Die Parteien, die mögen wir ja gar nicht. Immer dieses Gezerre und Gezocke, das ist doch richtig unwürdig. „Ich schau inzwischen nicht mehr hin“. Das sagen wir gern. Aber in Wirklichkeit ist es wie mit dem Dschungelcamp: Gerade die richtig fiesen Dinge wollen wir eigentlich ganz dringend sehen. Am liebsten heimlich. Oder warum wäre Charlotte Roche sonst eine Starschriftstellerin?
Deshalb bekenne ich mich gern als Anhänger der Gauck-Kandidatur, und zwar der allerersten Stunde. Die Idee war 2010 so richtig geil fies, schmierig und hundsgemein wie es sich jeder nur wünschen konnte, der zufällig kein Mövenpick-Hotel besitzt. Gabriel und Trittin müssen gefeiert haben: Wir mopsen Mutti den Präsidentschaftskandidaten und braten gleichzeitig der Stasipartei einen über, haha!
Ein Gedanke von macchiavellischer Schönheit – nur eines durfte nicht passieren: Dass Gauck tatsächlich durchkam bei der Wahl. Dann hätte sich nämlich schon damals gezeigt, was der Mann tatsächlich ist: Ein „reaktionärer Stinkstiefel zwischen Martin Walser, Stefan Effenberg und Erika Steinbach“, um den meistbeschimpften „taz“-Journalisten der Welt zustimmend zu zitieren. Wobei der Walser ausscheidet, der war mal in der DKP.
Dafür wird's mit Steinbach witzig. Der Superpräsident macht seit Jahren den Grüßaugust für das Opfer-Museum, mit dem die dem Polen endlich Mores beibringen will. In Danzig baut die polnische Regierung schon ein Gegenmuseum. Genau der Konflikt, den wir jetzt brauchen. Und Gauck hat sicher noch mehr auf Lager.
Angetreten sind Gabriel und Trittin als die größten Strippenzieher zwischen Brüssel und Moskau. Jetzt stehen sie da wie Dick und Doof. Ogott wie peinlich. Ogott wie geil. Es ist halt wie beim Dschungelcamp.
Und vielleicht rettet Gauck ja auch noch die FDP.
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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