Tom Strohschneider

Blog von Tom Strohschneider

08.06.2010 | 16:25

Friedensstifterin und Schirmherrin: Die Linke nominiert Luc Jochimsen

Am Dienstagnachmittag hat auch die Linkspartei ihre Kandidatin für das Rennen um die Köhler-Nachfolge präsentiert. Die Entscheidung für die frühere Fernsehjournalistin und Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen sei einstimmig gefallen, darauf wies Fraktionschef Gregor Gysi die Medien eigens hin. Und doch war die Nominierung keineswegs unumstritten – was seine Gründe nicht in der Person der 74-Jährigen hat, sondern mit der strategischen Lage zusammenhängt, in der sich die Linkspartei vor der Bundesversammlung befindet.

Einerseits war der Selbstbehauptungswille nach dem unabgesprochenen Vorstoß von SPD und Grünen groß. Der Name Joachim Gauck musste als Versuch verstanden werden, die Linke vorzuführen. Sein programmatisches Profil jenseits von erinnerungspolitischen Fragen reichte der Partei nicht aus. Andererseits wurde der Linkenspitze schnell klar, dass die bis weit ins schwarz-gelbe Lager hineinreichende Akzeptanz von Gauck die CDU-geführte Bundesregierung bis an den Rand einer Niederlage bringen könnte – und vielleicht sogar darüber hinaus.

Und so wurde seit Ende der vergangenen Woche in der Linken ein wenig über mögliche Namen diskutiert – neben anderen wurde der von Freitag-Herausgeberin Daniela Dahn genannt. Vor allem aber über strategische Fragen: Soll es überhaupt eine/n eigene/n Kandidaten/in geben? Von der Spitze der Partei bis in die Basis lagen die Meinungen darüber auseinander. Soll man im zweiten oder dritten Wahlgang für Gauck stimmen? Das blieb auch dann noch umstritten, als Luc Jochimsen, die seit 2005 für die Linke im Bundestag sitzt, bereits benannt war.

Dass die Kulturpolitikerin keine Chance auf den Posten im Schloss Bellevue hat, spricht nicht gegen ihre Befähigung für das Amt – darauf hat die Linkenspitze bei der Präsentation von Jochimsen großen Wert gelegt. Gregor Gysi nannte sie eine „in jeder Hinsicht höchst geeignete Frau“ und Gesine Lötzsch würdigte eine streitbare und engagierte Biografie, welche die Nürnbergerin schließlich sogar von West nach Ost führte – und die vor dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs begann.

Vor allem aus dieser Erfahrung, so die promovierte Soziologin am Dienstag, speise sich ihr „Wahlprogramm“ bis zur Bundesversammlung am 30. Juni: „Friedensstifterin, Vereinigerin und Schirmherrin für die Schwachen und Benachteiligten“ zu sein.

Mehr zur Kandidaten-Debatte in der Linkspartei gibt es hier.

 

 
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Kommentare
Gustlik schrieb am 08.06.2010 um 16:34
Schloss Bellevue - Ein guter Platz für betreutes Wohnen?

Schade, dass die LINKE nicht den Mut, das Personal, den Willen hat, bundestagsunbelastete und jüngere Ausstrahlungen an die Medienfront zu schicken.

Ich bin enttäuscht, bei aller Achtung für L.J.
Rahab schrieb am 08.06.2010 um 16:41
Lena wäre definitiv jünger und strahlender und betreuungsempfänglicher - meintest du das?
Gustlik schrieb am 08.06.2010 um 16:56
Man muss ja die Vorstellung 'Mindestalter im Bellevue' nicht überziehen. Lena könnte vielleicht singen, aber sonst ... ist ihr Statement zur Lage der Nation so unbekannt wie das von Gauck.
Rahab schrieb am 08.06.2010 um 16:58
und was sollte das "betreute wohnen"?
weinsztein schrieb am 08.06.2010 um 17:08
Das war nur ein Gustlik, nichts Wichtiges.
Rahab schrieb am 08.06.2010 um 17:30
ach so!
werde ich mir merken und das nächste mal, wenn's paßt, fragend schreiben: war das nur ein gustlik?
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 16:36
Sowohl Name als auch Nominierung passen ins Bild der politisch verfaßten Linken: Edel, hilfreich, gut — und mit unübersehbarer Tendenz zur Selbstmarginalisierung.
weinsztein schrieb am 08.06.2010 um 17:07
Ah ja? Wie kommen Sie denn auf so was?
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 17:09
Durch Beobachten und Darübernachdenken, mein lieber weinsztein.
weinsztein schrieb am 08.06.2010 um 17:14
Also das hätte ich jetzt nicht erwartet, reizender j-ap.
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 17:25
Sie sind und bleiben eben ein Charmeur, weinsztein.

Ich habe jedenfalls ganz den Eindruck, als würde die Nominierung Luc Jochimsens ins Bild passen. Sie ist als Person ganz ohne jede Frage integer und über jeden politischen Zweifel erhaben, abgesehen vom politbetrieblichen Stallgeruch vielleicht. Nur reden wir hier leider nicht von einer lauschigen Gartenparty im Grünen, sondern vom »Politischen«, und da spielen eben auch andere Aspekte eine Rolle, etwa der, ob es besser ist, sich am langen Ende mit vollkommen leeren Händen immerin gut fühlen zu können oder Politik als das zu betrachten, was sie notwendigerweise ist: Die Kunst des Erreichbaren unter widrigen Bedingungen. Es mag ja sein, daß sich manch berufener Gönnermund ganz wohl dabei fühlt, sich unter die Sektierer rechnen zu können, die keine Kompromisse ans Notwendige gemacht haben und »Kurs hielten«. Mehr als ein Zusatzgedeck beim nächsten Kantinenfest gibt's dafür aber selten.

Dessenungeachtet: Sehen Sie es denn anders und wenn ja, warum?
Graureiher schrieb am 08.06.2010 um 20:07
Mal im Ernst,
muss hier eigentlich jeder Troll gefüttert werden?
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 21:21
Nein, Graureiher. Wenn Sie Ihre Kommentare lieber gelöscht sehen möchten, so können Sie dies der Redaktion auch diskret per Mail mitteilen. Einer öffentlichen Aufforderung hierzu bedarf es generell nicht.
Graureiher schrieb am 08.06.2010 um 21:42
Sie sind ja ein ganz Mächtiger! Aber vielleicht sollten Sie sich doch noch mal von hier bis zu ihrem geistreichen Beitrag hochlesen. Und dann die Worthülsen, die Sie da erbrochen haben, etwas ausführlicher darlegen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.06.2010 um 17:23
Vor allem hat Luc Jochimsen auch das für einen Bundespräsidenten adäquate historische Verständnis, etwa das Bewusstsein um die Singularität der NS-Verbrechen und der darin wurzelnden besonderen historischen Verantwortung. So wehrte sie sich stets gegen eine revisionistische Geschichtsschreibung, wie sie etwa der Bund der Vertriebenen und deren Vorsitzende Steinbach betreibt oder wie sie durch den Kandidaten des Neoliberalismus, Joachim Gauck, mit seiner Gleichsetzung von NS-Terror und DDR-Unrecht vorgenommen wird. Es wäre ein fatales Signal, wenn DIE LINKE ihre Stimmen einem Apologeten des Geschichtsrevisionismus und einem Propheten eines sozialkalten Neoliberalismus gegeben hätte, nur um im rot-grünen Lager mitzumischen. In welchem Ausmaß eine andere Regierung, etwa aus Rot-Rot-Grün eine Fiktion ist, zeigt das LINKEN-Bashing im Wahlkampf in NRW genauso wie die miesen Tricks bei der „Sondierung“ (vgl. Rüdiger Sagel: Der Mauerbau von Düsseldorf www.sagel.info/meldung.php?meldung=227&page= ).
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 17:33
Wenn Herr Gauck der »Kandidat des Neoliberalismus« ist, was ist dann Herr Wulff? Das letzte Aufzucken der Monarchieliga? Die letzte Hoffnung der Fürstenbank? Die späte Rache des Hauses Hannover an den Preußen?
Rahab schrieb am 08.06.2010 um 17:39
beides auch nur varianten von "edel, hilfreich usw.usf."
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.06.2010 um 17:44
Tut mir leid, aber mit Illuminaten-Augen im Profil (or whatever) diskutiere ich nicht, Du musst schon vorher Deinen Namen rausrücken.
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 17:47
Illuminaten — große Klasse!
Gestatten: Josef Allensteyn-Puch (daher: j-ap).
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.06.2010 um 18:01
Ja, *lach*. Das war eben die erste Assoziation, für die ich auch nichts kann. Ist doch ansonsten ein schöner Name, finde ich.
Zu Wulff fällt mir im Moment nichts ein. Vermutlich wird er auch irgendwann die schwarzgelbe Mehrheit bekommen, weil sonst Merkel der Laden auseinanderfliegt. Mir ist wichtig, dass meine Partei dieses Signal setzt und eine gute Kandidatin gefunden hat, für die es gute, sich aus ihrer Arbeit und Art begründende Vorzüge gegenüber den anderen gibt.
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 18:13
Lieber Herr Ness,

daß Ihnen zu Wulff nichts einfällt, macht Sie sympathisch. Mir geht's nämlich ganz genau so. Umso weniger verstehe ich, weshalb sich DIE LINKE auf eine eigene Kandidatin kapriziert und nicht Herrn Gauck zu wählen bereit ist. Gegen Herrn Gauck spricht auch manches, gar keine Frage — aber die Alternative, die eben lautet: Wulff, die macht doch nahezu jeden anschlußfähig, finden Sie nicht? Hätte ich die Wahl zwischen Wulff und einem nassen Handtuch, dann würde ich das Handtuch küren.

Sie haben es doch auf Ihrer eigenen Homepage geschrieben: Hätte Ralph Nader sich damals in Florida nicht so wichtig genommen und Al Gore die entscheidenden Stimmen weggenommen, hätte der Oberste Gerichtshof damals Bush gar nicht erst ins Amt votieren können.

Weshalb nutzt DIE LINKE die Gelegenheit nicht, einen Herrn Gauck trotz aller mit seiner Person möglicherweise verbundenen Fährnisse zu unterstützen, um damit nicht nur Herrn Wulff zu verhindern, sondern auch Merkel et al. zu desavouieren? Ich finde, eine Partei, die den Anspruch erhebt, eine bundesweite und gesamtgesellschaftliche Vertretung einer bestimmten politischen Richtung sein zu wollen, die sollte sich auch dementsprechend verhalten. Auch wenn das heißt, etwas mehr 'realo' zu werden.

