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Nachdem ich nun endlich Michael Moores neuen Film „Kapitalismus – eine Liebesgeschichte“ gesehen habe, wundert es mich doch ein wenig, dass hier in der Community so wenig Rummel um diese Dokumentation gemacht wird. Denn sie ist keineswegs so schlecht, wie die Freitags-Kritik behauptet ("Der katholische Faktor", Beitrag von Simon Rothöhler am 12.11.)
Wenn man sich diesen Film anschaut, darf man keine falschen Erwartungen hegen. Das bezieht sich einerseits auf die Form – Moores Filme waren immer schon stark durch seine Selbsteinbringung geprägt, ein Stil, der zumindest für einen Europäer etwas gewöhnungsbedürftig sein kann. Andererseits muss man sich über den Inhalt zumindest insoweit klar sein, als der Name Programm ist. Michael Moore will nicht die Geschichte der Wirtschaftskrise erzählen. Auch nicht die Geschichte des Kapitalismus. Sondern er betrachtet die Geschichte einer Liebe zwischen dem Kapitalismus und dem amerikanischen Volk. Und er erzählt, wie aus dieser Liebe eine Ehe wurde.
Unter diesem Aspekt ist der Film tatsächlich wertvoll. Denn um zu verstehen, warum die Amerikaner so in den Kapitalismus verliebt sind, genügt nicht das Wissen um die Polarisationskräfte des kalten Krieges. Man muss auch verinnerlichen, dass es in den USA eine Zeit gab, da ein einfacher Bandarbeiter mit seinem Gehalt die Familie ernähren konnte, das Haus abbezahlt hatte, wenn die Kinder die Schule verließen, und sich aller drei Jahre ein neues Auto leisten konnte. Ein Wohlstand, den selbst die Bundesrepublik so nicht erlebt hat.
Natürlich ist Michael Moore nicht so naiv, dies alles nur der Wirtschaftsleistung der USA zuzuschreiben. Regelmäßig blickt er im Film nach Europa und Asien und betont, wie sehr die Schwäche dieser Kontinente nach dem 2. Weltkrieg den USA geholfen hat. Und er übersieht auch nicht, dass die Vormachtstellung dieses Landes immer zum Teil auch auf weiteren Kriegen beruhte.
Doch nicht nur in der Darstellung der fast religiösen Verehrung der Wirtschaftsform zeigt Moore seine Stärke, sondern auch in der Betrachtung der Reaktionen des amerikanischen Volkes auf die Wirtschaftskrise. Diese nun fällt fundamental anders aus, als die der Deutschen oder ihrer Nachbarvölker. Spätestens hier können wir erkennen, dass unser aller Einschätzung der Krise nicht einmal ansatzweise unabhängig, sondern tief europäischen Denkmustern verhaftet ist.
Aufgrund ihrer speziellen Geschichte stünde für die USA selbst in einer tiefen Krise des Kapitalismus die Alternative Kommunismus nie ernsthaft zur Debatte. Und „Sozialist“ ist in diesem wie in vielen anderen Ländern ohnehin ein Synonym für Sozialdemokrat.
Doch natürlich erkennen viele Amerikaner trotzdem, dass sich der entfesselte Kapitalismus nicht einfach regulieren lässt. Auf der Suche nach Alternativen beschreiten sie aber grundsätzlich andere Wege als die Europäer. Und genau aus diesem Grund sollte man sich den Film ansehen.
Michael Moore zeigt mit seinem Film eindrucksvoll, dass die Antwort auf die Krise nicht „Sozialismus“, sondern schlicht „mehr Demokratie“ lautet. Und zwar nicht, wie dies in Europa angegangen würde, zuvörderst auf nationalstaatlicher Ebene. Nein – es ist das Volk, dass diesen Umbruch in den Betrieben und in der Zivilgesellschaft erzwingen muss. Am politischen System insgesamt muss sich dafür gar nicht so viel ändern. An der Spitze wäre nur die Entlassung der ehemaligen Bankvorstände aus den Ministerien nötig.
Um dies zu erfahren, muss man gelegentlich eben auch die eine oder andere peinliche Aktion Michael Moores in der Wall Street ertragen. Nebst der Tatsache, dass sein Gesicht eben ziemlich häufig im Bild ist. Aber ich finde, das ist es wert.
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danke für die filmkritik. ich schaue mir den die tage an. die filme von moore werden von linksintellektuellen oft belächelt, ich finde es ok information mit unterhaltung aufzulockern, so erreicht er den einen oder anderen, der sich sonst nicht für diese themen interessiert.
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Prodesse et delectare.
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ach bitte, das neue latein ist englisch :-)
useful and entertaining. |
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Das neue Latein scheint tatsächlich Englisch zu sein. Dann werde ich wohl Asterix' Rolle übernehmen müssen...
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Das ist für mich die bisher überzeugendste Demokratie-Theorie!
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Moore geht Themen eben nicht so sehr aus einer akademischen Perspektive an und hatte das auch 2005 auf dem Filmfestival in Cannes auch begründet. Er ist darum mit seiner etwas populistischen Art auch nicht mit Leuten wie z.B. Peter Lilienthal zu vergleichen.
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Sehr interessant. Eine echte Hife bei der Einordnug von Michael Moore´s Filmschaffen. Die berechtigten Kritikpunkte z.B. mit den manchmal etwas peinlichen Aktionen sehe ich auch so, aber ich kann mir auch voestellen, dass der Fil es wert ist. Er steht wirklich für ein anderes Amerika!
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"Michael Moore zeigt mit seinem Film eindrucksvoll, dass die Antwort auf die Krise nicht „Sozialismus“, sondern schlicht „mehr Demokratie“ lautet."
Sehr gut, dann brauchen wir nur noch genug Demokraten. Der Film ist Moores bester. |
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Danke für die vielseitigen Kommentare. Ich hatte eigentlich mit mehr Ablehnung gerechnet...
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Also ich hab mich vor allem gefreut, daß du mal wieder was gepostet hast. Denn gerade hatte ich mich gefragt, was denn wohl aus Tom Zille geworden ist, wo der sich denn so rumtreibt, wenn nicht hier. Ich hoffe, das macht nichts.
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Im Gegenteil. Ich freue mich darüber, dass ich offenbar doch ein bisschen in der Community "verwurzelt" bin. Danke also für die Anmerkung, Titta.
Ich habe mich auch in keiner anderen Community herumgetrieben, sondern einfach ein bisschen viel gearbeitet. Trotzdem: Freitag 4 Life! |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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