28.02.2011 | 21:18

Fromm oder frei?

Wegen:

Entweder Broder - Die Deutschland-Safari! (5/5) Fromm oder frei? mit Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad


Journalist Henryk M. Broder und Autor und Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad machen sich für die fünfteilige Reihe "Entweder Broder - Die Deutschland-Safari!" auf eine Autoreise quer durch Deutschland, um die große Integrationsdebatte auf den richtigen Weg zu bringen.
Auf der letzten Etappe ihrer Deutschland-Safari suchen Henryk M. Broder und Hamed Abdel Samad die Antwort auf die Frage aller Fragen: Wer ist Gott? Und was will er eigentlich von der Welt? Gibt es eine Religion, die gut ist, oder kann nur frei sein, wer gottlos lebt? Die beiden hoffen auf Erleuchtung und machen sich auf zu einer religiösen "Tour de Force". Mit von der Partie sind: ein Theologe und Psychiater, der eine Biografie über Gott geschrieben hat, ein katholischer Monsignore, der Autos segnet, ein Priester im "Tempel der Göttin der Liebe", ein Rabbiner, ein Imam und ein atheistischer Welterklärer samt Gefolgschaft. Und eine Burka-Trägerin feiert, im Herbst ihres Lebens, im Sündenpfuhl westlicher Dekadenz ihre neu gewonnene Weiblichkeit.

(ARD/HR, Sendung 3sat, 28.02.2011, 21:00-21:30 Uhr)


For the record:

Broder:  "Religion und Toleranz schließen sich aus" - " Mit jeder Religion kann man den ultimativen Toleranztest machen".

Broder macht diesen Test dann so:

Er geht auf das Münchener Oktoberfest und provoziert vier türkischstämmige Jugendliche damit , dass er seine(n) Begleiter(in) in Burka vollverschleiert am Schießstand mehr fach "Bull`s Eye" schießen läßt.

Als diese Jugendlichen das Burkatragen in Frage stellen wollen, und Broder fragen, warum er das mache, erklärt dieser ihnen "Ich bin Jude!"

Da Jude keine Rasse sondern einen Religion ist, Broder sich zu ihr bekennt, wird er wohl damit auch sein Bekenntnis zur Intoleranz abgelegt haben.

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.02.2011 um 22:16
Fromm (Erich [z.B. "Psychoanalysis and Zen Buddhism") & frei nachdem ich all den Kram hinter mir hab!

Mein lieber UT heutzutage braucht's darum auch keine toitschen Mikroanalytiker im Integrationskosmos: Frau Hilton, bekannt als Paris Hilton, ist gerade zum Islam konvertiert und sagte ganz aufgeregt: "Vergessen Sie Scientology oder Kaballah. Das ist die Religion die ihr kennenlernen müsst. Ich werde es nun nicht mehr wagen ein Stück rotes Armband am Handgelenk zu tragen, oder herumlaufen wie ein Roboter um zu reden Xenu. Islam ist die neue "Must-Have Religion" und ich werde das Wort des Koran über die ganze Welt verteilen ". Der Gutte, der nicht zurücktreten wird, wird sicher auch bald der Luftwaffe fliegende Teppiche verkaufen.
Uwe Theel schrieb am 01.03.2011 um 00:27
@ sachichma am 28.02.2011 um 22:16

Lieber Sachichma,

willst Du damit sagen, Broder sei genauso durchgeknallt wie die Hilton? - Die hat doch nie anders gesprochen, wird nie anders sprechen als wie ein Roboter, der zu Xenu spricht.

lg
uwe
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 12:56
Ne, UT, die behauptet ja das genaue Gegenteil, nämlich das Religion gut sei während Broder eben die Toleranz von Religionen in Frage stellt.

Aber das der Gutte nun doch zurück getreten ist lässt Hoffnungen aufkommen...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 12:56
Ne, UT, die behauptet ja das genaue Gegenteil, nämlich das Religion gut sei während Broder eben die Toleranz von Religionen in Frage stellt. Es ist nur ein Hinweis wie manche sich für ein Thema vermarkten...