Viele Grüße,
J. A.-P.
Graureiher schrieb am 08.06.2010 um 20:13
Die LINKE ist zum Glück nicht gezwungen, sich zwischen Pest und Cholera entscheiden zu müssen! Da es keine wirklichen Gegensätze zwischen CDU/SPD/FDP/Grünen gibt (siehe NRW), ist auch die Wahl zwischen Wulff und Gauck völlig unwichtig. Politisch wichtig scheint mir, diese Wahlfarce zu entlarven!
free world schrieb am 08.06.2010 um 21:47
Zum Glück beteiligt sich die Linke nicht am strategischen Machtspiel von Rot/grün. Kurzfristig mögen sich solche Spielchen auszahlen und die Frau Merkel gerät leicht ins Wanken oder wird blamiert, weil Herr Wulff nicht durchkommt.
Langfristig bekommen die Wähler mit, wenn sie verarscht werden. Was nützt es, wenn man mit Herrn Gauck Aufbruchstimmung verbreitet und sich danach herausstellt, dass er CDU/FDP Politik verteidigt. Oder was nützt es, wenn man vor der Wahl links blinkt und nach gewonnener Wahl rechts überholt? Die Menschen bekommen das mit und die SPD schadet sich langfristig nur selbst damit.
Tom Strohschneider schrieb am 09.06.2010 um 10:56
@Graureiher: Aber entlarvt man eine Wahlfarce, in dem man an ihr mit einer eigenen Kandidatin teilnimmt?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.06.2010 um 17:41
Lieber Josef Allensteyn-Puch,
schön, dass Sie sich auf meiner Seite kundig gemacht haben, aber das politische System der USA, das dortige Wahlrecht (indirekt über Wahlmänner nach dem the-winner-takes-it-all-Prinzip) sowie die grundsätzlich andere verfassungsrechtliche und politische Position des US-Präsidenten gegenüber dem Bundespräsident führen dazu, dass man das so überhaupt gar nicht vergleichen kann.
SchmidtH. schrieb am 08.06.2010 um 18:17
Mit Verlaub, die Präsentation von Luc Jochimsen als (Zähl-)Kandidatin um das Amt des Bundespräsidenten ist ein Schlag ins Gesicht eines politisch denkenden Menschen.
Nein, die Person Luc Jochimsen ist über jeden Zweifel erhaben. PUNKT

Aber eine Kandidatin ins Rennen zu schicken, die nicht einmal eine Mehrheit erlangen würde, träte sie allein und ohne Gegenkandidat an, also nicht mehrheitfähig ist, dass hält niemand im Kopf aus, der noch so einigermaßen bei Sinnen ist.
Diese "Blödheit" wird die "Linke" noch teuer bezahlen. Mag sein - wo bei ich nicht sicher bin - dass in den neuen Ländern solch Verhalten goutiert wird, in der Bundesrepublik West - und da ist man auch schon allerhand gewohnt - mitnichten.

Kneift mich, ich glaube ich träume.
SchmidtH. schrieb am 08.06.2010 um 18:23
Ein - s - mehr, ein -s - weniger. So jetzt stimmts.
Graureiher schrieb am 08.06.2010 um 20:16
Denken Sie eigentlich noch selber, oder haben Sie an Bild, Spiegel oder taz geoutsourced?
SchmidtH. schrieb am 08.06.2010 um 20:24
Haben Sie Informationen, dass es ist? Sollte ihre Quelle allerdings auch ein alter Kämpe der Stasi sein, dann vergessen Sie es schnellstens und beginnen selbst intensivst nachzudenken. Nur so wird ihnen der Sprung in die böse, aber vorhandene Realität gelingen.
misterl schrieb am 09.06.2010 um 09:47
Lieber SchmidtH

Es ist sinnlos. Praktische Realpolitik hat mit einem Teil der die LINKEN schlicht nichts zu tun. An der Stelle sind sie dann in der Tat irgendwie Regierungsunwiilig bis -unfähig. Zudem fehlt es an Souveränität im Umgang mit politischen Situationen. Das macht sie zwar liebenswert aber kaum wählbar, geht es um konkrete Ergebnisse.

Ich fange an mich von der Die LINKE schneller zu entfernen als ich dachte.
SchmidtH. schrieb am 09.06.2010 um 11:02
In der Tat

lieber misterL

es ist offensichtlich sinnlos. Kann man, Sie und ich, eigentlich solch gebündelten Dillitantismus, solch Ignoranz, das Zerstören von Hoffnung, begreifen?
misterl schrieb am 09.06.2010 um 16:59
Ach, es ist schon ein hartes Brot... ich wüßte gerne, was Dembrowski dazu meint - aber der will ja jetzt selber kandidieren. Hätte die Die LINKE den mal gefragt....
SchmidtH. schrieb am 09.06.2010 um 18:39
Was denn, wie denn?
Hat Dembrowski gestern überhaupt ein Wort über die "LINKE" und ihre strategischen, taktischen Fähigkeiten verloren?
Ob er wirklich über Festnetz abgehoben hätte?
misterl schrieb am 09.06.2010 um 18:45
"taktische Fähigkeiten" ...falls doch, habe ich es nicht mitbekommen. Aber ich denke er wollte seinen Kreislauf schonen für Befreiungskampf außerhalb der Anstalt...

