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Eine der fast 20.000 deutschen Studenten in den Niederlanden reflektiert über ihre Ausbildung im Zusammenhang mit dem Bildungsstreik
Ich absolviere einen Master in den Niederlanden, genauer gesagt an der „Universiteit van Amsterdam“. Diese Bildungseinrichtung hat gerade hervorragende Ergebnisse im Hochschulranking erzielt. Ich genieße eine „elitäre“ Bildung, bin daran gewöhnt Seminare zu besuchen, woran nie mehr als 30 Studenten teilnehmen, meine Dozenten duze ich selbstverständlich und es ist durchaus möglich an deren Arbeitszimmertüren einfach mal so an zu klopfen. Offizielle Sprechstunden gibt es an meiner Fakultät nicht. Aufgrund meiner Erfahrungen tendiere ich dazu Studieren in den Niederlanden zu idealisieren.
Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. In den Niederlanden wurde vor Jahren schon das Bachelor-Master-System eingeführt. Auch dort gilt dieses System als verschult, auch in den Niederlanden gab es Proteste gegen den Bolognia-Prozess. Man muss an dieser Stelle allerdings einräumen, dass es durch einen anderen Betreuungsschlüssel sicherlich nicht nötig ist, Geisteswissenschaftler mittels „mutiple choice“-Fragen zu prüfen.
Studieren in den Niederlanden ist nicht kostenfrei, aber es gibt ausgwogene finanzielle Unterstützung. In einem Artikel des Managermagazin, der vor Kurzen auf Spiegel-Online veröffentlicht wurde, äußerte man hierüber: „Die großzügige Förderung sorgt dafür, dass die holländischen Studiengebühren von 1672 Euro pro Jahr nicht all zu sehr schmerzen.“ In den Niederlanden erhält jeder Student „studiefinancering“, der Grundbetrag (basisbeurs) von 250 Euro wird für vier Jahre ausbezahlt. Wenn man innerhalb von 10 Jahren seinen Abschluss schafft wird das Geld nicht zurückgefordert. Zusätzlich kann man abhängig vom Einkommen der Eltern einen „aanvullende beurs“ (ergänzender Betrag) erhalten. Der „aanvullende beurs“ entspricht dem deutschen BAföG, muss aber in den Niederlanden ebenfalls nicht zurückgezahlt werden. Des weiteren kann man für insgesamt sechs Jahre zinsgünstig bis zu knapp 700 Euro im Monat direkt beim holländischen BAföG-Amt (IB-groep) leihen. Auch erhält jeder Student die sogenannte „OV-kaart“, eine Karte für den öffentlichen Verkehr, mit der man entweder von Montag bis Freitag oder von Freitag bis Montag kostenlos beziehungsweise für 60 Prozent des eigentlichen Fahrpreises durch ganz Niederlande reisen kann. EU-Bürger haben ebenfalls Anrecht auf „studiefinancering“, wenn sie sich um einen Nebenjob von acht Stunden in der Woche bemühen, also einen Beitrag zur Sozialversicherung leisten. Da es in den Niederlanden selbstverständlich Mindestlohn gibt, fällt die Suche nach einem Nebenverdienst nicht allzu schwer.
Natürlich übersteigen die niederländischen Studiengebühren die Kosten für einen Bachelor in den CDU-regierten Bundesländern. Wenn man sich jedoch für einen Master in Deutschland entscheidet, kostet dieser oft viel Geld und verglichen hiermit erscheinen 1672 Euro äußerst moderat. Ich hatte mich beispielsweise für einen englischsprachigen Master an der Freien Universität in Berlin interessiert und letztes Jahr mit Spannung die weiterführenden Informationen auf der Webseite erwartet. Als es endlich soweit war, war ich maßlos enttäuscht: 4450 Euro plus Semesterbeitrag, also über 9000 Euro für einen zweijährigen Master. Man begründet das Ganze großspurig mit „E-learning“. Im übrigen kosten alle englischsprachigen Master im rot-rot regierten Berlin mindestens genauso viel wie jener, der mich mal brennend interessiert hatte.
