1
]

"Es kommt darauf an, wahrgenommen zu werden, ohne den Leuten auf die Nerven zu gehen."
Heiko Vosgerau (FDP)
Die letzten beiden Wahlkampfwochen verlaufen in gewohnten Bahnen: Infostände, Pressearbeit, Info-Flyer redigieren. Etwas Aufregung gibt es noch, als eine konkurrierende Partei versucht, unserer Landtagskandidatin Anita Klahn über die kommunalpolitische Schiene an den Karren zu fahren. Nach entsprechenden Maßnahmen unsererseits verpufft die Aktion allerdings folgenlos.

Leckerer Wal-Kuchen.
Da der Wahlsonntag mit dem 4. Geburtstag unserer Tochter zusammenfällt, gibt es nachmittags erst einmal eine Wal-Party: Mit Wal-Kuchen, Wal-Deko und Wal-Fang (sonst auch als Schnitzeljagd bekannt). Einen Wahlnachmittag mit einem halben Dutzend Kindergartenkindern kann ich allen gestressten und nervösen Wahlkämpfern nur wärmstens an Herz legen: Man ist abgelenkt und anschließend wunderbar abgearbeitet. Die Bedeutung von Prognosen und Hochrechnungen, ja von Politik überhaupt, relativiert sich erheblich. So nehmen wir um 18.00 Uhr die FDP-Rekordergebnisse in Bund und Land eher mit staunender Gelassenheit zur Kenntnis. Klar ist zu diesem Zeitpunkt schon, dass Anita Klahn sicher im Landtag ist. Dazu hätten aber auch schon 7 Prozent gereicht, also kein Grund zur Aufregung.
Dann ist Schichtwechsel: Geburtstagsgäste verabschieden, aufräumen, Kind ins Bett bringen, für die Wahlparty aufbauen. Gegen acht trudelt der FDP-Ortsverband bei uns ein. Man stößt auf das gute Ergebnis an, trinkt ein oder zwei Gläser Sekt, nimmt Knabberzeug zu sich, unterhält sich freundlich angeregt. Aus dem Fernseher flimmern die neuesten Hochrechnungen und Interviews. Eine rauschende Party sieht anders aus. Vielleicht sind wir schon zu verwöhnt und abgeklärt – bei der Kommunalwahl 2008 hatten wir in Bad Oldesloe auch schon 16 Prozent geholt. Und wir wissen, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt. Nach 11 Jahren Opposition im Bund und 38 Jahren Opposition in Schleswig-Holstein werden wir bei den nächsten Wahlen endlich wieder das Privileg haben, dass uns die Wähler an unseren Leistungen messen können. Stimmung kommt nur einmal kurzfristig auf, als Ralf Stegner eine Schröder-2005-Kopie versucht und zum Besten gibt, dass der Abend ja noch lang und der Wahlausgang noch nicht entschieden sei. Wenig später sieht er aber dann doch ein, dass es für die SPD vorbei ist. Derweil entlocke ich dem Internet "unsere" Wahlergebnisse für Stadt und Wahlkreise. Alle Werte liegen zwischen 16 und 17 Prozent – das sind Zuwächse von bis zu zehn Prozentpunkten, die noch deutlich über dem Landesdurchschnitt liegen. Damit können wir mehr als zufrieden sein.
Um zehn sind die Gäste schon wieder aus dem Haus – morgen ist Montag, und das noch unsichere Landes-Endergebnis wird noch bis in die Nacht auf sich warten lassen. Und klar ist: Wenn es für schwarz-gelb nicht reicht, werden entweder die Grünen oder der SSW, die Vertretung der dänischen Minderheit, dazu geholt.
Auch meine Frau geht klugerweise ins Bett. Ich dagegen werde mal wieder zum Zahlen-Junkie und hänge vor dem Rechner, um mir quer durchs Netz alle möglichen lokalen Resultate anzusehen. Doch die vorläufigen amtlichen Endergebnisse wollen einfach nicht reinkommen. Wie später der Presse zu entnehmen ist, liegt es an Problemen mit der Briefwahl-Auszählung im schönen Elmshorn – das so bundes- und landesweit alles aufhält. Um halb drei kapituliere ich und gehe endlich schlafen.

Leckeres Wahl-Ergebnis.
Als ich am nächsten Morgen aufwache, hat die FDP in Schleswig-Holstein 4 statt 2 Bundestagsabgeordnete und 15 statt 4 Landtagsabgeordnete. Wir werden regieren, in Berlin und in Kiel. Walfang und Wahlkampf sind erfolgreich abgeschlossen.
|
|
Hier hilft uns nur gelassenheit.
den die gelassenheit hilft aber auch unerwünschte folgen "kollteralschäden" dieser Wahl zu ertragen so wie Sachverhalte die sich nicht ändern Lassen hinzunehmen, sie sie zu lassen wie sie sind. eykiway |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen