Ursula Schwarzer

Blog von Ursula Schwarzer

21.04.2009 | 13:40

Pro Reli - bedeutet Mogelpackung, nicht Freiheit und Toleranz

In Berlin tobt ein Kampf um die Hoheit in den Klassenzimmern. Nein, nicht um die vom ersten Schuljahr an, da sind die Pfründe verteilt. Vom ersten bis zum sechsten Schuljahr gibt es konfessionsgebundenen Religionsunterricht. Worum es beim Volksentscheid geht, ist das, was ab der siebten Klasse an Berliner Schulen Pflichtfach oder nur noch Wahlpflichtfach sein soll.

Deswegen stellt sich die Frage: Geht es beim Volksentscheid "Pro Reli" am 26. April tatsächlich darum, dass "jeder nach seiner Facon selig werden" kann bzw. soll? Dieser in der Hauptstadt hoch geachtete Satz, den Friedrich der Große 1740 sprach, wird von "Pro Reli" gern als Argument dafür angeführt, dass künftig auch in Berlin Ethik mit Religionsunterricht konkurrieren soll. Ich bin dagegen, weil ich das Fach Ethik für zu wichtig halte, als dass ein Kind es einfach abwählen darf. Wie unsinnig das ist, stellt man fest, wenn man Lehrer anderer Bundesländer befragt. Sie stehen im Ethik-Unterricht vor halbleeren Klassen und können das, was Ethik vermitteln soll, ausgerechnet denen nicht zukommen lassen, die es am nötigsten bräuchten, weil gerade diese, teilweise recht intoleranten, manchmal sogar verhetzten Schüler Ethik abgewählt haben.

Ich hoffe, dass Ethik - für die ja schon durch sechs Schuljahre Religionsunterricht vorgeprägten Kinder - von hoch engagierten, gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern gestaltet wird. Dann nämlich würden sie erstmals etwas erfahren, was sie sich sonst erst in mühsamer Kleinarbeit selbst erschließen müssten. Zumindest ist es mir so gegangen. Ich wurde evangelisch sozialisiert und fragte mich, was denn wohl ein "Hochamt" sei, als ich im Alter von 35 Jahren in Süddeutschland eine Stelle angetreten hatte und dieses Wort von katholischen Arbeitskollegen erstmals hörte. Das war weder in der Schule noch im Konfirmationsunterricht vorgekommen; und ein älterer Kollege erzählte mir, dass es in seiner Jugend üblich war, dass man als katholisches Kind die evangelischen Mitschüler auf dem Schulweg anspuckte. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Dennoch: Auch heutzutage wird ein katholischer Pfarrer noch von den Kirchenoberen abgestraft, wenn er gemeinsam mit katholischen und evangelischen Christen  Abendmahl feiert. Wohlgemerkt: Es waren alles Christen!

Als Rundfunkreporterin machte ich Anfang 2006 folgende Erfahrung: Ich hatte die Halbstundensendung  "Die erschreckende Liebe zum Krieg - Eine Warnung des Psychoanalytikers James Hillman" im Programm des Bayerischen Rundfunks. Darin kam das folgende Zitat von Hillman vor: "Die Religionen von Jahwe, Allah und Gottvater mit all ihren verzweigten Bezeichnungen sind Schwesterunternehmen der einen monotheistischen Wurzel, von der jede behauptet, die einzig wahre Tochter zu sein. All diese Religionen zählen Abraham bzw. Ibrahim zu den Patriarchen, die sie begründet haben, und alle verweisen auf seine Bereitschaft, als exemplarische Lektion zum Wohle ihres gemeinsamen Gottes seinen Sohn zu töten. Alle betrachten Jerusalem als ihre ureigene Heilige Stadt. Alle verkünden immer noch, dass ihr Gott ein mitfühlender Gott ist und bringen sich seit Jahrhunderten gegenseitig um. Natürlich ist Jesus für die anderen Religionen nicht göttlich und Mohammed ist für die anderen beiden Religionen kein Prophet  - aber sie alle beginnen in der Bibel, ihre Ursprünge gründen in derselben Erde des Mittleren Ostens, die Religion hervorbrachte, und sie alle haben die Stärke des Monotheismus gemein. Doch die Verpflichtung auf die eine Sicht, die der Monotheismus verhängt, hat dazu geführt, dass sie alle seit Jahrhunderten Schrecken übereinander und selbst über ferne Länder verhängen, die nichts mit ihrem Gott oder ihren Disputen zu tun haben."

Es gab einen Sturm der Entrüstung in der Hörerschaft; und der verantwortliche, festangestellte Redakteur hatte viel zu tun, um all den Empörten zu erklären, dass es unbestreitbar ist dass - in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Entstehung - Juden, Christen und Moslems die gleichen Wurzeln haben. Denn vor allem das hatten die meisten Hörerbriefe angezweifelt.

