Wahlkampfarena

Die Wahlkampfarena

23.02.2009 | 12:34

Propaganda 2.0: Leserbriefe von der FDP

Die FDP setzt auf Präsenz in den Medien – wie alle Parteien. Diese versucht sie jetzt jedoch auch durch die Stimmen ihrer Anhänger zu erlangen: „Verbreiten Sie Argumente der Freiheit in der Presse. Schreiben Sie Leserbriefe an Ihre Zeitung.“ Innerhalb der parteieigenen Onlinekommunikationsplattform „Mitmacharena“ haben gewitzte Strategen ein Feature installiert, das Botschaften von Community-Mitgliedern per E-Mail an Printmedien weiterleitet. Spiegel und Focus, die sechs überregionalen Formate Financial Times Deutschland, das Handelsblatt, die Süddeutsche, sogar taz und Neues Deutschland (!) sowie 13 regionale Tageszeitungen lassen sich per Checkbox-Aktivierung alle auf einmal mit der liberalen „Lesermeinung" beliefern.
 Nicht nur die intrinsische Motivation soll zur FDP-nahen Meinungsverbreitung führen, jeder „Leserbrief“ wird zusätzlich mit 100 Punkten vergütet, die der „Freund der Freiheit“ – so heißen die Mitglieder der Mitmacharena – später im FDP-Shop einlösen kann. Das ist so offensichtliche sublime Öffentlichkeitsarbeit, dass man es fast schon wieder ehrlich nennen könnte. Es bleibt zu hoffen, dass in diesem Fall die Rolle der Medien als Gatekeeper noch nicht gänzlich ausgedient hat. 
 
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Kommentare
odradek schrieb am 23.02.2009 um 13:11
Ah, wieso. Hier haben sich doch alle gefragt, wie man denn hier so eine Obaba-artige Anhängermobilisierung machen könnte. Die FDP versucht's jetzt entsprechend ihrer eigenen Positionen über Marktanreize. Wenn diese "Selberdenker" allerdings tatsächlich ihre kostbare Zeit damit verschwendet würden, Leserbriefe mit vorgefertigten Positionen an die taz zu schreiben um dann die FDP Parkscheibe mit Benzinrechner zu gewinnen, dann hätte das schon was von Ironie. Ob das wirksam ist, mal schauen. Ginge es nur um den Zirkus der Anhänger, dann hiesse der Präsident der Vereinigten Staaten jetzt Ron Paul.
odradek schrieb am 23.02.2009 um 16:19
Ich versuch das grad rauszukriegen...
Günter Bartsch schrieb am 23.02.2009 um 14:32
Sieht man den Leserbriefen denn an, dass sie aus dem Portal heraus geschickt werden? Falls nicht, dürfte es für Journalisten ganz schön schwierig werden, einen "echten" Leserbrief von einem solchen zu unterscheiden (am ehesten wohl dadurch, dass die Briefe offenbar zu keinem konkreten Artikel geschrieben werden).

Und übernehmen die Leute vorgefertigte Texte? Oder schreiben sie alles selbst? Falls Letzteres der Fall ist, besteht ja eigentlich kaum ein Unterschied zu einer selbst verfassten Leser-Mail.

Und werden die Briefe gefiltert – oder sofort an die Zeitungen verschickt?
odradek schrieb am 23.02.2009 um 16:20
Oh falscher Knopf. Also hier: Ich versuch das grad rauszukriegen..
Wahlkampfarena schrieb am 23.02.2009 um 18:38
Es handelt sich um ein freies Textfeld, über dem die eigene E-Mailadresse (aus dem Registrierungsprozess) steht. Der Text ist frei einzugeben, anders als bei Massenmailaktionen wie e-Petitionen demnach nicht als FDP-Fabrikat erkenntlich. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Mitmacharena nur als zwischengeschalteter Kanal dient, der für den Adressat/die Redaktion nicht erkenntlich ist.

Da die Leute zumindest ihre eigene Meinung eingeben, existiert insofern kein Unterschied zu einem selbstständig verfassten Leserbrief. Das Ganze ist "nur" sehr professionell aggregiert bzw. schafft erst durch den leichten Zugang und die Punktevergabe den Anreiz, überhaupt in dieser Form aktiv zu werden.

Es ist nicht per se verwerflich seine Meinung zu vertreten und zu verbreiten - hier geht es allerdings um bloße Verbreitung von FDP-Gedankengut, das sich - wie richtig bemerkt - nicht mal auf einen konkreten Artikel/Inhalt eines Mediums bezieht, sondern als Massen-Spam auf die Redaktionen losgelassen wird.
odradek schrieb am 23.02.2009 um 19:24
Die eigene Meinung zu schreiben wird einem aber auch allzu schwer gemacht. Auf der Seite mit dem Textfeld ist ein link auf "Argumente der Freiheit", von wo man sich dann z.B. bezwingende Argumente gegen den Mindestlohn herunterladen kann, falls einem grad nix einfällt und man den Unterschied zwischen Stunden- und Monatslohn nicht kennt:

In Deutschland kann die Grundsicherung für Arbeitslose als De-Facto-Mindestlohn angesehen werden. Es wäre ökonomisch irrational, für weniger Geld als das Arbeitslosengeld II zu arbeiten. Es besteht damit kaum ein Anreiz zur Arbeitsaufnahme im unteren Lohnbereich
Günter Bartsch schrieb am 24.02.2009 um 10:27
@ Wahlkampfarena: Da könnte man ja glatt auf die Idee kommen, darüber ganz andere politische Haltungen zu verbreiten ;-)
vomsehen schrieb am 24.02.2009 um 01:38
Wieso eigentlich "sogar andie taz"? Die Linksliberalen rücken den Rechtsliberalen doch immer näher - man führe sich das 2007er-Papier zur "Grünen Marktwirtschaft" zu Gemüte. Zudem haben die Grünen erst jüngst im Zusammenhang mit der sogenannten "Schuldenbremse" für Bund und Länder eine geradezu FDP-mäßige Position bezogen: Das "Verschuldungsverbot" sei völlig richtig, nur viel zu inkonsequent und zu spät...

Ich würde eher schreiben: "Sogar an das Neue Deutschland..."
Wahlkampfarena schrieb am 02.03.2009 um 20:30
Korrekt - korrigiert! MfG von der WKA
Richard Käse schrieb am 25.02.2009 um 21:58
Ich komme nicht auf dieses Formular. Ist das nur für Mitglieder?
Leserbriefeseite: http://www.fdp-bundespartei.de/webcom/show_article.php?wc_c=1102&wc_id=1
Jakob Augstein schrieb am 25.02.2009 um 22:08
Und warum bekommt ausgerechnet der Freitag keine Post von der FDP?
(Das muss ich unbedingt dem nächsten Leser schreiben, der uns vorwirft, wir hätten das Blatt auf neoliberal gedreht ;) )
Wahlkampfarena schrieb am 02.03.2009 um 20:31
Ja, man muss sich vorher registrieren lassen (geht aber relativ fix) - und die Entdeckung war es wert ;)
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