Der Untertitel kündigt einen Beitrag zur "Generationensoziologie" an. Wer persönlich weitab positioniert ist von dem hier betrachteten "Milieu" (Ausdruck von Blogger "Oranier"), kann aus dem Ganzen herzlich wenig lernen. "Soziologie" hieße ja, man bekäme Strukturen, Systemzusammenhänge etc. aufgezeigt. Dies aber ist bestenfalls ein Stimmungsbild, ein (mag sein kluger, aber dennoch:) narzisstischer Wortschwall in der obsoleten Machart jener alten Zeiten, als sich alles um die reine Lehre und Lagerrivalitäten und drehte. Hinzu kommt noch mein Unbehagen, die garantiert zwischen den Zeilen enthaltenen, nur "Milieu-Mitgliedern" sich erschließenden Attacken oder Streicheleinheiten nicht mitzukriegen. Ich fange gerade erst an, mich mit dem "freitag" zu befreunden und hoffe gewaltig, er muss nicht mit lauter Artikeln dieser Art eine auflagenrelevante Lesergruppe bei Laune halten.
1. Unscharf: im Glossar wird der falsche Eindruck vermittelt, die Trinität sei mit dem Neuen Testament unvereinbar - sie ist im Gegenteil eins seiner Kernstücke 2. Die Kermani-Debatte ist absolut überflüssig, genauer: ein Rückfall in die unselige Ära, als Dogma-Auseinandersetzungen verheerende reale Folgen auslösten. Bei dem Konflikt um den Hessischen Kulturpreis geht es um komplexe theologische Fragen, die - nicht nur - den "freitag" hoffnungslos überfordern und dort Platz für wichtigere Dinge wegnehmen. Ok, hiermit spreche ich vielleicht für eine Mikro-Minderheit, aber die gibt es : Christen, für die bestimmte Dogmen unbezweifelt feststehen, die sich aber davor hüten, andere Leute damit zu behelligen. Und dem Mega-Anliegen "Dialog mit einer anderen Kultur/Religion" fühlen sie sich nicht gewachsen. Sie versuchen stattdessen ihr Bestes zu geben in der Alltags-Pragmatik persönlicher Verständigung und des Zusammenlebens mit den Menschen in ihrer nächsten Umgebung.
Zugegeben, das sind alles schwer relevante Journalismus-Selbstver-ständnis-Fragen. Allerdings brummt eurer Zielgruppe, den Print-& Nonprint-Konsumenten eh schon genug der Kopf von Traumata durch z.B.: die tägliche Überfülle von Stoff (euphorisch: "Informationen"), nicht zuletzt verursacht durch euer Muss, täglich x Seiten füllen zu müssen; den für uns undurchschaubaren Dschungel der Sympathie-/Antipathie- beziehungen von Medienleuten a) untereinander b)zu dem, worüber sie schreiben; den m.E. auch unter Medienleuten zunehmenden Standes-Narzissmus (Selbstheiligung der "vierten Gewalt"?)- lauter Kolumnen mit Autorenfoto, kein Tagesschau-Film ohne Abbildung der vielen Kameraleute vor Ort ... etc. Dennoch: viel Erfolg für die Tagung - er käme schließlich uns Nutzern zugute.
David Foster Wallace wurde 2005 darum gebeten, vor Absolventen des Kenyon College eine Abschlussrede zu halten. Diese berühmt gewordene Rede gilt in den USA mittlerweile als Klassiker und Pflichtlektüre für alle Abschlussklassen – eine kleine Anleitung für das Leben, die man jedem mit auf den Weg geben möchte
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