Es war einer der Wahlkampf-Sprüche des Jahres 2005 und ein von Politikern des gerade geschmiedeten Linksbündnisses aus WASG und PDS gern zitierter Satz: Victor Hugos „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Seither ist einiges passiert, die Linke steht in Umfragen schlechter da als vor der vorgezogenen Bundestagswahl vor sechs Jahren und es gibt jede Menge Streit in der Partei. Den versucht immer Mal wieder ein Sozialdemokrat anzufachen – durch Lockrufe in Richtung des Reformerflügels. Diesmal ist es Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann, der in der Berliner Zeitung hofft, „dass viele pragmatische Linke angesichts der immer heftigeren inhaltlichen und personellen Konflikte in ihrer Partei über Alternativen nachdenken“. Wer von der „Geisterfahrt in die Vergangenheit die Nase voll“ habe, „und stattdessen Reformpolitik und Zukunft gestalten will, der ist in der SPD herzlich willkommen“. Dass die Partei, die hier die Arme ausbreitet, gerade in Berlin aus Gründen, die hinter drei Kilometern Autobahn versteckt werden, in ein Bündnis der Vergangenheit geflohen ist, wo sie mit der CDU statt Reformpolitik nun Straßenbau betreiben kann, hat Oppermann womöglich nicht registriert – oder hält genau das für die Zukunft. Die Linken, die vor dem Zustand ihrer Partei zu resignieren drohen, dürften von solchen Einladungen gewarnt sein. „Nichts ist so schwach wie eine Idee, über die die Zeit hinweggegangen ist“, sagt Oppermann, das Hugo-Zitat ausschlachtend. Ob Klaus Wowereitdie Signale erhört?