Hier ist für mich der Ansatz für den Ethik-Unterricht als Pflichtfach, das alle Kinder ab der siebten Klasse gemeinsam besuchen müssen. Denn nur hier erfahren sie so etwas. Außerdem möchte ich, dass die Kinder etwas über die dunklen Kapitel der drei monotheistischen Religionen erfahren, z.B. über die Kreuzzüge, die Vertreibung der Juden und Morisken aus Spanien auf Anordnung der Reyes Católicos, die Christianisierung Europas mit dem Schwert, die Inquisition, die Hexenverbrennungen, die Vernichtung von Weltkulturerbe in Südamerika durch Kirchenvertreter, die "heidnische" Texte einfach verbrannten, über die Ideen, die Selbstmordattentäter antreiben usw. Außerdem sollte natürlich Wissen über den Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus usw. vermittelt werden; und ich möchte, dass alle gemeinsam den Wert von "runden Tischen" und "Wahrheitskommissionen" diskutieren, und zwar nicht nur in bezug auf die in Südafrika, wo man versuchte, das Unrecht der Apartheid aufzuarbeiten, sondern auch über den "runden Tisch" unter der Leitung von Antje Vollmer, der das Unrecht aufarbeiten soll, das in kirchlichen Kinderheimen der alten Bundesrepublik deutschen Kindern angetan wurde, und zwar im Namen des Herrn und des Erzielungsideals von "Zucht und Ordnung". 

Es hat lange gedauert, bis ich bemerkte, dass die jeweils neue Religion Orte und Symbole der alten besetzte und sich so einverleibte - oder sie verteufelte. Und ich war entsetzt, als ich erfuhr, dass es erst das Zweite Vatikanische Konzil war, das im Oktober 1962 begann und im Dezember 1964 endete, das den "Index Librorum Prohibitorum" in seiner "verbindlichen Form" aufhob. Ich hatte lange Zeit gar nicht gewusst, dass der Index ein Verzeichnis der für jeden Katholiken bei Strafe der Exkommunikation verbindlich verbotenen Bücher war, auf dem 1966 noch rund 6.000 Titel standen. Ein Katholik durfte damals Francis Bacon nicht lesen, auch nicht Balzac, Simone de Beauvoir, Giordano Bruno, Calvin, Casanova, Comte, Copernicus, Darwin, Descartes, Diderot, Dumas, Flaubert, Galilei, Victor Hugo, Kant, Luther, Machiavelli, Karl Marx, George Sand, Jean-Paul Sarte und, und, und. Alles, was Rang und Namen hatte, stand auf dem Index - einschließlich der Bibel!

Offenbar wollten die Kirchenoberen davor, dass man nur Heiligengeschichten und Trivialliteratur liest. Die Auswirkungen sind bis zum heutigen Tag noch zu spüren. Dazu ein Beispiel: Als ich bei einem meiner München-Besuche mit einer 65-jährigen Katholikin diskutierte, hatten wir eine Unstimmigkeit, von der ich meinte, sie blitzschnell durch einen Blick in die Bibel beseitigen zu können. Deswegen bat ich sie, mir mal eben ihre Bibel rüberzureichen. Sie stand auf und legte mir nacheinander mehrere Bücher vor, u.a. etwas von Jörg Zink und US-amerikanische Esoteriker. Eine Bibel war nicht dabei. Sie wußte nicht einmal wie eine Bibel aussieht, geschweige denn, dass das nicht nur ein Buch, sondern eine Art Bibliothek ist. Das war im Jahr 2008! Inzwischen besitzt sie eine und liest fleißig darin.

Doch genau darum geht es mir: Ich möchte, dass der Blick der Kinder geweitet und nicht verengt wird. Ich möchte, dass allen klar ist, dass sich in der Thora (also in den fünf Büchern Mose, die die christliche Bibel ebenso wie das gesamte Alte Testament von den Juden übernommen hat), neben den zehn Geboten auch noch etwas anderes findet: Da geht es um den Schutz der Schwachen, d.h. der Fremden, der Armen, der Witwen und Waisen, um ein Recht, das Körperverletzungen verbietet, das Eigentum und Ehe schützt. Mose hat auf den Tafeln vom Berg Sinai auch Sozial- und Wirtschaftsgesetze wie das Zinsverbot, den Schuldenerlass und die Grundversorgung der Armen aus dem allgemeinen Steueraufkommen mitgebracht.  Diese Texte stammen aus jüdischer Feder, aber sie gelten für alle, die sich auf Abraham bzw. Ibrahim als Stammvater berufen. Das ist unser aller gemeinsames Erbe, eben das Erbe aller Juden, Christen und Moslems. Ich bezweifle, dass das in aller Deutlichkeit in konfessionsgebundesem Religionsunterricht vorkommt. In meinem jedenfalls kam das nie vor.

