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Ich spazierte mit Sara durch die Stadt am Meer. Wir kamen an einem Torbogen vorbei, der den Blick auf einen großen, von einem Säulenkarree umgebenen Hinterhof freigab. Zwischen den Säulen standen hohe Palmen in Pflanzkübeln und andere exotische Pflanzen in tönernen Gefäßen, was dem Raum einen sehr kolonialen Aspekt verlieh. Typisch sizilianisch: das oft barocke und überladene Erscheinungsbild der Architektur in den Städten.
Sara sagte, dass sie den Hinterhof nicht schön fände und so gingen wir wieder hinaus. Es wurde schon Abend und die Dämmerung senkte sich über die Stadt.
Wir schlenderten zum Strand. Die Sonne war untergegangen und einzelne Fackeln brannten an den Befestigungen der Strandpromenade. Wir liefen in den Sand hinein, Richtung Wasser. Ein Stück entfernt waren mehrere Menschen versammelt.
Ich wurde neugierig und zog Sara mit mir. Im Näherkommen erkannte man, dass eine Frau auf einem Podest saß und in ein Mikrofon sprach. Als wir nah genug waren, dass die Stimme nicht mehr von Meeresrauschen übertönt wurde, hörte ich auch ihren Klang und ihre Worte.
Auf der Holztribüne saß Marina Abramovic und sprach zu den Menschen, die in Grüppchen davor standen. Mittlerweile war es dunkel geworden und auch die Kerzen, die auf dem Podest befestigt waren, spendeten kaum Licht.
Marina Abramovic sprach langsam und bedächtig, wie es ihre Art war, aber eindringlich und fordernd. Sie versuchte, die Menschen zur Umkehr zu bewegen und sie hatte etwas vorbereitet für diejenigen, die bereit waren, ihr zu folgen. Sie hob die Hand. Das Murmeln der Menge verstummte. Plötzlich sah man direkt am Ufer zahllose Fackeln aufscheinen, die ein riesiges, hölzernes Schiff beleuchteten. Es bestand aus einem massiven Bootskörper, auf dem eine Art Haus stand, ebenfalls aus Holzbalken gezimmert.
Das Schiff schien manövrierunfähig zu sein, so ganz ohne Segel, Dampf- oder sonstige Antriebsmöglichkeit.
Die Menschen klatschten Beifall und begannen, in Richtung des Schiffes zu gehen. Eine lange Zweierreihe bildete sich, immer paarweise bestiegen sie die Treppe, die hinauf zur Reling führte.

Da begriff ich: es war eine Arche. Sie war für Marinas Anhänger erbaut worden, für die Menschen, die ihr zugehört hatten, die alles hinter sich lassen wollten. Auch schienen sie von einer Gefahr zu wissen, die mir unbekannt blieb, denn dass Sara und ich nicht zu den Auserwählten gehörten, war offensichtlich. Wir standen zu sehr im Abseits und hatten von Marina Abramovics Rede nichts verstanden oder behalten.
Nach und nach nahm das Schiff die Menschen in sich auf. Als der Letzte die Stufen erklommen hatte und im Bauch des Schiffes verschwunden war, erfasste eine Welle das hölzerne Gebilde, das nun leicht wie eine Nussschale auf dem Wasser schaukelte und mit seinem Fackelschein allmählich vom Dämmer verschluckt wurde.
Sara und ich standen Hand in Hand am Strand, wir waren alleine zurück geblieben. Langsam, als erwachten wir aus einem tiefen Traum, gingen wir zurück in Richtung Stadt, wo im Dunkel vereinzelt die Lichter von Fenstern und Straßenlaternen funkelten.
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Sara! Stadt! Meer!
Schon mit dem ersten Satz hast Du mich gefangen, aber Deine Rätsel kann ich nicht lösen..... Vielen Dank! |
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Danke zurück :-)
Aber... welche Rätsel? Fragt sich rätselnd M. |
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... die unbekannte Gefahr,
die Regeln der Auswahl, das Ziel der Arche..... "Auch schienen sie von einer Gefahr zu wissen, die mir unbekannt blieb, denn dass Sara und ich nicht zu den Auserwählten gehörten, war offensichtlich." |
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oh, verstehe...
Ich fürchte, ich kann das für die Protagonistin auch nicht beantworten.... ;-) Rätsel sind aber grundsätzlich auch ungelöst schön. Außer, wenn sie von einer Sphinx gestellt werden und man sie nicht beantworten kann.... :-) |
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ja, da kann ich nur zustimmen:
mit der Lösung muss das Rätsel meistens sterben.... das ist schade. |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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