Es gibt in den Niederlanden – außer für Medizin und an Kunstakademien – (bis jetzt) keine Zulassungsbeschränkungen, auch nicht bei Masterstudiengängen. Der abgeschlossene Bachelor in der entsprechenden Fachrichtung genügt. Jeder darf studieren, was er möchte. Auch das Schulsystem ist völlig anders strukturiert, es ist viel leichter als in Deutschland das nächst höhere Niveau zu erreichen. Ein Niederländer braucht zum Studieren noch nicht mal Abitur (VWO-Diploma), denn wenn man das einundzwanzigste Lebensjahr erreicht hat und eine Eignungsprüfung besteht, kann man an Hochschulen studieren. Wenn man dann das einjährige Grundstudium (Propedeuse) an einer Hochschule erfolgreich absolviert hat, kann man an Universitäten weiter studieren. Auch an Universitäten erhält man nach erfolgreichen Abschluß des ersten Studienjahres: das "Propedeuse-Diploma", wenn man sich für die "Propedeuse" zuviel Zeit lässt und das Grundstudium nicht innerhalb von zwei Jahren abschließt, wird man exmatrikuliert. De facto wird die Eignung für ein Studium nicht anhand einer Abiturnote, sondern eben innerhalb der "Propedeuse" ermittelt. Im Nachhinein empfand ich das erste Studienjahr als besonders hart. Es galten hohe Ansprüche und dadurch, dass ich neben den fachlichen Anforderungen auch noch niederländisch schreiben und zumeist englische Bücher lesen musste, blieb anfangs nicht viel Zeit für mich selbst.
Ein Studium in den Niederlanden wird bei Deutschen immer beliebter und steht auf Nummer eins der Exilstudenten. Westerwellische 18 Prozent der insgesamt 90.000 Auslandsstudenten zieht es inzwischen in die niederen Lande. Innerhalb der letzten Jahre hat sich die Zahl der deutschen Studenten in den Niederlanden beinahe vervierfacht, 2002 waren es 5000 inzwischen sind es 19.750, 42 Prozent aller ausländischen Studenten in den Niederlanden sind deutsch. Die „Dichter und Denker“ entscheiden sich vor allem für englischsprachige Studien, die Fächer: Psychologie, Kommunikation, Jura und Wirtschaft stehen ganz oben auf der Wunschliste.
Mittlerweile kommen aber zu viele deutsche Studenten und dies birgt die Gefahr, dass man sich nicht oder wenig integriert, unter sich bleibt und nur mit seinesgleichen verkehrt. Vor allem an den Universitäten der östlich gelegenen Grenzstädte spricht man nun von Invasion. Allen voran Maastricht, wo 30 Prozent der Studenten aus Deutschland kommen. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften heißt inzwischen unter Niederländern „little Germany“. Die Universität von Maastricht rühmt sich für ihre internationale Atmosphäre, aber wenn in manchen Klassenräumen auf der einen Seite eine Gruppe von Niederländern, auf der anderen Seite eine "Horde" Deutscher und zwischen den Stühlen ein einsamer Koreaner sitzt, kann man wohl kaum von internationaler Gemeinschaft sprechen. Manchen Universitäten wird es nun langsam zu bunt oder eher zu deutsch. In Groningen hat man, nachdem der Anteil der auf englisch studierenden deutschen Psychologiestudenten 90 Prozent betrug, zum ersten Mal den „Numerus Fixus“ (Numerus Clausus) eingeführt. Innerhalb der ersten beiden Kategorien dieses Numerus Fixus werden Deutsche ausgeschlossen. Letztes Jahr erschien in der Zeitung: „Financieel Dagblad“ ein Artikel mit dem Titel: „Duitse student kost Nederlandse staat miloenen“. Man hatte festgestellt, dass man inzwischen über hundert Millionen Euro in die „Dichter und Denker“ investiert hatte. Da in Deutschland mangels englischsprachigen Studiengänge nie mehr als 2000 Niederländer studieren, bringt Deutschland demzufolge nur einen Bruchteil des eben genannten Betrags auf. Man will (noch) nicht „mopperen“ (meckern), denn schließlich hat jeder EU-Bürger das Recht auf ein Studium im Land seiner Wahl.
