die "Verfolgungen um Christi willen" nicht assoziieren. Meine Frage, von der unsere Debatte ausging, war ja gerade, ob nicht in Auschwitz (wie gesagt: theologisch gesehen; was nicht der wichtigste Aspekt sein muß, aber einer ist, der dazugehört) "Christus selbst" erneut verfolgt wurde, der repräsentative Jude – er a n s t e l l e derer, die ihm nachfolgen sollten, der Christen.
Aber zurück zur Frage des Wahrheitskriteriums. Aus der genannten wissenschaftstheoretischen Diskussion habe ich den Schluß gezogen, und man kann, glaube ich, keinen anderen ziehen, daß es vor allem darauf ankommt, einer Theorie, die ganz oder in Teilen fragwürdig geworden ist, mit einer anderen Theorie zu antworten, die das erkannte Fragwürdige zu verbessern versucht. Während dieses Versuchs kann man nicht zugleich schon einem "Wahrheitskriterium" Genüge zu tun versuchen, keinem empirischen jedenfalls, wie Du es ja wohl im Auge hattest; die andere Theorie muß erst mal da sein, bevor sie empirisch geprüft werden kann. Während der theoretischen Arbeit ist deren Güte, für die es ja auch Kriterien gibt, das einzige "Wahrheitskriterium" (Kriterium theoretisch m ö g l i c h e r Wahrheit, könnte man sagen). Das Empirische kommt nur so weit herein, als der Theoretiker keine Theorie konstruieren darf, deren empirische Erprobung gefährlich ist. (Eben das hat der Heilsplantheoretiker Paulus getan, freilich "wußte er nicht, was er tat" – obwohl ihm wiederum, wie gesagt, die Geschichte von Kain und Abel bekannt war; eine wirklich vertrackte Geschichte.) Wenn die andere Theorie dann da ist, dann bekommt die empiriche Prüfung auch insofern erst ihren vernünftigen Sinn, als sie vielleicht zu sehen erlaubt, welche der b e i d e n nun vorhandenen Theorien der Wahrheit näher sein mag.
Wir haben schließlich noch zu bedenken, daß die Beantwortung der Frage, ob sich das Verhältnis der christlich/postchristlichen und der jüdischen Welt zueinander bessert oder verschlechtert, selbst wieder die ständige Mitklärung der anderen Frage voraussetzen würde, was man hier unter Besserung und Verschlechterung verstünde.

Viele Grüße Euch beiden!
ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 02:54
@Titta

Kenn ich natürlich, war eine von Jürgen Moltmanns Lieblingsgeschichten, auf der er seinen "gekreuzigten Gott" mit aufbaut.

Ich verstehe nicht, warum Du unnormal findest, dass Linke, die den Gottesglauben sowieso für überflüssig oder schädlich halten, aus allem für Gott ungünstige Konsequenzen ziehen, egal wie auftritt oder nicht auftritt. Selbst in der Verliererrolle - wo sie doch eigentlich solidarisch mit ihm sein müssten.

Wenn Primo Levi sinngemäß sagt, wenn es Ausschwitz gab, gibt es keinen Gott, hat er ein anderes Motiv: Echte Ent-täuschung. Da muss man sich tatsächlich ansehen, wie vorher die Täuschungen / Erwartungen waren. An dem, was die Bibel von Gott erzählt, werden die Erwartungen wohl nicht ausgerichtet gewesen sein, denn dann wären sie durch Auschwitz gerade nicht enttäuscht worden. Dass Gottes Volk immer leidet und viele vernichtet werden, bevor Rettung kommt, wurde immer schon erzählt. Die holt keiner wieder zurück.

Dass Eli Wiesel sich trotzdem trotzig seinen Glauben bewahren konnte, sagt etwas über die Stärke seines Glauben aus und damit auch von Gott. Wenn er nicht innerlich kapituliert und den Nazis nicht seinen Gefallen tut, sich von ihnen seinen Glauben wegzwingen zu lassen, werden vielleicht auch andere das nicht tun - ein Hoffnungszeichen mitten im Elend.

Mehr aber auch nicht. Kein Gottesbeweis. Aber auch keine Widerlegung.

LG Christian
Titta schrieb am 08.01.2011 um 21:59
@Christian

"Ich verstehe nicht, warum Du unnormal findest, dass..."

Eine Frage von normal oder unnormal wollte ich nicht daraus machen. Nur hinter-fragen. Einen Gottesbeweis hatte ich ebenso wenig im Sinn.

Die Glaubensstärke von Elie Wiesel ist es, die mich beeindruckt. Ja!

Bleibt die Frage, wieviel Sehnsucht, auch wieviel - möglicherweise uneingestandene - Gottessehnsucht, in der fühlbaren Enttäuschung der Enttäuschten eigentlich noch mitschwingt.

LG
Titta
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 06:12
Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:01
Danke für den Link,

sobald ich Zeit habe...
ebertus schrieb am 08.01.2011 um 07:52
Ob "Gott" dort war, darüber kann man trefflich spekulieren, muss keine Sorge haben, es in der einen oder anderen Richtung wirklich bewiesen zu bekommen. Im negativen Falle ist das Feld für gegenseitige Diffamierung bestellt; sehr grundsätzlich.

In Auschwitz waren es vor Allem Menschen. Keine bildungsfernen Schichten, auf beiden Seiten nicht. Und für diejenigen auf der Seite der Macht sind die schleichende Prozesse der Pervertierung wirklich letzte Ausfahrt an Entschuldigung. Das "lediglich auf Anweisung handeln" war vorher.

Diese Dokumentation, diese Gespräche mit Robert Jay Lifton haben mich vor rund einem Jahr auf dem Kinosessel beinahe festgenagelt. Abgründe, und wohl jenseits von Genen.

kino-zeit.de/filme/wenn-arzte-toten-uber-wahn-und-ethik-in-der-medizin
Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:04
Danke für die Thematisierung dieses Aspekts!

Gute Manieren, Anstand und humanistische Bildung schützen vor nichts.
Götz Eisenberg
Phineas Freek schrieb am 08.01.2011 um 10:32
War Ausschwitz in Gott?
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 10:43
ist 'der mensch' Auschwitz?
ebertus schrieb am 08.01.2011 um 10:46
Jeder! Ohne ansehen der Person.
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 10:51
also ist jeder mensch keiner
ebertus schrieb am 08.01.2011 um 10:56
Das "keiner" wartet nur auf Erweckung
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 11:00
durch wechsel von 'ein feste burg...' zu 'völker hört die signale'?
ebertus schrieb am 08.01.2011 um 11:00
Und die Erweckung liegt permanent im Widerstreit mit der persönlichen Sozialisation unter einem sehr dünnen Eis.
ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 11:22
@ebertus
@Rahab

:)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 19:30
@ ebertus & Rahab: fix & gut!
Phineas Freek schrieb am 08.01.2011 um 22:28
(sachichma schrieb am 08.01.2011 um 19:30)

"@ ebertus & Rahab: fix & gut!"

Bedauerlicherweise dem falschen Stöckchen hinterhergehechelt.
zelotti schrieb am 13.01.2011 um 11:03
Und dann auch noch Kalauer, Leute!!! Bitte!!!
Phineas Freek schrieb am 13.01.2011 um 19:30
Bitte!!! Was??

Nachdenken - dann schreiben!!!

"fix & gut" wurde hier zielgenau der (selbst) gebaute moralische Zwinger nicht nur verrammelt - man hat sogar noch zusätzlich das Licht ausgemacht!

"Und Gott sprach es werde Licht, aber er fand den Schalter nicht"
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 11:20
und wenn ich annehme, dass für die überlebenden Hama wie Auschwitz war
leugne ich dann den holocaust oder gott?
ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 11:43
Du leugnest den kulturellen Konsens der "Singularität des Absolut Negativen" - wenn der verletzt wird, kann der Schrecken von Auschwitz schnell zum denklähmenden Totschlag-Argument gegen alles und jedes werden - und derade damit im Umkehrschluss alles und jedes legitimieren - auch Dinge, die dann selbst wiederum mit Auschwitz vergleichbar wären.

Diese Logik geht so:

Wenn ...

Hama

"wie Auschwitz" war,

dann auch andere Orte des Kriegs- oder Bürgerkriegsverbrechens

... Dresden
... Vietnam
... das Kosovo ...

... bevor die Nato dort als Befreier anrückte - der Vergleich kam zur Rechtfertigung des Eingreifens vom damaligen Vizekanzler - und natürlich kam derselbe propagandistische Vergleich dann von der anderen Seite im bombardierten...

... Belgrad

Landen wir nicht - zwangsläufig - wenn wir Auschwitz für nicht singulär erklären, im Uferlosen, also bei Milgram?

LG Christian
ebertus schrieb am 08.01.2011 um 11:47
Und dann erfolgt das "bekannte", gegenseitige Ranking auf der nach unten offenen Skala der Scheußlichkeiten.
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 11:50
ach so!
ich leugne einen kulturellen konsens

sowas ist immer gefährlich
das hat mich als kind nach Marienfelde pp gebracht

ich hab's überlebt
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 11:52
und wenn du bitte mal bei Klemperer nachlesen möchtest... er hat 'Dresden' zufällig überlebt...

also: gibt es nur ein singuläres?
ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 12:04
@Rahab

Ich habe auf absurde Risiken und Nebenwirkungen solcher Vergleiche hingewiesen - nicht behauptet, dass sie subtanzlso wären. Milgram hat in der Sache leider Recht, genau wie Paulus, genau wie Ebertus und Du: Skala nach unter offen, pas anthropos pseudes ...

Die Frage ist, wie gehen wir damit um, wenn wir die Menschlichkeit oder ein Ausufern der Unmenschlichkeit schützen wollen. Da muss nicht alles, was rechtens wäre, auch tunlich sein. Juristen kennen den Unterschied ja sehr gut.

Also noch mal: Ich stimme dir zwar sachlich zu, würde aber davon abraten, das einzufordern oder zu progagieren, wir landen in T.K.; man kann Hama auch ohne A-Vergleich zum Thema machen, es spricht für sich.

LG Christian
khad schrieb am 08.01.2011 um 12:19
@ChristianBerlin

"kultureller Konsens der "Singularitt""

War das ein kultureller oder ein politischer Konsens?
Wenn es ein kultureller war, welche Kulturen durften sich an dem Konsens beteiligen?
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 13:35
@ChristianBerlin

aus meiner anwaltinlichen praxis sind mir scheußlichkeiten bekannt
auch deshalb 'vergleiche' ich nicht
bestehe aber darauf, die das je unvergleichliche anerkannt hat

vielleicht auch gerade deshalb, weil ich am beispiel von gruppenverfolgung von Kosovo-Albanern lesen mußte, wie nach der singularität von Auschwitz verfolgung statistisch weggerechnet wird

spätestens da habe ich gelernt, welch eine zumutung an überlebende es darstellt, ihr eigenes er- und überleben der singularität von Auschwitz unterzuordnen
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 13:36
bitte lesen:
bestehe aber darauf, dass das je unvergleichliche anerkannt wird
ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 13:49
@khad

Ich meine, dass die Diskurskultur von Diskursteilnehmern frei vereinbart werden kann.

Es dürfen sich also an einem kulturellen Konsens über eine Diskurskultur eines real existierenden Diskurses alle Diskursteilnenehmer (aus welcher sonstigen Klutur auch immer) beteiligen (nicht deren "Kulturen" selbst - hmmm?), die sich an diesem Diskurs beteiligen wollen.

Nach einer empirisch prüfbaren Beobachtung der Diskurskultur(en) im Internet, die als 2. Regel von "Godwins Gesetz" bekannt wurde, führen alle NS-Vergleiche vorhersagbar zu Geprächsabbrüchen:

“You can tell when a USENET discussion is getting old when one of the participents drags out Hitler and the Nazis.”

„Man kann eine Usenet-Diskussion als beendet bezeichnen, wenn einer der Teilnehmer Hitler und die Nazis herauskramt.“

Richard Sexton


Stimmt diese Regel, ist sie also wirklich empirisch gültig, folgt daraus zwingend, dass eine Gesprächskultur in der Internetgemeinde nur funktionieren kann, wenn sie auf den Einsatz solcher Vergleiche vertzichtet.

Im Umkehrschluss muss funktionierden Gesprächskulturen ein stillschweigender oder auch zufälliger No-Go-Konsens zugrunde, was NS-Vergleiche betrifft.

In verallgemeinerter Form:

Ein Totschlagargument kann als solches gekennzeichnet und zurückgewiesen und dieses Prinzip zur Diskurskultur erklärt werden.Quelle: Wikipedia zu T-Argumenten im Allgemeinen


Die Idee der Singularität des Absolut Negativen stammt aus der Diskussion um Godwins Gesetz und versucht die empirisch feststellbare - von mir als "denklähmend" gedetuet - Wirkung solcher Vergleiche kausal zu erklären.

Ich hab das alles nicht erfunden und hätte gleich diese Bezüge erläutern müssen, also gut, dass Du fragst.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 14:12
@Rahab

bitte lesen:
bestehe aber darauf, dass das je unvergleichliche anerkannt wird


Soweit unbedingt einverstanden, der Rest ist eine Gratwanderung. Auf der befinde ich mich ebenfalls.

:)
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 14:52
Hallo Christian

ist es nicht eher ein vergebliches Bemühen, in aller Verzweiflung, Gefühlen der Ohnmacht eine eine vergebliche Hoffnung, Ausschwitz als grausamen Schlussakkord einer Abfolge von jahrhundertlangen Epochen des Verbrechens als historisches Subjekt, als so genannte gesellschaftliche Gesetzmäßigkeit eines vulgären Verständnis von Geschichte kommunizierend, auch noch einen archaisch brutalen Darwinismus zu unterlegen?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 14:56
@CB

m Umkehrschluss zu:

"Nach einer empirisch prüfbaren Beobachtung der Diskurskultur(en) im Internet, die als 2. Regel von "Godwins Gesetz" bekannt wurde, führen alle NS-Vergleiche vorhersagbar zu Geprächsabbrüchen:

“You can tell when a USENET discussion is getting old when one of the participents drags out Hitler and the Nazis.”

„Man kann eine Usenet-Diskussion als beendet bezeichnen, wenn einer der Teilnehmer Hitler und die Nazis herauskramt.“
“You can tell when a USENET discussion is getting old when one of the participents drags out Hitler and the Nazis.”

„Man kann eine Usenet-Diskussion als beendet bezeichnen, wenn einer der Teilnehmer Hitler und die Nazis herauskramt.“

Richard Sexton "

entfaltet die von Elisabeth Noelle- Neumann (Allensbach Institut) propagierte Meinungsspirale des unabdinglichen NEINS zu einer Person, einer Sache, einem Thema, historischen Ereignis, einer Partei auf der Grundlage des "Godwinn Gestzes" absehbar ein massenhaft mehrheitlich donnerndes JA
Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:08
@Rahab

"bestehe aber darauf, dass das je unvergleichliche anerkannt wird"

Meine Praxis lehrt mich das gleiche. Dito!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 22:20
Was für eine Praxis betreiben Sie?
Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:27
@Neuland

Eine berufliche.
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 22:30
habe grade gesehen, dass der frage
"und wenn ich annehme, dass für die überlebenden Hama wie Auschwitz war
leugne ich dann den holocaust oder gott?"
ein * verpaßt wurde

da dies nach hiesigen gepflogenheiten nicht als zeichen von wertschätzung gilt - frage ich:
was ist an den fragen überlebender so unerträglich, dass sie gebannt werden müssen?
woher kommt das bedürfnis, die fragen, anklagen und selbst-anklagen überlebender einem kanon/konsens des zu- wie unzulässigen zu unterwerfen?
woran liegt es, dass die erfahrung von ausgeliefert- und ausgelöscht-sein, von willkür, von nicht-mehr-mensch-sein, von gerade-noch-davon-kommen-sein, von verschont-worden-sein, von das-schicksal-der-anderen-nicht-geteilt-haben einem sprechverbot unterliegt?
ist das 'typisch deutsch'?
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 12:08
@Rahab

woran liegt es, dass die erfahrung von ausgeliefert- und ausgelöscht-sein, von willkür, von nicht-mehr-mensch-sein, von gerade-noch-davon-kommen-sein, von verschont-worden-sein, von das-schicksal-der-anderen-nicht-geteilt-haben einem sprechverbot unterliegt?

Das frage ich mich auch. Seit Jahrzehnten. Der mir bisher plausibelste Erklärungsversuch:

Das schlechte Gewissen schafft das Böse (Quelle: Ein unbekannter Kollege)


Diese paradoxe (?) These hätte ungemein hohen Erklärungswert, wenn sie stimmt, für vieles.

ist das 'typisch deutsch'?

Liegt insofern nahe, als dass DIE Täter der Menschheitsgeschichte auch das schlechteste Gewissen haben müssten und deshalb - wenn die These stimmt - auch das stärkste Motiv haben müssten, Opfer aller Art wenigstesn mundtot zu machen, wenn sie physisch überlebt haben und so schon durch ihre Existenz ein S.G. verkörpern. Wehe, wenn sie dann auch noch den Mund auftun.

Aus dieser Motivlage ist der Diskurs für sie von vornherein nicht offen, und ich verstehe nur zu gut, dass man ihnen deshalb nur mit T-Argumenten Gehör verschaffen kann - ging bei den Opfern von Heimerziehung Missbrauchsopfern nicht anders und hat lange gedauert - und wird auch bei den Opfern der aktuellen Kriege vielleicht nicht anders gehen als durch Wikileaks (hast Du das Killer-Video aus dem Hubschrauber gesehen?).

Ich weiß, dass ich mir hier selbst widerspreche, ich habe dafür auch keine Lösung, außer zu insistieren, dass jedes Unrecht schlimm genug ist und keine Vergleiche nötig hat. Das A-Argument oder der NS-Vergleich sind deshalb als krawallender "Hingucker" überflüssig und als gehirnlähmende Moralkeule schädlich (weil Boomerang für das Anliegen), aber wichtig als schlagende Widerlegung des häufigsten Mundtot-Arguments: Der angeblichen Unmöglichkeit, dass jemanden schuldlos ein Unrecht trifft (in 1000 Varianten abziehbar).

ist das 'typisch deutsch'?

Sieht so aus, stimmt aber nicht. Das ist ubiquitär, international, kulturübergreifend.

Ich kenne da schon ein griechisches Drama mit Spätheimkehrern eines Perserfeldzugs, deren Schicksal die Polis nicht mehr verkraftet, obwohl sie es selbst zu verantworten hat. Solche Störer, die man damals in die Sklaverei abschob, um Ruhe zu haben, werden heute wenigstens in der Psychiatrie kuriert, wenn sie mit psychischen Schäden aus Afghanistan heimkehren. Hören will es niemand.

Die Deutschen hams aber nicht erfunden, auch nicht die Schweizer - auch wenn man diese Idee nach der Lektüre des von NIL in meinem Blog verlinkten Zeit-Interviews mit Jean Ziegler haben könnte. Dass der 6 Millionen Franken Schulden hat, hängt mit dem hier diskutierten Mundtot-Effekt ja eng zusammen.

Wir kommen an kein Ende, wenn es um die Ubiquität dieses Effektes geht. Lassen wir's gut sein? Fürs erste.

LG Christian
oca schrieb am 10.01.2011 um 16:37
Toll, Rahab, geradezu subversiv, auf diesem Wege die Aufmerksamkeit auf ein geschichtliches Ereignis innerhalb deines eigenen Interessenhorizonts zu lenken und dabei durch das wie selbstverstaendliche, erlaeuterungslose Nennen des Names Hama gleich noch die Allwissende heraushaengen zu lassen.

Wenn es das naechste Mal irgendwo um Auschwitz geht, werde ich auch einfach mal so den Namen eines Dorfes in Vietnam oder im Kongo einwerfen, in dem ein wenig bekanntes Massaker stattfand. Mal gucken ob dann jemand nachfragt, damit ich dann noch weiter schlaumeiern kann. Hier hat es ja bisher - leider, leider - niemanden interessiert...

Im Uebrigen frage ich mich, auf was du dich eigentlich beziehst: Hat jemand behauptet, dass Auschwitz aufgrund des individuellen Leids Ueberlebender singulaer oder besonders sei? Geht es nicht eigentlich um etwas anderes? Musst du dafuer kaempfen, das individuelle Leid bestimmter Menschen mit dem der Auschwitz-Ueberlebenden vergleichen zu duerfen? (Nach dem Motto: "Man wird doch noch sagen duerfen...") Hat jemand behauptet, dass ein Kind in irgendeinem Dorf im Sudan, das bei der Folter und Ermordung seiner Eltern und Geschwister zusieht "weniger leidet" als eine Auschwitz-Ueberlebende mit entsprechenden aehnlichen Erfahrungen? Solche Vergleiche und Gegenueberstellungen verbieten sich jedem von uns, die hier gemuetlich vor dem Bildschirm sitzen sowieso von vornherein. Dass du mit solchen Vergleichen spielst oder sie - wie immer in einem schnell dahingeschriebenen Satz - konstruierst, ist schon ziemlich - sagen wir - "irritierend".
Rahab schrieb am 10.01.2011 um 16:54
oca schrieb am 10.01.2011 um 20:04
@Rahab: Danke für den Link. Ich finde die Arbeit gegen Folter und zur Hilfe von Folteropfern sehr wichtig. Ich weiß allerdings nicht, was Du damit an dieser Stelle bewirken willst:

a) Auf ein Dir wichtiges Thema hinweisen? Danke, mir ist das Thema auch wichtig.

b) Zum Durchlesen der Webseite animieren, damit die Verbindung Auschwitz-Hama klar wird? (Zugegeben - eher abwegig)

c) Suggerieren, dass Du da arbeitest oder Dich dort engagierst? Glückwunsch, riecht aber irgendwie nach Selbstbeweihräucherung. Rahab im Kampf für die Menschenrechte. Hast Du das nötig? (Achtung: Rhetorische Frage).

d) Kein Bock auf 'ne Antwort, also streust Du einfach mal so 'nen interessanten Link ein? Auch gut.
Rahab schrieb am 10.01.2011 um 21:07
@oca
ob ich's nötig habe?
nö.
aber menschen haben menschenrechte nötig

die verbindung?
besteht im be-schweigen
mund-tot-machen
die einen haben doch schon wiedergutmachung gekriegt - sagt "das wird man wohl doch mal/noch sagen dürfen"
und die anderen zum falschen gott gebetet

ansonsten kanst du die debatte zum t-argument weiter unten lesen ....
und außerdem dieses
www.lectio.unibe.ch/06_2/PDF/pernkopf_ich_will.pdf
woran mir der punkt des an-nehmens der wichtige ist

ps zur sprachregelung:
es heißt aus gutem grund 'folterüberlebende'
auch wenn das im namen des bzfo so nicht vorkommt
oca schrieb am 10.01.2011 um 23:20
Die rhetorische Frage war nicht, ob Du den Kampf für die Menschenrechte nötig hast, sondern ob Du die Selbstbeweihräucherung durch Darstellung selbigen Kampfes nötig hast. Entweder war das feiner Witz Deinerseits, oder Du bist schon so von Dir selbst fasziniert, dass Du Ironie nicht mehr erkennst.

Ansonsten kann ich mit Deiner Sprache in Rätseln wirklich nicht viel anfangen. Wer hat "doch schon Wiedergutmachung erhalten" und wer "zum falschen Gott gebetet"? Du kannst die Antwort gerne für Dich behalten, denn ich habe keine große Lust, dem Orakel Rahab seine Weisheiten aus der Nase zu ziehen.
Rahab schrieb am 11.01.2011 um 09:21
@oca
bei menschenrechten geht mir ab und an mal die ironie ab

ich habe nur andeutend versucht, dir den negativ auslesenden prozess des vergleichs und seines verbots zu zeigen

ein verbot, das die jüdische theologie nach Auschwitz übrigens nicht kennt
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2011 um 12:29
@Rahab

ein verbot, das die jüdische theologie nach Auschwitz übrigens nicht kennt

Wenn ein Christ etwas ausdrücklich "als Christ" sagt oder ein Moslem "als Moslem" redet, vermuten wir da nicht zu Recht, dass das - für ihn zumindest - einen religiösen und ergo auch einen theologischen Grund hat? Ist das bei Juden anders?

Auf diese Rückfrage zu Deiner These bringt mich folgendes Zitat:

Gerade als Jude protestiere ich gegen die Gleichsetzung demokratischer, deutscher Politiker mit Hitler & Co. Wer Hitler & Co bei allem und jedem gegen alle und jeden inflationär gebraucht, verharmlost Hitler & Co! Michael Wolfssohn am am 11.10.2009 im Tagesspiegel


Dieses Zitat ist, wie Du sicherlich weißt, nicht das einzige seiner Art. Man kann bei öffentlich von prominenter Seite geäußerten NS-Vergleichen aller Art schon drauf warten. Hier kommt es ausnahmsweise nicht vom Zentralrat selbst, sondern wird gegen den Zentralrat gebraucht, aber von jemandem, der sich gleichfalls "als Jude" gegen NS-Vergleiche als Verharmlosung verwahrt (im Sachstreit ging es - schon 2009 - um Sarrazin).

Jetzt behauptest Du, das besagte Verbot, das in der deutschen Öffentlichkeit von Juden als Juden stets und ständig eingefordert wird, hätte mit dem Judentum gar nichts zu tun?

Mit christlicher Theologie im allerengsten Sinn hat das Verbot ja auch nichts zu tun, außer dass sie einen verharmlosenden Umgang mit Umrecht nur bis zu einer gewissen Grenze für statthaft hält, die "Vergebung" heißt - und das ist in der jüdischen Theologie, meine ich, nicht anders. Oder?

LG Christian
Rahab schrieb am 12.01.2011 um 12:46
Christian
ich schrieb
jüdische theologie nach Auschwitz
nicht judentum
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 01:54
@Rahab

Mir klar, aber im Unterschied wozu eigentlich?

In der jüdischen Theologie in Abgrenzung ...

... zum Judentum?

... zum Christentum?

... zur christlichen Theologie?

... zum politischen Diskurs?

... oder zu islamischer Theologie?

Zur christlichen Theologie kann eigentlich nicht gemeint sein, denn ein christlich theologisch leicht begründbares Verbot (der Verharmlosung von Unrecht, s.o.) lässt sich jüdisch theologisch genauso begründen, wenn ich mich nicht täusche.

Eine andere Begründung dieses Verbotes aus der christlichen Theologie kenne ich noch nicht.

Oder wolltest Du sagen, die jüdische Theologie macht Auschwitz deshalb nicht zum Thema, weil es unter Juden nicht notwendig ist, diese Sache theologisch anzugehen, das erledigt schon das Judentum?

Oder war das eine reine positive bzw. negative Feststellung - ohne Bezug auf irgendeine Vergleichsgröße?

Ist ja vielleicht nicht wirklich wichtig. Aber bei diesem Thema ja doch irgendwie schon.

LG Christian
Rahab schrieb am 13.01.2011 um 11:34
@ChristianBerlin
(schrieb am 13.01.2011 um 01:54)

im unterschied zum politischen diskurs

jüdische theologie macht bekanntlich Auschwitz zum thema
vielfältig

ich habe allerdings keine getroffen, die mir nahegelegt hätte, einem überlebenden von Halabdja zu sagen, er solle sich nicht so anstellen, das sei nicht 'singulär' gewesen

beim pollitischen diskurs hingegen gewinne ich zuweilen diesen eindruck
oranier schrieb am 08.01.2011 um 13:43
@ ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 11:43

Lieber Christian,

Wenn du ausgerechnet hier mit Begriffen wie "Totschlag-Argument" operierst, müsste man dir vielleicht die nötige Distinctionsfähigkeit absprechen, über so etwas wie die "Singularität des Absolut Negativen" adäquat zu urteilen.

Das "Totschlag-Argument" ist die absolut negative Steigerungsform der von Augstein an anderer Stelle unbekümmert als Charakterisierung von Diskussionsverhalten im Blog benützten "verbalen Gewalt". Die absolut negative Steigerungsform deshalb, weil, jedenfalls in Bezug auf die Wirkung, mehr als Totschlag an Gewalt nicht geht.

Und allerdings markiert der Übergang von der Gewalt zum Wort, vom Krieg zur Verhandlung, von der Keule zur Anklage- oder Verteidigungsrede einen der bedeutendsten Schritte, wenn nicht den bedeutendsten Schritt, in der Kulturgeschichte der Menschheit.

Was hier jedoch tröstlich ist, mir in deinem Beitrag jedoch überhaupt verwischt erscheint: wir reden hier über Worte, nicht über Taten, zum Glück! Denn du wirst wohl auf das von dir so wahrgenommene "Totschlag-Argument" nicht mit dem Bajonett antworten, was jedoch dem Begriff nach die angemessene Reaktion wäre.

Verwischt erscheint mir der fundamentale Unterschied in deinem Beitrag in der Bedeutung, die du dem "kulturellen Konsens der 'Singularität des Absolut Negativen'" beimisst. Denn der kulturelle Konsens, den du hier reklamierst, bezieht sich ja doch wohl auf die Rede über die Taten, nicht auf die Taten selbst. Jedoch gilt es zuvörderst, einen kulturellen Konsens zu bewirken und zu bewahren über die künftige Vermeidung der Taten. Ist es da so wichtig, als wie singulär oder multipel man die Taten bezeichnet?

Als Intellektuelle sind wir womöglich generell versucht, den Unterschied zwischen Wort und Tat zu verwischen, aber auch und gerade dann ist es geboten, die Rede vom Totschlag-Argument zu überdenken und ggf. zu vermeiden.

Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!
“
Hier stock’ ich schon! Wer hilft mir weiter fort?

Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,

Ich muss es anders übersetzen,

Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.

Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.

Bedenke wohl die erste Zeile,

Dass deine Feder sich nicht übereile!

Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?

Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!

Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,

Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.

Mir hilft der Geist! Auf einmal seh’ ich Rat

Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

(Goethe, Faust I, Studierzimmer)

Grüße
oranier
ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 14:10
@oranier

Da haben sich unsere Postings gekreuzt, ich wäre sonst auch noch auf Deines eingegangen.

Ich verstehe nicht, wo Dein Widerspruch ansetzt, könntest Du Dich dazu genauer erklären?

1) Bestreitest Du die Existen von T-Argumenten als solche?

2) Oder, wenn Du sie nicht bestreitest, bestreitest Du dann aber die Zulässigkeit der Gegenstrategie, die ich aus Wikipedia hierzu zitiert habe: Ein Totschlagargument kann als solches gekennzeichnet und zurückgewiesen und dieses Prinzip zur Diskurskultur erklärt werden.

3) Oder, wenn das alles nicht bestritten wird, bestreitest Du, dass der NS-Vergleich die im Rahmen von Godwins-Gesetz beschriebene T-Wirkung hat?

Über (3) kann man noch am ehesten streiten, weil das eine komplexe empirische Frage ist, die sich aber empirisch klären lässt. Die Behauptung ist aber nicht meine Erfindung und auch nicht die der Theologie. Reine Empirie.

1 und 2 sind auch nicht auf meinem Mist gewachsen, und ob da theologische Fragen im Hintergrund stehen, weiß ich nicht. Mich würde jetzt bloß interessieren, ob Du die oft behauptete Existenz von T-Argumenten leugnen willst oder nur die zitierte Gegenstrategie für kritikwürdig hältst.

Wenn Du nur sagen willst, dass der Begriff T-Argument im Rahmen dieser Strategie auch selbst zum T-Argument werden kann, wenn dadurch willkürlich valide Argumente als T-Argument markiert werden können, dann kann das zwar in der Theorie nicht ausgeschlossen werden - wie menschlicher Irrtum sonst auch nicht. Im Einfall ist das aber im Diskurs der Überprüfung zugänglich, die Begründungs- und Beweislast liegt zunächst bei dem, der etwas als T-Argument identifiziert. Es sei denn, der T-Charakter oder die T-Wirkung eines Argumentes wäre allgemein schon bekannt und oft beschrieben, dann reicht die Bezugnahme (wie hier auf Godwins Gesetz) zu einer Beweislast-Umkehr.

Jetzt bin ich gespannt, wo Deine Kritik einhakt, wo unsere Überzeugungen auseinandergehen und wo sie noch gleich sind. Mit Offenbarung, Gott, Theologie usw. hat diese spezielle Frage der internetbezogenen Diskurstheorie - aus meiner Sicht - nichts zu tun, da kann der Unterschied in der Beurteilung solcher Fragen nicht herrühren. ;)

LG Christian
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 15:05
@oranier

"Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!

Hier stock’ ich schon! Wer hilft mir weiter fort?

Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,

Ich muss es anders übersetzen,

Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.

Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.

Bedenke wohl die erste Zeile,

Dass deine Feder sich nicht übereile!

Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?

Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!

Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,

Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.

Mir hilft der Geist! Auf einmal seh’ ich Rat

Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

(Goethe, Faust I, Studierzimmer)"

ein wohlgeraten unanfechtbares Beispiel, wie selbst ein Goethe Zitat, recht mit dem Fiasko Faktor 10 aufgeladen, als Totschlag Argument in dem Sinne taugt, anderen dichterisch das Wasser für jede weitere Rede auf vorehmlichste Weise abzugraben.
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 15:25
@Christian

hier spätestens bringt uns das dirkriminierte Totschlag Argument auf die Spur der Frage, was ist eigentlich eine Streitkultur?, ein Streit?

Ist Streit eine Veranstaltung, wo ein Streitender die Argumete des Anderen mit seinen Gegen- oder gar gleich gearteten Argumente sinnbildlich "totschlagen" bzw. auslöschen wil, als hätte es diese Argumente nie gegeben?
Oder ist Ist Streit eine Veranstaltung, in der Streitende ihre Argumente in Augenhöhe auf den Tisch legen. ohne dass ein Streitender die Argumente des anderen Streitenden kommentiert?, damit der Öffentliche Raum die auf dem Tisch liegenden Argumente für sich sprechend, ungestört durch gegenseitige Einrede auf sich wirken lassen kann, bevor es zu Abstimmungen in der Sache, zu einer Person, einem Ereignis kommt?
Krankt unsere gegenwärtige Streitkultur nicht eher daran, durch ein Streittheater fortdauernd gegenseitig unterbechend abwertender Einreden, kommentierende Gegenreden, Abstimmungen in der Sache, zu einer Person, einem Ereignis verhindern zu wollen?

tschüss
JP
Uwe Theel schrieb am 08.01.2011 um 18:31
@ ChristianBerlin am 08.01.2011 um 14:10,

Hallo lieber Christian,

ohne mich in Deine Fragestellung an oranier direkt einmischen zu wollen, will ich hier doch zu bedenken geben, dass Godwins Law m.E. mehr eine ironische Warnung ist, mit dem Faschismusargument zu leichtfertig bei der Hand zu sein. Das "spielerische" Umgehen mit Hitler als - zu oft nicht wirklich durchdrungenem - Symbol ist in der jungen Generation, zumal im anonymen Internet zwar objektiv dem Gegenstand in beiderlei Beziehung nicht angemessen, hat aber mehr Gründe als eine möglich bewußte Leugnung des singulären Grauens und dessen Vermächtnis.

Die empirisch belegbare Tatsache, dass Internet-Diskussionen - warum eigentlich wirklich nur diese? - beendet seien, sobald der Name "Hitler" im Sinne des Faschismusvorwurfs fällt, ist also wohl in mehr als nur einer Beziehung zu führen und kann m.E. nicht dazu führen, daraus zu folgern, dass der Faschismusvorwurf generell in Diskussionen nicht mehr erhoben werden sollte oder gar dürfte. Er ist immer überprüfbar, wenn man sich auf einen (rationalen) Diskurs auch auf der Metaebene einläßt.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 01:59
@Oranier
@Uwe Theel

Ich könnte mir einerseits leisten, eure Kritik vorbehaltlos anzunehmen. Denn ich bin ja nicht @Rahab über den Mund gefahren, weil sie irgendwas Verkehrtes gesagt hätte. Statt dessen gab ich nur eine Antwort auf eine von Rahab an die FC gestellte Frage:

und wenn ich annehme, dass für die überlebenden Hama wie Auschwitz war
leugne ich dann den holocaust oder gott?


Die dramatische Selstbezichtigung soll natürlich negiert werden, aber die Frage geht ja weiter: Welches Recht hat dann die vorhersehbare Aufregung?

Da musste ich an Stanley Kubricks Meisterwerk "Dr. Seltsam" denken, wo der atomare Holocaust durch einen gefälschten Angriffsbefehl in Gang gesetzt wurde, ein Protagonis aber zum Glück den Rückholcode für die B 2 Bomber herausfindet und einen englischen Austauschoffizier dazu bringt, einen Cola-Automaten zu zerstören, um an Kleingeld für den einzigen Fernsprecher zu kommen, der auf der Militärbasis noch funktioniert. Der warnt ihn aber, was ihm blüht, wenn sich herausstellt, dass seine Geschichte nicht stimmt. "Dass Sie mich erschießen?" - "Nein, ein Prozess mit Coca-Cola-Gesellschaft." Dieses Risiko kann einfache Bürger in Angst und Schrecken versetzen, jedoch nicht im Angesicht des abzuwenden atomaren Weltuntergangs, da wirkt es statt dessen geradezu lächerlich.

Was Rahab hypothetisch tun würde, wäreKkein schweres Verbrechen wie Gottesleugnung (früher) oder Holocaustleugnung (heute). Ein Auschwitz-Vergleich ist keine Auschwitz-Leugung (das weiß die Juristin Rahab nur zu gut) und deshalb auch keine Gottes Leugung (gem. dem Papst-Zitat). Dennoch ahnt Rahab: Es würde Kritik hageln - und ihre eigentliche Frage hinter der rhetorischen ist: Warum eigentlich, mit welchem Recht?

@Uwe Theel

Die empirisch belegbare Tatsache, dass Internet-Diskussionen - warum eigentlich wirklich nur diese? - beendet seien, sobald der Name "Hitler" im Sinne des Faschismusvorwurfs fällt, ist also wohl in mehr als nur einer Beziehung zu führen und kann m.E. nicht dazu führen, daraus zu folgern, dass der Faschismusvorwurf generell in Diskussionen nicht mehr erhoben werden sollte oder gar dürfte.

Stimmt, daraus nicht, das wäre ein klassischer Fehlschlus.

Ich hätte hierzu statt Godwins Gesetz für diesen auch auf die Arbeiten von Politologen und Linguisten zum Thema Nazi-Vergleich verweisen können, die zu ganz ähnlichen Ergebnissen offline kamen.

Der Wikipedia-Artikel dazu gibt einen guten Überblick - auch über die jüngsten NS-Vergleiche im politischen Diskurs und die jeweiligen Folgen.

de.wikipedia.org/wiki/Nazi-Vergleich

Auch da steht aber schon in der einleitenden Definition der Definitionszustatz:

Ein Nazi-Vergleich dient als sogenannter Fehlschluss und als „Totschlagargument“ häufig der Diffamierung des politischen Gegners.


Der Beitrag nenn zunächst die vor dem Mauerfall üblichen Standard-Instrumentalisierungen (gegen den Kommunismus im Osten - ab 68 auch umgekehrt gegen westliche Reaktionäre), um dann die propagandistische Verwendung dieses Vergleichs in den Kriegen ab 1990 als „legitimatorisches Label im Kampf gegen böse Staaten und Diktatoren einsetzen“ aufzuzeigen

Der Holocaust würde international längst als Metapher für das „absolut Böse“ verwandt.

Wenn linguistisch nachweisbar ist, dass der Holocaust diese Konnotation besitzt, bedeutet das einen Singularitäts-Konsens im von mir beschriebenen Sinne, auch außerhalb der Netzgemeinde.

@Oranier

Wir sind uns einig, schlechte Taten wiegen schwerer als schlecht gewählte Worte darüber, keine Frage. Und wir alle hier wollen, dass solche Untaten aufhören, vor allem die aktuellen.

Wenn ein NS-Vergleich mit diesem Ziel gebraucht wird, dient er von der Idee her zugegebenermaßen einem guten Zweck. Die Frage ist, ob er dieses Ziel erreicht wird oder nach hinten losgeht, was sind seine Riskien und Nebenwirkungen. "Warum reicht es nicht einfach ausreicht, die zu stoppenden Taten oder Untaten zu erkennen und zu benennen.Ob es den Vergleich wirklich zum Aufmerksamkeit heischen braucht oder ob auch das nicht anders besser ginge.

Erst mal LG

Christian
Emma in Uniform schrieb am 08.01.2011 um 19:12
@Titta

Das Verständnis der Allmacht Gottes reift in jedem Gläubigen, verändert sich, die Allmacht kreationistisch im Sinne der Schöpfung, also der regnendenden Frösche, der großen Flut, der Zeugung Jesu, des Wassers zu Wein, des verdörrenden Dattelbaumes, der brennenden Zungen, das ist mit Verlaub gesagt, so wortwörtlich verstanden, eine sehr kindliche Auffassung.

Und das eine solche Auffassung in Momenten größter Angst und Verzweifelung bei erwachsenen Gläubigen(und auch Nicht-Gläubigen) wiederkehrt, ist menschlich. Fast jeder der in einem Glauben erzogen wurde, kennt solche Momente der Verzweiflung.
und das Flehen zu Gott als Kind.

Aber diese kindliche Enttäuschung hält später nicht länger als diese wenigen Momente vor, wenn doch, dann bei Menschen, die steckengeblieben sind, in einer bestimmten Phase der Reifung ihres Glaubens, solche Menschen sind mit Sicherheit keine Atheisten, im Gegenteil, sie glauben m.E. an einen zornigen ungerechten blutdrünstigen Gott, der sie verlassen hat; aber diesem Gott, der dergestalt bestraft, wollen sie nicht gehorchen, sie wollen sich entziehen, eine Opposition bilden, dagegen emotional kämpfen, kämpfen, argumentieren, verachten...aus Enttäuschung über die verweigerte Hilfe, Liebe, Macht Gottes; sie wünschen Vergeltung,
wollen Gott ablösen, langfristig seine Macht verwalten

wie Lucifer..:)
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 19:33
@Emma in Uniform

Das klingt nicht nach Lucifer, das klingt nach bissigem "Hund", "Hundsfott", Knecht, dessen Liebe der Herr, die Dame mit und ohne Uniform verschmäht!, oder?

Ist nicht Lucifer selber wie die Engel im Guten von Gott, den Menschen einen Begriff vom Bösen zu vermitteln?
nil schrieb am 08.01.2011 um 20:38
@JP

Früher dachte man, dass Lucifer das Gesetzt der Materie sei, der als großer Verführer z. B. Jesus ans Kreuz nageln ließ, oder die Juden nach Ausschwitz brachte, oder viele Kinder in Heimen/Internaten vergewaltigen ließ, oder Guantanamo, u.s.w.
Joachim Petrick schrieb am 08.01.2011 um 21:20
@nil

"Früher dachte man, dass Lucifer das Gesetzt der Materie sei, der als großer Verführer z. B. Jesus ans Kreuz nageln ließ, oder die Juden nach Ausschwitz brachte, oder viele Kinder in Heimen/Internaten vergewaltigen ließ, oder Guantanamo, u.s.w.

Haben sich die Zeiten wirklich "Knopf auf Fuss" geändert?
nil schrieb am 08.01.2011 um 22:02
@JP

Natürlich ist Lucifer unschuldig.
Die Mörder und Vergewaltiger schieben es Ihm oder sonst wem, in die Schuhe.
Emma in Uniform schrieb am 08.01.2011 um 22:05
@JP

Falsch verstanden.

Nochmal lesen.
Emma in Uniform schrieb am 08.01.2011 um 22:13
"Früher dachte man, dass Lucifer das Gesetzt der Materie sei, der als großer Verführer z. B. Jesus ans Kreuz nageln ließ, oder die Juden nach Ausschwitz brachte, oder viele Kinder in Heimen/Internaten vergewaltigen ließ, oder Guantanamo, u.s.w."

Vieleicht mal in die Bibel schauen, da steht, wann er
als großer Verführer gehandelt wurde.(Tip: Paradies, später: Jesus in der Wüste)

Wer hat Ihnen erzählt, das der Teufel Jesus ans Kreuz genagelt hätte,

und Juden nach Ausschwitz gebracht hätte,

Kinder vergewaltigen "ließ",

und Guantanamo eingerichtet hätte,

Zufällig auch ..Wilbers?

Der ja auch die Nazis als "Opfer" bezeichnet?

Mit anderen Worten - Sind Sie noch bei Trost dem Teufel Ausschwitz zuzuweisen?

würg
lausemädchen schrieb am 08.01.2011 um 22:14
@jp
... mach ihr doch die freude!
und versteh dann endlich richtig.

mit jawoll
grüßt
lm
Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:14
@Emma

Aussagen über "Andersgläubige" möchte ich mich lieber enthalten. Wenn etwas die Menschen, an was sie nun jeweils glauben oder nicht glauben, eint, dann ist es doch dieses tiefe Gefühl der Angst und Verzweiflung, das uns allen gemeinsam ist.
lausemädchen schrieb am 08.01.2011 um 22:28
wie rührend
und allseits
gerecht.
wenn's da hintenweg nicht wieder,
so ein geschwurbel
hätte.

ja,ja
wir haben alle angst und sind verzweifelt ...
.
Joachim Petrick schrieb am 09.01.2011 um 02:15
@lausemädchen

ganz Dolles für 2011 ohne Jawoll
Emma in Uniform schrieb am 09.01.2011 um 02:37
@Titta

Ich habe versucht nachzuvollziehen, wie oben von Dir gefragt, welche "heimlichen Machtphantasien".. Linke dazu "bewegen".., so enttäuscht von Gott zu sein?"

Deshalb mein Beispiel vom verzweifelten
Kind, das zu Gott fleht, materialistische Hilfe erfleht und erhofft und die Ableitung auf den Erwachsenen (z.B.
den Mann hinter Elie Wiesel, der angesichts des Grauens nach Gott fragt)

und dann wollte ich, überspitzt, auch ein Ansatz
auf diese Frage von Dir versuchen:

"Bleibt die Frage, wieviel Sehnsucht, auch wieviel - möglicherweise uneingestandene - Gottessehnsucht, in der fühlbaren Enttäuschung der Enttäuschten eigentlich noch mitschwingt."

Eben schon der Verweis darauf,
dass Gott Ausschwitz zugelassen hätte, obwohl er es doch hätte genauso verhindern können, oder wahlweise der Hinweis, dass es keinen gütigen und verehrungswürdigen Gott geben könne,
der Ausschwitz zulassen würde,
vermittelt mir den Eindruck
großer Sehnsucht nach einem göttlichen, nach einem Meta-Prinzip, das den Druck großer Angst und Verzweifelung eben ein Stück weit mildert, erträglicher macht.

Und so artikuliert sich bei diesen vermeintlichen Atheisten die kindliche Enttäuschung darüber, dass Gott die Mörder und Großverweser nicht mit Blitzen verschmort hat, in der empörten Ablehnung der
Heilslehre.

Der Verweis auf Lucifer als enttäuschter Abtrünniger war als unpassender Scherz auf Kosten dieser Sorte
" linker Atheisten" gedacht..
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 22:57
@ emma

Ich würde eher die Meinung vertreten, dass die Allmacht in Einheit mit der liebenden Güte als Eigenschaften eines Gottes nach den Vernichtungslagern des 2.Weltkriegs zu einem Unding geworden sind.
Nichtsdestotrotz kann man ja auch mit recht darauf hinweisen, dass christlicher Fundamentalismus sich dem ungeachtet weiter unkritisch der immergleichen Wiederholung des Weltenlenkers, der gut regieret verschreibt.
Der Glauben an die Allmacht Gottes ist in weiten Kreisen des christlichen Glaubens nicht hinterfragbar, vermute ich.
Man kann das als Steckenbleiben in einem kindlichen Glauben beschreiben. In fundamentalistischen oder pietistischen Kreisen erntet dann auch auf eine Theologin wie Sölle, die Gottes Allmacht in ihrer Gott-isttot-Theologe abstreitet und dagegen auf Gottes Angewiesenheit auf uns verweist harsche Kritik. Das ist auch eine soziale Realität, vielleicht eine, die sich nach außen abschottet.
Titta schrieb am 10.01.2011 um 00:59
@Emma

Danke für die erklärenden Erläuterungen. So wird's verständlicher.
Titta schrieb am 10.01.2011 um 01:03
@mabli

"Der Glauben an die Allmacht Gottes ist in weiten Kreisen des christlichen Glaubens nicht hinterfragbar, vermute ich."

Ich vermute eher das Gegenteil, denn angesichts des Zustandes der Welt, wer würde und will da noch die Allmacht Gottes ernsthaft postulieren. Bzw. Allmacht wird auf vielfältige Weise hinterfragt und neu bzw. anders zu verstehen versucht. ZB. Macht der Ohnmächtigen etc.
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2011 um 12:49
@Titta

Bzw. Allmacht wird auf vielfältige Weise hinterfragt und neu bzw. anders zu verstehen versucht. ZB. Macht der Ohnmächtigen etc.

"Neu" ist die "Macht der Ohnmächtigen" als Erweis der Allmacht Gottes nun aber nicht, eigentlich gehört sie zum Kern des jüdischen wie des christliche Glauberns. Nur die Ubiquität, in der diese Macht erlebt und erkannt wird, der Blickwinkel der Menschen darauf, hat sich geweitet. Dieser Machterweis an den Ohnmächtigen, der mit dem Auszug der Juden aus der Sklaverei Ägyptens begann und weiterging mit dem Einzug eines im Sklaventod am Kreuz von den europäischen Herrschern erniedrigten jüdischen Rabbis in die Herzen aller europäischen Völker, ist auch durch Auschwitz nicht am Ende und selbst heute noch nicht am Ende.

Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 2. Kor. 12,9


LG Christian
zelotti schrieb am 13.01.2011 um 11:11
Sölle ist ja aber auch sowas von abgenudelt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 21:01
Wer kommt überhaupt darauf, die Frage zu stellen: "War Gott in Auschwitz" ohne Fragezeichen?
Und wer kommt darauf, darauf die Frage der Macht zu stellen, der Macht Gottes?
Die Rede geht über ein geschichtliches Datum, das bis ans Heute hinanreicht.
Der Beitrag formuliert: "Die Frage nach Gottes An- bzw. Abwesenheit in Auschwitz ist immer auch eine Frage nach der Macht Gottes" - ist immer auch. Ist immer auch? Das ist die Frage? Gar eine der ersten?
Auschwitz ist war ein Lager, ein Lager zur blanken Vernichtung, und die hat stattgefunden, Tag für Tag, sogar in militärischer Aufklärung. - Der Mensch wußte!!!
Und dann formuliert der Beitrag die Frage nach der Macht Gottes (welcher Religion?) "nach der Art und Weise, wie diese Macht wirkt und wirksam wird, was für eine Art von Macht von Gott erwartet wird."
Ja, was wird erwartet im Nachwissen von geschehenem Auschwitz? Was wirkt da, bei diesen Fragen? Was erwartet der Gläubige (welcher Religion?) Was?
Elie Wiesel, ihm zuhören. Und: War der nicht in Buchenwald gekerkert?
Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:22
"Der Mensch wußte!!!"
Welcher Mensch?

Die Erzählung ist entnommen: Wiesel, Elie: Die Nacht zu begraben, München 1985, (Original 1958)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 23:33
Liebes Esel,
Du bist ein Schein.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 23:34
[sic]
Emma in Uniform schrieb am 08.01.2011 um 23:52
@neuland

Sie sind ja ganz aus dem Häuschen.

Ist es..wie ich vermute?

Sie sind einer von denen, die ich meine...(siehe oben)
Titta schrieb am 09.01.2011 um 00:20
@Emma

Ja, ja, der eine, den du meinst.
Ist doch süß, wie der eine dem Esel immer wieder entgegenhält, nur der Möhre zu folgen, während doch eigentlich der eine nur dem Esel folgt.

Und wie sagt der andere immer noch: don't feed (ginge auch mit t) the troll.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:24
Ihr beide seid Zucker, in jedem Motor,
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:27
Der Kommmentar wurde von der Moderation entfernt
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 13:46
@Titta

Titta schrieb am 08.01.2011 um 22:22

"Der Mensch wußte!!!"
Welcher Mensch?

Die Erzählung ist entnommen: Wiesel, Elie: Die Nacht zu begraben, München 1985, (Original 1958)


Bei so einer Antwort kann ich Rainers enttäuschte Reaktion verstehen.

Der Satz mit den drei Ausrufezeichen war ein ehrliches, spontanes Gesprächsangebot, in dem sich Dein GefolgsMann sehr angreifbar und verletzbar gemacht hat. Er präsentiert Dir frei Haus die offene Flanke seiner marxistisch-atheistischen Überzeugung auf einem goldenen Tablett - und Du? Kloppst es in die Tonne, als wärs derselbe zynische GiftMüll wie sonst.

Niemand kann wissen, ob Du das eher tust, weil Du ein Esel oder ein Schwein bist - aus Rache oder Unbedarftheit. Dass er ersteres nicht nur glauben möchte, sondern zu wissen glaubt, spricht für einen Hang zur Selbstquälerei bei gleichzeitig unerschütterbar hohen Erwartung in Deine Fähigkeiten, insbesondere in die, ihn sehr wohl sehr genau auch aus Andeutungen heraus wie einen Seelenbruder zu verstehen - auch wenn Du das hier leugnest oder so tust, als könntest Du das nicht - Du stellst Dich nur dumm, um ihn zu demütigen und zu bestrafen, obwohl, nein weil er hier ausnahmsweise Schwäche zeigt - Du ... *** !

Hinter dieser (so paraphrasierbaren) Unbeirrbareit seiner Erwartungen an Dich m u s s irgend ein Glaube stehen, dessen Bekenntnis lauten könnte:

titta eigengott, i.e. göttin (ohne widerspruch)

- kein bloßer Spott, sondern die Offenbarung einer subjektiv existenziellen Wahrheit in ironischer Brechung.

Wenn das stimmt, hätte das Erklärungswert für das bei das bei diesem hellwachen, intelligenten Menschen (für mich) sonst Unerklärliche.

Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn sagte der Verstellungskünstler Jakob, als er Israel zu werden im Begriff war (Gen 32,27).

LG Christian
Titta schrieb am 10.01.2011 um 22:30
Lieber Christian,

deine Sichtweise/Haltung bzgl. Rainer ehrt dich, nur hätte ich mich gefreut, wenn du diese auch mir gegenüber eingenommen hättest. Oder daß du zumindest einfach ganz schlicht nachgefragt hättest, was ich denn nun mit meinem kurzen Bemerkung gemeint habe, statt dich in Bewertungen meines vermeintlichen Verhaltens und Charakters zu ergehen.

Daß für eine Frau ein dauernder Gefolgsmann etwas anderes darstellt als für einen Mann, scheint ebenso kein Thema für dich zu sein.

Außerdem weiß ich nicht, ob und wie es Rainer denn gefällt, daß du aus seinem Verhalten mir gegenüber quasi eine Liebeserklärung machst. Wenn du weiter in der Richtung psychologisierst, komme ich am Ende noch auf die Idee, Rainer einen Besuch in Münster abzustatten;-)

LG Titta
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2011 um 13:51
@Titta

Wenn du weiter in der Richtung psychologisierst, komme ich am Ende noch auf die Idee, Rainer einen Besuch in Münster abzustatten;-)

Ein neuer Westfälischer Friede?

An den kann ich leider nicht glauben, jedenfalls nicht auf diesem Weg, den Du da beschreibst ;) - wenn, dann müsste dieser Frieden m.E. hier geboren werden, aus einer Verständigung, die theoretisch trotz aller Verschiedenheit denkbar wäre.

Das Thema und Rainers ungeschützte Einlassung dazu mit den drei !!! hätten dazu viel hergegeben.

Das ging schief, und dann kamen sofort wieder Emotionen und Ausfälle der bekannten Art, die leider vom Thema und von jeder Verständigung weg und nur zu der üblichen Löschung und Rainer-Sperre führen konnten.

Mir tut Rainer deshalb nicht leid, nur sein Diskussionsbeitrag, der wirklich gut war - für das Thema. Das Problem, das er anspricht, wurde hier bislang viel zu wenig beachtet.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2011 um 14:11
@Titta

Oder daß du zumindest einfach ganz schlicht nachgefragt hättest, was ich denn nun mit meinem kurzen Bemerkung gemeint habe,

Tue ich hiermit noch mal.

Ich hatte Deine kurze Bemerkung so verstanden: Rainer wollte Dir helfen, den Ball ins Ziel zu bringen - alos das paradoxe Verhältnis der Linken zum Macht-Ohnmacht-Paracos der Theologie im Zusammenhang mit Auschwitz aufzukären. Dabei präsentiert er Dir den marxistischen Humanismus auf einem silbernen Tablett: "Der Mensch wusste".

Auschwitz stellt "den Menschen" als "Maß aller Dinge" und damit einen wesentlichen Teil der marxistischen Lehre m i n d e s t e n s genauso in Frage wie Gott durch Auschwitz in Frage gestellt wird.

Wenn Du darauf entgegnest "Welcher Mensch?" kann das eigentlich nur heißen: Der Humanismus ist für mich kein ernstzunehmender Gesprächspartner - ähnlich wie hier einige Atheisten zu Deinem Thema sagen "Welcher Gott?" - in der klar erkennbaren Absicht, jede Theologie als ernstzunehmenden Gesprächspartner zu disqualifizieren.

Oder hattest Du mit der Bemerkung etwas völlig anderes im Sinne als eine solche Abwerung - was man als Leser dann auch irgenwie hätte verstehen können? Da bin ich gespannt ...

LG Christian
Titta schrieb am 13.01.2011 um 01:47
@Christian

Meine Frage "Welcher Mensch?" war eine bloße Replik auf die zweimal gestellte Frage "(welcher Religion?)" und auf die an anderem Ort gestellte Frage "welcher Gott?"
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 02:02
So eine Retourkutsche hatte ich schon vermutet. Meine Frage war trotzdem: Mag ja berechtigt sein - aber ist das Berechtigte auch immer das Tunliche?

Quid pro quo - Aug um Aug - Zahn um Zahn?

(hab ich schon irgendwo hier mit Rahab erörtert)

LG Christian
Tycho schrieb am 08.01.2011 um 22:17
Ich verstehe nicht, warum die Begrifflichkeit Gott so alexandrinisch europäisiert betrachtet wird und sich damit eben sehr eingeschränkt, gar aus den Vorkommnissen, die den Deutschen immer noch so verhängnisvoll in Erinnerung sein mögen, für nunmehr völlig undenkbar gehalten werden muss. Gott ist nicht nur Hypothesis und Möglichkeit, vielmehr auch ein sich ewig entziehendes Prinzip des göttlichen, von dem man bestenfalls eine Ahnung gewinnen kann. Warum sollte Unrecht etwas an einer Möglichkeit ändern? Sicherlich stellt sich der Begriff eines mildtätigen, irgendwie wohlwollenden und gerechten Christengott in Frage ob der "Zulassung" unfassbarer Atrozität, doch das vermag auch der Schnee und das Eis selbst, denn wenn man sich bei Minusgraden dort hinein legt, verreckt man oder? Ist dies dann nicht ebenso untauglich, ein göttliches Prinzip zu negieren? Macht es einen entscheidenden Unterschied, wenn Menschen gegen Menschen vorgehen in höchsten Unrecht?

