03.09.2011 | 17:44

Whistleblower - Wer schützt Wen?

Ich habe da mal eine ganz unverschämte Frage, mindestens for the sake of the argument:

Was soll eigentlich die scheinbar zentrale Frage nach dem gewährleisteten, bzw. nicht mehr gewährleisteten Schutz der Informanten im Zusammenhang mit der sogenannten Datenpanne, von der ich sowieso nicht glaube, dass es eine Panne war?

Die unredigierten "Kabel" sind "Eigentum" der USA. Die USA gehen via ihrer Geheimdienste und dem Milität weltweit in keiner Weise mit dem von ihnen selbst gewonnen Material so um, dass sie in jedem Fall ihre Informanten unter allen Bedingungen schützen würden. Im strategischen, oder auch nur taktisch lokalen Interesse der USA würde und wurde noch jeder Informant, von denen über die informiert wird gar nicht zu reden, im Eventualfall "final" geopfert, wenn "es sein mußte".

Die USA hielten, halten diese Kabel nicht geheim, um ihre Informanten zu schützen, sondern um Ihre Aktionen gegen, was auch immer es im Einzelfall sei zu schützen, dies um praktisch jeden Preis.

Dieser Aspekt wird in den Blogs  überhaupt nicht diskutiert.

 

Der Freitag unterstützt Domscheit-Berg, z. B. so

Steffen Kraft

Was Misstrauen schafft

Da wird immer munter davon ausgeangen dass Assange und Domscheit-Berg aus "persönlichen Gründen" hinsichtlich  Fragen des Datenschutzes sich entzweit hätten, als ginge es um gewöhnliche Geschäftsdaten.

Für mich wären im gegegeben Zusammenhang Fragen wie

  • Schützt uns ein Staat mit seinen Geheimdiensten wirklich?
  • Was sollte das Volk wissen, was nicht?
  • Warum darf das Volk nicht mehr wissen?
  • ...


politisch brisant.

Von den USA erwarte ich, verdammt nochmal, dass sie jetzt Ihre enttarnenten Informanten zur Abwechslung einmal wirklich schützt.

Ansonsten empfehle ich zur Lektüre

"The Spy Who Came In From The Cold" by John le Carré

oder aktueller:  blog.fefe.de/?ts=b09e06e9,

dort den fünften Eintrag unter Fri Sep 2 2011

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Dabularasa schrieb am 03.09.2011 um 18:25
Sehr guter Ansatz.Danke

Die USA ist hier tatsächlich in der Pflicht.
Warum?
Nun,die Informanten haben eine Form der Geheimdiensttätigkeit ausgeübt.
Die Übertragung und Nennung von Klar-namen (über das Cable-Netzwerk) ist reiner Dilettantismus des dortigen Außenministeriums.
Bei brisanten Informationen/Informanten geht jeder fähige Nachrichtendienst wie folgt vor.
Anwerbung des Informanten.
Zuteilung eines Decknamen.(Deckname wird in Protokoll-Daten verwendet)
Ein Zusammenhang zwischen realer Person und Deckname kann nur mit Hilfe einer vom Cable-Netzwerk- System unabhängigen Datenbank erfolgen.
Hätte das Außenministerium Grundlagen des Nachrichtendienstes beherzigt wäre mit einer zufälligen Veröffentlichung eine Gefährdung ins leere gelaufen.
Daher -> ist die USA in der Pflicht die Informanten zu schützen.
Rosa Sconto schrieb am 03.09.2011 um 23:07
John Carre müsste auf iPod 2.0 upgraden. Das hier genau die wirklich wichtigen Fragen nicht diskutiert werden hat wohl eher damit zu tun das beim Freitag gepoppt oder gepennt wurde.
Uwe Theel schrieb am 03.09.2011 um 23:37
@ Rosa Sconto schrieb am 03.09.2011 um 23:07

ok, ok, ich bin ein Literaturmensch, aber das Update ist oben schon eingestellt ;-):

blog.fefe.de/?ts=b09e06e9,

dort den fünften Eintrag unter Fri Sep 2 2011
Rosa Sconto schrieb am 03.09.2011 um 23:11
Der Freitag schützt DomscheitBerg. Das ist klar. Der Redakteur weil der Redakteur blauäugig war oder gepopped oder gepennt hat. Auch der Herausgeber, aber da ist wohl eine andere Geschichte.
Joachim Petrick schrieb am 07.10.2011 um 21:50
@Uwe Theel

"Die unredigierten "Kabel" sind "Eigentum" der USA"

Soweit, so hinreichend richtig.
Jetzt, da diese Inhalte veröffentlicht sind, ist der Inhalt , der über diese Kabel gepostet wurde, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen, von weltweit Öffentlichem Interesse, samt Klageanspruch gegen Mitarbeiter/innen von US- Geheimaktionen und Geheimdiensten und diese selbst vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Mit unbedingt notwendigen Schutzrechten von Whistleblowern hat das nichts zutun.

Meine Frage ist eine andere:

Schützt uns unser Staat absichts- wie wirkungsvoll vor amtlichen Übergriffen, gar Verbrechen staatlicher und staatsnaher Dienste, samt privat verdeckt ausgelagerten Subunternehmen?
Uwe Theel schrieb am 07.10.2011 um 22:57
@ Joachim Petrickam 07.10.2011 um 21:50

a) Von "öffentlichem Interesse" waren die Kabel schon, als sie noch im geheimen Besitz der USA waren.

b) Der Internationale Gerichtshof ist von den USA nicht wirklich anerkannt, da diese mit dem Connally-Vorbehalt eine Einschränkung der von 1946 bis 1986 geltenden Unterwerfungserklärung der Vereinigten Staaten formulierten , dass die Anerkennung der Gerichtsbarkeit des IGH durch die USA nicht gelten sollte für Angelegenheiten, die nach Auffassung der USA der Zuständigkeit ihrer nationalen Gerichte unterliegen würden. Darüberhinaus ließen die USA 1984 erklären, dass das Gericht im Fall „Militärische und paramilitärische Aktivitäten in und gegen Nicaragua“ nicht zuständig sei, da eigene Sicherheitsbelange einer Anerkennung des Urteils entgegenstünden. (Quelle Wikipedia). Da ist also de facto und de jure keine Jurisdiktion.

c) Whistleblower gnießen den selben Schutz der Freiheits- und menschrechte, wie jeder mensch, sofern die politischen Machtverhältnisse diese nicht realiter einschränken, aber keinen unbedinkteren als andere. Sofern sie Jpurnalisten, Ärzte, Geistliche sind gelten die dort geltenden Sonderregelungen des Zeugnisverweigerungsrechtes.

d) Genau Deine "andere Frage" habe ich in meinem Blogtext gestellt und in meinem Sinne beantwortet.
Uwe Theel
ut
Ort:
janz weit wech von Berlin
Mitglied seit:
2 Jahre 17 Wochen
Zuletzt aktiv:
02.06.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 9
Kommentare: 5135
Logbuch
23:40
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:39
Theda hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:39
Dreizehn hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:22
Urmel auf dem Eis hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:19
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
David Foster Wallace Das hier ist Wasser Kiepenheuer & Witsch 2012

64 Seiten. Kartoniert.

4,99
 
David Foster Wallace wurde 2005 darum gebeten, vor Absolventen des Kenyon College eine Abschlussrede zu halten. Diese berühmt gewordene Rede gilt in den USA mittlerweile als Klassiker und Pflichtlektüre für alle Abschlussklassen – eine kleine Anleitung für das Leben, die man jedem mit auf den Weg geben möchte >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Die grüne Guerilla

Ausgabe 22/2012
31.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG