Tom Strohschneider

Blog von Tom Strohschneider

05.05.2011 | 15:50

Neue Gespräche, alte Erinnerungen: 3. Tag des Charité-Streiks

Im Tarifkonflikt an der Berliner Charité haben Unternehmen und Gewerkschaften ihre Gespräche fortgesetzt. Die Leitung des landeseigenen Universitätsklinikums habe ein verbessertes Angebot vorgelegt, erklärte ein Verdi-Sprecher. Man wolle die Offerte nun prüfen. Ein Angebot vom Mittwoch hatten die Gewerkschaften als nicht ausreichend zurückgewiesen. Seit Montag legen nun täglich rund 2.000 Pflegekräfte und Mitarbeiter der Serviceabteilungen an den drei Standorten des Klinikums die Arbeit nieder. Der Operationsbetrieb liegt weitgehend still, viele Stationen seien fast leer, heißt es bei Verdi. Bericht eines streikenden Kollegen, dritter Teil:

Der Streiktag ist für mich heute eine Streiknacht – der Nachtnotdienst beginnt erst später. Ein Kollege von der CFM Facility Management GmbH schreibt: Die CFM befindet sich seit dem Montag ebenfalls im Streik. Im Gegensatz zur Charité selbst gab es seitens des Unternehmens bisher keine Reaktion auf die Arbeitskampfmaßnahmen. Jedenfalls ist davon nichts bekannt geworden. Bei der Charité gab es eine Vereinbarung über Notdienste, damit möglichst kein Mensch durch Kampfmaßnahmen zu Schaden kommt. Gibt es die in der CFM? Für die streikenden Kollegen ist so etwas durchaus wichtig! Und für den Notbetrieb einer Klinik auch, denken wir an die notwendigen sauberen und sterilen Kautelen, die auch für Not-OPs unumgänglich sind. Gibt es dort eine Notdienstvereinbarung oder muss das die Reinigungskraft aus sich heraus lösen. Wie ist es beim Transport?? Die CFM, Charité Facility Management GmbH ist eine Tochterfirma der Charité. Sie hält 51 Prozent der Anteile, den Rest teilt sich ein Konsortium zu dem unter anderem Dussmann als auch der Fresenius Konzern gehört. Zu Fresenius gehört auch das Klinikunternehmen Helios. Vielleicht sind die umstrittenen Kooperationen mit Helios im Charité- Standort Berlin Buch in Erinnerung geblieben.

Die Unternehmensleitung scheint die Verwirrungen in den drei vertretenen Gewerkschaften zu nutzen, um sich taub zu stellen und abzuwarten. Warten sie womöglich einen Tarifabschluss bei der Charité ab und lassen dann die Kollegen der CFM am langen Arm verhungern? Die Gefahr scheint durchaus gegeben. Und es zeugt nicht gerade von Achtung vor den Kollegen dort. Die Charité sitzt natürlich mit im Aufsichtsrat der CFM, soweit ich weiß, ist es Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl selbst, der die Interessen des Unternehmens Charité im CFM Aufsichtsrat vertritt. Wird dort versucht, die Belegschaften gegeneinander auszuspielen? Wäre ja schön ausgedacht, die eventuellen Verbesserungen der Charité-Beschäftigten mit den miesen Löhnen der CFM- Kollegen ausgleichen zu wollen.

Von den heute stattgefundenen Gesprächen zwischen Vorstand und Gewerkschaften ist mir und den Kollegen mit denen ich sprach zumindest bisher nichts bekannt geworden. Zu hören war aber, dass wohl nun auch in der Fakultät Streikmaßnahmen ergriffen werden sollen. Zuständig fühlt sich dabei die GEW. Das wäre dann Gewerkschaft Nummer 4 bei Charité und der Ausgründung CFM.

Bericht vom ersten Tag – hier
Bericht vom zweiten Tag – hier

 
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Kommentare
Heimatloser schrieb am 07.05.2011 um 00:04
Divide et impera.... Beschämend, wie die Gewerkschaften diesen Wahlspruch verwirklichen, allerdings zu Gunsten ihrer Gegner.
Ich habe, im übrigen, nie verstanden warum bei Arbeitskämpfen in Kliniken ein Notdienst eingerichtet werden muß. Angeblich sind wir doch überversorgt, also können andere Krankenhäuser die Aufgaben, in diesem Fall der Charité übernehmen. Und ein Arbeitskampf sollte auch weh tun, nicht nur dem Arbeitgeber, sondern diesmal auch den Patienten, damit sie endlich merken, was da im Bereich Gesundheitsversorgung abgeht, nämlich die Unterwerfung auch dieses Bereiches unter Profitinteressen.
Tom Strohschneider
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