Aber das der Gutte nun doch zurück getreten ist lässt Hoffnungen aufkommen...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.02.2011 um 23:14
@Theel
Selten so einen Unsinn gelesen. Fast nichts von dem, was Sie schreiben, ist richtig.
Broder hat nicht "vier türkischstämmige Jugendliche" "provoziert". Broder selbst ist - in Begleitung von Hamed Abdel Samed, als Bayer verkleidet - in einer Burka verkleidet über das Oktoberfest gelaufen. Davon hat sich - so wird es in der Serie jedenfall behauptet - niemand provoziert gefühlt, bis auf eben jene vier türkischen Jugendliche.
Zu einer Provokation gehören bekanntlich immer zwei Seiten. Und entscheidend ist diejenige Seite, die sich provoziert fühlt. Choleriker z.B. fühlen sich ständig provoziert und religiöse Fundamentalisten deutlich häufiger als Atheisten oder tolerante Evangelen - o.k., Sie mögen da vielleicht eine Ausnahme bilden.

Nehmen wir mal an, Ihre These, "Jude" sei ausschließlich eine Religion, würde zutreffen - sie trifft natürlich nicht zu, wofür Broder, der mit Religion nichts am Hut hat, der lebende Beweis ist.
Wieso ist es dann ein "Bekenntnis zur Intoleranz", wenn Broder als Jude mit der Burka herumläuft? Wenn es ihm seine Religion (oder sein Zugehörigkeitsgefühlt zum wie auch immer gearteten Judentum) doch gebietet? Wenn Musliminnen es schick finden, Burka zu tragen, dann ist es doch höchst intolerant, ihnen das madig zu machen oder gar verbieten zu wollen, nicht wahr?
Warum sollten für Juden andere Maßstäbe gelten?
Uwe Theel schrieb am 28.02.2011 um 23:21
@ derDonnerstag:

Das

"Nehmen wir mal an, Ihre These, "Jude" sei ausschließlich eine Religion, würde zutreffen - sie trifft natürlich nicht zu, wofür Broder, der mit Religion nichts am Hut hat, der lebende Beweis ist."

ist mehr als hanebüchener, das ist entlarvender Unsinn.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 00:22
@Theel
Erklären Sie das doch bitte Broder. Der sagt selbst von sich, nicht gläubig zu sein und bezeichnet sich dennoch als Jude.
Uwe Theel schrieb am 01.03.2011 um 00:34
Gehts noch?

Sicher sagt Broder das, und Sie haben ihm zugestimmt, während ich den Unsinn, bzw. die Konsequenz seiner Rede und Argumentation auswies. Was also sollte ich Broder noch sagen, was ich nicht bereits auf ihn bezogen gesagt hätte?

Sie haben sich den Schuh im übrigen selbst angezogen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 00:46
Habe ich. Da muss ich Ihnen ausnahmsweise zustimmen. Sie können aber auch gerne mal Noam Chomsky fragen. Oder lesen Sie mal den ersten Satz des Wikipedia-Eintrags "Juden":
"Als Juden (hebr. יְהוּדִים‎, transliteriert Jehudim) bezeichnet man sowohl die Angehörigen des jüdischen Volkes als auch der jüdischen Religion."

Ja, so ist das, auch wenn es Sie als Weltbürger, der keine Völker, sondern nur Klassen kennt, schmerzen mag.
Uwe Theel schrieb am 01.03.2011 um 01:32
Nehmen wir die Wikipediadefinition für den Augenblick an. Dann wäre sie zu überprüfen an der Genese des Begriffs. M.W. begriff sich das "auserwählte Volk" als Volk der Juden über den Gottesglauben. Also wäre Jude als Name für den Angehörigen dieses Volkes nur abgeleitet und er verlöre die Bezeichnung, den wesentlichen gehalt mit der Abwendung vom Glauben.

Abgesehen davon: Welchen Grund sollte Broder gegenüber einem Muslim haben, sich als Jude zu bezeichnen, wenn er - Broder - selbst nicht gläubig ist. Für den Muslim ist er in jedem Fall - bei gewisser Koranauslegung - ein "Ungläubiger". Da Broders Argument, sich aber genau auf Frommsein und Freisein bezog, wäre es sinnlos gewesen, sich auf den reinen "Volksbegriff" *) Jude zurückzuziehen, der seines religiösen Gehaltes beraubt sei.