Mir geht es außerdem darum, dass alle Kinder gemeinsam im Ehtik-Unterricht Texte kennenlernen, in denen sich Menschen Gedanken darüber machen, wie man die diesseitige Welt besser und menschenwürdiger gestalten kann. Es geht mir nicht darum, die Jugendweihe an die Stelle von Konfirmation, Firmung, Bar-Mizwa und Bat-Mizwa zu stellen. Denn die Geschichte zeigt meiner Meinung nach, dass Gesellschaften ohne Religion mit der Zeit immer destruktiver werden. Das haben wir in Deutschland während von zwei Diktaturen bitter erfahren. Aber ich möchte, dass auch Kants kategorischer Imperativ diskutiert wird, Heinrich Heines Gedicht "Caput I" aus "Deutschland ein Wintermärchen", vor allem aber die Menschenrechte, die ich für noch wichtiger als die Zehn Gebote halte. Und ich möchte, dass alle Kinder die Bedeutung der Feiertage aller Religionen kennenlernen, damit die  denen anderer Glaubensgemeinchaft in der Nachbarschaft  mit Achtung begegnen können. Denn wer nicht weiß, was die da gerade feiern kann das nicht.

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 21.04.2009 um 14:03
Ich habe gerade einen kurzen Artikel zum Thema geschrieben.
(Desirée Nick distanziert sich von Pro Reli.)

Pro-Reli und die "Scheinheiligkeit der Katholiken"
www.freitag.de/community/blogs/streifzug/pro-reli-und-die-scheinheiligkeit-der-katholiken
Thorstena schrieb am 21.04.2009 um 15:20
Liebe Frau Schwarzer,

ich tue mich schwer, mich in der Debatte um den Volksentscheid zu positionieren und habe eine Menge mitgenommen aus Ihrem Eintrag. Vielen Dank!

Um hier vielleicht eine Diskussion in Gang zu bringen, möchte ich Heinz Bude zitieren, der neulich im Tagesspiegel (www.tagesspiegel.de/kultur/Heinz-Bude-Pro-Reli;art772,2774286) eine gegenteilige Position vertreten hat. Ich zitiere:

"Das Berliner Konzept zum Fach Ethik ist grundfalsch, weil es suggeriert, man könne Toleranz aus der Beobachterperspektive erlernen. Nach dem Motto, jetzt machen wir vergleichende Religionslehre und nehmen uns die Werte raus, die uns passen. (...) Wer meint, es müsse ein Sonderfach für Werte her, der versteht die Sozialisationsinstanz Schule falsch. Der Religionsunterricht thematisiert die Bezugnahme auf eine Quelle von normativer Geltung, die in der abendländischen Tradition Gott heißt. Im Religionsunterricht geht es um den einen Gott; gleichviel ob er katholisch, protestantisch, jüdisch oder muslimisch ausgelegt wird."

Aus dieser Perspektive würde das, was Sie fordern, von einem guten Religionsunterricht eher geleistet werden können als von einem Fach Ethik, zum Beispiel die Thematisierung der "dunklen Kapitel der monotheistischen Religionen." Denn nach Bude würden die Kinder aus der Beobachter- in die Teilnehmerperspektive wechseln: "Um die Welt zu verstehen, ist es für Kinder wichtig, jemanden kennenzulernen, für den Gott eine Rolle spielt und bei dem Selbstverpflichtung aus einer Glaubensorientierung erwächst. Es geht um eine hermeneutische Neugierde."
Magda schrieb am 21.04.2009 um 21:42
Liebe Frau Schwarzer,
ich brauchte nicht überzeugt zu werden, denn ich bin ohnehin pro Ethikunterricht. Sie liefern viele und gute Argumente, die ich teile.

Aber Sie holen auch die ganz große Keule raus:

„Denn die Geschichte zeigt meiner Meinung nach, dass Gesellschaften ohne Religion mit der Zeit immer destruktiver werden. Das haben wir in Deutschland während von zwei Diktaturen bitter erfahren.“
Das klingt ein bisschen nach einer Art von abgeschwächten Mixa.
Eigentlich hätte nach Ihrer Definition die Zeit des Bismarckschen Kirchenkampfes die destruktivste sein müssen.
Das Dritte Reich war eigentlich nicht religionslos. Die Religionen allerdings waren – wie Sie sicher auch wissen – nur zu willens in manchen Fällen, bereit zur Unterwerfung.

Und was die DDR-Zeit angeht, so hat sich der am Anfang ziemlich brachiale Kampf gegen die Religionen am Ende erschöpft in kleinen Schikanen. Die Kirchen waren für viele dann doch ein Hort kritischer Gedanken. Das hat den Zusammenhalt unter den Gläubigen gestärkt.

