Reizfaktor Kosten der Unterkunft
Schon vor Einführung von ALG II sind die Kosten der Unterkunft ein heikles Thema gewesen. Nicht nur wird durch die verschiedensten örtlichen Faktoren viel Personal dafür aufgewandt, die Kosten der Unterkunft zu prüfen, auch sind diese oftmals höher als der Regelsatz an sich. Auch beim sogenannten „liberalen Bürgergeld“, welches die FDP präferiert, werden die KdU weiterhin den örtlichen Begebenheiten angepasst. Wie jede Nichtpauschalierung bindet dies Ressourcen und führt auch für die Arbeitssuchenden zu Wartezeiten bei der Bearbeitung der Anträge auf Leistungen.
Die hohen Kosten für die Unterkunft ergeben sich unter anderem dadurch, dass zu einer Unterkunft nicht nur ein eigenes Zimmer, sondern auch weitere Räume wie Küche, Bad, Schlafzimmer gehören. Oft wird dies als Bedingung für ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben angesehen.
Es ist jedoch sowohl in (Wohn)heimen, Wohngemeinschaften und dergleichen mehr durchaus möglich, ein selbstbestimmtes Leben menschenwürdig zu gestalten, ohne dass Schlafzimmer, Küche und Bad nur von der eigenen Person genutzt werden.
Durch den Abbau der Streitkräfte in Deutschland wie auch dem Stellenabbau bei der Bundeswehr finden sich in vielen Städten und Gemeinden leerstehende Kasernen, ferner gibt es leerstehende Firmengebäude, die bereits über die grundsätzlichen Voraussetzungen für eine gemeinschaftlich genutzte Küche bzw. einen Essensraum verfügen. Würden diese Gebäude genutzt um dort Platz für Arbeitssuchende zu schaffen, so würden sich die Pro-Kopf-Kosten der Unterkunft erheblich verringern. Auch würde durch eine zentrale Kontrolle von Heizung und Warmwasser sowie Strom dem Problem vorgebeugt werden, dass Arbeitssuchende durch zu hohe Energiekosten in Bedroille geraten, da diese Kosten bisher vom Regelsatz bestritten werden müssen. Durch die einheitlich gestalteten, wohnheimartigen Räume, würde zudem die Gleichheit untereinander gefördert werden, da es zwar dem Einzelnen vorbehalten ist, seinen Raum individuell zu gestalten, jedoch im Zuge der gemeinsamen Einrichtung des Gesamtraumes sowie der Vermögensverwertung einer exzessiven Zurschaustellung von ggf. vorhandenem Reichtum vorgebeugt wird. Die in den nächsten Teilen dargestellten Regelungen bezüglich Kleidung und Haushaltsgegenständen sollen diesen positiven Effekt weiter fördern.
Wissenserwerb durch Kontakt zwischen Alt und Jung
Jugendliche und auch ältere Arbeitssuchende würden, bei entsprechender flexibler Altersgestaltung, davon profitieren, dass sie das Wissen der Anderen erhalten. So könnten die Jugendlichen den Älteren beim Umgang mit dem Computer helfen, Ältere könnten grundlegende Dinge der Ernährungslehre und des Gartenbaus vermitteln oder auch ethische Werte. Durch die gemeinsame Nutzung der kulturellen Gegenstände wie Bücher etc. (siehe nächste Teile) würde die Möglichkeit gegeben, sich individuell fortzubilden, wöchentlich stattfindende Bildungsveranstaltungen sind zusätzlich zu etablieren.
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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