"Festnet" ...bin ich Dembrowski?
SchmidtH. schrieb am 09.06.2010 um 18:50
Gebe zu hätte auch "......................" verwenden sollen. Naja, alles so verwirrend. Hoch lebe der Kreislauf!

Na wer weiß?
misterl schrieb am 10.06.2010 um 08:51
"na wer..." ich weiß. Zwei Arme und beide beweglich.
goedzak schrieb am 08.06.2010 um 19:08
Kann mir offensichtlichem Bundespolitik-Simpel mal jemand erklären, warum das Inthronisieren eines Gaucks statt eines Wulffs ein Schlag gegen Merkel sein soll? Bloß weil Wulff der Vorschlag der derzeitigen Regierungsparteien ist?

Luc Jochimsen ist ein guter Vorschlag, denn das wichtigste scheint mir zu sein, das die Linke sich nicht vom Rest der 'Opposition' vorführen lässt.
Das Hauptargument gegen eine Mitwahl des Gauck in welchem Wahlgang auch immer ist die Sorge um dessen Wohlergehen im Amt, was wohl stark beeinträchtigt wäre, würde er mit den Stimmen derjenigen gewählt, die ihm sein tapferes Leben in der DDR zur Hölle gemacht hatten.

(Mein persönlicher Geheimvorschlag als BuPrä-Kandidat der Linken wäre Florian Havemann gewesen...)
Uwe Theel schrieb am 08.06.2010 um 19:29
@ goedzak schrieb am 08.06.2010 um 19:08

Kann mir offensichtlichem Bundespolitik-Simpel mal jemand erklären, warum das Inthronisieren eines Gaucks statt eines Wulffs ein Schlag gegen Merkel sein soll? Bloß weil Wulff der Vorschlag der derzeitigen Regierungsparteien ist?

Geht man davon aus, dass Merkel das aufstrebende Jungtier Wulff (BKiV) im BPA entsorgen wollte, dann kommt sie zusammen mit der CDU jetzt in die Bredouille, Gauck nicht wählen zu können, obwohl der locker "ihr" Gewächs hätte sein können und der CDU immer treu gedient hat, seit ihn Kohl einsetzte.

Aber ich fürchte, das wird für die breite Wählerschaft, als politisches Argument keine Rolle spielen. Schwerer könnte für Merkel ins Gewicht fallen, dass (sich) Köhler als unschuldiges Opfer Merkels wird zählen lassen können, was dann im Bewußtsein der Wählerschaft bei der nächsten Bundestagswahl wichtiger sein könnte, als das tatsächliche politische Scheitern der Tigerente. Dann bliebe die CDU weiter vor der SPD wählbar, nur Merkel wäre weg.
goedzak schrieb am 08.06.2010 um 19:40
Danke, ut, das mit dem 'Entsorgen' von Wulff leuchtet mir ein. Aber sonst kommen mir derlei Überlegungen ein wenig wie Sandkastenspiele vor, die alle betreiben, um sich später gegenseitig daran zu hindern, das im Sandkasten vorprobierte wahr zu machen.
Magda schrieb am 08.06.2010 um 20:15
"Kann mir offensichtlichem Bundespolitik-Simpel mal jemand erklären, warum das Inthronisieren eines Gaucks statt eines Wulffs ein Schlag gegen Merkel sein soll? Bloß weil Wulff der Vorschlag der derzeitigen Regierungsparteien ist?"

Es wäre ein unglaublicher Prestigeverlust, wenn Merkel ihren Kandidaten nicht durchbrächte.
Dazu kommt aber auch noch, dass man ihr die vor einiger Zeit gehaltenen Gauck-Lobhudeleien vorhalten kann. Man kann nebenher davon ausgehen, dass Gauck Merkel überhaupt nicht mag.

Lafontaine hats bei Anne Will anklingen lassen: Eine gewesene FDJ-Sekretärin, 1989 in die Opposition gegangen, gegen einen Pfarrer, seit 1988 oppositionell, nach der Wende schon immer im Widerstand gewesen. Das sind so Konstellationen, das schafft ein Klima gegen Merkel, ein ständige Memento auf der Basis von Biographien, die ein bisschen wendehälsig sind.

Wobei: Angela Merkel hat in einem Gespräch mal durchklingen lassen, dass es keine Chance gibt, über DDR-Vergangenheiten vernünftig im Westen zu diskutieren. Bei Gauck ist es ein nachgelieferter DDR-Hass.
goedzak schrieb am 08.06.2010 um 20:23
He, Ihr nehmt das ja richtig ernst, einen Simpel aufzuklären! :))
Aber Danke!

Im Übrigen ist doch aber eigentlich klar: Dreißig oder fünfzig Jahre DDR-Leben haben weder Merkel, noch Olbertz noch Gauck noch sonst wer nur mit nächlichem Plakatekleben verbracht, oder?
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 20:25
Die Sache ist einfacher, als Sie denken, goedzak. Sie läßt sich auf den Nenner bringen: mediatisierte Wirklichkeit. Die berichtet nämlich nicht nur über das Vorgefallene, sondern sie generiert es mittlerweile auch zu großen Teilen.

Wenn der Kandidat des Regierungslagers wider Erwarten nicht ins Amt gelangt, steht noch in der selben Stunde in bildweltfazzeitsüddeutschespiegelreuters: Schwarz-Gelb am Ende! Ob das stimmt, spielt überhaupt keine Rolle. Aber es steht allüberall. Es sitzen ganze Stäbe in allen Redaktionsstuben dieses Landes in Bereitschaft, um zur Not diverse Erklärungen hinein- und herauszudeuten, sich etwas zurecht zu rationalisieren.

Schon Napoleon wußte: Die Wiederholung ist das einzige wirkliche rhetorische Mittel. Und wenn es auf hunderten Seiten, in allen Varianten und Schattierungen wiederholt wird, ist es früher oder später auch so.

Der Betrieb setzt sich mit seiner eigenen inneren Logik: Schachmatt. Aber nur, wenn man richtig zieht.
SiebzehnterJuni schrieb am 08.06.2010 um 20:27
"....Bei Gauck ist es ein nachgelieferter DDR-Hass..."

Bisher habe ich noch nie in Joachim Gaucks Reden irgendetwas von Hass gegenüber wem auch immer erlebt - es gibt Menschen, die können einfach nicht hassen.
apatit schrieb am 08.06.2010 um 20:49
... irgendetwas von Hass gegenüber wem auch immer erlebt... Das war doch eben von Ihnen Satire oder?
Graureiher schrieb am 08.06.2010 um 20:58
Gestern in der Jungen Welt:
Oberst a.D. Artur Amthor war letzter Chef der Rostocker Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR
„Ich erinnere mich an eine Begegnung, das war nach der Auflösung 1990 in einem Gebäude, das von Bürgerrechtlern genutzt wurde. Er sagt u.a. zu mir: Herr Amthor, Sie haben Ihr ganzes Leben lang die Schuld abzutragen, die Sie auf sich geladen haben. Und auch Ihre Enkel werden davon betroffen sein.“
Gaucks Verhältnis zu den damaligen Stasi-Verantwortlichen mal außen vor. Aber deren Enkel?
Selbst der Sohn von Hitlers Architekt Speer wurde nicht für die Verbrechen seines Vaters verantwortlich gemacht und wurde ein international anerkannter Architekt; Gauck maßte sich an, auch noch die Enkel des Stasi-Oberst zu verdammen! Was ist das, wenn nicht Hass!
goedzak schrieb am 08.06.2010 um 22:29
@j-ap
"...sondern sie generiert es mittlerweile auch zu großen Teilen." - Ja, das beobachte ich auch, seit längerem. Nur die Tendenz ist zufällig, deshalb sehe ich das mit dem Schachmattsetzen aus innerer Logik auch nicht so optimistisch.
apatit schrieb am 08.06.2010 um 22:46
Guter Kommentar, hat gesessen! Nennt man das nicht Sippenhaft?... wenn man den Enkel verantwortlich macht?
Tania schrieb am 08.06.2010 um 19:28
Die Linke muß eine/n eigenen Kandidaten in der ersten Runde ins Rennen werfen,weil Gauck für sie einen halzbrecherischen Spagat bedeutet.
Warum?
Er war zu DDR-Zeiten zwar schon ein Bürgerlicher und hetzte gegen den Staat;Andererseits durften seine Kinder in die BRD übersiedeln.
Desweiteren waren gegenseitige Besuche gestattet sowie der Import eines VW-Transporters gestattet worden.
Alles allerdings um des Versuches willen,in ihm einen IM zu gewinnen,was nicht gelang.
Er genoss allerdings besondere Privilegien in der DDR.
Dazu
Oberst a.D. Arthur Amthor (Chef der Rostocker Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit:
"Es wäre ein grosser Fehler für diese Republik,wenn er gewählt würde.
Ich habe Gauck als wandelbaren Menschen in Erinnerung,als jemanden,der sich sehr gut verstellen kann-so haben wir ihn nämlich erlebt.
Einerseits gibt er sich freundlich-andererseits kann er gehässig,rücksichtslos u. hundsgemein sein.Er würde das Amt des Bundespräsidenten schonungslos ausnutzen,um alles auszuräumen,was ihm nicht gefällt."
Näheres dazu in der jW vom heutigen Tage.
Um ein zusammenwachsen der Deutschen zu fördern,ist es meiner Ansicht nach wichtig,auch solche Statements anzuhören,denn eine Medaille hat immer 2 Seiten,wenn sie denn nicht Janusköpfig sein soll,wie es uns gerade wieder heute durch die sogen. Sparbeschlüsse veranschaulicht werden soll.
SiebzehnterJuni schrieb am 08.06.2010 um 20:10
Vielleicht lässt sich auch noch eine Stellungnahme der Staatssicherheit zu den Kandidaten Wulff und Jochimsen einholen, um das Bild abzurunden!!
koslowski schrieb am 08.06.2010 um 20:18
Mal ehrlich, Tania, die Figur des Oberst a.D. Arthur Amthor und sein Gutachten zum Kandidaten Gauck haben Sie erfunden, oder? Wie auch immer: großartige Satire!
Graureiher schrieb am 08.06.2010 um 20:22
Die Stasi-Akte des Hosenanzuges würde mich mehr interessieren!
SchmidtH. schrieb am 08.06.2010 um 20:44
Graureiher schrieb am 08.06.2010 um 21:28
Was bitte ist an dem Zeugen skurril?
Tania schrieb am 09.06.2010 um 18:22
Tut mir leid,das war keine Satire...
ebertus schrieb am 08.06.2010 um 19:30
Schade, sie wäre ein Symbol, nicht nur Zählkandidat