Also ich finde eine solche These ein bisschen grob gestrickt und ärgerlich.
ChristianBerlin schrieb am 25.04.2009 um 14:19
Hallo Magda,

[Zitat Magda] Die Religionen allerdings waren – wie Sie sicher auch wissen – nur zu willens in manchen Fällen, bereit zur Unterwerfung. [/Zitatende]

Meiner Meinung nach waren das nicht "Religionen", sondern Menschen - religiöse wie nichtreligiöse. In der Diskussion über das von Mixa benutzte Dostojewski-Argument hatte ich auf das Milgram-Experiment hingewiesen, das besagt: So sind Menschen eben, unter bestimmten Druckverhältnissen zu 80 Prozent bereit, ihr Gewissen zu übergehen, 10 Prozent halten stand und 10 Prozent haben umgekehrt sowieso keine Skrupel, sondern Freude daran, anderen Gewalt anzutun.

Meine Frage war, ob Religionen oder Weltanschauungen das Ergebnis messbar (und wiederholbar messbar) beeinflussen können oder nicht. Wenn das sich empirisch nachweisen ließe, wüssten wir mehr. Alles andere bleibt Spekulation. Rum wie num.
ebsw schrieb am 22.04.2009 um 19:01
Bauchschmerzen verursacht mir Ihr Blog, Frau Schwarzer.
Schön, dass sie die Aktionen von pro reli als unehrlich erkannt haben. Aber Ihre Vorstellung vom Ethikunterricht erscheint mir doch etwas gewagt. Es scheint so, dass Sie vom Ethikunterricht erwarten eine Art Bedienungsberechtigung für Religionen, erteilt den Glaubensfernen. Gerade darum kann es einem Ethikunterricht nicht gehen. Nicht den Menschen verstehen auf Grund seiner Religion, sondern auf Grund seines Menschseins. Damit muß sich auch niemand belasten, welche Feste welche Glaubensgemeinschaft nun wann feiert. Einzig, dass Menschen zum Feiern zusammenkommen, muß ausreichen, den Menschen als ständigen Glückssucher zu erkennen. Ihre Bezugnahme auf die "gottlosen Übeltäter", die allein für das Unheil des 20. Jhd. verantwortlich sein sollen, erinnert sehr an die berüchtigte Hohmann-Rede vor einigen Jahren. So meinte dieser Hohmann: "Mit Fug und Recht aber kann man sagen, die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien sie sind das Tätervolk des letzten blutigen Jahrhunderts..." Sie bemühen sogar das Wort "Geschichte", um Eindruck zu schinden. Sie halten also gläubige Menschen allein wegen ihres Glaubens für moralisch höher stehend. Vielleicht sollten Sie den Berliner Ethikunterricht auch mal besuchen.
Sollten Sie weiteres Interesse an dieser Problematik haben, hier ein Link zu einem Text von. J. P. Reemtsma: www.eurozine.com/articles/article_2005-08-22-reemtsma-de.html
Ursula Schwarzer schrieb am 23.04.2009 um 09:49
Den Artikel von Jan Philipp Reemtsma kann auch ich unterschreiben. Nur möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass er ihn am 22.8.2005 anläßlich der Kopftuch-Diskussion geschrieben hat.
Sophia Bickhardt schrieb am 24.04.2009 um 20:55
Ich möchte auf einen recht irdischen Aspekt der Debatte hinweisen, der in den Auseinandersetzungen kaum Erwähnung findet. Der Religionsunterricht der christlichen Kirchen wird zum überwiegenden Teil staatlich finanziert. Dazu heißt es selbstbewusst auf der Seite der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD):
„Der Religionsunterricht ist [..] ein staatliches Schulfach, für das der Staat - wie für andere Fächer auch - die Lehrkräfte zu stellen und die Kosten zu tragen hat. In unterschiedlicher Weise besteht in den Bundesländern die Möglichkeit, auf der Grundlage von Gestellungsverträgen Religionsunterricht durch kirchliche Kräfte zu erteilen. Der Staat trägt auch hier die entstehenden Kosten.“ (www.ekd.de/kirchenfinanzen/524.html)
Auf berlin.de ist zu lesen:
„Das Land Berlin finanziert bis zu 90 Prozent der für den Religionsunterricht anfallenden Personalkosten.“ (www.berlin.de/sen/kultur/bkrw/religionsunterricht.html).
Es geht also auch um Subventionen: Sei es, dass Pfarrer/innen in die Schulen gehen, sei es, dass Religionslehrer/innen den Unterricht erteilen – der Staat erbringt die Leistung, aus den Kindern die Christen zu machen, die dann die Gottesdienste bevölkern (sollen). Mit anderen Worten: Durch das Wahlpflichtfach Ethik droht den Kirchen der Verlust dieses Privilegs, und sie müss(t)en nun selbst für die HeranBildung ihres Nachwuchses aufkommen. Dafür ficht man schon mal so schön suggestiv für Freiheit, setzt für die „Wahlfreiheit“ horrende Werbemittel ein.
Subventionen haben ihr Gutes – weite Teile der Kultur etwa sind auf sie angewiesen. Subventionen können aber auch eine Umverteilung an der falschen Stelle bedeuten. Sie bedürfen der demokratischen Legitimierung. Insofern ist ein Volksentscheid sehr zu begrüßen. Nur sollte auch klar sein, worüber (mit) abgestimmt wird. Die Kampagne von ProReli und der Kirchen ist scheinheilig und beeinträchtigt ein weiteres Mal die Glaubwürdigkeit dieser christlich-institutionellen Darreichungsformen des „Ewigen“ auf Erden.
Ursula Schwarzer schrieb am 25.04.2009 um 08:45
Sehr geehrte Frau Bickhardt,