Ich bin sicher, Broder würde argumentieren wie Sie. In er Sendung hat er mit dem scheinbaren "Versprecher" aber nur sein armseliges, ideologisches, hohles Gedankengebäude entlarvt. Broder ist weder (irgend)ein Glaube noch das Politikum Israel von Bedeutung. Er provoziert nur im eigenen, bornierten Interesse, macht sich damit gewissen Kräften dienlich, was diese ihm lohnen.

*) P.S.: Vom Volksbegriff zu völkischen Begriffen ist es oft nur ein kleiner Schritt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 01:34
Wenn Günter Wallraff sich als Farbiger verkleidet und so die Ausländerfeindlichkeit der Deutschen entlarvt, gibts natürlich Applaus. Wenn Henryl M. Broder sich eine Burka überstreift und so die Intoleranz von türkischen Jugendlichen aufdeckt ist das natürlich zu verurteilen.

Uwe Theel schrieb am 01.03.2011 um 01:43
@ Mandelbrot am 01.03.2011 um 01:34

Das wüßte ich schon gernen genauer: Wo entlarvt Broder hier welche Intoleranz der türkischen Jugendlichen?

Broder ließ durch Schnitt und überlagerte Tonspur im Dunklen worüber sich die Türken aus welchen Gründen empörten. Ich hatte mehr den Eindruck, die Türken empörten sich darüber, dass da eine vermeintliche Frau in der Burka herumlief, was sie womöglich als unmodern empfanden. Als Broder sich dann als Mann und Jude entdeckte, hätte sich wohl jeder Muslim mindestens über diese Geschmacklosigkeit mit guten Gründen empören können.

In beiden Fällen aber wäre das bei den Jugendlichen keine Intoleranz gegenüber Broder gewesen, schon gar keine aus religiösen Gründen, gerade, wenn das Tragen der Burka religiöse Pflicht wäre.
barshai schrieb am 01.03.2011 um 09:08
@Uwe Theel

"... Broder ließ durch Schnitt und überlagerte Tonspur im Dunklen worüber sich die Türken aus welchen Gründen empörten ...."

DAS IST JA EMPÖREND!

Ich überlege jetzt nur noch WAS und da meine Stärken ja offenbar mehr unterhalb, als oberhalb der Gürtellinie liegen, wenn ich Ihre diversen Einschätzungen meiner Person richtig deute :-), dauert es wohl noch etwas bevor ich es weiß:

A) Ich finde das/den UT-Blog empörend, weil er "ungenau darstellt" (ich habe die Sendung auch gesehen) "und interpretiert, statt zu analysieren"?

B) Ich finde Henryk M. Broder empörend, weil er respektlos und entlarvend mit den heiligen Kühen mancher Mitbürger/innen, den Religionen umgeht?

C) Ich finde die Reaktionen auf Broder empörend, weil sie "von Intoleranz und Arroganz (gegenüber dem Atheismus) geprägt sind"?

Und schon bin ich wieder weg (Prinzip Möwe: Kurz einfliegen, den Anwesenden auf den Kopf k..... und wieder wegfliegen).

@Online-Redaktion
Wenn sich die Redaktion sich doch bitte endlich entschließen könnte, meine E-Mail aus dem Januar !!! zu bearbeiten und meiner Bitte um Löschung des Accounts nachzukommen, käme ich nicht mehr in Versuchung "besonders schwache Blogs" zu kommentieren :-)

Gruß und Kuss
barshai
Rahab schrieb am 01.03.2011 um 09:25
oh weh!
der erste zwangs-freitagsianer hat sich geoutet

aber, mann beachte:
statt ihn zu verbrennen wird seine kon-version einfach nur ignoriert

na so was!
Uwe Theel schrieb am 01.03.2011 um 23:16
@ barshai am 01.03.2011 um 09:08

»Das ist eine Versuchung, sagte der Dorfprediger und erlag ihr.« *)

*) (B.Brecht, "Mutter Courage")
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 10:38
@Theel
Extra für Sie habe ich die Szene ausgegraben. Siehe ab 0:57 und ca. 1:35.

Rahab schrieb am 01.03.2011 um 10:42
die, wo der rebbe dem broder erklärt, dass er ein (guter) jude sei, weil er trotz seiner frageritis die einheit g'tes nicht in frage stelle, fand ich viel hübscher!
Rahab schrieb am 01.03.2011 um 10:44
noch ne anmerkung:

wir sind broder zu tiefem dank verpflichtet, denn er hat den nachweis geführt, dass eine vollverschleierung die darunter steckenden nicht darin behindert, was auch immer zu tun
sogar schießen geht!
Uwe Theel schrieb am 01.03.2011 um 20:05
@ derDonnerstag am 01.03.2011 um 10:38

Vielen dank für die Möglichkeit die Szenen noch einmal ansehen zu können.

