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Leben ohne Wände

04.12.2009 | 23:08 outnumber
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10.12.2009 | 15:58 valenta
Es geht nicht um unsere Wünsche und Gefühle. Wir wissen um ungleiche Verhältnisse, um einen Konflikt, der unlösbar bleibt, so lange es politische Kräfte auf allen Seiten gibt, direkte und indirekte, d...
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11.12.2009 | 19:15 valenta
Eine Sache ist die konkrete Lage vor Ort. Es geht nicht darum, katastrophale Verhältnisse zu beschönigen. Die gibt es massenhaft. Sie machen einen übrigens nicht zum Pessimisten. Man muss sich durchschlagen. Davon weiß ich. Und ich habe Freunde, die in Palästina arbeiten, auch jüdische, glauben Sie, da geht’s vorerst nicht um Unrecht und Frieden. Da geht’s um ein Medikament, das ein Palästinenser nicht holen kann, weil die „israelische“ Straße nicht überquert werden darf, um alte Benzintonnen als Regenfang, die versteckt werden müssen, weil israelische Jungspund-Soldaten sie sonst als Zielscheiben benutzen – sehr viele Menschen werden von solchen Dingen auf Trab gehalten, von der Organisierung des Alltags, des alltäglichen Überlebens. Erst wenn man nicht betroffen ist, wenn man diesen Dingen nicht nachhetzen muss, also aus der Distanz, kann man sagen, das ist Unrecht. Erst muss ich also genug haben, dass ich das sagen kann. Wenn ich das habe, dann kann auch mitfühlen. (Das meine ich jetzt überhaupt nicht zynisch, ich glaube wirklich, erst ein gewisses existenzielles Niveau ermöglicht unser Mitfühlen und unser politisches Denken.) Etwas anderes ist das Einschätzen politischer Verhältnisse. Politik besteht nicht aus der Unmittelbarkeit einzelner Ereignisse. Erst recht nicht aus der Befindlichkeit von Beobachtern. Politik muss sich immer aus dem Moment herauslösen, das Vorher kennen, Möglichkeiten abwägen, Perspektiven. Ich versuchte mich da an einem vielleicht zu groben Bild. Es wird wenig Fortschritt bei einer Zweistaaten-Lösung geben, denn die Rechtsregierung einerseits und die gespaltene Palästinenserführung andererseits (zu wenig formiert sich die dritte Kraft) finden sich eher für gegenseitige Ausreden gut. Da helfen auch keine schönen Obama-Reden. Aber die strategische Perspektive hat sich verändert. USA-Israel sind heute zwar stark, aber absteigend. Auch Israel kann sich keinen Atomschlag gegen Iran erlauben. Israel wird ohne Paradigmenwechsel in der Politik sehr einsam werden. Die Region insgesamt aber hat Zukunft. Daran wird auch Palästina teilhaben. Auch wenn das für das Elend im Augenblick nichts hilft. Oder anders: ein 60-jähriger Konflikt neigt sich allmählich seinem Ende zu, will ich hoffen. Wahrscheinlich wird dabei viel Unrecht Unrecht bleiben.
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Leben ohne Wände