Aus göttlicher Perspektive kann es doch möglich sein, dass über den Mythos hinweg genug Atrozität gab und immer wieder geben wird, denn ein göttliches Prinzip steht doch unabhängig von Zeit oder irdischen Bedingungen wie Leben und Tod, oder gar menschlichen Begrifflichkeiten wie Recht und Unrecht...und zwar selbst dann, wenn der Begriff Gott selbst menschlichen Ursprungs ist, also vom Menschen bezeichnet ist,..aber eben für etwas, was über den menschlichen Geist hinaus reicht und geglaubt sein will..wenn überhaupt.
Die Frage, ob es nach Auschwitz noch etwas geben kann, was göttlich sey, ist also über die Maßen trivial und unverschämt zugleich, denn sie nichtet auch zugleich die Hoffnung jener, dass es irgendwie, irgendwo etwas gäbe, was den Opfern Egalität, oder Requovis verschaffen konnte, vielleicht ein jenseits. Und noch weiter gesponnen: Selbst wenn man daran nicht glauben sollte, was durchaus legitim in anderem Kontext sey, so würden elementare Dinge wie der Tod seltsam gewöhnlich erscheinen und verlogenenerweise die Frage nach seiner Haptik verleugnet werden, was in sich eine Beleidigung an unser lebendiges Bewusstsein darstellt.
Tycho schrieb am 08.01.2011 um 22:17
Ich verstehe nicht, warum die Begrifflichkeit Gott so alexandrinisch europäisiert betrachtet wird und sich damit eben sehr eingeschränkt, gar aus den Vorkommnissen, die den Deutschen immer noch so verhängnisvoll in Erinnerung sein mögen, für nunmehr völlig undenkbar gehalten werden muss. Gott ist nicht nur Hypothesis und Möglichkeit, vielmehr auch ein sich ewig entziehendes Prinzip des göttlichen, von dem man bestenfalls eine Ahnung gewinnen kann. Warum sollte Unrecht etwas an einer Möglichkeit ändern? Sicherlich stellt sich der Begriff eines mildtätigen, irgendwie wohlwollenden und gerechten Christengott in Frage ob der "Zulassung" unfassbarer Atrozität, doch das vermag auch der Schnee und das Eis selbst, denn wenn man sich bei Minusgraden dort hinein legt, verreckt man oder? Ist dies dann nicht ebenso untauglich, ein göttliches Prinzip zu negieren? Macht es einen entscheidenden Unterschied, wenn Menschen gegen Menschen vorgehen in höchsten Unrecht?

Aus göttlicher Perspektive kann es doch möglich sein, dass über den Mythos hinweg genug Atrozität gab und immer wieder geben wird, denn ein göttliches Prinzip steht doch unabhängig von Zeit oder irdischen Bedingungen wie Leben und Tod, oder gar menschlichen Begrifflichkeiten wie Recht und Unrecht...und zwar selbst dann, wenn der Begriff Gott selbst menschlichen Ursprungs ist, also vom Menschen bezeichnet ist,..aber eben für etwas, was über den menschlichen Geist hinaus reicht und geglaubt sein will..wenn überhaupt.
Die Frage, ob es nach Auschwitz noch etwas geben kann, was göttlich sey, ist also über die Maßen trivial und unverschämt zugleich, denn sie nichtet auch zugleich die Hoffnung jener, dass es irgendwie, irgendwo etwas gäbe, was den Opfern Egalität, oder Requovis verschaffen konnte, vielleicht ein jenseits. Und noch weiter gesponnen: Selbst wenn man daran nicht glauben sollte, was durchaus legitim in anderem Kontext sey, so würden elementare Dinge wie der Tod seltsam gewöhnlich erscheinen und verlogenenerweise die Frage nach seiner Haptik verleugnet werden, was in sich eine Beleidigung an unser lebendiges Bewusstsein darstellt.
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 11:59
Oh schade, ich bin schon so lange raus wie mir scheint oder wagt es keiner? Nochmal..ein göttlicher Begriff ist doch universell...also überall auf dem Planeten gibt es den Gottesbegriff. Ist Auschwitz planetar?
j-ap schrieb am 08.01.2011 um 22:21
(ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 11:43)

Lieber Christian,

ich stimme Ihnen völlig zu, was die Risiken und Nebenwirkungen solcher »Vergleiche« angeht. Das, was dazu zu sagen war, haben Sie nämlich prägnant gesagt: Wenn Auschwitz und der Holocaust komparatistisch überall »erkannt« werden können, sei's nun im Gazastreifen, im Sudan oder in Dresden, dann ist es mit jeder historischen Evidenz dahin und der Begriff als solcher bedeutet gar nichts mehr. Deshalb liegt derlei ja auch so passgenau im Zielbereich entsprechend ideologisierter Relativierer.

Michael Jäger schrieb deshalb dazu den weisesten Kommentar: Wem's bei Auschwitz nicht »mulmig« wird, der hat schlicht nicht verstanden, worum es sich handelt.

Aber weshalb nehmen Sie im Anschluß daran Zuflucht zu einer so opaken Figur wie dem »kulturellen Konsens«, der beim Relativieren verletzt sein soll, oder gar zur ordinären Diskurstheorie? Ich versteh's nicht, lieber Christian.

Auschwitz jedenfalls ist nicht deshalb gefährliches Fahrwasser, weil rein insutrumentell bei seiner Erwähnung zu Vergleichszwecken gerne mal, ex Godwinson, ansonsten gemütlich-heitere »Diskurse« auf Abwege geraten, und seine historische Evidenz auch keine Angelegenheit irgendeines kulturellen Konsenses, der bei entsprechender Mehrheitslage (oder, so wie khad weiter oben nahelegt, unter Ausweitung der Abstimmungszone, will sagen: wenn die an Zahl und Vehemenz zunehmenden Holocaustleugner auch »abstimmen« dürften, dann wäre Auschwitz vielleicht kein negativer Geschichtshorizont [*] mehr, sondern nur mehr einer von vielen irgendwie dumm gelaufenen Betriebsunfällen der Nationalhistorie) auch ganz anders hätte lauten können.

Und was die berühmte Singularität von Auschwitz angeht: die ist nicht faßlich in einem formalistisch-theoretischen Sinne (denn etwa physikalisch betrachtet ist jedes Element eines Zeitpfeils, jedes Quantum eines Zeitkontinuums in dem Sinn singulär, als es per definitionem kein zweites Mal identisch vorhanden sein kann), sondern besteht darin, daß sie im Unterschied zu anderen Verbrechen dieser Dimension von einer kulturell hochgradig ausdifferenzierten Gesellschaft auf der vollen Höhe ihrer technisch-industriellen Moderne und mit den Mitteln eben derselben, d.h. fabrikmäßig-rationell und wissenschaftlich-planvoll, ausgeführt wurde.

Ich schreibe das hier nicht hin, weil ich denke, daß Sie, Christian, es nicht wüßten. — Eben weil ich davon ausgehe, daß Sie das sehr wohl tun, hat es mich so sehr befremdet, daß Sie sich ohne jede Not auf irgendwelche abwegigen »Diskurs«-Erklärungen eingelassen haben.

Viele Grüße
Josef Allensteyn-Puch


*) »Negativer Geschichtshorizont« ist hier nicht ontologisch zu verstehen, sondern bedeutet nur, Geschichte von ihren eminenten Bruchstellen und Kulminationspunkten aus zu betrachten, was ebenso üblich wie sinnvoll ist, denn niemand wird wohl ernstlich behaupten wollen, daß Auschwitz das Verständnis der voraufgehenden Geschichte (und zwar nicht nur der deutschen, sondern der Zivilisation insgesamt) unangetastet gelassen hätte.
Tycho schrieb am 08.01.2011 um 22:32
Ja exakt das ist es. Was nützt dem Inka zu seiner Zeit oder dem Yanomami heutzutage die Frage nach Gottlichkeit contra Auschwitz für seinen Gottesbegriff?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.01.2011 um 22:32
"Aber weshalb nehmen Sie im Anschluß daran Zuflucht zu einer so opaken Figur wie dem »kulturellen Konsens«, der beim Relativieren verletzt sein soll, oder gar zur ordinären Diskurstheorie? Ich versteh's nicht, lieber Christian."
Ohne hier zwiesprachliche Kontexte zuwissen möchte ich doch sagen, daß dieser kulturelle Konsens mir sehr aufgestoßen hat. Jeder hat gelitten, eine falsche Aufklärung ihr Seminar gehalten, ich kann gar nicht sagen, wie perplex ich hier schreibe, vor diesem. --- Letztlich (ein immer falsches Wort) geht es gar nicht.
Rahab schrieb am 08.01.2011 um 22:41
relativierung geht auch andersrum
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 02:10
@j-ap

Lieber Josef,

die Frage ist berechtigt, ich laufe der Diskussion aber wieder mal hinterher und es ist schon spät. Wenn das morgen noch aktuell ist, mehr dazu. Hab die Argumentation aber schon - auf Uwe Theel hin - ausgeweitet, geht nicht nur um Godwin, was da beobachtet wird, ist im Grunde ein Spezialfall des viel weiter gehenden Problems "NS-Vergleich", das auch außerhalb des Internets in Linguistik und Politologie untersucht wurde. (s.o.)

LG und Guten Nacht

Christian
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 06:03
zuweilen könnte mann meinen,
die rede von der unvergleichbarkeit der shoa offenbare nichts anderes als stolz
darauf, den horizont der geschichte als den der zivilisation insgesamt unerreicht angetastet, vielleicht gar überschritten zu haben
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 08:24
Ja, das gibt's auch. Beispielsweise dann, wenn der Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, die BRD, sich anschickt, durch Sinnstiftung am Opfer seine eigene Legitimation zu betreiben und Roberto de Lapuente einen Artikel schreibt, der lautet: »Auschwitz verallgemeinern«.

Jetzt haben die Deutschen die Juden, die Zigeuner, die Arbeitsscheuen und Geisteskranken schonmal umgelegt und ihretwegen enorme kriegswichtige Kapazitäten, von der Eisenbahn übers Personal, von der Hauptfront im Osten abgezogen (so berichten es jedenfalls die Manöverkritiker des Gröfaz), also muß es einen Sinn darin geben, und der soll auch wenn, dann nicht nur dem Gesellschaftsnachfolger BRD zustatten kommen, sondern allen. ...

Ich erinnere mich daran, daß in meinem damaligen Lehrbuch für den Geschichtsunterricht Auschwitz verhandelt wurde unter der Überschrift »Historische Einordnung«. — Eben: Sortieren, rationalisieren, einordnen, abheften, weglegen.

Damit ist bereits alles gesagt.
born2bmild schrieb am 08.01.2011 um 23:34
Wie kann man von etwas - hier Gott genannt - enttäuscht sein, was es nicht gibt?
Diejenigen, die sich einen Gott imaginieren, mögen von ihm enttäuscht sein oder auch nicht, irgendetwas, zur Imagination kompatibles, wird ihnen gewiß einfallen.

Befremdet hat mich allerdings sehr, wenn der Text des Blogs, der das größte von der deutschen Herrenrasse betriebene Vernichtungslager mit seinen Folter- und Mordknechten zum Thema hat, frisch, fromm, fröhlich, frei als "eine von Jürgen Moltmanns [b]Lieblingsgeschichten[/b], auf der er seinen "gekreuzigten Gott" mit aufbaut"
bezeichnet wird.
Titta schrieb am 09.01.2011 um 00:05
Das Gefühl ist nachvollziehbar, da naheliegend. (Ich überlege gerade, ist Befremden ein Gefühl, oder eher ein Eindruck. Allerdings, worauf beruht ein Eindruck?)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:22
"Wie kann man von etwas - hier Gott genannt - enttäuscht sein, was es nicht gibt?"

Leider nur als Paradox formuliert, statt den Gedanken daran aufzunehmen:
Wie kommt jemand (Titta oder sonstwer) auf die Idee, ein Konstrukt auf diesem Paradox aufzubauen?

Antwort:
Dazu muß er die christliche (Heils)Lehre schon als etwas "eigentlich" Unabweisbares imaginieren, als eine, die kein Mensch (kein vernünftiger, gesunder, guter Mensch, der ein "Recht" hat, auf diesem Planeten zu weilen und zu vegetieren) zurück weisen, gar eine Feindschaft gegen sie hegen könne, es sei denn er habe dazu Gründe, die in derselben Heilslehre direkt oder indirekt vorgesehen sei, sodaß er nicht nur berechtigt ist, sich dem Heil des Verkünders, in diesem Falle Titta, zu verweigern, sondern dies vielleicht sogar seine gottgewollte Aufgabe und also Pflicht sei.
Die hunderttausende Kommunisten, die in den Lagern verreckten dürfen sich bei Titta für diese posthume Ehrung nun "bedanken".

Diese totalitäre Anmaßung - es gibt keine größere, wie denn? - ist übrigens eng verwandt mit derjenigen, die die stalinistischen Schergen ebenso viele und mehr Kommunisten als Arbeiter- resp. Klassen"verräter" zu Tode schinden ließ (mal von den sachgerechteren Vergleichen zu den Autodafes der Inquisition abgesehen). Nichtchristen sind nach diesem Bilde entweder eingeborene Opfer christlicher Mission, oder sie sind Feinde, ggf. auch Todfeinde, nämlich:

ABTRÜNNIGE

von Gottes / Jesus Heil.
Um fiktive Gründe solcher Abtrünnigkeit geht es hier.
----
Ich setze einfach mal meine "Dogmen" aus dem anderen Thread hinzu, weil hier so schön zu sehen ist, wie gut sie hier treffen, ohne hierhin gezielt gewesen zu sein:

"Religion ist die Verhimmelung der nationalen Zwangsgemeinschaft, die mit der Institutionalisierung von Herrschaftsbeziehungen im reproduktiven Dasein der Individuen ins Werk gesetzt wird.
Das individuelle Dasein wird hierdurch institutionell, die Herrschaft der Institutionen ein Anliegen der Individuen.
Das religöse Bedürfnis zielt auf die Wiedervereinigung der dabei auseinandergerissenen Momente des technischen und sozialen Zusammenwirkens arbeitsteiliger Individuen..."

und:

Ein Christ unserer Zeit muß - wie inkonsequent man die Trennung von Kirche und Staat im spätkapitalistischen Bürgertum auch immer halten mag - missionieren, um das Ziel zu verfolgen, sich mit und vermittels seines spezifisch religiösen Menschen- und Weltbildes nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zum Herren bzw. zum Teilhaber der Herrschaft aufzuwerfen.
Sie und Ihre "Vernunft" sind sich sicher, das nicht nötig zu haben, unter dem Titel "Toleranz" halten Sie sich schon für den Besitzer der säkularen Herrschaft, welche spirituell daher kommende Konkurrenz notfalls mit Gewalt in die Schranken weist, wenn sie es ihm zu "bunt" treibt!
Der Christ sagt: Du Sohn Gottes, mein Bruder, gehörst eigentlich (in winzig geschriebenen Lettern:"zu") mir, Du mußt das nur einsehen!
Sie sagen: Du bist Untertan, wie ich, und hast Dir gefälltigst nichts anderes heraus zu nehmen, andernfalls können WIR auch anders ...
(btw.: Wer ist wohl eine albernere Figur, der Christ mit einer Dornbuschvision, oder Sie mit Ihrer im Wort "Toleranz" codierten Allmachtsphantasie?! Die Antwort: Der Christ, weil hinter ihm keine atomar gerüstete Macht steht!).

Tittas Albernheit besteht halt darin, das realistische Verhältnis von Staatsmacht und fiktiver religiöser Weltmacht, dem sich Christen gewöhnlich mehr oder minder mürrisch anbequemen (Ctryselers!), mit Hilfe des Auschwitz-Argumentes einfach mal beiseite zu fegen, um zur "ultimaten Frage" vorzudringen.

Das ist unter Teeny-Niveau, übrigens.
(Und berechnende moralische Aufreger sind noch UNTER diesem Niveau, Josef, Jäger und Co.)
Phineas Freek schrieb am 09.01.2011 um 00:23
…da haben Sie jetzt aber was völlig falsch verstanden – Holocaust und Auschwitz, Galgen, Krieg und Qual ermöglicht doch erst so richtig, und ist für den Christenmenschen gleichbedeutend mit einem „Machterweis Gottes“! Hallelujah! Und die herrschenden weltlichen Mächte, werden schon dafür sorgen, dass den gläubigen Idioten auch weiterhin viel Material geliefert wird – für den „Machterweis“ des „Göttlichen im Menschen“. Amen

Und Gute Nacht
Phineas Freek schrieb am 09.01.2011 um 00:45
Teenyniveau, wäre ja noch harmlos,
hier kann ich aber nur noch die komplette Unzurechnungsfähigkeit der Autorin konstatieren, wenn auf diese Weise versucht wird, die extremsten und willkürlichsten Formen der Ausgeliefertheit eines Individuums herzunehmen, um die verzweifelten „Reflexe“ dieser Menschen, die den Zweck versuchter „innerer Einhegung und Minimierung“ permanent-grenzenloser Ängste haben, zur Rechtfertigung des eigenen frei gewählten Wahns missbrauchen zu wollen.
Christen müssten sich demzufolge ja eigentlich bedanken, beim Herrgott, für den Holocaust und dem durch ihn gelungenen „göttlichen Machterweis“ mit seiner Produktion von Millionen gemarterten Schmerzensmännern, Frauen, und Kindern.
Hier habe ich Deine fulminante Explosionsfähigkeit schmählich vermisst, TomGard!!

Gruß
Phineas
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:56
Phineas Freek, Sie haben gerade mal 146 Votes, sind abgeschlagen von allen Ihren Möglichkeiten; aber hier beweisen Sie immerhin Ihre Nominierung!
Ich klatsche.
Titta schrieb am 09.01.2011 um 01:16
@TomGard
@Phineas Freek

Sie können sich gerne weiter lustvoll an dem abarbeiten, was ich angeblich alles geschrieben habe. Spaß zu machen scheint es Ihnen ja. Da meine Person nur als Projektionsfläche dient, erübrigt sich eine Antwort meinerseits ohnehin.
Phineas Freek schrieb am 09.01.2011 um 01:18
Hallo Herr Breitenberger,

Wollen Sie hier mal schauen, wie andere Glaubensvereine, als der Ihrige ihren Wahn ausleben?
Bezweifle allerdings, ob Sie hier fündig werden, was Sie nicht schon längst selbst veranstalten...

Schlafen Sie gut (wenn Sie mit dem Applaus fertig sind)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 01:26
"Da meine Person nur als Projektionsfläche dient" ::
ich danke Ihnen 'über alles' für Ihre sinnfreie Zycholochie
Und: Schämen Sie sich. Jetzt, und immer.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 01:37
@ titta

hat schon irgendwie was von pawloschschen reflexen, was tomgard und phineas hier abliefern. soblad das glöckchen klingelt...
Phineas Freek schrieb am 09.01.2011 um 01:49
"soblad ein glöckchen klingelt...bekommt ein Engelein seine Flügel" - und Titta läßt es bimmeln ohne Unterlass...
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 02:16
@born2bmild

Wie kann man von etwas - hier Gott genannt - enttäuscht sein, was es nicht gibt?

Das kann man ganz einfach, indem man dran glaubt. Soll Kindern schon mit dem W-Mann ähnlich gegangen sein.

Eine Enttäuschung lässt keinen Schluss auf die Existenz oder Nichtexistenz dessen zu, wovon man enttäuscht ist. Hat auch niemand hier aus ihr abzuleiten versucht (auch Titta nicht).

*klüngelüng* ;)

LG Christian
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 02:26
dumm, aber mit zwei Sternchen
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 10:40
Und berechnende moralische Aufreger sind noch UNTER diesem Niveau, Josef, Jäger und Co.
Ich schätz' mal, das bezieht sich auf das Mulmigwerden, was?

Das Problem bei Dir ist schon geraume Zeit, daß Dein Furor im Grund nur das (an-) »erkennen« kann, was er sich zuvor erst feinsäuberlich hingelegt hat. Deshalb ist's mal die Gesellschaft von Wichsern, die (und das auch noch ohne jeden Genuß — Frage: woher willst Du das eigentlich wissen, ohne zuvor die guten von den schlechten Bedürfnissen theologisch geschieden und damit genau das getan zu haben, was Du den anderen stets vorwirfst?) draufloswichst, und das andere Mal ist's die Societas Iesu, die vom Glaubensakt die globale Inbesitznahme ableitet und alles um sich her zerscheitert, was nicht »begreifen« will.

Unter jeder Kritik ist Dein Ansatz in der Tat, aber nicht deshalb, weil es sich hier um ein genuines Autodafé handelt, sondern weil dieses Verfahren sogar noch dahinter zurückbleibt und noch nicht einmal die Redemption kennen will: Bei Dir kann man noch nicht einmal konvertieren oder wirksam abschwören, sondern man ist von dieser Krankheit unweigerlich affiziert, völlig egal, was man tut.

Daher wohl auch die nachgerade paranoide Faszination an der verfolgenden Unschuld, die Auschwitz zu einem »Argument« degradiert.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 12:32
@ j-ap

Zunächst mal gebe ich meinen Ärger kund und zu wissen, mich hinreißen lassen zu haben, in einer Klammer außerhalb des Inhalts und Zwecks meines Postings einer heiligen Kuh einen Tritt versetzt zu haben, was schlicht aus Ärger darüber geschah, daß nahezu jeder deutsche Idiot auf diesem Planeten periodisch und zu den widersprechensten und absurdesten Gelegenheiten die armen Säue aus den deutschen Vernichtungslagern als ein solches Rindvieh über die Dörfer treiben mag.

Andererseits ist es auch wurscht, daß ich diese Dummheit beging, denn die Gelegenheit, mit Anwürfen ad personam die Argumente zu umgehen, hättest Du wahrscheinlich andernfalls selbst herbeigezerrt, wie an folgendem Satz zu sehen, dessentwegen ich Dir überhaupt antworte: .

Das Problem bei Dir ist schon geraume Zeit, daß Dein Furor im Grund nur das (an-) »erkennen« kann, was er sich zuvor erst feinsäuberlich hingelegt hat.

Der Vorwurf (??!!) aus Deiner Feder verblüfft mich. Würdest Du bitte mal erklären, was Du mir da vorhalten, zu welcher "Ordnung" (?) rufen, welche Abweichung (!!?) rügen willst?

(Ganz nebenher würdest Du Mabli einen Hinweis geben können, warum er mich als "Hund" tritt, während Du mich als "Katze" wegsperrst.)

Und eine Bemerkung zu dem was Du hier vollkommen off-topic herein ziehst:
(Wenn ich auf Autorität setzte, dann würde ich Deinen Kommentar löschen lassen wollen!)

"Deshalb ist's mal die Gesellschaft von Wichsern, die (und das auch noch ohne jeden Genuß — Frage: woher willst Du das eigentlich wissen, ohne zuvor die guten von den schlechten Bedürfnissen theologisch geschieden und damit genau das getan zu haben, was Du den anderen stets vorwirfst?) ..."

Ich denke nach wie vor, dem zitierten Blog ist unschwer zu entnehmen, wes Partei ich bin: Meine eigene, und zwar in Gestalt meiner sinnlichen Natur, und deshalb und darüber Parteigänger der Sinnlichkeit und Erotik jedes einzelnen (!) Menschen, an dessen Leben ich Anteil habe, und sei es so indirekt, wie am Leben indischer Reisbauern.
Die Unterstellung, ich hätte da zwischen "guten" und "schlechten" Bedürfnissen geschieden oder auch nur scheiden wollen , zeugt nicht von Lesefähigkeit, obwohl - allerdings - mein alter Text kryptisch ist, deshalb hatte ich auch gebeten, von Kommentaren abzusehen.

Der "Witz" ist nur: Ich zähle den Verstand zu dieser sinnlichen Natur, und das war auch meinem Posting hier zu entnehmen.
Ich bin tatsächlich so doof und verstockt, auch noch an Tittas Verstand zu appellieren.
Leider gibt es Leut, die ihre sinnliche Natur bis auf einen schäbigen Rest an Kleinkindsubjektivität zerrüttet und abgewickelt haben, sodaß ich selbst face to face kaum noch irgend eine Hoffnung hegen kann, sie könnten an ihr noch was für sich (!) retten. Doch solch eine persönliche Diagnose verweigere ich bis zum letztmöglichen Zeitpunkt.

Doch zurück zur Sache:
Meine maximale Hervorhebung des Wortes "Abtrünnigkeit" war eine Dienstleistung. Es ist begrifflich der Angelpunkt meiner Argumentation gewesen. Und in der Verkürzung des Argumentes wäre es gewiß angreifbar.

Der Angriff unterblieb.
Und daraus erlaube ich mir zu schließen:
Mein Angriff hat getroffen.
So einfach ist das nämlich in den meisten Fällen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 13:04
@ tomgard

In dem parallelen Blogg anti-muhabbetci 2 wurde kürzlich darüber geschrieben, dass es im autoritativen Text des Christentums selbst sogar die Möglichkeit der Anerkennung von Nicht-Christen angelegt ist. Die Zitate im O-ton erspare ich Ihnen jetzt mal, hat auch mit dem Thema des Bloggs direkt nichts zu tun.
Der universalistische Machtanspruch, den sie beschreiben, ist unbestreitbar vorhanden. Nur die postulierte automatische Gleichsetzung von Nicht-Christen mit Abtrünnigen kann man sehr wohl hinterfragen. Die totalitäre Anmaßung, die sie er Bloggschreiberin vorwerfen halte ich für sehr verfehlt.
Es ging in dem Blogg meines Erachtens nicht um eine Frage der Bestätigung des christlichen Gottes durch Auschwitz, wie sie unterstellen, sondern um die Frage kann man nach Ausschwitz überhaupt noch von Gottes Allmacht reden ohne sich unglaubwürdig zu machen. Meiner Meinung nach trifft da die Gott-ist-tot-Theologie von Frau Sölle den Nagel auf den Kopf, denn angesichts Gleichzeitigkeit der heilen Familienwelt der Nazigrößen und der mit rationalisierten und industriellen Mitteln durchgeführten Vernichtung von menschlichem Leben in den Vernichtungslagern ist diese Rede von einem allmächtigen und guten nicht mehr glaubhaft.
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 13:24
Hallo Thomas,

daß Du zuallererst Deine Partei ergreifst, finde ich überaus sympathisch.

Weniger erklärlich ist mir hingegen, weshalb Du ständig zu irgendwelchen quasi-fetischistischen Feinderklärungen geneigt bist, die in höchster Rationalisierungsnot so beidhändig an den Haaren herbeigezogen werden, daß man sich beim Lesen desöfteren fragt, ob Dir nun diverse Sorten »seherischen« Talents oder doch nur der ordinäre Wahn-Sinn die Feder geführt haben mag und ob es sich dabei wirklich um Kritik im eigentlichen Sinn handelt oder nur um die Konstruktion eines äußeren Gegenhalts zu Renovierungszwecken eigener Subjektivität.

Aber wenn der Metzger durch die Strickerei geht, dann sieht er halt allüberall nur schlecht geklopfte Schnitzel hängen, auch wenn die bei Licht betrachtet sich ohne weiteres als Sweatshirts entpuppen.

Kein Wort von Dir allerdings im Sinne einer allgemeinen Religionskritik, die schon deshalb (und nicht nur, aber auch wegen des hiesigen Forenaufkommens) angebracht wäre, weil wir nach meiner Einschätzung mit gewaltigen Schritten auf sehr stramm re-evangelisierte Zeiten zugehen, und ich meine mit »evangelisiert« nicht nur christlich-konfessionell, sondern allgemein die Bereitschaft, an die »gute« widerspruchsfreie Nachricht im Transzendenten zu glauben, die nicht nur die schlechten Bedürfnisse ausmerzt, sondern die Gemeinschaft der Heiligseinwollenden mit der Gnade ausstaffiert.

Will sagen: die Pius- und die Muslimbrüder nehmen sich nicht viel und der Vatikan arbeitet schon seit längerem reibungslos mit islamfaschistischen Regimen in Saudi-Arabien und Iran zusammen, denn Containment & Rollback nicht nur gegen den Judenstaat, sondern gegen den Säkularismus sind beiden gleichermaßen ein Anliegen. Deshalb nimmt der Bischof von Rom auch so auffallend wenig Anteil an den theologischen Hin- und Herwälzereien — immerhin formiert sich der Westen im Angesicht (irgendeines) Gottes wieder, und es wäre gelacht, wenn man in diesem Fahrwasser nicht wieder hier und dort nach oben schwimmen könnte.

Der Rest der damit aufmarschierenden Kohorten besteht dann aus Animisten, Neopaganen, Homöopathen, Kraft-der-Steine-Freunden, Schröpfkopf-Fans und so weiter, denn soviel hat man schon begriffen, daß man die Grippe besser mit südafrikanischen Steppenwurzeln ausräuchert als mit Antibioticum von Pfizer, Bayer oder GlaxoSmithKline behandelt, die ja ohnehin nur ausgelagerte Agenturen des Department of Defence sind, die die Aggressionen des Anglo-amerikanischen Imperialismus an der pharmazeutischen Front begleiten.

Und zu alldem hat TomGard nichts zu bemerken, außer daß der Christ missionieren muß und Michael Jäger und Josef Allensteyn noch nicht einmal eine Handbreit Adoleszenzniveau unterm Hirnkiel haben.

Na dann!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 13:35
Josef,

falls dieser Tirade noch ein Rest unverheuchelter Wissensdurst zugrunde liegt, dann nimm mal meine Gliederung zur "Psychologie des bürgerlichen Individuums" auf PA vor. Da scheide ich die Differenz zwischen Moralität und Kritik genetisch.

Tom
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 13:47
Mabli:

"Die totalitäre Anmaßung, die sie er Bloggschreiberin vorwerfen halte ich für sehr verfehlt."

Auch Du vermischt moralische Vorschriften nebst Benimmregeln mit Argumenten. Ich redete nicht über Absichten von Titta oder sonstwem - "echte" Herrscher haben mystische Umwege auch schlicht nicht nötig - sondern über implizite Konstrukte und Zwecke ihrer Fragestellung, die ich auch benannte: "ultimate Frage" des Christen, warum nicht Gottes Kinder einfach Gottes Kinder sind.
Diese Frage wurde einst mit dem Mythos des Turmbaus zu Babel beantwortet, und im mythischen Kern ist Tittas Konstrukt nichts anderes: War Gott im Turm, oder nicht? Und wie kann eine Verstoßung der Kinder Gottes, wie sie geschehen sein soll, eine "Strafe" für diese Kinder sein, anstatt eine Selbstbestrafung des "Herrn"?

Auch die Sölle tut nichts anderes, nur daß sie das spirituelle Gefühl des zum Gläubigen vorgesehenen Menschen zur Autorität gegen Gott selbst beruft - und darauf setzt, dies geschehe in Seinem Namen, ganz genau auf dieselbe Weise, wie einst der Mythos vom Turm zu Babel das gottlose Gerede in SEINEM Namen geschehen ließ.

Wie langweilig das alles ist!
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 13:57
findet hier der wettbewerb
wer hat rechter
statt?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 14:12
@ tomgard

warum nicht Gottes Kinder einfach Gottes Kinder sind?

Wo siehst du diese Frage den explizit oder implizit gestellt? Dass das die ultimate Frage des Christentums ist, halte ich zudem auch für ein Gerücht.
Der Turmbau zu Babel war ja doch die Anmaßung Gott näher sein zu wollen als es ihm lieb ist. Die Folge war die Sprachverwirrung, nicht. Damit ist der Mythos von Babel für mich aus heutiger Sicht eher eine Erklärung für die Trennung der Menschen in unterschiedliche Völker mit unterschiedlichen Sprachen, die sich nicht mehr ohne weiteres verständigen können.
Wo ist das jetzt die Parallele zu der Ausgangsfrage?
Bei Sölle sehe ich vielmehr eine konsequentes Weiterdenken der Entäußerung Gottes, was sie dazu führt darüber zu schreiben und zu reden, was es heißt atheistisch an Gott zu glauben .
In einem Gespräch mit Gaus äußert sie sich zu der Frage, was sie unter der Gott-ist-tot-Theologie versteht. Leider ist das Gespräch nur gekürzt wiedergegeben.

www.dober.de/religionskritik/soelle.html

Ich kann beim besten Willen die Parallelen nicht erkennen. Vielleicht können sie mir auf die
Sprünge helfen und deutlicher machen, was sie meinen.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 14:33
@Rainer

Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 02:26

dumm, aber mit zwei Sternchen

Erwischt.

Ausrede: Übermüdung (war ein harter Tag bei der Schwiegermutter gewesen mit anschließender langer Fahrt).

Meine Antwort passte zu Primo Levi, vielleicht auch zu Dir (als offenbar enttäuschbarem Titta-Gläubigem, s.o.), aber nicht zu @born2bmild.

Zu ihm hätte ich sagen müssen: Man kann auch ent-täuscht sein oder tun, ohne vorher an etwas geglaubt zu haben. "Ich wusste ja, ich würde kein Fahrrad bekommen." - Der Vorwurf der Täuschung wird einfach auf die andere Seite projiziert: Als hätten der W-Mann oder die Eltern das je behauptet.

Auf dieser Ebene argumentieren Ungläubige, wenn sie Primo Levis Argument kopieren und daraus einen Gegenbeweis gegen Got führen wollen. Das Argument funktioniert nämlich nur, weil es ein selbstverständliches (!) Wissen über das Wesen Gott und das Wesen Gottes, das nicht abgeleitet oder hinterfragt wird. So können aber nur Gläubige (oder ehemals Gläubige) von Gott reden. Für alle anderen, die nichts glauben und nie glaubten, kann Gott nicht selbstverständlich sein, sie müssten die Falschbotschaft Dritter jeweils zitieren nach dem Motto: Das was Du sagst, kann nicht angehen.

Aber auch die müssten sich fragen lassen: Wo habt ihr die Zitate her? Wie kommt ihr zu der Meinung, der Gott der Bibel hätte Auschwitz verhindern müssen?

Wenn man die Versprechungen Gottes nicht richtig lesen kann, kann auch die fingierte oder andern unterstellte Ent-Täuschung auf einer Selbsttäuschung beruhen.

@Michael Jäger

Nicht der Unterschied von Auschwitz und Golgatha, sondern die Gleichheit und Gleichwertigkeit von beidem führt zu einem theologischen Widerspruch -

Ja, stimmt, das war einer der beliebtesten Einwände z.B. gegen Dorothee Sölle.

Tritt aber eine zweite Offenbarung gleichen Inhalts notwendig in Konkurrenz zur ersten? Erledigt sie sie der bestätigt sie sie?

Was ich nicht ausschließen möchte: Dass das die Illusion zerstört, der Menschheit als ganzer würde eine Offenbarung dieses extremen Inhalts ausreichen, um daraus ein "Nie wieder" zu sicherzustellen. Das ist aber nicht erst durch Auschwitz widerlegt, sondern war auch schon vor Auschwitz als Irrglaube erkennbar. Und im Evangelium so nie versprochen worden.

Täusche ich mich?

LG Christian
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 14:37
"Damit ist der Mythos von Babel für mich aus heutiger Sicht eher eine Erklärung für die Trennung der Menschen in unterschiedliche Völker mit unterschiedlichen Sprachen, die sich nicht mehr ohne weiteres verständigen können."

Wenn Du Mythen programmatisch "deutest", wie es Dir (in den Kram) paßt, statt auf eine Rekonstruktion zu setzen, wie, warum und wozu sie gearbeitet haben mögen (bzw. noch arbeiten), kann ich Dir nichts "deutlich" geschweige "deutlicher" machen.
(Ja, Mythen arbeiten . Ziemlich offensichtlich, nicht? Aber wie kann das zugehen? Wie kann es sein, daß die Geschichte Subjekte neben und über den Subjekten gebiert? Fragen über Fragen ...)

Schon mal was vom "Volk Gottes" gehört?

Naja, aber fang bloß nicht an, die Bibel zu lesen, willkürliche Deutungen gibt es wahrlich genug.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 14:49
@TomGard

Tut mir leid, Thomas, ich komme in die aktuelle Diskussion dieses Threats nicht rein.

Da waren aber durchdachte, treffsichere Einwände dabei, über die ich gern erst mal mehr wissen und lesen würde.

Wenn ich mal zum Insider-Jargon etwas fragen darf:

- Was ist PA und wo finde ich das?

- Wo kann ich die Auslegung des Turmbau-Mythos nachlesen oder (falls es die Quelle nicht gibt), wie funktioniert sie?

LG Christian
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 15:00
Wozu arbeitet der Mythos? Der Mythos soll den Menschen, die Anmaßung verleiden. Worin die Anmaßung besteht ist in dem Bild des Turmbau gefasst, dessen Deutung natürlich einer gewissen Willkür unterliegt.

Das Volk Gottes, das erwählte Volk Israel, wurde ja wie Du weiter unten kritisch anmerkst durch das in der Verkündigung überlieferte Wirken Jesu in dieser Auserwähltheit, vertreten duch die Schriftgelehrten/Pharisäer, irritiert und das Christentum dann durch Paulus universalisiert. Dass Jesus am Kreuz kein Jude mehr war / sein sollte ist dann eine Rückprojektion der Geschichte des Christentums, wie Dir ja bewusst ist. Von den Römern wurde er als König der Juden gekreuzigt, was die für Gotteslästerer vorgesehene Hinrichtungsmethode war. Er selbst verstand sich natürlich als Jude und hielt an seinen Glauben gegen diese Verurteilung und Verspottung fest .

Man könnte vielleicht die verlorene sprachliche Einheit in Babel mit der Forderung von Sölle nach einer Einheit im Glauben, der in einer menschlichen Solidarität als Liebe zu Gott gelebt wird, in Beziehung setzen. Wobei die Liebe zu Gott nicht die Begründung der Solidarität, sondern die Solidarität selbst ist.

die Solidarität ist der menschlichste Ausdruck der Gottesliebe. […]
Natürlich läßt sich dieser Satz kritisieren. Man kann einwenden: Die Solidarität ist nicht irgendein Ausdruck von etwas anderem, sondern die Solidarität ist die Solidarität und nichts anderes. Aber der Hinweis auf die Liebe zu Gott soll nicht eine Begründung sein, sondern gerade die Abweisung aller Begründung. Die Solidarität wird, so verstanden, zu einem absoluten Wert, der unmittelbar auf unser unstillbares Verlangen nach Sinn und Wahrheit antwortet.


Aus: www.dober.de/religionskritik/soelle2.html

Wozu soll das führen, das mit dem Turmbau zu Babel in eins zu setzen? Der Turmbau ist ein Bild für eine Größenphantasie, eine Machtanmaßung. Wo finden sie das in dem Argument?
Und immer noch offen: Wo finden Sie das in dem
Blogg?
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 15:05
sonderbar
zur 'arbeit des mythos' denke ich an Pessach und seine haggada

wie kann der/die jüngste noch fragen:
was unterscheidet diese nacht von allen anderen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 17:23
mabli,

ganz ernsthaft, geradezu kindlich naiv und hilflos:

Wenn mir jemand das zitiert:
" die Liebe zu Gott soll nicht eine Begründung sein, sondern gerade die Abweisung aller Begründung. Die Solidarität wird, so verstanden, zu einem absoluten Wert, der unmittelbar auf unser unstillbares Verlangen nach Sinn und Wahrheit antwortet."

und dann sinngemäß fragt: "Wo ist hier eine (die) Anmaßung", dann kann ich nur alle Viere strecken und sagen: Einer von uns beiden ist wahn-sinnig.
Und das bist im Zweifel Du, obwohl mir nur allzu klar ist, daß Du diesen Wahn mit ca.95% der christlich sozialisierten Menschheit teilst.

Damit das nicht ganz so unbefriedigend ausgehen muß noch eine Bemerkung zum "Turm".

Der ist offenkundig ein Tempel, nicht wahr?
Welche Funktion haben Tempel in den theokratisch geprägten (assyrisch, babylonisch, ägyptisch) Priesterherrschaften und -hierarchien? Wer baute sie, auf wessen Kosten, zu welchem Zweck?

Ich hoffe mal, Dir ist bekannt, daß die alttestamentarische Überlieferung zahlreiche, divergierende Quellen hat. Sie lassen sich grob in "volkstümliche" und "priesterliche" einteilen, wobei die volkstümlichen Quellen unzweideutig ursprünglich polytheistisch gewesen sind, wie Rahab hier schon gefühlte 200.000 mal erinnert hat.

Der Babel-Mythos, ein offenkundiger Einwand gegen die Anmaßungen einer priesterlichen Kaste, wurde nach einer verflucht grauslichsten Eliminierungsgeschichte, einer völkischen Vereinigung der israelitischen Stämme, monotheistisch usurpiert und gegen ihre alten Urheber gewendet:
Als "Götzendienst" wurde nun monotheistisch uminterpretiert, was ursprünglich die Bebilderung eines spirituellen Einwandes gegen monotheistische Alleinvertretungsansprüche gewesen war. Es geschah mit einer gesonderten Stoßrichtung gegen den Fortbestand unterlegener matristischer Kulte im Volksgut Palästinas, besonders den persisch/babylonischen Mitra-Kult in der Zeit um 500 herum.

Nur mal so als knappeste Zusammenfassung des Hintergrundes, Rahab möge ihre Einwände erheben, wenn sie welche hat, denn ich bin wahrlich kein Spezialist auf diesem Felde.

Mit meinem Argument ganz oben hat das nur noch sehr vermittelt was zu tun - aber ich gebe auf, siehe oben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 17:30
Christian:

www.polyamore.de/thread.php?threadid=733

Unter dem Einleitungsposting, das die Gliederung einer Broschüre der Roten Zellen / MG zum Thema gibt, folgt das, worauf ich verwies: Ein Gliederungs- Thesenpapier von mir, das die in jener Broschüre weitgehend unter den Tisch gefallene Sittlichkeit des bürgerlichen Individuums einbeziehen und zugleich eine Struktur liefern soll, die Identität und Differenz zwischen Psychologie (sowohl als angebliche "Wissenschaft", wie als Psychokult) und christlicher Religion andeuten soll.

lg
Tom
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 17:46
@ tom guard

Vielleicht kann dieses Zitat Dein Mißverständis beheben, Glauben heiße immer die Anmaßung eines Machtanspruchs über den Rest der Menschheit und die Verkennung aller Nicht-Christen und Atheisten als ABTRÜNNIGEN.

Wenn Jesus heute wiederkäme wäre er Atheist, d.h. er könnte sich auf nichts anderes als auf
seine weltverändernde Liebe verlassen." (D. Sölle: Gibt es ein atheistisches Christentum? , S. 84)


Wobei dir die Vereinnahmung der Atheisten für ein atheistisches Christentum wahrscheinlich wieder zu wider sein wird.
Phineas Freek schrieb am 09.01.2011 um 18:24
Wenn Gottvater seinen Sprössling wieder in die Welt befördern sollte, könnte dieser ATHEISTISCHE Heiland allerdings nur unter der Voraussetzung einer Totalamnesie erneut seine menschliche Existenz und seelsorgerische Arbeit (oder bleibt er diesmal bis zur himmlischen Abberufung ausschließlich seinen Handwerkerjob treu?) wiederaufnehmen.
Michael Jäger schrieb am 09.01.2011 um 20:26
@ ChristianBerlin 14:33
Lieber Christian, Du hattest wahrscheinlich meinen zweiten Kommentar oben, der ein paar Minuten vor Deinem kam, nicht gesehen; ich denke, ich habe da auf Deine Frage schon zu antworten versucht: Auschwitz war nicht irgendeine "Offenbarung extremen Inhalts", sondern wenn man sich der christlichen Lehre anschließt, ging es da zum zweiten Mal, genau erst zum zweiten Mal, um die Ausrottung des jüdischen Volkes. Damit ist ja mindestens die Vorstellung widerlegt, die Paulus vom weiteren Verlauf der Heilsgeschichte hatte: Die Juden würden auf die außerjüdischen Christen neidisch werden und dann freiwillig zu der neuen Religion übertreten. Er hat es offenbar nicht für möglich gehalten, daß die meisten, die sich dann Christen nannten, alles andere taten, als Juden neidisch zu machen. Ich finde es übrigens erstaunlich genug, daß dem Paulus an dieser Stelle nicht die Geschichte von Kain und Abel einfiel: Kain war auf Abel neidisch, weil er sah, daßm Abel Gott wohlgefälliger war; man kennt das Ergebnis. Die Realgeschichte ist so gelaufen, daß man eher annehmen muß, daß die Christen auf die Juden neidisch waren. Oder vielleicht waren sie nicht neidisch, sondern im tiefsten Herzen frustriert, daß sie nun die jüdische Religion übernehmen sollten, die keine Allmacht im üblichen Verständnis verspricht und nicht einmal ein Weiterleben nach dem Tod.

Meinerseits hatte ich Tomgard 13:26 noch nicht gelesen, der mir um Weniges zuvorkam (siehe weiter unten). Du raufst Dir jetzt sicher die Haare, lieber Tomgard, daß Du hinsichtlich dessen, daß es immer um das ganze jüdische Volk ging ("... wie auf der Schädelsträtte 'der Jude' ausgetrieben wurde"), nur dasselbe schreibst wie ich, der ich doch so unterhalb jeden intellektuellen Niveaus bin. Übrigens kann man sich vielleicht ein für alle Mal einigen: Ich gebe ja zu, daß ich saudumm bin, das ist also abgemacht und Du brauchst es nicht immer wieder zu betonen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 21:44
@ michael jäger

Ich kann ihre und TomGards Deutung, dass es bei der Kreuzigung um die Ausrottung des jüdischen Volkes bzw. die „Austreibung des Juden“ ging, nicht teilen.
Das damalige Establishment im Judentum, vertreten durch die Schriftgelehrten, erkannte in ihm ja gerade nicht den Gottesknecht, weshalb er im Grunde genommen erst nachträglich aus einer christlichen Sicht als ein legitimer Vertreter des jüdischen Volkes und dann aber auch aller anderen Völker erscheinen kann. Das gilt wohl für die geschichtliche Wahrnehmung seiner Person, nicht für sein Selbstverständnis
Die Endzeit wiederum ist ja etwas, wovon keiner weiß, wann sie da ist, insofern ist auch die Gleichsetzung von der Kreuzigung mit der Endzeit sehr fragwürdig.
Außerdem ist das Wirken von Jesus als Prophet von Provokationen gegenüber den Schriftgelehrten durchzogen. Als ein Beispiel sei die Geschichte vom heiligen Samariter erwähnt, den Jesus gegenüber dem Rabbi als den richtig Handelnden beschreibt. Was insofern eine Provokation war, da die Samariter aus der Sicht der Juden den falschen Gott anbeteten.
Die eigenwillige Auslegung von Geboten wie z.B. dem Sabbat und die Hinwendung zu den Zöllnern, den Prostituierten, den Kranken, also Gruppen die am Rande der Gesellschaft standen und nicht geachtet wurden, waren sicher ebenso eine Provokation für die Schriftgelehrten.
Daher bewegt sich das Ganze schon vor der Kreuzigung in einer Spannung der Universalisierung der Religion und einer Stellvertertung des jüdischen Volkes als Messias. Wobei die Schriftgelehrten ihn als Messias ja ablehnen.
Daher ist mir sowohl die Rede von TomGard, der in der Kreuzigung die "Austreibung des Juden" sieht als auch deine Rede, die in der Kreuzigung Jesus als Stellvertreter für das jüdische Volk sieht schleierhaft.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 21:59
@ TomGard schrieb am 09.01.2011 um 17:30

Lieber Thomas,

danke für den Link. Ich will mal schauen, ob ich mich da reindenken kann.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 00:18
@Michael Jäger

Lieber Michael,

Du hast Recht, ich hatte Deinen Kommentar weiter oben noch nicht gelesen, als ich meinen hier verfasste.

Reale Politik aber wird nun einmal auch von Religion mitkonstituiert, und wer eine Religion aus sich selbst heraus begreifen will, muß Theologie studieren.

Meine Erfahrung: Das kann sehr hilfreich sein, enthält aber keine Garantie für ein Begreifen. Leider.

Wenn ich Theologe wäre, würde ich an der skizzierten Frage arbeiten, ob oder in welcher Hinsicht das Christentum durch Auschwitz "widerlegt" worden ist.

Ich höre da eine indirekte Aufforderung. Nun denn, kneifen gilt nicht, ich spiele das hier gerne anhand der drei von Dir benannten Argumente mal gedanklich durch.

Sölle, Moltmann, Titta uvm. haben sich ja schon mit einem gewissen Sensibel dieser Frage gewidmet, genau jüdische Denker und Theologen das im Hinblick auf das Judentum beschäftigt hat (und Rainer Kühn, wenn ich das verbotenerweise zu seiner Ehrenrettung in diesem Punkt sagen darf, offenbar beim marxistischen Humanismus). Andere Theologen haben versucht diese Infragestellung des Christentums mit dogmatischen oder ideologiekritischen T-Argumenten abzuwürgen, haben aber diese Auseinandersetzung verloren.

Deine Argumente sind für mich immer sofort nachvollziehbar, aber m.E. setzen sie das, was in Auschwitz passiert ist, nicht in Widerspruch zur biblischen Profetie.

Erstes Argument

Auschwitz war nicht irgendeine "Offenbarung extremen Inhalts", sondern wenn man sich der christlichen Lehre anschließt, ging es da zum zweiten Mal, genau erst zum zweiten Mal, um die Ausrottung des jüdischen Volkes.

Wieso nur zweimal? Mir ist nicht klar, welchen Ausrottungsversuch Du als "1" vor der Shoa zählst.

Meinst Du diesen:

Und Haman sprach zum König Ahasveros: Es gibt ein Volk, zerstreut und abgesondert unter allen Völkern in allen Ländern deines Königreichs, und ihr Gesetz ist anders als das aller Völker und sie tun nicht nach des Königs Gesetzen. Es ziemt dem König nicht, sie gewähren zu lassen. Gefällt es dem König, so lasse er schreiben, dass man sie umbringe; so will ich zehntausend Zentner Silber darwägen in die Hand der Amtleute, dass man's bringe in die Schatzkammer des Königs.

Da tat der König seinen Ring von der Hand und gab ihn Haman, dem Sohn Hammedatas, dem Agagiter, dem Feind der Juden. Und der König sprach zu Haman: Das Silber sei dir gegeben, dazu das Volk, dass du mit ihm tust, was dir gefällt.

Da rief man die Schreiber des Königs am dreizehnten Tage des ersten Monats; und es wurde geschrieben, wie Haman befahl, an die Fürsten des Königs und an die Statthalter hin und her in den Ländern und an die Obersten eines jeden Volks in den Ländern hin und her in der Schrift eines jeden Volks und in seiner Sprache, im Namen des Königs Ahasveros und mit des Königs Ring gesiegelt. Und die Schreiben wurden gesandt durch die Läufer in alle Länder des Königs, man solle vertilgen, töten und umbringen alle Juden, Jung und Alt, Kinder und Frauen, auf "einen" Tag, nämlich am dreizehnten Tag des zwölften Monats, das ist der Monat Adar, und ihr Hab und Gut plündern. Eine Abschrift des Schreibens sollte als Gesetz erlassen werden in allen Ländern, um allen Völkern zu eröffnen, dass sie sich auf diesen Tag bereithalten sollten. (Quelle: Buch Esther Kap. 3)

Oder schon diesen:

Da gebot der Pharao seinem ganzen Volk und sprach: Alle Söhne, die geboren werden, werft in den Nil, aber alle Töchter lasst leben. (Quelle: Exodus 1,22)

Meine Meinung dazu: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Eine Vorstellung davon, dass man sie ausrotten will, hatten schon die Glaubensväter der Juden (und der Christen - und der Moslems). Geschafft hat es noch keiner.

Das Problem aller Imperien scheint gewesen zu sein: Das jüdische Volk vermischt sich nicht und es vergisst sich nicht. Weder in Ägypten, noch im babylonischen Exil, noch unter Fremdherrschaft im eigenen Land. Auch die letzte Deportation unter Hadrian, die endgültige Wegnahme des gelobten Landes unter Umbenennung von Judäa in Palästina und Jersalem in Aelia Capitolina mit Rückkehrverbot bei Todesstrafe hat die Erinnerung und die Sehnsucht nach diesem Land und der Stadt über 2 Jahrtausende nicht auslöschen können.

Zweites Argument

Die Umkehr des Neides - ja, da ist was dran. Dazu müssen sich dann aber vorher schon die Freiheits- und Machtverhältnisse umgekehrt haben. Gab es da nicht einen Unterschied in den christlichen und jüdischen Verhältnissen zur Zeit des Urchristentums und der Zeit ab der Spätantike?

Irgendwann muss sich unter den nach Hadrian verschlechterten und dann immer schlechter werdenen Verhältnissen des Nur-noch-Diaspora-Judentum die geistliche Verbissenheit, die Paulus seinen jüdischen Geschwistern vorwarf oder andichtete (vielleicht die eigene frühere meinend) in eine Milde und Heilsgewissheit aus der Kindschaft gewandelt haben, während die Entwicklung der Christen die entgegensetzte Richtung nahm: Weg von der Freiheit der Kinder Gottes, mit der Paulus seine Geschwister neidisch zu machen hoffte, hin zu Zwangschristentum, Corpus Iuris Canonici, Inquisition, Zensur, Heilsangst.

Unter Rollenwechsel gegenüber Römer 9 kann ab da vom Volk der Christen gesagt werden: Weil es die Gerechtigkeit nicht aus dem Glauben sucht, sondern als komme sie aus den Werken. Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes der schon ab da wieder die Juden waren, als wäre Christus wirklich "zu früh" gekommen (könnte passen).

Ebenso gut könnte dieser Rollen-Wechsel ab der Spätantike aber auch durch die biblische Profetie gedeckt sein. Was die Christen betrifft: Die große und die kleine Apokalypse z.B. sagen einen goßen Abfall von Christus vorher, den Luther später rückblickend in dieser Zeit beginnen lässt und mit dem Papsttum indentifiziert. Und was die Juden betrifft: Hatte nich Paulus folgendes "Geheimnis" (eine wichtige Vokabel bei ihm) geweissagt:

Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist;

In der Spätantike sind die Völker der damals bekannten Welt christlich, die meisten zwar arianisch, aber das könnte nach dieser Prognose ausreichen, um die Verstockung geheimnisgemäß aufzueheben.

Wenn man Paulus erzählt hätte, dass das so lange dauern würde, hätte er das vielleicht nicht glauben wollen. Aber was hätte er wohl gesagt, wenn man ihm auch noch erzählt hätte, mit welchen Zwängen man von da an zum angeblichen Christen gemacht wurde und welche Heilsängste auf der anderen Seite dadurch permanent unbewältigt mitgeschleppt wurden. Hätte er da noch bei den sog. Christen von Kindschaft und Freiheit in seinem Sinne gesprochen? Hätte er geglaubt, dass auf diese allgemeine Unfreiheit Juden neidisch sein könnten? Oder hätte er vielleicht gesagt: Dann verliert ihr die Kindschaft, seid kein Israel dem Geiste nach mehr, weil geistlos?

Vielleicht hätte er sich dann mit dem getröstet, was er schon früher über seine jüdischen Geschwister gesagt hat:

Ich selber wünschte, verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch, die Israeliten sind, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen,
denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.


Drittes Argument

Nach der Vorstellung der Jünger würde Christus nur einmal wiederkehren, und zwar als Sieger. Aber es gab Auschwitz gab, als furchtbaren Höhepunkt der ganzen Geschichte des Antisemitismus, wo er in seiner Eigenschaft als Verkörperung der Kollektivperson "leidender Gottesknecht" schon vorher wiedergekehrt ist.

Dass Christus in der Kollektivperson als leidender Gottesknecht wiedergekehrt ist, kannst Du im theologisch Sprachspiel der Bibel so sagen, allerdings sogar auch ohne Bruch, was die Inhalte betrifft - will heißen: Die Bibel kündigt mehr Epiphanien an als die letzte, nur dass alle Erscheinungen Christi vor dem Endgericht latente Epiphanien sind, wie sie das Gleichnis in Mt 25 logisch voraussetzt.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?
39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
(Quelle: Mt 25,31-46)

Vgl. auch, an Mt angelehnt und zum Thema, von Werner Bergengruen

Die letzte Epiphanie

Ich hatte dies Land in mein Herz genommen,
ich habe ihm Boten um Boten gesandt.
In vielen Gestalten bin ich gekommen.
Ihr aber habt mich in keiner erkannt.

Ich klopfte bei Nacht, ein bleicher Hebräer,
ein Flüchtling, gejagt, mit zerrissenen Schuhn.
Ihr riefet dem Schergen, ihr winktet dem Späher
und meintet noch Gott einen Dienst zu tun.

Ich kam als zitternde geistesgeschwächte
Greisin mit stummen Angstgeschrei.
Ihr aber spracht vom Zukunftsgeschlechte
und nur meine Asche gabt ihr frei.

Verwaister Knabe auf östlichen Flächen,
ich fiel euch zu Füßen und flehte um Brot.
Ihr aber scheutet ein künftiges Rächen,
ihr zucktet die Achseln und gabt mir den Tod.

Ich kam ein Gefangener, als Tagelöhner,
verschleppt und verkauft, von der Peitsche zerfetzt.
Ihr wandtet den Blick von dem struppigen Fröner.
Nun komm ich als Richter. Erkennt ihr mich jetzt?

W. Bergengruen (1944)
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 00:32
@Mustafa

#offtopic

Ich weiß ja nicht, ob Du mitliest. Aber ist Dir was aufgefallen an meiner Erwiderung auf das 2. Argument?

Ich meine die Schlussworte aus dem Paulus-Zitat. Wir suchten doch mal gemeinsam solche Bibelworte, das wäre ein weiteres von Paulus.

Es beweist nichts Metaphysisches, erklärt aber, warum bibeltreue Christen ihrem Apostel dieses Christusbekenntnis nachsprechen. :)

LG Christian
Titta schrieb am 10.01.2011 um 01:23
@mabli

"Es ging in dem Blogg meines Erachtens nicht um eine Frage der Bestätigung des christlichen Gottes durch Auschwitz, wie sie unterstellen, sondern ..."

Danke, so war's auch nicht gemeint. Plus der Überlegung, was es bedeutet, wenn Linke, die Macht per se infrage stellen, monieren, daß hier der göttliche Machterweis ausblieb.

@TomGard

"Ich redete nicht über Absichten von Titta oder sonstwem - "echte" Herrscher haben mystische Umwege auch schlicht nicht nötig - sondern über implizite Konstrukte und Zwecke ihrer Fragestellung,"
Der Zweck einer Fragestellung ist also etwas grundlegend anderes als die Absicht der Autorin? Auf derlei Haarspaltereien zuzugreifen, egal.
Implizite Konstrukte und Zwecke müßten erst einmal deduziert statt als Behauptung in den Raum gestellt werden, sonst bleibt alles Implizierte auf dem Niveau der bloßen Unterstellung, also unredlich. Aber geschenkt. Es geht hier sowieso nicht um mich oder das, was ich meine oder sage. Schade, denn wirkliche Begegnung finge beim Angesicht zu Angesicht an.
Muhabbetci schrieb am 10.01.2011 um 09:39
@ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 00:32

Nein, leider habe ich die letzten Tage gar nicht hier reinschauen können. Heute erst bin ich wieder mal drin. Ich war zwar Online, aber wenn es um Religion geht, muss man schon ein bisschen Zeit mitbringen. Da man ja auch auf Fragen und co Antworten muss. Zumindest als Forum bzw Blog :)

Leider habe ich jetzt nicht alles gelesen aber finde die Frage von Titta sehr gut, obgleich die Frage ja ansatzweise schon gestellt wurde. Eine Antwort darauf ist sehr schwer.

Ich könnte es ganz einfach machen und behaupten das es eine Strafe Gottes gewesen wäre, doch damit würde ich Hitler zum Werkzeug Gottes machen, das widerstrebt mir zutiefst und ich glaube jeden anderen hier auch.