Und jetzt auch nochmal langsam zum Mitschrieben für Sie:

Mein Ausgangspunkt war eine Doppelzitat von Broder, das er kurz vor dem Beginn des o.a. Aufnahmeteils machte:



Dann wandert Broder, um den "Toleranztest" zu machen als Burkamädchen über das Oktoberfest und wird komplett in Ruhe gelassen. Bis dahin ist er grandios gescheitert: Die katholischen Bayern tolerieren die ganzkörperverschleierte Muslima.

Dann trifft er auf einen deutschtürkischen Jugendlichen, der fragt, was das soll. Broder fragt jetzt nicht zurück, was der Jugendliche damit meine, sondern erklärt ihm, er mache einen religiösen Toleranztest ("Wir machen eine Demonstration für religiöse Toleranz."). Wie soll der Türke das bitte verstehen?

Er kann nur annehmen, das Broder ihn testen wolle, ob er es ertrüge, wenn jemand mit der Burka in Deutschland öffentlich aufträte.

Wenn der Jugendliche jetzt fragt "... gegen Islam also?", so reflektiert dieser dabei genau die öffentliche Mehrheitsmeinung der Deutschen: Der Islam müsse so tolerant sein, dass er akzeptiert, dass in Deutschland keine Burka getragen werden soll. Er kann sich nicht vorstellen, dass Broder für Toleranz der Deutschen gegenüber der Burka würbe, was Broder ja auch nicht tut, Broder will blind provozieren und hofft auf den antisemitschen Reflex. Dass der Jugendliche von der Tatsache, dass da ein Mann in Burka über das deutsche Oktoberrfest läuft, um für religiöse Toleranz (bei Christen oder Moslems ????) zu demonstrieren, verwirrt ist, müsste einleuchten - unter Erwachsenen wäre hier mindestens eine Geschmacklosigkeit schon entdeckt worden. Also fragt er, welcher Religion Broder eigentlich sei und erhält zur Antwort: "Jude". In diesem Kontext kann nur der Religionsangehörige nicht der "Volksangehörige" gemeint sein.

Spätetens hier wird die Falschheit ja Perfidie von Broders "Experiment" deutlich: Als Nichtgläubiger expediert er seine Intoleranz gegenüber Moslems indem er vorgibt gläubiger Jude zu sein, der für Religiöse Tolenz eintritt, die er Gläubigen à prori nicht zubilligt.

All das kann der Jugendliche nicht wissen, also wittert er einen Affront gegen die eigene Religion und gibt die Parallele des 11. September als Beispiel, wo seiner Meinung nach "die Juden" ein perfides Spiel mit dem Moslems getrieben hätten und verteidigt seine Religion, auch gegen die Anmaßung Broders, die er mindestens spüren kann. Broder provoziert den Jugendlichen dann noch, indem er ihn über dessen "abwesende" Schwester befragt. Was die "korantreue" Haltung des Jugendlichen über dessen Intoleranz gegenüber anderen Religionen aussagen soll, diese Begründung bleibt Broder natürlich schuldig.

Fazit: Broder demonstriert weder für religiöse Toleranz, Toleranz des religiösen Menschen, noch testet er diese. Er provoziert nur eine Situation, in der jemand etwas kritisches über die Juden sagte. Selbst da, wo diese Kritik ohne religösen Hintergrund den politischen Staat Israel meint (Fall "11.09."), wendet Broder es als religiös-antisemtischen Vorwurf um seinem Antislmismus intolerant zu leben.