04.12.2009 | 23:08 outnumber
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10.12.2009 | 15:58 valenta
Es geht nicht um unsere Wünsche und Gefühle. Wir wissen um ungleiche Verhältnisse, um einen Konflikt, der unlösbar bleibt, so lange es politische Kräfte auf allen Seiten gibt, direkte und indirekte, die ihn nicht lösen wollen. Auf oberster Ebene gibt es eine schlechte Konstellation: Die USA stellen einen guten Krisenmanager auf. Mitchell hat den Nord-Irland-Konflikt gut hinbekommen, auch ein Dauerbrenner. Aber Netanjahu ist Olmert-Quadrat, ein Grauzonenpolitiker, und Abbas hat weder Rückgrat noch Rückhalt. Das wird Gezerre geben, keine Lösung. Andererseits läuft allmählich die Zeit gegen Israel. Ein Wagenburg-Staat, das geht à la longue nur in sehr schwacher Umgebung. Schwach sind die Regimes von Jordanien und Syrien noch und jene arabischen Länder, die nichts auf die Reihe kriegen; auch jene reicheren, deren Eliten bisher hauptsächlich schmarotziert und auch den Fundamentalismus gesponsert hat. Das beginnt sich zu ändern und wird sich perspektivisch ändern. „Westasien“ wird sich wandeln. Wirtschaftlich, sozial. Politisch? Der Golf-Kooperationsrat ist heute so was wie eine Keimzelle für eine in 20 Jahren existierende westasiatische Union, auch von der Türkei angestrebt. Wo steht dann Israel? Immer noch isoliert? Allein, umgeben von zusammenarbeitenden, wirtschaftlich erstarkten Staaten? Hamas und die Ayatollas bieten nur eine Sackgasse an. Die Menschen schauen z.B. nach Indien oder China, sie wollen wirtschaftlichen Aufschwung und Frieden. Sie sehen nahe Beispiele, dass dies möglich ist, mit mehr oder weniger oder ohne Demokratie. Sprechen Sie in Ramallah oder Gaza mit den Jüngeren, die kriegen leuchtende Augen. Dann wird ihnen jeder Kriegsruf gegen Israel auch gleich egal. Viel vom religiös getönten Fanatismus der Älteren ist der Angst vor dem „Aufbruch in die Moderne“ geschuldet. Die kleinen Initiativen „da unten“ sind der sichtbare kleine Anfang der Veränderung. Das sind die Funken, oder die Tropfen. 1:60, na und? Kopf hängen lassen? Auch in Gaza gibt’s schon wieder Projekte, in denen Israelis und Palästinenser kooperieren – dort übrigens trotz Hamas, denen das auch nicht passt wegen Kollaboration mit dem Feind.
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10.12.2009 | 01:20 valenta
Das wirkt hier stellenweise exhibitionistisch wie die Schillerstraße. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Thomas Rothschild mit Bernhard oder mit Angele exorziert werden soll oder ob seine Beiträge das Rote vom Ei sind. Er hat eine inhaltliche Meinung zum Verhältnis Print- und Netjournalismus geäußert, exemplifiziert mit dem seit vielen Jahren schon schwärenden Niedergang des „Freitag“ als linkes Journal. So borniert seine Meinung sein mag, er rollt damit Grundfragen der Globalisierung auf, die sich letztlich fokussieren lassen. Schafft es der „Freitag“ – seine AutorInnen, meinetwegen in Print und Blog – auch nur viertel- oder achtelwegs etwas von der „Welt“ zu spiegeln, wie sie sich mit ihrer Fülle von Dynamik und Widersprüchen, mit ihren großen Sprüngen und Revolutionen und Umbrüchen präsentiert? Wenn der „Freitag“ das nicht kann, ist das ganze Gemeiere um „links“ (ja mei!) völlig sinnlos, dann soll er doch auf den Misthaufen der Geschichtln landen. Dabei erwarte ich mir alles andere als ein „revolutionäres Richtungsorgan“, sondern eine plurale politische Debatte. Mir fällt aber schon auf, dass es sehr viel Blog-Müll gibt, unendlich viel Befindlichkeit-Müll dabei herauskommt, der mich eher abhält, da mitzumischen. Kann aber sein, dass das wirklich eine Altersfrage ist. Doch die von Thomas Rothschild angeregte Frage finde ich spannend – aber eben nur den Inhalt, wie ich ihn für mich herausgestochert habe.
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Leben ohne Wände

04.12.2009 | 23:08 outnumber
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09.12.2009 | 19:31 valenta
Da gibt es stets Vorgänge, bei denen es einem die Schuhe ausziehen kann. Es gibt freilich auch - zu selten noch - positive Projekte zwischen Palästinensern und Israelis, mit Solarkraft, Wasser, Strom, Kultur. Vielleicht sollte man gegen das allgemeine und allseitige Schüren von Hass diese noch wenigen positiven Kräfte "schüren". Sich aus der Spirale des Hasses verabschieden. In seinem Umfeld demonstrieren: Man kann den anderen nicht vernichten. Es muss anders gehen. Es kann nur über positive Erfahrungen gehen.
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Bye bye, old Bundesrepublik...

15.04.2009 | 20:43 Friedland
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16.04.2009 | 19:50 valenta
Hallo, Friedland, das hat mich nachdenklich gestimmt. Keiner dieser Firmen ist nachzuweinen, stimmt ja. So manche gehörte, jenseits von Mehrwert, Rendite usw. auch sehr "innig" zur Kultur der alten BRD. Also zur Tradtion. In ähnlicher Weise etwa, wie mein Stahlonkel in der Gießerei, der einmal Arbeiterlieder sang, und zwar Lieder der Arbeit, da kam eigentlich wenig Kampf und Revolution vor. War ein kleines Tal, ein kleines Werk, ländlich, die Verbindung zum Bäuerlichen lange noch gegeben. Nicht im mindesten idyllisch, ziemlich arm, manchmal schüttle ich mich angesichts des Landes, wie es heute ist, der ganze Konsum, ich hab Armut erlebt, blanke. Aber das gehört auch in die Geschichte, die Isetta, der Borghward, das Quelle-Kaufhaus und die Solidarität von einst, die heute so zurückgegangen ist. Seelige Zeiten, brüchige Welt. Und die Frage dahinter. Das Seltsame ist, dass wir sie damals nicht "dahinter" stellten: In welcher Gesellschaft möchten wir leben? Wir fragten laut und vernehmbar. Heute lassen wir die Frage eben "dahinter" stehen. Beantwortet wird sie "davor" von den Machern, den Kapitalheuern, den Helfern im Staat - und irgendwie auch von uns als hilflosen Nichtantwortern. Denn mit den alten Antworten lässt es sich wohl nicht wieder hausieren gehen. Und wir wissen eigentlich nur, dass das Kapital nach immerwährendem Wachstum giert - trotz der Endlichkeit globaler Ressourcen. Wir kommentieren die Krise. Ja und? Wahrscheinlich geht es uns trotz allem Krisengeunke zu gut, als dass wir uns wirklich eine andere Gesellschaft vorstellen können.
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Wiener Opernball: Aus der Chaos-Loge