War Gott in Ausschwitz? Ja war er. Warum liess er all dies Geschehen, weil er vielleicht gar nicht anders kann. Er kann sich selbst Gesetze auferlegt haben, die bis zum Jüngsten Gericht gelten.
So interpretiere ich die Verse aus dem Koran wo er Iblis(Satan) eine gewisse Zeit einräumt.

07/11-25 Und Wir haben euch hervorgebracht, dann gaben Wir euch Gestalt; dann sprachen Wir zu den Engeln: «Unterwerfet euch Adam»; und sie alle unterwarfen sich. Nur Iblis nicht; er gehörte nicht zu denen, die sich unterwerfen.Gott sprach: «Was hindert dich daran, daß du dich nicht unterwirfst, als Ich es dir gebot?» Er sagte: «Ich bin besser als er. Du hast mich aus Feuer erschaffen, ihn aber erschufst Du aus Lehm!» Gott sprach; «Hinab mit dir von hier; es ziemt sich nicht für dich, hier hoffärtig zu sein. Hinaus denn; du bist wahrlich der Erniedrigten einer.» Iblis sprach: «Gewähre mir Aufschub bis zum Tage, wenn sie auferweckt werden.»
Gott: «Dir sei Aufschub gewährt.» Iblis sagte: «Wohlan, da Du mich als verloren verurteilt hast, will ich ihnen gewißlich auflauern auf Deinem geraden Weg.Dann will ich über sie kommen von vorne und von hinten, von ihrer Rechten und von ihrer Linken, und Du wirst die Mehrzahl von ihnen nicht dankbar finden.»
Gott sprach: «Hinweg mit dir, verachtet und verstoßen! Wahrlich, wer von ihnen dir folgt - Ich werde die Hölle füllen mit euch allesamt.»
«O Adam, weile du und dein Weib in dem Garten und esset, wo immer ihr wollt, nur nähert euch nicht diesem Baume, sonst seid ihr Ungerechte.» Doch Satan flüsterte ihnen Böses ein, daß er ihnen kundtun möchte, was ihnen verborgen war von ihrer Scham. Er sprach: «Euer Herr hat euch diesen Baum nur deshalb verboten, damit ihr nicht Engel werdet oder Ewiglebende.» Und er schwor ihnen: «Gewiß, ich bin euch ein aufrichtiger Ratgeber.» So verführte er sie durch Trug. Und als sie von dem Baume kosteten, da ward ihre Scham ihnen offenbar und sie begannen, sich in die Blätter des Gartens zu hüllen. Und ihr Herr rief sie: «Habe Ich euch nicht diesen Baum verwehrt und euch gesagt: "Wahrlich, Satan ist euch ein offenkundiger Feind"?» Sie sprachen: «Unser Herr, wir haben wider uns selbst gesündigt; und wenn Du uns nicht verzeihst und Dich unser erbarmst, dann werden wir gewiß unter den Verlorenen sein.»
Gott sprach: «Hinab mit euch; die einen von euch sind den anderen feind. Und es sei euch auf der Erde ein Aufenthaltsort und eine Versorgung auf Zeit.»
Gott sprach: «Dort sollt ihr leben, und dort sollt ihr sterben, und von dort sollt ihr hervorgebracht werden.»


Laut Koran ( zumindest ich interpretiere es so) hatt Gott sich selbst etwas auferlegt und konnte dadurch eventuell nicht Aktiv eingreifen. Vielleicht ist die auch der Grund weswegen er Propheten und Boten schickte.
Wäre zumindest eine Erklärung, ob sie richtig ist oder nicht. tja das weiss wahrscheinlich Gott allein :)

Liebe Grüße
Mustafa
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 11:11
@Muhabbetci

Lieber Mustafa,

danke für die prompte Auskunft und Einschätzung zu der hier erörterten Frage aus islamischer Sicht.

Interessant finde ich, dass im Koran die Sündenfall-Geschichte trotz klar erkennbarer Detail-Übereinstimmungen mit Genesis 2-3 hier mit der Vorgeschichte eines kosmischen Falls erzählt wird. In das Christentum ist diese Vorstellung auf einem komplizierten Weg eingedrungen, in dem babylonische Mythologie (in jesajanischer Polemik), die Gnosis, ihre Protestexegese und der theologische Abwehrkampf gegen sie im 2. Jh. und schließlich Origenes Lösung der Theodize in De Principiis eine Rolle spielen. Da jedenfalls kommt die christliche Überzeugung von Luzifers Fall her, der nach Meinung der Kirchenväter in Genesis 2-3 logisch vorausgesetzt, aber nicht berichtet wird. Im Koran ist Luzifers Fall dem von Adam auch erzählerisch vorangestellt. Auch Adams Fall ist in beiden Fällen ein kosmischer, ein Hinabgeschickt-Werden auf die Erde (wie bei Luzifer).

Auschwitz der Name des Sündenfalls der Moderne, Hitler in der Rolle Luzifers. Der NS-Vergleich ist die moderne Form der Verteufelung.

Eine Lichtgestalt blendet die Nationen und verführt sie zur Gewissenlosigkeit. Was der Ver-Führer als Genie des Bösen von vornherein wusste: Das Volk Gottes würde seine Knie nicht vor ihm beugen, deshalb fasste er den teuflischen Plan, wie er in Esther 3 geweissagt ist.

Das theologisch fatale ist: Gott lässt ihn wieder gewähren. Zunächst jedenfalls. Dann kommt von irendwoher jemand, der ihn stoppt. So war es bei Haman, den Mordochai und Esthers Gegenintrige aufhielt, so war es bei Hitler, dessen 1000jähriges Reich nach 12 Jahren am Ende war. Bei Hiob oder Adam, wo Gott ihn auch hatte gewähren lassen, ist die Sache komplizierter, weil Hiob nahe am Abfall war, sodass Gott selbst ihm in einer Offenbarung gegenübertreten musste.

Und Adam, der über die Grenze ging und verführt wurde, konnte nur durch ein Opfer gerettet werden - aber da sind wir dann aber in der christlichen Theologie bzw. mitten in dem innerchristlich-innertheologischen Streit angelangt, wer dieses Opfer warum nötig hatte: Gott, um versöhnt zu werden? Oder Mensch um Gottes Versöhntheit glauben zu können? Oder Gott um seiner Vervollkommnung willen, insoweit er sich im Menschen selbst begegnet und deshalb vollkommen Mensch werden muss/te - in schärfster Zerrissenheit durch existenzielle Widersprüche sichtbar an Elend und Glanz, Macht und Ohnmacht in einer Person, der Personizierung Adams in Christo?

Ich verstehe, wenn Muslime oder interessierte Atheisten diese letzten Überlegungen nicht mitmachen können. Sie sind aber wichtig, um das Argument von Michael Jäger nachprüfen zu können, ob in Auschwitz sich das Volk Gottes sich selbst als ganzes, kollektiv in dieser messianischen Erlöser-Rolle der Nationen sehen kann - einfach durch Rückadaption des 3. Gottesknechtliedes, das Philippus in Apg 8 auf Jesus bezog, aber zur Zeit seiner Abfassung, also vermutlich zur Zeit der Exils-und-Rückkehr-Profetie, auf Israel als Kollektiv bezogen war. Aber auch diese Profetie hat sagt ja mehrere Schritte voraus: Der Gottesknecht wird gemartert, dies wird von den Ungläubigen (Nationen/Gojim) als Strafgericht Gottes an ihm ausgelegt (das wäre die Fehldeutung, die Du ausgeschlossen hast, die aber sowohl bei Golgatha als auch bei Auschwitz schon da war), dann aber wendet sich das Blatt, die Nationen (z.B. die Deutschen) erkennen ihre eigene Schuld an der Sache und der Gottesknecht wird rehabilitiert und als solcher erkannt und "Nachkommen haben und in die Länge leben". Passt alles. Immer wieder.

1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart?
2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.
3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.
4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.
7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.
8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.
9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.
10 So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen.
11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.
12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.


Quelle:Jesaja 53 (Ü=Rev.Luther 1984)

Was mich noch interessieren würde: Wie ist der Ausdruck Schrift (ktb) im Koran zu deuten?

Sind damit die Schriften gemeint, die Christen bzw. Juden zur Zeit Mohammeds seit einem halben Jahrtausend kanonisiert hatten? Oder andere? Oder nur bestimmte? Woher weiß man dann welche?

Die Frage tauchte schon zwischen uns auf, weil Du Paulus etwas weniger Gewicht gibst als ich z.B.; weiter unten taucht sie noch mal in der Diskussion mit NIL bezüglich des Buches Hiob auf. Zufällig immer das, was mir besonders wichtig ist, aus eurer Sicht etwas, wovor ihr eher warnen würdet - aber vielleicht ist da ja gar kein Zufall. Mal sehen, worans liegt.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 11:13
Sorry, Tag im Quelltext vergessen zu schließen, ärgerlich. Dadurch ist am Schluss alles verlinkt. Bitte nicht draufklicken!
Muhabbetci schrieb am 10.01.2011 um 12:09
@ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 11:11

Interessant finde ich, dass im Koran die Sündenfall-Geschichte trotz klar erkennbarer Detail-Übereinstimmungen mit Genesis 2-3 hier mit der Vorgeschichte eines kosmischen Falls erzählt wird.
Das Mystiker und islamische Philosophen seit 1500 Jahren inspiriert. Das Wort " Dünya" bedeutet" die tiefste tiefe", daher gingen die islamischen Theologen davon aus, dass Adam und Eva (Havva) irgendwie wo anders gewesen sein müssten. Noch heute ist die Frage aktuell. Woher kommen wir? Es gibt dazu aber noch einen Vers das meiner Meinung nach zumindest ansatzweise eine Antwort gibt.
07/172. Und als dein Herr aus den Lenden Adams die Generationen hervorbrachte und sie zu Zeugen wider ihrem Ego machte (indem Er sprach): «Bin Ich nicht euer Herr?», sagten sie: «Ja, wir bezeugen es.» Dies taten wir, damit ihr nicht am Tage der Auferstehung sagt: «Siehe, wir waren dessen unkundig.»

Hier wird von einer Vorexistenz der Generationen gesprochen. Manche sagen unsere Seelen wären dies gewesen und das wir schon immer mit Gott existiert hätten. Andere behaupten es wäre die Liebe zu Gott, vor allem Jalaladdin Rumi ( tanzende Derwische) vertraten die Auffassung, das der Mensch ursprünglich Gott sehr nahe war, in einer transzendentaler Weise. Irgendwann haben die Seelen irgendetwas getan, womit sie in eine Hülle aus Fleisch und Blut gesperrt wurden und alle Erinnerung ausser die Liebe zu Gott gelöscht wurde, damit sie wieder die Suche zu ihm aufnehmen sollten. Sufis haben die interessantesten Thesen aufgestellt :)

Es ist die Liebe der Sehnsucht, des Zustandes des alastu-bi-rabbikum (d.h. "Bin Ich nicht euer Herr?", womit Allah taala die gesamte Menschheit anspricht, als die Seelen vor Allah versammelt waren und alle antworteten mit bala - Ja!" (Quran: al-Araf, 172): der Zustand von Männern und Frauen, denen im Inneren permanent bewußt ist, woher sie kommen - von ihrem Herren - und ein dauerndes Verlangen haben, in ihre Heimat zurückzukehren.
www.enfal.de/grund47.htm

Ihr Geist ist durch die höchsten Himmel gewandert, bis er zuletzt in den Gärten der Gesegneten ruht, und sie tauchen ein in den Fluss des Lebens. Sie haben die Schleusen des Kummers versiegelt und die Brücken der Begierde überschritten; sie sind da stehen geblieben, wo die irdische Kenntnis aufhört, und haben vom Wasser der wahren Weisheit getrunken, und sie betraten das Boot des göttlichen Überflusses und segeln im Wind der Seligkeit auf dem Meer des Friedens, bis sie erreichen die Gärten der Stille und den Ort der Glorie und der Gnade.
(Dhu'n-Nun)

Aber es ist auch denke ich die Frage die uns alle antreibt zu Suchen oder? Woher kommen wir, warum sind wir hier, was möchte Gott von uns, warum mussten wir überhaupt auf die Erde u.s.w.

Ehrlich gesagt glaube ich das man darauf keine Antwort geben kann, dafür müssten wir erstmal begreifen können warum Gott nicht eingegriffen hat. Es dürfte wie die Frage nach dem " was war vor dem Urknall" sein. Wir leben in einer Welt die aus Materie besteht, wir selbst bestehen aus Materie, mit sehr wenig Zugang zu dem Wissen der Seele. Wenn die Seele überhaupt darüber etwas weiss. Wir denken in Zeit und Raum, doch diese Gesetze gelten für Gott nicht. Für ihn existiert weder Zukunft noch Vergangenheit, er aussen vor.
Daher ist auch die Sache mit dem Schicksal schwer zu begreifen. Alle Denker im Islam haben sich die Köpfe darüber zermartert, wie Schicksal möglich wäre :)
Auschwitz ist ja auch eine Art Schicksalsfrage. Im Ansatz zumindest ist es das gleiche. Es war ohne Zweifel die schrecklichste, von Menschenhand gemachte tat...Ich sage immer, selbst Lucifer dürfte mit dem Kopf geschüttelt haben ....

Auch hier möchte ich Meister Rumi zitieren...Er hat nämlich einen sehr interessante Sicht darauf:

Die Menschheit besteht aus Gliedern eines Körpers
Und sie ist aus einer Essenz gemacht.
Wenn ein Glied durch das Schicksal schmerzt,
Werden andere Glieder keine Ruhe finden .
Wenn du vom Leid anderer nichts wissen willst,
Bist du nicht berechtigt, dich Mensch zu nennen.

Liebe Grüße
Mustafa
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 13:24
@Muhabbetci


Muhabbetci schrieb am 10.01.2011 um 12:09
@ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 11:11

Interessant finde ich, dass im Koran die Sündenfall-Geschichte trotz klar erkennbarer Detail-Übereinstimmungen mit Genesis 2-3 hier mit der Vorgeschichte eines kosmischen Falls erzählt wird.
Das Mystiker und islamische Philosophen seit 1500 Jahren inspiriert. Das Wort " Dünya" bedeutet" die tiefste tiefe", daher gingen die islamischen Theologen davon aus, dass Adam und Eva (Havva) irgendwie wo anders gewesen sein müssten. Noch heute ist die Frage aktuell. Woher kommen wir? Es gibt dazu aber noch einen Vers das meiner Meinung nach zumindest ansatzweise eine Antwort gibt.
07/172. Und als dein Herr aus den Lenden Adams die Generationen hervorbrachte und sie zu Zeugen wider ihrem Ego machte (indem Er sprach): «Bin Ich nicht euer Herr?», sagten sie: «Ja, wir bezeugen es.» Dies taten wir, damit ihr nicht am Tage der Auferstehung sagt: «Siehe, wir waren dessen unkundig.»

Hier wird von einer Vorexistenz der Generationen gesprochen. Manche sagen unsere Seelen wären dies gewesen und das wir schon immer mit Gott existiert hätten. Andere behaupten es wäre die Liebe zu Gott, vor allem Jalaladdin Rumi ( tanzende Derwische) vertraten die Auffassung, das der Mensch ursprünglich Gott sehr nahe war, in einer transzendentaler Weise. Irgendwann haben die Seelen irgendetwas getan, womit sie in eine Hülle aus Fleisch und Blut gesperrt wurden und alle Erinnerung ausser die Liebe zu Gott gelöscht wurde, damit sie wieder die Suche zu ihm aufnehmen sollten. Sufis haben die interessantesten Thesen aufgestellt :)

Es ist die Liebe der Sehnsucht, des Zustandes des alastu-bi-rabbikum (d.h. "Bin Ich nicht euer Herr?", womit Allah taala die gesamte Menschheit anspricht, als die Seelen vor Allah versammelt waren und alle antworteten mit bala - Ja!" (Quran: al-Araf, 172): der Zustand von Männern und Frauen, denen im Inneren permanent bewußt ist, woher sie kommen - von ihrem Herren - und ein dauerndes Verlangen haben, in ihre Heimat zurückzukehren.
www.enfal.de/grund47.htm

Ihr Geist ist durch die höchsten Himmel gewandert, bis er zuletzt in den Gärten der Gesegneten ruht, und sie tauchen ein in den Fluss des Lebens. Sie haben die Schleusen des Kummers versiegelt und die Brücken der Begierde überschritten; sie sind da stehen geblieben, wo die irdische Kenntnis aufhört, und haben vom Wasser der wahren Weisheit getrunken, und sie betraten das Boot des göttlichen Überflusses und segeln im Wind der Seligkeit auf dem Meer des Friedens, bis sie erreichen die Gärten der Stille und den Ort der Glorie und der Gnade.
(Dhu'n-Nun)

Aber es ist auch denke ich die Frage die uns alle antreibt zu Suchen oder? Woher kommen wir, warum sind wir hier, was möchte Gott von uns, warum mussten wir überhaupt auf die Erde u.s.w.

Ehrlich gesagt glaube ich das man darauf keine Antwort geben kann, dafür müssten wir erstmal begreifen können warum Gott nicht eingegriffen hat. Es dürfte wie die Frage nach dem " was war vor dem Urknall" sein. Wir leben in einer Welt die aus Materie besteht, wir selbst bestehen aus Materie, mit sehr wenig Zugang zu dem Wissen der Seele. Wenn die Seele überhaupt darüber etwas weiss. Wir denken in Zeit und Raum, doch diese Gesetze gelten für Gott nicht. Für ihn existiert weder Zukunft noch Vergangenheit, er aussen vor.
Daher ist auch die Sache mit dem Schicksal schwer zu begreifen. Alle Denker im Islam haben sich die Köpfe darüber zermartert, wie Schicksal möglich wäre :)
Auschwitz ist ja auch eine Art Schicksalsfrage. Im Ansatz zumindest ist es das gleiche. Es war ohne Zweifel die schrecklichste, von Menschenhand gemachte tat...Ich sage immer, selbst Lucifer dürfte mit dem Kopf geschüttelt haben ....

Auch hier möchte ich Meister Rumi zitieren...Er hat nämlich einen sehr interessante Sicht darauf:

Die Menschheit besteht aus Gliedern eines Körpers
Und sie ist aus einer Essenz gemacht.
Wenn ein Glied durch das Schicksal schmerzt,
Werden andere Glieder keine Ruhe finden .
Wenn du vom Leid anderer nichts wissen willst,
Bist du nicht berechtigt, dich Mensch zu nennen.


Lieber Mustafa,

dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht der Refrain eines Liedes von Peter Janssens, das ich 1983 auf dem Kirchentag gehört habe:

Denn nur zusammen sind wir ein Leib
wie Paulus in der Bibel schreibt,
und leidet auch nur ein Fingerglied,
dann leiden alle mit.


(aus dem Gedächtnis zitiert)

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 13:25
Das wird heute nix mehr, ich wollte nur das Gedicht von Meister Rumi noch mal zitieren, nicht den gesamten Kommentar...
Rahab schrieb am 10.01.2011 um 15:28
@ChristianBerlin
(schrieb am 10.01.2011 um 00:18)

nun auch noch megillat Esther als argument herangezogen?
eine megilla, in welcher das wort yhwh nicht ein (1!) mal vorkommt!
von der am allerwenigsten gesagt werden kann, wie es kam, dass sie in die LXX gelangte
kanonisiert wurde
zu der es vielleicht eine proto-Esther gibt, aber nur ganz vielleicht

wer steht da für den leidenden gottesknecht?
am ende gar königin Washti?
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 08:45
@Rahab

Sehr wohl, das erlaube ich mir, denn, wie Du hier unterschlägst, ist die Megille nicht nur in die LXX, sondern - im Unterschied zu einigem anderen - in den Masoretenkanon, den Tanach, gelangt, ist also von Christen UND Juden anderkannt und bei ersteren von den Protestanten (dem Übersetzer und Editor höchstselbst) deshalb nicht nach dem Grundsatz "hebraica heritas" aus dem ersten Testament ausgeschieden und als apokryphische Schrift einsortiert worden (Unterschied zw. kath. und ev. "Bibel").

Deine "bloß LXX"-Entwertung müsste ich als Protestant akzeptieren, wenn's denn so wäre, dass man diesen Text nur dort findet, aber nach Gottes Wille scheint es anders gekommen zu sein: die Juden im 1. Jh. müssen also etwas in dieser Schrift gesehen haben, was ihnen etwas sagte - so viel, dass sie Provenienz und Auftauchen des Gottesnamens hin oder her - sagten: Da ist von uns die Rede, das ist Gottes Wort, genau unser bedrohtes Schicksal, unter den Persern wie jetzt unter den Römern (da spitzte sich ja gerade alles zu).

Für mich hat das deshalb ebenfalls Gottes Wort zu sein, ich habe dadurch die (Lehr)Erlaubnis, darauf zumindest geistliche Argumente zu stützen, ohne deswegen ein Zuchtverfahren fürchten zu müssen. Geistliche oder theologische Argumente im weiteren oder engeren Sinn sind von historischen noch mal zu unterscheiden, wie Du sicher weißt.

Ein geistliches Argument war, daraus eine in die Zukunft gerichtete Weissagung zu lesen (Allegorese, von den Aposteln und Kirchenvätern auf Christus hin, hier - im Sinne von Michaels Argument - auf Auschwitz hin). Ein historisches Argument, das diese Interpretation flankiert, habe ich oben geliefert, indem zu Erklärung der Aufnahme dieser Schrift in die Bibel der Synagoge trotz aller Mängel die aktuelle Situation der Juden in der Zeit der Kanonisierung mit herangezogen wurde (das ist nicht zwingend, aber nachvollziehbar), späteres aktualisierendes Wiedererkennen von Verfolgungssituationen nicht ausgeschlossen. Eine Interpretation als Weissagung benötigt kein Wissen über die Herkunft und das Zustandekommen eines Textes, weil man das Zustandekommen von (echter) Weissagung eben nicht aus einer rein innerweltlichen, historischen Bedingtheit erklären kann - dann wär's ja keine.

Ich bin dabei - wie der User Radar - von der Existenz von Profetie überzeugt, nicht nur von einer, die darauf basiert, dass sich Geschichte stets wiederholt (Kohelet: nichts Neues unter der Sonne), sondern auch auf dem Vorauswissen kontingenter Momente, weil es physikalisch gesehen Zeit nur in Abhängigkeit von Materie und Bewegung (Geschwindigkeit) gibt oder wie die Mystik uns lehrt, in dem Einen mit dem wir uns ekstatisch einen können, alles gleichzeitig ist. Wer es fassen kann, fasse es - wenn nicht, muss er wissen, ob er die Traute hat, sich davon erfassen zu lassen oder beim Darüber-Nachdenken stehen bleiben will.

Letzteres ist mein bzw. unser Geschäft als Theologen im engeren Sinn - aber das andere, das Ekstatische, sollten wir dazu kennen und in seiner Existenzmöglichkeit anerkennen, sonst ist das ganze keine Theologie - per definitionem nicht. Theologie im engeren Sinne ist eine Wissenschaft, die nicht darauf beschränken lassen darf, ausschließlich "etsi Deus non daretur" zu argumentieren, denn dann wäre sie eine andere Wissenschaft, aber keine Theologie. Sie würde ihren Horizont auf geistig Fassbares beschränken und sich gerade nicht mit dem geistig auseinandersetzen, was geistig nicht mehr Fassbar ist.

Zu diesem Spagat noch mal O-Ton Radar:

Radar schrieb am 25.12.2010 um 17:14
Ich habe vieler meiner Belege daraus, daß ich hellsichtig, sensitiv oder medial bin.
So ist übrigens Religion und Spiritualität entstanden. Jenseits dessen, was die Ebene ist, die Sie einfordern. Ich kann die Hintergründe und Verbindungen der Personen sehen. Farben, Zusammenhänge, alles mögliche.
Wenn von einem Freund die Mutter stirbt, dann träume ich das.
Wenn meine Ex sich ein Schnitzel brät, sehe ich sie am Herd stehen und Schnitzel braten.
Dazu habe ich mich autodidaktisch und laienhaft mit diesen Dingen beschäftigt. Ich hab allerdings Lücken.
Ein Wissen oder Erkenntnis aus diesen Quellen ist schwer zu beweisen und akzeptabel darzustellen. Aber wie gesagt, die ganze Sache (Religion) ist so entstanden, was Leuten, die so argumentieren, wie Sie gerade, was ich einerseits in Ordnung und notwendig finde, also die wissenschaftlich belegte Argumentation ...


www.freitag.de/alltag/1051-blog-christian#comment-209829

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 08:47
Sorry, da war wohl Freud in meiner Tastatur: bitte hebraica veritas statt heritas lesen. ;)
Rahab schrieb am 11.01.2011 um 09:56
vielleicht ist genau das das für mich erstaunliche:
du liest megillat Esther als prophetie

dass sie im tanach kanonisiert wurde, weiß ich auch
wie ich auch weiß, dass nicht die geschichte selbst, aber einzelne figuren eingang in die rabbinische literatur gefunden haben

und das megillat-Esther-bild in Duros Europos finde ich auch sehr schön und bedenkenswert
ist doch diese bilderwand eine geschichte des jüdischen volkes in bildern
obwohl sich von heute aus nicht sagen läßt, ob dies eine bild eine geschichte aus der vergangenheit oder eine hoffnung für die zukunft darstellen soll
Rahab schrieb am 11.01.2011 um 12:48
um mein erstaunen fortzusetzen

warum nicht megillat Esther lesen als "der gottesknecht muß nicht alles leiden"?

das wäre dann eine vielleicht etwas andere prophetie, aber wohl nicht weniger eine
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2011 um 15:49
@Rahab

Liebe Rahab,

interessant, interessant. Wenn Du den Ton auf "alles" legst, ist das in dem Sinne richtig, als dass in dieser immer schon und heute noch Golgatha- und Auschwitz-schwangeren Welt mehr Kelche an ihm vorübergehen, als er trinken muss.

Gottes Ankündigungen verbinden, wie gesagt, mit einem Ort jenseits der Zeit und jeder Profet muss wie Jona damit rechnen, dass zumindest die raum-zeitliche Konkretion seiner Weissagung durch das Eintreten von außerplanmäßigen Umständen überholt werden kann.

Nach einer heute gängigen Interpretation rechnete Jona sogar damit, dass seine Profetie diesen (rettenden) Effekt haben könnte, was er aber nicht wollte, sodass er deswegen flüchtete - ich weiß aber nicht, ob das richtig ist. Ich halte sie eher für unwahrscheinlich.

Beide Geschichten (und es gibt noch viel mehr, an denen die Aufschiebbarkeit von Weissagungen deutlich wird) enthalten sowohl Gründe für den Aufschub des drohenden Unheils, die im entschlossenen Handeln der Bedrohten selbst liegen (also bei Esther/Mordechai oder den Menschen und Tieren von Ninive), die aber ohne "Kommissar Zufall" nie zum Zug gekommen wären (das Gewitter, die Seeleute, den Fisch und Jona selbst, der dann doch predigt - oder die Königin Waschti, von der keiner weiß, wer oder was sie verstockt und so für Esther die Tür geöffnet hat).

Man muss aber auf der anderen Seite sehen, dass weder Esther noch Jona die Vermeidung des drohenden Unheils nicht für immer nd alle Zeiten gelungen ist, sondern dass sie immer wieder neu gelingen muss, wenn das Mögliche nicht eintreten soll.

Nach Murphies Gesetz (das ich für zwingend halte), wird jedes mögliche Unglück auch irgendwann eintreten wie der Atom-Gau von Tschernobyl, es kann stets nur eingedämmt und hinausgezögert werden - wie der Weltuntergang.

Auch der Tod des Heilandes hätte nach dieser Logik - trotz aller Weissagungen - theoretisch verhindert werden können, wären die Bedingung, und zwar vor allem die Herrschafts-Bedingungen, andere gewesen.

Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 1 Kor 2,7-8


Ein Glücksumstand, der in der Esther-Geschichte allen Juden das Leben rettete, war, dass der Herrscher diese Weisheit Gottes wenigstens indirekt erkannt hatte in der Schönheit von Esther.

Auch wenn Pilatus oder Hitler dieses Herrscherglück von Artaxerxes nicht hatten, trat für sie beide ein, was Seresch, die Frau Hamans, ihm in einem (eigenen) Sinneswandel profezeihte:

Ist Mordechai, vor dem du zu fallen angefangen hast, vom Geschlecht der Juden, so vermagst du nichts gegen ihn, sondern du wirst vor ihm vollends zu Fall kommen.

Beide Herrscher, Pilatus (den nach Lukas ebenfalls seine Frau warnte) und Hitler, endeten auf dieselbe Weise: Durch Selbsttötung. Und diverse Nazi-Schergen endeten wie Haman, der am Galgen gehängt wurde, den er für den Juden Mordechai hatte bauen lassen.

Daraus folgt:

Was (authentisch) geweissagt ist, wird eintreten - es ist nur eine Frage der Zeit. Es kann durch durch günstige Umstände und menschliches Handeln aufgehalten werden, auch für lange Zeit und Generationen, aber nie für alle Zeiten.

LG Christian
Rahab schrieb am 12.01.2011 um 20:47
so wird aus propehtie selbst-verzeihung?
Michael Jäger schrieb am 12.01.2011 um 23:55
@ mabli 21:44
Die Schriftgelehrten haben Jesus sicher nicht für den Repräsentanten des Volkes gehalten, wohl aber gibt es in der Deutung der Christen, die das Neue Testament (NT) verfaßten, eine Schicht, die das beinhaltet. Übrigens gehört der Teil der NTlichen Darstellung, der behauptet, die Juden hätten Jesus den Römern ausgeliefert mit der Aufforderung, ihn zu kreuzigen, nicht zu dem, was ich anzunehmen bereit bin. Das NT ist aus der Einsicht seiner Verfasser heraus geschrieben, daß die Juden n i c h t bereit waren, in Jesus ihren Repräsentanten zu sehen – das Volk war mehrheitlich nicht bereit und die Führung auch nicht -, und wir beobachten die Verfasser, wie sie noch in heftiger Erregung über diese Tatsache sind, die in der Zeit zwischen dem Ereignis und ihrem Schreiben darüber noch unumstößlicher geworden ist. Diese Erregung hat sie vielleicht dazu verführt, in die defensiv ablehnende Haltung von Volk und Führung Jesus gegenüber den offensiven Willen, Jesus zu vernichten, hineinzuprojizieren. Tatsächlich kann z.B. Folgendes geschehen sein: Jesus predigt in Jerusalem, einige treten zu ihm über, die meisten wollen das nicht. Auch die Jünger, die er vorher zu den zwölf Stämmen ausgesandt hatte, waren ja erfolglos zurückgekehrt. Aber das Ganze sieht nun wie "Aufruhr" aus, und das sehen die Römer. Soviel sehen sie, da ist einer gekommen, der die Festlichkeit stört und für irgendetwas agitiert, was die Leute erregt. Deshalb kreuzigen sie ihn.

Christian 00:18
Ad Erstes Argument: Tatsächlich wurde schon oft versucht, das jüdische Volk auszurotten. Und dieser Umstand v e r t r ä g t s i c h mit der j ü d i s c h e n Religion. Daher verträgt sich auch Auschwitz mit der jüdischen Religion. Aber in der Perspektive der christlichen Religion hätte es nach Christi Kreuzigungsversuch den Versuch, das jüdische Volk auszurotten, höchstens noch in Weltgegenden, die nie christianisiert worden waren, geben dürfen.
Ad Drittes Argument: Die Frage ist, a l s w a s Christus wiederkehrt. In der Rolle z.B., mein "Nächster" zu sein (siehe Samariter-Gleichnis), kehrt er jeden Tag wieder. In der Rolle des Königs über ein Königreich sollte er aber nur einmal wiederkehren.

Weiter unten sage ich noch was zu einem Satz von Rahab.
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 02:26
@ Rahab schrieb am 12.01.2011 um 20:47
so wird aus propehtie selbst-verzeihung?

Ohne das "Selbst" könnte ich damit eine Menge anfangen. Mir fällt da sofort der Bezug zu den Emmaus-Jüngern ein, die nicht damit fertig werden, dass sie überlebt haben und nichts dagegen machen konnten, dass Jesus gekreuzigt wurde. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie mit der Schuld beladen waren, überlebt zu haben, als ihnen der Fremde auf dem Weg die Schrift auslegte, worin all das Profezeit worden war. Und ebenso den erlösenden Effekt, den diese Exegese hatte, noch verstärkt durch das sonstige Verhalten dieses Fremden, dessen Worte sich anfühlten, als stünde vor ihnen die Verkörperung dieser Profetie als deren unwiderleglicher Garant.

Aber ist das reine "Selbst-"Verzeihung, was sie da befreit? Kommt das, was sie von der Schuld des Überlebens frei macht, nicht von einem Extra-Nos auf sie zu, und sie sind nur bereit, es anzunehmen?

Mach mir doch mal an den Bezügen klar, wie das mit der "Selbst"-Verzeihung durch Profetie (die nicht von einem selbst ist) funktionieren soll. Mir fehlt die Fantasie, mir überhaupt vorzustellen, wie Du das meinst.

LG Christian

PS: Ich hab jetzt noch nicht gesehen, was Michael dazu schreibt, vielleicht hat er es ja verstanden? Mal sehen, soll irgendwo weiter unten stehen.
zelotti schrieb am 13.01.2011 um 11:14
Das ist doch alles Kaffeesatzleserei. Esther 3 Weissagung, na super. Seriöse Theologie baut nicht auf spekulative nachbiblische Interpretationen von Weissagungen auf.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:00
TITTA,
Du arbeitest Dich doch sonst so schnell runter, so kontienuierlich bei Deinen von anderen geborgten Blogthemen (weil Du selbst kein eigenes Intersesse hast), warum Jetzt Die Große Pause; hast Du Angst vor einer Antwort auf Neuland? Weißt Du Nix? Fürchtest Du vor Deinem Gott? Oder muß Dein eigenes, für humane Aufklärung zuständiges, Hirn erstmals nachdenken?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:36
Na gut, Du hast ja kein eigenes ...oder etwa doch? Im Gebiet? Da wo ich kenne?
Joachim Petrick schrieb am 09.01.2011 um 00:13
allen hier Dank für die Anregung zu meinem Blog:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/christenheit-eine-notgemeinschaft-im-glauben

08.01.2011 | 23:55
Christenheit, eine Notgemeinschaft im Glauben?
glaube
Christenheit, eine Notgemeinschaft im Glauben, nur darin eine Kirche für alle?

"Ist die Christenheit, eine Notgemeinschaft im Glauben, nur darin eine Kirche für alle, um die Famile, Lebensgemeinschaften, Partnerschaften als Subjekt im Glauben wie Weltlichen ins Recht zu setzen?"
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 00:33
nutz nix, titta eigengott, i.e. göttin (ohne widerspruch)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 02:12
Der Kommmentar wurde von der Moderation entfernt
Uwe Theel schrieb am 09.01.2011 um 02:20
@ Neuland schrieb am 09.01.2011 um 02:12

Dumme Nuß Titta,
ich glaube, in der realen Welt wollte ich Sie nach solchen Äußerungen wie hier einfach mit all meiner Kraft umhauen.
Argumentlos und richtig tätig solidarisch
Neuland


In der "realen Welt", wo Sie herkommen bekommen Leute wie Sie, außer wenn Sie zu mehreren in Springerstiefeln mit weißen Bändeln zutreten und die Polizei nicht in der Nähe ist, nicht mal die Kraft auf, die nötig wäre nur Ihr Maul geschlossen zu halten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 02:24
Ach, wie schön. Gern gelesen. Wenn die Uwutheela wieder spielt.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 02:28
@Neuland

Deine Sprache verrät Dich jetzt aber, ich glaub, ganz so neu bist Du nicht in diesem Land?

Falls doch, bist Du jedenfalls ein enger geistiger Verwandter von jemand Pfiffiges, den es hier mal gab - an sich Pfiffiges, wäre da nicht diese spezielle Art der Feindesliebe vor allem zu Titta bei Deinem Seelenverwandten gewesen ...

"Argumentlos" ist so ein typischer Begriff für ihn - ich kenne nur wenige, die überhaupt eine Idee davon haben, was damit gemeint sein könnte und wie man das feststellt.

Jetzt will muss ich aber erst mal schlafen, vielleicht erscheint mir ja im Traum die Lösung, wer Du sein könntest ...

LG Christian
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 02:30
@ Theelchen
Gewiß komm ich auch mal durch Heppenhepp zu meinem Heimspiel, äh, Wortspiel. Freilich in Fußballstiefeln.
Titta schrieb am 09.01.2011 um 03:15
"Dumme Nuß Titta,
ich glaube, in der realen Welt wollte ich Sie nach solchen Äußerungen wie hier einfach mit all meiner Kraft umhauen.
Argumentlos und richtig tätig solidarisch
Neuland"

Ach, eigentlich wollen Sie doch noch ganz etwas anderes.

Aber bleiben wir vorerst einmal beim Umhauen. Womit wollen Sie mich denn umhauen? Mit Ihrem Charme etwa oder der Kraft Ihrer Argumente, wie Mann das üblicherweise so macht? Ach, nee, mit all Ihrer Kraft.
Mit Ihren Formulierungen geben Sie es selbst zu: Sie wollten, aber Sie wissen jetzt schon, daß Ihnen das nicht gelingen wird, auch nicht unter Aufwendung all Ihrer Kraft.

Ach, immer das gleiche. Trauen Sie sich doch mal! Wollen, nicht wollten! Sonst kommen Sie ja nie zu dem, was Sie eigentlich wollen.
Joachim Petrick schrieb am 09.01.2011 um 09:44
@Neuland

"Neuland schrieb am 09.01.2011 um 02:12
Dumme Nuß Titta,
ich glaube, in der realen Welt wollte ich Sie nach solchen Äußerungen wie hier einfach mit all meiner Kraft umhauen.
Argumentlos und richtig tätig solidarisch"

@Neuland
Das klingt im günstigtsen Fall nach Rundumschlag, bei dem Sie zuerst umfallen, damit Titta was zu lachen hat..

Ich glaube Sie sind ein sich selbst umhauenderBrachial Gewalt Komiker mit rabiater Kernschmelze ins Lichterloh mit Fiasko Faktor 12!, oder?
Uwe Theel schrieb am 09.01.2011 um 12:17
@ Neuland aka Rainer Kühn schrieb am 09.01.2011 um 02:30

@ Theelchen
Gewiß komm ich auch mal durch Heppenhepp zu meinem Heimspiel, äh, Wortspiel. Freilich in Fußballstiefeln.


das ist nicht mal nicht mal Ortsliga, HERR Kühn.

Ich kann Sie erwarten.
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 02:33
Gut, dass das noch mal jemand sagt.

Das sehe ich genauso, auch wenn ich den Rainer in den Fällen mag, wor er argumtenstark auftritt, statt argumentlose Gewaltdrohungen auszustoßen, die gute Argumente (wie er sie vorher gebracht hat) gar nicht zur Verstärkung nötig haben. Sie wirken auch so, wenn man sie wirken lässt und sich nicht selber die Schau stiehlt.

*Ärgerlich*

LG Christian
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 02:46
In einer realen wie medialen Klassengesellschaft sind diese Widersprüche eh nur auf dem Feld (der ehemals Ehre) handfest auszufechten. Ich wünsche, daß die bisher Unterlegenen zukünftig gewinnen. - Die Waffen sind frei (example gangs of new york).
Emma in Uniform schrieb am 09.01.2011 um 03:07
@neuland

Glückwunsch.

Was keiner wirklich wissen wollte, ist jetzt sicher:

Sie sind nicht links.
Auch nicht "irgendwie".
Sie sind rechts.

Und wenn Sie könnten, würden Sie und die vier anderen chronischen Tabu-huhus einige FCler "umhauen", stechen, treten, wer-weiss-würden-Sie, tatsächlich, plötzlich vor der Tür stehen und einen tatsächlich "an einen Stuhl fesseln".

Durchdrehen bis die Gewaltphantasien überschäumen.

Wegen der Frage, ob Gott in Ausschwitz war und was diese Frage bedeuten könnte.

Schreibstil "Thor Steinar mit Uniabschluss".

Ekstatische Vorführung.

Aber morgen vieleicht trotzdem mal zum Onkel Doktor.
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 06:31
Paul Celan

Psalm
(Leseprobe aus: Die Niemandsrose, Gedichte, 1963, bzw. Celan wiederlesen, Gedichte, 1998, Lyrik-Kabinett)

Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unsern Staub.
Niemand.

Gelobt seist du, Niemand.
Dir zulieb wollen
wir blühn.
Dir
entgegen.

Ein Nichts
waren wir, sind wir, werden
wir bleiben, blühend:
die Nichts-, die
Niemandsrose.

Mit
dem Griffel seelenhell,
dem Staubfaden himmelswüst,
der Krone rot
vom Purpurwort, das wir sangen
über, o über
dem Dorn.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 10:48
"Das klau ich", pflegten meine Schüler von einer Förderschule für Erziehungshilfe immer zu sagen, wenn sie etwas absolut gut fanden.

:)
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 11:02
was willste?
eine theologie nach Auschwitz war zuallererst eine der überlebenden
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 10:46
Mich würde viel eher die Frage interessieren: Warum ist es überhaupt wichtig, ob Gott in Auschwitz war? Wie können in solchen existenziellen Situationen solche belanglose, absurde, infantile Fragen entstehen?
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 11:04
weil diese frage so oder anders von überlebenden gestellt wurde
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 11:28
Gestellt von wem? Und wozu?
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 11:38
zum beispiel von Paul Celan

wozu?
vielleicht, um weiterleben zu können?
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 11:44
noch ein beispiel
Warlam Tichonowitsch Schalamow
www.perlentaucher.de/buch/27329.html
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 12:12
noch ein beispiel
Rose Ausländer
zukunft-braucht-erinnerung.de/holocaust/juedische-emigration/1869-heimat-im-wort-zur-lyrik-von-rose-auslaender.html

und damit verbunden die frage an ChristianBerlin:
könnte es sein, dass frau Job den überlebenden eine stimme gibt?
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 12:24
Und wenn ein Überlebender nun auf die andere Erdseite fliegt, zb. Nach Papua Neuguinea und am Feuer Ebene rauchende Peoples vorfindet, sich zu ihnen gesellt und mit eben jenen über Gott spricht und sie fragt, ob Gott exisitiert,...was werden die vor und nach der Kenntnis der Vorgänge um Auschwitz wohl sagen? und was würde der Überlebende denken ob der Antworten. Wenn Gott allerdings ein gutmütiger weissbärtiger Onkel oder eine Frau ist, tja,...dann fallen die Antworten doch einfach...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 12:40
Wenn wir uns z.B. mit den Fragen der guten/schlechten Ernte, Naturkatastrophen wie etwa Tsunami, Westerwelle, CDU-Umfragewerte oder Fernsehprogramm beschäftigen, dann brauchen wir für die Erklärung inzwischen kein Zeus mehr, der angeblich sein Händchen im Spiel haben könnte, sondern es wird nach Gesetzmäßigkeiten gesucht, die hinter den oben genannten Phänomen stehen und diese Phänomene eben erzeugen/steuern. "Die Götter haben es so gewollt und jetzt brauchen wir ein paar Riten zu erfühlen, um die Götter sanft zu stimmen" würde heutzutage als eine infantile und völlig absurde Erklärung betrachtet.

Wenn aber um Auschwitz geht, dann stellt sich sofort die Frage, ob Gott dabei war. Was hat Gott damit zu tun und warum sollte er? Es handelt sich nach wie vor um die Gesetzmäßigkeiten in der gesellschaftlichen Entwicklung/allgemeiner Evolution, die zur Zeit noch nicht oder wenig begriffen werden... so wie in der Steinzeit nicht begriffen wurde, von welchen Gesetzmäßigkeiten gute oder schlechte Ernte abhängig ist. Die Aufgabe wäre, diese Gesetzmäßigkeiten zu begreifen und Verantwortung für Weiteres zu übernehmen... nach Gott zu rufen ist sowohl infantil als auch sinnlos.
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 13:09
Hmm. Genau das aber entspricht einem Begriff von Göttlichkeit, wie oben beschrieben.
Dabei gilt doch:

"kurz gesagt, man sollte Wörter niemals den Dingen gegenüberstellen, denen sie angeblich entsprechen sollen, und auch nicht signifikanten und signifikate, die angeblich übereinstimmend sind, sondern unterschiedliche Formalisierung im Zustand eines instabilen Gleichgewichtes oder wechselseitiger Vorraussetzung. Zitat Foucault: Vergeblich spricht man das aus, was man sieht; das, was man sieht, liegt nie in dem, was man sagt."
Geologie der Moral, guattari und deleuze, 1992 Berlin.

Bei der Begrifflichkeit Gott natürlich der Top Job seit es Menschen gibt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 13:39
Ich brauche die Hypothese der Gottesexistenz nicht, um mich mit der Frage auseinander zu setzen, "was die Welt im Inneren zusammenhält"...
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 13:50
Recht so. Soweit ich den Artikel verstanden habe, ging es jedoch nicht um den Nutzen von Glauben an und für sich, sondern vielmehr darum, ob Auschwitz einen Gott zwangsläufig nichten muss.

Wo wir aber gerade dabei sind....es ist ja schon übel, dass sich Quantenmechanik und die gesamte Messtechnik im Kleinsten unseren Sinnen zu entziehen suchen. Das beginnt mit der Heisenbergschen Unschärfe. Mich dünkt, dass sich dieses Matroshka Püppchen unendlich weiter fortsetzen mag. Ganz zu schweigen von den kosmologischen Vorgängen.

Aber selbst, wenn man sich jegliche Mysthik verweigern sollte, gibt es schon Situationen im Leben, in denen man zu transzendieren sucht. oder nicht?
nil schrieb am 09.01.2011 um 14:27
@Rahab

Aus Deinen Intentionen höre ich berechtige Fragen, welche zur kollektiven Klärung erst jetzt anstehen. Die Zeit ist jetzt reif.

siehe hier
www.jetzt-tv.net/index.php?id=huebl
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 14:49
Krem-Browning schrieb am 09.01.2011 um 13:39
Ich brauche die Hypothese der Gottesexistenz nicht, um mich mit der Frage auseinander zu setzen, "was die Welt im Inneren zusammenhält"...

Das sagte einst ein stolzer Mechaniker , wenn ich mich recht erinnere (wer war's?)

Und wußte nicht, daß er damit Aristoteles paraphrasierte ...
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 14:55
@Rahab

und damit verbunden die frage an ChristianBerlin:
könnte es sein, dass frau Job den überlebenden eine stimme gibt?


Deute mir das mal. Ich schaffe es nicht. Meinst Du Dich - als Anwältin, Menschenrechtlerin, Bloggerin?

Und Frau Job, weil sie schneller als er auszusprechen wusste, was er alsbald selbst sagen würde, als er sogar noch widersprach, ihr über den Mund fuhr und Gott gegen sich Recht gab?

LG Christian
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 15:02
nein, ChristianBerlin
mich meine ich nicht

sondern frau Hiob, Job, Iob, Ayoub
die frau, welche die erschlagenen kinder gebar
und der der werte gatte über den mund fährt

weil ja nur seine rechthaberei die rechte sein soll
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 15:22
@TomGard

Krem-Browning schrieb am 09.01.2011 um 13:39
Ich brauche die Hypothese der Gottesexistenz nicht, um mich mit der Frage auseinander zu setzen, "was die Welt im Inneren zusammenhält"...

Das sagte einst ein stolzer Mechaniker , wenn ich mich recht erinnere (wer war's?)


Das soll Laplace zu Napoleon gesagt haben, als der ihn fragte, warum er ein so allumfassendes Buch über die "Himmelsmechanik" geschrieben hat, ohne darin ihren Schöpfer zu erwähnen. Mechaniker war er allerdings nicht wirklich - das suggeriert zwar der Titel, scheint aber eher ein Arbeiter-und-Bauern-Mythos zu sein - sondern ein typischer Akademiker, der u.a. auch Theologie studiert hatte.

Richtig geraten? Und wenn ja: Werd ich jetzt Millionär - oder geh ich für diese leer aus - wie man das beim Freitag ja schon gewohnt ist?

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 15:49
@Rahab

Wo ist der Widerspruch?

Deine Frage war nicht, ob sie den Toten ihre Stimme leiht. Da kommt außer ihr nur Hiob in Frage - und dem leiht sie ihre Stimme, auch wenn er ihr (zunächst) über den Mund fährt. Er kommt wenige Verse später dazu, - im dann beginnenden poetischen Teil der Hiob-Dichtung - genauso zu reden, sich den Tod zu wünschen, ihn einzufordern, dass er lebt, noch lebt, überlebt hat Gott vorzuwerfen, ja dass er je geboren wurde und das Licht der Welt sah. Da gehts zur Sache, werden wir Leser oder Hörer des Wortes Zeugen eines inneren Kampfes, der hörbar macht, was sich sonst stumm vor sich hin quält und vor den Augen und Ohren der mit dem eigenen Überleben beschäftigten Welt verborgen bleibt. Ein Buch, das ein Tabu verletzt und dadurch seiner wie unserer Zeit voraus ist.

LG
nil schrieb am 09.01.2011 um 16:05
@CB

Dieses Buch ist im Endeffekt nichts weiter als destruktiv und damit auch nicht weiter der Beachtung wert. Es dient ausschließlich der Förderung und Kultivierung von Angstneurosen. Aber natürlich leben wir zum Glück in einem freien Land und jeder darf Bücher veröffentlichen. Das ist auch gut so.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 16:25
@TomGard schrieb am 09.01.2011 um 14:49
@ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 15:22

Ähm... ich habe gewisse Zweifel, dass Laplace im Gespräch mit Napoleon Goethe zitierte... und noch größere Zweifel habe ich, dass man in 18./19. Jahrhunderts solche Thesen im öffentlichen Raum aufstellen könnte, ohne dabei Kopf und Kragen zu riskieren. Gibt es Quellen dafür oder gehört es eh zu historischen Witzen?

Das mit Aristoteles würde mich auch interessieren...

Und wenn Laplace NICHT WUSSTE, dass er Aristoteles paraphrasiert, dann war es auch keine Paraphrase. Paraphrasieren setzt eine bewusste Handlung voraus...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 16:30
@Tycho schrieb am 09.01.2011 um 13:50

Es kommt drauf an, was man unter Gott und was man unter Mystik versteht... die Begriffe sind sehr dehnbar.

Dass die Welt als Mysterium zu begreifen ist, habe ich schon oft geschrieben... gerade deswegen passen die traditionelle Auffassungen von Gott da nicht rein... weil sie alles bis zum geht nicht mehr vereinfachen und instrumentalisieren.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 17:50
@Krem-Browning schrieb am 09.01.2011 um 16:25

@TomGard schrieb am 09.01.2011 um 14:49
@ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 15:22

Ähm... ich habe gewisse Zweifel, dass Laplace im Gespräch mit Napoleon Goethe zitierte... und noch größere Zweifel habe ich, dass man in 18./19. Jahrhunderts solche Thesen im öffentlichen Raum aufstellen könnte, ohne dabei Kopf und Kragen zu riskieren. Gibt es Quellen dafür oder gehört es eh zu historischen Witzen?

Das mit Aristoteles würde mich auch interessieren...

Und wenn Laplace NICHT WUSSTE, dass er Aristoteles paraphrasiert, dann war es auch keine Paraphrase. Paraphrasieren setzt eine bewusste Handlung voraus...


Nichts für Ungut, aber das sind zwei klassische Sophismen.

Dein Beweis, dass Laplace (oder wer das Bonmot sonst in die Welt gesetzt hat) Aristoteles nicht unwissend paraphrasiert haben kann, fußt auf der fehlerhaften Prämisse

Paraphrasieren setzt eine bewusste Handlung voraus

Dein Beweis, dass nicht Laplace das gesuchte Bonmot geprägt hat scheitert an zwei falschen Prämissen

- dass er dazu hätte Goethe zitierten müssen

- dass man unter Napoleon mit solchen Worten Kopf und Kragen riskierte

Die Vermengung von zwei Zitaten großer Denker - eines mit Zitatzeichen, eines ohne - war Deine geistige Leistung - wenn auch nicht absichtlich, sonst wüsstest Du ja, von wem Du das mit Hypothese hast. Und die Rettung der Kirche unter Napoleon ging nicht so weit, dass die Inquisiton wie nebenan in Spanien weiter hätte wüten dürften. Da riskierte man nur allgemeinen Applaus der noch immer mit Trikolore und Marseillaise dahermarschierenden Bonapartisten, die die Segnungen der Revolution verbreiten wollten, in denen andere freilich das Gespenst der Freiheit sahen (hier fehlen auch irgendwo Zitatzeichen). Aber Napoleon nun grade nicht, schon die Frage kann bei ihm eigentlich nur rhetorisch gemeint sein.

Eine sichere Quelle des Zitats kenne ich nicht, das Zitat wird aber seit ca. 100 Jahren kolportiert. Es könnte eine typische Anekdote sein wie die von Marie-Antoinette und dem Kuchen.

Nochmal zur Praphrase: Man kann dasselbe mit anderen Worten sagen (= paraphrasieren), was jemand anderes schon sinngemäß genauso gesagt hat, ohne letzteres dazu wissen zu müssen (= unwissentliches Paraphrasieren). Eine alltägliche Sache. Wieso sollte das ausgeschlossen sein? Wäre von "Parodieren" die Rede gewesen, hätte ich zugestimmt, das ist nicht ohne Kenntnis des Primärvorbildes möglich, weil die Parodie dessen Formmerkmale übernimmt, aber den Inhalt verändert, was bei der Paraphrase genau umgekehrt ist.

Trotzdem ist auch mir nicht klar, welche Äußerung von Aristoteles @TomGard hier paraphrasiert sieht. Das wäre meinerseits die dritte Frage an ihn. Wie ich die Metaphysik verstanden habe, kommt Aristoteles gerade nicht ohne so eine Hypothese aus - wenn auch das, was er Gott nennt, kein "persönlicher" oder mythischer Offenbarer ist, sondern ein metaphysischer, ein primum movens, das anders sein muss als die aus ihm hervorgegangene Welt: Alles andere Bedingend, aber selbst Unbedingt.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 18:05
@NIL

Liebe Nil,

Dieses Buch ist im Endeffekt nichts weiter als destruktiv und damit auch nicht weiter der Beachtung wert. Es dient ausschließlich der Förderung und Kultivierung von Angstneurosen.

Mal zu meinem verbesserungswürdigen Verständnis Deiner Haltun und des Ilsam: Habe ich richtig verstanden, dass Du hier das Buch Hiob meinst, das zu Mohammeds Zeiten seit spätestens 500 Jahren definitiv zur "Schrift" gehörte (wenn damit die kanonischen Schriften des Tanach gemeint sind, die Juden und Christen anerkannten). Ist im Koran mit "Schrift" etwas anderes gemeint als der damals aktuelle Kanon? Und wenn, wo und wie finde ich heraus, was dann gemeint ist? Und woher weiß man das so genau?

Keine Polemik, nur eine Verständnisfrage (eines einigermaßen Überraschten). Deine eigene Meinung will ich damit nicht festlegen.

LG Christian
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 18:15
@ krem-browning

Meine Frage war ernst gemeint, es ist mir schlicht entfallen, von wem der Spruch stammt, aber mir wurde gesagt, er sei authentisch, und ich behielt im Gedächtnis, daß er von jemandem stammte, der in der Tradition des "mechanischen Materialismus" der französischen Aufklärung argumentierte.

Das Leib- und Magenproblem Aristoteles bestand darin, daß er, der naturkundlichen Tradition Demokrits zugeneigt, die Zwei-Welten Theorie Platons nicht hinnehmen mochte ...
(Anm.: ...und sich darin als Vertreter des alten rural gestützten Kriegeradels gegen die urbane Herrschaft über das Land gebärdete)
... aber zu diesem Zweck den Widerspruch von Sein und Bewegung iwie aufzulösen hatte, den Parmenides gegen die aufkommende philosophische Tradition (die in meiner Deutung theologisch ist) gesetzt hatte, und zwar in dessen schon halbphilosophischen Gestalt, die Zenon ihm verliehen hatte.
Das Resultat war die "ultimate" Form des Widerspruchs: die Ableitung eines Weltmechanikers, eines "unbewegten Bewegers", recht eigentlich also eines universellen und einzigen Subjektes im Universum, an dessen Wirken ein Mensch teilhabe.
Das ist eine Art Chimäre aus Plato's Ideenwelt und der materialistischen Fassung desselben Gedankens, die später Epikur der demokritischen Atomlehre gab, der er gleichsam einen "unbewegten Beweger" einbaute. Systemisch entspricht der in etwa dem Energiebegriff der Materialisten des 18. Jhd. Die epikuräische Fassung schloß allerdings eine menschliche "Teilhabe" aus - das stoische Moment im epikuräischen Materialismus - deshalb ist die Parallelisierung des mechanischen Materialismus mit dem aristotelischen Idealismus m.E, sachgerecht.

... so ungefähr, aus der Erinnerung an jahrzehntealte Befassung herbei zitiert, und allenfalls als Anregung brauchbar.
nil schrieb am 09.01.2011 um 18:16
@CB

Lieber Christian,

es bleibt mir ein Rätzel, wie nach so vielen Jahrhunderten, in einem Forum wie diesem, auf solch einer Basis argumentiert wird, bei der Suche nach Problemlösungen?
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 18:58
@NIL

Das habe ich aber vorab klargestellt: Kein Argument, nur eine #offtopic gestellte Frage - dieselbe, die Mustafa in Teil 1 von "Ist Jesus Gott?" an uns Christen und unsere Bibeltreue gestellt hat - dort aber von ihm als Argument gemeint.

Ich dagegen will Dich keineswegs vom Gegenteil dessen überzeugen, was Du glaubst und Dich auf keine religiöse Basis verpflichten.

Du musst mir auch nicht antworten, wenn Du nicht möchtest.

Ich kann die fachliche #offtopic Frage, welche Schriften der Koran meint (+Zusatzfragen, falls es nicht dieselben sind) auch @Mustafa stellen.

Das ist für den Dialog von einer zentraler Bedeutung (völlig unabhängig von Deiner Person und von meiner - und anderen Problemen und ihrer Lösung).

LG Christian
nil schrieb am 10.01.2011 um 00:59
@GM

Du wirst doch nicht diese beiden Fragen miteinander gleichsetzten.

Ausschwitz ist eine von deutschen Regierenden und Beamten und allen möglichen helfershelfern, bewusst organisierter Massenmord gewesen!!
Schon vergessen?
Und das alles gerade mal vor nur 60 Jahren.

Da hilft kein herumdeuteln oder sonst was.

Es muss einfach endlich aufgehört werden immer wieder zu versuchen Mord und Folter zu rechtfertigen und dabei noch Gott zu missbrauchen.
Es gibt keine Rechtfertigung für Mord und Folter.
Schlimm ist das, wie hier über Mord und Folter gesprochen wird?! Als ob wir über Kekse und Salzstangen reden würden.
Das ist total neben der Spur. Wirklich!
Hat man vor nichts mehr Respekt?
Rahab schrieb am 10.01.2011 um 15:17
@ChristianBerlin
(schrieb am 09.01.2011 um 15:49)

frau Job leiht herrn Job ihre stimme?

ist es nicht vielmehr andersrum?
er leiht sich ihre
also borgt sich scheinbar bei ihr aus, was ihm in seine klage paßt

dazu paßt vielleicht auch
dass herrn Jobs zweite frau Dina war (jedenfalls im pseudo-philo - und wo sonst? dafür müßte ich jetzt notizen durchstöbern )
die Dina, die da ausging zu den töchtern des landes....

weshalb ich auch auf die idee kommen könnte, dass dies buch ein tabu errichtet hat
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2011 um 16:08
@Rahab

frau Job leiht herrn Job ihre stimme?

ist es nicht vielmehr andersrum?
er leiht sich ihre
also borgt sich scheinbar bei ihr aus, was ihm in seine klage paßt


Sie leiht ihm und er borgt sich aus. In anderen Sprachen sind das zwei verschiedener Vokabeln, eine für die Geberseite beim Leihen/Borgen, eine für die Nehmerseite. Verteilst Du die entsprechend auf die Sprecher, wirst Du sehen, dass ich nichts verdreht habe: Sie verleiht ihm Worte - er leiht sie sich (und findet aber auch eigene)..