vielen Dank für diesen ergänzenden Hinweis. Er ist sehr wichtig, denn er macht noch einmal auf andere Weise deutlich, warum ich diesen Blog geschrieben habe. Ich hatte mich - weil ich annahm, dass das Thema Finanzierung allgemein bekannt ist - darauf beschränkt, nur im ersten Absatz meines Blogs zu sagen, dass für die ersten sechs Jahre die "Pfründe" verteilt sind, dass es jetzt nur noch um die ab der siebten Klasse geht.

Das bedeutet natürlich, dass nach sechs Jahren Religionsunterricht aus den Kindern längst Christen, Juden, Musline usw. geworden sind, dass es jetzt nur noch ums Geld gehen kann - und außerdem darum, die Jugendlichen, die zu dieser Zeit oft schon am Konfirmationsunterricht teilnehmen, am Blick über den Tellerrand hinaus zu hindern.
ChristianBerlin schrieb am 25.04.2009 um 15:22
Hallo Ursula Schwarzer,

zunächst mal willkommen meinerseits, schön, eine weitere Berliner Autorin hier zu wissen!

Zum Inhalt Deines Textes möchte ich eine Kleinigkeit richtigstellen:

Deine Liste der Beispiele aus dem Index ist fehlerhaft. Wie Du Dich hier:

www.davidboeno.org/GROEUVRE/ECRITURE/INDEXM.HTM

überzeugen kannst, stand einer nicht darauf, der sonst zwischen Maurrat und Mayer aufgeführt wäre. Karl Marx kam nicht auf den Index, sondern nur in den Syllabus, d.h. die Kurie positionierte sich dagegen, bedrohte die Lektüre aber nicht mit der Kirchenstrafe der Exkommunikation, was nicht dasselbe ist. Ich will diesen Befund nicht interpretieren, sondern auf die offensichtliche Verwechslung hinweisen.

Und noch ein vielleicht nützlicher Sachhinweis: In meinem letzten Blogbeitrag zum Thema findest Du einen Link auf den Berliner Lehrplan für Ethik sowie auf einen Aufsatz eines Ethik-Dozenten an der FU, der dort die Lehrkräfte für dieses Fach ausbildet - und schließlich eine Zusammenfassung von Äußerungen des Archtitekten dieses Faches in der Berliner Senatsverwaltung.

www.freitag.de/community/blogs/christianberlin/der-baer-im-kreidekreis

Aus dem Inhalt und den Verweisen folgt übereinstimmend:

Der Lehrplan, den Du oben zusammenstellst, ist völlig verschieden vom dem des Faches IN BERLIN (in anderen Bundesländern passt das aber in etwa). Es geht gerade nicht um die Vermittlung von Kenntnissen über Religion(en), dafür sind und werden hier die Ethik-Lehrer nicht ausgebildet.

Ich respektiere, dass Du morgen mit Nein stimmst. Nur wirst Du das, was Du als Sammlung Dir wichtiger verbindlicher Lernziele sehr ausführlich beschreibst, dadurch nicht bekommen.

Einen erheblichen Teil dieser Themenfelder findest Du statt in den Bundesländern, in denen Artikel 7 GG (ohne die Bremer Klausel aus Art. 141) gilt, und zwar parallel sowohl in den Religions- als auch in den (dortigen) Ethik-Lehrplänen - also im ProReli-Modell.

Das musst Du mir nicht glauben, Du kannst es aber anhand der Quellen, die alle im Internet stehen, relativ einfach nachprüfen. ;-)
Ursula Schwarzer schrieb am 25.04.2009 um 17:21
Hallo ChristianBerlin,

danke für die Korrektur zum Index und Karl Marx. Ich hatte nicht im Original recherchiert, sondern in ein Lexikon geschaut. Meine Quelle stammte also aus zweiter Hand, aber ich nahm an, mich darauf verlassen zu können.

