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Politik : Souverän über den Strömungen der Linken: zum 80. von Arno Klönne

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Besonders zahlreich sind die öffentlichen Gratulanten nicht – was wenig über Arno Klönne sagt, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, dafür aber viel über die politische Engstirnigkeit und das Geschichtsvergessene in dieser Republik: Anderen Jubilaren, auch solchen von geringerem Format, hätte man Sondersendungen hinterhergeworfen. Vielleicht liegt es an der gewissen Entfernung zu allen Stühlen, die sich der Bochumer stets bewahrt hat: seine Biografie gibt davon Zeugnis. In der Jungen Welt beschreibt ihn Georg Fülberth als „radikal und bündnisfähig“ (was üblicherweise ein Gegensatz ist), als einen, der Katholik blieb und trotzdem mit den Kommunisten kooperierte, der das Sozialistische Büro in Offenbach und die Zeitschrift links mitgründete, in der SPD als Kritiker der oberen Etagen mit Funktionsverbot belegt wurde. Ein Mann der Arbeiterbewegung in jeder Hinsicht: als Wissenschaftler und bester Kenner des Jugendwiderstandes gegen die Nazis, als Aktivist und Warner vor den absoluten Wahrheiten, als einer, der „souverän über den Strömungen der deutschen Linken“ steht, wie es Christoph Jünke vor ein paar Jahren einmal formuliert hat.

Arno Klönne im Freitag:
Kritisch - 50. Jahre Blätter für deutsche und internationale Politik - hier
Linientreu? - über seinen Lehrer Wolfgang Abendroth und die Politik - hier
Gespür - Ein Nachruf zu den Nachrufen auf Johannes Rau - hier
Umsturz - Diktat der Wirtschaft versus neue Partizipation - hier

Die Gründung einer neuen Linkspartei hat Arno Klönne begrüßt, ohne in übertriebenen Optimismus zu verfallen. Schon die Regierungslinken in der PDS waren seiner Kritik an jeglichen Illusionen in den herrschenden Parlamentsbetrieb ausgesetzt, und als sich im März 2004 die WASG zu gründen begann, schrieb er: „Wer nicht der Meinung zuneigt, Parlamente und Wahlen seien völlig funktionslos geworden, kann es nur nützlich finden, dass über wählbare Alternativen“ nachgedacht wird. Allerdings: „Wahlen sind nur eine Methode, um sich politisch einzumischen. Es wäre ganz falsch, wenn die Debatte über eine neue Partei davon ablenken würde, dass andere Formen politischen Engagements, zum Teil gerade erst wieder entdeckt, zu nutzen und weiterzuentwickeln sind“.

Wahlauftritte, so Klönne damals, „haben nur Sinn, wenn sie soziale Bewegung zum Ausdruck bringen. Parteistrukturen sind nur dann vor Entdemokratisierung einigermaßen geschützt, wenn sie in Anregung und Kritik außerparlamentarischer Akteure einbezogen sind.“ Was man auch als eine Analyse der gegenwärtigen Lage der Linken lesen kann: Es fehlt in diesem Land nicht zuletzt an jener sozialen Bewegung, die eine Partei parlamentarisch zum Ausdruck bringen könnte. Arno Klönne hat sich allerdings nie darauf beschränkt, Kritik zu formulieren. Er hat dann immer auch versucht, es in der politischen Praxis anders, besser zu machen – zuletzt im Linken Forum Paderborn, wo man „Raum für den Diskurs jenseits der etablierten Parteienstruktur, auch für das Engagement gegen die Sozialdemontage“ geben will; oder der Demokratischen Initiative Paderborn, die bei Kommunalwahlen antritt – „für soziale Solidarität und kommunale Demokratie“.

2005 schlug er in einem “Plädoyer für eine kommunikative Linke” vor, über eine “Zeitung der sozialen und demokratischen Opposition” nachzudenken – auch das lässt an aktuelle Debatten in und um die Linkspartei herum denken. Nicht dass diese schon die ganze “soziale und demokratische Opposition” wäre oder das überhaupt sein könnte. Aber Klönnes Diagnose hat nicht nur viel mit der Frage des Verhältnisses zwischen Linken und den Medien zu tun, sie ist trotz Neues Deutschland, analyse & kritik und ein paar Onlineforen (und, ja?, auch Freitag) brennend aktuell: “Zu weiten Teilen ist die derzeitige Schwäche der Linken im öffentlichen Kräftefeld der deutschen Gesellschaft selbst verschuldet. Es mangelt links an Kommunikationsfähigkeit. Das wird kein angeborener Mangel sein.”

Zum Weiterlesen
Gottfried Oy: Spurensuche Neue Linke
Das Beispiel des Sozialistischen Büros und seiner Zeitschrift links – hier

Erschienen auch auf lafontaines-linke.de

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.