Da es mir im Moment gesundheitlich nicht gut geht, ist mir restlos klar, warum Hiob auf diese Leihgabe angewiesen gewesen sein könnte - na ja, nun übertreib ich aber ;)

LG Christian
zelotti schrieb am 13.01.2011 um 11:22
Richtig, ja, die Theodizee-Frage mit Auschwitz-Upgrade löst sich damit aber nicht.
h.vannna schrieb am 09.01.2011 um 11:16
www.youtube.com/watch?v=8YXKPKI0JK8

Jesus ritt auf einem Esel, doch diese Esel hier reiten zu allem Unglück auf Jesus herum.
Die metaphysischen Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen gegen die Grenzen der Sprache geholt hat, schwellen auf obszöne Weise an.
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 11:36
schrecklich
diese überlebenden schwellungen
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 12:41
Und was, h.vanna, soll die "Grenzen der Sprache " von einer "metaphysischen Beule" im Horizont eines Menschen unterscheiden?

Ich stelle die Frage nicht rhetorisch.
h.vannna schrieb am 10.01.2011 um 18:57
@TomGard: Sie stellen die Frage nicht rhetorisch, sondern in Form eines Fragesatzes. Außerhalb dieser Form der Abbildung Ihres Gedankens (hier: Dass die Grenzen der Sprache eben auch nur Glaubensfrage seien) können Sie sich nicht aufstellen. Probieren Sie's ruhig.

@Rahab: Auch hinter Beulen, die im laufe der Zeit Ähnlichkeit mit einer Jakobinermütze aufweisen, verbirgt sich höchst selten ein revolutionärer Gedanke.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 23:00
h.vanna,

selber Arschloch, danke.
Just for the record:
Es gibt ein und genau ein Jenseits der Sprache, das hat sogar einen Namen, stell Dir das vor. Es wird nach einem polynesischen Vorbild gewöhnlich TABU genannt, steckt die Grenze des Unaussprechlichen ab, also dessen, worüber geredet werden DARF, und wird gern von L-Affen verhängt bzw. sollizitiert, welche über die intellektuelle Physiognomie verfügen, die Du hier zur Vorstellung gebracht hast.

Bitteschön
TG
Emma in Uniform schrieb am 12.01.2011 um 16:17
TomGard schrieb am 10.01.2011 um 23:00

Mal wieder ein tomgardscher Juwel.
Robert Zion schrieb am 09.01.2011 um 11:30
War Gott in Auschwitz?

Es ist schon richtig, diese Frage mit der Frage nach der Macht zu verknüpfen.

War Gott am 8. Februar 1600 in Rom, als dort in seinem Namen Giordano Bruno auf dem Campo de' Fiori auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt wurde?

Sollte denn - analog zu Elie Wiesel - seinerzeit jemand "Dort - dort brennt er, auf dem Scheiterhaufen ..." gesagt haben?

Für mich wäre das gleichbedeutend damit, den Jungen noch einmal aufzuhängen, Bruno noch einmal zu verbrennen - immer wieder.

Es bleibt das Unbehagen, nicht an Gott, sondern am Menschen, der seine erlebte Machtlosigkeit auf eine transzendente Macht projiziert, auf Gott und den Teufel, auf das Gute und das Böse.

Und es bleibt der Trost, auf dieser Welt zu sein und nur in ihr am Ganzen teilzuhaben.

"Es gibt weder gut noch böse in der Natur, es gibt keine moralische Entgegensetzung, sondern es gibt eine ethische Differenz. Diese Differenz ist diejenige der immanenten Existenzweisen, die eingeschlossen sind in dem, was wir empfinden, tun, denken.“*

___________________
*Gilles Deleuze. Spinoza und das Problem des Ausdrucks in der Philosophie. München: Fink, 1993. S. 239.
rioges schrieb am 09.01.2011 um 13:18
"War Gott in Auschwitz?"
Die Frage stellt sich nicht, da es Gott nicht gibt.
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 13:33
Und da ist es wieder, das alte Problem, denn es gibt Gott nicht wie sie an und für sich sind. Sehr wohl aber im Glauben der Menschen.
rioges schrieb am 09.01.2011 um 13:43
Aber es war nicht der "Glaube der Menschen" in Auschwitz, sondern die Menschen.
Und wenn der Mensch ermordet wurde, wurde damit auch dieser Gott ermordet. Also war er nicht allmächtig.
Ein Gott der nicht allmächtig ist ist ein Hirngespinst. egal ob nützlich oder nicht.
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 14:01
Natürlich spielt das für das europäische Denken eine Rolle. Aber wenn wir mal in sehr fremde, weit entfernte Kulturen blicken? Was ändert Auschwitz für deren Gottesbegriff? Und wie würde ein Gespräch darüber zwischen A.-Überlebenden und jenen aussehen?
Diese Frage finde ich sehr interessant, um zu verstehen, was Göttlichkeit eigentlich sein muss und wie es sich unserer Sprache und unserer Kultur entzieht...
rioges schrieb am 09.01.2011 um 14:33
Ich finde die Frage sinnlos. Auch in entfernten Kulturen gibt es keinen allmächtigen oder sonstwie Gott. Auch dort ist es ein Hirngespienst.
Mich umtreibt nicht die Frage, wie sich Menschen die welt erklären, sondern wie Menschen im 21. Jahrhundert an einen Gott glauben können, wenn sie halbwegs gebildet sind. An Hexen, Elfen und Märchen glaubt auch keiner.
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 14:48
Ich finde die Frage nicht sinnlos, weil in bestimmten Gesellschaften Religion oder Spiritualität konkreten Nutzen bringt. Vielmehr kann es arrogant anmuten, die eigene Aufklärung auf solche Kulturen übertragen zu wollen oder jene als mindergestellt zu betrachten. Aber das ist meine Meinung.

Die Wissensgesellschaft tut sich nicht überall mit Glauben schwer, steht doch vor jeder Erforschung eine Vermutung. Darüber hinaus kann ein mystischer Glaube nicht funktionieren, denn dieser neigt zur Verklärung. Dies bedeutet aber auch, dass sich der Gottesbegriff anpassen müsste.
rioges schrieb am 10.01.2011 um 16:15
Mir liegt es fern auf irgend jemanden etwas übertragen oder ihn als mindergestellt betrachten zu wollen.
Es bleibt bei mir nur immer eine Anfangsskepsis, wenn gebildete Menschen von irgendeinem Gott reden und bei Nachfragen dann auch noch von dem Ablenken, was die Gottesvertreter auf Erden doch als Grundkonsens verstehen.
Mit fällt nur auf, dass du vom "Gottesbegriff" redest. da scheint mir ein Missverständnis meinerseits vorzuliegen.
Denn selbstverständlich lässt sich über diesen vortrefflich streiten - aber auch nicht immer. Denn dort wo es um den persönlichen Glauben geht und dieser mit einem Gott in verbiendung gebracht wird, ist es nicht angebracht, dass in Frage zu stellen.
wenn aber in einem öffentlichen Forum für so etwas "geworben" wird, möchte ich dem heftigst widersprechen. Das bin ich mir und meinen Altvorderen schuldig.
Tycho schrieb am 10.01.2011 um 22:49
Ja.

Diese Aussage: der wahre Glauben.
Ob auf Youtube, in persona vor meiner Haustür oder auf Portalen im Netz.
Da möchte ich gleich rein schlagen, so erzürnt mich das. Muss mich dann wirklich am Schopf ziehen, um Gelassenheit zurückzugewinnen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 13:26
Ab und an ergreift mich ein naives Staunen, wie es denn zugehen kann, daß iwie noch halbwegs verständige Menschen nicht sehen , geschweige begreifen, wie die Sakralisierung von "Auschwitz" - in der Buchenwald nebenher klammheimlich aus dem Bild getilgt wird - einer Teufels- resp. Dämonenaustreibung resp. Bannung dient.
Zumal es nicht nur ein "bürgerlicher" Teufel ist - ("Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen", Horkheimers befangene Antithese zu dieser Sakralisierung) - sondern auch ein christlicher, wenn ich mal übergangsweise von der Identität der beiden absehe ....

Jeder Schüler - beispielsweise - der mit den Grundzügen des Jesus-Mythos geschichtlich vertraut gemacht wurde, hat die theoretische Möglichkeit eingeräumt bekommen, zu erkennen, wie auf der Schädelstatte "der Jude" ausgetrieben wurde. Nämlich der tribale Jude mitsamt seinem römisch-provinziellen Tempelherren. Wie viele jüdische Kriminelle und "Kriminelle", Aufrührer oder schlichte Tunichtgute mögen auf derselben Stätte mehr oder minder grausam hingerichtet worden sein, dem Rest der jüdischen Bevölkerung zur Lehre?
Der Skandal , den der Jesus-Mythos aus speziell dieser Hinrichtung machte, und dazu noch mit dem Laternenpfahl der kriminellen jüdischen Nebengekreuzigten winkte, bestand schlicht darin, daß Jesus "dem Geiste nach", dem neuen Stoff, der fortan Geltung haben sollte:
kein Jude mehr war (sein sollte)
sondern

EIN RÖMER .

(Mir ist bekannt, daß diese Diagnose erst für die griechisch-römische Neudeutung bis -erfindung des Jesusmythos gilt.)

Der Teufel, den der Ausschwitz-Mythos - womit ich nicht das GEschehen anspreche, sondern eine spezifische Deutung als "Singularität" - austreiben soll, ist die Identität von "Bürger" und "Mensch", so wie seinerzeit die Identität von "römischer Bürger" und "Mensch", und das geht nur mit einer paradoxen Aufstülpung des "Menschen" zum "Bürger" - zum "zivilisierten" Menschen nach adornischer Lesart, in der ein Josef Allensteyn-Puch SICH so ungemein gefällt ....(die Retourkutsche ad personam gönne ich mir mal)

Eines der banalsten Resultate:
Leuten wie TomGard, aber auch den Negern in Papua - Neuguinea, die J-ap mal zu diesem Behufe ins Feld führte, werden zu Barbaren deklariert, die, wenn schon nicht persönlich, dann aber mit Wurzeln und Erde kulturell aus der Geschichte zu tilgen seien - im Namen der "Vernunft".

Dankeschön.
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 13:44
Leuten wie TomGard, aber auch den Negern in Papua - Neuguinea, die J-ap mal zu diesem Behufe ins Feld führte, werden zu Barbaren deklariert, die, wenn schon nicht persönlich, dann aber mit Wurzeln und Erde kulturell aus der Geschichte zu tilgen seien - im Namen der "Vernunft"
So, und wo genau soll dieser J-ap das getan haben?
Tycho schrieb am 09.01.2011 um 14:05
Raus aus meinem Avatar, Josef. im Regenbogenpony hast du nichts zu suchen, chchchch.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 14:08
Ich nehme das zurück. Meine Deutung verstreuter Kommentare von Dir, sowohl zum Thema Kulturimperialismus wie zur geschichtlichen Aufgabe des Weltmarktes, nebst der Stilisierung TomGards zum "Barbaren" ist gewiß nicht zwingend, ist für die "Gemeinde" kein Thema und außerdem gibs hier halt keine Suchfunktion.

Also streichen bitte (von mir aus auch löschen)

nfu
Tom
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 14:12
Na ganz scheinbar habe ich im Verlaufe der vergangenen Tage verlernt, wie dieses Forum hier funktioniert. Entweder war ich schon immer so blöd und konnte mir bisher nur erfolgreich vormachen, es sei anders, oder aber die galoppierende Demenz hat mittlerweile auch hier soweit um sich gegriffen, daß so ein elaborierter Schmarren wie der, der da weiter oben steht, noch nicht einmal mehr auffällt.

Ich esse nun erstmal meinen Schweinsbraten und bin mir sicher, daß mich das auf die eine oder andere Weise zum Vernunftfascho macht. TomGard wird's schon noch erklären.
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 14:17
Nö, warum löschen? Ich wüßte es wirklich nur zu gerne, wo ich das getan haben sollte.

War es angelegentlich der Diskussion darum, daß es kein anderes als nur ein allenfalls mystisch greifbares »Recht« geben kann, das darauf lautet, den zuerst besetzten Boden für alle Ewigkeit bei sich behalten zu dürfen? War's das?

Dann erinnere Dich bitte mal daran, daß diese Figur nicht von mir ins Spiel gebracht wurde, um Menschen auszurotten oder Barbaren zu »finden«, sondern um zu erklären, von woher die Legitimation fürs Privateigentum an Grund und Boden stammt (Kurzform: ich habe hier als erstes meinen Zaun gezogen, also ist das meine Wiese!) und wie das mit dem Nationalstaat zusammenhängt (»wir« waren »zuerst« da und also haben alle anderen draußen zu bleiben).
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 14:25
Mannomann,

wer hat hier im Forum was von der Austreibung des "Juden" aus dem "Deutschen" erzählt?

Diese "Singularität" findet nun seit mehr als zweieinhalb Tausend Jahren statt, halt seit es Nationen (wiewohl in durchaus unterschiedlichen Formen) gibt.

Das ist doch nun wirklich trivial!
Rahab schrieb am 09.01.2011 um 14:35
einerseits trivial
andererseits etwas zu kurz gesprungen
wenn die kritik nicht ausspricht, dass die zweiten auch nicht besser sind als die ersten

was zwar auch wieder trivial ist
aber manche doch heftig erzürnt
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 15:33
wer hat hier im Forum was von der Austreibung des "Juden" aus dem "Deutschen" erzählt?
Keine Ahnung, ich jedenfalls nicht, und außerhalb des Forums auch nur der Führer, Rosenberg und Theodor Fritsch im »Antisemiten-Katechismus«.

Und was das andere betrifft, nämlich den Kampf des Bürgers an sich zum Zwecke der Herstellung von notwendiger Identität, so hast Du davon, scheint's, rein gar nichts kapiert, lieber Thomas, andernfalls Du mir nicht ständig damit kommen würdest, wohl wissend, daß ich das schon gefühlte fünfhundertmal in verschiedenen Varianten des langen und breiten ausgeführt habe.

Das alles ist ganz und gar nicht trivial, sondern je nach Bedarf: Gedanken-Syphillis oder Dummheit, um es mal deutlich zu sagen. Langsam reicht's mir nämlich mit diesen Unterstellungen an meine Adresse — solange Du also nicht bereit bist, davon abzurücken, werde ich von jeder weiteren Unterhaltung mit Dir dazu künftig absehen.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 18:36
@j-ap

Keine Ahnung, ich jedenfalls nicht, und außerhalb des Forums auch nur der Führer, Rosenberg und Theodor Fritsch...

... werde ich von jeder weiteren Unterhaltung mit Dir dazu künftig absehen.


Lieber Josef,

unstreitig ist ja, dass Godwins Law in der Sache zutrifft und dass man bei diesem Thema vermintes Gelände betritt, wo regelmäßig Diskussionen, manchmal sogar Freundschaften plötzlich zuende sind (es sei denn, die andere Seite hat die Größe, jetzt noch einzulenken).

Unter dieser Voraussetzung kann ich zugeben, dass ich die Singularität des Ereignisses Ausschwitz nicht seiner Singulären Wirkung in der Diskussionskultur (im Internet oder in der Politik) hätte begründen müssen und die Singularität darin auch nicht begründen wollte oder begründet sehe.

Auschwitz jedenfalls ist nicht deshalb gefährliches Fahrwasser, weil rein insutrumentell bei seiner Erwähnung zu Vergleichszwecken gerne mal, ex Godwinson, ansonsten gemütlich-heitere »Diskurse« auf Abwege geraten

Ganz ganau (selbst wenn das stimmt): Umgekehrt wird ein Schuh draus. Auschwitz ist singulär, weil es mit jeden Fortschrittsmythos so klar widerlegt, dass unser gewöhnlicher Trost versagt. Und weil in Anbetracht von Ausschwitz nur noch jeder jedem misstrauen kann, dass schon bei der Nennung des Namens Urängste aufsteigen von denen wir durch Auschwitz nicht mehr wissen, ob und wie wir sie wegdiskutieren können - kriegt diese unerfüllbare Voraussetzung aufgebürdet, wenn sie trotzdem weitergehen und nicht in gegenseitiger Verdammung enden sollen.

Godwins Law ist nicht der Grund für die Singularität von Auschwitz, nur ihre fatale Folgewirkung, aus der sie sich aber m.E. rückwärts beweisen lässt, ohne sie damit erklärt zu haben.

Sorum wird m.E. ein Schuh draus. Oder nicht?

LG Christian
nil schrieb am 09.01.2011 um 18:49
@CB

Aber Ausschwitz ist doch das Resultat von kollektiv organisiertem Massenmord!
Ich wüste nicht was das mit irgend welchen Singularitäten zu tun hätte?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2011 um 18:59
Josef,
ich stelle fest, ich habe Dich ernsthaft erbost und weder weiß ich, womit, noch lag das in meiner Absicht.

Was, denkst Du, unterstelle ich Dir?

Ich hab an nichts anderes erinnern wollen, als an Deine Zitate.

Ich vermute, der Knackpunkt ist in diesem Satz enthalten:

"Und was das andere betrifft, nämlich den Kampf des Bürgers an sich zum Zwecke der Herstellung von notwendiger Identität, so hast Du davon, scheint's, rein gar nichts kapiert ..."

Das könnte stimmen, aus Deiner Sicht. Denn ich krieg die Syphilis einer Identität ("sich"), an der rumgefummelt wird, um sie überhaupt erst herzustellen, nicht in mein Hirn, es sei denn, als Ausweis eines Mystizismus, der exakt die Quelle hätte, die ich oben nannte:
Nicht hinnehmen wollen, daß es neben der Bürgerlichkeit in staatlich verfassten Gesellschaften kein iwie anthropologisches "Menschsein" gibt, oder, anders herum gesagt, daß die Subjektivität des Bürgers abstrakt ist, eine verfasste allgemeine Menschlichkeit jenseits der Leiber und Seelen, genannt "abstrakt freier Wille", diesen von aller Gegenständlichkeit getrennten Willen, der zum Material der Herrschaft genommen ist, welche ihm den Zugang zu seinen Gegenständen erst wieder erlaubt. Theoretisch, wie praktisch.
Das hermetische Paradox besteht darin, daß das praktische Organ des Willens, das "Gefühl", der Aufspaltung des Subjektes gewahr und notgedrungen mit dieser Spaltung berechnend verfahrend, ausgerechnet die abstrakte Subjektivität für die "wahre" und "eigentliche" nimmt. Aus Gründen, die ich auch achon hundertmal zu erklären versuchte. (Rechtsbewußtsein)

Vielleicht kannst Du meinen PA-Artikel ja mal kritisieren, ohne die Kritik unter Invektiven, die ich Dir allemal nicht übelnehme (ich hab Dich ja auch kräftig "hergenommen"), unkenntlich zu machen.

Stets Dein
Tom
Uwe Theel schrieb am 09.01.2011 um 20:05
@ ChristianBerlin am 09.01.2011 um 18:36

Hallo lieber Christian,

bin ich naiv, wenn ich mir wünschte, die Diskussion etwas einfacher zu führen und vor allen Dingen Godwins Law zu ignorieren.

Es kann doch nicht darum gehen, ob Gott an Auschwitz schuld sei - so unterstellen die Tabublogleute, würde hier diskutiert - noch darum ob die Diskussion der Frage "War Gott in Auschwitz?" durch Verweis auf den Faschismus - wie sollte der hier fehlen können - beendet oder irgendwie beantwortet wäre.

Das plumpe Argument, Gott zu leugnen und deswegen keine Diskussion führen zu brauchen, halte ich nur für ignorant, auch dem eigenen agnostischen oder atheistischen Ansatz bei o. rioges selbst gegenüber.

Die gottkritische Fassung der Frage scheint ja so gemeint zu sein, dass Gott als Allmächtiger Auschwitz hätte nicht zulassen dürfen. Wenn er es dann doch tat, wäre er nicht allmächtig, ergo ist er kein Gott, ergo gibt es keinen Gott.

Ich halte das für ein T-Argument.

Seit Gott den Menschen - so die Vorstellung - aus dem Paradies gewiesen hat und seit Jesus uns doch seiner Liebe versichert hat, hat Gott uns gesagt, dass er den einzelnen Menschen nicht daran hindern wird von Gott abzufallen oder sonst "ungesetzliches" zu tun. Seine Allmacht, genauer Allwissenheit offenbart sich mir eher darin, dass er die Macht hat Auschwitz zuzulassen, wenn die Menschen es zulassen. Er kennt seine Schöpfung.

Sodom und Gomorrah hat schon einmal keine Lösung gebracht.

Das wirkliche Problem liegt in der Unfähigkeit zur "guten" Tat, derer sich der Mensch befleißigen kann und - der rationalen Analyse ziemlich zugänglich - es auch tut.

Kein Gottesproblem, ein Menschenproblem im Diesseits.
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 21:43
Tom,

ich habe es vor einiger Zeit schon einmal als Verdacht formuliert und muß bislang feststellen, daß sich der nach allem, was man so letzthin von Dir las, noch erhärtet hat, daß Du nämlich rücklings eben genau dieser Spaltung aufsitzt, die doch eigentlich auch an Deinen Zollstöcken gemessen zu kritisieren und nicht zu affirmieren wäre.

Damit es da erst kein Vertun gibt: Selbstredend bist du weder so blöd noch so naseweis, diesen Ritt auf der Rasierklinge in aller Offensichtlichkeit zu vollführen. Du buchstabierst ihn stattdessen ganz anders aus, nämlich als die unnachahmliche epistemische Ambivalenz, die ihren Gegenstand spaltet, um anschließend in der Oszillation zwischen den dann daliegende Spaltprodukten den inneren Konflikt, den sie nicht lösen kann, als (vorgetäuschte) Bewegung zu inszenieren und auszuagieren und eben darin die andere Form ihrer Einheit zu finden, die sie am Gegenstand notwendigerweise leugnen muß, weil sie ihn zuvor als »feudalen« Zu- und Übergriff perhorreszierte.

Wie anders wäre es sonst zu erklären, daß Du (via PA) gegen Nietzsche dieselbe Flankenattacke reitest wie (hier) gegen Adorno? Beiden läßt Du den Vorwurf angedeihen, sie würden nur intellektualistisches Herrenreitergeschwätz produzieren, das darauf zielte, den Ausschluß aus der Menschheit in lediglich andere Floskeln zu gießen. Wie anders ist's denn zu deuten, wenn Du hier wie dort von »Heuchelei« sprichst — das stammt nicht nur schon begrifflich aus dem MG-Nibelungenhort, sondern soll wohl auch bedeuten, daß Du zum Anlaß des Aufalls ein Fehlen von unvermittelter »Authentizität« nimmst. Wie soll man's begreifen, daß Du hier zwar einen Text über die Gesellschaft der Wichser einstellst, Dir aber jeden Kommentar dazu verbittest und, falls doch einer fällt, gleich per-sonierendes Niedermachen wittest? Wenn Du nicht willst, daß man einen Text kommentiert, dann behalte ihn gefälligst in aller Verschwiegenheit bei Dir oder beschwere Dich andernfalls nicht, wenn ihn jemand als Nasenring benennt, an welchem jemand durch die Manege geschleift werden soll.

Darüber, daß der Bürger zur Herstellung seiner in der Tat widersinnigen rechtsförmigen Identität von seiner rein empirischen Sinnlichkeit abzusehen hat, um sich als l'homme, als Mensch-an-sich, in totaler Äquivalenz vermittels seines Verhältnisses zur (Staats-) Gewalt zu vergleichen, darüber habe ich doch schon anderthalb Klafter vollgeschrieben.

Ja wie, bei Semiramis' hängenden Gärten, soll ich den Gaul denn bitte noch aufzäumen, damit Du mir derlei nicht als ein eigenes verheucheltes, sinistres Gewaltinteresse zurechnest?

Es gibt ein italienisches Soldatenlied aus WK I, La Leggenda del Piave, in dem es heißt: »Il Piave comandò: indietro va' o straniero!« — geh zurück, Fremder, wo Du hergekommen bist, Du hast hier auf unserem heiligen Boden nichts verloren. Und bezeichnenderweise befiehlt derlei nicht etwa ein hochherrschaftliches Römerlein, sondern il Piave, der Fluß, persönlich. Damit ist die mythische Beziehung des Bürgers zu seiner aus dem Boden sprudelnden Identität doch in aller Klarheit auf den Punkt gebracht, oder nicht?

Was Du zur angeblich betriebenen »Sakralisierung« von Auschwitz geschrieben hast, Thomas, das kann man so und noch etwas länger beim KPI-Mitgründer Amadeo Bordiga lesen. Der hat nämlich vor Dekaden (lange vor Finkelstein) ein Pamphlet verfaßt mit dem schon alle nötige Auskunft gebenden Titel »Auschwitz oder das große Alibi der Bourgeoisie«, einen der frühen Grundlagentexte der Holocaustleugnung von Links, der in Duktus und Konsequenz gut zum hier angesprochenen Artikelthema passen würde. Wahrscheinlich wirst Du das jetzt wieder als Femegerichtsfrage abtun.

Den angesprochenen PA-Text (nicht nur die Gliederung) habe ich irgendwann im letzten Jahr mal heruntergeladen, denn soweit ich mich richtig erinnere, stand der da nämlich mal als .doc zum Download. Ich finde den gerade nicht, entsinne mich aber dunkel, ihn wenigstens mal überflogen zu haben.

In Bezug auf die Invektiven nehmen wir uns nicht viel und haben einander dementsprechend auch gar nichts vorzuhalten.

Gruß
Josef
j-ap schrieb am 09.01.2011 um 22:11
(ChristianBerlin schrieb am 09.01.2011 um 18:36)

Lieber Christian,

Sie müssen weder etwas »zugeben« noch »müssen« Sie irgendetwas so und nicht anders begründen. Ich wollte und will weder mit dem Abrogans durch die Reihen und die richtigen Gesinnungen einbläuen noch passende Werkzeugkästen verteilen, mit denen sich die Historie »richtig« deuten ließe.

Mir erschien es nur spontan reichlich schief: Auschwitz da, Diskussionskultur hier. — Das paßt nicht.

Sie hatten das aber schon weiter oben klargestellt, hier nochmal, daher: jawohl, so wird ein Schuh draus.

Viele Grüße
J. A.-P.
Titta schrieb am 10.01.2011 um 01:30
@TG

"und außerdem gibs hier halt keine Suchfunktion."

Sofern Windows vorhanden, geht es ganz einfach mittels strg+F.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 16:24
Titta,

ich hab mich hier insofern schlecht benommen, als die Spitze meiner Kritik mehr gegen die Aufnahme gerichtet war, den Dein Blog gefunden hat, als gegen ihn selbst.

Also noch ein Wort zu Deinem Text.

Wenn Du die Bebilderung Deines Anliegens mit dem Auschwitz-Thema einfach mal aus dem Argument 'rausstreichst, dann bleibt übrig:
"Wer sich gegen das 'Gegebene' in der Form auflehnt, wie es von zahlreichen Christen als gottgegebenes und -gewolltes Schicksal aufgefasst, oder, wenn nicht so aufgefasst ('das Böse!), so doch hingenommen wird, der spiegelt in seiner stellvertretenden Auflehnung gegen Gott seinen eigenen Machtwillen. Oder etwa nicht?!"

So wird die christliche Schafsnatur zum Maßstab für das stilisiert, was ein Nicht-Christ wollen (oder auch nur wünschen) darf, oder nicht darf, nämlich bemessen an der Sünde menschlicher Hybris gegen Gott!
Folglich ist der Maßstab, den Du in letzter Instanz aufgemacht hast, die Allmacht Gottes über alle Kreatur, von der bekanntlich die Tiere und die Kindlein nichts wissen können, weshalb sie des Paradieses teilhaftig sind, während die Ungläubigen und Heiden der Verdammnis anheim fallen, weil sie entweder mythisch und kulturell (per Erbsünde, per Hybris - Babel! - ) oder in ihrer persönlichen Ablehnugn der Heilsbotschaft von Gott, ihrem eingeborenen Herren abgefallen sind.

Im Resultat erhebst Du auf alles, was geschieht, das christliche Urteilsmonopol, ich zitiere:

"In dem Sinne aber, daß Gott mit den Menschen verbunden ist, ihr Leben mitgeht und teilt, kann man sagen, daß Jesus Christus immer wieder gekreuzigt wird, nämlich überall dort, wo Menschen Unrecht erleiden."

So verleihst Du allem Leiden (und, durch Deine Bebilderung, besonders dem Leid der Verfolgten und Ermordeten des Nazi-Regimes, besonders dem viehischen Leid in den Vernichtungslagern) einen christlichen Sinn , und wer diesen "Sinn" nicht teilt, ist des Teufels, sprich: hängt den Mächten der Hybris, der Auflehnung gegen Gott, hängt Luzifer an.
Das ist keine Rechtfertigung des Nazi-Terrors, aber es ist verdammt nah dran, nämlich indirekt, vermittels der Denunziation des linken Antifaschismus und seiner Vorgänger, den Genossen der KPD und anderer Organisationen, die gegen den Faschismus kämpften und vielfach mit dem Leben bezahlten.
.
Klar?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 16:46
PS:
Übrigens ist das auch sehr nahe einer eminent praktischen, amerikanischen "Deutung" der Geschichte - bevor die unerwarteten Erfolge Japans "Pearl Harbour" beriefen.
Phineas Freek schrieb am 10.01.2011 um 16:53
(j-ap schrieb am 09.01.2011 um 21:43)

Hallo j-ap,

Kommt dieses ethische Gebot – sich über den Holocaust ausschließlich unter voraussetzender Anerkennung einer behaupteten „Singularität“ forschend und denkend (oft einhergehend mit seiner angeblichen „Unerklärlichkeit“) zu widmen - nicht einem praktischen Denkverbot gleich?
Kommt es mir nur so vor, dass für Sie die Nichteinhaltung dieses Gebots (welche Instanzen setzen so was eigentlich in die Welt?) dass Gleiche ist, wie die Leugnung des Holocausts?
Nur so könnte ich hier Ihre Behauptung und Hinrichtung von Bordiga als „Holocaustleugner“
interpretieren. Gerade auch weil die Überschrift des Beitrages nicht die geringste Auskunft diesbezüglich gibt, außer der (richtigen) Vermutung, dass sich hier jemand einem Gebot nicht zu unterwerfen gedenkt.

Gruß
Phineas
j-ap schrieb am 10.01.2011 um 17:14
Nur so könnte ich hier Ihre Behauptung und Hinrichtung von Bordiga als „Holocaustleugner“ interpretieren.
Moment mal, Phineas: Wo habe ich Bordiga als Holocaustleugner denunziert? Habe ich nicht, weil er's nicht ist.

Deshalb hatte ich auch geschrieben, diese Schrift von Bordiga sei ein früher Grundlagentext der Holocaustleugnung von Links. Nicht, weil er darin den Holocaust leugnen würde — tut er nicht, er legt es noch nicht einmal nahe —, sondern weil ganz andere dem Text im Anschluß diese Interpretation entnommen haben aus Gründen und zu Zwecken, die ich im hiesigen Rahmen nicht erörtern will.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 17:19
Josef,

Du hast oben einem Verdacht Ausdruck gegeben, nämlich daß ich "rücklings aufsitze", und zwar etwas, was nicht recht dingfest zu machen sei - dazu sei ich zu "klug" (Klartext: zu schlau!). Jedenfalls ist das, worin Du Deinen Verdacht mittelbar bestätigt sehen willst, für mich nicht zu entziffern. Wer's kann, bitte melden.
Ich zitiere:

" ...die unnachahmliche epistemische Ambivalenz, die ihren Gegenstand spaltet, um anschließend in der Oszillation zwischen den dann daliegende Spaltprodukten den inneren Konflikt, den sie nicht lösen kann, als (vorgetäuschte) Bewegung zu inszenieren und auszuagieren und eben darin die andere Form ihrer Einheit zu finden, die sie am Gegenstand notwendigerweise leugnen muß, weil sie ihn zuvor als »feudalen« Zu- und Übergriff perhorreszierte."

Aber es handelt sich zweifellos um einen Verstoß, eine Abweichung von der wie auch immer verstandenen kritischen Natur meines "Denkens" oder whatever:
" ...genau dieser Spaltung aufsitzt, die doch eigentlich auch an Deinen Zollstöcken gemessen zu kritisieren und nicht zu affirmieren wäre."
Etwas weiter unten wird das dann eminent praktisch:
Es ist ein Verdacht gegen meine "Gesinnung", der nicht davon lassen will, mich mit "Holocaust-Leugnern" auf den Topf und den "MG-Nibelungen" in den Hort zu setzen.
Wie sagst Du gern? Ein manichäisches Bild, das Du da um mich herum zeichnest - wenn auch unter Berufung auf Maßstäbe, die ich nach Deiner Ansicht doch zu teilen hätte.

Ich denke mal, wir können uns einigen, das gehört alles nicht an diesen Ort.

Doch eines will ich immerhin gesagt haben:

"...daß der Bürger zur Herstellung seiner in der Tat widersinnigen rechtsförmigen Identität von seiner rein empirischen Sinnlichkeit abzusehen hat, um sich als l'homme, als Mensch-an-sich, in totaler Äquivalenz vermittels seines Verhältnisses zur (Staats-) Gewalt zu vergleichen ..."

Das halte ich für daneben. Es scheint mir bloß das alte, sich anarchistisch gebärdende, tatsächlich bloß spontaneistisch kleinbürgerliche Manöver zu sein, in das bürgerliche Subjekt - und in sich in erster Instanz - eine Graswurzel-Identität, nämlich eine "eigentlich" "widerständige" Natur (Subjektivität) hinein zu erfinden, gegen die ES, dies Subjekt, sich unentwegt vergehe . Und wenn der Sponti es dann nach einer Pflichtzeit der Zerknirschung unterläßt, sich aus dieser "eigentlichen" Natur unter dem persönlichen Asphalt ein Gewissen zu machen - es vielmehr immer nur den Mitmenschen macht - dann hat er die Lizenz erwirkt, es sich nach Kräften wohl ergehen zu lassen, und sich darin noch ganz furchtbar revolutionär vorzukommen.
Das soll nicht Dich charakterisieren, Josef, aber doch das theoretische Element, das Du oben vorgestellt hast.

Nein, von der sinnlichen Natur wird durchaus nicht abgesehen, sie wird in Dienst genommen, und das ist eine fortwährende Leistung. Diese Leistung ist das bürgerliche "Sein" (ein Teil davon!), nicht ein "So-Sein". Es gibt nicht DEN bürgerlichen Charakter, es gibt deren viele, und sie spiegeln kein Sein, sondern eine Praxis , die allerdings zur Gewohnheit und als solche fixiert wird.

Es kann schon sein, daß, rein intellektuell gesehen, meine Fassung - es ist eine eigene - von "Konstruktivismus" das Verständigungsproblem zwischen uns darstellt - so weit es sich um Mißverständnisse etx handelt.
Aber, ja, das gehört nun wirklich woanders hin.
Das ist nicht Meins, Josef!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 17:26
Sorry, "das ist nicht Meins" ist Restmüll.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 17:51
J-ap:
"Deshalb hatte ich auch geschrieben, diese Schrift von Bordiga sei ein früher Grundlagentext der Holocaustleugnung von Links. Nicht, weil er darin den Holocaust leugnen würde — tut er nicht, er legt es noch nicht einmal nahe —, sondern weil ganz andere dem Text im Anschluß diese Interpretation entnommen haben aus Gründen und zu Zwecken, die ich im hiesigen Rahmen nicht erörtern will."

Schön, daß diese Klarstellung noch folgte. Josef als Orakel, als Sprachrohr des Demiurgen der Geschichte in Gestalt einer Gesinnungsgeschichte, welche die "Geheimgeschichte" der bürgerlichen Gesellschaft sei.

Nö, nö, nö, nö. Mit einem Herrgott lege ich mich nicht mehr an, das habe ich vor 42 Jahren abgeschlossen.
j-ap schrieb am 10.01.2011 um 17:56
Lieber Thomas,

was den letzten Absatz Deines Textes betrifft: Ja, das kann wohl nicht nur so sein, sondern ist wohl auch so. Deshalb habe ich desöfteren den Eindruck, bei Dir schlicht »keinen Anschluß unter dieser Nummer« zu haben.

Das war, wenn Du Dich erinnerst, schon anläßlich unserer ersten Begegnung der Fall und hat sich seither bedauerlicherweise gehalten, weshalb ich letztens schonmal spekulierte, daß man Dich gesprochen hören müßte und nicht geschrieben lesen sollte. — Das gehört nun aber in der Tat nicht hierher.

Zu dem, was Du »immerhin« gesagt haben wolltest: Das scheint mir kein Nebenschauplatz zu sein, sondern ein Grundlegendes, worin wir uns unterscheiden. Daß wir dabei nun wahrlich nicht die einzigen sind, denen das innerhalb der Linken so geht, kann nicht beruhigen, wie anders wäre die verschiedenen Richtung denn auch erklärlich.

Und da scheint es mir Dein Konstruktivismus-Eigenbau tatsächlich zu treffen: Wenn alle Welt nur und nicht mehr als Konstruktion ist, dann können zwar die Konstrukteure gelegentlich Entwürfe austauschen, aber schon begrifflich keine Wahrheit zwischen sich erreichen oder auch nur be-deuten, weil die Begriffe schon längst im Mahlstrom unendlicher Kontingenz entsorgt worden sind.

Wenn alles Konstruktion ist, dann ist zugleich aber alles eine immerwährende Einladung zur Dekonstruktion. — Daher auch mein Eindruck, daß sich die diversen Ausgaben der MG darstellen als sich bei der Vorfeldplanierung warmlaufende Theoriekanonen, denen zur Belohnung nach dermaleinst geglückter Revolution Sitz und Stimme im Gefrierfleischausschuß der Planungskommission verheißen sind. Das klingt nun böser, als es gemeint ist, aber diese Kulisse wird, so mein Eindruck, manches Mal geschoben.

Du hingegen scheinst mich wiederum nach wie vor für einen Jesuiten zu halten, also jemanden, der intellektuell vorturnt und dabei in die Hirne hämmert, daß »Freiheit« bedeute, es im Anschluß ans hochfliegende Privatissimum vermittels des Verstandes (nicht: der Vernunft!) genauso nachdenken zu können, wie's der Turnvater vorgedacht hatte.

Ich weiß nicht, ob dieser Widerspruch zwischen uns aufzulösen ist. Jedenfalls ist er es nicht hier in diesem Thread.

Also: nächste Runde?
Phineas Freek schrieb am 10.01.2011 um 19:08
(j-ap schrieb am 10.01.2011 um 17:14)

Hallo j-ap,

ohne Ihre, also auf meine Nachfrage erfolgte Ergänzung, dass „ganz andere“ diesen Text für ihre (Holocaustleugnenden) Zwecke INTERPRETIEREN, MUSSTE man aber Ihre Aussage so auslegen: der (von mir) geschätzte Bordiga würde mit seinem „Pamphlet“ den Holocaust leugnen.
Ist ja jetzt abgehakt.

Gruß
Phineas
j-ap schrieb am 10.01.2011 um 22:42
Hallo Phineas,

jawohl, Sie haben recht und ich habe es eben noch einmal nachgelesen: diese Ambiguität war meiner unpräzisen Formulierung geschuldet. Ohne nachgelagerten Dolmetsch kann man das so auffassen, wie Sie das getan haben. So war's nicht gemeint und die Präzisierung daher nötig.

Grüße zurück
J. A.-P.
Titta schrieb am 11.01.2011 um 00:42
@TomGard

"ich hab mich hier insofern schlecht benommen, als die Spitze meiner Kritik mehr gegen die Aufnahme gerichtet war, den Dein Blog gefunden hat, als gegen ihn selbst."

Sind wir hier im bürgerlichen Benimm-Kurs?
Kritikabel ist die spürbare Regression,die in der Kritik zum Tragen kam und gegen mich gerichtet war, für die ich aber nicht der Grund sein kann. Und kritikabel ist, daß damit die Kritik an sich konterkariert, ja unglaubwürdig wurde. Etwas kritisieren, was man gleichzeitig in Performanz betreibt, kann in sich nicht überzeugend sein.
Was die Abwertung meiner Positionen wie meiner Person über den sagt, der sie anstellt, muß ich ja wohl nicht extra referieren.

"Wenn Du die Bebilderung Deines Anliegens mit dem Auschwitz-Thema einfach mal aus dem Argument 'rausstreichst, dann bleibt übrig:
"Wer sich gegen das 'Gegebene' in der Form auflehnt, wie es von zahlreichen Christen als gottgegebenes und -gewolltes Schicksal aufgefasst, oder, wenn nicht so aufgefasst ('das Böse!), so doch hingenommen wird, der spiegelt in seiner stellvertretenden Auflehnung gegen Gott seinen eigenen Machtwillen. Oder etwa nicht?!"

Nein.
Zu dem Ergebnis kann man vermutlich nur kommen, wenn man Vorstellungen von >dem Christen< unterlegt sowie unterliegt. Es war so ungefähr das genaue Gegenteil der obigen Ausführungen.

"Im Resultat erhebst Du auf alles, was geschieht, das christliche Urteilsmonopol, ich zitiere:
"In dem Sinne aber, daß Gott mit den Menschen verbunden ist, ihr Leben mitgeht und teilt, kann man sagen, daß Jesus Christus immer wieder gekreuzigt wird, nämlich überall dort, wo Menschen Unrecht erleiden.""

Wieder so ungefähr das Gegenteil von dem, was ich "er-hebe". Was soll ich heben? Wahrheiten? Monopole?
Ich kann als Christin nur jeweils von meinen Annahmen sprechen, die ich in Bezug auf das Transpersonale habe. Alles andere wäre Anmaßung und Zumutung.
Die Formulierung >man< bezieht sich auf eine vorsichtige Übereinkunft dergestalt >wenn wir diese oder jene Annahme teilen, kann man dann gemeinsam annehmen, daß ...< Gerade den Maßstab der Allmacht Gottes habe ich infragegestellt.

"So verleihst Du allem Leiden (und, durch Deine Bebilderung, besonders dem Leid der Verfolgten und Ermordeten des Nazi-Regimes, besonders dem viehischen Leid in den Vernichtungslagern) einen christlichen Sinn , und wer diesen "Sinn" nicht teilt, ist des Teufels,"

Natürlich versuche ich, vielleicht wie die meisten, dem ganzen Geschehen einen Sinn abzuringen, weil Sinnlosigkeit auszuhalten mit zum Schwersten der menschlichen Existenz gehört, zumindest nach meiner Erfahrung. Und da ich Christin bin, tue ich das in einem christlichen-religiösen Bezugsrahmen. Aber warum und wieso soll ich darauf kommen bzw. der Meinung sein, daß jeder, der das in einem anderen Bezugsrahmen tut, des Teufels sei?
Sinnsuche und Rechtfertigung von Verbrechen stehen sich mE diametral entgegen, was aber nicht bedeutet, daß ein Verbrechen, in welcher Weise es mich auch jeweils be-treffen mag, nicht in einen persönlichen Sinnhorizont eingebaut und integriert werden kann, aber im Sinne von Bewältigung, nicht von Rechtfertigung.

"Klar?"

Ziemliche Herrschaftsattitüde am Schluß. Ich hoffe, diese war selbstironisch gemeint.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 13:06
Titta,

in Deiner Antwort kommt sehr schön deutlich ein Trick zur Geltung, den jeder "moderne" Christ 'drauf hat, und heute die einfachste Erscheinungsform der (unterwürfigen) Anmaßung des Christen darstellt.
Ich spreche von der Floskel - die nicht bloß eine Floskel ist -
"Ich als Christ"
Mit der Floskel teilt sich der Redner gegenüber dem Adressaten auf, mit der impliziten Wirkung, die den Zweck der Operation darstellt, auch seinen Adressaten aufzuteilen .
Das ist offensichtlich, nicht? Der Adressat wird im Konfliktfall komplementär in ein "Ich" und einen "Nicht-Christen" aufgeteilt, d'accord?

Der "Trick" besteht nun darin, daß der Redner je nach Redeabsicht die Attribute "autonomes, partikulares 'Subjekt'" und "soziales Wesen, aka 'Mitmensch'" nach Belieben jeweils dem einen oder anderen Bestandteil zuweist. Einmal will der "Christ" "als" autonomes, partikulares Subjekt - ab hier "Individuum" genannt - das nächste Mal "als" Mitmensch reden, dann wieder anders herum "das Ich" jeweils entweder als Individuum oder als Mitmensch.

Im Resultat wird dem Adressaten die Mitmenschlichkeit nach den christlichen Maßstäben des Redners abwechselnd ab- und zuerkannt, dasselbe geschieht mit der "Individualität" im Sinne eines "Subjekt seines Willens sein".
Letzteres ist in Deiner Rede ein klein wenig versteckt, aber doch schlagend, ich zitiere:

"Natürlich versuche ich, vielleicht wie die meisten, dem ganzen Geschehen einen Sinn abzuringen, weil Sinnlosigkeit auszuhalten mit zum Schwersten der menschlichen Existenz gehört, zumindest nach meiner Erfahrung. Und da ich Christin bin, tue ich das in einem christlichen-religiösen Bezugsrahmen. Aber warum und wieso soll ich darauf kommen bzw. der Meinung sein, daß jeder, der das in einem anderen Bezugsrahmen tut, des Teufels sei?"

Ich hatte Dich nicht umsonst an Lucifer, den gefallenen Engel, erinnert, der ist der "wahre" (im Luhmann'schen Sinne) Teufel, während der "Teufel" seine klerikal weltliche, bürgerlich herrschaftliche (Das Böse) Vereinnahmung darstellt.
In Deinem Konstrukt kommt das darin zur Geltung, daß Du im Handstreich alles, was Dir ein Subjekt gegen Dein Christentum einwendet, unter "einem anderen Bezugsrahmen" in Deine christliche Sinnsuche eingemeindest. Obwohl Du, bürgerlich brav, im Auftakt noch mit der Floskel "vielleicht wie die meisten" noch mit dem demokratisch vorgeschriebenen Kotau den Geltungsbereich der Usurpation auf die Hoheit der (mehrheitlich) anerkannten "Kultur" beschränkt hast.

Geistig gehöre ich übrigens nicht (mehr) zu dieser Kultur*, Titta, stell Dir das mal vor!

* Freilich gibt es noch Nabelschnüre, andernfalls wäre ich entleibt ;-)

Übrigens ist das Verfahren eine ziemlich direkte Umsetzungsform des philosophisch - theologischen Grundübels (oder "-verfahrens", um die Hoheit meines subjektiven Urteils für Dich Christin nicht ohne Not überzustrapazieren):

Die Entfernung der Subjekte aus der "Welt"!
Einschließlich des entfernenden Subjektes, das seine Subjektivität an "Gott" abgibt und sich dafür die "Freiheit" erwirkt, als Sachwalter seiner herrschaftliche gewährten INTER - ESSEN zu agieren.

Der Rest Deines Dementis ist, mit Verlaub, leeres Gerede.
j-ap schrieb am 11.01.2011 um 13:19
Thomas,

könnte es sein, daß Du damit dasselbe meinst wie mit der (in der Form nur im Deutschen möglichen) Floskel »Als Beamter sage ich Ihnen ..., aber als Privatmensch bin ich der Meinung ...«?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 13:19
PS: "Leeres Gerede" - sorry, stimmt nicht. Da ist noch übrig:

"Gerade den Maßstab der Allmacht Gottes habe ich infragegestellt."

Nein, hast Du nicht, sondern hier noch einmal bestätigt, denn "Sinnsuche" ist die lizensierte Form, in der das Schaf Gottes an "Seiner" Macht und Herrlichkeit nicht nur teilhaben (teilnehmen) darf, sondern SOLL!

Und Letzteres nicht bloß "notfalls", sondern systematisch mithilfe von Gesetz, Folter, Strafe, (Massen)Mord. Natürlich mir urst schlechtem Gewissen, aber von der Einheit des schlechten und guten Gewissens kannst Du unter meinem PA-Link lesen.

Hier natürlich nur mit einem "unschuldigen" Aufruf, die potentiellen Gefahren zu würdigen, die in linker Gottesleugnung doch "wohl" enthalten seien.

(So gerieren sich Schafe im Wolfspelz übrigens notorisch als Wölfe im Schafspelz, nur mal so nebenbei gekollert.)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 13:38
Jap schrieb:
"Thomas,
könnte es sein, daß Du damit dasselbe meinst wie mit der (in der Form nur im Deutschen möglichen) Floskel »Als Beamter sage ich Ihnen ..., aber als Privatmensch bin ich der Meinung ...«?

Nein. Freilich gibt es eine Verbindung, aber ...

Der Beamte hat in der Staatssubjektivität dessen, an den er sich so wenden kann und darf die einfache Gewißheit , einen "Hilfsbeamten" vor sich zu haben, einen Polizeistandpunkt im unterworfenen Subjekt (ein Polizist ist ganz offiziell "Hilfsbeamter", ihn so zu titulieren ist keine Beamtenbeleidigung). Die Gewißheit der Herrschaft halt. Die hat ein Christ nicht, er glaubt sie nur, in diesem Sinne hat sein Anspruch je nach Bedarf eine aggressivere oder konziliantere Note als die des Beamten.

Doch die Differenz geht weiter, ich habe hier eine Umsetzungsform der epistemischen Korruptheit theologischen Denkens am Wickel gehabt, die ich vielleicht noch mal grundlegender expliziere.

Tom
j-ap schrieb am 11.01.2011 um 13:49
Also Hilfsbeamter ist ein Polizist nur, wenn er im Rahmen staatsanwaltlicher Ermittlungsmaßnahmen tätig wird, also Befugnisse lediglich derivativ wahrnimmt. Und eine Beamtenbeleidigung hat es als Tatbestand noch nie gegeben.

Ich wollte auf etwas anderes hinaus:

Es könnte nämlich sein, daß dieses »als Beamter ..., als Mensch«-Gerede einen lediglich spezifischen christlichen Hintergrund besitzt, nämlich einen protestantischen. Der Protestantismus kennt nämlich im Unterschied zum katholischen Universalismus nicht nur zweierlei Wahrheiten, sondern davon abgeleitet auch zweierlei Gnaden — da kommt ja die finstere protestantische Gnadenwahl überhaupt erst her.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 13:54
Okay, Josef, da muß ich passen, weil ich mich mit dem "katholischen Universalismus" nicht auskenne. Und hilf mir bitte mit ein paar Takten zur protestantischen Gnadenwahl aus, da klingelt bei mir Einiges, aber's ist so weit weg ...
j-ap schrieb am 11.01.2011 um 15:02
Das ist sogar relativ schnell erklärt:

»Gnadenwahl« heißt, daß Gott (und nur er allein!) längst vorweg darüber entschieden hat, ob Du kleiner Erdenwurm zu den Geretteten oder zu den Verdammten gehörst. Du kannst daran nicht ein Iota ändern, denn das Verdikt steht unabänderlich fest, völlig egal, was Du im Laufe Deines Lebens so tust und worauf Du im Geheimen sinnst. Diejenigen, die zu den Auserwählten gehören, verlieren diese Gnade nie, und die Verdammten können sie gleichsam nie und durch nichts gewinnen.

Man kann das bei Max Weber nachlesen, und was die soziologische Konsequenz anlangt, bei Horkheimer in »Vernunft und Selbsterhaltung«:
Der Protestantismus war die stärkste Macht zur Ausbreitung der kalten, rationalen Individualität. Vorher wurde im Bild des Kreuzes das Zeichen zugleich noch als Marterwerkzeug sinnlich unmittelbar angeschaut. Die protestantische Religiosität aber ist bilderfeindlich. Sie hat das Marterwerkzeug als unvertilgbaren Antrieb in die Seele des Menschen gesenkt, unter dem er nun die Werkzeuge der Aneigung von Arbeit und Lebensraum produziert. Die schlechte Verehrung der Dinge ist gebrochen und das Kreuz verinnerlicht, aber die Weltlichkeit, die dafür erstand, ist nun erst recht von den Dingen abhängig. Anstelle der Werke um der Seligkeit willen trat das Werk um des Werkes, der Profit um des Profits, die Herrschaft um der Herrschaft willen; die ganze Welt wurde zum bloßen Material. (...) Auch die protestantische Religion mag das Opium des Volkes gewesen sein, aber ein Opium, durch das es jenen vom Rationalismus verordneten Eingriff ertragen hat: die industrielle Revolution an Leib und Seele. (Horkheimer 1976, 53)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 16:45
Schön, daß Du den Horkheimer-Text reinkopiert hast.
Vielleicht siehst Du ja, daß, was ich oben an Titta schrieb:

"Übrigens ist das Verfahren eine ziemlich direkte Umsetzungsform des philosophisch - theologischen Grundübels (oder "-verfahrens", um die Hoheit meines subjektiven Urteils für Dich Christin nicht ohne Not überzustrapazieren):
Die Entfernung der Subjekte aus der "Welt"!
Einschließlich des entfernenden Subjektes, das seine Subjektivität an "Gott" abgibt und sich dafür die "Freiheit" erwirkt, als Sachwalter seiner herrschaftliche gewährten INTER - ESSEN zu agieren."

auf dieselben Sachverhalte zielt, die H. im Blick hat, nur ich benenne sie - wenn auch in der Kürze ganz abstrakt - als Sachverhalte:

INTER -ESSEN

während H. sie moralistisch umschreibt, darin umdeutet und auf diesem Wege schließlich ganz verläßt.

Die Moralismen (Auswahl):
"die ganze (?) Welt wurde zum(?!) bloßen (!) Material" (ja, wessen denn, sacraheini, Max?!)
"das Marterwerkzeug als unvertilgbaren Antrieb" (Quatsch!, zur Erklärung s.u.)
"Anstelle der Werke um der Seligkeit (gut!) willen trat das Werk um des Werkes (..blablawuffwuff = schlecht!), "Die schlechte Verehrung der Dinge ist gebrochen und ... die Weltlichkeit (?!) ... dafür (?? wofür, in Gottes Namen?!) ...nun (! die negative eschatologische Wendung) erst recht (!) von den Dingen abhängig." (Schlecht, ganz schlecht, wie überhaupt alles Ding pfui bäh)

Nebst der nicht umsonst vorangestellten Progammatik der Scheiße:
" ... die stärkste Macht zur Ausbreitung der kalten, rationalen Individualität."
Der Sachverhalt der bürgerlichen Verkehrsverhältnisse vermittels der Dinge ist moraltheologisch zur Beschuldigung nebst Disqualifikation und Exilierung der Subjekte aus Horkheimers (bis ins Mark christlichen) Vorstellungswelt, der Welt des Guten und Schönen (ver)klärt.
Im selben Atemzug sind dieselben Subjekte von dem entlastet, was sie in dem verklärten Zusammenhang tun , weil es ihrer Hoheit nun theoretisch entzogen ist ("Weltlichkeit").
Was sie tun, und was ich mit dem Verweis INTER-ESSE berief, heißt auf gut MG-Deutsch:
Mitmachen!
Sie machen mit, im wohlverstandenen "Sinn" ihres gewahrten Interesses, und zwar in Auschwitz wie in Ausch-Witz, z.b. beim Edeka und Lidl um die Ecke.

Kommt Dir die "Dialektik" von Beschuldigung und Entlastung mittels Entmündigung bekannt vor?!

Na, also!

Und noch etwas weiterführend mein Schlußpunkt zum Thema (notwendig) falsches Bewußtsein aus Mablis Blog:
" ... der Grund, warum fast niemand dies "Falsche", das er einerseits unentwegt diagnostiziert und beklagt wahr haben will, sondern es entweder als Verstoß gg irgendwelche höheren (moralischen) Wahrheiten behandelt, um es am End des Tages in einem ebenso misanthropischen wie feierlichen Menschen- bzw. Naturbild weg zu leugnen, der ist auch nicht so schwer zu sehen. Es ist die Parteinahme für staatliche Gewaltherrschaft, welche die ver-rückte Form einer Parteinahme für "sich", für das bürgerliche Rechtssubjekt anzunehmen gezwungen wird, deren erzwungene Praxis in Theorie übersetzt wird. Diese Übersetzungen, Ideo-Logien, sind das Produkt falschen Bewußtseins, nicht es selbst. Es selbst (i.e. das falsche Bewußt-Sein) ist schlicht das Dasein jeden Bürgers "als" Privateigentümer und Rechts- (Staats-)subjekt, seine gewalttätige Verfassung in dieser Subjektivität, vulgo: Untertänigkeit."

(Übrigens führe ich hier "Konstruktivismus" vor, wie ich ihn verstehe. Marx, da, wo er seine philosophischen Wurzeln kappt, tat ganz dasselbe, seine Argumentation ist in allen philosophiefernen Strängen die eines theoretischen Physikers. Der Zusammenhang mit Hegel ist da auch schon greifbar ... naja.)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 16:58
Korrektur:
"MG-Deutsch" hat heute "Rotz / MG -Deutsch" zu heißen, nicht daß mir noch der Staatsanwalt die Schlapphüte wieder auf den Hals hetzt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 17:24
Noch ein Wink zu meinem "Konstruktivismus" angeschlossen.

Einer, wenn nicht der Lehrsatz (wenn ich's auf sowas bringe) lautet:
Ein Mensch "ist" was er "tut", sowohl aktual, wie geschichtlich, aka biographisch, nämlich in dem Maße, wie er vergangenes Tun im aktuellen neu beruft und formiert. (Tätigkeit ist auch stets theoretisch).

Eine andere "Identität" - das Wort trifft es natürlich nicht - hat kein Mensch, auch nicht der gewaltsam verfaßte Mensch. Ein Staats- und Rechtswesen hingegen hat nichts weiter, als "Identität" , in Gestalt seiner Machtfülle, Souveränität und - praktisch gesprochen - Handlungsfreiheit.

(Eine Identität - ich sagte es schon in einem Blog zur (Irr)rationalität des Krieges - der er - gleich dem bürgerlichen Selbstmörder, der nicht den kriegerlichen Freitod stirbt - im Zweifel buchstäblich alles opfert, was in der Reichweite seiner Macht liegt, einschließlich seiner Identität selbst.)

Der Privateigentümer hat nun die Eigenart, daß er fast nix anderes tut, als an den Taten seiner Ahnen weiter zu werkeln mittelbar oder unmittelbar. Also das zu tun, was jeder Barbar ängstlich zu vermeiden sucht, indem er die Ahnen in den Staub verweist, falls nötig ihnen ein Geisterreich zuweist, aus dem sie "sprechen", aber nicht bestimmen können, und aus dem sie widrigenfalls auch wieder zu bannen sind. Sich von den Alten 'dreinreden lassen zu müssen, ist ein Horror für den Barbaren! Er ehrt sie dafür, daß sie's nicht tun.
j-ap schrieb am 11.01.2011 um 17:33
Diese Vorführung Deines Konstruktivismus ist insofern erhellend, als ich nun unter anderem verstehe, weshalb Du Dich zu rechter Zeit so leichtfüßig aus jeder weiteren »Ordonnanz« entläßt:

Der theoretische (!) Physiker hat nämlich immerhin einen äußeren Gegen-Stand (deshalb heißt der ja Physiker und nicht Metaphysiker!), an dem er sich beim freihändigen Entwerfen gelegentlich stoßen kann, nämlich dann, wenn er sich mit einem anderen theoretischen Physiker unterhält, der ihm dann exakt den Stein auf die Füße wirft, der im hochmögenden Entwurf von eben so gar keine Rolle spielte.

