Rezension zu Sprang/Nöllke „Aus die Maus“
In Zeiten wie dieser, mit zunehmenden Laubbefall, abnehmender Baumkronendichte, zunehmender Schweinegrippe-Neurose, abnehmender Sichtweite (Nebel!) sowie alsbald Feiertagen wie „Volkstrauertag“, „Buß- und Bettag“ und „Totensonntag“ – in Herbstzeiten wie dieser also darf man getrost ein Buch wie dieses lesen: „Aus die Maus – ungewöhnliche Todesanzeigen“ von Christian Sprang (Anzeigen-Kompilator, auch auf www.todesanzeigensammlung.de) und Matthias Nöllke (Zwischentexte). Die gelegentliche Verlagswerbung „...zum TOTlachen“ trifft, wie man am Untertitel „ungewöhnliche Todesanzeigen“ sieht, nicht völlig zu: Was ungewöhnlich ist, ist nicht immer lustig. Oft aber doch, den passenden Humor vorausgesetzt. Eine der lustigen Todesanzeigen (die auch den Umschlag ziert) ist die eines fast zeitgleich verstorbenen älteren Ehepaars: „Wie im Leben – Oma rief – Opa kam.“
Das Buch ist unterteilt in 17 Kapitel, darunter Hobby und Freizeit (z.B. Anzeigentext-Bestandteil: „Scheiss Motorrad“), Berufliches (Anzeigentext-Bestandteil bei einer Reinigungskraft: „Er hat den Besen weggestellt“), Selbstanzeigen (z.B. „Ich bin tot“), Sprachliche Missgeschicke wie „Mein bester Freund ist Tod“ (Freunde kann man sich nicht immer aussuchen) sowie Eheleben (z.B. das doppeldeutige „Man muss Witwer werden, ehe man herausfindet, wieviel Arbeit die Frau machte“). Die Krönung des Kapitels Eheleben ist übrigens ein Witwer (oder ein Scherzbold), der eine Todes- mit einer Kontaktanzeige verbindet: „Meine über alles und innig geliebte Frau ist ganz plötzlich und unerwartet von uns gegangen. In tiefer und stiller Trauer Thomas D. (38 Jahre; 182 cm) verw., schl., attr., intell., romant., sinnl., humorv.“, und so weiter, inklusive Handy-Nummer. Sollte Thomas D. tatsächlich existieren, wäre ihm die Lektüre dieses Buches zu empfehlen. Vielen anderen Zeitgenossen aber auch.
7,95 EUR. - ISBN 978-3-462-04157-6
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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