Vontobel

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12.01.2010 | 12:24

Schafft endlich die Mindestlöhne ab!

"Eine Verringerung würde den Steuerzahler erst noch nichts kosten." Mit diesem Argument setzt sich die NZZ dafür ein, die Minimallöhne in den USA abzuschaffen. Doch dieser "unbürokratische Vorschlag", so lamentiert sie, sei politisch chancenlos. "Lieber setzt Washington zurzeit auf die ordnende Hand des Staates als auf die Kreativität der Wirtschaft."

 

Der Autor Christoph Eisenring dürfte als Washingtoner Korrespondent der NZZ mindestens 10'000 Dollar pro Monat verdienen. Der Mindestlohn in den USA beträgt zurzeit 7.35 Dollar. Das ergibt bei den durchschnittlich 33 Stunden, welche die Beschäftigen in den USA zurzeit noch arbeiten können, 240 Dollar die Woche oder gut 1000 Dollar die Woche, ohne Ferien, ohne Sozialversicherung ohne Jobsicherheit.

 

Würde es Herrn Eisenring etwas kosten, zu diesen Bedingungen arbeiten zu müssen? Wäre es ihm egal, wenn es demnächst noch einmal 10 oder 20 Prozent weniger wären? Wahrscheinlich nicht, sind ja monatlich nur 100 oder 200 Dollar. Nein, der Kollege Eisenring ist kein Zyniker, er weiss einfach nicht wovon er schreibt. Leute, die vom Mindestlohn leben müssen, gehören nicht zur Klientel der NZZ und kommen in der Welt der NZZ-Korrepondenten einfach nicht vor. Mindestlöhne sind für sie bloss abstrakte Zahlen.

 

Dass Löhne von 5 Dollar oder weniger zusätzliche Arbeit schaffen, ist vielleicht nicht einmal falsch. Zu dem Preis kann man sich durchaus einmal die Schuhe putzen oder den Garten machen lassen, statt selber Hand anzulegen. Coop oder Migros könnten 5-Franken-Jobber einstellen, die uns die Einkäufe ins Auto bringen, oder die uns die Schultern massieren, während wir vor der Kasse warten. Jeder Job ist schliesslich besser als gar keiner. Die NZZ will offenbar solche Jobs und eine solche Gesellschaft. Wir wollen das lieber nicht.

 

Doch wahrscheinlich gibt es Jobs noch nicht einmal um den Preis einer Zweiklassengesellschaft. Deutschland macht uns gerade vor, was ein ausufernder Tieflohnsektor bringt, nämlich einen seit bald zehn Jahren stagnierenden Konsum (keine Kaufkraft, keine Nachfrage) und - Pointe - immer höhere Belastungen für den Steuerzahler. Schliesslich kann man die Mitbürger nicht für 1000 Franken pro Monat vegetieren lassen. Da würde wohl selbst ein Christoph Eisenring mit Staatsgeldern gerne noch ein wenig nachbessern - selbst wenn es für die Steuerzahler doch etwas kosten sollte.

 

 

 
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Kommentare
h.yuren schrieb am 12.01.2010 um 13:04
grüezi, vontobel. es ist, wie es ist. die honorigen journalisten der honorigen blätter schreiben, was von ihnen erwartet wird. zeitungen sind meist in privatbesitz. gewinn machen ist wichtig.
ganz schlimm wirds, wenn in den öffentlich-rechtlichen sendeanstalten hier in der brd ganz ähnliche töne zu hören sind. das ist dann ein verstoß gegen das informationsgebot der öffentlich-rechtlichen. aber wer fordert es wirkungsvoll ein in diesem teutonien?
danke für deine empörung.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.01.2010 um 02:13
"Dass Löhne von 5 Dollar oder weniger zusätzliche Arbeit schaffen, ist vielleicht nicht einmal falsch."

Es ist nicht nur nicht falsch. Es ist sogar ziemlich sicher, vor allem wenn es keine aufstockenden Sozialleistungen gibt. Auch bei uns träumt ja so mancher "Wirtschaftsexperte" von solchen Zuständen.
Mir fällt da eine TV-Doku über Indien ein, in der Menschen gezeigt wurden, die sich auf Rastplätzen an Fernstraßen als Ohrenpopler verdingen. Mal sehen, ob es bei uns auch noch so weit kommt. (;
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