Auf unser Beispiel hier angewandt:
Ja freilich sehe ich den Zusammenhang mit Deinen Ausführungen, Thomas, wie hätte ich auch sonst darauf kommen können, die dazugehörige Frage an Dich zu richten, die nach wie vor unbeantwortet ist, auch nachdem Du nun nachgewiesen hast, daß der Zusammenhang, den ich, wie gesagt, vermutete, tatsächlich besteht? (Immerhin wissen wir das ja jetzt!)

Horkheimer Schrift stammt von 1942. Sie wurde dann später in wesentlichen Teilen zusammen mit Adornos Bearbeitung in die »Dialektik« übernommen. Und da steht's eben nicht deshalb, weil, wie Du nebenher vermutest, Horkheimer (und/oder Adorno) einen »bis ins Mark« reichenden Christenfimmel gehabt hätten, sondern weil sich beide als Kritiker selbstredend mit dem zu befassen haben, was die Gesellschaft durchformt — dazu gehört nun einmal das Christentum, wer wollte es bestreiten?

Nur rechnest Du es den beiden (und nicht nur ihnen) als persönlich interessiertes klandestines Aufherrschenwollen via Hintertreppe an.

Warum, Thomas?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 18:03
@ TomGrad

Ich fand Tittas Erwiderung auf Deinen Vorwurf der Machtanmaßung, in dem Argument, überall dort wo ein Mensch leidet, wird Christus gekreuzigt sehr berechtigt.
Diese Deutung muss man um sie zu verstehen natürlich in Kontext der Inhalte dessen setzen, was ein Christ glaubt.

Nur nebenbei bemerkt: Damit befindet man sich in einem Bereich der selbst erfahrungswissenschaftlich nicht zugänglich ist. Nur als Aussage eines Gläubigen kann man den Satz erfahrungswissenschaftlich thematisieren.

Was meint der Satz nun? Er ist eine erstmal eine allgemeine Deutung von Leid und Unrecht, als etwas, in dem Gott jeden Moment mit leidet. Jedes Leid, das ein Mensch erfährt, ist genauso ein Leid für Gott selbst. Als mögliche Folgerung daraus ergibt sich, überall, wo man gegen Unrecht und Leid sich zu wehr setzt, tut man dies für Gott.
Diese Deutung ist eine, die inhaltlich nur für einen Gläubigen Gültigkeit besitzen kann. Dass auch Nicht-Gläubiger etwas gegen Unrecht und Leid tun kann, ist denke ich trivial. Und dass er damit aus Sicht eines Gläubigen genauso Gottes Willen tun kann ist eine einfache Folgerung.

Aufgrund dieser Perspektive erscheint mir dein Taschenspielertrick mit der Doppelidentität, welche dem Kommunkikationspartner hier aufgeherrscht würde sehr konstruiert , zumindest zweifelhaft.
Wobei ich Deinen Konstruktivismus ehrlich gesagt noch nicht wirklich verstanden habe.
Dass allein durch die Entgegensetzung in Christ und Nicht-Christ eine Absprechung des Mensch-Seins stattfinden soll erscheint mir dennoch unplausibel. Wenn man de
man anderen nicht in einer Rolle oder Charaktermaske begegnet, kann eine menschliche Begegnung stattfinden, ansonsten bleibt es eine auf einen bestimmten Zweck ausgerichtete rollenförmige Beziehung. Dass dieses rollenförmige mitunter auch in der Diskussion zwischen Atheisten und Christen vorkommen kann ist doch trivial. Es kommt aber insbesonder vor, wenn man die Religion als ein Herrschaftsgeschäft versteht und das Reden darüber ebenso.

Dass man mit einer religiösen Begrifflichkeit nun gegenüber der Geschichte auch zu einer Deutung kommen, welche eine Bedeutung zumisst, was – wie Titta richtig sagt – erstmal keine Rechtfertigung darstellt ist ebenso trivial.
Ähnlich kommt ein Sozialwissenschaftler, ein Psychoanalytiker, ein Philosoph oder ein Marxist zu einer Deutung und Erklärung von Geschichte und historischen Ereignissen.

Hätte jemand jetzt die These vertreten: Auschwitz wäre die Folge davon, dass das jüdische Volk ungehorsam gewesen sei und damit eine Strafe Gottes. Das wäre eine religiöse Deutung, die auch eine Rechtfertigung der Gräueltaten des Nationalsozialismus wäre, und daher zu verurteilen ist.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 18:12
@ j-ap

Kleine Anmerkung:
Die doppelte Prädistenatinslehre, die Du oben erwähnts ist etwas spezielles, das es so meines Wissens nur im Calvinismus gibt. Max Weber hat darauf seine Argumenation in Die protestantische Ethik oder Der Geist des Kapitalismus aufgebaut.
Ebenso ist da Bilderverbot sicher graduell im Vergleich zur katholischen Kirche spürbar, doch nicht überall in den protestantischen Kirchen gleichermaßen umgesetzt. Der Protesantismus zeichnet sich ja gegenüber der katholischen Kirche durch die vielen kleinen uneinheitlichen Splittergruppen aus. ;-)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 18:33
"Nur rechnest Du es den beiden (und nicht nur ihnen) als persönlich interessiertes klandestines Aufherrschenwollen via Hintertreppe an."

Wie kommst Du denn darauf?

Ich sprach von einer ""Dialektik" von Beschuldigung und Entlastung mittels Entmündigung", aber diese Entmündigung geschieht theoretisch , in den angewandten Kriterien und Maßstäben. Das ist zwar die gewöhnliche Weise, wie der "Geist" mit der "Macht" geht, aber das geschieht ganz offen, weil's nämlich von den Adressaten fast immer geteilt wird.

Und wie Du aus meinen Worten deduzierst, daß ich H. die Befassung mit dem Christentum ankreidete, statt seiner dabei angewandten, wie ich darzulegen versuchte, eben genuin christlichen Maßstäbe - bloß a weng abstrakter und methodischer - ist mir schleierhaft.

H.liefert keine Kritik des Christentums ab, sondern blamiert es an mehr oder minder erfundenen Folgen, die es in seiner protestantischen Formulierung habe.

Was ist Kritik?
Aufhebung der Erscheinung! Aufhebung im Hegelschen Sinne, sodaß das Erscheinende kein jenseitiges "Wesen" mehr hat, sondern Ausgangs- und Endpunkt ihres Begriffes.

Und:
Der theoretische Physiker hat keinen "äußeren" Gegenstand, wenn er sich einen zu seinen Konstrukten denkt, ist er schon (Freizeit)Theologe.
Das ist hier freilich nicht darzustellen, aber immerhin an der Unanschaulichkeit der Konzepte und Konstrukte der theoretischen Physik zu plausibilisieren. Natürlich freut sich der theoretische Physiker, wenn es einem Experimentalphysiker gelingt, das Konstrukt mittelbar zur Anschauung zu bringen, indem er ein theoretisch gefordertes Verhalten eines Gegenstandes technisch realisiert, doch genau dieser experimentelle Gegenstand ist qua Voraussetzung nicht "äußerlich", er ist ein Produkt der Theorie.
"Subjektiv" und "objektiv" sind Reflexionsbestimmungen, beides subjektive Formbestimmungen, innerhalb eines theoretischen Prozesses, vermittels dessen Menschen ihr Dasein aneignen, das stets einen Zusammenhang zwischen leiblichen und außerleiblichen Bestandteilen eines Lebensprozesses darstellt, den es allerdings gibt, bevor er erkannt ist. Aber es handelt sich eben nicht um eine "äußerliches" Verhältnis.
Ganz dasselbe übrigens geschieht beim Sprechen:
"Zeichen" und "Bezeichnetes" sind subjektive Formbestimmungen, und kein Gedanke, ja nicht einmal die Wahrnehmung kommt ohne einen wenigstens zweifachen Stellenwechsel der Inhalte dieser Formbestimmung aus: Das Zeichen nimmt die Stelle des Bezeichneten, das Bezeichnete die Stelle des Zeichens an und wieder retour. Zwischendurch geschieht eine "Aufladung" mit der Differenz, welche dieser Form- und Stellenwechsel am Gegenstand setzt. Das ist die elementare "symbolische Funktion". In der Bewegung ist sie der Kreislauf der Begierde: Aneignung setzt Hingabe voraus, Hingabe Aneigung.
Nur so "geht" Wissen = subjektive Form eines objektiven Gegenstandes. Und wenn es nicht ginge, wenn man diese Elementarvoraussetzung allen Wissen-Wollens nicht gelten läßt, kann man alle Theoie lassen - bzw. hat es schon getan, dann firmiert Theorie unter interessierter Fummelei an einem stets jenseitig bleibenden, gleichgültigen Material.
Eben das ist dem theoretischen Physiker - Gott sei Dank möchte ich stoßseufzen - als Einzigem verwehrt. Er kann an nichts, als seinem eigenen Verstande rumfummeln ...

(Hegels "Phänomenologie" sowie Piaget in diversen Veröffentlichungen paraphrasierend - behaupte ich)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 18:58
mabli,

Du schreibst:
"Dass allein durch die Entgegensetzung in Christ und Nicht-Christ eine Absprechung des Mensch-Seins stattfinden soll erscheint mir dennoch unplausibel."

Das ist "gedeutet", nicht das, was ich gesagt habe. Du hast das "Individuum" aus dem Spiel genommen, und - das kann man schon fast als Bösartigkeit auffassen - die Tatsache, daß ich vom abwechselnden Zu- und Absprechen gered' hab, einer Methode, dem Adressaten cie christliche verstandene Menschlichkeit (oder auch "Identität") an seinem Willen vorbei unterzujubeln, an der er sich dann allerdings "bewähren" soll.

Mit ist übrigens nicht bekannt, daß der Vorwurf einer "Unmenschlichkeit" - ob mit diesem Wort oder einem anderen Etikett - außerhalb der christlichen Kultur je erhoben wird, oder auch nur verstanden werden kann.
Viele, wenn nicht die meisten Selbstbezeichnungen der Leute aus tribalen Kulturen sind nicht anders, denn als "Mensch" zu übersetzen. Bekannt ist das Beispiel der "Inuit". "Uninuitlich" wäre dann sowas wie "undeutsch", wenn man's konstruiert und das Konstrukt übersetzt.

Klingelt da vielleicht was? Christentum = verhimmelte (Früh-) Form des Nationalismus?

Ansonsten erlaube ich mir, Deinen Kommentar mitsamt seiner Methodik für sich sprechen zu lassen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 19:04
PS an mabli:
In den letzten beiden Absätzen stellst Du Dich mit "Gegen"argumenten so auf, als hätte ich Titta Rechtfertigung der Shoa vorgehalten.

Unterlaß gefälligst solche Scheiße!

Was da bei mir steht ist klar und eindeutig, selbst für einen windschnittigen Gebrauchtwagenverkäufer.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 19:16
Der "Trick" besteht nun darin, daß der Redner je nach Redeabsicht die Attribute "autonomes, partikulares 'Subjekt'" und "soziales Wesen, aka 'Mitmensch'" nach Belieben jeweils dem einen oder anderen Bestandteil zuweist. Einmal will der "Christ" "als" autonomes, partikulares Subjekt - ab hier "Individuum" genannt - das nächste Mal "als" Mitmensch reden, dann wieder anders herum "das Ich" jeweils entweder als Individuum oder als Mitmensch.

Das ist mir dann doch zu hoch. Wie soll sich jemand aufspalten in "Christ" und "Ich" und diese beiden Spaltprodukte sollen dann sich immer abwechselnd wiederum darin abwechselnd als Mensch und als Individuum sprechen wollen.
Man kann etwas auch künstlich verkomplizieren. Zu welchem Zweck frage ich mich? Oder mit welcher Basis in der Realität, welche kein Konstrukt einer sich selbst denkenden und erschaffenden Identität im Vollzug ist.
Erklärt hat man damit am Ende auch rein gar nichts.

Gibt es nicht bei allen Kulturen, welche sich selbst als Menschen bezeichnen die Tendenz alle außerhalb der Kultur als Nicht-Menschen abzuwerten? Willst Du darauf letztlich hinaus?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 19:34
@ tomgard

Ich wollte Dir nicht unterstellen, dass Du Titta eine Rechtfertigung der Shoa vorwirfst. Das Argument war vielmehr eine Reaktion auf deine Argumentation weiter oben:.

" [...] es sei denn er habe dazu Gründe, die in derselben Heilslehre direkt oder indirekt vorgesehen sei, sodaß er nicht nur berechtigt ist, sich dem Heil des Verkünders, in diesem Falle Titta, zu verweigern, sondern dies vielleicht sogar seine gottgewollte Aufgabe und also Pflicht sei.
Die hunderttausende Kommunisten, die in den Lagern verreckten dürfen sich bei Titta für diese posthume Ehrung nun "bedanken". "


Du hast Titta's Argumentation zumindest als nahe an einer indirekten Rechtfertigung bezeichnet:

Das ist keine Rechtfertigung des Nazi-Terrors, aber es ist verdammt nah dran, nämlich indirekt, vermittels der Denunziation des linken Antifaschismus und seiner Vorgänger, den Genossen der KPD und anderer Organisationen, die gegen den Faschismus kämpften und vielfach mit dem Leben bezahlten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 19:38
mabli,

was Du da zitierst ist ein Muster, von dem ich behauptet habe, es beschreibt die Weise, wie Titta sich in ihrer Erwiderung auf mich bezogen hat, DAS ist der Gegenstand. Zusätzlich habe ich behauptet, es handele sich um ein verbreitetes Muster.

Gewiß wäre es im wissenschaftlichen Sinne zwingend erforderlich gewesen, jeden Schritt, jeden Bestandteil des Musters per Zitat dem entsprechenden Schritt, der entsprechenden Aussage in Tittas Kommentar zuzuweisen.

Mir geht es hier um die Sache, und das ist halt was anderes, als Du darunter verstehst. Ich verstehe darunter das Begreifen von Zusammenhängen.

Nicht die Führung eines "Diskurses" mit dem Ziel, das ein Jeder seinen Platz darin habe, so er sich denn würdig erweise. Dies Geschäft überlasse ich Dir.

Übrigens: Selber denken macht fett - selbst im akademischen Diskurs - auf längere Sicht ... naja, aber wie gesagt: Dein Bier.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 19:42
mabli,

was Du da zitierst ist ein Muster, von dem ich behauptet habe, es beschreibt die Weise, wie Titta sich in ihrer Erwiderung auf mich bezogen hat, DAS ist der Gegenstand. Zusätzlich habe ich behauptet, es handele sich um ein verbreitetes Muster.

Gewiß wäre es im wissenschaftlichen Sinne zwingend erforderlich gewesen, jeden Schritt, jeden Bestandteil des Musters per Zitat dem entsprechenden Schritt, der entsprechenden Aussage in Tittas Kommentar zuzuweisen.

Mir geht es hier um die Sache, und das ist halt was anderes, als Du darunter verstehst. Ich verstehe darunter das Begreifen von Zusammenhängen.

Nicht die Führung eines "Diskurses" mit dem Ziel, das ein Jeder seinen Platz darin habe, so er sich denn würdig erweise. Dies Geschäft überlasse ich Dir.

Übrigens: Selber denken macht fett - selbst im akademischen Diskurs - auf längere Sicht ... naja, aber wie gesagt: Dein Bier.

Ah, was verpaßt:

"Oder mit welcher Basis in der Realität, welche kein Konstrukt einer sich selbst denkenden und erschaffenden Identität im Vollzug ist. "

So, ist es nicht? Wieso eigentlich nicht? Könnte das was mit der gesellschaftlichen "Realität", aka Herrschaft zu tun haben?

Ach was!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 19:53
mabli,

danke für die richtigstellenden Zitate.

"nah dran" und "indirekt" heißt bei mir halt nicht etwa "weniger" oder "nicht so ganz deutlich". Es ist etwas ANDERES, wenn auch Verknüpftes.

Sorry für meinen Ärger, aber die Beliebigkeit, mit der Du die Kriterien Deiner Argumentation wählst, wie es Dir grad paßt, ist für mich ein rotes Tuch, da hört für mich jede zweckmäßige Rede auf.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 23:00
@ TomGard

Dazu muß er die christliche (Heils)Lehre schon als etwas "eigentlich" Unabweisbares imaginieren, als eine, die kein Mensch (kein vernünftiger, gesunder, guter Mensch, der ein "Recht" hat, auf diesem Planeten zu weilen und zu vegetieren) zurück weisen, gar eine Feindschaft gegen sie hegen könne, es sei denn er habe dazu Gründe, die in derselben Heilslehre direkt oder indirekt vorgesehen sei, so daß er nicht nur berechtigt ist, sich dem Heil des Verkünders, in diesem Falle Titta, zu verweigern, sondern dies vielleicht sogar seine gottgewollte Aufgabe und also Pflicht sei.
Die hunderttausende Kommunisten, die in den Lagern verreckten dürfen sich bei Titta für diese posthume Ehrung nun "bedanken".


Dann sage ich Dir auch mal frei heraus, was mich an Deiner Argumentation ärgert. Du unterstellst hier Titta eine Haltung, die keinen Widerspruch zulassen würde, es sei denn der Widerspruch sei in ihrem Heilsplan vorgesehen. Du unterstellst ein manichäisches Weltbild, das nicht in der Lage sei sich zu entwickeln, geschweige denn zu differenzieren.
Damit sagst Du eine Diskussion erübrige sich, deswegen lässt Du dich auch nicht dazu herab in die Einzelheiten zu gehen. Globale Abweisung der Frage, globale Verweigerung der Diskussion von Einzelheiten unter Hinweis darauf, dass Christentum sei nun mal die verhimmelte Frühform der Nation und deswegen alles was auch nur entfernt damit zu tun habe nicht diskutabel.
Wenn ich versuche mich argumentativ mit Deiner Position auseinander zu setzen, was zugegebenermaßen unter den Voraussetzungen schwer fällt, tangiert Dich das folgerichtig wenig. Mehr als ein paar gönnerhafte Bemerkungen und dann doch schnell das Eingeständnis in dieser niveaulosen Diskussion keinen Sinn erkennen zu können und daher aufzugeben.
Ehrlich gesagt habe ich mindestens die Hälfte von dem was Du geschrieben hast nicht verstanden. Der Versuch mich argumentativ auf Dich zu beziehen, war auch der Versuch in einem Austausch von Argumenten zu einem besseren Verständnis zu kommen, was wohl nicht möglich scheint, wenn man nicht schon so abgebrüht und herrschaftskritisch an eine Diskussion herangeht wie Du.
Das ist ein Punkt, den ich Dir ja auch schon vorgeworfen habe im Blogg von wwalkie. Das was ich von Deinen Argumenten zu verstehen meine scheint mir als trotz allem komplexen Theoretisieren drum herum auf eine Vereinfachung eine Simplifizierung der Realität auf den Begriff der Herrschaft herauszulaufen. Zumindest lässt die Fixierung auf Herrschaft Dich andere Aspekte, sei es beabsichtigt oder nicht, ausblenden.
Ich verrate Dir noch was, wenn Du es nicht weiter sagst. Ich bin gar kein Akademiker, oder nur ein halber sozusagen, da ich mein Soziologiestudium abgebrochen habe. Doch da ich das als persönliches Scheitern nicht so gut ertragen kann, probiere ich es vielleicht jetzt noch mal im zweiten Anlauf. Selber Denken braucht man ja im akademischen Diskurs nicht und fett werden muss ja auch nicht sein.
Titta schrieb am 11.01.2011 um 23:56
@TomGard

"in Deiner Antwort kommt sehr schön deutlich ein Trick zur Geltung, den jeder "moderne" Christ 'drauf hat, und heute die einfachste Erscheinungsform der (unterwürfigen) Anmaßung des Christen darstellt.
Ich spreche von der Floskel - die nicht bloß eine Floskel ist -
"Ich als Christ"
Mit der Floskel teilt sich der Redner gegenüber dem Adressaten auf, mit der impliziten Wirkung, die den Zweck der Operation darstellt, auch seinen Adressaten aufzuteilen ."

Diesen Trick hätte dann nicht nur jeder Christ drauf, sondern auch jede Frau, jeder Mann, jeder Deutsche, jede Literaturinteressierte, jeder Sportler, jede...
Womit natürlich eine Aufteilung erfolgt in Nicht-Frau, Frau, Nicht-Mann, Mann etc pp. Demgemäß dann auch einmal genannt als Individuum, dann wieder als "Mit-geschlechtsgenossin" etc pp.

Das Resultat, was daraus gezogen wird:
"Im Resultat wird dem Adressaten die Mitmenschlichkeit nach den christlichen Maßstäben des Redners abwechselnd ab- und zuerkannt, dasselbe geschieht mit der "Individualität" im Sinne eines "Subjekt seines Willens sein"."
ist allerdings willkürlich bzw. dogmatisch/ideologisch.
Abgrenzung gehört zur Selbstwerdung, zur Identitätsbildung. Aber Abgrenzung ist nicht gleichzusetzen mit Abwertung.
Die Abwertung, die du darin verortest, ist dein Konstrukt.

Ich als von "unserer" Kultur geprägtes und daher notwendig beschränktes Individuum sehe sehr wohl diese Beschränkung meines Selbst, und nehme sie an als unvermeidlichen Bestandteil des Lebens selbst. Denn mein Selbst und meine Individualität ist/wird mir erst möglich durch das, was mich umgibt, was mich formt wie auch deformiert, beides gleichermaßen.

"Geistig gehöre ich übrigens nicht (mehr) zu dieser Kultur*, Titta, stell Dir das mal vor!"

Selbst der, der nicht mehr zu dieser Kultur gehören sollte, ist und bleibt durch sie geprägt, und sei es, indem er sich als außenstehend und nicht mehr dazugehörig definiert.
Du weißt es übrigens selbst. Das Bild Nabelschnur sagt es deutlich. Nabelschnur heißt doch: der ganze Organismus des Babys ist noch vollständig auf die Mutter angewiesen und eben nicht lebensfähig aus sich selbst heraus.

Nicht mehr zur Kultur gehören, zum Kult, heißt in der Praxis Sektierertum. Eine kleine Gruppe ist überzeugt, mehr zu wissen und weiter zu sein, freier und ... Na, wonach hört sich das an? Eben! Du bist genau da gelandet, wo das angefangen hat, wogegen du dich hier - in vielem sicherlich berechtigt - heftig wehrst.
Nichts neues unter der Sonne. Eben!

"Der Rest Deines Dementis ist, mit Verlaub, leeres Gerede."

Der Rest bezog sich auf die regressisen Züge deiner Kommentare und die damit einhergehenden Abwertungen meiner Person. Als leeres Gerede klassifiziert, müssen diese dann ja nicht mehr ernstgenommen werden. Klasse konstruiert bzw. prima Abwehr- und Vermeidungsstrategie. Selbstbild braucht nicht weiter hinterfragt werden, eigene Welt bleibt heil. Erinnert dich das auch an was?

"Nein, hast Du nicht, sondern hier noch einmal bestätigt, denn "Sinnsuche" ist die lizensierte Form, in der das Schaf Gottes an "Seiner" Macht und Herrlichkeit nicht nur teilhaben (teilnehmen) darf, sondern SOLL!
Und Letzteres nicht bloß "notfalls", sondern systematisch mithilfe von Gesetz, Folter, Strafe, (Massen)Mord. Natürlich mir urst schlechtem Gewissen, aber von der Einheit des schlechten und guten Gewissens kannst Du unter meinem PA-Link lesen.
Hier natürlich nur mit einem "unschuldigen" Aufruf, die potentiellen Gefahren zu würdigen, die in linker Gottesleugnung doch "wohl" enthalten seien."

Hier werden die dogmatischen/ideologischen Scheuklappen deutlich sichtbar, die zu tragen mir immer unterstellt wird. Herrlich. Übertragung-Gegenübertragung anschaulich wie im und fürs Lehrbuch. Ergebnis: An Durch-blick und Ein-sicht fehlt es immer den anderen, man selbst ist ja bereits in einem anderen Erkenntnisstand. Abgenabelt eben.

Oder doch noch nicht so ganz?
Mit Sprache läßt sich vieles verschleiern, aber eben nicht alles. Nabelschnur beweist es.

LG
Titta
Titta schrieb am 12.01.2011 um 01:36
@mabli

mabli schrieb am 11.01.2011 um 18:03
Danke! Ganz in meinem Sinne. (Keine Bange, das ist jetzt keine Vereinnahmung deiner Person;-)

Und zu deinen übrigen Kommentaren. Kein Wunder, daß du dich über TomGard ärgerst. Denn er geht nicht auf (deine) Argumente ein, sondern antwortet dir lediglich auf Basis seiner Dogmatik/Ideologie bzw. meint, dir aufgrund von dieser nicht weiter antworten zu müssen. (Exakt das, was er in Gegenübertragung der anderen/christlichen Seite vorhält.)
Was die Kritik von TomGard unglaubwürdig bzw. unauthentich macht, ist sein eigenes Herrschaftsgebaren, das deutlich zum Ausdruck kommt. Was nützt es, sich von Herrschaftsdenken/-mustern distanzieren zu wollen, wenn das eigene, angeblich neue, Denken durchs eigene Verhalten konterkariert wird? Das neue und so andere Denken hilft und bewahrt TomGard auch nicht davor, abschätzig mit dir Armen umzugehen, der noch nicht so weit ist im herrschaftsfreien Diskurs.

Siehe exemplarisch folgende Kommentare von TomGard, die von sehr weit oben daherkommen:
"Ansonsten erlaube ich mir, Deinen Kommentar mitsamt seiner Methodik für sich sprechen zu lassen."
"Übrigens: Selber denken macht fett - selbst im akademischen Diskurs - auf längere Sicht ... naja, aber wie gesagt: Dein Bier."

Bleibt die Frage:
Wen läßt TomGard für sich selbst denken? (Oder kommt er nicht mehr durch die Haustür und läßt sich alles kommen?)

Und wenn du TomGard nicht verstehst, kann es einfach auch an TomGard liegen. "Du verstehst mich nicht" - die ewige Entschuldigung derer, die sich nicht verständlich machen können. Klares Denken und klare Sprache bedingen sich gegenseitig.

Guts Nächtle. Und nicht ärgern. Wen TomGard sich besser verständlich machen könnte, würde er es tun. Anderen Wissen vorzuenthalten, wäre ja Herrschaftswissen, und da sei Gott vor;-)
Phineas Freek schrieb am 12.01.2011 um 01:49
(Titta schrieb am 11.01.2011 um 23:56)

Kann’s mir nicht verkneifen, mich einzumischen:

Man nehme einen ordentlichen Packen Verstand und redliche Erklärungsversuche, packe den Eselskarren damit voll – und schwups, was passiert? Die gute Frau ist vor lauter Schreck, den lieben Gott gleich noch ein paar Meter näher gerückt.
Also weg mit der teuflischen Kommunistenhetze und her mit den guten alten fluffigen „T – Argumenten“ aus der Mottenkiste des guten Bürgers – vorgetragen von einer gläubigen christlichen und schlagfertigen Frau:

Sektierertum
dgmatisch/ideologische SCHEUKLAPPEN (darauf ein dreifaches IIIAAAAHHH!!!)
Übertragung-Gegenübertragung
Abwehr- und Vermeidungsstrategie.

Ergebnis: endlich wieder idente Bodenhaftung, eins sein mit der Welt, die man gar nicht erklären und kritisieren WILL, weil Mensch sonst wird wie: siehe oben „T – Argumente“!

Und damit kehre auch ich diesen Wahnsinn den Rücken und sage,

Gute Nacht

Ach ja, so sieht dass ganze dann praktisch aus:
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 01:55
"Danke! Ganz in meinem Sinne. (Keine Bange, das ist jetzt keine Vereinnahmung deiner Person;-)"
Phineas Freek schrieb am 12.01.2011 um 01:58
so sieht's aus:

Titta schrieb am 13.01.2011 um 01:06
@Phineas Freek schrieb am 12.01.2011 um 01:49

Schauen wir uns die Kritik, die nicht verkniffen werden konnte, einmal unter formalen Gesichtspunkten an, denn inhaltlich gibt sie ja außer bunt bebildeter Phrase nichts weiter her.

Verstand und Redlichkeit in der Argumentation werden zwar erkannt und mir als Diskutantin auch zugeschrieben, um gleich wieder konterkariert zu werden. Und zwar dadurch, daß - anstelle von Sachargument und Schlußfolgerung - plötzlich und mehrmals mein Geschlecht eine Rolle zu spielen scheint im Zusammenhang der dargelegten Thematik.

Diese Vorgehensweise ist ein altes, bekanntes patriarchales Muster. Weiß ich nicht weiter, halte ich dir dein Geschlecht vor. Das ist reaktionär, herrschaftskonform und zeugt von ausgesprochen patriarchaler "Bodenhaftung", also Verankerung im und Bejahung des herrschenden Systems. Mottenkiste eben.

Exakt das konnte sich Phineas Freek also nicht verkneifen, interessant. Wer eigentlich die Scheuklappen auf hat, ist damit hinlänglich deutlich geworden. Danke!
Die Sprache bringt's am Ende immer ans Licht.

Sofern ich es richtig in Erinnerung habe, ist TomGard, trotz heftiger Reaktionsweise, an keiner Stelle in derlei patriarchale Denkmuster verfallen. Etwas, das sehr für ihn spricht. Im Wortsinn.
Phineas Freek schrieb am 13.01.2011 um 01:59
Ja nun, Titta, dass hatten wir doch schon mal. Wenn nichts mehr geht, wird mal wieder die chauvinistische Schublade aufgemacht. Nichts Neues im Land der hilflosen Retourkutsche.
Wenn’s dem Seelenheil zuträglich ist imaginiert frau (wird das auch als patriarchalischer Übergriff konnotiert?) sich neben Ihren Göttern auch die unterstellte chauvinistische Motivation des (zufällig männlichen – woher weißt Du das eigentlich: göttliche Eingebung?) respektlosen Spötters.
Nur dafür kann der Spötter, der Dich ausschließlich als Frau ANSPRACH am Allerwenigstens.
Denn mein Spott (keine KRITIK, die steht feinstofflich atomisiert weiter oben beim geschätzten Kollegen Gard) gilt und galt nicht DER FRAU, sondern was dieser MENSCH, der zufällig eine Frau ist, für einen heillosen Schwachsinn aussondert und DAFÜR auch noch tolerante Duldung einfordert.
Zur Ehrenrettung Deines, in der Tat von mir angegriffenen Schwachsinns, legst DU DIR diesen Angriff, als Angriff auf DICH ALS FRAU zurecht.
Das ist nicht nur unredlich – sondern auch ein bisserl perfid, nur ein bisserl, weil so durchschaubar und diesmal wirklich als klassisches Muster erkennbar.
Amen und
Gute Nacht
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 14:59
Zwei Nachträge an Josef.

1) Ich hatte oben das Verfahrens einer Aufstellung "Ich als Christ" so charakterisiert:

"Der "Trick" besteht nun darin, daß der Redner je nach Redeabsicht die Attribute "autonomes, partikulares 'Subjekt'" und "soziales Wesen, aka 'Mitmensch'" nach Belieben jeweils dem einen oder anderen Bestandteil zuweist. Einmal will der "Christ" "als" autonomes, partikulares Subjekt - ab hier "Individuum" genannt - das nächste Mal "als" Mitmensch reden, dann wieder anders herum "das Ich" jeweils entweder als Individuum oder als Mitmensch."

Worauf Du fragtest:

"könnte es sein, daß Du damit dasselbe meinst wie mit der (in der Form nur im Deutschen möglichen) Floskel »Als Beamter sage ich Ihnen ..., aber als Privatmensch bin ich der Meinung ...«?

Was ich mit einem Ja/Nein ... Aber beantwortete nebst einer Vertröstung.
Sorry, daß es mit grad nicht gut geht, hat Auswirkungen auf meine Geistesgegenwart, und ich war zu der Zeit befangen in epistemiologischen Überlegungen zur Theologie / Naturwissenschaft, daher die dumme Nichtantwort.

Wenn Du magst, nimm Dir nun den PA-Text zu der Frage vor:
www.polyamore.de/thread.php?postid=10651#post10651
Ich nenne Dir dazu die Knoten- und Wendepunkte der Ableitung, mit der Zusatzbemerkung, daß sie zugleich die Aufklärung des dialektischen Kalauers "Das Private ist politisch" leistet, der an dem fraglichen Punkt der Debatte ja offenkundig auch beteiligt ist, wie Titta mit ihrer Antwort ad personam noch einmal hübsch deutlich macht:

#1 Die Parteilichkeit der Herrschenden für sich selbst setzt über die Parteilichkeit der Unterworfenen für die widersprüchlichen Verkehrsverhältnisse die Institute dieser Versöhnung ins Recht: Privateigentum, Familie, Nation (bzw. Volk). Übergang zur Idealität.

#2 Gesellschaft, welche die Menschen, ist sie einmal da, nicht länger herstellen, sondern als deren Glieder sie sich gebärden. Das Zusammenleben der Menschen ist nicht Teil ihres persönlichen Lebens, sondern das persönliche Leben wird besondere Daseinsform eines allgemeinen Lebens (der Fetisch der Psychologie: Individualität als Charakter, statt Seele). Darzustellen an den drei Instituten:
1) Privateigentum (...)
2) Staat (...)
3) Familie (...)

#3 In den Abteilungen 1 bis 3 findet ein Mensch in den Dingen, mit denen er umgehen muß und in den Verkehrsverhältnissen, in denen er sich zu bewegen hat, gültige Zwecke vor. Die widerstreitenden persönlichen Zwecke sind in den Instituten der Herrschaft zusammengeführt. Allgemeine "Menschlichkeit" getrennt vom persönlichen Leben. Dies ist der Inhalt abstrakter Subjektivität. (...) Im Gesamtraum des Gemeinwesens hat Mensch die institutionellen Daseinsweisen abstrakter Subjektivität in sich zu verbinden. Darin ist er zuständig für sie und Individuum, die Form abstrakter Subjektivität. Seine Bühne ist die 4. Abteilung der Sittlichkeit:
4) Öffentliche Ordnung. Die Verlaufsform der Sozialität von vereinzelten Einzelnen. Feindschaft und Interesse, Gleichgültigkeit und Freundlichkeit, Anstand und Benimm, Rechtschaffenheit (Berechenbarkeit).

[Das subjektive Grund- und Leitmotiv dieser Veranstaltung, das im Selbstempfinden natürlich früher da ist, als seine praktische Bewährung auf der Bühne der Individualität ist dann weiter unten genannt und grob bestimmt, nämlich:]

Die rationelle Subjektivität der Urteile "gut" und "schlecht" - d.h. nützlich und schädlich - wird objektiviert.

Dies "Ich und Ich" in der Gestalt von "Ich und die Welt" nebst "Die Welt und Ich" geht im direkten Verkehr von Individuen, bzw. dessen theoretischer Simulation - wie mir schon fast selbstverständlich erscheint - nur und genau nur in den 4 Kombinationen über 2, die ich nannte.
Und eine Weiterung als Anregung:

Versteht man den bürgerlichen Staat als Verselbständigung des abstrakt freien Willens seiner Bürger (den derselbe Staat bzw. seine historischen Vorgänger überhaupt erst an den Unterworfenen hergestellt haben, in der Elementarform mit der Verpflichtung auf privaten Reichtum), und läßt man zugleich die Formel "Religion = (Form des) Nationalismus gelten, so kommt systemlogisch das Ergebnis 'raus:
Gott = I (Ich, Ego)
Das bekanntlich moderne Religiösität trefflich charakterisiert, wie in diesem Thread exemplarisch zu studieren.

2) Du schriebst:
"Nur rechnest Du es den beiden (und nicht nur ihnen) als persönlich interessiertes klandestines Aufherrschenwollen via Hintertreppe an."
und ich fragte, wie Du darauf kämst. Ein Fall von flüchtigem Lesen, Du sagtest es ja mit der Hervorhebung: "Inter-esse", das ich als Hinweis auf die Etymologie so auseinander zog, weil es auch als "befangen sein" übersetzt werden kann. "Interesse" hältst Du - wie es von jedem Bürger ziemlich gefordert ist - für etwas nicht nur Subjektives, sondern, mehr noch, "Persönliches". Tat-Sächlich ist aber das Interesse gewaltsam gesetzt und formiert in den Instituten der Konkurrenz - elementar: im Geld - in diesem Sinne also "objektiv", und damit ist die "Person", die Du da am Wickel hast, nicht eine iwie "natürliche Person", sondern das INSTITUT der Person, also die antagonistische Vereinigung von Bourgeois und Citoyen, deren Bestandteile das "natürliche" Subjekt in sich zu verbinden hat.
(Vgl.. meinen Einwand gegen Deine (angeblich) spontaneistische Ideo-Logie weiter oben)

Beste Grüße
Tom
zelotti schrieb am 13.01.2011 um 15:47
""Deshalb hatte ich auch geschrieben, diese Schrift von Bordiga sei ein früher Grundlagentext der Holocaustleugnung von Links. Nicht, weil er darin den Holocaust leugnen würde — tut er nicht, er legt es noch nicht einmal nahe —, sondern weil ganz andere dem Text im Anschluß diese Interpretation entnommen haben aus Gründen und zu Zwecken, die ich im hiesigen Rahmen nicht erörtern will."

Ich glaube das zeigt den gefährlichen Charakter einer Argumentation mit mangelnder Sorgfalt. Da Holocaustleugnung etwas Schlimmes ist, das ist doch bitte auch besondere Sorgfalt notwendig, wenn Linke in den Kreis der Holocaustleugner geholt werden. Deine Klarstellung ist ja schön, aber das ist eben wie wenn man erst wie ein Damagoge den falschen Eindruck erweckt (immer bedenken, die meisten Leute sind einfach dumm) und dann hinterher klarstellt.

Meine These ist, dass der Vorwurf der Holocaustleugnung eine ungeheure Sorgfalt braucht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 17:39
PS zum Posting von 13.01 14:59

Auf Anfrage expliziere ich gern, was an der Ableitung bürgerlicher Innerlichkeit aus dem Gesetz, vermittels der Sittlichkeit, "konstruktivistisch" ist, und was nicht.

Einstweilen nur dies: Was Theorien wie "Lesarten" tat-sächlich unterscheidet, ist ihr jeweiliger Erklärungshorizont, der selbstverständlich nie erschöpfend benannt wird noch werden kann - das ist das "Graue", das Unzureichende an jeder theoretischen Veranstaltung. Was immer oberhalb - oder auch unterhalb, "Psyche" - des Erklärungshorizontes (voraus)gesetzt, vermutet wird, ist theologischer Herkunft.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.01.2011 um 20:31
@ tom gard

Ein grundsätzlicher Einwand gegen Punkt 1 "Herrschaft und Gesetz" aus Deinem Thesenpapier "Herrschaft und Gesetz"( und natürlich mitgeminet Deine These, Religion sei eine From des Nationalismus und würde per definitionem zu einem Machtanspruch gegenüber Nicht-Gläubigen führen) auf "theologischer" Ebene:

Eine christliche Lebensweise eignet sich, wenn man das, was im Neuen oder Zweiten Testament gelehrt wird, ernst nimmt, nicht zu einer staatstragenden Moral.
Man könnte, wenn man sich damit näher beschäftigt auf die Idee kommen, dass Jesus keine öffentliche Ethik oder Moral wollte. Er sagt im wesentlichen, wir sollten nicht urteilen und uns denen, die uns Böse erscheinen, in Liebe zuwenden. Er setzt sich ein für die Entrechteten und Ausgeschlossenen und meint die Kranken bedürften des Arztes, nicht die Gesunden.

Eine staatstragende Moral braucht eine sanktionierende judikative Gewalt. Wie will man das begründen mit einer Lehre, in der es heißt:

„Wer ohne Schuld , werfe den ersten Stein“ (Monty Python)
„Ziehe erst den Balken aus deinem Auge, bevor Du an dem Splitter in dem Auge Deines Bruders/deiner Schwester krittelst“ (Klaus Kinski),
„Wenn einer dich auf die linke Wange schlägt, so halte ihm auch die rechte hin, ...“.
„Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.“
„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“
Das Gelichnis vom verlorenen Sohn handelt davon, dass jemand den Reichtum des Vaters im Ausland verprasst (während sein Bruder brav zu Hause bleibt und arbeitet) und danach zurück kehrt in das Haus des Vaters und dort ohne moralische Belehrung oder Bestrafung, sondern mit einem fest aufgenommen wird.

Eine staatstragende Moral muss das Privateigentum schützen und rechtfertigen. Wie kann man dies mit einer Lehre begründen, in der es heißt:

„Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt“
„Selig sind die, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich“
„Sorgt euch deshalb nicht, indem ihr sagt: "Was sollen wir essen?" oder: "Was sollen wir trinken?" oder: "wie sollen wir uns bekleiden?" denn nach all dem trachten die Völker der Welt; denn euer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Doch trachtet nach seinem Königreich und all dies wird euch hinzugefügt.“

Was die Familie angeht, so hat Jesus seine eigene Familie verlassen und fordert auch seine Jünger dazu auf. Er weist seine Famile einmal sogar ab mit der Begründung seine Jünger und die Leute, die ihm folgten, seien seine Familie.

So ließen sich endlos weiter Beispiele finden warum die chrsitliche Lehre gerade nicht zu einer öffentlichen, staatstragenden Moral taugt. Dass natürlich in der Geschichte immer wieder versucht wurde mit dem Christentum mit allen möglichen Hilfskonstruktionen eine politische Ordnung moralisch zu begründen, steht auf einem anderen Blatt.

Wie es Jörg Zink in einem Vortrag „Was ist das Besondere an der christlichen Ethik?“ sagt:

Wann immer man freilich in der christlichen Geschichte rein religiöse Maßstäbe an ein politisches Handeln anlegen wollte, immer erwies sich dieser Versuch als schwierig. Meist stellte man fest, das ein christliches Ethos politisch nicht allein das Maß sein könne, und man hat darum fast immer versucht, aus anderen Denkbereichen, rechtlichen oder philosophischen, politiknähere Maßstäbe zu übernehmen, um damit dem christlichen Ethos zu einem gewissen politischen Stehvermögen zu verhelfen. Man stützte, was man von Jesus hörte, mit einem Naturrecht oder mit einer volkstümlichen Moral ab oder mit einer sorgsam abgewogenen Balance zwischen Thron und Altar oder mit einer aufgeklärten Staatsphilosophie, mit der Fiktion eines christlichen Gewissens oder dem Aufbau eines Systems von christlichen Werten, wie es auch in diesen Tagen wieder versucht wird.

Die christliche Ethik wurde dabei brauchbar und handlich, vor allem, wenn es darum gehen sollte, stabile gesellschaftliche Verhältnisse herzustellen, aber von ihrer Besonderheit, vom Geist des Mannes von Nazareth, blieb dabei selten viel übrig. Ich höre noch meinen Schwiegervater, Pfarrer in Stuttgart, den großen Charismatiker und Spötter, wie er vorschlug, man möge doch in unserem christlich regierten Land einmal ausprobieren, wie es wäre, wenn man, nur versuchsweise, etwas wie das Christentum einführen würde, vorsichtig, vielleicht nur für einen Tag, um niemanden zu überfordern. Ich will in dieser Stunde versuchen zu zeigen, was denn da mit so großer Vorsicht einzuführen wäre. Ich könnte es jetzt eine Stunde lang an den so genannten christlichen Werten vorzeigen, die man heute
Uwe Theel schrieb am 09.01.2011 um 22:33
@ christian

Ich spitze meinen Kommentar

Uwe Theel vom 09.01.2011 um 20:05

noch einmal zu:

Ich behaupte, Gott ist allmächtig und allwissend, aber nicht gehalten Auschwitz zu verhindern.

Würde er dies tun (getan haben) hätte er dem Menschen die Freiheit genommen, die er ihm geschenkt hat: Aus eigener Verantwortung Ja oder Nein zu sagen. Nicht Gott stellt auf Erden die Machtfrage, sondern der Mensch

Wer dies jetzt für einen Freibrief hielte Auschwitz zu verwirklichen, würde nur die ewige Mahnung Gottes ignorieren, es nicht zu tun.

Dass Opfer der unmenschlichen, ich wiederhole unmenschlichen - nicht göttlichen - Entscheidung für Auschwitz darüber an Gott verzweiflen können ist damit nicht in Abrede gestellt.

Beachte noch: Es gibt Menschen, die glauben ohne Auschwitz nicht an Gott.
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2011 um 01:58
@Uwe Theel

Ich behaupte, Gott ist allmächtig und allwissend, aber nicht gehalten Auschwitz zu verhindern.

Lieber Uwe,

diesen Satz kann ich unterschreiben, er bringt das Problem auf den Punkt.

Interessant ist dabei, dass aus dem Allwissen folgt, dass Gott lange vorher von Auschwitz gewusst hat. Da er aber nichts Wesentliches geschehen lässt, ohne es durch seine Profeten anzukündigen, könnte man ihm zumindest abverlangen, dass er Auschwitz hätte profezeien lassen müssen, wenn er es schon nicht verhindern will oder kann.

Ich habe dazu oben eine Stelle aus Esther 3 reinkopiert, von der mir beim Lesen sofort dieser Gedanke kam. Vor allem wegen der perfekten staatlichen Logistik, die da zur Judenvernichtung aufgeboten wird, als wäre Haman schon wie Eichmann vorgegangen, ja als könnte man aus Sicht der Perserzeit davon sprechen, dass die Judenvernichtung
von einer kulturell hochgradig ausdifferenzierten Gesellschaft auf der vollen Höhe ihrer technisch-*en Moderne und mit den Mitteln eben derselben, d.h. fabrikmäßig-rationell und wissenschaftlich-planvoll, ausgeführt werden sollte. (Das kursive Zitat ist von j-ap, ich habe beim * nur das Wort "industriell" weggelassen, weil es speziell in unsere Zeit verweist).

Die gottkritische Fassung der Frage scheint ja so gemeint zu sein, dass Gott als Allmächtiger Auschwitz hätte nicht zulassen dürfen. Wenn er es dann doch tat, wäre er nicht allmächtig, ergo ist er kein Gott, ergo gibt es keinen Gott.

Ich halte das für ein T-Argument.


Könnte so gemeint sein. Ich halte es aber nur für einen leicht durchschaubaren Trugschluss. Aus der Theodizefrage wird auf die Nichtexistenz Gottes geschlossen - unmöglich.

Früher ließ man Gott wenigstens noch die Alternative, dass Er dann nicht zugleich allgut und allmächtig sein kann, was sich aber durch das Freiheitspostulat auflösen lässt (wie Du es getan hast).

Der Fehler an der Kurzfassung ist, dass sich der so argumentierende Gottesleugner selbst an Gottes Stelle setzt oder jedenfalls in einer stillschweigende Prämisse unterstellt, er wüsste (als Mensch), was Gott an irdischem Geschehen zuzulassen habe und was nicht, ja sogar, wo dazwischen genau die Grenze liege, wisse er, der Kritiker Gottes kraft seines Menschseins.

Die Grenze des Zulassens von Bösem kann aber nicht bei Null liegen, dann käme alles zum Stillstand bzw. es wäre alles immer festgelegt auf das Optimalste, Freiheit oder Zufälle gäbe es nicht, Gott müsste dafür sorgen, dass jede gebratene Taube in jeden hungrigen Mund fliegt usw. - das wäre die Hölle.

Wenn aber Böses zugelassen werden muss, damit wir frei sind und keine Angeketteten: Wie weit darf er dann dabei gehen, wer bestimmt den Umschlagpunkt?

Wenn es Gott gibt, entscheidet er das autonom und ohne zu Versprechen, dass Menschen das (schon jetzt) erkennen oder verstehen könnten. Die Botschaft des Hiob-Buches besagt das Gegenteil: Aus menschlichem Denken ist Gott nie total erkennbar und vorherplanbar - es sei denn, er teilt sich einem mit, dann insoweit. Ihm das vorschreiben zu wollen, würde vielleicht das eine oder andere Unglück vermeiden, aber vielleicht gerade dadurch ein noch größeres auslösen, weil uns dazu der Überblick, das Allwissen fehlt.

Wir können allenfalls den Punkt bestimmen, ab dem wir ihm nicht mehr vertrauen können - oder wieder vertrauen würden - und sprechen damit lediglich für uns selbst, ohne auf seine Existenz oder Nichtexistenz dadurch logsich zwingend schließen zu können. Aber auch dieser Punkt, wenn wir ihn denn bestimmen könnten, wäre flexibel in der Zeit veränderbar, er könnte morgen ein anderer sein - sich verschieben durch Dinge, die wir nicht vorherwissen können, sondern allenfalls Er (wenn es ihn gibt).

Mit solchen Lücken in der logischen Kette, seien sie offen thematisiert oder versteckt, fehlt einem Beweis jede Beweiskraft, mag man ihn auch selbst überzeugend finden, weil man oft einfach glaubt, was man glauben will.

LG und GN

Christian
oranier schrieb am 10.01.2011 um 02:05
@ ChristianBerlin

Einen Thread mit über 200 Kommentaren kann und will ich nicht rezipieren. Daher hier speziell meine Antwort auf:

ChristianBerlin schrieb am 08.01.2011 um 14:10

und daher sind inhaltliche Überschneidungen mit anderen Kommentaren nicht ausgeschlossen.

Lieber Christian,

es ist mir ganz unverständlich, dass du meine, wie ich finde klare, kritische Erörterung nicht zu verstehen scheinst.
Insofern fällt es mir nicht leicht, auf deine Fragen zu antworten, zumal du damit mein Thema ausweitest. Es ging mir weder eine theologische Diskussion, noch um die politische, sondern, wenn schon, um eine philologisch-philosophische, zitiere ich doch nicht aus dem Evangelium, sondern aus dem Faust.

Hauptsächlich unter diesem Horizont folgender Antwortversuch:

1) "Bestreitest Du die Existen von T-Argumenten als solche?"

Allerdings, und zwar in zweifacher Hinsicht:

Erstens "existieren" Argumente nicht, wie Autos oder Kanarienvögel, die "Existenz" von Argumenten in diesem sinne zu behaupten käme einer Verdinglichung gleich. Argumente sind dagegen Sprachfiguren, sprachliche Äußerungen, die ihre Bedeutung ALS Argument erst im Zusammenhang eines Meinungsstreits oder eines Beweisverfahrens in Bezug auf eine bestimmte These gewinnen. Man kann eine entsprechende Sprachfigur nicht isoliert in Beton gießen und sagen: Seht hier, ein Argument!

Zweitens: Daraus erhellt: mit sprachlichen Äußerungen kann man niemanden totschlagen. Mein kulturgeschichtlicher Hinweis markierte in dieser Hnsicht die Differenz zwischen der "Sprache der Waffen" und der "Waffe der Sprache" als Konfliktlösungsmodell, wobei hier der Begriff "Waffe" natürlich metaphorisch gebraucht ist. Um jemanden totzuschlagen, bedürfte es dinglicher Werkzeuge. Das "Totschlagargument" ist also eine contradictio in adjecto.

Meine darauf basierende Argumentation gegen Augstein, der nicht müde wird, mit dem Begriff "verbale Gewalt" seine Kontrahenten zu verunglimpfen und sich in solchen Begriffsfragen von Schauspielerinnen beraten lässt, plane ich demnächst in einem gesonderten Blog vorzutragen.

2) Ich dagegen komme in der Regel nicht einmal darauf, mich in Begriffsfragen an dem, von Amateuren verfassten, Allerweltslexikon Wikipedia zu orientieren. Das kann ich im Zweifelsfall selber besser. Keine Frage: wenn ein solcher Begriff im Gebrauch ist, wie das "Totschlagargument", das jeweils in Stellung gebracht wird von Leuten, denen in der Diskussion die Argumente ausgehen und die sich dann, wie man landläufig sagt, "erschlagen" fühlen, dann ist es auch legitim, ihn in ein Allerweltslexikon aufzunehmen. Der noch so inflationäre Gebrauch sagt aber ja noch überhaupt nichts über die Stimmigkeit oder innere Widersprüchlichkeit eines solchen Begriffs.
Was soll mir in dem Zusammenhang z.B. dies:
"Ein Totschlagargument kann als solches gekennzeichnet und zurückgewiesen und dieses Prinzip zur Diskurskultur erklärt werden."
Argumente "zurückweisen" tun Politiker, Denker widerlegen sie. Und wie ein solches "Prinzip zur Diskurskultur erklärt werden" kann (!), das assoziiere ich mit Joachim Petrick, der sich das Wasser abgräbt, indem er mein Faustzitat erstens nicht versteht, zweitens fälschlich behauptet, ich benützte es überhaupt als Argument, gar als "Totschlagargument", statt als gedankliche Anregung und sich dann auch noch ausgerechnet berufen fühlt, öffentlich über Diskurskultur (Streitkultur) zu räsonieren.

3) Zu Goldwin hat UT Sinnfälliges geschrieben. Dass du dich mit solchem Nonsens gedanklich aufhältst!
Wenn jemand sich auf seine sogenannte Erfahrung beruft, ist das Empirie, oder was? Und wenn schon: eine Diskussion nicht abbrechen zu lassen, ist das deren oberstes Ziel? Wenn etwas oder jemand faschistisch ist, bedarf es auch der klaren Benennung, auch auf die Gefahr, dass die Diskussion dann zuende ist. Jedoch bedarf es eben auch des Arguments, und nicht dessen Substitution, der bloßen beleidigenden Beschimpfung, wie ich sie hier mehrfach moniert habe. Selbst ein empirisch-soziologischer Befund, der ja als bloß quantitative Erfassung nicht unterscheidet zwischen berechtigtem und zweifelhaftem Faschismusverdikt, brächte hier überhaupt nichts.

Was die Singularität von Auschwitz betrifft, so gebe ich dir weitestgehend recht, jedoch würde ich auch die nicht verabsolutieren. Wo das Faktum oder die Gefahr des wesentlichen Merkmals: industrieller Massenmord, gegeben ist, kann man über eine Rechtfertigung des Vergleichs nachdenken. Das Motiv des Vergleichs darf hier m.E. nicht vernachlässigt werden. Den Vergleich zu wagen in tatsächlich ähnlich gelagerten Fällen, kann als Warnung einen positiven Sinn haben. Hier auf der Singularität von Auschwitz zu beharren, kann auch der Mystifizierung und Dämonisierung dienen von Taten zu denen Menschen prinzipiell fähig waren und insofern auch fähig bleiben.

Ganz anders ist die Sache gelagert, wo, wie im "Historikerstreit" Mitte der Achziger, andere Genozide zum Vergleich ins Feld geführt werden und damit Auschwitz relativiert, ggf. gar partiell entschuldigt werden soll. Ich habe damals selbst einen publizistischen Streit geführt gegen einen Historiker der Bremer Uni, der den Nachweis, dass die Engländer schon vor den Nazis in den Kolonien KZs hatten, die der Vernichtung von Menschen dienten, in diesem Sinne ins spiel brachte. Meine Kritik daran lautete und lautet entsprechend: Entsorgung des Faschismus.

Grüße
oranier
Titta schrieb am 10.01.2011 um 21:44
"Hier auf der Singularität von Auschwitz zu beharren, kann auch der Mystifizierung und Dämonisierung dienen von Taten zu denen Menschen prinzipiell fähig waren und insofern auch fähig bleiben."

Ein ausgesprochen wichtiger Aspekt. Mitunter kann man durchaus den Eindruck gewinnen, daß die Betonung/Behauptung der Singularität wie eine Art Bannspruch verwendet wird. Wie eine insgeheime Versicherung, daß es keine Wiederholung geben kann und wird. Aber wie du schon richtig anmerkst, daß Potential dazu ist grundsätzlich vorhanden, was bedeutet, in jedem Menschen, also auch in mir.

"Meine darauf basierende Argumentation gegen Augstein, der nicht müde wird, mit dem Begriff "verbale Gewalt" seine Kontrahenten zu verunglimpfen und sich in solchen Begriffsfragen von Schauspielerinnen beraten lässt, plane ich demnächst in einem gesonderten Blog vorzutragen."

Ich warte darauf.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 14:47
Dem Artikel stellt sich eher die Frage nach dem Humorbeweis.
Wo sind die meisten Scherze, kleine und große, erfunden wurden: in Ausschwitz. Richtig !
Beziehungsweise fasst man in Deutschland den jüdischen Humor immer viel zu ernst, moralisch. Man nimmt die Bilder der Geschichten für bare Münze.

Der Junge macht ganz offentlich einen Witz. Eine besondere Form des Humors in der momentanen Lebenssituation: Galgenhumor genannt.

Wo ist Gott ?
Er hängt am Galgen !

Und das man den Witz nicht versteht, hat man wohl der Antifa zu verdanken, die ja alle mit ihrer Betroffenheit knebeln.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 14:54
Der Kommentar wurde von der Moderation entfernt
rioges schrieb am 10.01.2011 um 15:56
Was bist denn du für eine? Liest es dir nicht durch und weißt doch, dass es "Müll und Gedöns" ist - haste göttliche Eingaben?
ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 17:04
Ich kann dich verstehen, mir gefallen auch nur die beiden Kommentare von "oranier", die haben nämlich wenig mit dem Blogthema zu tun......lach.
ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 17:07
wieso? Teflon-Angie macht es doch auch so.........
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 18:21
das pendant auf rechter seite, ähnlich emotional aufgeladen, sind die kinderschänder agitationen.
oca schrieb am 10.01.2011 um 20:20
Die Frage, wie jemand, den es nicht gibt, überhaupt irgendwo sein kann, wurde hier m.E. bisher zu wenig diskutiert...
nil schrieb am 10.01.2011 um 20:46
@oca

Die Verbrecher gab es doch zu Massen. Schon vergessen?
Später wurden die Hauptschuldigen angeklagt und hingerichtet. Einige sind davon gekommen. Der israelische Geheimdienst bemüht sich zur Zeit u. a. um den nach Deutschland eingewanderten Kriegsverbrecher und Ex-Geschäftsführer von IG Farben.
Glauben sie die seien alle unsichtbar?
Wie die unsichtbare Hand? Oder So?
Dann irren sie sich.
Denn jeder Aufgeklärte Weltbürger kennt die Verbrecher.
oca schrieb am 10.01.2011 um 21:03
@nil: Vielleicht wird mein Kommentar im Zusammenhang mit dem Titel dieses Blogs, "War Gott in Auschwitz(?)" klarer...
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 09:08
@oca

Das ist ein rein sprachliches Problem metaphorischer Rede. Gemeint ist natürlich: Ist die Gottesvorstellung oder der Gottesglaube ad absurdum zu führen, wenn man fragt: "[Titel des Blogs]" - was die Autorin zu verneinen versucht, Auschwitz ist aus ihrer Sicht kein logisch zwingender Nichtexistenz-Beweis.

Oder ist Dir das längst klar und die Kritik so zu verstehen, dass die Nichtexistenz Gottes sowieso eine prämissenhaft feststehende, beweisbare und allgemein anerkannte Tatsache ist?

Das wäre mir zumindest neu.

Wenn Du aus anderen Quellen als aus Auschwitz zwingende Beweise hast, die das Thema Gott erledigen, weil so etwas gar nicht existieren kann, bitte sofort her damit, hier und jetzt!

