Seit geraumer Zeit sind Bücher wieder so richtig in. Natürlich nicht die Dinger auf Papier – die sind nach wie vor zu einem Beinah-Nischenmarkt geschrumpft. Nein, die Rede ist von den so genannte E-Book-Readern vom Schlage eines Amazon Kindle, Sony Reader oder Bee Book. Kaum eine „Wissenssendung“ im TV, kaum ein „Gadget“-Blog, das ohne sie auskommt und ihnen eine goldene Zukunft prophezeit. Schließlich sind diese Dinge ja furchtbar in – da wird man schnell zum langweiligen Normalleser in der Version 1.0 wenn man nicht so einen Reader besitzt.
Bervor Sie jetzt loslaufen und dem Trendgott 300 bis 400 Euro opfern, halten Sie einen Moment inne. Wo – außer gut angekettet und hinter Glas in Ihrer Buchhandlung – haben Sie so ein Ding schon einmal gesehen? Ich meine in „freier Wildbahn“? Schließlich sind diese Reader nicht nur teuer, sondern tatsächlich auch praktisch.
Seltsam nur: Bis auf das Gerät von Sony (www.sony.de/reader) gibt es diese Dinger hierzulande einfach nicht. Es kann sie schlich keiner nutzen, weil sie hier zwar immer wieder herbeigetrommelt werden, sich aber in Deutschland einfach nicht materialisieren wollen.
Damit hat der deutsche Markt etwas Einzigartiges geschaffen, das man bisher nur aus dem amerikanischen „Alles ist Möglich“-Kino der 60er Jahre kennt. In einem dieser Filme, Ein Pyjama für zwei, erschafft ein schlauer Werbemanager einfach aus Spaß an der Freud eine Kampagne für ein Produkt, das keiner kennt, weil es überhaupt nicht existiert. Sinnigerweise heißt das fiktive Zeug, das erst erfunden wird, nachdem der Bedarf bereits geweckt wurde, VIP.
So ähnlich fühle ich mich gerade mit diesen elektronischen Lesedingern – irgendjemand hat sie zum Boom erklärt und die Maschine läuft – sogar ohne Produkte. Dumm dabei ist nur, dass es irgendwann wohl mal jemandem auffallen wird und dann eine an sich gute Idee zu Schanden geritten wurde. Wer soll denn auch die ganzen tollen Geräte kaufen, wenn es sie praktisch nicht gibt?
Hinzu kommt, dass das Angebot an elektronischen Büchern derzeit natürlich auch noch recht dünn und nur unwesentlich preisgünstiger als die Papierausgaben ist.
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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