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Es wird in diesen Tagen meist schrägt angeschaut, wer darauf hinweist, wie viele Menschen am Public Viewing zur Fußball-WM teilnehmen – und wie wenige an den Protesten gegen das Sparpaket. Kann man nicht vergleichen! Warum eigentlich nicht?
Am Mittwochabend haben IG Metall, SPD und Linke das eine mit dem anderen verbunden: eine Kundgebung nach Schichtende, auf der Bühne der SPD-Chef, der Linken-Vorsitzende, ein Betriebsrats-Fürst. Und danach gab es Deutschland gegen Ghana – aber bitte ohne Vuvuzela. Zuvor hatte Klaus Ernst zu einem „breiten Widerstandsbündnis“ aufgerufen. Nur ein solches könne „den Sozialabbau von Schwarz-Gelb" stoppen. Und bei der Linkspartei gebe es da auch „keine Berührungsängste“.
Gibt es nicht? Ernsts Ko-Vorsitzende Gesine Lötzsch hat heute in der Frankfurter Rundschau der SPD vorgeworfen, ihre Partei offenbar spalten zu wollen. Die Landesverbände im Osten würde „auffällig oft von der SPD gelobt“, während sie es gleichzeitig gern hätte, „wenn die Linke im Westen verschwinden und ihr die Wählerschaft überlassen“ würde. In Nordrhein-Westfalen gebe es sogar den „offensichtlichen Versuch, Einzelne aus unserer Fraktion herauszubrechen“.
In Wolfsburg beim Public-Viewing-Protest hat Sigmar Gabriel übrigens erklärt, mit Linken-Chef Ernst eine ihn der Wunsch nach Veränderungen – es sei aber hinlänglich bekannt, was SPD und Linkspartei trennen würde: „Wir haben beide noch ein bisschen Debattenbedarf.“ Aber wird der auch gedeckt?
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Somit verändert Fußball die Gesellschaft oder eben nicht.
Ein Strohhalm, aus dem wir trinken, ist besser als ein Strohhalm, an dem wir und alles hängen. |
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schrieb am
26.06.2010 um 12:24
Ein schönes Bild: Und ein gespaltener Strohhalm ist in der Praxis untauglich.
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Ich glaube nicht, daß die Proteste gegen das Sparpakete größer wären, wenn keine WM stattfände. Dazu ist die seit dem Wilhelminismus grassierende Unterwerfungsmentalität zu ausgeprägt.
Fußball verändert die Gesellschaft nicht - er ist vielleicht Ausdruck des Zeitgeistes. Den besten und schönsten Fußball in der deutschen Geschichte spielte die 68er Generation des deutschen Fußballs (etwa von der WM66 bis zur EM72 mit Spielern wie Beckenbauer, Overath, Haller, Netzer.....). |
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"Dazu ist die seit dem Wilhelminismus grassierende Unterwerfungsmentalität zu ausgeprägt."
Auch gerne mal als "preußischer Kadavergehorsam" bezeichnet. Dieser scheint mir aber in anderen Teilen Deutschland auch nicht gerade abwesend zu sein... |
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schrieb am
26.06.2010 um 12:28
@Exilant
Ich denke, der Fußball war damals einfach anders. Ich fand die 70er auch eine Fußballreiche Zeit, aber heute könnte solches Spiel wohl kaum die Gruppenrunde überstehen. Die Professionalisierung betrifft ja nicht nur das ökonomische Drumherum. (Und mir fällt gerade das kürzliche Schumacher-Interview ein) |
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Dass weniger Menschen zur Demo gegen Sozialraub kommen liegt aus meiner Sicht einerseits daran, dass viele Menschen gar nichts von solchen Demos wissen. Weil Fußball konusmiert wird und als Unterhaltung dient, werben Konzerne und Medien für dieses gewinnträchtige Ereignis. Andererseits weckt schlechte Bildung nicht die Erkenntnis, dass man die Gesellschaft verändern kann. Ökonomische Gesetze sind keine unabänderlichen Naturgesetze, sie sind das Werk von Menschen.
Warum mehr zum Fussball gehen, als zur Demo? Das frage ich micht oft, wo wir doch mehr als 11 Millionen haben, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Wahrscheinlich macht erst Hunger, der weh tut, wirklich erst wütend auf das System und die Marionetten. |
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Niemand hat SPD, PDL, Grüne, DGB, Attac, etc. verboten Fußball und Protest miteinander phantasievoll zu verbinden, bzw. Menschen zu Aktionen aufzurufen die beim Public Viewing hätten stattfinden können.
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Leider ist Attac ziemlich stark mit sich selbst beschäftigt. Dies muss ich nach 1,5 Jahren feststellen. Auch sind die Mitglieder die ich keine keine Fußballfans, sie sehen im Fußball nur eine Brot-und-Spieletaktik.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass viele linke Intellektuelle, der Meinung sind man könne die Probleme nur dann benennen, wenn man komplexe Diskussionen führt, mit Nullspaß- und Verzettelungsgarantie. |
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Leider ist Attac ziemlich stark mit sich selbst beschäftigt. Dies muss ich nach 1,5 Jahren feststellen. Auch sind die Mitglieder die ich keine keine Fußballfans, sie sehen im Fußball nur eine Brot-und-Spiele Taktik.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass viele linke Intellektuelle, der Meinung sind man könne die Probleme nur dann benennen, wenn man komplexe Diskussionen führt, mit Nullspaß- und Verzettelungsgarantie. |
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Natürlich lässt sich beides vergleichen: Brot bzw. der Kampf ums Brot, und Spiele, sozusagen.
Was @Westberliner schreibt, dass solche Großereignisse besser beworben werden, ist sicher ein Teil der Erklärung. Ein anderer Teil ist der Hype, der in diesem Jahr um den Fussball stattfindet, und der schon fast wieder unheimlich ist. Jetzt gehen auch Leute zum Public Viewing, die sich eigentlich nicht für Fussball interessieren - einfach nur, weil sie mitreden wollen, wenn die anderen über ihren Fussballabend berichten. Zum Teil liegt es wahrscheinlich gerade an zunehmendem Druck und Frustration: Irgendwann wollen die Leute ihren Alltag mal vergessen... Nicht logisch, aber verständlich. Insofern ist die Massnahme, Alltag und Zerstreuung zu verbinden, eigentlich genial und nachahmenswert. |
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was es alles gibt: "Mit Public Viewing gegen die NPD". Das war allerdings zu Zeiten der EM 2008. tinyurl.com/34u2vb3
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oder auch: "Nach Protest: Public Viewing gerettet" tinyurl.com/3y5m2sn
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Meine Güte, da hab ich doch glatt: "Ohne Töten gegens Sparen ..." gelesen, Griechenland lässt grüßen. (Allerdings ist immer noch nicht klar, wer da eigentlich was ...)
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@Streifzug: Auch hier Medienmanipulation.
Beim ersten Generalstreik kamen drei Menschen ums Leben - die Medien hierzulande berichten ausführlich. Es gab weitere Generalstreiks, ohne daß irgendjemand zu Schaden gekommen ist. Darüber wird dann nicht berichtet. Übrigens ist der politische Generalstreik in Deutschland verboten - als einzigem Land innerhalb der EU neben England, glaube ich. Auch in der Gesellschaft nicht akzeptiert (s. mein Beitrag oben). |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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