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Eigentlich ist die Wirtschaft ja dazu da, unsere Bedürfnisse zu befriedigen- Sie müssten im Zentrum der Ökonomie stehen. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb haben Ökonomen ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den Bedürfnissen, oder her gar keines. Deshalb können sie zum Beispiel allen Ernstes Fragen stellen die diese: "Bremst der Klimaschutz das Wachstum des Bruttosozialprodukts?" Der Klimagipfel in Kopenhagen bringt es mit sich, dass diese Frage heute wieder öfter gestellt wird, neulich etwa im Zürcher "TagesAnzeiger" oder im Berner "Bund".
Die Frage ist interessant. Sie unterstellt, dass das Bruttoinlandprodukt noch wichtigeren Zwecken dienen könnte, als der Sicherung unseres Überlebens. Was könnte dieser höhere Zweck sein? Halt! Wir haben es. Es könnte die Gesundheitsvorsorge sein. Wenn wir morgen alle an der Schweinegrippe sterben, weil wir vor uns lauter Klimaschutz den Impfstoff nicht mehr leisten konnten, dann kann nach uns auch die Sintflut kommen. Was bringt und das langfristige Überleben, wenn das kurzfristige nicht gesichert ist?
Falsch. Die Gesundheit ist offenbar nicht gemeint, denn dieselben Ökonomen, die den Umweltschutz als Gefahr für das BIP sehen, tragen auch Bedenken, wenn es etwa in den USA darum geht, auch die ärmeren 40 Prozent der Bevölkerung gegen Krankheit zu versichern. Dieselben Leute warnen auch vor zu hohen Löhnen oder vor Abwrackprämien. Schliesslich könnte zuviel Konsum das BIP überstrapazieren und eine Inflation hervorrufen. Staatsausgaben sind ihnen ohnehin ein Gräuel. Zuviel davon könnte die "Wettbewerbsfähigkeit" beeinträchtigen oder kommende Generationen belasten. Der Himmel bewahre.
Ja, wofür brauchen wir eigentlich unser Bruttoinlandprodukt, wenn nicht für den Umweltschutz, für die Erhaltung der Gesundheit, für den privaten Konsum, für öffentliche Aufgaben?
Die Ökonomen wissen es natürlich. Deutschlands Wirtschaft brauche genau1,6 Prozent Wachstum, damit die Arbeitslosigkeit nicht noch weiter zunehme, kann man im neuesten Bericht des Sachverständigenrates nachlesen. Oder wie Angela Merkel zu sagen pflegt: "Wachstum schafft Arbeit."
Da haben wir es. Wir brauchen das BIP, damit wir daran arbeiten können. Andere Bedürfnisse haben wir vielleicht schon, aber man sollte nicht offen darüber reden. Sonst könnte ja jeder auch noch etwas wollen und das wäre dann vielleicht doch nicht gut für das BIP.
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Da hat aber jemand die Freie Marktwirtschaft nicht verstanden. Hierbei geht es doch nicht um menschliche Bedürnisse, sonst würden ja demokratisch riesige Listen erstellt werden, wer in diesem Land Bedürfnis nach was hat und dies würde dann (ob in Arbeitsteilung oder nicht) produziert werden.
In der Freien Marktwirtschaft geht es jedoch nicht um menschliche Bedürfnisse, sondern um zahlende Nachfrage. Ein fundamentaler Unterschied, da nicht produziert wird, was gebraucht wird, sondern das, womit sich Geld verdienen lässt. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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