Warum verteidigen Sie - (derDonnerstag) - Broder und seine unlauteren Methoden?
Uwe Theel schrieb am 01.03.2011 um 20:11
corrige erratum:

Mein Ausganszitat von Broder ist i.o.a. Kommentar verlorengegangen; hier wird es nachgeliefert:

Broder: "Religion und Toleranz schließen sich aus" - " Mit jeder Religion kann man den ultimativen Toleranztest machen".
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.03.2011 um 01:14
@Uwe Theel
O.k., sicher hätten die meisten - mich eingeschlossen - erst mal blöd aus der Wäsche geguckt, wenn ihnen auf der Oktoberfest ein dicker Mann mit Burka erzählt, er werbe für religiöse Toleranz. Wenn Sie so wollen, können Sie das gerne als Provokation werten. Sie halten Sie für illegitim, ich für legitim, wenn auch - wie häufig bei Broder - sehr brachial.

Was die Bewertung der Reaktion des Wortführers unter den Jugendlichen betrifft, kann ich Ihnen jedenfalls nicht folgen. Klar, es gab da einen Schnitt und wir erfahren nicht, ob Broder ihn eventuell mit irgendwelchen weiteren "Provokationen" zum Thema 9/11 hingelenkt hat. Aber selbst wenn ..., wollen Sie ernsthaft behaupten, seine Äußerungen dazu seien nur "israelkritisch", aber keinesfalls als antisemitisch zu werten?
Einfach mal zu behaupten, "die Juden" (nicht: "Israel" oder "der Mossad") hätten die Anschläge gemeinsam mit den Amis ausgeheckt, könnte man vielleicht noch so gerade als "israelkritisch" durchgehen lassen - obwohl ich unter Kritik etwas anderes verstehe, als einfach mal irgendwelche üblen Beschuldigungen vom Stapel zu lassen.
Aber dies mit dem verschwörungstheoretischen "Beweis" zu begründen, "die Juden" seien gewarnt worden und deshalb seien keine Juden im WTC gewesen und - noch viel blöder! - es seien besonders viele Moslems unter den Opfern gewesen, deutet m.M.n. schon auf den blinden Glauben an althergebrachte Stereotypen hin.
Glaubt dieser Jugendliche vielleicht, "die Juden" hätten vorher extra viele Muslime ins WTC gekarrt? Wie soll das gehen?

Alleine schon die Vorstellung, "die Juden" hätten gemeinsam mit den Amis in den USA ein Verbrechen dieser Größenordnung begangen, kann nur in kranken Köpfen gedeihen. D.h. in Köpfen, die von der Krankheit des Antiamerikanismus und Antisemitismus und dem Glauben an die "jüdische Weltverschwörung" befallen sind.
Entweder glaubt der Jugendliche, die Amis hätten ohne die Hilfe "der Juden" die Anschläge nicht durchführen können oder - was wahrscheinlicher ist - "die Juden" seien die Drahtzieher, die die Amis überredet hätten, ca. 3000 amerikanische Staatsbürger umzubringen. Und nebenbei möglichst viele Muslime ... Das alles nur, um den (in der Tat verlogenen) "Krieg gegen den Terror" bzw. (aus seiner Sicht vermutlich) den Krieg gegen die Muslime bzw. den Islam zu rechtfertigen.
Ich weiß nicht, wie man darin keinen Antisemitismus erkennen kann.

Wieso Broder sich in dem betreffenden Beitrag "antiislamisch" gezeigt haben soll, müssten Sie mir ebenfalls näher erläutern. Vermutlich findet er Burkas nicht so toll und hält es auch für keine gute Idee, dass unverheiratete muslimische Frauen von ihren Brüdern zwecks Bewahrung der "Familienehre" tyrannisiert werden.
Meinen Sie, diese beiden Aspekte gehörten zu "dem Islam" unabdingbar dazu? Wer also gegen Burkazwang, Zwangsheirat und generell die Unterdrückung von Frauen - unter Muslimen - ist, ist "antiislamisch"?
Interessanterweise bezeichnet sich Broders Mitreisender Abdel-Samad selbst immer noch als Moslem. Offensichtlich sieht er das etwas anders.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 10:56
@Theel
"Ich hatte mehr den Eindruck, die Türken empörten sich darüber, dass da eine vermeintliche Frau in der Burka herumlief, was sie womöglich als unmodern empfanden."

Um diesen Eindruck zu gewinnen, muss man es schon ganz dringend und unbedingt wollen.

