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»Schatz, was muss ich tun, dass du mich mal vergewaltigst?«
»Wieso? Bist du nicht mehr zufrieden mit mir?«
»...!«
»Wie meinst du das denn?«
»Vielleicht so lange keinen Sex mehr, dass du's nicht mehr aushälst.«
»Na ja, dann kann ich dich ja immer noch nicht vergewaltigen, weil du nach so langer Pause auch total geil sein wirst. Denke ich doch, oder?«
»...!«
»...?«
»Ich will einfach nur authentisch sein, wenn ich meiner Freundin erzähle, dass du immer so komisch guckst, wenn ich nackt bin.«
»Ach wirklich? Ist mir nicht aufgefallen.«
»Doch, doch. Du müsstest dich sehen.«
»Wenn ich vielleicht einfach nur mit dir schlafen will.«
»Das ist ja gerade, einfach nur mit mir schlafen! Und wenn ich nicht will?«
»Ich wüsste jetzt nicht, dass wir uns da nicht immer gegenseitig verstanden hätten.«
»Denkst du vielleicht.«
»Wie bitte??«
»Da staunst du, nicht!!«
»Und warum hast du dann nichts gesagt?«
»Eben: Ihr denkt immer, wir wollten immer!«
»Ich soll also immer erst fragen?!«
»Dass du das fragen kannst!«
»Bisher war ich mir eigentlich sicher, dass du selber auch willst, wenn du nichts sagst.«
»Das dachte ich auch. Aber ihr Männer bringt uns ja permanent in die Situation, ›Nein‹ sagen zu müssen. Hast du überhaupt 'ne Ahnung, wie nervig das ist!«
»Jetzt versteh ich überhaupt nichts mehr. Wieso IMMER ›Nein‹?«
»Weil eben mein Körper mein Ding ist und das heißt grundsätzlich, dass ich entscheiden MUSS, sonst geht garnichts.«
»Das, meine Liebe, ist nun aber DEIN Problem.«
»Jetzt pass mal gut auf: Ohne dich käme ich erst mal überhaupt nicht in die Situation! Und da willst du dich rausziehen? Beziehung!! - Schon mal drüber nachgedacht??«
»Ich versteh immer noch nicht die Frage, ob ich dich nicht mal vergewaltigen soll.«
»Ich will eigentlich nur beim Slut-Walk mitmachen und mir fällt einfach nichts ein, was ich als Plakat schreiben könnte.«
»Hmm... Ich hab's. Schreib doch einfach: Vergewaltigung ist das Opium des Volkes!«
»Aber Frauen gehören doch auch zum Volk.«
»Als Mann würde ich ja schreiben: Wir wollen, dass Ihr es auch wollt!«
»Hallo!!!«
»Sorry, aber wie wär's denn mit: Wer nicht will, die hat schon! – Bo, das ist cool, im ›wer‹ steckt das ›er‹, aber dann postwendend die Festlegung des Subjekts auf ›sie‹, also ›die‹, genial.«
»Du merkst aber schon, dass du immer nur aus Männerperspektive denkst?«
»Bin ja wohl noch einer.«
»Schlampe, Schlampe... [sie denkt intensiv nach] ... Ampel... Ahh: Kein Gelb für Gewalt. Was meinst du?«
»Ziemlich kompliziert. Und wenn Rot oben und Grün unten – könnte auch heißen: Der Kopf sagt ›Nein‹ und so weiter.«
»Die leuchten ja nicht gleichzeitig.« [lächelt, freut sich über seine Mitarbeit]
»Was ist, wenn du schreibst: Ich WILL was ICH will?«
»Heiß ich Anne? [lächelt wieder, längere Pause] ... Wo ein Wille ist, ist MEIN Weg. Wo dein Wille ist, ist MEIN Weg.«
»Meintest du ›Willi‹?« [es prustet aus ihm heraus, öffnet eine Flasche Roten]
[sie, kurz davor, aufzugeben]
»Da, da, da ist es: STOP! DU WEISST ES DOCH AUCH! Genau, nicht die pure Konfrontation, sondern Appell an die Vernunft. Auch der Täter ist Mensch. Versuch, ihn zum Innehalten zu bewegen. Das Pfefferspray des Geistes. – Liebling, machst du mir auch ein Glas!«
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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