LG Christian
oca schrieb am 11.01.2011 um 11:11
@ChristianBerlin: Nein, mir ist schon klar, dass es einen Nichtexistenzbeweis weder gibt, noch - aus logischen Gründen - geben kann. Es wundert mich allerdings ein Wenig, dass Du einen "Beweis" für die Nichtexistenz von etwas einforderst, an das Du "glaubst". Ich dachte eigentlich, das Thema Gottesbeweise wäre in der Theologie ebenso erledigt wie in der positivistischen Wissenschaft das der "Gottes-Gegenbeweise". Beides ist unmöglich, es sei denn, Gott steigt von seiner Wolke und beweist sich selbst, wozu er (im Sinne eines "wissenschaftlichen" Beweises, nicht im Sinne überlieferter Wunder oder Augenzeugenberichte, welche die gleiche Beweiskraft haben wie Ufo-Sichtungen) bisher scheinbar noch keine Lust hatte.

Mir als Atheist fällt es nur nach wie vor schwer zu verstehen, wie Menschen überhaupt auf die Idee kommen können, dass es einen Gott gäbe. Gut, angesichts der menschlichen Existenz, der Welt überhaupt, drängen sich unseren kleinen Hirnen die großen Fragen nach dem Warum auf. Dass diese kleinen Hirne sie sich allerdings mit der Verlagerung des Problems auf eine höhere, und uns doch meist so ähnliche Ebene beantworten, erscheint mir doch etwas beschränkt.

Ich will und kann Dir deinen Glauben nicht nehmen, aber mir persönlich erscheint es absurd, entweder

(A) an einen Gott zu glauben, der uns Menschen so erstaunlich ähnlich ist, die doch nur ein kleines Zwischenprodukt der biologischen Evolution auf einem winzigen Staubkorn am Rande einer beliebigen Galaxie sind (das immerhin können wir von der Wissenschaft lernen). Der liebt und straft und bei jeder Gelegenheit in das unübersichtliche Geschehen auf diesem Staubkorn eingreift, der sagt, "du sollst" so und so leben, mit dieser oder jenem auf diese oder jene Weise Sex haben, dieses nicht essen oder jenes nicht tun.

Oder

(B) den "Gottesbegriff" so weit zu erweitern, dass dieser Gott uns Menschen immer unähnlicher wird, den Glauben an brennende Büsche und jungfräuliche Geburten zu verwerfen, sowie dem Gott unsere Denk- und Handlungsmuster, ja überhaupt seine Ähnlichkeit zu einem lebenden Wesen auszutreiben, um dann darauf zu bestehen, das verbleibende Abstraktum immer noch Gott nennen zu dürfen, um sich mit den bodenständigeren Gläubigen, die sich von diesem abstrakten Gott nach wie vor eine Gehaltserhöhung oder die Heilung von einer Krankheit wünschen, ohne größeren Konflikt in einer Kirche versammeln zu können.
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 04:16
Lieber Oca,

das Dilemma der Theologie hast Du überzeugend auf den Punkt gebracht und leicht verständlich dargestellt. Jetzt verstehe ich auch, was hinter Deiner Frage steckt.

Zum Problem von (B) habe ich mich schon in meinem Blog in der Diskussion mit Achtermann über Hume geäußert.

[Die] Wunde, in die Hume den Finger legt, ist ein klassischer theologischer Schummeltrick, einer von mehreren.

Dieser logische Fehler wird in neueren theologischen Kritik z.B. "Sprung in die Sprache des Glaubens" genannt und basiert auf einer Verwechslung von Metaphysik und Theologie.

Beide benutzen (seit Aristoteles) das Wort "Gott", beide meinen damit einen Grund des Seins, aber beide haben andere Erkenntnisquellen und andere Verfahren: Die Theologie stützt ihr Erkennen von Gott auf letztlich ekstatisch begründete Rede von dem, was geistig nicht mehr fassbar (z.B. Profetie), die Metaphysik nähert sich den Grenzen dieser Welt denkend und fragend (vgl. dazu unten 27.12.2010 um 22:40 die typischen Fragen, die selbst noch bei Kant in die Antinomien hineinzuführen scheinen).


Dem kannst Du schon entnehmen, dass ich ein klarer Anhänger von (A) bin - trotz seiner scheinbaren Unmöglichkeit. Daraus, dass wir nicht wissen, WIE Gott das schafft, können wir nicht schlussfolgern, dass dies daran liegen muss, dass es unschaffbar ist. Denn im Transzendenzbegriff ist enthalten, dass Gott nicht den Grenzen von Raum und Zeit unterworfen ist, deshalb können bei ihm durchaus Dinge möglich sein, die bei uns unmöglich wären.

Die entscheidende Frage ist vielmehr: Gibt es Anzeichen oder Evidenzen dafür, dass sie passieren? Und wenn ja: Ließe sich das, was als sein offenbarendes Werk betrachtet wird, anders einfacher erklären (etsi Deus non daretur)?

LG Christian
Kunibert Hurtig schrieb am 10.01.2011 um 21:19
Welche heimlichen Machtphantasien bewegen den Linken, so enttäuscht von Gott zu sein?

keine, sie wissen das Gott weder in Auschwitz noch im Gulag war.
Gott existiert nicht, sch...egal, was das bedeutet!!!
Die, die in Auschwitz ermordet wiuden, wurden von IHREM Gott nicht beschützt ... wenn es ihn gibt, ist er maximal vollkommen rachsüchtig, minimal vollkommen gleichgültig ... das ist alles.
Kuni
nil schrieb am 10.01.2011 um 22:30
@KH

Na, sehen Sie mal:

da haben Sie auch mal was draufgeschissen! . Noch jemand ohne Fahrschein?
oca schrieb am 10.01.2011 um 23:25
Okay, dass die von mir erwähnte Frage auf diesem unterirdischen Fäkalniveau erörtert wird, war nicht meine Absicht.
Kunibert Hurtig schrieb am 11.01.2011 um 06:29
nil schrieb am 10.01.2011 um 22:30

Na klar, irgendwo muss es ja hin! Noch jemand ohne Dünger?
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 09:31
@Kuni

wenn es ihn gibt, ist er maximal vollkommen rachsüchtig, minimal vollkommen gleichgültig ... das ist alles.

Der logische Fehler steckt im letzten Satz von Dir, einem All-Satz, der logisch nicht beweisbar ist. Es sei denn, DU wärest allwissend oder der Allwissende höchststelbt.

Die anderen beiden Sätze haben aus meiner Sicht (beide) je ihr relatives theologisches Recht, sind gut biblisch und passen zur Realität - sind aber in beiden nur Teil eines größeren Ganzen, das sich zumindest den biblischen Autorinnen und Autoren noch einmal ganz anders als nur so erschlossen hat, so dass sie von beidem auch das Gegenteil von Gott sagen konnten (paradox?).

Das Buch, das NIL leider ablehnt, und von dem mir weder sie noch Mustafa verrät, warum es nicht zur Schrift des Volkes gehören kann, das Buch Hiob, spannt diesen Gegensatz aufs Extremste, der schärfste Angriff auf Gott in menschlicher Rede, den ich überhaupt kenne, sparachlicher Vulgärdünger ist da nicht nötig, wäre nur eine Verflachung. Auschwitz ist demgegenüber nicht wirklcih neu, wurde schon immer - wenn es IHN gibt - von IHM veranstaltet, an vollkommen unschuldigen, das ist die Aussage, aber nicht die einzige. Dass selbst bei Menschen, die diese Extreme erlebt haben, durch irgendetwas, das nicht verfügbar oder planbar ist, der Schalter wieder umgelegt werden kann, das sie wie Hiob wieder innerlich auferstehen läst, ist genauso eine diesseitig verifizierbare Realitätserfahrung, man muss nur die Augen offen und mit Menschen zu tun haben.

Unverfügbar heißt: Es gibt in der Realität auch das Gegenteil, von Gott oder dem Schicksal beschädigte Menschen die es nicht schaffen, denen diese Möglichkeit nicht (für sie) ausreichend zugespielt wurde / werden konnte.

Aber deren Realität, die ich nie leugnen würde, schließt das Gegenteil nicht aus. Das ist leider tatsächlich nun auch aus meiner Sicht alles, aber das ist schon viel und wesentlich mehr als bei Dir - manche würden es nicht für möglich halten, weil sie denken, was sie denken: c'est tout - das ist alles, was sich denken lässt, ja alles, was es gibt oder zu sagen gibt.

LG Christian
Kunibert Hurtig schrieb am 11.01.2011 um 11:22
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 09:31

Hallo Christian,

Der logische Fehler steckt im letzten Satz von Dir, einem All-Satz, der logisch nicht beweisbar ist. Es sei denn, DU wärest allwissend oder der Allwissende höchststelbt.

Allwissend bin ich sicher nicht, das wäre schrecklich, denn ich würde Auschwitz nicht zulassen ... und vieles andere auch nicht. Aber auch als Allwissender persönlich würde ich mich grämen ob der Taten meiner Geschöpfe.

LG Kunibert
h.vannna schrieb am 12.01.2011 um 00:22
@Nil: Sie sind in diesem Forum bislang jedenfalls als GeisterfahrerIn mit dezidiert menschenverachtenden Thesen (die Flut in Pakistan war durch "unseren Umgang mit der Natur" verschuldet, nicht durch den Monsunregen etc. pp.) aufgetreten. Ganz offenbar haben Sie was zu verbergen.
nil schrieb am 12.01.2011 um 09:26
@h.vanna

Wo habe ich ein Wort über Parkistan verloren?
Sie haben sich jetzt hinreichend, als ein permanenter Lügner, zu erkennen gegeben.
Wenn Sie noch weiterhin Sachen behaupten, die ich nie gesagt habe, werde ich Sie melden, Sie Lügenbold. Schämen Sie sich!
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 12:31
@Kunibert Hurtig

Allwissend bin ich sicher nicht, das wäre schrecklich, denn ich würde Auschwitz nicht zulassen ... und vieles andere auch nicht. Aber auch als Allwissender persönlich würde ich mich grämen ob der Taten meiner Geschöpfe.

LG Kunibert


Lieber Kuni,

that's the point, darum geht's, für mich jedenfalls. Möglicherweise deute ich die innere Stimme, die Eli Wiesel gehört hat, doch noch ein wenig anders, als Titta oder Sölle oder Jürgen Moltmann deren Botschaft deuten.

Gemeinsam haben wir aber, dass wenn diese Stimme in irgendeiner Weise von Gott kam, dass sie genau das aussagen oder mit aussagen wollte, was Du im 2. Satz aussagst: Der Allwissende grämt sich ob dieser Taten seiner Geschöpfe. Er leidet an ihnen. Und das so heftig, als würden sie ihm selbst angetan.

Wenn Gott sich hier durch eine "innere Stimme" mit dieser Botschaft hören lässt, widerspricht er der Meinung derer, die das Geschehen als Menschen zu verantworten haben, bzw. deren Denken, ihm sei das entweder gleichgültig, weil er zulässt, es teilnahmslos mitansieht, oder er müsse es sogar wollen, man würde ihm mit der Beseitigung solch unwerten Lebens wie dieses Jungen einen Dienst tun (so wird das Verhalten der menschenschlächter im hier von mir zitierten Gedicht von Werner Bergengruen von 1944 gedeutet).

Das Auftauchen dieser Stimme und ihre Aussage offenbaren aus meiner Sicht, dass er sich so ein Geschehen nicht teilnahmslos mitansieht, und schon gar nicht alle Welt davon begeistern möchte.

Der betroffene Junge hat von dieser Stimme in Eli Wiesel allein noch nichts. Dies wäre nur dann der Fall, wenn sie Eli Wiesel in der Situation zu irgendeiner Art des Eingreifens oder Sich-Äußern bewogen hätte, bei der vielleicht sein Leben riskiert und verloren hätte, um diesem Jungen auf irgendeine Art den darin ihm vielleicht übermittelbaren Trost weiterzugeben. Oder aber, was näher liegt, Wiesel erkennt dazu keine Chance, verlässt sich aber darauf, dass Gott, wenn er die Möglichkeit hat und nutz, ihm selbst solchen Trost wie diese Stimme zu senden, auch Mittel und Wege findet, in die tiefste Gottverlassenheit eines solchen Jungen hinein vergleichbaren Trost zu senden.

Wir wissen letzteres nicht, jedenfalls nicht aus dem konkreten Fall dieses Jungen, er kann uns nichts davon erzählen. Es gibt aber Fälle, in denen uns dies erzählt wird als ein real vorgefallenes, wenn auch nur subjektives Geschehen solcher Augenblicke. So etwas ist also möglich, wenn auch nicht garantiert.

Im 3. Gottesknechtslied wird genau dieser Trost bekannt. Und so wie dort vorhergesagt folgte im Christusgeschehen dem Leiden Gottes an der Gottlosigkeit seiner Geschöpfe nich ein sie kollektiv vernichtendes Strafgericht Gottes, sondern ein Lebenlassen der Schuldigen mit ihrer Schuld und Schuldeinsicht (vgl. in Apg 2 die Wirkung der Pfingstpredigt von Petrus, als dem Volk klar wird, wer da getötet worden war) - was den oder die Getöten zwar nicht wieder lebendig macht, aber ihm/ihnen doch ihre Würde zurückgibt, indem ihr Name künftig "super omne nomen" genannt wird.

Mehr kann Gott (wenn es ihn denn gibt) m.E. nicht tun, um aus seinem Gram/Leiden/Zorn das beste zu machen, soweit es das Diesseits betrifft, als ihnen diesen Weg der Einsicht und Versöhnung zu eröffnen und gehbar zu machen. Wird er dann gegangen, ist das beste für alle Beteiligten, die Überlebenden wie die Nachgeborenen auf beiden Seiten, der der Täter wie der der Opfer.

Zum Teil ist auch wirklich Brüderlichkeit die Frucht des erkannten unschuldigen Leidens gewesen, im frühen Christentum und ebenso in der europäischen Kultur nach 1945, zum Teil hat man längst nicht alles daraus gelernt, was zu lernen gewesen wäre und noch immer gelernt werden kann.

Über letzteres wird sich Gott, wenn wir Deinen Gedanken weiterdenken, nach wie vor grämen, selbst wenn das Erreichte nicht nichts ist. Oder wie die Stimme, die Eli Wiesel hörte, sagen würde: Gott leidet nach wie vor mit denen und in denen, denen Menschen Unmenschliches antun. Mit Gott kann man sich deshalb nur freuen, wenn auch mit ihm leidet.

Bonhoeffer Satz: "Das Recht Gregorianik zu singen hat heute nur, wer auch für die Juden schreit" müsste in unserem heutigen Heute sicher abgewandelt oder erweitert werden. Von der Sache her hat aber die Seligkeit denselben Preis. Aber den ist sie auch wert - jedenfalls für den, der die besagte Stimme hört.

LG Christian
Kunibert Hurtig schrieb am 13.01.2011 um 16:29
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 12:31

Danke Christian,

das hatte sich hier ja ganz schön aufgeschaukelt. Diesen Beitrag von Laserhirn konnte ich nicht mehr lesen, deshalb erschien mir das Urteil von Uwe Theel über die Interpretation von Forenboy auch unangemessen, was mich wiederum veranlasste, auf die Palme zu klettern, denn eine Holocaustleugnung konnte ich darin nicht erkennen, ebenso wenig wie eine Rechtfertigung, dass die Opfer des Unsagbaren selber Schuld seien, denn sie hätten sich ja wehren können. Dass es darüber sogar einen Prozess gab, in dem dies v.g. Argument verhandelt wurde, war mir ebenfalls unbekannt.

Was mir aus diesem Beitragsteil von Fobo erkennbar wurde liegt darin, dass ich aus Diskussionen z.B. in der ZEIT oder der SZ zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen bin. Wenn dort mal wieder zu einem israelischen Angriff auf den Gazastreifen und seiner Bevölkerung berichtet wird und man beklagt, dass Kinder, Frauen … einfach Menschen mit Phosphorbomben und Uranmunition (die bestialische Wirkungsweise könnte ich erklären) vernichtet werden und keine Flucht, kein Ausweg möglich ist, wird von den Apologeten dieses Vernichtungsfeldzugs gegen die angestammte Bevölkerung sehr schnell die so genannte NAZI-Keule ausgepackt und der Kritiker auf die Verbrechen des v.g Regimes verwiesen, ihm damit jedes Recht abgesprochen, die zeitnahen Vorgänge im Nahen Osten zu kritisieren. Dieses Totschlagargument wird in den meisten Fällen von standhaften, ultraorthodoxen Juden ausgesprochen und dient definitiv dazu, den Kritiker zum Verstimmen zu bringen.

Diese Vorgehensweise findet man übrigens auch in Threads zu Artikeln, in denen vom Völkermord an den Armeniern, der Steinigung von Menschen in islamischen Staaten, dem Zündeln an Kirchen, den Morden an Christen berichtet wird. In dieser reflexiven Reaktion auf das Dargestellte durch türkische oder arabische Mitbürger kommt ebenso Verdrängung und Leugnung zum Ausdruck, wie auf die reflexive Leugnung des Holocaust.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die verwerfliche Kritik an gegenwärtigen Verbrechen oder Verhalten als unberechtigt zurückgewiesen wird und die eigenen, gegenwärtigen oder historischen Verbrechen mit dem Hinweis auf noch größere Schuld der Vorfahren des Kritikers als unbedeutend relativiert werden. Und dies habe ich aus dem Satz von Fobo gelesen, da mir Vergleichbares schon selber widerfuhr, als ich – nicht nur einmal – die Fleisch verbrennende Wirkung von Uranmunition mit drastischen Worten beschrieb und die Frage stellte, durch welche Untaten diese Aktionen denn wohl gerechtfertigt werden können. Die über mich ausgeschütteten Hasstyrraden haben mich müde gemacht, zu solchen Themen überhaupt noch Stellung zu nehmen.

In dem vorgehend aufgezeigten Zusammenhang habe ich die Interpretation von Fobo gelesen und konnte dafür durchaus Verständnis aufbringen und habe daraus folgend die niederschmetternde Kritik von Uwe Theel – gerade in Hinsicht auf seine überragende Diktion – als unberechtigt beklagt.

Was nun den Gottesgedanken angeht, mit dem ich in der Weise wie von Dir vorgetragen noch nicht konfrontiert worden bin, werde ich einmal meine Gedanken sammeln und konzentrieren. Denn die tiefe Humanität, die sich in Deinen Worten und Sätzen findet, legt den Gedanken nahe, ob ich vielleicht doch kein Atheist sondern eher so etwas wie ein Agnostiker bin. Aber darüber werde ich noch nachdenken.

Mit tiefem Respekt

LG Kuni
Rapanui schrieb am 10.01.2011 um 22:44
Die von Titta hier wieder aufgeworfene Frage "War Gott in Auschwitz?" habe ich immer so verstanden, dass Gläubige ob ihres Weltbildes in tiefe Zweifel gestürzt werden müssten. Die daraus abgeleitete Problemstellung, dass "der Linke von Gott enttäuscht sei" ist nun völlig nebensächlich.

Allein vor dem gesprengten Vergasungsbunker in Birkenau stehend, habe ich gesehen, dass dieser wie das Fundament eines großen Hauses aussieht. Ein Treppe führt hinunter, man kann die gemauerten Wände erkennen. Nichts unterscheidet den Keller von einem abgerissenen Wohnhaus, über dessen Reste nur noch die Wiese gesät werden muss, damit der Schandfleck nicht mehr zu sehen ist. Es waren einfach Betonplatten über die Mauern gelegt worden und auch 800 oder 1000 Menschen konnten diese , auch nicht in Todesangst, gemeinsam nach oben stemmen. Warum sind sie nicht vorher weggerannt oder sind einfach nicht hineingegangen? Warum hat sie keiner der Eisenbahner gewarnt? Es ist ein so durchschaubarer und gemeiner Trick. Wieso hat der funktioniert? Immer und immer wieder. Bis sie alle tot waren.

Zu diesem brutal einfachen Bau führen nun alle Menschenkalkulationen, Staatsentschuldungen, Transportkapzitätsplanungen, Rangordnungen, Gesichtsvermessungen, Volksgesundheiten, Lebensräume, Überfremdungen? Dies sind die Fragen, die mich bewegen. Was ist denn das: "Gott"?
Uwe Theel schrieb am 10.01.2011 um 23:07
@ Rapanui schrieb am 10.01.2011 um 22:44

Was ist denn das: "Gott"?

Diese Frage, Rapanui, kannst nur Du und mußt nur Du Dir selbst beantworten. Die beantwortet Dir, für Dich niemand. Wenn Du zu der Antwort kommst, dass es Gott nicht gibt, dann ist es Deine Antwort und gültig für sonst niemand und für Dich - hoffentlich - gut.

Die ganzen Kodderschnauzen hier von Hurtig über oca, Forenboy bis zu Laserhirn bilden sich ein irgendjemandem vorschreiben zu können, dass es keinen Gott gäbe, statt sich damit zu bescheiden, dass das für nur sie gilt, wenn sie es selbst sagen.

Gott beweist sich nicht dadurch, dass er die Fehler der Menschen verhindert, bloß weil er es in seiner Macht hätte, oder es vorher wüßte. Es gibt kein solches Paradies auf Erden. (ich habe das o. in zwei Kommentaren ausfürlich dargelegt)

Der Gläubige braucht Gott nicht zu beweisen, da er für ihn da ist, einem anderen braucht er ihn schon gar nicht zu beweisen.

Der Ungläubige braucht und kann genauso wenig beweisen, dass es Gott nicht gäbe.

Obwohl es sinnlos ist gedankenlosen, intoleranten Schlechtschwätzern, wie den o. Genannten etwas zeigen zu können erinnere ich hier an einen Text von Franz Kafka, einem auch in seinem Glauben zutiefst Irritierten, der nicht einmal im Gesetz die Gewißheit finden konnte, die er suchte und trotzdem "wußte" wie es denn gehen müßte:

Vor dem Gesetz von Franz Kafka

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. »Es ist möglich«, sagt der Türhüter, »jetzt aber nicht.« Da das Tor zum Gesetz offensteht wie immer und der Türhüter beiseite tritt, bückt sich der Mann, um durch das Tor in das Innere zu sehn. Als der Türhüter das merkt, lacht er und sagt: »Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehn. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter. Von Saal zu Saal stehn aber Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich mehr ertragen.« Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht, seine große Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen tatarischen Bart, entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt. Der Türhüter gibt ihm einen Schemel und läßt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre. Er macht viele Versuche, eingelassen zu werden, und ermüdet den Türhüter durch seine Bitten. Der Türhüter stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Heimat aus und nach vielem andern, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie große Herren stellen, und zum Schlusse sagt er ihm immer wieder, daß er ihn noch nicht einlassen könne. Der Mann, der sich für seine Reise mit vielem ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es noch so wertvoll, um den Türhüter zu bestechen. Dieser nimmt zwar alles an, aber sagt dabei: »Ich nehme es nur an, damit du nicht glaubst, etwas versäumt zu haben.« Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den Türhüter fast ununterbrochen. Er vergißt die andern Türhüter, und dieser erste scheint ihm das einzige Hindernis für den Eintritt in das Gesetz. Er verflucht den unglücklichen Zufall, in den ersten Jahren rücksichtslos und laut, später, als er alt wird, brummt er nur noch vor sich hin. Er wird kindisch, und, da er in dem jahrelangen Studium des Türhüters auch die Flöhe in seinem Pelzkragen erkannt hat, bittet er auch die Flöhe, ihm zu helfen und den Türhüter umzustimmen. Schließlich wird sein Augenlicht schwach, und er weiß nicht, ob es um ihn wirklich dunkler wird, oder ob ihn nur seine Augen täuschen. Wohl aber erkennt er jetzt im Dunkel einen Glanz, der unverlöschlich aus der Türe des Gesetzes bricht. Nun lebt er nicht mehr lange. Vor seinem Tode sammeln sich in seinem Kopfe alle Erfahrungen der ganzen Zeit zu einer Frage, die er bisher an den Türhüter noch nicht gestellt hat. Er winkt ihm zu, da er seinen erstartenden Körper nicht mehr aufrichten kann Der Türhüter muß sich tief zu ihm hinunterneigen, denn der Größenunterschied hat sich sehr zuungunsten des Mannes verändert. »Was willst du denn jetzt noch wissen?« fragt der Türhüter, »du bist unersättlich.« »Alle streben doch nach dem Gesetz«, sagt der Mann, »wieso kommt es, daß in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß verlangt hat?« Der Türhüter erkennt, daß der Mann schon an seinem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: »Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.«
ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 23:23
@Uwe Theel, hallo, was geht hier ab?
Ich bestehe darauf, aus der Liste der "üblichen Verdächtigen" gestrichen zu werden.

ICH HABE ZU GOTT KEIN STERBENSWÖRTCHEN GESAGT.
luggi schrieb am 10.01.2011 um 23:25
"Der Gläubige braucht Gott nicht zu beweisen, da er für ihn da ist, einem anderen braucht er ihn schon gar nicht zu beweisen.

Der Ungläubige braucht und kann genauso wenig beweisen, dass es Gott nicht gäbe."

Toll, also brauche ich auch nicht zu beweisen, dass UT ein udo ist. Danke für die wissenschaftliche Leistung.
Uwe Theel schrieb am 10.01.2011 um 23:26
@ ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 23:23

Warum haben Sie dann überhaupt hier geschrieben? - Mann kann nicht nicht kommunizieren!
Uwe Theel schrieb am 10.01.2011 um 23:31
@ luggi schrieb am 10.01.2011 um 23:25

Luggi - unterirdisch -, Du stellst Dich dümmer als Du hoffentlich nicht bist:

Weder geht es um mich, noch bin ich Gott!

Übrigens: Mich gibt es wirklich!
ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 23:34
"Kodderschnauzen und gedankenlosen, intoleranten Schlechtschwätzern" (Ihre Worte) haben Sie gerade eindrucksvoll bewiesen, wie es sich anfühlt, wenn man an Gott glaubt.

Mir fällt da nur Pharisäertum ein, um im Kontext ihrer Religion zu bleiben. Irgend etwas war da mit aus dem Tempel vertreiben, oder so.

Na, da wird sich Gott aber freuen.
ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 23:40
blöde Frage; wer lesen kann ist klar im Vorteil:

ich stieß rein zufällig auf den letzten Beitrag von "oranier", und weil ich den super fand, habe ich nach weiteren von ihm gesucht und noch einen hier im Blog gefunden.

In Kurzform war das der Inhalt meines Kommentars am 10.01.2011 um 17:04.

Wie wäre es also mit einer öffentlichen Entschuldigung?
Die kann ich nämlich erwarten!
luggi schrieb am 10.01.2011 um 23:43
@ ut
für dich gibt es wenig bis keine Hoffnung.
Wieso scheibst du einen Kommentar ohne 20 Nebensätze in einem Satz? Damit bist du es nicht wirklich. Oder mindestens zwei. Einer kurz und nichtssagend und ein anderer mit Inhaltsleere.
Oder dritter? Ein Streitsüchtiger? Da gibt es bestimmt was von der Razziofarm.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 00:14
@ ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 23:40

Nun, ich hatte den Eindruck, Sie stimmten dem

rioges schrieb am 09.01.2011 um 13:18,

rioges schrieb am 09.01.2011 um 13:43,

Laserhirn schrieb am 10.01.2011 um 14:54,

was da gesagt wurde zu, als Sie das

ForenBoy schrieb am 10.01.2011 um 17:04

Ich kann dich verstehen

schriebn.

rioges und Laserhirns Äüßerungen sind nicht viel anders zu qualifizieren, als ich es tat.

Sollten Sie den Gedanken von rioges et. al. nicht zustimmen, täte es mir leid, Sie da in eine Reihe gestellt zu haben. Ich konnte jedenfalls bisher nicht erkennen, dass Ihr Verstehen diesen Herren gegenüber gleichzeitig Kritik oder gar Ablehnung diesen gegenüber ausgedrückt hätte.

Eine unabhängiges Lob an Oranier, der sich an ChristianBerlin gewandt hatte (!), hätte dann völlig ausgereicht, ist sicher auch gerechtfertigt und mich sicher nicht auf den Plan gerufen.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 00:29
@ luggi schrieb am 10.01.2011 um 23:43

@ ut
für dich gibt es wenig bis keine Hoffnung.


Lieber luggi, in Dich hatte ich meine Hoffnung bisher tatsächlich nicht gesetzt, aber es ist großartig zu beobachten, mit welcher Sicherheit, Du sagen kannst, wie es für mich, um mich grundsätzlich steht.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 01:02
@Uwe Theel, also den riesigen Unterschied zwischen dem "Verstehen" und einer "Zustimmung" zu einem Kommentar muss ich Ihnen doch wohl nicht erklären?
Wenn ja täte mir das leid, aber für Sie.

Ihre kleinlaute Entschuldigung nehme ich dennoch an.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 01:16
@ ForenBoy am 11.01.2011 um 01:02

Entschuldigen sie erneut, forenboy,

aber wenn jemand im Deutschen zu einem anderen sagt "ich verstehe Dich", dann meint er mehr, als dass er eine distinkte Kette von Lauten aus em Hintergrundrauschen des Unsiversums gefischt hätte und diese einer formal sytaktischen Analyse hat unterziehen können, die ihn zu nicht weiter der Rede werten Annahmen über deren semantischen Gehalt geführt hätten; Das Mißverständnis allerdings liegt immer in der Luft..

So, wie Sie genau diesen Satz, alleinstehend äußerten, erfährt er aber die Standardkonnotation des "Einverständnisses" mit dem "Verstandenden". Gegenteiliges wäre auszuweisen. Das Einverständnis braucht nicht wortreich bekundet zu werden.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 01:37
es ist der Mühe zwar nicht wert, aber ich verstehe Ihre Wortklauberei, dennoch stimme ich ihr nicht zu.

Egal, wenn ich einer Haltung zustimme, dann benutze ich auch die entsprechende Vokabel und nicht eine, die was anderes ausdrückt.
Hätte mir Laserhirns Kommentar gefallen, hätte ich ja von 3 Beiträgen und nicht von 2 Beiträgen gesprochen.

Und ich bleibe dabei; nur 2 Beiträge, nämlich die von "oranier" in diesem Blog gefallen mir.

Das Blogthema scheint ja viele zu interessieren, mich kein Stück.
Rapanui schrieb am 11.01.2011 um 07:56
Hallo Titta,
erst einmal alles Gute für das Jahr 2011
@ Uwe Theel

>>>Diese Frage, Rapanui, kannst nur Du und mußt nur Du Dir selbst beantworten. Die beantwortet Dir, für Dich niemand<<<

Diese Frage stellte ich nur, um mich weiterer Übergriffe aus dem Theofanblog zu erwehren. Letztens (wwalkie, Adorno, Offenbarung, Vernunft) examinierte mich "chryselers" zum Thema "Offenbarung" und "entzog" mir das Diskussionsrecht, weil ich dazu "Nichts" sagte .

>>>Der Gläubige braucht Gott nicht zu beweisen, da er für ihn da ist, einem anderen braucht er ihn schon gar nicht zu beweisen.<<<

Dieser Tatsache scheint sich "Titta" nicht bewusst zu sein. Sonst würde sie es einfach dabei belassen, zu fragen "War Gott in Auschwitz". Dann ist es ein Blog, zu welchem ich einfach nichts zu sage habe. Das respektiere ich - ich habe mich an keinem der "Theoblogs" beteiligt. So aber "beweist" sie "Gott" in dem sie diesen explizit in einer Versuchsanordnung vor mir aufbaut: "Los Linker sag' was zu Gott!". Nicht "Gott" steht bei ihr in Anführungszeichen sondern Machterweis.
Rapanui schrieb am 11.01.2011 um 08:08
>>>Hallo Titta, erst einmal alles Gute für das Jahr 2011<<<

Das ist ein Zitat aus dem ersten Posting von JP. Wollte ich erst verwenden und dann wieder löschen, hab's aber leider dann übersehen und so steht es noch hier in meinem Posting von 07.56 Uhr.

Wenn es also hier noch steht.; es wirkte auf mich so: Erstmal einen Neujahrsgruß - soviel Zeit muss sein, dann ein Käffchen und dann zu "Gott".
oca schrieb am 11.01.2011 um 13:37
@Uwe Theel:

"Die ganzen Kodderschnauzen hier von Hurtig über oca, Forenboy bis zu Laserhirn bilden sich ein irgendjemandem vorschreiben zu können, dass es keinen Gott gäbe, statt sich damit zu bescheiden, dass das für nur sie gilt, wenn sie es selbst sagen."

Oh, vielen Dank, dass du mich nun, nach vielen zeitweise bissigen, aber immer wenigstens mit einem Minimum an Respekt ausgestatteten Diskussionen mit mir, umstandslos in einen Topf mit widerlichen Nazis wie Laserhirn schmeißt und obendrein noch ein lustiges Schimpfwort für "uns" erfindest. Dass ich niemandem etwas vorgeschrieben habe, noch mir einbilde, dies tun zu können, müsste ich eigentlich nicht erwähnen, wenn du dir die Mühe gemacht hättest, meine Beiträge auch zu lesen.

Wenn gläubige Menschen ganz ohne den permanenten Hinweis auskommen, dass es sich bei ihrem Glauben um eben um ihren Glauben, und nicht um eine universelle Wahrheit handelt, warum sollte dann ein Atheist wie ich nicht - in einem winzigen Kommentar - schreiben dürfen, dass es Gott nicht gibt? Muss ich dazusagen, dass dies meine Privatmeinung und keine "Vorschrift" ist, oder kann ich erwarten, dass dies im 21. Jahrhundert selbstverständlich ist, vor allem in einem Blog, in dem kaum jemand ständig betont, dass der Glaube an Gott lediglich eine Privatmeinung ist?

Nun, diese Diskussion kann ich mir sicherlich sparen, da du inzwischen dazu übergegangen bist, mich nach einer dir nicht passenden Äußerung mit der Maximalstrafe, dem Vergleich mit Auschwitzleugnern wie Laserhirn, zu belegen.

Das ist so derartig unter der Gürtelline, dass es dich selbst angesichts deiner eigenen, hier oft verkündeten Maßstäbe, mehr als unglaubwürdig macht. Menschlich ist es eine wirkliche Enttäuschung.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 13:46
@Rapanui schrieb am 11.01.2011 um 07:56

So aber "beweist" sie (0 Titta; ut) "Gott" in dem sie diesen explizit in einer Versuchsanordnung vor mir aufbaut: "Los Linker sag' was zu Gott!". Nicht "Gott" steht bei ihr in Anführungszeichen sondern Machterweis."

Lieber Rapanui,

ich glaube Titta fragt schon etwas anders:

"Kann ein Linker also von Gottes "Machterweis" in Auschwitz, so wie Elie Wiesel ihn verstanden hat, wirklich und ernsthaft enttäuscht sein? Oder anders gefragt: Welche heimlichen Machtphantasien bewegen den Linken, so enttäuscht von Gott zu sein?"

Titta fragt also, ob es einem Linken zugeschrieben werden kann/soll/darf/..., dass er heimlich die Machtphantasien habe, die das bürgerliche Bewußtsein auslebt, indem es sich auf Gott berufend bürgerliche Macht ausübt, eine weltlich-politische Macht die somit nicht hinterfragbar wäre.

Eine gewagte, einen schwierige Frage - wie ich zugebe -, die man aber stellen, deren positive Beantwortung man widerlegen, deren Fragekern man überhaupt zurückweisen kann, oder mindestens versuchen kann zu diskutieren, schließlich zu beantworten.

P.S.: Übergriffe?
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 14:01
@ oca am 11.01.2011 um 13:37

Geehrter oca,

ich reagierte auf diesen Kommentar von Dir:

oca schrieb am 10.01.2011 um 20:20
Die Frage, wie jemand, den es nicht gibt, überhaupt irgendwo sein kann, wurde hier m.E. bisher zu wenig diskutiert...


der unmittelbar im Umfeld der von mir genannten Blogger erschien und sich mir dort einzureihen schien

Ich bitte um Verzeihung, wenn ich ihn in meiner Empörung über den durch die übrigen Genannten angeschlagenen Tenor fälschlich dort mit einreihte.

Mein Vorwurf, dass die Gottesleugnung genauso unsinnig ist, wie der durch manche Atheisten geforderte Beweis seiner Existenz bleibt im Fall der Fälle bestehen. Mit Deinem Kommentar in dieser Kurzform (?), setztest Du dich diesem Vorwurf aus. Der ist natürlich nicht gleichzusetzen mit einem Faschismusvorwurf, wenn er aus den gesagten Gründen jetzt auch wohl mitschwang.

Ich rätsele dann aber immer noch, wie Du an dieser Stelle (am 10.01.2011 um 20:20) scheinbar - wenn auch für mich mit dem falschen Argument - eine Sachdiskussion führen zu können glautest, nachdem das andere Umfeld gerade sich entlarvend und am Thema vorbei geöffnet hatte.

Gruß
ut
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 14:15
ja UT, ich nenne sowas Vorurteile, bestenfalls vorschnelles unüberlegtes Handeln.
Damit tun Sie sich keinen, dafür aber den "üblichen Verdächtigen" einen großen Gefallen.
oca schrieb am 11.01.2011 um 17:16
@Uwe Theel: Okay, dann bin ich beruhigt. Nach meinem Eindruck hatte sich das "unangenehme Umfeld" allerdings erst nach meinem eigenen Kommentar entwickelt, oder ich hatte es übersehen. Es ist manchmal verwirrend hier, und schließlich hat keiner Lust dazu, die verschiedenen Kommentare nach ihren Zeiten neu zu sortieren.

"Mein Vorwurf, dass die Gottesleugnung genauso unsinnig ist, wie der durch manche Atheisten geforderte Beweis seiner Existenz bleibt im Fall der Fälle bestehen."

Dass es unsinnig ist, einen Gottesbeweis zu fordern, ist klar, denn schließlich handelt es sich bei diesem "Gott" ja nicht um etwas, das man hinter Stern XY am Firmament vermutet (jedenfalls nicht mehr), sondern um ein durch seine Konstruktion ziemlich schwer bis gar nicht zu beweisendes Etwas. Gottesleugnung im Sinne eines behaupteten Nichtexistenzbeweises ist dann natürlich genauso unsinnig.

Nicht unsinnig ist es dagegen m.E., die Vorstellung eines Gottes für unsinnig zu halten. Und das ist meine Position.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 17:41
@ oca schrieb am 11.01.2011 um 17:16

Nicht unsinnig ist es dagegen m.E., die Vorstellung eines Gottes für unsinnig zu halten. Und das ist meine Position.

... die Bedingengungen, dass diese angemessen diskutiert werden kann, ich jederzeit verteidigen würde.

Voltaire hat das einmal schöner gesagt :-)

ut
Rapanui schrieb am 11.01.2011 um 21:51
@ Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 13:46

Hallo Uwe Theel,

Dank für Ihren Interpretationsversuch. Hilft mir leider nicht.

Ich habe insofern Klarheit, als dass sich Titta heute nacht im Thread als Christin geoutet hat - dass war mir bisher nicht klar. Am Text bemerkte ich nur, dass etwas "faul" ist. Damit erklärt sich für mich Tittas Blog hinreichend und mein Interesse an einer weiteren Diskussion erlahmt sofort.

"Theoblog" und Aus.
Titta schrieb am 12.01.2011 um 00:58
@Rapanui

Auch wenn's ein Versehen war, trotzdem lieben Dank für die lieben Grüße;-)
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 01:11
Uwe Theel schrieb am 10.01.2011 um 23:07

Die ganzen Kodderschnauzen hier von Hurtig über oca, Forenboy bis zu Laserhirn bilden sich ein irgendjemandem vorschreiben zu können, dass es keinen Gott gäbe, statt sich damit zu bescheiden, dass das für nur sie gilt, wenn sie es selbst sagen.

Sie haben ein Problem UT. Hier schreibt niemand jemandem etwas vor, aber in Frage stellen ... das geht doch oder?
Sie sind ja auch nicht gerade zimperlich im Austeilen. Im Gegensatz zu Ihnen hänge ich jedoch keiner prähistorischen Schimäre an, um den durch Offenbarungsphantasmen verbogenen Geist am Widerpart von Kodderschnauzen zu reiben. Durchsuchen Sie die Wirklichkeit nach ihrem Gott ... ES ist nicht da, dieses Gespenst, in dessen Namen namenlose Greuel gerechtfertigt wurden.
Die beeindruckende Länge Ihrer Einlassungen decken lediglich einen Verstand auf, dessen Absonderungen sich vor allem an sich selbst ergötzen.
Kuni
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 01:32
@ Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 01:11

Durchsuchen Sie die Wirklichkeit nach ihrem Gott ... ES ist nicht da, dieses Gespenst, in dessen Namen namenlose Greuel gerechtfertigt wurden.

Nun, das klingt in der Tat so als schrieben Sie z.B. mir nicht vor, was ich tun sollte und als seien Sie dabei, fragend sich der Gottesvorstellung unter den Menschen zu nähern, dabei immer wieder den Fehler begehend, höchst mittelalterlich und voraufklärerisch einen materiellen Gottesbeweis zu fordern, glaubend fein raus zu sein, da man ja das Gegenteil nur zu behaupten braucht, denn, da, wo nichts ist, auch kein materieller Beweis zu führen wäre.

Vulgärmaterialismus und Intoleranz - jeweils der schlimmsten Sorte - tritt einem da entgegen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 04:18
Der Kommentar wurde von der Moderation entfernt
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 10:09
@Vorredner

dieser Gottesscheiß wird von außen, nachträglich an Ausch-Witz heran getragen

Deshalb verstehe ich auch die holocaust leugner. Die haben die Funktion von AuschWITZ kapiert.

Und ich sag euch, die die den meisten Respekt mit dem Leiden der Juden(es waren im übrigen nur zum Bruchteil Juden) haben, sind die aller übelsten Socken.

Was ist denn Auschwitz heute schon ? ein Freilichtmuseum für Schulausflüge, oder man lässt sich davor ablichten und wäscht sich die hände rein.

Alles was Auschwitz im Mund führt, ist mir hochverdächtig.
Das können nur Pfaffen, Politiker, Journalisten, Antifa und so n Gesockse sein: Leute die nix bei zutragen haben. So Stinker


Lieber demnächst vielleicht deaktivierter User, der jetzt noch "Laserhirn" hießt:

Wie ist eigentlich Dein Name zu deuten? Hat ein Laser Dir Dein Hirn weggebrannt? Glaubst Du im Ernst, dass Dir die Anonymtiät, aus der in der FC immer wieder solche Anwürfe kommen, irgend einen Schutz bietet, wenn Du über die Grenze des Strafrechts gehst?

Damit meine ich nicht, dass Du mich als Pfaffen bezeichnest, sag ich ja selbst auch manchmal zu mir, sowiel Witz muss sein dürfen. Aber Deine Verballhornung von Auschwitz und Dein Applaus für die Holocausleugner, die These vom "Bruchteil" usw. ist eine ernste Sache, die mehr als nur die erhoffte pubertäre Negativbestätigung nach sich ziehen kann und muss.

Ein Kommentar von ganz rechts außen war das, wie wir ihn hier in der FC so noch nie hatten, ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, und zwar m.E. jenseits der Grenze der für alle geltenden Gesetze. Und auch nicht wirklich prosemitisch, wie Du vorgibst, im Gegenteil. Du entmündigst nicht nur Überlebende wie Eli Wiesel, Du machst mit den zitierten alle Juden, nur weil zugegebenermaßen viel von Witzen verstehen, zu Witzfiguren, auch die in Auschwitz ermordeten. Damit überschreitest Du jeder Humorgrenze und zeigst nur, dass Du keinen hast, denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht, nicht, wenn man bloß andere schmäht und der Lächerlichkeit preisgibt wie einst jene Bundeswehr-Offiziere am Kamin, die solche Späße tatsächlich und mit vollem Recht die Karriere kosteten.

Kindereien mögen das gewesen sein, aber aus denen wird immer mal wieder blutiger Ernst, solche Respektlosigkeiten waren der Anfang von dem, worüber wir hier reden. Dein Auschwitz Witz könnten allenfalls Stürmer-Leser witzig finden.

Denk mal nach, wenn Du das mit dem Laserhirn noch kannst.

Betroffene Grüße

Christian
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 11:54
@ChristianBerlin,
also ich weiß jetzt wirklich nicht, warum Sie sich über Laserhirn so erregen und dazu noch den Forenwächter spielen wollen.
Wenn Sie von Gott so überzeugt sind, wie Sie vorgeben, dann kann die Polemik von Laserhirn Sie doch in Ihren Glaubens-Grundfesten nicht so erschüttern, dass Sie gleich nach dem Henker rufen.

Natürlich will Laserhirn provozieren, na und?
Es kann sich doch nur jemand provoziert fühlen, der sich seiner "Sache" (hier der Glaube an Gott) nicht sicher ist.
Ansonsten ginge mir seine Bemerkung am A...... vorbei.

Vielleicht sollten Sie Laserhirn einmal versuchen zu verstehen, was Ihnen ja eigentlich aufgetragen ist (so verstehe ich Ihre Religion zumindest).

Ich verrate Ihnen mal wie ich Laserhirn verstanden habe:

Laserhirn findet es unerträglich, dass der Holocaust immer und immer wieder GEGEN Menschen INSTRUMENTALISIERT wird, und das aus unterschiedlichsten Motiven, und darüber, welch geheuchelte Verhaltensweisen dies bei denen auslöst, die sich instrumentalisieren lassen.

Hätten Sie auch dann so überreagiert, wie Sie es getan haben, wenn Laserhirn seine Meinung so ausgedrückt hätte, wie ich es gerade tat?
Denken Sie mal darüber nach.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 11:59
@ ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 10:09

Danke Christian,

Du hast mir aus der Seele gesprochen.

Liebe
Grüße

Uwe
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 12:00
@ ForenBoy am 11.01.2011 um 11:54

Noch Fragen?

ut
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 12:13
an Sie bestimmt nicht.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 12:43
@ ForenBoy aka another Boy am 11.01.2011 um 12:13

Sympathien sind eben unterschiedlich verteilt.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 13:35
ich weiß zwar nicht, welche Verschwörungstheorie Sie jetzt schon wieder umtreibt, aber mit Sympathien hat das nun wirklich nichts zu tun:

ich erspare mir ganz einfach Fragen zu stellen, wenn ich die zu erwartende Antwort bereits kenne.
Emma in Uniform schrieb am 11.01.2011 um 13:55
@foren"boy"

("boy"!)

"Boy"..na:klaro.

Und? Was macht der Cosmos?
Im Vogelhäuschen wieder langweilig?
Kompostieren Sie deshalb hier so bemüht
Ihre mickrige Religionskritikversatzstücke?

"Interessiert" Sie hier "kein Stück"?
"Nicht der Mühe wert"?
Ach so.

Diesen Beitrag also: ablehnen;
aber hier rumquatschen, simple nachquatschen, was versierte Schreiber gegen den Beitrag aufbringen?

Rür rechte Flitzpiepen in die Bresche sprengen?

"Verraten" wie sie wen verstanden haben?

"Nachdenken" anordnen?

So geht bei Ihnen also: Wohlfühlen, nicht war?

Aber: Auch Jauche hat Ihren Sinn.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 14:18
@ ForenBoy am 11.01.2011 um 13:35

Könnten Sie mir einmal die mir dabei verborgen bleibende Intelligenz ausdrücken, die darin läge, dass Sie hier laufend die Leute schräg anquatschen, gleichzeitig aber betonen, das alles was andere hier sagten interessierte Sie gar nicht.

Wirkliches (Sach)Interesse bei Ihnen würde mich auch wundern, da die Inhaltsleere Ihrer Beiträge dann ja wunderschön belegt, dass Sie von der Thematik auch nicht die leiseste Ahnung zu haben scheinen, sieht man vom ausgedrückten Ressentiment o.ä. ab.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 14:20
Uniformierte waren für mich noch nie einen Gedanken wert. Aggressive Frauen in Uniform erst recht nicht.

Suchen Sie sich jemand anderen zum Spielen.
Irgend ein Boy muss Ihnen ja schwer zugesetzt haben.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 14:25
Im schräg anquatschen sind Sie doch hier der Meister, von mir können Sie in der Hinsicht sicher nichts lernen, auch für Sie die Bitte, sich jemand anderen zum Spielen zu suchen.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 14:38
@ ForenBoy am 11.01.2011 um 13:35

Nun, ich kennen Ihre Antwort, die sie zum "Verständnis" von Laserhirns Unsinn gaben:

"Laserhirn findet es unerträglich, dass der Holocaust immer und immer wieder GEGEN Menschen INSTRUMENTALISIERT wird, und das aus unterschiedlichsten Motiven, und darüber, welch geheuchelte Verhaltensweisen dies bei denen auslöst, die sich instrumentalisieren lassen."

Ihrem Verstand scheint nicht bewußt zu sein, dass in Ihrem Satz die Leute, von denen sie sagen, dass diese es als "unerträglich" empfinden, dass die von Walser so genannte "Holocaustkeule" gegen sie geschwungen wird, sie dadurch sich "instrumentalisiert" sähen (Sie meinen wohl als Träger des Beweises für virulenten (Neo)Faschismus) als dieseleben begriffen werden, die dann "heuchelhaft" reagierten wenn sie sich dagegen wehrten. Dieses sich Wehren - oder was hatten Sie so im Sinn? - dann als Selbstinstrumentalisierung zu bezeichnen, macht allenfalls Sinn, wenn man dabei entdeckt, dass Sie damit die Opferrolle von den wahren Opfern des Faschismus, die in Ihrem Satz gar nicht mehr vorkommen auf die mindestens der Tat Verdächtigten übertragen.

In Ihrem von mir o. zitierten Satz steckt, wenn auch sehr verborgen die Holocaustleugnung, mindestens die Idee, die Opfer des Holocaust, wenn es sie denn gäbe, seien selbst dafür verantwortlich, dass Sie Opfer wurden.
Emma in Uniform schrieb am 11.01.2011 um 14:46
@"boy"

Mal wieder: Falsch.

"Boys" gibt es hier nicht.

Wir befinden uns hier nicht in einer verblödeten NutraSweet-Sprechzone,
in der "Boy" gangbar wäre.

Auch unter sehr dummen Neusprech-Fans gilt sonstwas-"boy" als außerordentlich schmandig, süßlich-verweste Bemühung sich zu verjüngen,
passiv-aggressiv und größenwahnsinnig sind Sie ja sowieso ("Ich nehme Ihre kleinlaute Entschuldigung entgegen, blablabla,"),
genau wie sich bewußtlos
als dümmlich kommentierender Blogwart aufzuführen, Boy.

Sie tragen nichts zur Sache bei, finden hier alles uninteressant.., aber zwei bestimmte Kommentare fänden Ihren Beifall..

Und ja..Wie aufschlußreich..u.v.a. sehr mitteilenswert

(ForenBoy...was soll man sich darunter vorstellen?
Einen verwesten Säugling, der seine Autorität hier testet? "Da mal drüber nachdenken." )

Und Gruß ins Vogelhäuschen nicht vergessen.
dame.von.welt schrieb am 11.01.2011 um 14:56
'ForenBoy...was soll man sich darunter vorstellen?' @Emma und @Uwe Theel, nicht ttb, bloß einen bei Zeitonline gesperrten Ichhabzuallemwaszumelden, der eine neue Spielwiese brauchte.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 17:30
Sie können es wohl nicht lassen aus falschen Zusammenhängen noch falschere Rückschlüsse zu ziehen, da kann ich Ihnen wirklich nicht weiter helfen.

Hier zum Mitschreiben und anschließenden Verstehen:

Mein geäußertes "verstehen" bezog sich auf einen Kommentar 10.01.2011 um 14:47, die "Interpretation" auf einen am 11.01.2011 um 04:18.
Wenn Sie das nicht unterscheiden können, tut es mir leid, wenn Sie absichtlich Ihre Unterstellung platzieren, unterstelle ich Ihnen Böswilligkeit.

Ist so ein Verhalten christlich?
Dann bin ich aber froh, kein Christ zu sein.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 18:51
@ ForenBoy am 11.01.2011 um 17:30

Sie mögen mir ja Böswilligkeit unterstellen. Solange Sie die aber nicht belegen können, sieht es dünn aus:

Genau Ihr "Verstehen" in Bezug auf Laserhirn am 10.01.2011 um 14:47 und ihr "Interpreatation" von Laserhirn am 11.01.2011 um 04:18 habe ich nach meinem Verständnis an Ihrem Text in Bezug auf Laserhirn ausführlich dargestellt.

Wie gesagt, behaupten können Sie viel, angesagt wäre jetzt, inwiefern meine Darstellungen am 10.01.2011 um 23:07, am 11.01.2011 um 01:16 und am 11.01.2011 um 14:38 konkret unzutreffend wären und was Sie denn nun tatsächlich "meinten" als Sie Laserhirn "verstanden" bzw. "interpretierten".
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 19:05
keine Chance, @UT, ich unterhalte mich nicht mit Menschen, die im Gegenüber immer das "Negative" suchen.

Und da oranier hier ja auch nichts mehr schreibt, werde ich es ihm gleich tun.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 19:38
@ ForenBoy am 11.01.2011 um 19:05

Wenn Oranier nicht (mehr) schreibt, dann hat er gewöhnlich das Thema nicht nur aus seiner Sicht erschöpfend behandelt und ich als sein Leser oder Mitdiskutant konnte das gemeinhin immer erkennen.

Bei Ihnen erkene ich nur eine eine zur Kenntlichkeit entstellte Interpretation der laserhirn`schen Textgeburt und den Widerspruch, dass Sie sich auf im besten Fall inintelligible Äußerungen, genauer abstrakte Behauptungen zu einem Thema abringen, das sie eingestandenermaßen nicht interessiert.

Fragte man Sie, was genau Ihnen denn an Oraniers Texten so gefallen hat, ich fürchte, da käme nicht mehr, als das von Ihnen am 10.01.2011 um 17:04 schon Gesagte, was ein Nichts war.

Aus mehr besteht auch Ihre "Kritik" an meinen Texten nicht.

Dass Sie das erschöpft hat, kann ich mir vorstellen, erschöpfend, gar stichhaltig aber war da nichts.
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 01:32
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 14:38

In Ihrem von mir o. zitierten Satz steckt, wenn auch sehr verborgen die Holocaustleugnung, mindestens die Idee, die Opfer des Holocaust, wenn es sie denn gäbe, seien selbst dafür verantwortlich, dass Sie Opfer wurden.

Ihre Interpretationen beweisen lediglich einen geschredderten Geist, dessen Selbstvergewisserung des Bösen bedarf um die eigene moralisch-ethische Unvollkommenheit hinter religiöser Obsession zu verbergen.
Es ist gerade diese Art von Sein, die an religiösen Fanatikern, wie Sie offensichtlich einer sind, so unendlich abstoßend wirkt.
Kuni
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 11:01
@ Kunibert Hurtig am 12.01.2011 um 01:32

Es hat nichts mit "geschreddertem Geist" oder "Selbstvergewisserung des Bösen" zu tun sondern zunächst reicht schon eine rein syntaktische Anlayse des Satzes von Forenboy:

"Laserhirn findet es unerträglich, dass der Holocaust immer und immer wieder GEGEN Menschen INSTRUMENTALISIERT wird, und das aus unterschiedlichsten Motiven, und darüber, welch geheuchelte Verhaltensweisen dies bei denen auslöst, die sich instrumentalisieren lassen."

um festzustellen, dass das grammatische Objekt im ersten Nebensatz (= "MENSCHEN") auf dieselben Menschen referriert, auf die Forenboy anspricht, wenn er von denen spricht, die "sich selbst instrumentalisieren lassen". Besonders pikant ist, dass Forenboy zunächst intendiert, dass diesen MENSCHEN gegenüber zu Unrecht mit der "Moralkeule" angegangen würde und zwar "aus unterschiedlichsten Motiven" (welche dies seien, verschweigt Forenboy), die in ihrer Reaktion dann aber nur "heuchelten" (wieder kein Wort über die Inhalte der Heuchelei!), also - lt Forenboy - gar keinen Grund hätten abwehrend (?) zu reagieren.

Die mit solcher Syntax einhergehende Semantik macht den Satz, wenn überhaupt nur sinnvoll, wenn man meine Interpretation (Opfer zu Tätern an sich selbst zu machen; s. Uwe Theel am 11.01.2011 um 14:38) zugrundelegt.

Aber Sie werden mir sicher genauer sagen können, was Forenboy da bei dem offensichtlich aus der neofaschitischen Ecke gekrochenen Laserhirn richtig "verstanden" hat und in seinem sprachlich und inhaltlich reichlich kruden Satz ausdrückte. Forenboy selber zieht es ja vor zu schweigen.

P.S.: Was Ihre Ansichten über "religiöse Obsessionen" betrifft, die Sie mir andichten, so sollten sie nicht jemandem, mit dem Sie kein vernünftiges Wort zu wechseln bereit sind, Ihre Vorstellungen von Kleinkinderglauben in diffamierender Absicht unterschieben.
ForenBoy schrieb am 12.01.2011 um 11:35
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 01:32

"Ihre (Uwe Theel) Interpretationen beweisen lediglich einen geschredderten Geist, dessen Selbstvergewisserung des Bösen bedarf um die eigene moralisch-ethische Unvollkommenheit hinter religiöser Obsession zu verbergen.
Es ist gerade diese Art von Sein, die an religiösen Fanatikern, wie Sie offensichtlich einer sind, so unendlich abstoßend wirkt."
Kuni

hi Kuni,
danke für die treffende Analyse, hätte ich fast übersehen zwischen all dem Fanatiker-Geschreibsel von Selbstdarstellern.
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 11:49
@ ForenBoy schrieb am 12.01.2011 um 11:35

Fanatiker-Geschreibsel von Selbstdarstellern

Nun, an Selbstreferentialität sind ja Texte wie der Ihre

"Laserhirn findet es unerträglich, dass der Holocaust immer und immer wieder GEGEN Menschen INSTRUMENTALISIERT wird, und das aus unterschiedlichsten Motiven, und darüber, welch geheuchelte Verhaltensweisen dies bei denen auslöst, die sich instrumentalisieren lassen."

nicht zu überbieten. Wenn Sie dann noch, Laserhirn nicht widersprechend damit "Verstehen" von neofaschistischem Geschreibsel ausdrücken, erübrigt sich Ihrer Meinung nach wohl jedes erklärende Wort Ihrerseits, außer daß Sie sich hier selbst beweihräuchern lassen, wie?
ForenBoy schrieb am 12.01.2011 um 11:58
sagen Sie mal, Uwe Theel, Sie wollen ein Christ sein?

Dann haben Sie offenbar den Auftrag, der Gott Ihnen gab gehörig missverstanden, und ich bin froh, mich nicht für Ihr Fehlverhalten rechtfertigen zu müssen.

Vielleicht verstehen Sie ja irgendwann einmal den von Ihnen gern zitierten Satz RICHTIG, dann wäre ein Anfang getan und Hoffnung in Sicht.
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 13:00
@ ForenBoy am 12.01.2011 um 11:58

Ich glaube nicht dass das Ganze eine theologische Frage ist, aber es wär nett, wenn Sie mir mal konkret und rational erklärend sagten, was Sie denn Anderes "gemeint" haben, als ich es verstanden habe.
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 14:18
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 11:01

Es hat nichts mit "geschreddertem Geist" oder "Selbstvergewisserung des Bösen" zu tun sondern zunächst reicht schon eine rein syntaktische Anlayse des Satzes von Forenboy:

Sehen Sie, Herr Theel, jetzt haben Sie sich entpuppt. Das obige Zitat ist falsch, so habe ich es nicht geschrieben und so war es auch nicht zu verstehen, wie deutlich wird, wenn Sie es noch einmal lesen, aber langsam bitte.

