Tom Strohschneider

Blog von Tom Strohschneider

19.01.2012 | 20:26

Neuwahlen im Saarland: Linke fordert Rot-Rot

Die Sondierungsgespräche von CDU und SPD sind gescheitert, das Saarland steht vor Neuwahlen. Der Ausgang des Vier-Augen-Gesprächs zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas kommt nicht völlig überraschend, für ein wenig Spannung sorgten die Ministerpräsidentin und der Sozialdemokrat am Donnerstag allerdings dann doch noch: Eine zunächst für den späten Nachmittag angekündigte Erklärung wurde verschoben, eine geplante Pressekonferenz mit Oskar Lafontaine wurde wegen der Verzögerung sogar abgesagt. Viertel vor sieben dann die Meldung: Neuwahlen. Für eine stabile Regierung benötige man eine ganze Legislaturperiode, lautete eine erste Begründung aus der CDU. Deswegen solle nun der Wähler entscheiden.

20 Minuten später bereits begrüßte die Linkspartei die Entscheidung: Der Schritt eröffne die Chance zu einem Politikwechsel an der Saar. Wie realistisch eine rot-rote Option wirklich ist, muss sich allerdings noch zeigen. Gemeinsam mit der SPD, meint Fraktionschef Oskar Lafontaine, könne man „über die Durchsetzung einer Besteuerung großer Vermögen, großer Erbschaften und hoher Einkommen (Millionärssteuer) im Bundesrat die Vorgaben der Schuldenbremse einhalten und gleichzeitig die Grundlage für bessere Schulen, eine gute Krankenversorgung und eine ausreichende Polizeidichte im Saarland sicherstellen. Zudem können nur so die Infrastrukturinvestitionen getätigt werden, die zur Schaffung neuer Arbeitsplätze notwendig sind.“

Der frühere Linken-Chef wies zugleich auf die Chance hin, „erste Schritte hin zur Wirtschaftsdemokratie durch die Beteiligung der Belegschaften an ihren Betrieben zu machen“. Ein Bündnis aus SPD und Linken könne in Zeiten der Krise überdies sicherstellen, „dass die saarländischen Sparkassen und die Landesbank, keine Wucherzinsen verlangten, das Geld der Sparer sicher anlegten und nicht mit Giftpapieren handelten“. Als weitere Punkte nannte Lafontaine die Begrenzung von Einzelhandelsflächen, um die Verödung der Ortskerne zu vermeiden. Linken-Chef Klaus Ernst äußerte sich trotzdem optimistisch. „Neuwahlen sind gut, weil sie eine neue Mehrheit bringen“, hieß es in einer ersten Reaktion. „Wir sind für Rot-Rot an der Saar, weil wir auch eine neue, soziale Politik wollen.“ Sachsen-Anhalts Linkenchef Matthias Höhn sieht nun ebenfalls "die Chance für einen echten Politikwechsel gegeben". Der Sprecher des reformsozialistischen Flügels der Linken, Benjamin Hoff sagte, mit den Neuwahlen sei „der erste Schritt“ gemacht. Nun müsse die SPD auch den zweiten gehen und einen „Politikwechsel gemeinsam mit der Linken“ umsetzen.

Ob die Forderung der Linken an die SPD, ihre „voreilige Festlegung auf eine große Koalition aufzugeben“, bei den Sozialdemokraten auf fruchtbaren Boden fällt, ist jedoch ziemlich offen. Gerade mit Blick auf die Schuldenbremse hatten beide Seiten in den vergangenen Tagen ihre Unterschiede markiert. Noch am Mittwoch hatten Maas und Lafontaine sich im Landtag eher ablehend geäußert. „Die Linke ist nicht bereit, sich an einer Regierung zu beteiligen“, wenn die Schuldenbremse von der SPD „so interpretiert wird, dass der einzige Weg, einen Haushalt zu sanieren, weitere Sozial- und Personalkürzungen sind“. Maas hatte daraufhin erwidert, er stimme Lafontaine zu, „dass es im Falle von Neuwahlen jetzt keine Chance für Rot-Rot in diesem Land gibt“. Die Linke müsse erst einmal das umstrittene Kredittabu als „Realität“ akzeptieren. Lafontaines Erklärung vom Donnerstagabend wies freilich schon ein wenig in diese Richtung: Immerhin war darin von einem Weg die Rede, „die Vorgaben der Schuldenbremse“ einzuhalten, ohne dass dies zu Lasten der öffentlichen Angebote und Aufgaben gehe.

Dennoch stehen die Signale eher auf große Koalition. Kramp-Karrenbauer wies darauf hin, dass sie sich mit Maas einige gewesen sei, dass ein solches Bündnis, das "den Sanierungsanforderungen dieses Landes gerecht werden muss und gerecht werden will, eine Legitimation über fünf Jahre braucht". Sie strebe auch nach der Wahl eine große Koalition an, da sie weiterhin glaube, dass ein solches Bündnis im Saarland "für die nächsten Jahre die einzig richtige Konstellation ist". Auch SPD-Mann Maas hob hervor, es gebe viele Gemeinsamkeiten. Er wurde noch am Donnerstagabend vom Landesvorstand der Sozialdemokraten einstimmig zum Spitzenkandidaten nominiert. „Gut so“, kommentierte auch Johannes Kahrs die Neuwahl-Entscheidung. Der SPD-Seeheimer zeigte sich dabei nicht nur sicher, dass Maas Ministerpräsident werde, sondern beschied auch CDU und Grünen, „dass sie es nicht können“.