Aber Daniela Dahn hat wohl selbst abgesagt, wäre aus meiner Sicht zu vermuten. Die nun und zumindest medial favorisierte Luc Jochimsen ist zwar aus der Distanz gesehen vielleicht bekannter, eher aber auf der pragmatischen, der rein westdeutschen Schiene, dem bundesrepublikanisch gefühlten, bei Jochimsen natürlich real erwartbarem Lebensgefühl zu verorten.

Schade, wie gesagt. Das letzte Buch von Daniela Dahn habe ich (als Wessi) gelesen, mich auch sonst mit ihrer Vita etwas beschäftigt. Ein Symbol, vielleicht etwas introvertiert, aber dennoch ein wirkliches Kontrastprogramm zu dem, der " einer von uns" sein wollte, nein sollte.

www.sueddeutsche.de/politik/fdp-politiker-zastrow-joachim-gauck-ist-ein-liberaler-wie-wir-1.955188

OK, den (virtuellen) Merkel-Schwiegersohn und sicher bibeltreuen Sachverwalter aus Niedersachsen habe ich garnicht erwähnt. Und das ist wohl auch gut so...
Tom Strohschneider schrieb am 09.06.2010 um 10:52
lese gerade: “Wir hatten zum Beispiel die Idee, jemanden wie Friedrich Schorlemmer aufzustellen”, so Jochimsen im Deutschlandradio. Der einstige DDR-Bürgerrechtler und Freitag-Mitherausgeber wäre ein “großartiger Kandidat” gewesen. “Da hätte es von uns keine Gegenkandidatur gegeben.” www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1199722/
Alien59 schrieb am 09.06.2010 um 11:01
Es hätte etliche präsidiable Kandidaten gegeben - die drei, die nun benannt sind, kommen mir wirklich vor wie die Wahl zwischen Pest und Cholera - oder so. Der einzige Trost in meinen Augen ist die relative Unwichtigkeit dieses Postens.
Schorlemmer hätte ich mir gut vorstellen können - auch Thierse, oder dann wirklich einer der alten Herren, Baum oder Hirsch. Wegen mir muss es keine Frau sein, mir wäre es recht, wenn es mal wieder jemand von Format wäre, ungeachtet der eventuellen Parteizugehörigkeit. Herzog z.B. war seinerzeit eher ein Verlegenheitskandidat - aber ich finde, er war ein guter Präsident.
weinsztein schrieb am 09.06.2010 um 15:46
Alien59
"die drei, die nun benannt sind, kommen mir wirklich vor wie die Wahl zwischen Pest und Cholera", schreiben Sie.

Welche Eigenschaft von Luc Jochimsen kommt Ihnen wie Pest oder Cholera vor?
wwalkie schrieb am 08.06.2010 um 19:43
Liebe Bloggeure, die ihr euch so herrlich über die Kandidaten zur BP-Wahl echauffieren könnt, bedenkt bitte, dass es (fast) vollkommen gleich(gültig) ist, wer gewählt wird, ob Wulff, ob Gauck - ob Jochimsen, die mir menschlich und politisch am ehesten zusagen würde (aber mich fragt ja keiner, ob ich Mitglied er Bundesversammlung werden möchte), wobei bei einer Linken die Frauensolidarität anscheinend merklich verblasst ("wulffisch" sozusagen). Der BP hat (fast) nur repräsentative Funktion (dafür danke ich den Siegermächten). Darum sollte man es den wohl zahlreichen Fangruppen im Netz überlassen, Joachino! Joachino! zu schreien - nachdem Benedetto und Lena "Wer war das?" geworden sind. Und auch für Schachstrategen soll es Foren geben. Vor allem für die "Rechtseröffnung". Führt oft zum Ziel, übrigens.

Gleichzeitig wird die Armut vertieft und erweitert. Gleichzeitig wird die Umwelt geschädigt (lLaufzeit für A-Werke). Gleichzeitig wird an vielen Orten Krieg "gemacht". Gleichzeitig wird die Bildung verlacht.

Aber was sollen Prozesse, was soll Gesellschaft, wenn wir über Promis diskutieren dürfen?
poor on ruhr schrieb am 08.06.2010 um 19:57
@wwalkie

Baravo!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.06.2010 um 21:02
Denke ich auch. Und am Samstag demonstrieren.
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 22:21
Ich sollte vielleicht an dieser Stelle ein Notat anbringen:

Das von mir oben Mitgeteilte ist insofern in den Wind gesprochen, als es sich um rein Taktik handelte, insofern unterfalle ich wohl dem Rumbrum »Sandkastenstratege«. Umso mehr, als ich weder Mitglied noch Wähler der Partei DIE LINKE noch irgendeiner anderen Partei bin, da ich das Wählen aus prinzipiellen Gründen ablehne.

