Denken Sie auch, es gibt zu viele Koch-Sendungen im deutschen Fernsehen? Einen ganz bestimmten Koch auf Sendung will man schon gar nicht sehen: den Ministerpräsidenten von Hessen, Roland Koch.
Der versucht nämlich gerade, Einfluss auf das ZDF zu nehmen. Er will, zusammen mit anderen CDU- und CSU-Politikern, via Verwaltungsrat des Senders verhindern, dass der Vertrag von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender verlängert wird. Anscheinend hat es sich, der als unabhängig und unbequem geltende Brender, seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 mit zu vielen Politikern von der Union verscherzt.
Parteipolitisch kennt Nikolaus Brender weder Freund noch Feind. Edmund Stoiber, früher in Bayern oberster Medienwart, sitzt immer noch im ZDF-Verwaltungsrat. Mit ihm hatte Brender es sich schon im Jahr 2002 verdorben. Stoibers Generalsekretär habe im Bundestagswahlkampf gepoltert, der Vertrag des Chefredakteurs solle nicht verlängert werden. Einer breiteren Öffentlichkeit ist Brender im Gedächtnis, weil er sich nach der Bundestagswahl 2005 mit dem abgewählten Bundeskanzler Gerhard Schröder vor laufender Kamera anlegte. Die SPD hatte eine Niederlage erlitten, die Schröder offensichtlich einer Einflussnahme der Medien zuschreiben wollte.
An fachlichen Dingen kann es auch nicht liegen: alles in allem wird Brender eine professionelle Arbeit attestiert. Er habe die journalistische Unabhängigkeit des Senders stets "mit breitem Rücken verteidigt", sagte "heute journal"-Moderator Claus Kleber dem SPIEGEL. Der Chefredakteur habe die Unsitte beendet, Pöstchen nach Parteinähe zu verteilen. "Das hatten wir hier hinter uns. Und so muss es bleiben." Zum Beispiel habe er Politiker immer gebeten, ihre Beschwerden schriftlich einzureichen. Das sei dann sehr selten passiert. Vor einiger Zeit hatte der Chefredakteur dann im Fernsehrat gedroht, alle Programmbeschwerden von Politikern und Lobbyisten im Internet veröffentlichen zu wollen.
ZDF-Intendant Markus Schächter will seinen Chefredakteur behalten. Viele prominente Journalisten und alle Hauptredaktionsleiter des ZDF stellen sich demonstrativ hinter ihren Chef: "Wir unterstützen Sie in Ihrem Entschluss, Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur für eine weitere Amtszeit zu verlängern." Unterzeichner eines offenen Briefes an Intendant Schächter sind Maybrit Illner, Marietta Slomka, Guido Knopp, und Claus Kleber, neben anderen Kollegen. Für sie wäre Benders Ablösung ein "schwerer Eingriff in die Rundfunkfreiheit".
Die Journalisten des ZDF wehren sich so vehement gegen die ultimative "Koch-Sendung" weil sie unabhängig von parteipolitischen Präferenzen "ein Zeichen gegen politischen Druck auf den Intendanten" setzen wollen. Ob ihr Widerstand im Verwaltungsrat etwas bewirkt, wird sich zeigen. Unabhängig von dessen Entscheidung werde Brender seinen Vertrag zu Ende erfüllen. Der läuft noch bis Ende März 2010. Damit bliebe Brender auch während des Bundestagswahlkampfs 2009 Chefredakteur: "Alle, die glauben, sie könnten hier unter dem Schutzschirm der Parteien wachsen, werden nicht reüssieren."
Die unionsnahe Mehrheit im Verwaltungsrat des ZDF kann sich jedoch ohne weiteres über alle Einsprüche hinwegsetzen. Es wäre nicht das erste Mal, dass es ihr Anführer, der brutalstmögliche Jugendkriminalitätsbekämpfer Roland Koch, an Einsicht mangeln ließe. Ihm macht es nichts aus, einmal mehr sein Gesicht zu verlieren. Nicht, dass es ihm schaden würde ... ;-)
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