Was mich aber wundert, ist , dass Du meinen Blog als "Lehrplan" interpretierst. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, einen Lehrplan zu erstellen, aber ich fühle mich berechtigt, über das zu schreiben, was ich in meinem eigenen Religionsunterricht vermißt habe und welche Wissenslücken ich bei vielen Leuten bemerke. Wenn eine 65-jährige, gläubige Christin im katholischen Milieu noch nie eine eigene Bibel in der Hand hatte, empfinde ich das als Zeichen für ein schlimmes Versäumnis der Schule und der kirchlichen Unterweisung.

Ich glaube einfach nicht, dass die Kirchenvertreter im konfessionsgebundenen Religionsunterricht bereit sind, den Kindern beim Blick über den Tellerrand hinaus behilflich zu sein. Und nach sechs Jahren nach Konfessionen getrenntem Religionsunterricht möchte ich, das junge Atheisten, Christen, Juden, Muslime, Buddhisten usw. sich im gleichen Klassenzimmer gemeinsam ein Bild machen. Dabei erfahren auch zwangsläufig auch etwas übereinande. Das möchte ich. Denn kein Christ wird den jüdischen oder den muslimischen Religionsunterricht besuchen und umgekehrt.
ChristianBerlin schrieb am 26.04.2009 um 09:42
Danke, Ursula,

für die Replik. Was Du willst, verstehe ich sehr gut, schließlich bist Du Protestantin. Dein interkonfessioneller missionarischer Erfolg, eine 65jährigen Katholikin die Bibel im Original vorzustellen, scheint ja irgendwie ein Aha-Erlebnis gewesen zu sein.

Dieses Kuriosum hat eine lange Vorgeschichte. Auf dem Höhepunkt der Ketzerverfolgung in Frankreich stand sogar die Bibel selbst auf einem Vorläufer des Index (mit Ausnahme der Psalmen, die jeder lesen durfte). Luhter wusste sehr genau, was er auslöst, wenn er sie in die Landessprache übersetzt. Sie ist ein revolutionäres Buch, das gerade durch die Mischung an konservativem und emanzipatorischen Tendenzen zur geistigen Sprengfalle werden kann (in die auch der Reformator selbst geriet, als er bemerken musste, dass er den Leu geweckt hatte).

Die Vorsicht, in der Bibel nur Theologen lesen zu lassen, die dem Krichenvolk die Passagen auswählen und gleich die Deutung mitanbieten, gibt es bei Katholiken und Lutheranern weiterhin, während der sog. "linke Flügel" der Reformation, von dem paradoxerweise auch die heutigen Fundis herkommen, sie in- und auswendig kann.

Ich habe mal vor Jahren eine Internet-Community geleitet, zu der mehrere tausend Christen verschiender Konfessionen angemeldet waren. Dort ging es ähnlich zu wie hier, nur unchristlicher. Vor allem die Karholiken, etwa ein Drittel der Anmeldungen, hatten einen schweren Stand, weil sie ihr Ethos aus dem aktuellen römischen Katechismus zum Teil sehr gut kannten, während die Protestenaten meinten, vor allem die Baptisten und Pfingstler, die Antwort auf jede Frage unmittelbar aus der Bibel ableiten zu können. Das führte gelegentlich, nicht immer, zu gegenseitigen Verdammungen, manchmal aber auch dazu, dass junge Katholiken anfingen, die Bibel zu lesen oder Protestanten sich mal in den römischen Katechismus hineinklickten.

In dieser ganz ähnlichen Erfahrung von mir wirst Du sicher wieder eher ein Argument für ProEthik sehen. Nachher - nach dem Gottesdienst - erkläre ich hier gerne noch mal, warum ich die entgegengesetzte Schlussfolgerung daraus ziehe.

LG CB
ChristianBerlin schrieb am 26.04.2009 um 13:16
So, liebe Kollegin, jetzt versuche ich noch mal die angekündigte Conclusio - wobei ich aufpassen muss, dass ich nicht zuviel Datenmüll durch Wiederholungen produziere.