Vermutlich hängt das oben ausgebreitete Strategem schlicht mit meiner juristischen déformation professionnelle zusammen. Juristen können sich nämlich völlig jenseits aller Leidenschaft auch mit Dingen beschäftigten, an denen ihr Herz so ganz und gar nicht hängt. Man bringt uns ja auch schon von Kindesbeinen an das Abstraktionsprinzip nahe.

Rechtseröffnungen können sich übrigens auch hin und wieder zum echten Gambit auswachsen, beispielsweise, wenn undifferenziert von Siegermächten die Rede ist.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.06.2010 um 21:06
Ist mir auch sympathisch.
hansi schrieb am 08.06.2010 um 19:57
Mit Luc Jochimsen könnte "Die Linke" auch eine mögliche künftige
Co-Fraktionsvorsitzende bekannt machen (vorallem auch im "Osten").
Ihre heutige Erklärung( politische Biografie) ist für mich in gewisser
Weise das Gegenstück poliitschen Kamfes zum politischen Wirken
von Herrn Gauk in der DDR /BRD.
apatit schrieb am 08.06.2010 um 22:19
Vor einiger Zeit habe ich Luc Jochimsen gesehen, gesprochen. Mein erster Eindruck, eine zutieft integre glaubhafte Persönlichkeit. Eine Frau die man mag! Friedensstifterin, ja das ist sie. Kann sie noch den Super - ( Gau ) Gauck verhindern?
RatCreutz schrieb am 09.06.2010 um 09:05
Zustimmung. Fr. Jochimsen ist eine gute Wahl.
Wenn die Linkspartei auf die Idee käme, für Hr. Gauck zu stimmen, könnte sie sich auch gleich dem Seeheimer Kreis anschließen.
koslowski schrieb am 09.06.2010 um 09:40
Eine eindrucksvolle, integre Frau mit einer imponierenden Bilanz als Journalistin. Schade, dass sie sich als Zählkandidatin gegen Gauck und für Wulff verheizen lässt.
thinktankgirl schrieb am 09.06.2010 um 18:25
@koslowski


koslowski schrieb am 09.06.2010 um 09:40
Eine eindrucksvolle, integre Frau mit einer imponierenden Bilanz als Journalistin.


Die FAZ-Leser sehen das anders:

www.faz.net/s/Rub9F8AFB0E023642BAAB29EA1AEF2A9296/Doc~E5EFF09E3243442E6940203793A354DC1~ATpl~Ekom~SKom.html

Ich frage mich, woher soviel pauschale Abneigung kommt?
weinsztein schrieb am 09.06.2010 um 18:34
Liebes ttg,
Dein Link funktioniert nicht.
thinktankgirl schrieb am 09.06.2010 um 19:49
@weinsztein

Der schwarze Anhang gehört auch dazu.
Das Blog-Programm erkennt ab der Tilde den Rest nicht mehr als Link.
Cassandra schrieb am 09.06.2010 um 20:06
Man kann den Link ja verkürzen, bietet sich bei der FAZ sowieso an.

bit.ly/dgZgA5
thinktankgirl schrieb am 09.06.2010 um 20:09
Danke Cassandra!
Tom Strohschneider schrieb am 09.06.2010 um 10:38
eine kleine Nachbetrachtung zur Nominierung von Luc Jochimsen und eine Auswahl von Kommentaren in den Zeitungen von heute findet sich hier: tinyurl.com/332sbwl
SiebzehnterJuni schrieb am 09.06.2010 um 12:42
Die Friedensstifterin greift mal gleich Gauck an. Warum?

Indiekt sagt sie ja, worum es geht. Versöhnung! Wer soll sich mit wem und wodurch versöhnen. Das hätte sie auch sagen sollen oder sollte sie noch sagen.

Das weist aber auch in die Richtung, aus der sich die Wut rekrutiert. Die LINKE befürchtet, dass sie im Falle einer - doch recht unwahrscheinlichen - Wahl Gaucks in der öffentlichen Wahrnehmung Nachteile zu erwarten hat. Sie werden Wulff wählen, ich bin sicher. Der hat keine Ahnung von Ostdeutschland und das ist gut so!!
goedzak schrieb am 09.06.2010 um 12:54
"Sie werden Wulff wählen, ich bin sicher." - Glaube ich Dir. Aber ich schätze, der Wunsch wird Dir nicht erfüllt. Du vermutest das falsche Problem. Die Probleme mit der öffentlichen Wahrnehmung (soweit es sie nicht ohnehin gibt) hat die Rest-'Opposition' mit diesem gezielten Kandidatenvorschlag der Linken vor'n Latz geknallt.
Jetzt eine eigene Kandidatin zu präsentieren ist der einzig richtige Weg.
Sie geben schon genug Zwängen nach, z.B. dem, die Neubesetzung dieses affigen Amts überhaupt ernst zu nehmen.
apatit schrieb am 09.06.2010 um 14:27
Ganz unverhofft, an einen Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des König Ordre nicht... usw. Darum!
Anette Lack schrieb am 09.06.2010 um 12:48
Ergänzend zum Blog noch ein hörenswertes Interview mit Jochimsen heute morgen auf DeutschlandRadio (www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1199722/)

... unter besonderer Beachtung der speziellen Formulierung ("ganz am Rand") folgender Frage des Moderators Christopher Ricke:

RICKE: Frau Jochimsen, bei der letzten Bundespräsidentenwahl gab es ebenfalls einen aussichtslosen Kandidaten von einem politischen Rand, vom anderen politischen Rand, ganz weit rechts, der Kandidat von NPD und DVU. Ist es vielleicht sogar das gute Recht von Parteien, die ganz am Rande stehen, zu zeigen, dass man bewusst alleine geht, dass man breite Aufstellungen nicht unterstützen kann?