Da ich Sie nicht für komplett blind oder wahrnehmungsgestört habe, muss ich davon ausgehen, dass die Szene, über die Sie sich hier ausgelassen haben, gar nicht gesehen haben. Daher eine kurze Zusammenfassung:
Die Jugendlichen wundern sich (natürlich) über Broders Aufzug. Einer fragt: "Was machen Sie hier?" Darauf Broder: "Wir machen eine Demonstration für religiöse Toleranz." Darauf der Jugendliche: "... gegen Islam also?!" (Vermutlich hat er in der Schule nicht gelernt, was dieses komische Fremdwert "Toleranz" bedeutet).
Dann fragt der Jugendliche die beiden, welchem Glauben sie angehören. Als Abdel-Samad sagt, "Moslem", reagiert er ungläubig. "Moslem ...?... und Sie trinken Bier?"
Broder sagt wahrheitsgemäß, er sei Jude. Was Sie, Theel, damit für ein Problem haben, erschließt sich mir nicht. Mögen Sie keine Juden?

Der Jugendliche erzählt dann Broder und Abdel-Samad ungefragt seine Theorie vom 11. September. Ganz ähnlich wie der Mainstream in dieser Community, ist er davon überzeugt, "George Bush und die Juden" hätten die Attentate geplant. Denn es war ja "kein einziger Jude in diesem Haus." Aber, so sekundiert einer der anderen Jugendlichen, "in dem Haus waren haufenweise Muslime, die gestorben sind."
So wie immer: Juden = Tätervolk; Muslime = unschuldige Opfer.
Dass ganz normale türkischstämmige Jugendliche an solche antisemitischen Verschwörungstheorien glauben, ist für Sie wohl keine Provokation.

Interessant auch, die Reaktion des Jugendlichen auf Broders Frage, ob er Schwestern habe und warum die nicht hier seien. Die vielen Besoffenen würden sie sonst begrapschen. Was sie nicht wegen der Schwester selbst stört, die das womöglich nicht gut fände, sondern aus rein egoistischen Motiven: "Wir haben kein Bock, dass sie keine Ehre hat. ... Sie wollen doch keine Frau heiraten, die keine Jungfrau ist."

Wenn, sagen wir mal, Günter Wallraff auf dem Oktoberfest in Burka unterwegs gewesen wäre und irgendwelche katholischen Bayern dieselben Aussagen getätigt hätten, wo hätten Sie da wohl die Provokation verortet?
Rahab schrieb am 01.03.2011 um 11:05
ich möchte die redaktion bitten, diesen part aus derDonnerstag vom 01.03.2011 um 10:56 zu entfernen

"Ganz ähnlich wie der Mainstream in dieser Community, ist er davon überzeugt, "George Bush und die Juden" hätten die Attentate geplant. Denn es war ja "kein einziger Jude in diesem Haus." Aber, so sekundiert einer der anderen Jugendlichen, "in dem Haus waren haufenweise Muslime, die gestorben sind."
So wie immer: Juden = Tätervolk; Muslime = unschuldige Opfer.
Dass ganz normale türkischstämmige Jugendliche an solche antisemitischen Verschwörungstheorien glauben, ist für Sie wohl keine Provokation."

er bedient unter dem vorwand, antisemitismus zu bekämpfen, völkisches (herrschafts-)denken
arbeitet mit unterstellungen
und ist ungefähr so valide wie die Guttenbergsche dissertation
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 11:12
Ach ja? Wer Aussagen zitiert, die Rahab nicht in den Kram passen, bedient "völkisches Herrschaftsdenken"?
Das ist natürlich gar keine Unterstellung, nicht wahr?
Rahab schrieb am 01.03.2011 um 11:18
das ist eine bewertung dessen, was du dir als bewertung über
vier "türkisch-stämmige" jugendliche
die hier bloggenden allgemein
und UT im besonderen
erlaubst
und das anhand eines zusammengeschnittenen filmchens

du kannst meine bewertung aber gern widerlegen.

ich befasse mich dann damit, wenn ich vom schlingentisch zurück bin
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2011 um 11:33
Oh, habe ich doch tatsächlich, ganz wie Theel, von "türkischstämmig" gesprochen. Richtig muss es natürlich "Jugendliche oder heranwachsende, wahrscheinlich als männlich deklarierte, Menschen mit türkischem Migrationshintergrund".
Rahab schrieb am 01.03.2011 um 12:47
migrationshintergrund?

du meinst sicherlich vibrationshintergrund
also: den vibrator in deinem kopf
oder?
Uwe Theel
ut
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