[Zitat Ursula Schwarzer] Denn kein Christ wird den jüdischen oder den muslimischen Religionsunterricht besuchen und umgekehrt. [/Zitatende]

Hättest Du mir die Ehre erwiesen, meinem Link zum Bären im Kreidekreis zu folgen, wäre Dir klar, dass dieser Satz in der Absolutheit schon widerlegt ist. Dort berichte ich nämlich von einem Imam, dessen eigene Kinder nebst weiteren jungen Gemeindegliedern in Mannheim - wo die Wahlpflicht gilt - Ev. Religion gewählt haben. Natürlich hängt das damit zusammen, dass - obwohl legal möglich - kein islamischer RU zustande kam, das Fach ist ja noch relativ neu (das wird auch in Berlin nicht gleich überall der Fall sein - die Schülerzahlen reichen zwar aus, aber die Lehrkräfte fehlen noch). Für sie war aber eigentlich Ethik vorgesehen. Nur dort gefiel es ihnen nicht, weil, wie der Imam sagte, sie "ständig" hätten begründen müssen, warum sie an Existenz Gottes glauben. Übrigens war der Imam stolz darauf, dass mehrere seiner jungen Schützlinge in Reli dann sogar die Bestnote 1 erreichten.

In Mannheim wurden unter seiner Beteiligung auch früher sog. "multireligiöse" Gottesdienste gefeiert (die nach einem Einspruch der Kirchen, den er akzeptiere, so nicht mehr heißen dürfen). Bei einem davon sah er, wie einer seiner Schützlinge sich von Zeit zu Zeit immer die Ohren zuhielt. Er ging zu ihm hin und fragte: "Was hast Du denn? Warum hältst Du Dir die Ohren zu?" "Ich darf mir keine christlichen Lieder anhören, dann komme ich in die Hölle." "Schau her: Ich trage das Gewand und den Turban des Imam, und kenne den Koran ganz genau, was Du sagst, steht nicht da drin. Du kannst mir glauben, keiner kommt in die Hölle, wenn er diese Lieder hört oder singt."

Mit dieser Geschichte begründete der Imam, warum er selbst für ProReli eintritt. Dazu muss man wissen, dass im Berliner Ethikunterricht, wie ich schon sagte, und wie Du im Lehrplan nachlesen kannst, Wissensvermittlung über Religion(en) nicht vorgesehen ist. Das "Wissen" muss von den Schülerinnen und Schülern kommen, wenn sie ihre Standpunkte zu den lebenspraktischen ethischen Fragen des Lehrplans vertreten. Und die sind damit überfordert. Sie stehen entweder ständig in der Defensive gegenüber dem "methodischen Atheismus" des Faches oder sie verbreiten Unsinn über die Normen ihrer eigenen Religionen, wie wir es unter Erwachsenen ständig erleben und gerade in der Diskussion wieder erlebt haben.

[...]
ChristianBerlin schrieb am 26.04.2009 um 13:17
[...]

Dieses Problem ist den Machern des Berliner Ethik-Lehrplans sehr wohl bewusst. Sie wollen ihm durch die "Fensterlösung" abhelfen. Da sollen ausgebildete Religionsvertreter zu Wort kommen und ähnlich Missverständnisse klarstellen, wie das der Imam in der Geschichte tat und einmal ihre Kompetenz in den Grundfragen beweisen, mit denen Schüler/innen i.d.R. überfordert sein könnten (von Erwachsenen ganz zu schweigen).

Ein anderer Plan, den Senator Klaus Böger 2006 sogar persönlich bevorzugt hätte, wäre das umgekehrte Vorgehen, die sog. "Forumslösung" gewesen. Da wären - wie in 13 anderen Bundesländern - Reli und Ethik als Wahlpflichtfächer eingeführt worden und als Berlin-Special gemeinsame Einheiten zur Einübung der Dialogfähigkeit eingebettet worden.

Diese ursprünglich präferierte Lösung fordert nun ProReli, ProEthik ist von der favorisierten Lösung überzeugt. Im Grunde unterscheidet sich beides nur quantitativ: Bei einen liegt der Akzent auf dem Dialog, beim anderen mehr auf der Wissensvermittlung unter Einbeziehung traditioneller Quellen und Themen.

Das, was Du an Lernzielen in Deinem Blog-Beitrag zusammenstellst, ist aber eindeutig Wissensvermittlung über Religion(en), wie sie in traditionellen Ethik und auch Reli-Lehrplänen (dort z.B. unter dem Stichwort "andere glauben anders" ab der 4. Klasse) der Wahlpflichtländer stehen, nur in Berlin nicht. In Ethik geht es um Dialogvermittlung, und in Reli gibt es keinen schulamtlichen Lehrplan, da es sich - anders als anderswo - nicht um ein ordentliches Lehrfach nach Artikel 7 GG handelt (was komplizierte hisorische Gründe hat, aber ursprünglich von den Russen als Erstbesatzern ausging).

Wer erreichen möchte, dass das von Dir umrissene Wissen lehrplanverbindlich in Berlin den Schüler/innen vermittelt werden soll, müsste deshalb ProReli stimmen. Das war meine These, und daran halte ich fest.