Der geschredderte Geist ist jener, dessen Körper vor einer hochkomplexen Apparatur sitzt und sich selbst die Anweisung gibt, aus dem Gelesenen das ihm Beliebige zu extrahieren, um es hernach, neu geordnet und in einen verfälschten semantischen Zusammenhang dargestellt, dem Autoren um die Ohren zu schlagen.

Das heißt, dass ich Ihrer Eloquenz zwar mit einer gewissen Bewunderung begegne, die dahinter sich verbergende Absicht hemmungsloser Selbstüberhebung jedoch mit tiefstem Misstrauen begegne. Will sagen: in Ihnen wechselwirken zwei Phänomene miteinander. Das Eine ist der tiefen Logik von Sprache selbst verpflichtet und agiert entsprechend, das Andere gehorcht einem von mir und Forenboy verabscheuten Prinzip, nämlich der Konditionierung durch eine religiöse Offenbarungsreligion zu gehorchen und hinter jedem Kritiker einen verkappten Faschisten zu vermuten. Das, Herr Theel, sind unbewiesene Unterstellungen, die Sie jedoch, als tatsächlich angenommen, unreflektiert in Ihre weitere Argumentation einbauen. Das stößt naturgemäß auf Widerstand, denn was Sie annehmen und darstellen ist so nie gesagt worden und auch so nicht gemeint gewesen. Im Grunde repräsentieren Sie ein autopoiesisches System, d.h. Sie halten durch die Aufrechterhaltung und Erzeugung von Missverständnissen eine im Grunde erledigte Diskussion aufrecht. Ihre Motive würden mich interessieren.

Was Ihre Extraktion "Selbstvergewisserung des Bösen betrifft, gilt hierfür das Gleiche. Beides, der geschredderte Geist als auch die Selbstvergewisserung des Bösen können in meinem Beitrag nur als zusammenhängend verstanden werden. Die Trennung des Argumentes in zwei voneinander unabhängige Teilzusammenhänge und ihrer anschließenden Synthese in einem vollkommen Neuen klassifiziert Sie als eine Art Politiker, der in seiner Aussage der Diffamierung des politischen Gegners bedarf, um sich von ihm unterscheiden zu können. Dies hat möglicherweise auch gar nichts mit Religion oder Glauben zu tun, sondern gehört zu den Basisdeterminanten ihres Selbstverständnisses.

Was nun den Satz von Forenboy angeht, kann ich dahinter weder eine Leugnung des Holocaust erkennen noch die Absicht, den Opfern der Verbrechen eine Mitschuld an diesen zu geben. Sie, Herr Theel, entlarven sich auch hier wieder mit Ihrer Analyse als Mensch, der der semantischen Erbsenzählerei bedarf, um seiner Absicht, nämlich das Missliebige zu diffamieren, nachkommen zu können. Das ist unredlich.

Was die Vernunft und die sie begleitenden Worte und Aussagen betrifft … Nein, Herr Theel, die Aussage verfängt nicht. Nur Sie brauchen diese um, wie oben schon erläutert, den Prozess Ihrer subjektiven Langeweile mittels eines selbstorganisierenden Systems steter Diffamierung und des sich Erwehrens dagegen zu überdecken. Wie sie das nennen weiß ich nicht; es scheint mir nur auffallend.

Kuni
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 14:49
@Kunibert Hurtig
Hervorragende Analyse. Ich würde nur ergänzen, dass ut gleich an zwei Offenbarungsreligionen glaubt, die sich gegenseitig widersprechen: den Protestantismus und den Marxismus-Leninismus.
Ich vermute daher, dass es darum geht, innere Widersprüche nach außen, d.h. auf andere, zu projizieren. Aber vielleicht ist es auch einfach nur eine Kombination aus Autismus und der Unfähigkeit, einfache Sachtexte zu verstehen und sinnvoll zu analysieren.
ForenBoy schrieb am 12.01.2011 um 15:29
Lieber Kuni........(ich hoffe Du nimmst mir diese Anrede nicht übel, lach),

nochmals herzlichen Dank für diese weitere Analyse, deren Essenz ich zwar die ganze Zeit verspürte, aber nicht auszudrücken vermochte.

Aber in diesem Forum wird man ja schon alleine deshalb in die rechte Ecke gestellt, wenn durch einen Softwarebug der Forensoftware sich das Profil nicht öffnen lässt.

Da frage ich mich ernsthaft, was sind das für Menschen, die von Misstrauen zerfressen hinter jeder abweichenden Meinung einen faschistoiden Troll ausmachen.
Arrogantes, diskreditierendes Geschwurbel, sinn verfälschende Interpretationen statt echten ernst zu nehmender Argumente und oberflächliche Erbsenzählerei können doch nicht wirklich Sinn eines Forums sein.
Für mich sind nämlich ganz viele der hier schreibenden keine Christen, sondern Pharisäer, die ihrem Glauben einen Bärendienst erweisen, von diesem bescheuerten Linksgehabe gar nicht zu reden.

LG Andreas
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 15:37
derDonnerstag schrieb am 12.01.2011 um 14:49
Ich würde nur ergänzen, dass ut gleich an zwei Offenbarungsreligionen glaubt, die sich gegenseitig widersprechen: den Protestantismus und den Marxismus-Leninismus.
Oh ... das war mir nicht bekannt. Allerdings fiel mir dazu A. Mitscherlich ein:
Jemand der sich der kausalen Logik verpflichtet fühlt und gleichzeitig einer Offenbarungsreligion wie dem Christentum anhängt kann dieses nur, wenn er den daraus folgenden inneren Widerspruch negiert (oder verleugnet). aus: Krankheit als Konfliktlösung
Der Annahme eines Autismus stehe ich skeptisch gegenüber; jedoch könnte das Verhalten auf ein Asperger Syndrom verweisen, wobei auch andere Geistesgrößen (z.B. P. Dirac) anscheinend damit lebten. Der Wortkargheit in der Begegnung mit Menschen stand ein überaus scharf analysierender Geist gegenüber, allerdings nur auf der spezifischen Fachebene (Inselintelligenz). Bei Dirac war es die Physik, bei UT kann es die Dialektik sein, wobei der marxistisch-leninistisch geprägte Geist der Feinde bedarf, um sich als lebend zu begreifen, somit also aus dessen Worten das ihn selbst Bestätigende extrahiert um die Annahme der Feinschaft aufrecht zu erhalten.
Gepaart mit einem religiösen Sendungsauftrag ergibt sich eine Mischung, die, wie hier zu lesen, dem Vorgehen des Volksgerichtshofs in nichts nachsteht. Das scheint, nach Deinen Worten, auf den angesprochenen Projektionsmechanismus zu verweisen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 15:59
Sehr interessant, was Mitscherlich dazu sagt.
Das mit den "anderen Geistesgrößen" war jetzt aber ein Scherz, oder? :)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 16:01
Ach ja, Asperger meinte ich eigentlich auch, nicht Autismus im strengen Sinne.
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 16:33
"anderen Geistesgrößen" ...

Natürlich, aber klingt doch gut und hebt enorm ...
Gruß Kuni
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 16:45
Autismus ...

Kennst Du das Buch von Birger Sellin, Ich will kein in mich mehr sein, Nachrichten aus einem autistischen Kerker

das ist/ware ein Berliner Autist, der sich mit Hilfe eines Comp. verständigen konnte, jedoch niemals sprach.

eine absolut phantastische Sprache, die dort an die Oberfläche kam. Interessanterweise habe ich, als ich in China arbeitete, eine Übersetzung (von einer Bekannten aus Bei Jing) eines chin. Zeitungsartikels lesen dürfen. Das las sich so ähnlich wie die Zeilen von diesem Sellin.

Gruß Kuni
Phineas Freek schrieb am 12.01.2011 um 17:27
Selektiv wahrnehmendes Bewusstsein, KANN Selbiges nur ausschließlich bei den Anderen diagnostizieren. Das ist doch eigentlich banal und zweckmäßig. Demzufolge prallen dann auch immer dieselben Protagonisten aufeinander, um mit dem vorwerfenden Fingerzeig auf das Andere, dass Eigene zu bekräftigen.
Wer nicht Affirmation und Apologie bezweckt – lässt das sein.
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 18:07


Hier scheinen ja die Karrieren einiger Möchtegernseelenklempner in der Blogvirtualität des Internets gestrandet zu sein.

Soviel Erkenntnis bei sowenig Empirie. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.

P.S.: Hinsichtlich der ausgestellten Professionalität vermißt man nur den Hinweis auf das Copyright der Diagnose Autismus und Aspergersyndrom. Ich liefere es hier nach:

Tabublogs
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 18:15
Ist klar. Und da schließt sich dann der Kreis, denn die "Tabublogs" haben Sie ja auch schon als Sammelbecken von Neonazis oder so "entlarvt".
War übrigens gut gemeint. Bei so einigen anderen hier würde ich einfach nur zwanghafte Boshaftigkeit und/oder Rakisucht diagnostizieren.
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 19:58
Phineas Freek schrieb am 12.01.2011 um 17:27

Selektiv wahrnehmendes Bewusstsein, KANN Selbiges nur ausschließlich bei den Anderen diagnostizieren.
Fürwahr, eine aufschlussreiche Tautologie.
Wahrnehmendes Bewusstsein nimmt immer selektiv wahr. Dieser Tatbestand wird gestützt durch die Erkenntnis, dass immer nur ein Gedanke gedacht werden kann. Die Kontrolle über diesen Prozess gewährleistet unsere Fähigkeit miteinander zu kommunizieren.
Ist dieser Prozessablauf gestört, indem keine Instanz aktiviert ist, die die Serialisierung der den Gedanken kennzeichnenden Prozesselemente in der richtigen Reihenfolge abruft und deren zeitliche Abfolge (Verstehen) taktet, so denkt man alle Gedanken gleichzeitig, was wiederum den Autismus kennzeichnet: in der überwältigenden Zahl der Fälle ist eine Sinn gebende Kommunikation nicht möglich.
Anders liegt der Fall jedoch, wenn das wahrnehmende Bewusstsein das Bewusstwerdende selektiv nach Sprachmasken abscannt aber die Serialisierung der Information zeitlich nicht optimiert wird. In diesem Fall verbleiben die selektierten Begriffe im Gedächtnis und werden für die anschließende Verarbeitung abgerufen. Da jedoch nur selektive Sprachmasken abrufbar sind, deren semantischer Zusammenhang verloren gegangen ist, erfolgt die Antwort auf das Gelesene als Ergebnis eines Prozesses, der die Lücken zwischen den Masken füllend konstruiert. Dies sein an einem kurzen Beispiel erläutert:
Ausgehend von folgender Erläuterung zu einem moderierten Beitrag:
1: Laserhirn findet es unerträglich, dass der Holocaust immer und immer wieder GEGEN Menschen INSTRUMENTALISIERT wird, und das aus unterschiedlichsten Motiven, und darüber, welch geheuchelte Verhaltensweisen dies bei denen auslöst, die sich instrumentalisieren lassen."
erging darauf folgende Antwort:
2: In Ihrem von mir o. zitierten Satz steckt, wenn auch sehr verborgen die Holocaustleugnung, mindestens die Idee, die Opfer des Holocaust, wenn es sie denn gäbe, seien selbst dafür verantwortlich, dass Sie Opfer wurden.
Darauf nahm denn ein anderer Beitrag Stellung:
3: Ihre Interpretationen beweisen lediglich einen geschredderten Geist, dessen Selbstvergewisserung des Bösen bedarf um die eigene moralisch-ethische Unvollkommenheit hinter religiöser Obsession zu verbergen.
Was dann einmündete in:
4: Es hat nichts mit "geschreddertem Geist" oder "Selbstvergewisserung des Bösen" zu tun sondern zunächst reicht schon eine rein syntaktische Anlayse des Satzes von Forenboy:
So, die Abschnitte 1&2 will ich erstmal nicht kommentieren. Aber um zu den eingänglichen Erläuterungen hinsichtlich des wahrnehmenden Bewusstseins zurückzukehren, erkennen wir, dass der unter 4: hergestellten Zusammenhang aus den Begriffen "geschreddertem Geist" und "Selbstvergewisserung des Bösen" aus dem beantworteten Zusammenhang aus 3: nicht herzuleiten ist.
Die erläuterten Beispiele sind kennzeichnet von einem Prozess, dessen zeitliche Synchronisation der Serialisierung der Information gestört ist und somit einen neuen Zusammenhang konstruiert. Und genau dieses gilt somit nachweislich für den Forenteilnehmer Uwe Theel: Er konstruiert Zusammenhänge, internalisiert sie und antwortet auf das Internalisierte. Dieser Tatbestand ist sowohl auf die Beiträge 1:&2:, die nicht kommentiert werden, als auch auf die Beiträge 3:&4: zutreffend und es scheinen beileibe keine Einzelfälle zu sein.
Das ist doch eigentlich banal und zweckmäßig. Demzufolge prallen dann auch immer dieselben Protagonisten aufeinander, um mit dem vorwerfenden Fingerzeig auf das Andere, dass Eigene zu bekräftigen.
Aha, eigentlich banal … Sehen Sie, der hinter Ihrer Tautologie sich verbergende Prozess ist definitiv nicht banal. Er ist vor allen Dingen dann nicht banal, wenn die aus der Kommunikation sich ergebenden Zusammenhänge so gestaltet werden, wie gerade beschrieben. Und genau dieses kennzeichnet den geschredderten Geist. Soviel zu Ihren beiden bombastischen Sätzen. Hier wird kein vorwerfender Fingerzeig auf das Andere konstruiert, sondern analysiert wie eine spezifische Kommunikation sich zu entwickeln beginnt. Somit verweist diese Analyse auf einen neuronalen Prozess, dessen Inferenzen auf Informationen zurückgreifen, die reinen Suchbegriffen entsprechen, von jedem vorherigen semantischen Zusammenhang befreit.
So, und jetzt erzählen Sie mir keinen mehr vom Pferd.
Kuni
Phineas Freek schrieb am 12.01.2011 um 22:19
Sie wollen nichts vom Pferd ezählt bekommen und schreddern mir selbst ne ganze Herde aus falsch "abgescannten selektiven Sprachmasken" und Synchronisationsstörungen" bei der Informationsverarbeitung bestimmter Fotenteilnehmer zu.
Falsche Urteile aufgrund "neuronaler Störungen"?!!
Bei Ihnen piepts wohl.
Was schlagen Sie denn nun vor, Sie kleiner naseweiser Hirnforscher?
Einweisung in die Psychiatrie, Lobotomie oder Elektroschocks bei Bloggern wie Uwe Theel oder DerDonnerstag?
Nein, antworten Sie am besten gar nichts - dieser deprimierende Blog und seine gläubigen Protagonisten gehen mir nur noch gewaltig auf die Nüsse.
Kunibert Hurtig schrieb am 12.01.2011 um 22:43
Phineas Freek schrieb am 12.01.2011 um 22:19

Was schlagen Sie denn nun vor, Sie kleiner naseweiser Hirnforscher?

Zuviel der Ähre.

Einweisung in die Psychiatrie, Lobotomie oder Elektroschocks bei Bloggern wie Uwe Theel oder DerDonnerstag?

Dem einen hilft sicherlich ein Gebet; über den anderen habe ich diesbezüglich noch nicht nachgedacht und werde das auch wohl nicht tun.
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 23:20
@ Kunibert Hurtig am 12.01.2011 um 19:58

Das formal logisch von Ihnen entwickelte Kommunikationsmodell ist als abstrakte Strukturbeschreibung vollkommen korrekt.

Nur leider versäumen Sie es in der anwendung auf meinen Fall an den entscheidenden Stellen zu belegen, dass das was sie als das "Füllen der Lücken" bezeichneten mit jeweils falschem Füllstoff geschah.

Ihr Trick ist, ohne "Bewertung" - korrekter sollte es heißen "Interpretation" - der Ausgangstexte auskommen zu wollen.

I´ll fill you in:

Wenn ich din Forenboys Einschätzung des Laserhirn`schen Textes zunächat auf syntaktischer Ebene eine Identität bei zwei Referenzen feststelle, die nicht sinnvoll ist, schon weil sie nicht logisch ist, so muß ich mich doch fragen können, wie kommt der Sprecher zu dieser Konstruktion.

Wenn ich dann feststelle, daß Forenboy sagt, dass er das, was ein Neofaschist sagte - nämlich neofaschistische Inhalte -, versteht und dem nicht widerspricht, dann kann ich diesen Inhalt, wissend was neofaschistische Inhalte sind, aus der kruden Oberflächenstruktur des forenboy´schen Satzes zu rekonstruieren versuchen.

In diesem Fall wurde ausgehend vom Walser´schen Moralkeulenargument (= Ungerechtfertigte Anwendung des Faschismusverdachts von Linken gegenüber als rechts Angenommenen)) von Forenboy behauptet, dass die so ungerecht Angegangenen "heuchlerisch" reagierten, wenn sie sich dagegen wehrten, was wohl heißt, dass sie keinen Grund hätten, sich zu wehren. Soweit wäre alles logisch: Rechte würde nie zugeben, dass sie als solche zu kritisieren wären.

Forenboy behauptet nun aber, dass die (Linken), die den Faschismusvorwurf erhöben, die so Beschuldigten "instrumentalisierten", ohne zu erklären wozu. Bei Walser sprach in der Frankfurter Rede wörtlich von der "Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken", was er nicht für angemesen hielte. Zwar benennt Forenboy diese Zwecke nicht, behauptet jetzt aber, dass sich die Beschuldigten, wenn sie sich gegen den Vorwurf wehrten, "sich selbst (im Sinne und für die Zwecke des Beschuldigers; ut) instrumentalisierten", so also mindestens äußerlich ihre Schuld eingestehen müssen, was aber nur eine Heuchelei wäre. Warum aber sollte sich jemand zum Schein zum Opfer einer Kritik machen, wenn er unschuldig sei, was Forenboy zu intendieren scheint und das widersinnige Verhalten den so Handelnden damit selbst zum Vorwurf macht. Die heutigen Opfer des Faschismusvorwurfs hätten also offensichtlich jedes Recht, sich des Vorwurfs zu erwehren, da er nicht zuträfe.

Realiter würde aber kein wirklich Rechter gegenüber einem Linken so "heuchlerisch" handeln, sondern sich wehren, von diesem instrumentalisiert zu werden, was schon in sich sowieso unsinnig wäre.

Nun ist es aber ein bekannter Vorwurf der Rechten gegenüber den Juden, dass diese an Ihrer Verfolgung selbst Schuld seien (vgl z.B. den Fall des Prof. Dr. Konrad Löw (BVerfG, 17. 08.2010)) und diese haben sich bekanntlich auch nicht wirklich gewehrt.

Nach Forenboys Logik hätten also zwar die Nationalsozialisten die Juden zu Unrecht als Sündenböcke instrumentalisiert, da jene sich aber nicht wehrten, damit Ihre "Schuld" quasi "heuchlerisch" zugaben, jene den eigenen Untergang heraufbeschworen.

Die von Forenboy selbst in seinem Satz konstruierte Situation ist selbstverständlich so unsinning, wie das o. rekonstruierte Argument der Rechten. Der Unterschied ist nur, dass das "Argument" der Rechten realiter existiert, die forenboysche Oberflächenvariante aber nur ein reines, wirklich sinnloses Konstrukt ohne jede Realität im Auftreten ist.

Ich gestattete mir nur die Entschlüsselung, das Rechte Argument.

Wenn ich damit irre, dann gebe man mir endlich den "richtigen" Sinn des forenboyschen Satzes, damit die Ansicht eines neofaschistischen Geistes, den Forenboy ja korrekt verstanden haben will. In einem solchen Geist kann ich mir jedenfals nichts Positives zum gegebenen Thema vorstellen.

Wohlan Ritter Kunibert, sattteln Sie Ihr Pferd erneut!
Uwe Theel schrieb am 12.01.2011 um 23:28
Korrektur zu Uwe Theel am 12.01.2011 um 23:20

Nun ist es aber ein bekannter Vorwurf der Rechten gegenüber den Juden, dass diese an ihrer Verfolgung selbst Schuld seien (vgl z.B. den Fall des Prof. Dr. Konrad Löw (BVerfG, 17. 08.2010)), sie HÄTTEN sich bekanntlich auch nicht wirklich gewehrt.
Kunibert Hurtig schrieb am 13.01.2011 um 00:34
Herzlichen Glückwunsch,

Die Teilnehmer dieses Veranstaltung haben gerade mit großem Erfolg unseren Grundkurs

Wir bauen uns aus einer Mücke ein Elephantom

teilgenommen.

Die Zertifikate gehen Ihnen nach Überweisung der Kursgebühren auf dem Postweg zu.

Raubritter Kunibert von Hurtig
Uwe Theel schrieb am 13.01.2011 um 00:54
Sehen Sie Meister Hurtig,

das nennt man Kommunismus:

Gemeinsam großen Erfolg haben.
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 06:19
@ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 11:54

@ChristianBerlin,

Lieber ForenBoy,

ich geh jetzt - leider sehr spät und nach einem vielleicht unnötigen Schlagabtausch mit anderen - auf Deine freundlich und sachlich formulierten Fragen ein.

also ich weiß jetzt wirklich nicht, warum Sie sich über Laserhirn so erregen und dazu noch den Forenwächter spielen wollen.

Hab ich beides nicht getan. Dass das Ressort LaserhirnsText gleich von selbst löschen und ihn als User sperren würde, war unausweichlich. Das hatte ich auch so gesagt und ihm auch unterstellt, dass er das schon beim Abfassen seines Textes wusste und wollte.

Mir ging es nicht um das "Bewachen" des Forums, sondern um ein Festhalten dessen, was Laserhinr gesagt hat. Wenn es nämlich weg ist, weiß es niemand mehr so genau - und dann können leicht "Zensur"-Mythen entstehen.

Kernstück meines Posts waren seine wörtlichen Zitate - man darf ja nach einem Grundsatzurteil selbst rechte Symbole und rechtes Gedankengut zitieren, wenn man sich gleichzeitig klar davon distanziert.

Wenn Sie von Gott so überzeugt sind, wie Sie vorgeben, dann kann die Polemik von Laserhirn Sie doch in Ihren Glaubens-Grundfesten nicht so erschüttern, dass Sie gleich nach dem Henker rufen.

Ich habe keinen Henker gerufen, war mir nur nach allen Erfahrungen in der F.C. und nach der Gesetzeslage sicher, dass der gleich kommen würde und wollte "Beweismaterial" sicherstellen (s.o., zum vorigen Punkt).

Hier beginnt übrigens schon die Legendenbildung: "Gott" hatte er ja - außer vielleicht im Ausdruck "Gottscheiß" gar nicht angegriffen, und Angriffe auf Gott habe ich auch nicht inkriminiert, sondern im Gegenteil erklärt, dass er mich ruhig "Pfaffe" nennen darf, das täte ich auch manchmal. Die zitierten Passagen und meine Kritik beziehen sich vielmehr auf einen sehr saloppen Umgang mit dem Andenken ermordeter Juden, den ich schon für strafbewährt halte.

Weil das auf jeden Fall gelöscht werden musste, war meine Befürchtung: Dass daraus - oder aus der Löschung des Freitag - hinterher der Vorwurf religiöser Intoleranz gebastelt wird, wenn keiner mehr nachlesen kann, was da warum genau gelöscht wurde.

Natürlich will Laserhirn provozieren, na und?

Provozieren - und gelöscht werden. Das war einkalkuliert, so dumm kann er nicht sein, dass er das nicht wusste und nicht wollte.

Es kann sich doch nur jemand provoziert fühlen, der sich seiner "Sache" (hier der Glaube an Gott) nicht sicher ist.

Da es um diese Sache (die Sache mit "Gott") nicht ging, ist dieser Schlussfolgerun aufgrund ihrer fehlerhaften Prämisse nicht möglich. Mir war aber klar, dass das ganze so hingestellt werden soll.

Deshalb noch mal - wo geht es in meinen Beanstandungen darum, dass Laserhirn Gott oder den Glauben nicht anerkennt?

Der Begriff, um den es geht, heißt "Jude".

Ansonsten ginge mir seine Bemerkung am A...... vorbei.

Bemerkungen antisemitischen oder sonst irgendwie rassistsichen oder holocaustverharmlosenden Charakters dürfen niemandem am Arsch vorbei gehen.

Vielleicht sollten Sie Laserhirn einmal versuchen zu verstehen, was Ihnen ja eigentlich aufgetragen ist (so verstehe ich Ihre Religion zumindest).

Da gibt es Grenzen. Nazis - nur mal ein Beispiel - müsste ich weder verstehen, noch ihnen Verständnis heucheln. Für alles, was die menschliche Würde verletzt, werde ich nicht auch noch öffentlich Verständnis demonstrieren. So habe ICH meine Religion verstanden.

Ich verrate Ihnen mal wie ich Laserhirn verstanden habe:

Laserhirn findet es unerträglich, dass der Holocaust immer und immer wieder GEGEN Menschen INSTRUMENTALISIERT wird, und das aus unterschiedlichsten Motiven, und darüber, welch geheuchelte Verhaltensweisen dies bei denen auslöst, die sich instrumentalisieren lassen.

Hätten Sie auch dann so überreagiert, wie Sie es getan haben, wenn Laserhirn seine Meinung so ausgedrückt hätte, wie ich es gerade tat?


Deine vermeintliche Zusammenfassung hat den Vorteil und den Nachteil, dass sie mehrdeutig ist. Ich kann nur sagen, dass ich nachgefragt hätte, worauf er sich bezieht, wenn er sich so ausgedrückt hätte.

Man könnte diese angebliche Zusammenfassung der Gedanken des gesperrten Users z.B. auf die hier von mir irgendwo zitierte Kritik von Prof. Wolfssohn an Stephan Kramer beziehen. Das wäre akzeptabel und hätte die gleiche Bedeutung wie mein Hinweis, aus dem Holocaust kein Totschlagargument zu machen (irgendwo weiter oben, eine meiner ersten Äußerugen hier).

Da der Kontext Deiner Zusammenfassung aber eindeutig ein anderer ist, ist sie so nicht deutbar. Du behauptest ja, sie sei eine Zusammenfassung der gelöschten Äußerungen des gesperrten Users Laserhirn. So kann man sie aufgrund der Mehrdeutigkeit von Sprache auch lesen, aber dann ergibt sich ein völlig anderer Sinn.

Wenn Sätze wie:

Deshalb verstehe ich auch die holocaust leugner. Die haben die Funktion von AuschWITZ kapiert.

Und ich sag euch, die die den meisten Respekt mit dem Leiden der Juden(es waren im übrigen nur zum Bruchteil Juden) haben, sind die aller übelsten Socken.


so zusammengefasst werden sollen, bekommen Deine Worte eine Bedeutung, in der sie zur Rechtfertigung einer Holocaustleugnung dienen und einer respektlosen Verharmlosung menschenverachtenden Unrechts das Wort reden. In dieser Bedeutung würde ich Deinen Sätzen genauso entschieden widersprechen wie denen von Laserhirn.

ANTITHESE: Wer die Instrumentatlisierung von Auschwitz nicht will, der muss die Singularität und Unvergleichbarkeit betonen. So kann er den Opfern und Überlebenden Respekt erweisen. Das Gegenteil, die Destruktion der Rede von Auschwitz, wäre falscher Weg zur Vermeidung einer solchen Instrumentalisierung, Wer zur Vermeidung des Missbrauchs von Auschwitz die Rede von Auschwitz destrieren oder diskreditieren will, fügt altem Unrecht neues Hinzu. Man darf die Opfer und Überlebenden nicht als "Heuchler" erneut entwürdigen oder sie als WITZ-Figuren der Lächerlichkeit preisgeben oder das an ihnen begangene Unrecht zahlenmäßig ("Bruchteil") herabspielen oder es ganz leugnen bzw. die Leugnung für verstehbar erklären.

Denken Sie mal darüber nach.

Hab ich getan. Hat bei mir aber keine Veränderung bewirkt.

Mal selber nachdenken.

Christian

PS: Nimm die Ermahnung von Jan ruhig zu Herzen, sie ist in Deinem Fall berechtigt, auch wenn sich Uwe Theel leider provozieren ließ - Dein "na und?" zum Thema Provozieren verrät, dass das alles zum Plan gehört, genau wie das Ziel dieser Provokation, Dein späteres Fazit, dass wer sich davon provozieren lässt, nur ein schlechter Christ sein kann bzw. ein Beweis dafür, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander gehen.
Uwe Theel schrieb am 13.01.2011 um 12:12
@ ChristianBerlin am 13.01.2011 um 06:19

Lieber Christian,

in aller Solidarität, aber ich widerspreche:

Ich habe mich nicht "leider" provozieren lassen, sondern fühlte mich von Laserhirns Text genauso provoziert wie Du, konnte mich Deinem Protest nur anschließen.

Erst als als Forenboy Laserhirn, wie Du sagst "doppeldeutig" zusammenfasste, als er sein "Verständnis" davon kundgab - dabei gegen die unumgängliche Löschung demonstrierte !!! - habe ich in mehreren Beiträgen versucht, Forenboys Lapsus aus psycholinguistischer Sicht zu deuten, den politischen Hintergrund dabei mit einbeziehend.

Ich kam dabei zu exakt derselben Würdigung, wie Du in Deinem Beitrag vom 13.01.2011 um 06:19 Uhr.

Insbesondere pflichte Ich Dir noch einmal bei, dass die Verteidiger von Laserhirn, indem Sie hier von ihnen abschätzig so genannte "christliche" Foristen als nicht linksfähig angreifen, während dabei unterschwellig der Antisemistismus bei den Angreifern "durchmarschiert", wie Du schriebst, sie das Thema verfehlen, wenn Sie "Gott" für "Jude" nehmen, der Protest notwendig und unverzichtbar wird.

Liebe Grüße
Uwe

P.S.: Bezüglich von unumgänglichen Löschungen plädiere ich seit langem dafür, dasss eine, wie bei Wikipedia realisierte, im Hintergrund einsehbare "Versionsgeschichte" geführt werden sollte.
ForenBoy schrieb am 13.01.2011 um 23:22
hallo Christian, ich brauche nicht nachdenken, da ich den Text ja selbst geschrieben habe und ihn so formulierte, wie ich ihn verstanden haben möchte.
Wem das nicht gelingt, sollte konkret Fragen stellen.

Aber deine Bemerkung, Uwe Theel habe sich provoziert fühlen müssen, macht Dich schlagartig für mich parteiisch, denn er war es, der mich unentwegt provoziert hat, obwohl ich ihn gebeten hatte, den Dialog mit mir einzustellen, da er nur das Böse zu suchen schiene.
Mit solchen Menschen will ich nichts zu tun haben, die Verschwörungstheorien verbreiten (Nick) und heuchlerische Fragen stellen. Ich habe ihn daraufhin ignoriert.
Und dann hat er völlig abstruse böswillige Unterstellungen und Ableitungen aus einem Satz abgeleitet, den ich auch jetzt noch in seiner Aussage uneingeschränkt vertrete.

Wenn dieser Herr Theel sich die Dreistigkeit heraus nimmt, die unterstellte Meinung eines gesperrten Users auf mich zu übertragen, dann ist das eher strafrechtlich relevant, weil unzulässig.
Ich kenne Laserhirn nicht, demzufolge auch seine Meinung nicht, unterstelle ihm aber nicht die Bösartigkeiten die besagter Herr sich da zurecht gedacht hat.
Wenn hier einer eine Verwarnung verdient hat, dann ist das ausschließlich Uwe Theel, der das Blog mit seinen Hetzkommentaren (natürlich so formuliert, dass sie die Netiquette passieren und die Moderation geblendet wird)
in den Keller gefahren und für mich sinnlos gemacht.

Glücklicherweise war da ja "Ritter Kunibert" wie Uwe Theel auch diesen User verballhornte mit seinen despektierlichen und diskreditierenden Kommentaren.

Also Kunibert Hurtig, wie der User richtig heißt, hat Herrn Theel durchschaut und seine miese Art vortrefflich analysiert, dem kann ich mich nur anschließen.

Also, was soll ich da überlegen?

Ich hätte gerne zum Blog selbst noch einiges gesagt, nämlich dass er von vorneherein zum Scheitern verurteilt war, weil er dilettantisch formuliert (welcher Gott ist gemeint? es gibt ja deren mehrere) und falls der christliche Gott gemeint war, wieso da Fragen nach Anwesenheit und Macht gestellt werden?

Schließlich ist mir bekannt, dass jedes Kind, das im Religionsunterricht aufgepasst hat weiß, dass der Gott der Christen 1. ALLGEGENWÄRTIG
und 2. ALLMÄCHTIG ist.
Da ist doch jede Infragestellung mit Unglauben gleichzusetzen.

Für mich ist dieser Block also entweder einfach nur aus Gedankenlosigkeit entstanden, oder aus völliger Unkenntnis darüber, was Gott bedeutet.

Und das sage ich als ein jeder Religionsgemeinschaft abstinenter Mensch. (wen es interessiert, ich lebe nach der buddhistischen Weltanschauung).

Für mich ist also jeder Mensch erst mal gut, was für Christen wohl nicht gilt, da einige hier so von Misstrauen zerfressen sind, dass sie hinter jedem durch einen Softwarebug nicht funktionierendem Profil einen faschistischen Troll vermuten, (ähnliches konnte ich von Dir in einem anderen Blog leider auch vernehmen)

Zurück zum Blog:

Ich als Buddhist sage also, dieses Blog ist völlig überflüssig, kann nur von Ungläubigen verfasst worden sein, die aber vorgeben, gläubig zu sein, sozusagen pharisäerhaft.

Also, natürlich war und ist Gott in Auschwitz, aber auch in Dachau...... in Köln, Paris und Feuerland, denn er ist allgegenwärtig und das heißt er ist überall und das gleichzeitig. Daraus ergibt sich auch, dass es nicht eine fassbare Gestalt sein kann, weil weltumspannend.

Die Frage nach der Macht ist genauso einfach erklärt, ja er hat alle Macht, das Wort Allmacht lässt keinen anderen Schluss zu, es sei denn man ist ungläubig.
Und wer alle Macht hat, kann alles tun oder lassen, denn Macht verpflichtet ja nicht zum handeln.

Und wenn Gott es für richtig hielt und hält, zuzulassen was geschah und geschieht, dann hat man als gläubiger Christ das in Demut hinzunehmen, alles andere wären wieder Zweifel am Glauben.
Demut scheint Christen irgendwie fremd zu sein, vielleicht arbeitest Du mal daran.

Warum also fast 500 Beiträge nötig sind, um das zu erkennen, kann ich echt nicht nachvollziehen.
Aber vielleicht geht es hier ja auch um Selbstdarstellung, Langeweile oder digitaler Userjagd, die ich leider auch im Freitag beobachten konnte.
Leider verkommen ja immer mehr Foren zu Sammelbecken von im RL Gescheiterten, die ihre Macht über andere dort ausleben wollen.

Also lieber Christian, wenn ich mich in einen Christen einfühle, ist Gott (den es für mich in der Definition nicht gibt) ganz klar zu jeder Zeit, an jedem Ort, in jeder Kreatur, in jeder Pflanze und in jeder Materie vorhanden und mit einer Macht ausgestattet, die jede Vorstellungskraft sprengt.

Warum genau das also bei Auschwitz in Frage gestellt wird, erschließt sich mir nicht, ich würde es mit der Abwesenheit von Glauben erklären können.
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Ich habe den Text einfach so runter geschrieben, ihn weder nochmal durch gelesen oder auf Fehler überprüft, auch die Formatierung ist mir nicht mehr wichtig, weil mir dieses Forum hier (speziell dieses Blog und seine Schreiber) den Spaß verdorben haben, und nicht mehr Mühe wert sind.

Nur noch eine Frage: kennst Du Deinen Kollegen Hans Spiegl aus Bischofshofen, mit dem ich befreundet bin? Wenn nicht, lohnt sich ein Blick und ein Ohr auf seine Podcasts.

pfarrer.herzblut.fm/

Gute Nacht und Grüße an den Chor.
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2011 um 13:57
Lieber Forenboy,

leider habe ich heute wenig Zeit, weil ich in zwei Stunden zu einer Gemeindeveranstaltung am Dom nach Magdeburg fahren muss, wo ich auch übernachten werde. Aber dieser Beitrag von Dir verlangt nach einer Antwort, und das möchte ich nicht aufschieben.

Zunächst möchte ich Dir danken, dass jetzt hier eigenes Profil und eigene Ansichten gezeigt und Dich damit auch selbst angreifbar gemacht hast. Jetzt liegen wir gleich auf, die Bedingungen sind fair.

Außerdem hast Du unmissverständlich klargestellt, welche mögliche Interpretation Deines Textes Du ausschließen möchtest. Antisemitismus oder Holcaustleugnung wolltest Du nicht unterstützen. Das ist wohltuend zu hören.

Darüber, was Laserhirn gesagt und gemeint hat, können wir uns unabhängig davon immer noch streiten, und wenn sich herausstellen sollte, dass man seinen Text nicht anders lesen konnte, als ihn auch die Redaktion gelesen hat, war das jedenfalls nichts, dem Du das Wort reden wolltest.

Ich muss beichten, dass ich vor dieser Klarstellung schon dachte, ihr wart beide ein Duo, denn da passte eins zu gut ins andere. Vor allem musste Laserhirn wissen, dass er gelöscht wird, ich bin nach wie vor sicher, er wollte das erreichen. Nur nützt ihm das nichts, wenn dann nicht ein zweiter kommt und ihn zum Märtyrer erklärt. Dem wollte ich, wie gesagt, vorbeugen, Und nach Deinem Eintreten für ihn hatte ich dann - was nahe lag - dann auf Dich getippt. Aber das war falsch, glaube ich jetzt, nachdem diesen Beitrag von Dir gelesen habe, schließe ich das aus. Ich vermute, das sieht jetzt auch Uwe Theel, und vielleicht kriegen wir dieses Missverständnis insgesamt jetzt beigelegt und bereinigt.

Wir könnten uns ja vielleicht unabhängig von jeder Laserhin-Exegese über Deine Ansichten zum Blog unterhalten, denn die sagen mir was. Ich kann bloß jetzt nicht erwidern und auch nicht auf die zwei Spitzen gegen mich eingehen, die ich erst mal Tatsachen zuordnen müsste, was mir schon mal schwer fällt, was aber nicht heißen soll, da wäre nichts dran.

Den Chor werde ich unbekannterweise übermorgen von Dir grüßen (beim Auftritt beim Neujahrsempfang des Kirchenkreises Schöneberg in 12-Apostel, wo wir sonst proben), grüß Du bitte meinen Amtsbruder aus Ösi-Land. Sein Weblog ist ein interessanter Versuch, allein und auf eigenes Risiko die Glaubwürdigkeit der eigenen Arbeit zu unterstützen, indem er seine Gedanken ungeschützt öffentlich macht.

Irgendwann später mehr - so Gott will ;)

LG Christian

PS: Willkommen beim Freitag, wenn ich das am 7. Tag noch sagen darf! :)
h.vannna schrieb am 11.01.2011 um 06:28
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 12:46
@ h.vannna am 11.01.2011 um 06:28

Na, ist es jetzt leichter?
Magda schrieb am 11.01.2011 um 13:45
Ha, den Link hat er mir auch unter einen Blogbeitrag gesetzt, der h.vanna. "Piss on your grave". Mann, soviel Zorn hebe ich mir dann doch für mein Privatleben auf.
Emma in Uniform schrieb am 11.01.2011 um 14:59
@h.vannahahahaha

Hardcore,

die SchlabberLuschenKombo
mit ihrem Pimmelchen-Lied für

Zwölfjährige Satanisten.

Wow, echt hardcore, alder.

Wo wurden Sie denn sozialisiert?
Mit Freddy Quinn in Gelsenkirchen?

Vieleicht mal lieber was von Wombscut raussuchen,
damit hätten Sie noch ein bißchen was wettgemacht. Aber nur ein bißchen.

Aber ist schon **** ********, so ganz ohne Humor?

Na?
---
Kommentar von der Moderation editiert.
h.vannna schrieb am 11.01.2011 um 20:24
Sorry wenn die 2-Penny-opera der Tiger Lillies - und wohl Brecht überhaupt - ihrem "Wir"-Gefühl gegen den Strich geht. Und was Ihre Plattensammlung angeht - da dürften die Ableger der rechtslastigen Industrial/Neofolk & mittelalter-Posse wohl noch zu den harmlosesten gehören.
h.vannna schrieb am 12.01.2011 um 04:13
@Magda: Der Zorn, der in dem Song zum Ausdruck kommt, gilt christlichen Autoritäten und ihrem Sexismus. Mit Ihrer Person hat das nichts zu tun. Es fiel mir aber schon im Pynchon-Blog von Ihnen auf, dass Sie unfähig sind, Autor und Erzählinstanz auseinander zu halten - daher verwundert mich Ihre Annahme, das sei auf Sie persönlich gemünzt, nicht. Übrigens: es hieß mal, das Private sei politisch, oder?
h.vannna schrieb am 12.01.2011 um 04:13
@Magda: Der Zorn, der in dem Song zum Ausdruck kommt, gilt christlichen Autoritäten und ihrem Sexismus. Mit Ihrer Person hat das nichts zu tun. Es fiel mir aber schon im Pynchon-Blog von Ihnen auf, dass Sie unfähig sind, Autor und Erzählinstanz auseinander zu halten - daher verwundert mich Ihre Annahme, das sei auf Sie persönlich gemünzt, nicht. Übrigens: es hieß mal, das Private sei politisch, oder?
Lethe schrieb am 11.01.2011 um 14:52
Elie Wiesel und vielen VerfasserInnen ähnlicher Geschichten wäre eine schlichte Beobachtung entgegenzuhalten: Dort hängt nicht Gott. Dort hängt ein Mensch. Alles weitere ist Interpretation. Der konkrete Gehalt dieser Interpretation ist Absichten verpflichtet, in der Situation vielleicht der Absicht, nicht den Verstand zu verlieren angesichts der Unfassbarkeit des Geschehens (und in dieser Funktion in dieser Situation sicher der Unhinterfragbarkeit anheim gegeben).

Doch eignet sich Auschwitz wirklich zu einer Apologetik Gottes, wie sie in

"Die Enttäuschung, daß Gott - vermeintlich tatenlos - dem Grauen zugesehen hat, ist geknüpft an eine bestimmte Erwartung, wie Macht sich geriert, wie und auf welche Art diese ausgeübt wird."

durch Ausdrücke wie "vermeintlich tatenlos" oder "Erwartung, wie Macht sich geriert" mitschwingt? Wenn Auschwitz irgendetwas zeigt, dann doch wohl, dass ohne das Menschliche so oder so nichts passiert. Es passiert einfach nichts. Gott erweist sich nicht. Er ist also belanglos, er bliebe es, selbst wenn es ihn gäbe, so vollkommen ohne Erweis. Woher kommt also der Trost, da er nicht aus dem Erweis stammt? Woher stammt die Macht dieser Vorstellung? Aus ihrer Notwendigkeit?

Wenn Auschwitz eine Frage ist, dann sicher nicht eine Frage über Gott, sondern eine Frage über die Menschen und ihre Möglichkeiten.
Emma in Uniform schrieb am 11.01.2011 um 15:58
@lethe
"Wenn Auschwitz eine Frage ist, dann sicher nicht eine Frage über Gott, sondern eine Frage über die Menschen und ihre Möglichkeiten."

Und weitergehts.. der nächste der vorschreiben will, das extreme Gewalt unter Menschen von Gläubigen nicht im Rahmen ihres Glaubens reflektiert werden soll.

Tja und warum nicht?

"Dort hängt nicht Gott. Dort hängt ein Mensch."

Was Sie nicht sagen..Ja aber das sehen wir vieleicht so.
Weil wir nicht an Gott glauben. Aber andere glauben.

Verstehen Sie das nicht? Und: Was daran ist so schwer zu verstehen?
Es glauben offensichtlich sehr sehr viele Menschen an Gott.
Lernen Sie damit umzugehen bzw. kommen Sie Gläubigen echt mit "Logik"? Echt jetzt?

Ihnen den Gott mit
Logik austreiben zu wollen, ist u.a.:

unwirksam.

peinlich unbedarft

arrogant

weltfremd

Atheisten schäumen auch in diesem Blog z.T. vor Wut,
politisieren und missionieren wieder grenzenlos überheblich
an Tittas Frage vorbei.

Wer "Glauben" in jedem Fall dumm und anti-aufklärerisch findet, und wie automatisiert mit schmähenden Furor die Geißlung des benebelten Bürgertums üben muss, bon.

Aber bitte verständlich oder unterhaltsam.

Es ist ja zum Kotzen, vom Blog wie von einer Ladung Schrot getroffen, überschlagen sich hier die atheistischen und rechten Wadenbeisser zusammen auf der hysterischen Jagden nach Gläubigen.

Aber es läßt sich auch von dem elaboriertesten Geschwurbel
kein Gläubiger bekehren!

Schon mal von gehört?

Das hat man als TEENIE mal versucht, aus Blödheit und Arroganz.

Zumal man zu just dieser Frage Tittas als Atheist
eigentlich gar nichts zu motzen hat.

Es ist nämlich die gläubige oder dem Glauben gegenüber verständnisvolle Perspektive aus der heraus die Frage gestellt wurde, was "Linke" in Ausschwitz als die Macht Gottes empfunden haben, ganz persönlich.

Über den Begriff der Macht am Beispiel der unaussprechlichen Grausamkeiten in den Konzentrationslager und den Erwartungen der Inhaftierten an Gott, diese zu verhindern, die Enttäuschung darüber, dass Gott dies unterließ, was widerrum eine sehr materialistisches infantiles Gottesverständnis vorraussetzt...
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 16:07
mit Ihrem arroganten abstoßend militanten und aggressiven Geschreibsel würden Sie sogar einem Flintenweib alle Ehre machen, nicht nur einer Emma in Uniform.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 16:08
mit Ihrem arroganten abstoßend militanten und aggressiven Geschreibsel würden Sie sogar einem Flintenweib alle Ehre machen, nicht nur einer Emma in Uniform. (nur so als Nick-Empfehlung)
Emma in Uniform schrieb am 11.01.2011 um 16:24
@boy

Tja, da können Sie mal sehen:

Sie haben hier nicht das Vorrecht gepachtet, militant und aggressiv zu schreibseln, Sie Vogel.

"Flintenweib"?

Ach...Sie versuchen witzig zu sein?

hohoho.

So weit, so ranzig-ältlich.

Und:
Maskulist sind Sie natürlich auch.

*** ********* ******** ********* *********
"Da mal drüber nachdenken..
und dann "kleinlaut" entschuldigen, nicht?

---
Kommentar von der Moderation editiert.
ForenBoy schrieb am 11.01.2011 um 16:35
Tja, im Gegensatz zu Uwe Theel und Ihnen habe ich hier niemanden beleidigt, oder sollten Sie den Konjunktiv nicht kennen?

Auffallend ist jedenfalls, und das besonders negativ, wie militant und menschen verachtend sich hier sogenannte Christen mit Andersdenkenden auseinander setzen, und das ausgerechnet bei diesem Blogthema.

Das spricht eher gegen "Glaubwürdigkeit" und die heeren Ansprüche, die laufend reklamiert werden.
Emma in Uniform schrieb am 11.01.2011 um 16:50
@boy

Haben Sie geraucht?

Sie haben sich oben, ohne Inhalte beizutragen,
dümmlich autoritär und verächtlich geäußert, beleidigt zudem.

Sie Heulboje,..
Aber, ganz inbrünstig, ganz stolz darauf, auf das

"Tja, im Gegensatz zu blubber.."

Im Übrigen bin ich keine Christin, Boy.
Uwe Theel schrieb am 11.01.2011 um 17:33
@ Emma in Uniform am 11.01.2011 um 15:58

liebe Emma,

begehe bitte nicht den analogen Fehler der Gedankenlosen und mißverstehe Lethe nicht.

Er denkt nach, aber er schreibt nicht vor. Er denkt intelligent nach. Da reichte die schnelle Schnauze nicht, wenn man kritisieren will. Lethes Dialektik von Grauen und Trost trägt jedenfalls mehr als Dein Vorwurf der infantilen Gottesverständnisses an ihn entkräften könnte.

Nebenbei: Es ist bezeichnend, dass sich Leute wie Forenboy nur aufregen, wenn man sie auf der polemischen Seite anspricht - was lethe nicht tut - ansonsten nur Nichtinteresse vortäuschen, wo in Wahrheit Unwissenheit und Ressentiment herrscht und sie doch versuchen das Argument mit untauglichen Mitteln zu widerlegen.
h.vannna schrieb am 12.01.2011 um 00:16
Oho, Emma in Uniform hat nen Mann gelesen, das klötentragenden Wagnerianer-Schmuckstück der Familie. Da die unchristlichen Brecht-Songs der Tiger Lillies von ihr als "satanistisch" bezeichnet wurden, nochmal

www.youtube.com/watch?v=8YXKPKI0JK8

(bitte auf das Tristan-Motiv achten)
Daniel Windheuser schrieb am 12.01.2011 um 10:14
Nicht nur aufgrund des Themas sondern grundsätzlich wäre es doch schön, wenn man vielleicht wieder zu einem etwas sachlicheren Ton in der Diskussion zurückfinden könnte. Besten Dank.
Rahab schrieb am 12.01.2011 um 10:36
@Lethe
wenn ich Elie Wiesel und andere überlebende richtig verstanden habe, dann haben sie erlebtes/überlebtes berichtet
und nicht geschichten verfasst

sollten sie dennoch 'geschichten verfasst' haben, dann gibt es - grob gesprochen - zwei möglichkeiten
1. das er- und überlebte lässt sich nur als 'verfasste geschichte' berichten
2. der leser glaubt ihnen nicht, dass der bericht auf er- und überleben beruht

beide möglichkeiten haben ihre weiterungen, die zu diskutieren wären...

eines aber ist mir bei berichten überlebender von lagern und vergleichbaren gemetzeln noch nie untergekommen, nämlich dass der tod anderer als theophanie erlebt und berichtet wurde
wer diese berichte dennoch so liest, der hat die tragweite des zweifels, die in derartigen berichten liegt, nicht verstanden/verstehen wollen vielleicht auch nicht können

und muß sich nach seinem eigenen libidinösen verhältnis zu macht befragen/befragen lassen
ForenBoy schrieb am 12.01.2011 um 10:51
@Flintenweib
"Im Übrigen bin ich keine Christin, Boy."

da haben die Christen ja nochmal richtig Schwein gehabt......
Emma in Uniform schrieb am 12.01.2011 um 13:56
Moin lieber Uwe,

Danke für Deine Kritik. Klar, Lethe (und auch Tom Gard) denken nach, sicher intelligent, eloquent, gar keine Frage, aber beide beurteilen fremder Menschen Gottesverständnis, dazu: Von der sehr hohen Warte.

Denn normalerweise hat jeder intelligente Gläubige bereits in jungen Jahren die Dialektik von Grauen und Trost in seinem Glauben "entdeckt".

Ich meinte genau wie oben formuliert:
"Elaboriertes Geschwurbel" -falscher Dünkel, überheblich, da wo Titta gerade explizit zur Einfühlsamkeit anregt, wird wieder nur das "Andere der Vernuft" hochherrschaftlich "erklärt", ja vielen Dank für gar nichts. Soweit sind wir allerdings schon lange.
Und doch: Ich finde, er schreibt vor: Die Vernunft muss erkennen:

"Gott erweist sich nicht. Er ist also belanglos, er bliebe es, selbst wenn es ihn gäbe, so vollkommen ohne Erweis. "

Unverschämtheit. Lethe sieht sich hier wohl einer Konfirmanten- bzw. Firmlings-Gruppe gegenüber.

Ich bin nicht gläubig, ich bin keine Christin, jedoch von sehr aufgeklärten, liberalen katholischen Nonnen erzogen und unterrichtet worden und wie gesagt. ich selbst, damals um atheistische Perfomance bemüht, habe in der Oberschule solche arroganten Allgemeinplätze mit ähnlicher Attitüde wie Lethe und Tom Gard ausgeschwitzt, als Teenager.
Ein Erwachsener macht sowas nur aus purem, reinem Dünkel:

"Elie Wiesel und vielen VerfasserInnen ähnlicher Geschichten wäre eine schlichte Beobachtung entgegenzuhalten: Dort hängt nicht Gott. Dort hängt ein Mensch."

Ach was, nein? Da "hängt ein Mensch"? Echt?

Ganz ehrlich - am Thema vorbei.
Ziel: Auch nur wieder an die Vernunft appellierende Missionierung von Gläubigen.

Das "infantile Gottesverständnis" ist übrigens meine Interpretation der oben im Beitrag von Titta bezeichneten "Linken", die in der unterlassenen Hilfeleisting Gottes, den Beweis von dessen Nicht-Existenz bzw. Beweis seiner Grausamkeit sehen.

Es war auf keinen Fall auf Lethe bezogen, war aber mißverständlich formuliert, da hast Du natürlich Recht...

Und Forenboy nebst anderen Piepmätzen müssten eigenrtlich eher bei Fastfood-Blogs wie Spiegel-, Focus, Bild-Online rumspringen, um sich dort den kleinen Magen mit fetten Pommes vollzustopfen,
von der Vollwertkost hier kriegen die gleich Durchfall und sind dadurch sehr geschwächt.:)
Emma in Uniform schrieb am 12.01.2011 um 14:12
@Oho hv annna

Und klar:

"dass Sie unfähig sind, Autor und Erzählinstanz auseinander zu halten - daher verwundert mich Ihre Annahme,"

dass Wumbscut als rechts einzuornden wäre, nicht.

Woher haben Sie die Einschätzung hergegoogelt, Sie Klöten-Experte - vom Spieglein?
Emma in Uniform schrieb am 12.01.2011 um 14:14
@Weiberflinte

Und wer hat dann Pech gehabt?

Richtig.
ForenBoy schrieb am 12.01.2011 um 14:31
Emma in Uniform schrieb am 12.01.2011 um 13:56

na, zurück gerudert, raus geredet und relativiert? egal, trotzdem danke für die Ernährungstipps, aber von Ihrem arroganten, überheblichen, selbstverliebten und ätzend abstoßendem Geschwurbel ist mir schon ganz schlecht geworden, da brauchte es des Fastfoods gar nicht mehr.
Emma in Uniform schrieb am 12.01.2011 um 14:50
forenboy schrieb am 12.01.2011 um 14:31

Im Gegenteil, ich konnte Uwe Theel nicht zustimmen, leider, ausnahmsweise.

Aber wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

" da brauchte es des Fastfoods gar nicht mehr."

..des Fastfoods?

Na:klar!

Immer rein damit.

Und "das Geschwurbel" hat Ihnen gefallen, was?

Weiter "so"!

Dann entwickeln Sie eines Tages sogar einen eigenen Stil. wer weiss?

Evtl. mit Mayo und Ketchup.
Michael Jäger schrieb am 13.01.2011 um 00:27
@ Rahab 10:36
"eines aber ist mir bei berichten überlebender von lagern und vergleichbaren gemetzeln noch nie untergekommen, nämlich dass der tod anderer als theophanie erlebt und berichtet wurde
wer diese berichte dennoch so liest, der hat die tragweite des zweifels, die in derartigen berichten liegt, nicht verstanden/verstehen wollen vielleicht auch nicht können"

Diese Sätze von Dir sind mir einen Tag lang durch den Kopf gegangen. Ich sehe jetzt aber, sie stehen in einem ganz anderen Zusammenhang als dem, zu dem es unter meiner Beteiligung oben zu einer kleinen Diskussion gekommen ist. Sorry also für diese überflüssige Bemerkung von mir, die ich jetzt nur mache, weil ich sie oben angekündigt habe. Jedenfalls in der christlichen Religion, glaube ich, wäre es unmöglich, das Leiden in Auschwitz als Theophanie anzusehen (und in der jüdischen ja wohl ebenfalls); wenn man das täte, hätte man die christliche Religion aufgehoben. (Die Frage ist, ob in der chritlichen Religion etwas liegt, das zu dieser in ihr selber unmöglichen Theophanie-Vorstellung dennoch zwingt. Aber das gehört nicht hierher.)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 00:53
"Kann ein Linker also von Gottes "Machterweis" in Auschwitz, so wie Elie Wiesel ihn verstanden hat, wirklich und ernsthaft enttäuscht sein? Oder anders gefragt: Welche heimlichen Machtphantasien bewegen den Linken, so enttäuscht von Gott zu sein?"

+(?) / -(?) / =(?)

"der hat die tragweite des zweifels, die in derartigen berichten liegt, nicht verstanden/verstehen wollen vielleicht auch nicht können

und muß sich nach seinem eigenen libidinösen verhältnis zu macht befragen/befragen lassen"

erklärs mir rahab...

ich habe ebenfalls massenweise berichte gelesen, von recht klein auf schon, manchmal denke ich, zu früh und zuviel vielleicht auch ...

es gab vor ner ganzen weile im tv einen -meines eindrucks nach- recht guten film, nah dran gewissermaßen an meinem miterleben der geschichten, sehr real irgendwie...
enttäuscht wurd ich dann dennoch von der ballettinszenierung des kz-hofs, eine vielleicht zehn-minütige szene, in der die kahlgeschorenen köpfe auf diesen ausgemergelten körpern in "pyjama" vor- und zurückwankten, vor/zurück und wer umfällt in der eiseskälte, wird sofort weggeschleppt und vernichtet. eine frau spielte mit, eindeutig identifizierbar als frau im heer der wankenden männerleiber, sie wurd in die totale genommen und ihr schwanken in absoluter körperbeherrschung im selben pyjama abgefilmt, alles schwankt vor, zurück, tonlos, wenigstens das und dieser eine leib schwankt übers normale hinaus-gekonnt...

und das, was hier in dieser diskussion passiert, der ausgangspunkt schon, der blogeintrag schon ist in aller "christenheit" das ballett .

viele "juden" hatten nichtmal irgendnen "gottkram" an der hutkrempe, sie fragten sich, was denn nun sie zu "juden" mache, gläubigkeit kanns nicht sein...

keiner der schergen, niemand aus den wo immer gelegenen machtpositionen hatte irgendetwas mit egalwelchem gott bei der "vernichtung der juden" im sinn, alles mögliche wurde höchstoffiziell benannt, krumme nase=raffgier, feilschen/handeln, schlitzohrige untermenschen usw usf ...

alle fragten sich, so sie fragten, wie menschen das menschen antun können...
und wie das funktioniert haben zig leuts versucht zu beschreiben, ganz ohne "gott" , welcher auch immer...

du hast oben wichtige fragen gestellt, sie zielen auf ähnliche, im grundstock gleiche "erklärungen", ...

wer handelt hier respektlos gegenüber den ermordeten, ob "jude", "zigeuner", "kommunist","anarchist","sozi","evangelisch","katholisch" usw usf ?

was hier teils "abging"/"-geht" ist ein "reli-blog" ausgetragen auf der asche der toten...

wir sind als kinder ein stück eines der todesmärsche abgelaufen, den kindern wurde mehr zugemutet, als ihre körper vermochten bis hin zum abbruch (der allerdings so aufm lehrplan feststand schon) , wir waren in kz-s und was immer in westdeutschen schulbüchern abgehandelt wurde und wie immer in ostdeutschem rahmen das geschehene instrumentalisiert werden sollte, hatte es sich erst eingebrannt genug bei den kindern, es hat sich eingebrannt und dennoch und gerade deshalb ists real eine frechheit/anmaßung zb mir gegenüber , die ich beim besten willen nicht religiöser sein kann als "glaube nicht an gottzeugs" (habs eben nicht an den hut bekommen), aber bin dafür firm in psychologie und hab n ordentliches rechtsbewußtsein, bin ein bürgerlein und ne frau dazu und...ka, sicher einiges...

ich mocht jetzt nicht mir n neues paßwort zuschicken lassen, schreib also kurz unter toms nick...

ich halts ausdauernd nicht mit gott, aber mit einem mich-befragen, in welchem libidinösen verhältnis zur macht ich mich befinde und hier, grade hier unter diesem ausgangspunkt (siehe oben und alles folgende) muß ein jeder/eine jede, die mich bspw dazu befragen mag mit absprechung eines rechts auf das stellen dieser frage in diesem zusammenhang rechnen ...