Mit den Neuwahlen sind für die Linke ein paar Fragen zusätzliche aufgeworfen. Landeschef Rolf Linsler hatte schon zuvor auf frühere Äußerungen von Lafontaine hingewiesen, nach denen dieser für den nun eingetretenen Fall der Fälle als Spitzenkanditat bereitstehe. „Ich hoffe, dass das so bleibt“, offenbar an jene Debatte denkend, in der dem Fraktionsvorsitzenden eine vor allem bundespolitische Rolle zuerkannt wird – dies nicht nur mit Blick auf die nächsten Bundestagswahlen, sondern auch im Rennen um die Spitzenposten in der Linken. Vielleicht tritt das jetzt angesichts zweier landespolitischer Wahlkämpfe im Frühjahr etwas in den Hintergrund. Und die Linke in Schleswig-Holstein, für die der Wiedereinzug die schwierigere Aufgabe ist, könnte vielleicht ein wenig Rückenwind aus dem Saarland erhalten. Dort rechnet sich die Partei wegen des "Oskar-Faktors" Ergebnis zwischen 18 und 20 Prozent aus. Zuletzt lag die Linke in Umfragen bei 12 Prozent.

 
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Kommentare
Free World schrieb am 20.01.2012 um 11:59
es bleibt spannend an der saar. man wird sehen wer sich noch alles wohin bewegen muss.

nur eine rückfrage, weil es doch ins auge sticht.

"Dort rechnet sich die Partei wegen des "Oskar-Faktors" Ergebnis zwischen 18 und 20 Prozent aus. Zuletzt lag die Linke in Umfragen bei 12 Prozent."

gilt bei umfragen nicht der "Oskar-Faktor"?
Geierwally schrieb am 20.01.2012 um 22:52
naja mit umfragen ist das so eine sache, bei der letzten Landtagswahl hatte die linke in umfragen 5-6% weniger als dann zur wahl.
von daher muß man die 12% erstmal dahingehend einordnen.
die grüne mafia partei müßte unter 5% fallen, was anderes hätten die nicht verdient.
bernd schrieb am 24.01.2012 um 18:31
Die Partei DIE LINKE ist einfach für den Bürger nicht wählbar!

Glaubwürdigkeit von Oskar Lafontaine ist gleich NULL, denn was er verspricht
hält er nicht ein!!!

Dazu folgender Beweis:

der handgeschriebene Brief, den ich persönlich am 31.08.2008
in Lollar auf dem Parteitag der LINKEN in Anwesenheit der Presse, Oskar
Lafontaine, zusammen mit den kompletten Unterlagen übergeben habe.

Herr Lafontaine hat mir im Beisein von Werner Dreibus zugesichert, das er
sich der Sache annimmt.

Bis heute ist diesbezüglich nichts geschehen.

Anscheinend ist eine basisdemokratische Partei nicht gewollt und die alten
Mechanismen (STASI 2.0) greifen immer noch. Herr Lafontaine sollte nur nicht
sagen er hätte nichts gewusst.

Bernd Heinicke

“Oskar Lafontaine” hat seine Zusage auf den Parteitag (31.08.2008 in Lollar) nicht eingehalten, dadurch sind die Probleme in der Partei DIE LINKE nicht auf gearbeitet worden.

Wenn man diese Partei, DIE LINKE von Innen kennengelernt hat, kann man die Bürger/innen nur vor dieser Partei warnen, diese zu wählen!

Die Erfahrung hat uns dann zu folgenden Schritt veranlasst:

Presseerklärung zum 05.01.2009 des OV Baunatal DIE LINKE.

Nachdem die Vorstandsmitglieder des Bernd Heinicke, Martina Walter und Stawri Sarbidi zum 31.12.2008 ihre Vorstandsämter des OV Baunatal DIE LINKE. niedergelegt haben, treten 33 Mitglieder = (40 Prozent des Kreisverbandes Kassel-Land DIE LINKE.) des OV Baunatal DIE LINKE. ebenfalls mit Wirkung zum 31.12. 2008 aus der Partei DIE LINKE. aus.
Begründung:
1.) fehlende Basisdemokratie
2.) geheime Zirkel, unterschiedliche E-Mailverteiler, Dossiers der Mitglieder
3.) fehlende Streitkultur
4.) Mobbing von Mitgliedern, Parteimitglieder werden fertig gemacht.
5.) Arbeitslose, Hartz IV und Behinderte werden diskreditiert und ausgrenzt.
6.) statt Armutsbekämpfung , nur Armutsverwaltung
7.) Elitäre Kaderbildung, statt Basisdemokratie

Bernd Heinicke Martina Walter Stawri Sarbidi

Nach zu lesen IN der FR “Ein Panorams des Elends”

Zum Nachlesen:
www.sueddeutsche.de/bayern/linke-in-bayern-auf-die-linke-tour-1.1263397

www.fr-online.de/spezials/parteiaustritte-keine-linke-in-baunatal,1472874,2823872.html

www.fr-online.de/spezials/die-linke-in-hessen–ein-panorama-des-elends-,1472874,2819058.html

www.fr-online.de/politik/im-wortlaut,1472596,2819064.html

www.spiegel.de/spiegel/print/d-62603852.html
GEBE schrieb am 24.01.2012 um 18:43
Finden Sie das tatsächlich in Ordnung, hier Namen Dritter zu veröffentlichen? - (Mal abgesehen von dem anderen Gewusel.)
Tom Strohschneider
vom "Blauen" zum "Roten" geworden
Mitglied seit:
3 Jahre 15 Wochen
Zuletzt aktiv:
19.02.2012
Status:
Blogger
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Kommentare: 377
Logbuch
08:26
Ismene hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:24
bertamberg hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Nashira hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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