„Fingerspitzengefühl“ sagt der Dozent während der Vorlesung und während er seine Fingerspitzen aneinander reibt, erklärt er, dass es in der niederländische Sprache kein Äquivalent für dieses Wort gibt. Im Zusammenhang mit dem Bildungsstreik würde ich gerne dieses ach so deutsche Wort aus sämtlichen Duden streichen, denn ich vermisse eine wirklich inhaltliche Diskussion über die Zukunft von Bildung in Deutschland. Auf dem Bildungsstreik in Berlin stand: „Leere Köpfe nicken besser!“ auf einem Plakat und ja, man könnte tatsächlich den Verdacht hegen, dass beabsichtigt wird die Masse der deutschen Studenten und Schüler für dumm zu verkaufen. “Man kann eine Bewegung auch totkuscheln“ äußerte meine Schwester wegen der vermeintlich verständnisvollen Reaktionen aus Politik und Hochschulgremien. Die Studenten dürfen sich austoben, man macht einige vage Zugeständnisse und wartet, bis sich die Protestbewegung wieder in Nichts auflöst. Das Humboldtsche Ideal gilt in jedem Fall nicht mehr für den „gemeinen“ deutschen Student, dass man trotzdem die Lorbeeren kassiert, dafür sorgen die „excellence cluster“ zu denen nur einige wenige zugelassen werden.
In den Niederlanden überwiegt bis jetzt das positive Bild vom deutschen Studenten. Nach wie vor empfindet man eine gewisse Ehrfurcht vor der denkenden Nation, Deutschland gilt von jeher als das Land der Intellektuellen und wenn man sich zum Bildungsbürgertum rechnet, liest man selbstverständlich deutsche und französische Bücher. Die niederländischen Gymnasiasten müssen deutsch und französisch für mindestens zwei Jahre als Unterrichtsfach belegen. Englisch spricht man dortzulande sowieso auf hohen Niveau. Niederländische Studenten haben hierdurch (auch wegen Fernsehens in Originalsprache) einen gewissen Vorsprung auf sprachlichem Gebiet, allerdings werden diese Defizite schnell durch die deutschen Studenten aufgeholt. Es scheint auch, dass Deutsche vor allem auf mathematischen Gebiet vorne liegen, auch bewegen sie sich gewandter und kritischer in politisch-historischen Kontexten und Diskussionen. Es gibt Klischees darüber, dass niederländische Studenten lieber „gezellig“ miteinander Bier trinken und Deutsche strebsam und gewissenhaft seien. Auf jeden Fall gelten deutsche Studenten als „gretig“ (wissbe-)gierig. Und ich denke, dass man in Zeiten von Bildungsstreik und Audimax-Okkupationen zurecht fragen könnte, woher diese Gier kommt? Und ich glaube auch, es dürfte nicht mehr allzu lange dauern bis Niederlande die Gretchenfrage stellt, und zynisch anmerken wird: „Nun sag Deutschland, wie hast Du’s mit der Bildung?“
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beste studente, dat heb je goed gedaan. je geeft een heleboel informatie over het systeem. maar tweetalig zijnde zoals jij begrijp ik wel dat je geen duitse studente bent. dat hoeft ook niet hoor.
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Heel erg bedankt voor je commentaar. Je hebt een interessante website, ik vond vooral het stuk over vaderlandsliefde leuk om te lezen, erg inspirerend. Toen ik nog in Nederland was, had ik heimwee naar mijn "Heimat" en nu, dat ik Berlijn woon mis ik mijn "ander ik", mijn zustertaal. Het is best wel moelijk om daarin een balance te vinden. Groetjes van een tweetalig zijnde
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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