Manchmal gibt es auch in Hollywood-Filmen kein "Happy End". Wenigstens hat dann der Held für das Gute gekämpft und einen guten Kampf geliefert. Er kann also mit sich zufrieden sein. Auch bei der SPD muss der gute Kampf für einiges herhalten, wenn das Ende schon nicht fröhlich ist.
Die Sozialdemokraten haben bei der Europawahl verloren, wieder einmal , obwohl mit einer schwächeren Union zu rechnen war, und obwohl das Soziale in der Krise mehr in den Vordergrund tritt, theoretisch, und obwohl die Schwarzen immer schon für ganz freie Finanzmärkte waren. Und überhaupt. - "Bis zur Bundestagswahl wird getz wieder gekämpf'. Noch ist nichts entschieden. Schwarz-Gelb muss verhindert werden. Glück auf!"
Durch demonstrativ zur Schau getragenen Kampfeswillen, kann man die eigene Anhängerschaft mobilisieren. Wann kämpft man aber einen heroischen Kampf nur, um des Kampfes Willen, wann wird der demokratisch-legitime, inhaltliche
Schlagabtausch zum bloßen Schaukampf für die eigene Galerie? Der Kampf war gut. Der Held reitet in den Sonnenuntergang. Klappe (im doppelten Sinne)!
Jetzt will man die Zitrone, die man hat, oder die man meint zu haben, noch richtig auspressen. Thema: Wahlpflicht, mit der manche in der SPD liebäugeln, weil man sich ein enormes sozialdemokratiches Potenzial bei den Nichtwählern davon verspricht.
Besser wäre es vielleicht, die richtige Zitrone auszupressen? Außerdem wird der Wähler das Gefühl nicht los, dass die SPD mit solchen Wünschen ihn bekämpft - oder doch vielleicht nur sich selbst?
Wer sich dem Kampf stellt, macht sich selbst Mut. Aber stellt er sich dann auch den wirklich wichtigen Fragen? Man könnte (zynisch) fragen: Wofür braucht es noch eine SPD? Zwischen einer Linken, die von der SPD immer eilfertig unter Kommunismusverdacht gestellt und verteufelt wird, und zwischen einer Rechten, die ihrem Namen keine Ehre mehr macht, weil sie sich immer mehr sozialdemokratisiert, in der Krise noch mehr, als vorher schon?
Eine Antwort auf diese Frage wäre schmerzhaft, setzt sie doch einen Bruch mit der eigenen Agenda-Politik und ihrem Personal voraus, oder wenigstens den Willen, sich mit seiner jüngeren Vergangenheit konstruktiv und ohne Tabus zu beschäftigen.
Die Frage nach der Zukunft der SPD stellt sich der Wähler auch. Solange er keine befriedigende Antwort darauf findet, muss um seine Stimme weiter gekämpft und gehofft werden.
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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