JOCHIMSEN: Also, diesen Vergleich zum rechten Rand von uns, wissen Sie, den finde ich sehr unziemlich.
SiebzehnterJuni schrieb am 09.06.2010 um 13:51
Ricke:unsäglicher Vergleich und unsägliche Wortwahl. Aber im DLF und DRadio ist das fast schon normal...
Anette Lack schrieb am 09.06.2010 um 13:54
Zumindest in einigen Sendungen. Das politische Feuilleton in der Ortszeit morgens ist z.B. häufig erzkonservativ.
wwalkie schrieb am 09.06.2010 um 12:54
Durch Zufall ist mir die Rede von Theodor Heuss nach seiner Vereidigung am 12.9.49 unter die Augen gekommen. Sehr altväterlich, sehr bildungsbürgerlich (Goethe, Beethoven dürfen nicht fehlen). Aber seine Schlusssätze sind interessant: "Indem ich es übernehme, stelle ich dieses Amt und unsere gemeinsame Arbeit unter das Wort des Psalmisten: GERECHTIGKEIT ERHÖHET EIN VOLK."

Ich bin gespannt, wie Wulff seine Rede beenden wird ("Freiheit und Gerechtigkeit"? oder: "Freiheit ist Gerechtigkeit"? oder "Freiheit in sozialer Verantwortung"? O ja! Das ist schön!).
weinsztein schrieb am 10.06.2010 um 01:37
Ich rate der Linken dringend davon ab, für Joachim Gauck zu stimmen. Eine Mehrheit für Gauck brächte Angela Merkel nicht in Verlegenheit, kein bisschen. Sie könnte sich selbst zitieren, ihre Rede anlässlich seines 70. Geburtstags.

Dass die Linke mit Luc Jochimsen eine Kandidatin von Rang aufstellt, halte ich für eine adäquate Antwort auf die Nominierung Gaucks durch Rotgrün. Welche politischen Entscheider machten wohl Luc Jochimsen zur Chefin des Hessischen Rundfunks?

Zur Person:
Luc Jochimsen war 1961 bis 1975 freie Autorin, 1975 bis 1985 Redakteurin von Panorama in Hamburg. 1985 bis 1988 war sie für die ARD Korrespondentin in London. 1988–1991 war sie Verantwortliche für die Abteilung Feature/Auslandsdokumentation des NDR und 1991–1993 Leiterin des ARD-Fernsehstudios in London. 1994 bis 2001 war sie Chefredakteurin Fernsehen des Hessischen Rundfunks und moderierte unter anderem die Politiksendung 3 zwei eins.
Bei der Bundestagswahl 2005 zog sie über die Landesliste Thüringen der Linkspartei/PDS in den Deutschen Bundestag ein und wurde kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Sie schlug unter anderem vor, den 8. Mai (Ende des Zweiten Weltkrieges) als Nationalfeiertag einzuführen. Zur Bundestagswahl 2009 gelang ihr der erneute Listeneinzug in den Bundestag. Bei der Einweihung des Ehrenmals der Bundeswehr im Bundesverteidigungsministerium im September 2009 erschien sie mit einem Schal mit der Aufschrift „Nun erst recht. Raus aus dem Krieg“, weswegen ihr der Zutritt zu den Feldjägern verweigert wurde.

Auszeichnungen:
1971: Adolf-Grimme-Preis
1981: Alexander-Zinn-Preis
1984: Prix Italia
2000: Hedwig-Dohm-Urkunde
2001: Hessischer Verdienstorden

(aus: wikipedia)
thinktankgirl schrieb am 11.06.2010 um 09:41
@weinsztein

Hier noch ein Beitrag der Linken in Sachsen zu Gauck

www.linkspartei-sachsen.de/blog/2010/06/10/warum-gauck-fuer-die-linke-unwaehlbar-ist/
Regenwärmer schrieb am 15.06.2010 um 05:57
zelotti schrieb am 15.06.2010 um 21:20
"Der Name Joachim Gauck musste als Versuch verstanden werden, die Linke vorzuführen. Sein programmatisches Profil jenseits von erinnerungspolitischen Fragen reichte der Partei nicht aus."

Quatsch. Es geht hier nur um private Fehden einiger Altfunktionäre mit dem ehemaligen Stasi-Beauftragten. Mit so einem kleingeistigen Gezicke wird die Linkspartei weiter keiner ernst nehmen können.
thinktankgirl schrieb am 15.06.2010 um 21:25
Dann kuck Dir mal den Spiegel-Artikel an:

www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700661,00.html

Herr Gauck scheint ein Problem mit der Linken zu haben!
Tom Strohschneider
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