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Die vom Bundestag beschlossene "Schuldenbremse" wurde von Finanzminister Steinbrück als "historische Entscheidung" bezeichnet. Das ist sie auch, doch nicht wegen ihres Inhaltes, sondern aufgrund ihrer bloßen Existenz.
Betrachtet man die Verfassungsänderung genau, kommen schnell Zweifel auf: Das soll der Geniestreich sein, der den Staat finanziell wieder handlungsfähig machen soll? Das soll die Reaktion unserer Volksvertretung sein?
Tatsächlich ist die "Schuldenbremse" eigentlich unnötig: Der kommenden Generation zu hohe Staatsschulden ersparen zu wollen ist lächerlich - wer kann bei Betrachtung der Fakten auf den Gedanken kommen, die kommende Generation würde nicht auch Staatskredite aufnehmen müssen oder dass die jetzt geschaffene soziale Infrastruktur ihr nicht zugute käme? Und wenn Peer Steinbrück sich persönlich darum sorgt, müsste er nicht eine Verfassungsänderung vornehmen, sondern könnte einfach rigoroser seinen Ministerkollegen die Budgets einschränken.
Vielleicht ist diese Verfassungsänderung vielmehr ein Signal als wirklich eine Lösung. Der Bundestag will sich handlungsfähig präsentieren, dem Volk zeigen, dass er der Krise nicht ohnmächtig gegenübersteht. Nur nicht noch einmal eine Wirtschaftskrise mit anschließender Demokratieverdrossenheit, könnte die Devise heißen, oder: Nur kein zweites Weimar.
Dabei hat sich die Weimarer Regierung zeitweise krisenresistenter gezeigt als die aktuelle Koalitionsregierung. Heute ist die Lage umgekehrt: Die Politiker haben keine Einfälle mehr, doch das Volk hält trotzdem still. Kreative Ideen wie einst Hjalmar Schachts Einführung der Rentenmark bringt die aktuelle Politik nicht hervor. Trotzdem muss demonstriert werden, dass man an der Lösung der Krise arbeitet.
Ginge es bei der "Schuldenbremse" wirklich um Inhalte, wäre die Einstellung der Parteien zu dieser Verfassungsänderung eine grundlegend andere: Die Linke hätte sie wegen ihrer sozialen Komponente befürwortet und die FDP - Marktliberale! - hätte das Projekt nicht unterstützt. So, wie die Sache jetzt liegt, setzten die Volksparteien mit der Verfassungsänderung ein Zeichen, das ihnen zur Bundestagswahl zugute kommen soll. Wer hingegen - wie die Linke - von der Krise politisch profitieren will, distanziert sich lieber von dem Projekt.
Vielleicht wird die Schuldenbremse tatsächlich überwiegend positive Folgen für unsere Volkswirtschaft haben, zunächst einmal aber könnte sie die Gemüter all jener beschwichtigen, die auf den Gedanken kommen, unsere Volksvertreter hätten keine echten Ideen zur Lösung der Krise. Was für ein absurder Gedanke.
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Warum hat die Schuldenbremse eine soziale Komponente? Das habe ich nicht verstanden. Ist nicht eher zu erwarten, dass sie zu Ausgabenkürzungen in den Staatshaushalten führen wird und hier tippe ich darauf, dass mal wieder Ausgaben für Sozialleistungen, Bildung und Zukunftsinvestitionen gestrichen werden.
Außerdem: Warum war denn die Weimarer Reichsregierung stabiler als die heutige Bundesregierung? Dass die Bewältigung der Inflation von 1923 ein positives Beispiel ist, sehe ich genauso. Aber liegt unsere historische Vergleichsebene nicht eher in den Jahren 1929ff. Und hier von einer stabilen Reichsregierung zu sprechen, halte ich für etwas kühn. Brüning ist das schlechte Vorbild für die Schuldenfallenpolitik: vgl. auch www.freitag.de/community/blogs/arminmue/schuldenbremse-durchgewunken-oder-bruening-im-bundestag |
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Sie haben recht - die Schuldenbremse hat keine soziale Komponente. Behauptet wird aber, sie sei eine jener "Zukunftsinvestitionen", von denen sie sprechen - angeblich dient sie ja der kommenden Generation.
Mit "krisenresistenterer" Regierung meinte ich keinesfalls deren Stabilität - natürlich ist das Volk heute weniger aufrührerisch, der Staat ist stabiler, aber die Weimarer Politik brachte in Krisenzeiten kreative Lösungsideen hervor, selbst wenn sie nicht ausgeführt wurden. Unsere aktuellen Volksvertreter scheinen mir hingegen nur noch Verwalter des Notstands. Was Brüning betrifft - ich glaube nicht, dass 1929ff. unsere Vergleichsebene ist: Das Volk heute hält still, ein Zusammenbruch des Staates scheint kaum abseh- oder vorstellbar und außerdem: Wer glaubt heute noch ernsthaft an die Selbstheilungskräfte des Marktes? Natürlich ist Ihr Vergleich mit Brüning trotzdem richtig, da dieser ein Beispiel für politisches Versagen in der Krise darstellt. Und vielleicht wird Deutschland in ein paar Jahrzehnten ähnlich marode wie die Weimarer Republik '29ff. sein... |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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