Ulrike Winkelmann

Blog von Ulrike Winkelmann

26.03.2011 | 19:35

Erneut erneuert: Die Anti-Atom-Bewegung

 

Man habe noch einmal nachgezählt, so die Pressemitteling dann am Nachmittag kurz vor vier: Nicht 210.000, sondern 250.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien bei den größten bislang gewesenen Anti-Atomkraft-Protesten der Republik gewesen: 120.000 Demonstranten in Berlin, 50.000 in Hamburg, in Köln und München jeweils 40.000.

Dies sei „nur der Auftakt für eine neue starke Anti-AKW-Bewegung“, verkündete Jochen Stay, Sprecher von ausgestrahlt, wobei der Takt der neu ausgerufenen Bewegungen sich in den letzten Jahren zusehends verdichtet hat – die letzte neue Bewegung datiert vom vergangenen Herbst.

Gemeinsames Motto am 15. Tag nach der japanischen Katastrophe und am 14. Tag nach der Explosion im AKW Fukushima Daiichi, die auch in der deutschen Bundesregierung zum Umdenken führte: „Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten". Aufgerufen hatten sämtliche atomkritische Bewegungen von ausgestrahlt über Campact, BUND, Attac und so weiter.

Plötzlich hatte auch die Forderung nach dem sofortigen Ausstieg den nüchternen Klang puren Realismus'. Schließlich wird im Rahmen des so genannten Moratoriums im Mai der Großteil des deutschen Atom-Kraftwerkparks vom Netz gehen, ohne dass bislang jemand angekündigt hätte, dafür müsse jemand im Dunkeln sitzen.

Auch die verschiedenen Strahlenschutz- und Atomkraftexperten der Republik, die in den vergangenen zwei Wochen die Talkshows bevölkerten, nennen mittlerweile Jahreszahlen für ein mögliches endgültiges Abschalten, die den Vorkämpfern des rot-grünen Atomausstiegs die Tränen in die Augen treiben dürften. Das Atomausstiegsgesetz, das Anfang 2002 schließlich - und auch da noch unter größtem Protest der unionsregierten Ländern - den Bundesrat passierte, sah rechnerische Laufzeiten bis 2021 vor.

An allen Demonstrationsorten mischten sich Vertreter von SPD, Grünen und Linkspartei in die Züge, durften jedoch nicht auf den Bühnen reden. In der Anti-Atom-Szene hatte es Unmut darüber gegeben, dass die ersten Protestaktionen  vor zwei Wochen im Fernsehen so wirkten, als wären sie bloß Kulisse für wahlkämpfende Spitzenpolitiker.

Die Redner des Anti-Atom-Bündnisses erklärten in verschiedenen Versionen, Angela Merkel täusche sich, wenn sie hoffe, mit drei Monaten des „Nachdenkens“ und dem Einsetzen von Kommissionen die Bevölkerung beruhigen zu können. Die Anti-Atom-Bewegung werde auch weiter für die Abschaltung jedes einzelnen Reaktors kämpfen: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn nach Ende des Moratoriums jetzt abgeschaltete AKW wieder ans Netz gehen“, hieß es nachher in der Presseerklärung.

Ihre eigene Atomveranstaltung beging derweil die Kanzlerin auf der Abschlusskundgebung des CDU-Wahlkampfs in Rheinland-Pfalz. Nachdem Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zuletzt mit relativ deutlichen Worten öffentlich zitiert worden war, wonach das dreimonatige „Moratorium“ dem Druck im Wahlkampf zuzurechnen und „Entscheidungen daher nicht immer rational seien“, sah Merkel sich nun genötigt, den Vorwurf des Wahlkampfmanövers zurückzuweisen. „Das ist einfach der gesunde Menschenverstand, den wir da anwenden", sagte sie in Trier.

Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz morgen werden Merkel sicherlich einen Hinweis darauf geben, welche Einschätzung die Wähler davon haben.

 
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Kommentare
Magda schrieb am 26.03.2011 um 21:38
Hoffen wir das Beste, dass es so kommt.
iDog schrieb am 26.03.2011 um 22:07
klasse artikel ... leider ist hier in Frankreich dagegen tote hose ... wir waren zu 140 auf der demo letzen samstag ... selbst in paris haben sich zum gleichen "event" nur 1000 leute gefunden, die was verstanden haben und das auch zeigen wollten. wenn deutschland ein zeichen setzten könnte, waere das sicher der beste anfang ... und auch sackrosy muesste mal ein wenig die hosen runterlassen. tatsache ist leider, dass frankreich praktisch der atomlobby gehoert. sarkozy ist deren manschurian cadidate , nicht mehr als ein aufgelbalsener knallcharge.
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