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So kurz vor der Bundestagswahl sieht man jetzt wieder allenthalben kommerzielle Werbung, die Bezug nimmt auf aktuelle Wahlwerbung. Sehr präsent sind da unter anderem die Pro-Sieben-Plakate, die mit Slogans wie „Wählt die Simpsons“ oder „Für mehr Bauch“ die Ausstrahlung eines Filmes bewerben. Etwas seltener stößt man auf die Reklame des Kaffeeherstellers Melitta, der unter anderem mit den Worten „Aufstehen muss sich wieder lohnen“ für sein Produkt wirbt und damit die Parole der FDP parodiert. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Ich halte diese Adaptionen realer Parteienwerbung durch Werbeagenturen für ein gutes Zeichen, das in mancherlei Hinsicht Anlass zum Nachdenken gibt. Zum einen führen uns solche Werbetafeln natürlich vor Augen, wie stereotyp-austauschbar die Wahlkampfparolen der großen Parteien sind. Das Risiko, Großunternehmen könnten auf diesem Wege einer politischen Gesinnung subtilen Ausdruck verleihen, besteht indes nicht – die Slogans der Parteien bewegen sich schließlich alle auf demselben niedrigen Niveau. Zum anderen zeigt diese Form der Firmenwerbung, dass der Bezug zur Politik die Menschen auf der Straße anspricht. Die Werbeagenturen würden sich nicht auf die Bundestagswahl beziehen, wenn sie nicht sicher wären, dass diese Werbestrategie Erfolg haben kann. Und da sie ihre Zielgruppe im allgemeinen recht gut kennen, kann man daraus schließen, dass das deutsche Volk wohl doch nicht ganz so politikverdrossen ist, wie die voraussichtliche Wahlbeteiligung vermuten lässt. Zumindest besitzt die Bundestagswahl noch immer größere Öffentlichkeitswirkung als alle anderen gesellschaftlichen Ereignisse – ein gutes Zeichen in diesen Zeiten, wie ich finde. Zu guter Letzt könnte sich aus dieser Art Werbung – auch wenn das eher eine Hoffnung ist – eine Art Rückkopplung auf das Wahlverhalten der Menschen entwickeln. Schließlich versäumt es die deutsche Demokratie mit gefährlicher Regelmäßigkeit, für sich selbst Werbung zu machen. Im Angesicht der Bundestagswahl werben die Parteien nur für sich selbst, doch Reklame für die Wahl an sich gibt es keine – trotz der seit Jahren niedrigen Wahlbeteiligung. Nur von den Grünen ist mir zumindest erinnerlich, dass sie zur sächsischen Landtagswahl dafür warben, wählen zu gehen, da es sonst andere für einen täten. Doch natürlich sind die Kassen von Pro Sieben besser gefüllt als die irgendeines demokratischen Gremiums – und seien es nur die einer Partei – und die Werbung des Senders besitzt dementsprechende Allgegenwart. Vielleicht vermag eine Losung wie „Wählt die Simpsons“ die Menschen zumindest noch einmal mit der Nase auf das Thema zu stoßen. Doch, wie bereits erwähnt – das ist nur eine Hoffnung.
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"Im Angesicht der Bundestagswahl werben die Parteien nur für sich selbst, doch Reklame für die Wahl an sich gibt es keine – trotz der seit Jahren niedrigen Wahlbeteiligung."
Naja, ganz stimmt das nicht. Ich stoße immer wieder auf das hier: www.youtube.com/watch?v=EIGsrGPMUYA&feature=PlayList&p=62D9FF760836892A&index=0 ...und Ähnliches. |
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Oder meintest du die einzelnen Parteien im Speziellen?
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Ich meinte Werbung fürs Wählen, die sich desselben Mediums bedient wie Wahlwerbung, also primär des Plakates.
Aber du hast recht, so ganz stimmt meine Äußerung nicht. |
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Ich stimme dir aber zu. Es ist zu wenig, es war auch bei der EU-Wahl zu wenig.
Zu der Zeit bzw. kurz vorher war ich in Italien, alles vollplakatiert. Wobei die Italiener noch ihre, naja, nicht nur eine seltsame Politik, sondern genauso unvorstellbare Plakatier-Eigenarten haben. Da waren mindestens 10 Plakate übereinander gepappt, bis der ganze Salat irgendwann vorne über kippte und ganz ab fiel. Platz für eine neue Schicht. Wieder zurück nach Deutschland. Sowas stößt mich ab. Wer geht aufgrund dieser Videos ins Wahllokal? www.youtube.com/watch?v=kDIFCzOo_3Y www.youtube.com/watch?v=Xs5AJX4ZXVo& |
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Was für grausame Bilder! Unsere Demokratie ist wirklich im Niedergang begriffen. Als ich mir die Videos ansah, habe ich mir zwecks Schmerzkompensation einen Finger abgebissen...
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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