Wahlkämpfer auf Achse

Wahl lokal

24.09.2009 | 17:18

Zweikampf der Großen Koalition in Wiesbaden

"Wir Hessen standen zweimal im Winter an den Wahlkampfständen. Zeit, sich bei (spät-) sommerlichen Temperaturen etwas aufzuwärmen!"

Frederic Schneider (CDU)

 

 

Großveranstaltungen sind das eine, Verteilaktionen und Podiumsdiskussionen das andere. Nur dort trifft man den Bürger, weiß direkt, wo der Schuh drückt.
Am Montag habe ich eine Podiumsdiskussion im Wahlkreis Wiesbaden besucht. Ich wohne und wähle zwar in einem anderen Kreis, aber Wiesbaden scheint interessant zu werden. Kristina Köhler, die örtliche CDU-Kandidatin, wird wohl nur durch die Erststimme das dritte Mal in den Bundestag einziehen können. Grund: Die Landesliste der hessischen CDU wird dieses Mal wohlmöglich nicht ziehen. In Wiesbaden und damit gegen Kristina Köhler kandidieren gleich zwei hessische Spitzenkandidaten: Die Rote Heidi für die SPD und Wolfgang Gerhardt, FDP.

Das war 2005 noch anders. Damals kandidierte Kristina Köhler lediglich gegen die Rote Heidi - und schaffte es fast. 2009 wird es ungleich schwieriger. So weist Kristina bei fast jedem Bürgergespräch darauf hin: Eine Erststimme für Wolfgang Gerhardt ist eine Stimme für die Rote Heidi, für die SPD. Wer die junge CDU-Kandidatin im Bundestag haben möchte, muss CDU wählen.

Ich wünsche Kristina den Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag. Sie ist ein großes Talent der Christdemokraten, hatte sich im BND-Untersuchungsausschuss parteiübergreifend Anerkennung erarbeitet, und setzte sich sogar gegen Schwergewichte wie Ströbele von den Grünen durch. Außerdem ist Kristina meines Erachtens die aktivste und beste MdB-Twitterin aus unseren Reihen.

Gespannt kam ich daher zur Podiumsdiskussion am Montag, veranstaltet vom Wiesbadener Kurier und dem Wiesbadener Presseclub. Gemeinsam mit einem Kollegen quetschte ich mich in die letzte Reihe, zwischen eine Handvoll Unterstützter des "Linke"-Kandidaten. Vor uns drei Reihen mit Mitarbeitern der örtlichen SPD-Kreisgeschäftsstelle und mit Bier ausgestatteten Jusos. Die jubelten stets bei der Roten Heidi und klagten, wenn Kristina Köhler oder Wolfgang Gerhardt sprachen.

Kristina machte einen guten Eindruck. Sie formulierte klar, hatte ein Lächeln auf ihren Lippen. Sie sagt: Wir müssen die Menschen entlasten, Steuern senken, den Anteil an erneuerbaren Energien anheben. Im Gegensatz zur Roten Heidi hält sie sich stets auch die zweiminütige Redezeit, übrigens auch wie die restlichen Kandidaten von FDP, Grüne und Linke. Es ist auch ein Abend CDU gegen SPD, für das Ende der Großen Koalition.

Nach gut zwei Stunden neigt sich die Veranstaltung dem Ende zu. Einer der zwei Moderatoren fragt, ob man noch eine Viertelstunde dran hängen wolle. Die Kandidaten seien zwar schon sehr lange auf den Beinen und müde, aber würden sicherlich noch etwas bleiben. Was das Publikum denkt? Wer ist fürs Weitermachen? Ein Mann rechts von mir hebt die Hand, einer vorne links. Es sind nicht viele. Und wer dagegen? Der Saal hat abgestimmt.

Es war gut gelaufen. Kristina Köhler scheint sichtlich froh ob ihres guten Auftretens. Lob auch von Bürgern, die dabei waren, ein freundlichen Grinsen von einem Mitarbeiter des Kuriers. Danach unterhalte ich mich noch mit dem Chefredakteur des Wiesbadener Kuriers, über Twitter. Er war erstaunt, mich mal live zu sehen. "Sie sind also nicht nur digital", scherzt er. Und: "Auf dem Twitter-Bild sehen Sie etwas anders aus." Ja, aber besser, oder?

Den Abend lasse ich gemeinsam mit zwei Kollegen in einer kleinen Bar mit Cola ausklingen. Wir resümieren etwas den Wahlkampf, und hoffen, Kristina Köhler auch nach dem 27. September im Bundestag zu haben. "Das wird", sage ich zum Schluss. Es ist 23:15 Uhr.

 
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