Natürlich könnte dieses Wissen auch in einem gemeinsamen Ethikunterricht vermittelt werden - nur müsstest Du dazu eine andere Volksabstimmung initiieren, die einen anderen Rahmenlehrplan als den jetzigen festlegt. Da Du aber offensichtlich meinst, dies würde schon jetzt in Ethik gelehrt, wollte ich Dich darauf hinweisen, dass man auch in diesen Fragen nicht allen Informationsquellen vertrauen kann, sondern wie immer ad fontes gehen muss - dann sieht vieles ganz anders aus.

LG CB
Monika Klug schrieb am 26.04.2009 um 16:53
Ich hoffe sehr, dass sich die Bürger des Landes Berlin die Chance eines gemeinsamen Ethikunterrichts für junge Menschen nicht nehmen lassen. Gerade im Gespräch über gemeinsame Werte werden auch Unterschiede deutlich, vermeintliche Selbstverständlichkeiten, über die man nicht nachdenkt, wenn man über zentrale Fragen des Lebens nur mit Gleichgesinnten redet.
Ursula Schwarzer schrieb am 26.04.2009 um 17:42
Vielen Dank für die Unterstützung, Frau Klug. Ihrer Formulierung veranlaßt micht dazu anzunehmen, dass Sie mit dem "gemeinsamen Gespräch" Erfahrung haben.

Und wenn Sie mir nicht allzuböse sind, würde ich hier gern noch auf die diversen Kommentare Ihres Vorgängers eingehen, weil ich es - vermutlich aus technischer Unerfahrenheit - nicht geschafft habe, ChristianBerlin ein zweites Mal direkt unter seinem Kommentar zu anworten.

Lieber ChristianBerlin, ja es stimmt, es war für mich ein Aha-Erlebnis, dass eine gläubige Christin im katholischen Milieu keine eigene Bibel hat. Das hat mich damals so sehr schockiert, dass ich für die Sendereihe "Katholische Welt" des Bayerischen Rundfunks eine Halbstundensendung über das Leben in der Bibel gemacht habe. Die Katholikin habe ich übrigens nicht zur Bibel "missioniert", ich habe ihr einfach eine geschenkt; und wenn ich sie besuche, lesen wir manchmal gemeinsam darin.

Denn ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Europäer die Bibel kennen sollte, und zwar unabhängig davon, ob er gläubig ist oder nicht. Einfach deswegen, weil die Bibel Grundlage unser Kultur ist.

Ideal finde ich es, wenn jeder außerdem ab und zu mal einen Blick in eine gute Übersetzung der Hebräischen Bibel und des Koran wird. Denn auch sind für mich Grundlagen unserer Kultur.

ChristianBerlin schrieb am 26.04.2009 um 17:42
Das hoffe ich ebenfalls, und ich bin sicher, dass dieser gemeinsame Unterricht - die eigentliche Berliner Besonderheit - erhalten bleibt, auch wenn ProReli gewinnt. Denn im Antragstext steht das ausdrücklich drin, allerdings in Form der sog. "Forumlösung", die der Senator Böger ursprünglich wollte, anstatt in der "Festernlösung", die jetzt gilt.
ChristianBerlin schrieb am 26.04.2009 um 17:44
@Ursula

Liebe Ursula,

ganz meine Meinung. :-)
Monika Klug schrieb am 26.04.2009 um 16:53
Ich hoffe sehr, dass sich die Bürger des Landes Berlin die Chance eines gemeinsamen Ethikunterrichts für junge Menschen nicht nehmen lassen. Gerade im Gespräch über gemeinsame Werte werden auch Unterschiede deutlich, vermeintliche Selbstverständlichkeiten, über die man nicht nachdenkt, wenn man über zentrale Fragen des Lebens nur mit Gleichgesinnten redet.
piiter schrieb am 27.04.2009 um 15:38
Liebe Ursula, glauben Sie wirklich, daß hochmotivierte LehrerInnen gerade im chronisch klammen Berlin den besten Unterricht aller Zeiten gerade im Ethikunterricht hinlegen ?
Entschuldigung, aber zwischen Theorie und Praxis klafft da ein ganz gewaltiger Graben.

... zu den dunklen Seiten der Religionen, nun, auch die den Ethikunterricht befürwortenden Atheisten haben so Ihre dunklen Seiten gehabt, soll das vergessen bleiben ?
Was soll noch alles in den Ethikunterricht hineingepresst werden ?
Was sie so als Forderungskatalog aufstellen klingt eher nach Stabü statt Ethischer Werte.

Last, not least, vielleicht nicht ganz hierher passend, aber trotzdem, @Freitag, ein Lob, Euer Journalismus gefällt mir, vielleicht schafft Ihr ja das, was die taz immer wollte und nie erreichte, ein breites intellektuelles Publikum anzusprechen und nicht dogmatisch zu ideologisieren.
Ursula Schwarzer
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