"Welche heimlichen Machtphantasien bewegen den Linken, so enttäuscht von Gott zu sein?"

und ich hatte gelesen, noch ein kommentar und noch einer und noch einer und endlich die erleichterung, als endlich die frage fiel, wie man denn von etwas enttäuscht sein sollt, was es für einen nicht gibt, von wem oder was soll ich denn enttäuscht sein schon wieder,hää,von gott, wie`n das? mir hat b2m-s frage gereicht ...

dies ballett hier ist ekelhaft und ich schäm mich fremd, wenn ich in die augenhöhlen der schädel schau, die sich zur dusche schwanken...

hier wird nochmal vergast, die toten wie die überlebenden... zum wohle der christenheit...
Rapanui schrieb am 13.01.2011 um 08:36
@ "wolfsmilch" als TomGard

>>>was hier teils "abging"/"-geht" ist ein "reli-blog" ausgetragen auf der asche der toten...<<<

Genau!
Lethe schrieb am 13.01.2011 um 10:53
hatten Sie schon Gelegenheit, Emma in Uniform, sich mit Ihrer Therapeutin über Ihren Gesprächsstil zu unterhalten? Ich empfehle es dringend, denn eines kann ich Ihnen versichern, Schaum vor dem Mund ist kein Stil, gelegentlich aber Hinweis auf eine ernstzunehmende Grunderkrankung.

Trotzdem gedenke ich, Ihnen sachlich entgegenzutreten; meine Unfähigkeit, in Ihrem Sammelsurium von Unterstellungen hinsichtlich meiner Absichten, meiner Minderbemitteltheit und Bösartigkeit einen belastbaren sachlichen Kern zu erkennen, stellt diese Absicht allerdings in Frage. Es scheint Ihnen - mag sein, ich täusche mich und es geht Ihnen inhaltlich um gar nichts - darum zu gehen, Ihrer Unzufriedenheit darüber, dass ich Tittas Fragestellung zurückgewiesen habe, Ausdruck zu verleihen. Haben Sie denn wenigstens bemerkt, wie vergiftet diese Fragestellung ist? Es geht nicht darum, OB "ein Linker" von Gottes Machterweis in Ausschwitz enttäuscht ist, nein, es wird vorausgesetzt, DASS ein Linker von diesem Machterweis bzw. von seinem Fehlen enttäuscht ist, was er nur sein kann, weil er sich suspekten Machtphantasien hingibt. Haben Sie das wenigstens BEMERKT, wenn Sie es schon nicht berücksichtigen?

Sie bezichtigen mich eines sehr materialistischen, infantilen Gottesvertändnisses. Ich frage mich, wie Sie darauf kommen, obwohl diese Frage sicher nicht so interessant ist wie die andere, die sich eigentlich stellt: Wie würden Sie denn ein Gottesverständnis charakterisieren, das offenbar erwartet, Gott könne überhaupt in Auschwitz oder sonstwo sichtbar werden? Lassen Sie uns - da Sie es offenbar ernst nehmen - doch über die Grenzen der Gläubigkeit sprechen, das ist viel interessanter als mein Gottesverständnis, von dem Sie absolut nichts wissen. Gott, mit den Augen des Glaubens gesehen, meinetwegen. Und nun gelangte dieser Glaube angesichts der Ungeheuerlichkeiten, mit denen er konfrontiert wurde, in vielen Fällen an eine Grenze, wurde zumindest erschüttert, war nicht mehr in der Lage, die Realität in das zugrundeliegende Gottesbild zu integrieren. Nun gut, oder vielmehr schlecht, für die Personen, denen dies zustieß. Aber hat Gläubigkeit ein inhärentes Recht darauf, von Hinterfragungen durch die Wirrnisse des Lebens verschont zu bleiben? Und was hat das mit "linken" Vorstellungen von Gott zu tun? Persönliche Gläubigkeit wurde in Form eines massiven "Stresstests" hinterfragt, und einige hielten stand, andere nicht. Nichts außergewöhnliches, außer in Hinsicht auf die Umstände der Hinterfragung. Sehen Sie irgendein "linkes" Konzept auch nur andeutungsweise involviert?

Es wäre nett, wenn Sie sachlich antworten könnten und vielleicht sogar in einer freundlichen Art und Weise, dann können wir, falls gewünscht, gern in weitere Gespräche eintreten. Falls Ihnen meine Argumentation aber zu komplex oder zu dumm ist, empfehle ich, einfach weiter zu schäumen. Das ermöglicht Ihnen den Abbau Ihrer Aggressionen. Und mir erspart es, Sie weiterhin zur Kenntnis zu nehmen.
Lethe schrieb am 13.01.2011 um 11:21
Rahab, ich stelle gar nicht in Frage, dass Elie Wiesel derartigen monströsen Vorkommnissen ausgesetzt war und eine ultimative Hinterfragung aller seiner Gewissheiten erfuhr, genauso wie unzählige andere auch. Wie weit die dadurch entstandenen Zweifel trugen und tragen, lässt sich allerdings kaum pauschal beantworten, genauso wenig wie die Qualität von Gedanken und Vorstellungen, die auf ihrer Grundlage entwickelt wurden.

Anhand der Lektüre der Beschreibungen der Vorgänge um den Tod Maximilian Kolbes oder Dietrich Bonhoffers, wird sehr schnell deutlich, dass in vielen dieser Beschreibungen theophane Anklänge enthalten sind (natürlich nicht in Form einer primitiven körperlichen Theophanie); im Falle Kolbes führte das letztlich auch zu seiner Heiligsprechung.

Was mein libidinöses Verhältnis zu Macht angeht muss ich die Antwort leider schuldig bleiben, bis ich verstanden habe, welche mutmaßliche Verwerflichkeit meiner Psyche mir damit eigentlich vorgehalten wird.
Rahab schrieb am 13.01.2011 um 12:00
@Lethe
es ging mir nicht um verwerflichkeit von psyche
und auch nicht um vorhalt

sondern nur um die frage, die sich - nach meiner bescheidenen erfahrung in folter-anamnese - immer wieder stellt
den zu-hörenden

vielleicht, ich hatte noch gezögert, hätte ich das "befragen lassen" zur vermeidung von mißverständnissen besser weggelassen

denn das setzt wohl eine gut-fundierte balint-gruppe voraus (und das ist die fc wahrhaftig nicht)
Lethe schrieb am 13.01.2011 um 12:38
Nun, es mag sein, dass es nicht um den Vorhalt ging, er wurde dennoch niedergeschrieben. Aber sei es drum, Befindlichkeit ist nicht wichtig.

Erfahrungen in Folter-Anamnese kann ich leider keine vorweisen, die Problematik des "zu-hörenden" ist mir trotzdem zugänglich (und brennt mir durchaus unter den Nägeln). Und wäre dies ein privates Gespräch zwischen Elie Wiesel oder einem/r anderen Holocaust-Überlebenden und mir, würde es auch völlig anders verlaufen.

Wir bewegen uns in der Freitag-Community allerdings in einem Raum öffentlicher und in großen Teilen feindselig gesonnener Aufmerksamkeit. Es scheint mir daher plausibel, dass Gespräche in diesem Rahmen von vornherein der Intimität und stillen Nachdenklichkeit und auch des nachdrücklichen Zuhörens eines privaten Gesprächs entbehren, spätestens dann, wenn Statements in deformierter und dekontextualisierter Form von anderen Diskussionsteilnehmern als Waffen gegen ihre/n AutorIn benutzt werden. Hier werden im allgemeinen Konzepte um die Ohren geknallt, zumeist ohne deren implizite Voraussetzungen zu explizieren.

Ich versuche daher, so sachlich wie möglich zu argumentieren, aber übergroße Empathie scheint mir in diesem Kreis oft genug vergeudete Liebesmüh zu sein. Etwas anderes wäre es bei einem Austausch via PN sofern dieser Austausch persönlicher gemeint wäre.
Rahab schrieb am 13.01.2011 um 14:28
wenn, Lethe, der vorhalt keiner war
wurde er auch nicht niedergeschrieben

nochmals:
es war kein vorhalt

sondern der versuch zu thematisieren, dass im gespräch mit überlebenden immer außer dem zuhören und dem annehmen der person, die erzählt, auch die person/personen mitschwingt/mitschwingen,
über die erzählt wird

und das sind nicht allein die opfer
sondern auch ihre henker
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 16:10
Nein, es war kein "Vorhalt", Rahab, sondern - wie Du hier in weichgespülter Fassung bestätigst - die Radikalisierung des Titta'schen Verfahrens mittels Aushebung eines Gedankenverbrechens, mit Rahab als einer virtuellen Oberstaatsanwältin eines zugehörigen Gedankenverbrechen-Experten - Tribunals. Dies Delikt besteht - wie in der Orwellschen Bearbeitung der Anregungen, welche die gesinnungspolizeiliche Praxis der stalinistischen Säuberungen nebst ihrer Konsequenz, "Delinquenten" psychiatrische "Behandlung" angedeihen zu lassen, dazu lieferte - in der Abwesenheit von "etwas", die an einem Mangel an "Sinn für", "Berücksichtigung von" , Botmäßigkeit / Respekt / Devotheit "kenntlich" sein soll.

Das hak ich nicht unter "Befindlichkeit" ab.
Nein, es ist ein zeitgeistlicher "Shift", der - für mich doch etwas unvermutet - gewisse Züge Deiner Physiognomie in den Vordergrund rückte.

Übrigens. zur Ergänzung an den Mitleser.:
Wenn Religion eine Vor - Früh- und Entwicklungsform des Nationalismus ist, ist folglich Religiösität eine analoge Form rechtstaatlichen Bewußtseins (Gesinnung).
Und ebenso folglich eine Renaissance religiöser Motive in der demokratischen Öffentlichkeit Ausdruck einer "Krise der Rechtstaatlichkeit" - um das hier mal in der apologetischen Logik vorzustellen - sprich: der Abnahme bindender Kräfte der Rechtstaatlichkeit im Gefüge des militärischen und paramilitärischen Gewaltsystems einerseits, und der dazugehörigen Internalisierung der Gewalt andererseits. Entscheidend für diesen Zusammenhang ist logischerweise nicht die tat-sächliche Zerrüttung des Verhältnisses von Exekutive und Legislative - die geht auf die 70ger Jahre zurück - sondern die öffentliche Wahrnehmung derselben.

Man könnte auch sagen: Mit dem harzigen Institut zweckmäßiger Verarmung, ergänzt um Zwangsarbeit, zerrüttete das Staatswesen wesentliche Momente seiner Verankerung in der rechtstaatlichen Gesinnung der Unterworfenen, weit, weit über die direkt Betroffenen hinaus, weil es das sklavische Moment der Lohnarbeit in allen ihrer Abteilungen zur Anschauung bringt. Da müssen andere, als die für die letzten zwei Generationen maßgeblichen Apologien und Affirmationen des Gewaltsystems her und einspringen.
(Wobei Hartz selbstverständlich nicht das einzige Motiv ist.)
Rahab schrieb am 13.01.2011 um 16:46
könnte es sein, TomGard, dass du grad deinen eigenen oberstaatsanwalt in mich hineinverschoben hast?

und ich nehme zur kenntnis, dass TomGard vorsitzender des ober-tribunals sein möchte

bitte - wenn's denn 'spaß macht'
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 17:22
Nein, Rahab, denn ich rede stets - wie auch in diesem Thread unentwegt und ausschließlich - über Sachverhalte und Inhalte von Konstrukten, in denen sie repräsentiert werden, gegebenenfalls auch noch über den Gebrauch , der von ihnen gemacht wird - auch hier, in Deinem Fall - nicht aber über "psychische" "Motive" und eine dazugehörige "Konstitution", Verfassung, wie immermansnennenmag.

Ich kann nichts dafür und auch nicht viel daran ändern, daß das notorisch nicht verstanden wird, weil das, was ich sage, mit den (moralischen) Konzepten von Individualität, Charakter, Innerlichkeit allen Worten zum Gegenstandsbereich unterlegt wird, also mit diesen Konzepten beständig außerhalb des Gesagten Interferenzen bildet.
Ich müßte eine neue Begrifflichkeit einführen, um die Verfehlungen, Mißverständnisse und deren jeweilige Methodik zumindest bedingt ausschließen zu können. Litsche versucht sowas - und scheitert in der öffentlichen Wahrnehmung. Ich könnte noch zweieinhalb Dutzend Figuren nennen, die Ahnliches versuchten, das theologische Bewußtsein der Herrschaft aufzubrechen, darunter zahlreiche Naturwissenschaftler, worauf ihc verzichte, weil ich sie nicht vereinnahmen will.

Nein, zum "toten Hund" zu Lebzeiten fehlt mir spezifische Leidenschaft - bzw. hab ich von anderer zu viel; die Leichenfledderei, die ich erlebe, reicht mir auch schon vollkommen zu.

wth
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 17:27
korrigiere:
den (moralischen) Konzepten von Individualität, Charakter, Innerlichkeit kontigent ist, die allen Worten zum Gegenstandsbereich unterlegt werden.
Rahab schrieb am 13.01.2011 um 17:29
und ich rede
bevor die von dir autorisierte begrifflichkeit erschienen ist

und ob ich von was auch immer ein "theologisches Bewußtsein" hätte
das mach ich mit mir selber ab!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 17:50
Jau, und weil das (fast) jeder so macht, bleibt die säkulare Gewalt nicht nur unangetastet, sie wird zum notwendigen Komplement solcher Innerlichkeit.
Auf zum nächsten Schlachtfest!
Rahab schrieb am 13.01.2011 um 17:59
may be
ob es aber in der von dir autorisierten begrifflichkeit anders wäre
bezweifle ich
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2011 um 19:43
Hier will ich mal'n büschen hartnäckig sein.

Behauptung:
Hättest Du über das Schema nachgedacht, daß ich Titta gegenüber als den "Witz" des "Ich als Christ"-Geredes darstellte, hättest Du nicht mehr oder weniger spontan gegenüber Lethe ganz dasselbe Schema verwandt und dazu noch verallgemeinert und damit radikalisiert.

(Das ist natürlich nur eine Hoffnung / Erwartung)

Stattdessen - sozusagen - bringst Du es nun abermals gegen mich zur Anwendung. Ohne wechselseitiges Ineinander- und Auseinanderreflektieren könntest Du nämlich nicht meine Begrifflichkeit und Dein "mach ich mit mir selbst ab" in dieselbe Klasse von Handlungen stellen, wie Du's oben tust. Dein "Deine Begrifflichkeit ändert auch nichts" arbeitet über das Konzept der Versündigung (christlich) einerseits und gesellschaftliche Ohnmacht / Irrelevanz andererseits.

Ich aber sprach simpel von meiner Kommunikation.
Eine weitere Annäherung.
Statt der Argumentation, die ich gegenüber Titta und anderen hier gewählt habe, hätte ich auch weitgehend äquivalent etwas anderes sagen können.
Dazu hätte ich nur Tittas Blog-Konstrukt streng und lupenrein politisch nehmen müssen. Dann ergibt sich nämlich ziemlich elementar (und deshalb führ ich das jetzt nicht auch noch vor) daß Titta's Konstrukt die Exumierung einer wahrlich seit mindestens 50 Jahren stinkenden Leiche ist:

Bebilderung der Totalitarismusdoktrin auf "christlich"!

(Phineas hat es oben schon gesagt)
Nur dann hätte ich mich bloß in die dafür bereitgehaltenen Polemiken und theoretischen Totschlägereien gefügt:
Stalinist
Sau
ewig Gestriger
Betonkopf
und was der Invektiven mehr ist.
Und hätte kein Wort zur Sache mehr von mir geben können, ohne auf diesem Scheingefechtsplatz gebunden zu werden.

So einfach ist das manchmal.
Rahab schrieb am 14.01.2011 um 00:25
schon mal in betracht gezogen, dass du dich irren, täuschen oder auch ver-galoppieren könntest, TomGard?

y'en a mare!
Rahab schrieb am 14.01.2011 um 00:30
das 'y'en a mare' gilt unter anderem der zwangs-christianisierung, die du an mir vollziehen willst
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.01.2011 um 00:37
JA, war GOTT jetzt in AUSCHWITZ, und auf welche MACHT hofften die GEKERKERTEN da?
Auf die US_ARMEE, auf die ROTE ARMEE, oder auf Tittas blöden Gott, den sie hier ja wohl nicht wirklich anführen will, bei sechs Millionen aus ganz anderen Erwägungen von ihrem Volke tätig und zusehend Getöteten.
Warum noch dieses Blog. Aus dummer Selbstliebe???
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.01.2011 um 06:55
"das 'y'en a mare' gilt unter anderem der zwangs-christianisierung, die du an mir vollziehen willst"

Ich?????????

Du hast nicht ein einziges Wort begriffen!

Diese Kultur ist christlich, das Gesetz ist christlich, das Recht ist christlich, das Privateigentum ist im Abendland christlich formiert (im Unterschied z.b. zu Japan oder Korea) und das Judentum ist wesentlich christlich, um so mehr, als es mittelbar oder direkt Staatsreligion wird. "Menschenrechte" sind christlich, "Frauenrechte" sind christlich.

Und Deine "Frage", nach meinen Erkenntniszweifeln ohne Nennung eines Punktes ist ERZchristlich!

Na schön. Ich werd Dich nicht mehr ansprechen.
Rahab schrieb am 14.01.2011 um 10:09
das ist mir auch lieber
solange du in deiner abgeleiteten begriffswelt so tust als sei der einzig lebendige mensch in ihr allenfalls du selbst

vielleicht erinnerst du dich?
ich habe mir schon mal deine übergriffe verbeten!

deshalb: ja du zwangs-christianisierst
schlimmer als jeder pope of all three+x sexes
und du darfst mir glauben: ich hatte mit einigen zu tun
Lethe schrieb am 14.01.2011 um 13:53
nun, ich danke recht herzlich, Rahab, dass ich als Projektionsfläche für Dein Selbstgespräch behilflich sein durfte. "Zu-hören" geht anders als das, was du da versuchst.
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2011 um 14:13
@Rahab

Für mich sehr schade.

Weil ich mit TomGards Argumentation nicht mal ansatzweise mithalten kann - dazu fehlen mir einfach deren unausgesprochene Hintergründe und Prämissen, die aber andere hier kennen - konnte ich mich bislang damit beruhigen, dass wenigstens Du und j-ap dagegenhalten würden, wenn ihm ein Denkfehler unterläuft (den ich nicht mal bemerken könnte). Jetzt streichst schon mal Du die Segel. Muss ich mich am Ende doch in TomGards Denkvoraussetzungen hineinversetzen? Das habe ich schon versucht, fällt mir - bei aller Sympathie für marxistische Dialektik - nicht leicht.

@TomGard

Ich bleibe dran, ich muss Deinen Ansatz der Kapitalismuskritik verstehen, ich will ihn verstehen, da könnte was dran sein.

Ob sich die Religion oder die Religiosität - beides noch mal zu Unterscheiden von "Glauben" im Sinne Kierkegaards - auf die Funktionen oder Definitionen reduzieren lässt, die ihr nach dem System dieser Kritik zukommen?

Ich kann das (für mich) erst entscheiden, wenn ich die Kritik verstanden habe. Und das dauert leider. Sorry.

LG Christian
Rahab schrieb am 14.01.2011 um 14:38
wieso jetzt dies bedauern? der spitz-züngige dank?

ihr seid euch doch einig - der eine wie der andere betreibt zwangs-christianisierung

dafür, dass eine orthodoxe jüdin, wenn sie 'mipnei hata'einu' (unserer sünden wegen) sagt, etwas anderes meint als die sünden der täter bleibt da kein raum
wie auch kein raum dafür bleibt, dass die jüdische theologische antwort sich nicht nur mit dem leidenden gottesknecht beschäftigte sondern auch mit dem abwesenden und dem nicht-seienden gott
wie auch nicht mehr vorkommt, dass für manche die erfahrene unbehaustheit in dieser welt so unerträglich war und blieb, dass sie letztlich ihr leben selbst beendeten

letztlich bleibt nichts anderes übrig als wortreiche exkulpation
statt einfach mal die klappe zu halten
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2011 um 15:10
@Rahab

dafür, dass eine orthodoxe jüdin, wenn sie 'mipnei hata'einu' (unserer sünden wegen) sagt, etwas anderes meint als die sünden der täter bleibt da kein raum
wie auch kein raum dafür bleibt, dass die jüdische theologische antwort sich nicht nur mit dem leidenden gottesknecht beschäftigte sondern auch mit dem abwesenden und dem nicht-seienden gott
wie auch nicht mehr vorkommt, dass für manche die erfahrene unbehaustheit in dieser welt so unerträglich war und blieb, dass sie letztlich ihr leben selbst beendeten


Warum musstest Du Dir das auf die Art aus der Nase kitzeln lassen?

Auch das ist immerhin eine Gegenposition, von der wir (beide) was lernen könnten. Muss deswegen nicht unsere sein. Aber da steckt viel drin, was mich persönlich sofort nachdenklich macht, in der Tat.

Wolltest Du solche Perlen nicht vor die Säue werfen (wenn ich dieses christliche Sprichwort gebrauchen darf)?

Sind wir wirklich so schlimm, so geistlos?

@TITTA

Und was hast Du jetzt auf einmal? Esel weg - Titta b(l)ockt nicht mehr?

Ich wusste und habe immer gesagt, dass wir uns bei diesem Thema auf vermintem Gelände bewegen und hier vermutlich keiner Fehler und/oder Blessuren vermeiden kann. Aber ist das ehrenrührig?

Insgesamt ratlos und gleich auf dem Weg nach Magdeburg

Christian
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.01.2011 um 18:24
Rahab,

da Deine Klage auch an mich gerichtet war ...

Der Respekt vor Religion und Religiösität, den Du von mir erwarten kannst, bestünde darin, daß ich mich Deinen Maßstäben für Ernsthaftigkeit, Sorgfalt und Gründlichkeit ihrer Kritik - So Du sie überhaupt geltend machen wolltest, was Du m.W. weder mir noch anderen gegenüber je getan hast - in dem Maße anbequeme, wie das umgekehrt, einen gleichartigen Respekt gegen mein Denken und Trachten unterstellt, zumutbar ist. Daß ich zu diesem Zweck Hebräisch lerne und den Tanach studiere, und dann natürlich auch noch griechisch, chinesisch, japanisch, balinesisch, malaiisch um die Welt der religiösen Überlieferungen abzudecken, gehört - beispielsweise - nicht dazu. Daß ich Deine Gedanken lese, wäre selbst dann nicht zumutbar, wenn ichs könnte.

Anders gesagt:
Ich habe im "Adorno-Offenbarungs" - Blog anhand Rapanui die Arroganz der Macht angegriffen mit der er der sog. "Aufklärung" per geschichtspolizeilichem Ordnungsstempel das Primat erteilt. Jetze kommst Du mit der Retourkutsche der gleichen Arroganz daher.
So kann man einen gutwilligen Kritiker zwischen allen Instanzen zermahlen!

Zur Sache nur eine Bemerkung:
" ... dafür, dass eine orthodoxe jüdin, wenn sie 'mipnei hata'einu' (unserer sünden wegen) sagt, etwas anderes meint als die sünden der täter bleibt da kein raum"

Wenn ich das nicht ganz falsch verstanden habe, so beharrst Du damit auf dem Standpunkt des Benjamin'schen "Engels der Geschichte", der mit rückwärtsgewandtem Gesicht die Spur der sterbenden Generationen entlang rast, eine unendliche Kette von Zerstörung und Vernichtung überblickend. Und der, ergänze ich, beständig die Zerstörungen, die weit hinter ihm liegen, zu Folgen und Resultaten derjenigen "erklärt", die zu seinen Füßen stattfinden.

Jawohl, das "Geschäft" überlaß ich den Gläubigen, und Juden haben alles andere als ein Monopol darauf. Das halten die "aufgeklärten" Historiker mehrheitlich kein Deut anders, obwohl sie einiges tun, es sich und ihrem Publikum zu verschleiern.
Und mehr als das, ich erlaube mir aus meinem elementar sinnlichen Bedarf heraus zu sagen:
!FUCK THAT SHIT!
Und dafür denselben Respekt zu verlangen - halt, nicht zu verlangen, ich nehme mir diesen Platz mit den verfügbaren Kräften - basta!.
Don't piss on my grave.
Emma in Uniform schrieb am 14.01.2011 um 18:58
@Lethe

Es hat nicht jeder Mensch einen Therapeuten. Oder eine "Therapeutin".
:)

Und jedem seine Sicht, seinen Stil.

Für mich ist der Missionierungsdrang a la "Da-hängt-nicht-Gott-Da-hängt-ein-Mensch" auch alles andere als "freundlich" oder gar "sachlich".

Zudem:
Ihnen habe ich mitnichten infantiles Gottesverständnis zugeordnet, im Gegenteil, damit meinte ich die anderen missionierenden Atheisten. Was Sie in Glaubensfragen sind oder nicht sind, habe ich nicht beschrieben, spielte oben keine Rolle, genauso wenig wie bei mir.

Mein Vorwurf war hingegen, dass Sie versuchen würden, hier mit Logik und vorgespieltem Feingefühl die Sicht Gläubiger zu "bereinigen":
"Dort hängt nicht Gott. Dort hängt ein Mensch."

Dies ist lediglich die Sicht eines Nicht-Gläubigen.

Aber diesen infantilen, atheistischen Missionaren haben Sie dadurch zugespielt, deshalb habe ich diese auch in einem Kontext mit Ihnen erwähnt, wenn es missverständlich war, bedauere ich dies.

Sie meinen meine Position nun in Frage stellen zu können, in dem Sie erneut Tittas Frage ein Gift unterstellen.

Ich BEMERKE, dass Titta nur solche LINKE meint, die einst, vor dem "Er- und Überleben" von Ausschwitz bzw. vor dem Wissen darum, GLÄUBIG WAREN. Warum verstehen Sie Logiker und die infantilen Missionare aus den Reihen der Atheisten diesen Punkt von Titta hier so FALSCH?

Und "hat Gläubigkeit ein inhärentes Recht darauf, von Hinterfragungen durch die Wirrnisse des Lebens verschont zu bleiben?"

Eben dieses Recht , auch gemäß Titta, haben nur: Gläubige.

Für den Nicht-Gläubigen MUSS jegliches Gott-in-die Pflicht-nehmen völlig unverständlich sein, dies zu bewerten, zu kritisieren, ist ihm nicht möglich, denn er müsste sich "hineinversetzen" können, in den gläubigen Zustand.
Also wieder: Eben solche Linke, die gläubig waren und seit dem Wissen um
"Ausschwitz"(das hier auch nur stellvertreten für jegliche Bestialität solchen Formates steht)
Gott negieren, sind hier gefragt, sich kritisch zu äußern.

Und solche Linke sind gefragt, die sich nach dem Wissen um "Ausschwitz" ihren Glauben bewahrt haben.

Und solche Linken sind gefragt, die, nicht-gläubig,
interessiert sind, die verschiedenen Manifestationen eines Gottesglaubens ohne Arroganz gegen den Glauben an sich, zu diskutieren.

Aber sicher keine Linken, die hier vehement an
"die Vernunft" appellieren, die Abartigkeit, d,h, soziale und politische Instrumentalisierung des christlichen Glaubens geißeln, dabei emotional werden; ihre eigene Intelligenz und Eloquenz eitel gegen die spirituellen Bedürfnissen und Befindlichkeiten ihrer gläubigen Mitmenschen gegenüberstellen, hier eifern, hier eben: Missionieren müssen.

Ich "bemerke":

Titta geht m.E.n. davon aus, dass ein Rechter nie den Glauben an Gott im Sinne der Lehre besitzt, da er per se unbarmherzig, rassistisch, unverantwortlich und unaufgeklärt in seiner Weltsicht und daher ungeeignet für eine solche Hinterfragung ist.

Wer einmal an Gott geglaubt hat, als Linker, dann aber den Glauben verliert, angesichts menschlicher Brutalität, der macht also: Gott verantwortlich. Und Titta fragt, ganz unschuldig:

Was heisst das für einen aufgeklärten (deshalb ja: Linken!) Menschen?

Das ist doch Tittas Frage oben.

Die kann man sehr individuell beantworten.

Ich persönlich habe sie mir damit erklärt, dass eine infantil-materialistische Gottessicht diese Enttäuschung bedinge.

Da ich mich genau an den Zeitpunkt erinnere, als
ich das erste Mal, mit ca. 10 Jahren, begann, die Bedeutung des Holocausts zu begreifen und die ohnehin kargen Reste meines anerzogenen Glaubens vernichtend in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Obschon ich vorher keinen Zentimeter an den Teufel geglaubt hatte und auch in dem Sinne erzogen wurde, dass es keinen Teufel gäbe, ging ich von da an noch zwei Jahre davon aus, dass Gott keine Allmacht besäße, sonder sich die Erde tatsächlich mit dem Teufel teile und mit diesem wohl um die Vorherrschaft kämpfe. Dies wurde dann jedoch hinfällig, als ich den gesamten Komplex Glauben mit Beginn der Pupertät ad acta legte.

Soweit, sehr lang.
Emma in Uniform schrieb am 14.01.2011 um 20:21
"!FUCK THAT SHIT!"

Was war nochmal das Problem?

Freier Wille vs. Psychokult?

Ach ja: Identität
Phineas Freek schrieb am 14.01.2011 um 20:58
Oder präziser ausgedrückt:

entmachtete Einsicht(sversuche) vs. machtlose Moral.

Dazu die kürzeste Idealismuskritik der Welt:

"Das, was sein sollte, hat es nie gegeben.“
(Lenny Bruce)

Ende und Aus...
Rahab schrieb am 14.01.2011 um 21:28
noch präziser:
alles wahn

warum hat das keiner Benjamin verraten?
Phineas Freek schrieb am 16.01.2011 um 01:43
ALLES Wahn?

Nicht nur die im Bürger "verwurzelte" und Moralspeiende Gewalt der durchgestzten herrschenden Interessen?

Rahab schrieb am 16.01.2011 um 10:39
doch nicht alles wahn?

und ich hab mich schon gefragt, warum Benjamin hand an sich gelegt hat!
denn freitod mag ich seinen tod nicht nennen.
ChristianBerlin schrieb am 16.01.2011 um 13:39
@Rahab

warum hat das keiner Benjamin verraten?

Warum sollte ihm jemand verraten, was er längst wusste?

"Alles Wahn" oder "Alles Schwindel" (Selbstbetrug) muss für ihn doch eine vice versa erwartbare Kritik an seiner Geschichtsphilosophie gewesen sein, zumal er gleich in seiner 1. These verraten hat, welcher Zwerg sich in ihrem Innern verbirgt.

Zu dieser Apparatur [dem Schachtürken] kann man sich ein Gegenstück in der Philosophie vorstellen. Gewinnen soll immer die Puppe, die man ´historischen Materialismus´ nennt. Sie kann es ohne weiteres mit jedem aufnehmen, wenn sie die Theologie in ihren Dienst nimmt, die heute bekanntlich klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf blicken lassen.Quelle


LG Christian
Rahab schrieb am 16.01.2011 um 13:48
ebenda

"Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen ´wie es denn eigentlich gewesen ist´. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt. Dem historischen Materialismus geht es darum, ein Bild der Vergangenheit festzuhalten, wie es sich im Augenblick der Gefahr dem historischen Subjekt unversehens einstellt. Die Gefahr droht sowohl dem Bestand der Tradition wie ihren Empfängern. Für beide ist sie ein und dieselbe: sich zum Werkzeug der herrschenden Klasse herzugeben. In jeder Epoche muß versucht werden, die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen, der im Begriff steht, sie zu überwältigen. Der Messias kommt ja nicht nur als der Erlöser; er kommt als der Überwinder des Antichrist. Nur dem Geschichtsschreiber wohnt die Gabe bei, im Vergangenen den Funken der Hoffnung anzufachen, der davon durchdrungen ist: auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein. Und dieser Feind hat zu siegen nicht aufgehört. "
Rahab schrieb am 16.01.2011 um 14:02
und B aus dem anhang

"Sicher wurde die Zeit von den Wahrsagern, die ihr abfragten, was sie in ihrem Schoße birgt, weder als homogen noch als leer erfahren. Wer sich das vor Augen hält, kommt vielleicht zu einem Begriff davon, wie im Eingedenken die vergangene Zeit ist erfahren worden: nämlich ebenso. Bekanntlich war es den Juden untersagt, der Zukunft nachzuforschen. Die Thora und das Gebet unterweisen sie dagegen im Eingedenken. Dieses entzauberte ihnen die Zukunft, der die verfallen sind, die sich bei den Wahrsagern Auskunft holen. Den Juden wurde die Zukunft aber darum doch nicht zur homogenen und leeren Zeit. Denn in ihr war jede Sekunde die kleine Pforte, durch die der Messias treten konnte. "
ChristianBerlin schrieb am 17.01.2011 um 02:28
@TomGard
Lieber Thomas,
noch mal danke für den Link weiter oben. Ich bin noch immer nicht so weit, dass ich Deine K-Kritik verstanden hätte, aber das folgende Zitat von Dir verstehe ich:

Wenn ich das nicht ganz falsch verstanden habe, so beharrst Du damit auf dem Standpunkt des Benjamin'schen "Engels der Geschichte", der mit rückwärtsgewandtem Gesicht die Spur der sterbenden Generationen entlang rast, eine unendliche Kette von Zerstörung und Vernichtung überblickend. Und der, ergänze ich, beständig die Zerstörungen, die weit hinter ihm liegen, zu Folgen und Resultaten derjenigen "erklärt", die zu seinen Füßen stattfinden.

Dieses Argument enthält einen klassischen Theologie-Killer. Es kommt gelegentlich auch von „Gläubigen“, denen Du dieses „Geschäft“ überlassen möchtest. Solchen Protest wie bei Dir hagelt es regelmäßig, wenn ich in einer Gemeinde Lieder von Paul Gerhard oder Martin Luther mit auffällig absichtlichen Chronologie-Fehlern singen lasse.

Nun, was Du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last;
ich hab es selbst verschuldet,
was Du getragen hast. ..

EG 85,4 (Paul Gerhardt 1656)


Dem Teufel ich gefangen lag,
im Tod war ich verloren,
mein Sünd mich quälte Nacht und Tag,
darin ich war geboren.
Ich fiel auch immer tiefer drein,
es war kein Guts am Leben mein,
die Sünd hatt‘ mich besessen.

Mein guten Werk, die galten nicht,
es war mit ihn‘ verdorben,
der frei Will haßte Gotts Gericht,
er war zum Gutn erstorben,
die Angst mich zu verzweifeln trieb,
daß nichts denn Sterben bei mir blieb,
zur Höllen mußt ich sinken.

Da jammert Gott in Ewigkeit
mein Elend übermaßen,
er dacht an sein Barmherzigkeit,
er wollt mir helfen lassen,
er wandt zu mir das Vaterzerz,
es war bei ihm fürwahr kein Scherz,
er ließ’s sein Bestes kosten.

Er sprach zu seinem lieben Sohn:
"Die Zeit ist hier zu erbarmen,
fahr hin meins Herzens werte Kron
und sei das Hel dem Armen
und hilf ihm aus der Sünden Not
erwürg für ihn den bittern Tod
und laß ihn mit dir leben."

Der Sohn dem Vater g’hormsam ward,
er kam zu mir auf Erden
von einer Jungfrau rein und zart,
er sollt mein Bruder werden.
Gar heimlich führt er sein Gewalt,
er ging in meiner armen G’stalt,
den Teufel wollt er fangen.

EG 341,2-6 (Martin Luther 1523)


Beide Texte sind Aktualisierungen (Wiederaufnahmen, Parapharasen) des עבדי (Gottes) / des ἀμνός θεοῦ / des Agnus Dei Gedankens im 3. Gottesknechtslied, an das Michael Jäger in diesem Blog erinnert hat „um unserer Missetat willen wurde er gestraft … durch seine Wunden sind wir geheilt, die Strafe lieg auf ihm damit wir Frieden hätten.“

Gläubige – oder vielleicht doch nicht so Gläubige (?) – sagen mir manchmal, dass sie diese chronologisch rückwärts formulierte Kausalität für unmöglich halten. Wenn die aber unmöglich ist, ist Profetie unmöglich, kann es keine Wahrträume geben, dann ist auch Gott unmöglich und das ganze Unternehmen Theologie kann keinen Sinn haben – jedenfalls nicht den, den es zu haben beansprucht (den Sinn, gesellschaftliche Risse zu kitten, den Du ihm gibst, evtl. dann schon).

Kehrt man aber die Prämisse und Folgerung um, verschwindet der Widerspruch sofort: Wenn es Gott gibt, ist er Raum und Zeit nicht unterworfen und in der Lage Kausalzusammenhänge chronologisch umzudrehen, in weiser Voraussicht etwas zu tun wegen eines späteren vorhergewussten Geschehens.

„Pronoia“ (Vorherwissen) um noch ein griechisches Wort zu gebrauchen, gilt seit Anbeginn der Theologie als eine besondere Eigenschaft Gottes, die sein Verhältnis zur Schöpfung / Zeit / Geschichte wesentlich definiert (darauf sollte ich vielleicht noch bei Dr. Bödele eingehen, der im Tabu-Blog meinte, sie mit einem logischen Taschenspielertrick widerlegen zu können).

Ich wage sogar die Behauptung, dass dieselbe chronologische Umkehrmöglichkeit von Kausalität auch rein säkular gegeben sein kann, nämlich da, wo Menschen die Rolle Gottes (mit) übernehmen und in weiser Voraussicht verantwortlich zu handeln.

Ein simples Beispiel für diese Rückwärts-Kausalität ergibt sich aus der Frage, ob es irgendeinen Zusammenhang zwischen den Protesten am Zaun von Brokdorf 1976 und der Havarie in Tschernobyl 1986 gibt – und wenn ja, welchen?

Als Engel der Geschichte, der aus der atomaren Wolke von Tschernobyl auf Brokdorf zurückblickt, würde ich tatsächlich zu der Auffassung neigen, dass die Schlachten, die da damals gegen Wasserwerfer und Polizeiknüppel geschlagen wurden, durch das Ereignis bedingt sind, das gerade zu meinen Füßen stattfindet, wenn auch nur durch die Schwangerschaft ihrer Gegenwart mit seiner bloße Möglichkeit. Von deren Eintreten konnten die Demonstranten damals weder Tag noch Stunde kennen, als solches konnte dieses Eintreten jedoch als sicher gelten, denn dies ist, wenn es denn möglich ist, nur eine Frage der Zeit. Geirrt hatten sich die, die meinten, man könne es mit menschlichen Möglichkeiten ausschließen, indem man es dadurch unwahrscheinlicher macht, dass eine Verkettung ungünstiger Zufälle eintreten müsste. Aber Unwahrscheinlichkeit ist noch kein zwingender Ausschluss, wie man dann 1986 wusste (und in diversen sog. Tragödien auch danach immer wieder lernen musste).

Ist so ein solches Reagieren auf eine, nicht mit Datum und Uhrzeit, aber inhaltlich gewisse Zunkunft aber menschenmöglich, dann ist sie Gott oder von ihm inspirierten Gottesmännern erst recht möglich, dann kann die herannahende Sintflut die Ursache dafür sein, dass Noah oder Ziusudra oder Utnapischtim die Arche baute. Oder die über Generationen bis hin zu Luther voraussichtlich nie ganz zu beseitigende Gottesferne aller Menschen kann ein Grund für den Nazarener sein, den Neuen Bund in seinem Blut begründen zu wollen – oder für seine Anhänger, im Anschluss daran in ihm den/das „ἀμνός θεοῦ“ aus der jesajanischen Profetie zu sehen.

An ihrer Denkunmöglichkeit muss diese Geschichtsdeutung nicht scheitern, nicht objektiv. Dass sie objektiv richtig und für jedermann gültig ist, ist damit noch nicht gesagt. Der eine kann darin aus einem existenziell vitalen Bedürfnis heraus „fucking shit“ sehen, der andere für sich die einzig greifbare Hoffnung und Rettung in aller Rettungs- und Hoffnungslosigkeit.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 17.01.2011 um 02:43
@Rahab
@Mustafa

Wenn unser Eingedenken bewirkt, dass in unserem Denken diese Pforte immer einen Spalt weit geöffnet bleibt, haben wir viel erreicht (alle 3).

LG Christian
Ehemaliger Nutzer schrieb am 17.01.2011 um 22:59
Hallo Christian,

ich weiß Deine Bemühung durchaus zu schätzen, meine Antwort wird abweisend-arroganter klingen, als sie gemeint ist.

Ich werde keine philosophisch-theologische Debatte über Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit führen. Denn jeder Mensch, der einmal mit Bewußtsein ein Würfelspiel gespielt hat - vulgo: ohne "das Schicksal heraus zu fordern" - weiß, worauf die Demonstranten von Brokdorf (denen ich übrigens im Status eines Beobachters angehörte) sich ebenso wie ihre Gegner beriefen:

Wahrscheinlichkeit ist eine Integration entweder über den Raum oder die Zeit.
(NB: gilt natürlich nur, wenn die Referenz das menschliche Dasein ist *schmunzel*)

Die Differenz zwischen Gegnern udn Befürwortern lag in unterschiedlichen Ansetzungen und Gewichtungen von Zweck - Mittel Kalkulationen. Gewiß waren Letztere auf seiten der Gegner oftmals von christlichen Werten geprägt, aber das spielt für das Konstrukt Deines Beispiels weder eine theoretische, noch praktische Rolle.

Wenn man aber eine Integration über die Zeit vornimmt, dh., wenn man in einer Wahrscheinlichkeitsfunktion eine "Gegenwart" bestimmt hat, die über Vergangenheit und Zukunft gemittelt ist, dann sollte man bitteschön nicht anschließend hergehen, und diese so bestimmte Gegenwart wieder in Vergangenheit und Zukunft aufdröseln, das ist wirklich bloß ein Taschenspielertrick.

Ich möchte anmerken, daß diese Antwort auch das Thema "Demut" berührt, wie es mir Mabli in seinem Blog angetragen hat.

Etwas gehetzt geschrieben.
Gruß
Tom
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.01.2011 um 07:12
ad Benjamin:

"Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen ´wie es denn eigentlich gewesen ist´. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen ..."

Einerseits setzt B. hier an, die Historiographie als (modern formuliert) "Narrativ" zu dekonstruieren. Doch im Wort "Erinnerung" restituiert er den Fetisch der "Geschichte" auch gleich wieder neu, weil er, wie die Mehrzahl derer, die sich heut "Konstruktivisten" nennen, nicht wahr haben will, daß und wie das "Narrativ" Bestandteil der materiellen Tradition ist,
Kenntlich ist das an den Entgegensetzungen, mit denen er fortsetzt, die einer sozialdemokratischen (leninistischen) Lesart des marx'schen Ansatzes entstammt:
"Konformismus" (stumm: revolutionäre "Gesinnung")
"Hoffnung" (stumm: vs. Fatalismus)

Ich kann, um das an der Partikulargeschichte zu demonstrieren, den Hof, den ich vom Vater erbe, auch zurück weisen. Ich kann ihn verkaufen, oder stückeln, ich kann ihn komplett neu einrichten und alle alten "Hüte" aus ihm resp. seiner Bewirtschaftung entfernen. Ich kann ihn freilich (via Kredit, einer anderen Form widersprüchlicher Tradierung) auch vergrößern, ausbauen usw. In beiden Fällen kann ich versuchen, Traditionen zu wahren, oder zu brechen, und beides kann wiederum in dem Bewußtsein geschehen, Bestandteile des Überlieferten, an denen ich festhalten will, in der neuen Generation und den Bedingungen, die sie (aka die anderen Erben) setzt(en), zu bewahren.
Bewahrung und Zerstörung sind dabei komplementäre Bestandteile einer "Aufhebung" des Tradierten in der Gegenwart. Das materielle wie das geistige Leben sind vollständig tradierte Bestandteile der "Synchronie", es gibt Vergangenheit nur als integrierten Bestandteil der Gegenwart der Lebenden, alles andere ist Fetischismus. Alles, was "wir" "haben", einschließlich unserer selbst, haben "wir" kulturell, ist reinrassig unser "Konstrukt". Nur gibt es dieses "uns" nicht als Bestandteil des Konstruktes, wenn es ein verdinglichtes Herrschaftsverhältnis ist. Dann beherrschen die Väter und Urgroßväter uns, weil wir sie,. die Toten, als Herrscher einsetzen. Wir "ehren", sie nicht in dem, was wir von ihnen sowohl annehmen, wie ablehnen, wir verehren, wir vergöttern sie.

Ich will, daß wir, jeder von uns, wieder die "Götter" werden, die unsere Vorfahren einmal waren, bevor sie welche über sich stellten!

Abermals flüchtig geschrieben, denn wegen euch Fetischköpfen muß ich jetzt gleich Sklavendienste im Arbeitslager leisten, dankeschön!

Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt. Dem historischen Materialismus geht es darum, ein Bild der Vergangenheit festzuhalten, wie es sich im Augenblick der Gefahr dem historischen Subjekt unversehens einstellt. Die Gefahr droht sowohl dem Bestand der Tradition wie ihren Empfängern. Für beide ist sie ein und dieselbe: sich zum Werkzeug der herrschenden Klasse herzugeben. In jeder Epoche muß versucht werden, die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen, der im Begriff steht, sie zu überwältigen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.01.2011 um 11:52
Bin für heut schon wieder entlassen ;-)

Der letzte Absatz war vom Zitat stehen geblieben ...

Zur Ergänzung empfehle ich meinen letzten Kommentar an Mabli:

www.freitag.de/community/blogs/mabli/--erkenntnistheoretischer-einwand-an-tomgard#coment-220612
Rahab schrieb am 19.01.2011 um 20:51
kurze anmerkung:
Benjamin bewegt sich nicht nur im christianisierten geschichtsbegriff/denken
sondern:
für ihn ist der messias noch nicht gekommen
aber der auszug aus Ägypten war schon
auf diesen - und nicht auf die erschaffung der welt - geht das gedenken zurück
um dann von diesem aus in die offene gegenwart dai-dai-jenu zu singen
also nicht: befreit von
sondern: befreit zu

deshalb hab ich auch bei dem gewuhle um die babylonische sprachverwirrung angemerkt, dass es um die nicht geht
sondern um die frage, wer die/der jüngste sein wird mit der frage: was unterscheidet diese nacht von allen anderen nächten?
der arme berliner schrieb am 11.01.2011 um 15:57
Hallo Titta,

ich bin Atheist, lebe mit einer evnagelsichen Mutter und deren Kinder seit Jahren zusammen. Da kommt es häufig zu solchen Konflikten: Wo war da Gott?
Ich denke immer darüber nach, das auch die Nazischergen Gottes Kinder ja sind, wenn ich den Glauben richtig interpretiere, oder?
Und was Menschen anderen Menschen an Grausamkeiten antun, wird mir von Gläubigen oft als Gottes probe für die Menschen dargestellt. Wir müssen durch diese grausame Welt, um darin edel zu bleiben und dann ins Paradies zu kommen.
Als Atheist gehe ich da anders ran: Der Mensch an sich ist schlecht und gut zugleich und immer abhängig vom System menschlicher Beziehungen um ihn herum: Das betrifft die ökonomischen, sozio-ökonomischen Beziehungen, bis hin zu den Beziehungen im privaten Lebensumfeld eines jeden.
Diese Welt wird immer wieder durchgeschüttelt werden von solchen Exzessen, leider.
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2011 um 18:29
@der arme berliner

Lieber mitbloggender Mitberliner,

Du hast zwar Titta gefragt, aber da sie nichts dagegen hat, wenn hier verschiedene theologische Meinungen oder Infos kommen, geb ich mein Statement ab.

Ich weiß ja nicht, zu welcher Richtung von uns Evangelen Deine Lebenspartnerin gehört. Davon hängt nämlich die Antwort ab auf Deine Frage:

"... das auch die Nazischergen Gottes Kinder ja sind, wenn ich den Glauben richtig interpretiere, oder?"

Evangelikale und wohl auch Postevangelikale könnten das nicht als Inhalt ihres evangelischen Glaubens bestätigen. Sie würden solche Menschen schon noch Geschöpfe Gottes bezeichnen, sie auch als Werkzeug Gottes ansehen bzw. als Werkzeuge des Widersachers, der aber selbst ein Werkzeug Gottes ist.

Der Ausdruck "Kinder Gottes" ist in diesem theolgischen Sprachspiel für Gläubige reserviert, deren Leben durch ekstatische Erfahrungen so verändert wurden, dass sie Gott unmittelbar erfahren haben und von daher das Vertrauen haben sich ihm zu überlassen.

Die Theorie geht davon aus, dass EINE solche Berührung mit dem EINEN ausreichen kann, um ein ganzes Leben zu verwandeln, aus einem Saulus einen Paulus zu machen. Ein Nazi-Scherge, dem das widerfährt, was Paulus vor Damaskus widerfuhr, würde die Waffen niederlegen und den Kriegsdienst verweigern wie der Hl. Martin, nachdem er den Bettler im Traum wiedersah, dem er dem Mantel geteilt hatte, und der ihm sagte, dass er sei Christus. Oder wie John Newton, der Dichter von Amazing Grace, der Kapitän eines Sklavenschiffs war und nach der im Lied besungenen Veränderung einer der stärksten Gegner der Sklaverei wurde.

Aus solchen möglichen und immer wieder aufgetretenen Veränderungen folgt m.E. zweierlei:

- Wenn Sklavenhändler, Christenverfolger, Imperial-Militärs ihr Leben um 180 Grad verändern können, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Nazi-Schergen, Kinderschänder und andere Unmenschen durch irgendetwas irgendwann ihr Leben vollkommen umkrempeln, sodass es aus Unmenschen wieder Menschen werden.

Das bedeutet theologisch, dass die Feinde der Menschlichkeit von Gott her, wenn der denn existiert und den Menschen geschaffen und zu etwas bestimmt hat, solche Menschen nicht definitiv auf ihre Schlechtigkeit festlegt, sondern auch für sie einen menschlichen Weg vorsehen kann.

Sie haben sich aber momentan existenziell für das Gegenteil entschieden, sich selbst nicht durch die Macht der Menschlichkeit zu definieren, sondern durch die Macht, die durch die Missachtung der Menschlichkeit entsteht.

Da sie sich anders entschieden haben und sich definieren, kann man Nazi-Schergen nicht "Kinder Gottes" im Sinne einer zu Menschlichkeit und Liebe befreiten Existenz nennen, es sei denn, man wollte sie gegen alle Evidenz als solche behandeln, um sie dadurch zu provozieren, das andere Potenzial in sich zu entdecken - kann gut gehen, kann aber genauso schief gehen wie die Fischpredigt des Hl. Antonius.

Ich weiß nicht sicher, ob diese Einschätzung zu Deiner passt:

Als Atheist gehe ich da anders ran: Der Mensch an sich ist schlecht und gut zugleich und immer abhängig vom System menschlicher Beziehungen um ihn herum: Das betrifft die ökonomischen, sozio-ökonomischen Beziehungen, bis hin zu den Beziehungen im privaten Lebensumfeld eines jeden.

Können die Bedingung seines Umfeldes den eigentlich nicht festgelegten M.a.s. nicht nur in der Kulturadaption prägen (sodass in Deutschland aufwachsende Kinder Deutsch sprechen usw.), sondern ihn auch in der ethischen Frage festlegen, ob er gut oder böse sein will, sozial oder antisozial, menschlich oder unmenchlich? Hat er da gar nicht mitzureden? Oder entscheiden das individuelle Vorfälle, Schlüsselerlebniss, die den Schalter in dieser Frage so oder so umlegen können?

Wenn für letzteres in Deiner Theorie Platz ist, passt sie auch zu den Erfahrungen, die Menschen im religiösen Sinn zu Kindern Gottes machen und von ihrem Schergen-Dasein befreien. Das könnte m.E. auch atheistisch funktionieren, theoretisch jedenfalls. Kenne aus dieser Kultur nur kaum Beispiele, die mit ähnlicher Begeisterung erzählt werden wie die o.a. christlichen.

LG Christian
Titta schrieb am 12.01.2011 um 00:07
Hallo armer berliner (sind das die ohne Marmelade?),

"Und was Menschen anderen Menschen an Grausamkeiten antun, wird mir von Gläubigen oft als Gottes probe für die Menschen dargestellt. Wir müssen durch diese grausame Welt, um darin edel zu bleiben und dann ins Paradies zu kommen."

Hoffentich nicht so oft, wie es dir vorkommt. Gott als schwarzer Pädagoge samt entsprechender Pädagogik. Da möchte, zumindest ich, gleich mit dem Loskotzen anfangen.
Gottesbilder sagen wenig über Gott, sondern vielmehr etwas über die aus, die sie entwerfen. Durch Gottesbilder erfährst du wenig über Gott, aber sehr viel mehr über die Menschen, die sie einsetzen und benutzen.

"Als Atheist gehe ich da anders ran: Der Mensch an sich ist schlecht und gut zugleich und immer abhängig vom System menschlicher Beziehungen um ihn herum: Das betrifft die ökonomischen, sozio-ökonomischen Beziehungen, bis hin zu den Beziehungen im privaten Lebensumfeld eines jeden.
Diese Welt wird immer wieder durchgeschüttelt werden von solchen Exzessen, leider."

Sehe ich auch als gläubiger Mensch im Grunde genauso. Nur um nicht an dieser Welt zu verzweifeln, dafür brauche ich meinen Glauben. Nur der fällt nicht vom Himmel, sondern ist mitunter ziemlich hartes Brot;-)

LG
Titta
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.01.2011 um 23:16
Ich habe Überlebenden zugehört, und ich habe Texte von Überlebenden gelesen. Und ich habe Historiker gelesen. Und ich lese immer noch.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.01.2011 um 00:39
und oben gelesen: ein Trick; ja, nur das ist dieses Blog.
M.Dosse schrieb am 12.01.2011 um 07:56
Ich glaube nicht, leider. Gläubige haben es besser wie wir Atheisten.
Oft denke ich wenn es ihn den geben würde den großen Lenker, ich denke er ist schlecht, boshaft und steht auf Sadismus. Seine Jünger beten ein Folterinstrument, das Kreuz an. Sein Sohn war nicht Jesus sondern Hitler.
Sein Werk ist nicht der Junge am Galgen, sein Werk ist Auschwitz.
Die Menschen machen natürlich alles um sich zu schützen, sie lügen sich die Welt schön. Das macht die Welt erträglicher und basteln sich was vom gerechten Gott zurecht. Fein so, glücklich sind die einfältiger, Armen.
Fakt aber bleibt, die Menschen die Auschwitz erlebt haben überlebten oft nur durch den Glauben. Viele an Gott, viele an Stalin, viele an was besseres nach der Katastrophe.
poor on ruhr schrieb am 12.01.2011 um 14:34
Wo immer Gott -sofern man/frau an ihn glaubt- zu der Zeit des KZ´s Auschwitz war, kann ich mit dieser Frage nicht viel anfangen, weil Gott aus der Warte des Gäubigen heraus anders ist und das, wass er/sie vor hat, sowieso nicht ergründen kann.

Das ist im theologischen Sinn der Kern der Beschreibung Gottes. Der Atheist glaubt dagegen sowieso nicht an Gott.

Also ob Atheist oder gläubig , scheint es doch viel vernünftiger zu sein, darüber zu diskutieren, was wir Menschen zun können, damit es diese unsäglichen, von ihrer Struktur her unbeschreibbar verbrecherischen Kz´s nicht mehr gibt.

Gerade wir als Deutsche haben in dieser Hinsicht eine ganz besondere Verantwortung, uns damit auseinderzusetzen.

Ist man/ frau deutsch und gläubig wird dies das höhere Wesen sicher am meisten erfreuen, wenn es wirklich dieser liebende Gott sein sollte.

Ist man es nicht , ist es trotzdem gut, sich gegen die Verbrechen gegen die Menschheit einzusetzen.

Dann wird es auch nicht mehr so wichtig sein , ob Gott in Ausschwitz war oder nicht, oder ob man gläubig ist oder nicht,, sondern wichtig wird nur noch sein, dass solch ein Völkermord nie mehr vorkommt.

Leider sind wir da seit der Nazizeit nicht viel weitergekommen.

Ruanda und Jugoslawien stehen da für sich und Zeugen von unbeschreiblichen Morden an Völkern und ethnischen Minderheiten.

Gucken wir da als Gläubige darüber weg , sind wir eh Kandidaten für die Hölle. Die Atheisten sind es ja aus der Kirche sowieso.

Gibt es keinen Gott, kommen wir zwar nicht in die jenseitige Hölle, aber wir werden eine Hölle auf Erden haben, wenn wir dem dem Verbreechen wirder dem Menschen nicht mit aller menschlicher Entschlossenheit begegnen.
poor on ruhr schrieb am 12.01.2011 um 14:40
P.S Soll heissen:

Die Atheisten sind ews ja aus Sicht der Kirche sowieso.
Jan Jasper Kosok schrieb am 12.01.2011 um 16:19
@all

So gern ich einige der hier geäußerten Gedanken lese, so sehr stoßen mir andere "Nebenstränge" auf. Daher geht dieses Kommentar-Monstrum zu, wenn es im Ton so weiter geht.

Uwe Theel, ForenBoy und Konsorten – da sind noch ein paar – möchte ich bitten, für's neue Jahr einen weiteren Vorsatz zu machen: näher am Thema und weniger verbissen zu diskutieren. Persönliche Privatfehden interessieren hier die Wenigsten, will ich meinen.

Besten Gruß,

JJK
zelotti schrieb am 13.01.2011 um 10:55
Was mich so richtig übel macht ist dieser erzählerische Kitsch...
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2011 um 12:36
@zelotti

Definier doch mal "Kitsch" - allgemein und im Zusammenhang mit Auschwitz.

Was ich bisher unter Kitsch verstehe, wäre eine Verunglimpfung des Andenkens, die ich aber in der Gedenkkultur bislang nicht erkennen kann.

Auch nicht im Gedicht von Bergengruen oder der Erinnerung von Eli Wiesel.

Was meinst Du, wenn Du das nicht meinst? Oder meinst Du das?

Wenn Du das nicht präzisierst, bleibt Deine Andeutung kryptisch...

LG Christian
M.Philipp schrieb am 13.01.2011 um 12:24
Das ,ich glaube, zweite Gebot sagt, man solle sich kein Bild machen von Gott; d.h. nicht etwa , du sollst Dir keinen Kruzufixus auf den Altar stellen oder ein Gemälde an die Wand hängen, sondern: Du sollst keine - zumal nach eigenem Bedürfnis gemachte - Vorstellung im Kopf haben von dem, was Gott sein könnte. Die Haltung die daraus erwächst ist die auf das oder den anderen bezogene. Praktisch läuft das auf eine Aufmerksamkeit hinaus, die ihrerseits Ausdruck für ein konsequentes In-der-Gegenwart-leben ist. Wem das gelingt ist im eigentlichen Sinne gläubig , wie ein Mensch, der `wie ein Kind` (Bergpredigt, Neus Testament) geworden ist.
Echte Gläubige sind also mutmasslich wirklich selten!
luggi schrieb am 14.01.2011 um 21:50
Gott hat Auschwitz geschaffen, er war nicht nur dabei ... soviel Konsequenz muss sein.
Titta
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langweiler hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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