18.02.2009 | 21:25 oschoeberl
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21.02.2009 | 01:49 valenta
Typisch diese katholischen Öschls. Sagen nie die ganze Wahrheit. Quatschen drauf los, das haben sie von ihrem Fackel-Kraus, ohne die tiefen Gründe zu analysieren. Mautner steht für ein Senf-Imperium, Treichl für einstürzende Neubanken, Stürgkh für die Neo-Gegenreformation, das ist nämlich alter Feudaladel, hat schon Böhmen mitmassakriert. Und dass die Wilden hinter dem Semmering so viel Einfluss im korrupten Wien gewonnen haben (alle Achtung: Tanzschule Kummer, Gradec! – Mirkovich wäre noch besser gewesen, da hätte aber die FPÖ zehn Tage lang „Österreich zuerst!“ geschrieen…), deutet auf eine enorme Zuspitzung des Klassenkampfes hin, dessen hedonistischer Ausdruck der Opernstall ja ist. Da marschieren nicht nur die Angehörigen der Opernschicht auf, auch die Operngurus der Linksfürsten (krisendezimiert, einige Gewerkschaftsbonzen sitzen wegen des BAWAG-Skandals im Häfen, haben die Streikkassa in der Karibik verjubelt) weiters die Operndachlosen, die Opernbullen mit Wasser und Tränen für Action und Romantik, der Walzerkönig; und das Ganze findet immer im Februar statt, weil die Öschis so gedenkwütig sind, zur ewigen Erinnerung an den Arbeiteraufstand 1934, Hut ab vor der österreichischen Arbeiterklasse.
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Väter und Söhne

Kultur | 20.02.2009 | 15:50 Thomas Rothschild
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21.02.2009 | 01:13 valenta
Auf formal-demokratischer Ebene sagt sich das einfach: wir sind Bürger eines Landes, ungeachtet der Hautfarbe, Rasse, Herkunft, des Bekenntnisses und so. Im wirklichen Leben ist das dann anders – jedenfalls hier in Mittel- und Osteuropa. Auch für Sie, Herr Rothschild, spielen vermutlich emotionale Beziehungen manchmal eine gewisse Rolle. Die „wählt“ man sich bekanntlich nicht einfach „objektiv“. Ob Familie, Aufsichtsrat oder Redaktionssitzung, mit der ratio ist es da oft nicht so weit her, wir unterschätzen leicht das Irrationale und die Gefühle. Gesellschaften setzen sich seit langem aus unterschiedlichen Gruppen zusammen, die in sich wieder unterschiedlich organisiert sind usw. Was immer jemand von der Familiengruppe oder von „Familienbildern“ einer Gesellschaft hält, ist eher nebensächlich. Dass in einer Gruppe, in der intergenerationell die Primärerfahrungen vermittelt werden, Emotionen im Spiel sind, kann fast angenommen werden, wobei die Dauer nicht die entscheidende Rolle spielt. Gut ist natürlich, wenn man von der Familie zur Citoyenneté gelangt. Bei Martin Pollack wage ich nicht, über seinen Familienkonflikt zu urteilen, ich kenne ihn nicht; als Citoyen sehe ich ihn sehr wohl in seinen aufklärerischen Büchern zu Osteuropas Geschichte, Kultur und Literatur, wozu er schon einige Pionierarbeit geleistet hat. Das finde ich gut, vor allem. Sein Vaterproblem kann ich da nur im größeren Komplex der 68er-Geschichte sehen, einer Generation, die gegen ihre Vorgänger scharf aufstehen musste, zu Teilen jedenfalls. Und diese Geschichte hat eben viele Varianten und Verwerfungen.
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Ideologisches Outsourcing

Politik | 19.02.2009 | 12:00 Michael Jäger
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19.02.2009 | 18:51 valenta
Die schillernde Person des Klaus Franz steht ja nur stellvertretend für das „Weitermachen-Wollen“, sein persönlicher Opportunismus, Versagen, was auch immer, ist in diesem Zusammenhang uninteressant. Ich glaube, Michael Jäger hat hier eine aktuell brauchbare Lageeinschätzung geliefert. Das unterscheidet sich wohltuend vom Robert Kurz’schen Katastrophismus ebenso wie vom Daniela Dahn’schen theoriefernen Gedöns. Und eine brauchbare theoretische Analyse dieser Krise gabs bisher von links ebenso wenig wie von Havard und Co. Ein naiver Sack, wer da mit Marx und eh schon immer wissen daherkommt.
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23:40
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Theda hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
David Foster Wallace Das hier ist Wasser Kiepenheuer & Witsch 2012

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David Foster Wallace wurde 2005 darum gebeten, vor Absolventen des Kenyon College eine Abschlussrede zu halten. Diese berühmt gewordene Rede gilt in den USA mittlerweile als Klassiker und Pflichtlektüre für alle Abschlussklassen – eine kleine Anleitung für das Leben, die man jedem mit auf den Weg geben möchte >> mehr
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